Ein gehaltvolles Korn

Schale und Öl des Weizens

Fragen wir nach dem tiefen Sinn (in der christlich geistlichen Sprache als Geheimnis bezeichnet) der Heiligen Drei Tage, die mit dem heutigen Gründonnerstag beginnen, so können wir ihn mit einem Wort zum Ausdruck bringen: Hingabe. Jesus hat das einst mit einem Gleichnis den Seinigen verdeutlichen und aufschließen wollen. Im Johannesevangelium der Bibel können wir das nachlesen: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh. 12,24) Die Hostien, die in jeder Eucharistiefeier als Gaben zum Altar gebracht werden, bestehen auch aus Weizenmehl. Darum möchte ich auf dieses Getreide näher hinsehen und den gesundheitlichen Wert desselben in Erinnerung rufen. Das reine weiße Mehl dieses Korns ist eher gehaltlos. In den Keimen des Weizens aber verbirgt sich ein wertvolles Öl (bis zu 18 %), das mittels einer Kaltpressung gewonnen werden kann. In dieser fetten Substanz ist vor allem Vitamin E enthalten. Dieses trägt dazu bei, dass der Alterungsprozess des ganzen Organismus verlangsamt und die Herztätigkeit positiv unterstützt wird. Zudem profitiert auch das Hormonsystem von der Verwendung des Weizenkeimöls. Ein anderer Bestandteil, der in den Mühlen von den Körnern abfällt, ist die Weizenkleie. Dabei handelt es sich um die äußeren Schichten des Getreidekorns, das seinerseits wiederum voller Faserstoffe ist, die sich im Darm sehr gut auswirken können. Sie dienen u. a. dem dort vorhandenen Mikrobiom als Nahrung. Aber bleiben wir heute beim kostbaren Öl aus den Weizenkeimen. Um seinen Körper zu ertüchtigen und ihn somit widerstandsfähiger zu machen, kann man eine Zeitlang das reine und qualitätsvolle Öl sogar einnehmen.

Tagesration für den Organismus

Unabhängig von seiner Verwendung in der Küche kann man das Weizenkeimöl in ganz kleinen Mengen einnehmen. In ein Joghurt, in Butter- oder Sauermilch oder in einen Frucht- bzw. Gemüsesaft seiner Wahl rührt man 1 Teelöffel voll Weizenkeimöl ein und trinkt das Gemisch schluckweise aus. Das reicht für 1 Tag. Mit dem Weizenkeimöl versorgt man den Leib mit Vitamin E und stärkt ihn so von innen für die mannigfaltigen gesundheitlichen Herausforderungen. www.kraeuterpfarrer.at

Weichweizen (Triticum aestivum) ⓒ commons.wikimedia/David Wright





Die Verdauung fördern

Leinsamen hat manche Vorteile

Wer eine lange Wanderung hinter sich gebracht hat, der ist froh, wenn er sich auf einem gemütlichen Platz ausrasten und für einige Zeit hinsetzen kann. Obwohl das Wetter momentan einladen würde, sich auf eine Tour in frühlingshafter Frischluft zu begeben, ist der Lebenshorizont für viele nur sehr eingeschränkt verfügbar, in Rücksicht auf andere. Das Sitzen kommt in Tagen wie diesen sicher nicht zu kurz. Aber der Körper braucht die Bewegung, auch im Hinblick auf eine gute Verdauung. Der Leinsamen, also genau genommen die Samenkörner des Gemeinen Leins (Linum usitatissimum), sind ein Erntegut, das man aufgrund von archäologischen Forschungen schon bei den jahrtausendealten Kulturen des Nahen Ostens und des Mittelmeerbereiches nachweisen konnte. Und seither hat der Lein oder Flachs samt den darauf reifenden Körnern eine kontinuierliche Geschichte zusammen mit den Menschen aufzuweisen. Der Leinsamen ist reich an ungesättigten Fettsäuren, enthält weiters Vitamine und Mineralstoffe. Der Zusammenhang von Bewegung und Verdauung, den ich eingangs erwähnt habe, ist wohl naheliegend. Denn eine stets sich verändernde Körperposition ist letztendlich auch förderlich für die Tätigkeit des Darmes, die dadurch positiv beeinflusst wird. Wenn nun durch das Essen von Leinsamen – egal ob im Ganzen oder geschrotet – das Korn im Inneren des Magens und des Darmes aufquillt, verändert dies das Volumen der zu verdauenden Masse und trägt so zu einem Entgegenwirken wider die Trägheit im Darmkanal bei. Dasselbe gilt für die Verhärtung des Stuhles. Somit darf ich heute den Leinsamen allen ans Herz legen, um so die Gesundheit zu festigen und das Wohlbefinden zu steigern. Die nahrungsmäßige Beigabe lässt sich aber auch als Hausmittel bei Schwierigkeiten mit Afterjucken und einem harten Stuhl aufbereiten.

Ansatz mit Leinsamen und Löwenzahn

Von einer gesäuberten und kleingeschnittenen Wurzel des Löwenzahns nimmt man 1 Teelöffel voll und mischt sie mit 1 Teelöffel Leinsamenkörnern ab. Das tut man am besten abends. 1/4 Liter kaltes Wasser darübergießen und über Nacht stehen lassen. Am nächsten Morgen abseihen und bloß erwärmen, also nicht kochen. Auf nüchternem Magen trinken. Das tut dem Darm gut, vor allem dann, wenn man bei hartem Stuhl eine Abhilfe sucht. www.kraeuterpfarrer.at

Leinpflanze mit Samen (Linum usitatissimum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Nachtschweiß reduzieren

Ein Hausmittel mit Echtem Labkraut

Mit dem Frühling steigt nun die Temperaturkurve des Wetters wieder nach oben, nachdem wir die jüngst stattfindende Frostperiode Gott sei Dank wieder hinter uns gebracht haben. Leider wird man nun auch schon die Schäden an den Bäumen, deren Blüten und an den Pflanzen im Garten ablesen können, welche die ungewohnte Kälte in diesen Wochen mit sich gebracht hat. In den Wohnungen haben wir davon wohl nichts mitbekommen, da es nach wie vor zu heizen gilt, zumindest in den Nachtstunden. Mit dem Echten Labkraut (Galium verum) darf ich mich heute einem Thema zuwenden, das wohl gar nicht so wenige betrifft: dem Schwitzen in der Nacht. Letztlich haben wohl alle schon einmal die Erfahrung gemacht, dass man während der Bettruhe erwacht und merkt, dass der Schweiß mehr vorhanden ist als nötig. Gewiss kann das verschiedene Ursachen haben bis hin zu Träumen, in denen man Horrorszenarien vors Auge geführt bekommt und darauf mit Angstzuständen reagiert. Das Echte Labkraut ist eine Pflanze, auf die wir uns verlassen können. Die Wirkstoffe setzen sich u. a. aus Gerbstoffen, Glykosiden, Kieselsäure und Spurenelementen zusammen. Erst bei der getrockneten Droge kommt dann auch noch das Cumarin zum Durchbruch. Seit eh und je hat man sich der positiven Eigenschaften des Labkrautes bedient, insbesondere um die Tätigkeit der verschiedenen Drüsen im Körperinneren zu fördern und das Lymphsystem in seiner wichtigen Funktion zu unterstützen. Man kann aber das Heilgewächs auch äußerlich verwenden, vor allem dann, wenn es darum geht, wieder beruhigter und mit weniger Schweiß die Phase des Schlafens während der Nacht erleben zu dürfen. Gewiss ist es dabei auch möglich, noch andere Kräuter hinzuzufügen. In unserem Fall ist es wohl das Beste, das Labkraut mit dem Salbei zu kombinieren.

Abreibung vor dem Schlafengehen

Von getrocknetem und zerkleinertem Gelben Labkraut nimmt man 1 Esslöffel voll. Zusätzlich fügt man die gleiche Menge an Salbeiblättern, ebenfalls getrocknet und zerkleinert, hinzu. Mit 1/2 Liter kochendem Wasser überbrühen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen. Kurz vor dem Schlafengehen reibt man den ganzen Körper mit dem lauwarmen Tee ab. Morgens nach dem Erwachen noch einmal durchführen. Übrigens kann man noch 1 Esslöffel voll Apfelessig hinzufügen, um die Wirkung zu steigern. www.kraeuterpfarrer.at

Gelbes oder Echtes Labkraut (Galium verum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Nahe am Boden und kraftvoll

Die Vogelmiere steht uns bei

Wie geht es Ihrem Gemüt nach dieser Zeit des angespannten Ausharrens? Noch müssen wir uns gedulden. Unser Herr Bundespräsident hat noch unlängst die Ermutigung zum Durchhalten weitergegeben. Und ich habe die Hoffnung, dass wir miteinander die momentane Krise meistern werden. Dennoch darf auch all das zur Sprache kommen, was die Seele schwer und unsicher macht. Genau dafür möchte ich den Blick auf eine Pflanze lenken, die mit einem Leben am Boden zurechtkommt. Es ist die liebenswerte Vogelmiere (Stellaria media), die oft von uns übersehen wird, obwohl sie in der unmittelbaren Umgebung der Häuser wächst und ihr Auslangen findet. Dieses Heilkraut zählt übrigens zur Familie der Nelkengewächse. Zu den Inhaltsstoffen des Gewächses zählen Schleimstoffe, Cumarine, Flavonoide und sogar Vitamine. Überdies enthält sie eine Reihe an Mineralstoffen. Man findet die Vogelmiere eigentlich das ganze Jahr über in ihrem grünen Kleid, was sie meines Erachtens auch zu einer sehr starken Pflanze macht, deren Kräfte wir desgleichen für unsere Gesundheit abrufen dürfen. In erster Linie verwendet man diese Gabe der Natur, um damit Probleme der Haut zu begleiten. Hier möchte ich nur die Stichworte Ekzeme, Ausschläge und auch die Schuppenflechte erwähnen. Doch darüber hinaus kann sie auch geschwächten und entzündeten Atemwegen einen heilsamen und kräftigenden Dienst erweisen. Wer also einen Garten besitzt, der groß genug ist, kann auf die Suche gehen, ob die Vogelmeire ohnehin präsent ist. Am einfachsten ist es wohl, sich einen Tee damit aufzugießen, der innerlich und äußerlich zur Anwendung gelangen kann.

Tee aus Vogelmiere

Vom frischen blühenden Kraut der Vogelmiere nimmt man, nachdem man die Triebe zerkleinert hat, 2 bis 3 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Den Tee schluckweise bei annehmbarer Trinktemperatur trinken. Das kann man 2-mal pro Tag tun, was sich als unterstützend bei Hautproblemen erweist. Die Anwendung tut ebenfalls gut, wenn die Atemwege angeschlagen sind. www.kraeuterpfarrer.at

Vogelmiere (Stellaria media) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Pflanze für den Palmsonntag

Die Weide besitzt heilsame Kräfte

Diesmal feiern wir den heutigen Tag auf ganz ungewöhnliche Weise. Alles Brauchtum und die damit verbundenen liturgischen Besonderheiten sind hinter die vier Wände des eigenen Zuhauses verbannt. Der Palmsonntag findet dennoch statt und gibt uns die Gelegenheit, über manches bisher Selbstverständliche nachzudenken. Warum verwendet man denn eigentlich die mit Kätzchen bestückten Zweige der Weiden (Salix), um sie zu segnen? Nun, in unseren Breiten hat man seit eh und je die zum Blühen bereiten Weidenzweige als Ersatz für die im mediterranen Ländern gebräuchlichen Blätter der wirklichen Palmen hergenommen, um damit den Einzug Jesu in Jerusalem darzustellen. Die Weiden sind nämlich Hoffnungsträger, weil sie eben zu den Gewächsen zählen, die dem Frühjahr und somit dem aufbrechenden Leben Tür und Tor öffnen. Und sie wirken sich darüber hinaus förderlich auf die Gesundheit aus. In den Rinden der Weidenzweige sind Gerbstoff, Salze, Salicylsäureverbindungen, Glykoside und Polyphenole enthalten. Somit kann man davon ausgehen, dass es möglich ist, mit deren Verwendung Entzündungsprozesse zu begleiten und Schmerzen zu reduzieren. Da unsere Vorfahren gute Beobachter waren und somit die wegweisenden Schlüsse aus so manchen Vorgängen zogen, haben sie die Heilkraft der Pflanzen zum eigenen Wohle genutzt. Die Haustiere zeigten ihnen den Weg dorthin, indem sie an der Rinde der Weiden nagten und sie abfraßen. Und wir können von diesen Überlieferungen nun profitieren. So gelingt es z. B., über die Haut die dementsprechend gewünschte Wirkung abzurufen. Vor allem dann, wenn man unter rheumatischen Beschwerden leidet, für die Nerven etwas Beruhigendes sucht oder einer gereizten Haut etwas Gutes tun möchte, ist es möglich, die Weidenrinden als Badezusatz aufzubereiten. Ich wünsche allen einen gesegneten und hoffnungsreichen Palmsonntag.

Weidenrinden-Bad

Von fingerdicken Zweigen der Weide (vornehmlich Salweide oder Reifweide) schält man zwischen April und Juli die Rinde ab. Dann gut durchtrocknen lassen und lagern. 250 g von getrockneter und zerkleinerter Weidenrinde setzt man in 3 Liter kaltem Wasser 8 Stunden lang an. Danach 15 Minuten lang gut aufkochen. Abseihen, dem Badewasser beifügen und ca. 20 Minuten in der Wanne baden. Kann mithelfen, Schmerzen zu lindern und die Nerven zu beruhigen. www.kraeuterpfarrer.at

Weidenkätzchen und Blüten (Salix) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Dem Schlaf dienen

Haferflocken gehören auch dazu

In den gegenwärtigen Tagen hat die Zeit eine ganz andere Dimension angenommen als bisher. Denn einerseits bleibt nun viel Zeit durch das Zuhausebleiben für einen selbst übrig, andererseits wundert man sich aber am Ende eines Tages, wie viel von dem, was man sich dafür vorgenommen hat, dennoch unerledigt blieb. Und schließlich rotieren die Gedanken dann weiter im Kopf, was wiederum auf Kosten eines ausreichend langen Schlafes geht. Um sich des Nächtens besser ausruhen zu können, greifen viele zu so genannten Schlafmitteln. Ich möchte heute daher den Hafer (Avena sativa) wieder einmal aus der Schatzkiste der Natur hervorkramen, da ich in ihm viele Vorteile sehe. Gewiss ist dieses Getreide hervorragend dazu geeignet, die Nahrung des Menschen und das Futter der Tiere zu ergänzen und gleichzeitig aufzubessern. Denn in den Samen des Süßgrasgewächses befinden sich wertvolle Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Es tut z. B. den Haaren und den Nägeln gut, öfters Hafer zu konsumieren. So werden diese indirekt in ihrem Aufbau und in ihrer Konsistenz gestärkt und gefestigt. Vitamin B wiederum wirkt sich förderlich auf unsere Nerven aus. Und damit landen wir auch bei den Bedingungen, die für einen guten und tiefen Schlaf notwendig sind. Es ist nun gut zu wissen, dass man den Hafer in Form von Haferflocken wahrscheinlich ohnehin im Haushalt vorhanden hat und dieses Korn nicht erst extra besorgt werden muss. Wenn nicht, gibt es für diejenigen, die als Zugehörige zur Risikogruppe vorsorglich daheimbleiben, sicher Angehörige, Nachbarn und Helfer, die beim Einkaufengehen die Haferflocken einfach mitnehmen können. Die Gaben der Natur erweisen sich nämlich gerade in Zeiten von Krisen und Epidemien als besonders wertvoll. Das von mir beschriebene Hausmittel eignet sich auch zur Durchführung, wenn man Schlafmedikamente abzusetzen beginnt.

Haferflocken aufgießen

1 voller Esslöffel Haferflocken wird mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. Nun legt man 1 Faden Safran dazu und lässt beides miteinander 15 Minuten zugedeckt ziehen. Danach abseihen und bei annehmbarer Temperatur schluckweise trinken. Hat man eine Arnikatinktur zur Hand, kann man auch davon noch 2 Tropfen hinzufügen, da Arnika ebenfalls eine ausgleichende Wirkung besitzt. Diesen Haferflocken-Aufguss trinkt man am besten am frühen Abend. www.kraeuterpfarrer.at

Hafer (Avena sativa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Unterstützt Nieren und Blase

Die Echte Goldrute

Das Idealbild einer generationenüberschreitenden Großfamilie, die auf einem Anwesen zusammenlebt und arbeitet, gehört wohl in unserer überzivilisierten Wohlstandsgesellschaft schon länger der Vergangenheit an. Höchstens in ländlichen Gebieten kann man auf diese starke Zelle der Gesellschaft da und dort noch treffen. Aber mit dem Aussterben einer eher kleinstrukturierten Landwirtschaft wird auch dort dieses Gefüge zerbrechen. Eine sehr große Anzahl an engen Verwandten hat ebenso die Echte Goldrute (Solidago virgaurea) aufzuweisen. Doch auch hier sind die Mitglieder der Artengruppe über die ganze Welt verteilt. Bleiben wir also heute vorerst einmal beim heimischen Korbblütler, der in den Wäldern, sofern sie naturbelassen und nicht von Forstmaschinen zu sehr beeinträchtig sind, durchaus anzutreffen ist. Im Sommer kann man dieses Gewächses im lichten Unterholz oder an den Wegrändern ansichtig werden. Die Echte Goldrute trägt als Inhaltsstoffe wertvolle Glykoside und Flavonoide in sich. Ebenso sind dort ätherische Substanzen nachzuweisen. Seit jeher konzentriert sich die pflanzliche Naturheilkunde auf den guten Effekt, den man für die Nieren und die Blase von dem Heilkraut abrufen kann. Vielleicht ist es nun ohnehin an der Zeit, im Blick auf die allgemeine Gesundheit auch für diesen wichtigen Bereich unserer Physis etwas zu unternehmen. Sollte darüber hinaus noch ein Mangel oder gar eine Erkrankung dieser Organe vorliegen, dann ist es erst recht möglich, eine begleitende Maßnahme zu ergreifen. Voraussetzung ist natürlich, dass man die Blase und auch die Nieren einer ärztlich urologischen Untersuchung und wenn nötig auch einer dementsprechenden Therapie zuführt. Mit den Medizinern sollte man zudem Rücksprache halten, ob eine zusätzliche Anwendung durch das Trinken eines Tees sinnvoll und förderlich ist.

Goldrute und Pfefferminze

Bei Blasen- oder Nierenleiden kann man folgendes durchführen, sofern es verträglich ist: von einer Mischung aus getrockneten und zerkleinerten Goldruten-Triebspitzen (3 Teile) und Pfefferminzblättern (1 Teil) nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. Abseihen und ungesüßt schluckweise trinken. 3-mal am Tag durchführen. Tut Blase und Nieren gut. Kann mithelfen, die Harnabgabe zu fördern. www.kraeuterpfarrer.at

Goldrutenzweiglein (Solidago virgaurea) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Drei Kräuter

In Mundwasser vereint

Körperpflege ist eine Notwendigkeit, die letztendlich auch der Aufrechterhaltung der Gesundheit dient. Das ist eine Ansage, die nicht bloß Kindern und Jugendlichen in der Vorbereitung auf ihr Erwachsensein die Richtung weist, sondern die ebenso Menschen aller Altersstufen gilt. Aus der Geschichte haben wir wohl schon lernen dürfen, welch große Vorteile in einer vernünftig gepflogenen Hygiene stecken. Dahingehend besitzen wir hierzulande einen ganz hohen Standard, auf den wir stolz sein dürfen. Schließlich profitiert auch die Umwelt davon, wenn das Abwasser penibel gereinigt wird. Käsepappel, Thymian und Salbei sind drei Heilpflanzen, die uns das ganze Jahr über gut anstehen. Immerhin zählen sie zu den so genannten Klassikern der pflanzlichen Begleitmaßnahmen, wenn jemand unter vorübergehenden Beschwerden leidet. Die Käsepappel zeichnet sich durch Flavonoide und Phenole aus, die Gerbstoffe nicht zu vergessen. Das reinigende Thymol gibt dem Thymian seinen Namen und im Salbei sind es die ätherischen Substanzen, die Entzündungen und Keimen einen Widerstand leisten. In der alltäglichen Sorge rund um die Pflege des Körpers hat nun das regelmäßige Händewaschen oberste Priorität. Aber die Mundhöhle sollte auch nicht zu kurz kommen. Ich möchte heute den Leserinnen und Lesern ein Mundwasser ans Herz legen, das gute Dienste leistet, wenn wir danach streben, das Zahnfleisch, die Mundschleimhaut, den Kiefer und letztendlich auch die Zähne intakt zu halten. Im Kräuterpfarrer-Zentrum steht daher ein geeignetes Mundwasser zur Verfügung, das man tropfenweise verwendet. Mit der richtigen Vorgehensweise kann man sich auch zu Hause eine dementsprechende pflegende Flüssigkeit zubereiten. Aus dem Erfahrungsschatz von Hermann-Josef Weidinger kann ich die nachfolgende Anleitung weitergeben.

Kräuter zum Mundspülen

Von getrockneten und zerkleinerten Kräutern nimmt man folgende Mischung: Käsepappel 3 Teile, Thymian 2 Teile und Salbei 1 Teil. 2 Esslöffel der Mischung werden mit 1/2 Liter kochendem Wasser überbrüht. 1/2 Stunde zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen, auskühlen lassen und mit 5 Esslöffeln hochprozentigem Alkohol ergänzen. In dunklen Fläschchen kühl lagern. Zum Ausspülen des Mundes gibt man davon 3 Esslöffel voll in ein Glas lauwarmes Wasser und spült damit gründlich den Mund aus. Erfrischt den Atem und pflegt die gesamte Mundhöhle. Ein fertiges Drei-Kräuter-Mundwasser gibt es im Kräuterpfarrer-Zentrum: Tel. 02844/7070; E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at; Webshop: www.kraeuterpfarrer.at

Käsepappel (Malva neglecta) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Dickhäutig und hilfreich

Die Dach-Hauswurz bei Erkältungen

Reserven sind in unserem Alltag etwas ganz Wichtiges. Man weiß aus Zeiten der Not vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte, dass sich so manches, was man aufgespart oder eingelagert hat, als sehr wertvoll herausstellte. Schließlich lebte man ja jeden Winter von den Früchten, dem Gemüse und dem Getreide, die in Kellern bzw. auf Dachböden und in so genannten Schüttkästen aufgehoben wurden. Eine Pflanze, der man auch eine Schutzfunktion vor Gewittern und Blitzschlag zuschrieb, ließ man auf Steinmauern und nicht zu schrägen Dachflächen wachsen. Es ist die Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum), die aufgrund ihrer wasserspeichernden Blätter auch mit wenig Flüssigkeit in Form von Regen auskommt. Dieses Gewächs gehörte gleichsam zum Hofstaat eines bäuerlichen Anwesens genauso wie die Haustiere, mit denen man das Leben teilte. Aus naturheilkundlicher Sicht hat die Hauswurz ebenfalls etwas zu bieten. Zu den Wirkstoffen dieses Heilkrautes zählen Gerbstoffe, ein hoher Gehalt an Schleimstoffen, Apfelsäure und Bitterstoffe sowie Ameisensäure und Harz. In äußerlichen Anwendungen kam und kommt die dadurch vorhandene pflanzliche Hilfe bis heute zum Tragen, etwa dann, wenn man Warzen, Blutschwämme oder Hühneraugen in Schach halten oder ausmerzen möchte. Beim Thema Erkältungen darf die Dach-Hauswurz laut den Erfahrungsberichten früherer Generationen auch ein Wörtchen mitreden. Das betrifft besonders den entzündungshemmenden und wundheilenden Effekt, der von dem Dickblattgewächs ausgeht. Leider ist die Zeit noch nicht vorbei, in der man frei von Erkältungen und Entzündungen des Hals- und Rachenbereichs bleibt. Gewiss sind wir aufgrund der gegenwärtigen Pandemie vermehrt darauf aus, uns frei von jedweden Infekten zu halten. Dennoch möchte ich mit einem alten Hausmittel wieder einen Rat weitergeben.

Presssaft aus Hauswurz

Hat man sich eine Rachen- oder Kehlkopfentzündung zugezogen, kann man darangehen, eine im häuslichen Umfeld wachsende Dach-Hauswurz zu nutzen. Von den einzelnen Blättern, die man aus den Rosetten herausbricht, presst man den Saft aus. Über den Tag verteilt nimmt man dann 3- bis 4-mal 1 Esslöffel voll von dieser frisch gewonnenen Flüssigkeit zu sich, um die anstehenden Leiden damit zu begleiten. www.kraeuterpfarrer.at

Dachwurz oder Hauswurz (Sempervivum tectorum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya