Ausgleichen und ableiten

Drei Kräuter zu Hilfe nehmen

Wahrscheinlich dauert es noch lange, bis wir das nächste meteorologische Gewitter erleben. Manchmal ist dies aber auch im Winter möglich, wenn z. B. unterschiedlich temperierte Luftmassen aufeinandertreffen. Blitz und Donner gehen dann damit einher. Unsere Gebäude haben wir gegen die zerstörerische Wirkung eines Blitzes insofern abgesichert, indem vom Dach bis zum Erdboden gelegte Ableiter installiert sind, die größeren Schaden abwenden sollen. Der Thymian, der Gelbe Steinklee und das Gelbe Labkraut sind imstande, eine ähnliche Funktion zu übernehmen. Damit meine ich aber keine wie auch immer geartete apotropäische Wirkung, die manche vielleicht den Kräutern in einem esoterischen Irrglauben zuschreiben mögen. Die Spannung, um die es hier geht, baut sich im eigenen Körper und im Gemüt auf und belastet uns auf verschiedene Weise. Es ist weder für einen selbst noch für die anderen einfach, mit dem persönlichen Charakter und der hinzukommenden täglichen Stimmungslage, die durchaus mit physischen Gegebenheiten korrespondieren kann, zurechtzukommen. Der Thymian hat heilende und stärkende Wirkungen auf die Atemwege und die Verdauung, der Gelbe Steinklee hilft u. a. mit, dass sich verkrampfte Zustände lösen und das Gelbe Labkraut erweist sich als aufbauend für das Lymphdrüsensystem unseres Körpers. Und allesamt besitzen sie ein sonniges und bescheidenes Wesen, was gerade im Hinblick auf die Naturheilkunde ebenfalls nicht von der Hand zu weisen ist. Wenn man also nach einer Entspannung, einer Ableitung vermehrter Spannungen und nach einem Ausgleich des Gemütes strebt, sollten die drei Kräuter nicht beiseite liegen gelassen werden. Vielleicht hat ohnehin der eine oder andere die aufbereiteten Drogen zuhause im Kräuterlager. Es spricht nichts dagegen, diese auch sinnvoll zu nutzen.

Entspannende Teemischung

Getrocknete und zerkleinerte Pflanzentriebe von Thymian, Gelbem Steinklee und Gelbem Labkraut werden zu gleichen Teilen abgemischt. Davon nimmt 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 1 Woche lang jeweils am Morgen und am Abend 1 Tasse davon trinken. Mit diesen 3 Heilpflanzen sollte man auch ein Kräuterkissen füllen und es beim Schlafen verwenden. Dieses kann auf Wunsch auch vom Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein/Th. bezogen werden (Tel. 02844/7070 – DW 11 od. 31; E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at).


Zweig vom Gelben Labkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Steinkleezweiglein ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Thymianzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Abwechslung auf dem Tisch

Mit Kartoffeln den Körper schonen

Wie geht es dir? – so fragen wir gerne, wenn wir eines lieben befreundeten Menschen ansichtig werden, den wir länger nicht gesehen haben. Die Antwort fällt dann oft mannigfaltig oder eventuell sogar sehr wortkarg und kurz aus. Im Hinblick auf das Genießen der herrlichen kulinarischen Gaben, die uns gar nicht so selten zuteil werden, dürfen wir einmal unseren Bruder Leib fragen: Und wie geht es dir? Sein Erwidern wird jedoch nicht in Form der Sprache erfolgen, sondern in der jeweils fühlbaren Verfassung unserer selbst. Die Kartoffeln oder Erdäpfel (Solanum tuberosum) sind eine Speise, die uns durchaus dabei helfen kann, dass wir uns um einen guten Zustand unseres Organismus ganz konkret kümmern, soweit das in unserer Macht liegt. Denn so mancher gute Bissen und der dazugehörige feine Tropfen sind zwar momentan ein schönes Erleben des Daseins auf dieser Welt, stellen aber gleichzeitig die Verdauung und ihre damit befassten Organe vor oft gar nicht geringe Herausforderungen. Und schließlich kommt es zur Übersäuerung des Körpers und den mittel- und langfristigen Folgen, die sich daraus ergeben. Die Kartoffel zählt zu den zahlreichen Möglichkeiten, sich basisch zu ernähren und einen Ausgleich zu manch üppiger und somit nicht unbedingt gesundheitsfördernder Art sich zu ernähren. Wenn an einem arbeitsfreien Tag wie dem heutigen Sonntag also Zeit bleibt, sich selbst etwas Gutes zu tun, darf man ruhig darangehen, in der Küche mit der Kartoffel etwas in diese Richtung auszuprobieren. Vielleicht sagt ja dann unser Bruder Leib nach dem Genuss eines Gerichtes mit Erdäpfeln: Mir geht’s schon besser!

Erdäpfellaibchen und Apfelmus

Heute möchte ich einmal dazu einladen, folgendes Rezept zu versuchen: Dazu benötigt man 500 g (am besten schon am Vorabend gekochte) kalte, mehlige Kartoffeln, die man schält und hernach fein reibt. Mit 2 Eiern, einer Prise Salz samt etwas Honig und Muskatnuss und ein wenig Wasser verkneten. Daraus Knödel formen und sachte flach drücken. Zum Abschluss in Vollkornbröseln wälzen und in einer Pfanne backen. Den Boden vorher mit Pflanzenfett bestreichen. Zu den noch warmen Laibchen kredenzt man am besten kaltes Apfelmus. Guten Appetit!


Erdäpfelstaude ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Dessert kreieren

Selbst Rotklee ist dafür geeignet

Was könnte es Besseres geben, als den berühmten „Nachschlag“ in Form eines cremig-eisigen oder süßen schlagobersbedeckten Backwerkes? Voraussetzung dafür ist lediglich, dass der Magen noch Platz dafür hat. Die Frage nach einer ausgewogenen Ernährung müssen wir dabei wohl oder übel beiseite lassen. Oder doch nicht? Blicken wir kurz einmal auf das, was die Beschaffenheit des Bodens aufbessert. Der Rot- oder Wiesenklee (Trifolium pratense) hat hier eine besondere Bedeutung wie auch praktisch alle seine Verwandten, die gerne zur Gründüngung herangezogen werden. Wie der Name seiner Pflanzenfamilie bereits verrät, erkennt man den Rotklee an den purpurroten Schmetterlingsblüten, die sich auf kleinen Köpfchen vereinigt befinden. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis September. Als Futter trägt der Klee bei den Tieren dazu bei, dass diese zu gesteigerten Kräften und zu mehr Leistung kommen. In der Naturheilkunde dürfen wir ebenfalls auf eine gute Erfahrung mit dem Rotklee zurückschauen. Heute wird er vor allem dazu eingesetzt, um mittels pharmazeutischer Präparate, die aus dieser Wiesenpflanze hergestellt werden, den Frauen in der Menopause zu helfen, die damit verbundenen Symptome wiederum abzuschwächen. Generell wirkt der Rotklee auch entgiftend und beruhigend. Und abseits jeder gezielten medizinischen Verwendung möchte ich einladen, doch einmal einen durchaus gesundheitsfördernden „Nachschlag“ in Form eines Desserts auszuprobieren, solange der Rotklee noch in der Blüte steht. Und eigentlich geht es ganz einfach, dieses zuzubereiten.

Nachspeise aus Rotklee

In eine Schüssel gibt man eine Handvoll frisch abgezupfter Rotklee-Blüten. Dazu reibt man ein Stück einer jungen zarten Karotte. Einen Teelöffel Honig als Draufgabe und zum Verfeinern des Ganzen einen vollen Esslöffel Fruchtmus oder Marmelade beifügen. Dies kann aus Äpfeln, Brombeeren, Preiselbeeren oder Schwarzen Johannisbeeren gemacht worden sein. Nun alles miteinander gut abrühren und mit einer Blüte des Rotklees oder einer anderen essbaren Blüte der eigenen Wahl ansprechend garnieren. Dieses Dessert belastet die Verdauungsorgane nicht, sondern bietet im Gegenteil dazu der Leber, der Galle und der Milz eine natürliche Unterstützung.


Rotklee ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Antwort auf eine konkrete Frage

Der Bärlauch erweckt das Interesse

Es freut mich immer wieder, wenn rund um meine Erörterungen über Heilkräuter ein Dialog in Gang kommt, der einmal mehr beweist, dass die Nachfrage über das Wissen um Derartiges ungebrochen bestehen bleibt. So war hier an dieser Stelle unlängst vom Bärlauch die Rede, den wir, naturheilkundlich betrachtet, ruhig als einen geheimen Regenten des gesamten Frühjahrs bezeichnen dürfen. Dass dieser Ehrentitel nicht überzogen zu sein scheint, zeigen uns einerseits die vielen guten Auswirkungen, die in den würzig aromatischen Blättern enthalten sind und andererseits die vielen Publikationen, die es rund um das Thema Bärlauch und dessen kulinarische Verarbeitung gibt. Nun, ich will es mir angesichts der vielen Anfragen in Bezug auf eine Bärlauch-Suppe nicht zu einfach machen, sondern in medias res gehen, ganz konkret zwei Rezepte zur Verfügung stellen. Zuvor möchte ich aber noch einmal darauf hinweisen, dass der Genuss von Bärlauch die Gefäße unseres Leibes reinigt und im Verdauungstrakt für eine Stärkung der dort angesiedelten Immunkraft sorgt. Eine Variante, um für 4 Personen eine Cremesuppe mit Bärlauch zu kochen, nimmt das Mehl zu Hilfe. Zu Beginn schmilzt man jedoch 30 g Butter und röstet darin 70 g fein geschnittene Zwiebeln glasig. Hinzu kommt die ebenfalls zerkleinerten Bärlauchblätter (ca. 80 g), die leicht angeschwitzt werden. Danach gibt man 20 g Mehl bei, rührt gut durch und gießt über alles 0,7 l heiße Rindssuppe (oder Gemüsefond). Glatt rühren und die Suppe 8 Minuten leicht köcheln lassen. Von der Platte nehmen und noch ein wenig Schlagobers (ca. 0,2 l) beigeben. Gut abmixen und mit Salz und Muskatnuss abschmecken.

Bärlauch-Cremesuppe mit Erdäpfeln

Zuerst die Zubereitung: Zwiebel schälen, schneiden und in Olivenöl anrösten. Den Bärlauch waschen, die Erdäpfel schälen und in kleinere Würfel schneiden. Kurz mitrösten. Mit Gemüsesuppe aufgießen und 1/4 Stunde kochen lassen. 1/2 Becher Obers dazugeben, mit ein wenig Salz und Pfeffer würzen und mithilfe eines Stabmixers pürieren. Den Rest vom Schlagobers zum Garnieren halbsteif aufschlagen. Die Suppe servieren und zuvor mit Obers und feingehacktem Bärlauch garnieren. – Die Zutaten: 1/2 Liter klare Gemüsesuppe, 1/4 l Schlagobers, 1 große Zwiebel, 400 g Bärlauch, 2 mehlige Erdäpfel, 1 Esslöffel Olivenöl, Salz und Pfeffer. Guten Appetit!


Bärlauchbüschel mit Wurzeln ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Körper entlasten

Das Spargelgemüse dient dazu bestens

Delikatessen sind gerade in der Osterzeit sehr begehrt, da man kein schlechtes Gewissen mehr haben muss, weil ja die Fastenzeit hinter uns liegt. Die Feinspitze unter uns setzen sehr gerne das Gedächtnis des eigenen Gaumens ein, um an das Ziel ihres Appetits zu gelangen. Wenn man kulinarische Spezialitäten ansteuert, muss das nicht unbedingt zur Folge haben, dass der Verdauungstrakt samt der Leber dadurch mehr Arbeit bekommt. Es gibt ja durchaus ebenso pflanzliche Gaben an die Köchinnen und Köche, die sie mundgerecht so aufzubereiten imstande sind, dass der Genuss dabei nicht zu kurz kommt. So darf heute ruhig der Spargel der Gegenstand unserer Betrachtung sein. Sollte dabei jemandem schon gleich der Speichel im Mund zu fließen beginnen, möchte ich zuerst einmal darauf verweisen, dass es Überlieferungen gibt, die bezeugen, dass verwandte Arten des gegenwärtig gezüchteten Gemüsespargels bereits in der Antike zur Behandlung von verschiedenen Krankheiten verwendet wurden. Dies geschah sowohl auf europäischem Territorium wie auch in Ägypten und im Fernen Osten. Und es ist gottlob bis heute nicht von der Hand zu weisen, dass der Spargel viel Gutes in sich birgt. Zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente erhält unser Körper beim frischen Genuss des prominenten Gemüses. Als Draufgabe gibt es noch eine Reihe von Vitaminen aus dem ersten Teil des Alphabets. Sollte man in Hinkunft den Wunsch haben, trotz eines reichen Essens nicht auf die Vorzüge des bewussten Fastens verzichten zu wollen, so kann man durchaus den Spargel als Helfer heranziehen, um dieses Ziel besser zu erreichen. Der Leib muss ja nicht alles in sich speichern, was ihm an Zuviel und Belastendem mittels eines gediegenen Lebensstils aufgebürdet wird. Er soll jeweils neu freier und leichter werden. Wer regelmäßig zur zeitgerechten Saison des Spargels nach ihm greift, um ihn als Speise verschieden zubereitet zu sich zu nehmen, kann den Organismus unterstützen, durch eine folglich vermehrte Abgabe von Urin angesammelte Giftstoffe auszuscheiden. Das hat ebenfalls Auswirkungen auf das Gemüt, das sich dann auch freier und unbelasteter fühlt. Diabetiker dürfen den Spargel bedenkenlos genießen, da dies dem Blut und seinen Werten gut tut.

Rezept für ein Spargel-Ragout:

Man benötigt dafür 1 Bund Spargel, 1 große Zwiebel, 1 EL Butter, 250 ml Gemüsesuppe, Salz, Pfeffer, Zitronensaft, 1 TL Erdäpfelmehl. – Den Spargel schälen und in feine Streifen schneiden oder hacheln. Die Zwiebel schälen und fein schneiden, in der Butter anschwitzen, den Spargel dazugeben und kurz mitrösten. Mit etwas Gemüsesuppe aufgießen und weichdünsten. Mit Salz, Pfeffer und Zitronensaft würzen, mit dem in etwas kaltem Wasser glattgerührten Erdäpfelmehl eindicken. Dieses Spargelragout schmeckt köstlich zu Fleischspeisen und Petersilerdäpfeln.


Spargelstangen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mit Kräutern auf Ostern zugehen

Verschiedene Wildkräuter als Suppengemüse

Mit dem Gründonnerstag feiern wir den ersten wichtigen Tag des heiligen Triduums des christlichen Kirchenjahres. In den Kirchen wird heute am Abend des Letzten Abendmahles gedacht, das Jesus mit seinen Jüngern vor seiner Auslieferung gefeiert hat. Im jüdischen Kalender wiederum bestimmt das Pessachfest die Frühlingszeit. Beim familiären Mahl, das im Rahmen dieses mosaischen Gedenkzeremoniells eingenommen wird, spielen Bitterkräuter eine wichtige Rolle. So dürfen auch jene, die als Christen nun den Gründonnerstag begehen, ebenso einerseits auf das Leid, mit dem wir immer wieder konfrontiert werden, durch Wildkräuter hingewiesen werden. Andererseits ist es vom gesundheitlichen Standpunkt aus betrachtet sehr förderlich, gerade in der Nachwinterszeit in hohem Maße das frische Grün aus der erwachenden Natur zu verwenden, um u. a. die tägliche Ernährung damit zu bereichern. Aus Wildkräutern lassen sich viele Spezialitäten zubereiten. Manchmal möchte man fast meinen, dass nicht nur technische Erfindungen den jeweiligen Markt bestimmen. Auch bei Kräutern wechselt offenkundig ein Trend den nächsten ab. Zu Spinat und Spiegelei, die in den heimischen Küchen wahrscheinlich den heutigen Tag dominieren, gibt es aber durchaus Alternativen. All jene, die das Fasten erst nehmen, essen gerne, um bei Kräften zu bleiben, des Öfteren eine Suppe. Heute möchte ich daher eine Wildkräuter-Suppe anempfehlen, um beim Auslöffeln derselben dem Körper etwas Gutes zu tun. Und die Zutaten dafür sind schnell bei der Hand. Ein aufmerksamer Gang durch die Natur ermöglicht bereits das Beschaffen des Notwendigen dafür. Gewiss muss auch die Witterung mitspielen, um all der erwähnten Kräuter habhaft werden zu können. Aber irgendwann kommt nach dem Gründonnerstag bestimmt die Zeit, in der man das nachstehende Rezept verwirklichen kann.

Kräutersuppe:

Folgende Kräuter werden grob gehackt, nachdem man sie gründlich gewaschen hat: Löwenzahn-, Schlüsselblumen- und Schafgarben-Blätter zu gleichen Teilen abmischen. Man kann dann noch ein wenig Quendel oder Gundermann (= Gundelrebe) dazugeben. Alles zusammen mit feingehackter Zwiebel und ein wenig Mehl anrösten. Danach mit Gemüsesuppe aufgießen und gut aufkochen. Zum Schluss die Suppe mit dem Mixstab pürieren und mit gerösteten Semmel- oder Brotwürfeln servieren. Diese Suppe reinigt und stärkt gleichermaßen unseren Organismus.


Löwenzahnblätter ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Gundelrebenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Vögeln zuvorkommen

Die Mehlbeeren mit ins Haus nehmen

Fruchtgenüsse gibt es in sehr vielen Variationen. Entweder werden Obst und Beeren zu herrlichen Desserts verarbeitet, mit Speiseeis unwiderstehlich angerichtet oder einfach pur serviert und schnabuliert. In den überwiegenden Fällen profitiert die Gesundheit davon, sofern die Substanz und vor allem die Vitamine nicht durch unfachgemäße Zubereitung verändert oder vernichtet wurden. In der Natur draußen schaffen es manche Früchte, nach dem Blattabfall und trotz immer wiederkehrender Fröste an den Ästen zu bleiben. Die Mehlbeere (Sorbus aria) zählt zu den sogenannten Winterstehern. Damit werden Gewächse bezeichnet, deren Beeren oder Samen noch lange nach dem Heranreifen am Baum bleiben, weil anscheinend damit gerechnet wird, dass sie von dort im wahrsten Sinne des Wortes abgeholt werden. Das Taxi ist dabei meist fliegender Art und hat die Form eines Vogels, der dankbar ist, auf diese Weise noch Futter zu finden. Mit der Nahrungsaufnahme gelangt jedoch gleichzeitig der Same der jeweiligen Pflanze in den Verdauungstrakt und wird an oft weit entfernten Orten mit dem Kot ausgeschieden. Somit werden die Ausbreitung und der Fortbestand des Fruchtlieferanten gesichert. Die Mehlbeere hat einen Namen, der nicht aufs erste das Wasser im menschlichen Mund zusammenfließen lässt. Jedoch sind die Beeren des schön anzusehenden Baumes, der wiederum vermehrt in Alleen gepflanzt wird, dennoch von Nutzen. Sie enthalten viel Vitamin C und können zusammen mit anderem Obst sehr gut zu Marmelade und sogar zu Kompott verarbeitet werden.

Mehlbeer-Essig herstellen:

Mehlbeeren-Früchte brauchen Temperaturen unter Null Grad Celsius, um süß und genießbar zu werden. Deswegen sollte man einige Frostnächte abwarten, ehe man sie pflückt und anschließend verarbeitet. Um einen geschmackvollen Essig zu gewinnen, nimmt man ca. 5 Esslöffel voll reifer Mehlbeeren und setzt diese 8 Tage lang in 1 Liter Obstessig in einem warmen Raum an. Täglich sollte man in dieser Zeit das Gefäß mit dem Ansatz einmal kräftig durchschütteln. Am Ende abseihen und in eigenen Flaschen kühl und dunkel lagern. Das vitaminreiche Endprodukt eignet sich nicht nur zum Würzen verschiedenster Speisen. Mit Wasser verdünnt, stellt es überdies einen guten Durstlöscher dar.


Echte Mehlbeere ⓒ wikimedia.commons



Feine Röschen und ein Salat

Erscheinungsformen des Portulak

Danke für die Blumen! – Ein Fan meines Blogs ließ mich unlängst über facebook wissen: „Ich bin eine begeisterte Leserin. Eine Bitte: Könntest du etwas über Portulak schreiben? Im Moment wächst ziemlich viel auf unserem Grundstück. Und man sagt, was um dich wächst, das brauchst du.“ – Nun, so will ich heute durch diese nette Anregung einen Zugang zum Protulak erschließen. Wahrscheinlich kennen viele Gartenfreaks eine Zierpflanze, die derartig bezeichnet wird. Das Portulakröschen (Portulaca grandiflora) hat seine Heimat auf dem südamerikanischen Subkontinent und wird bei uns sehr gerne aufgrund der prächtigen Blüten ausgesät. Wo der Sommer-Portulak (Portulaca oleracea) oder Gemüse-Portulak ursprünglich wurzelte, lässt sich heutzutage gar nicht mehr genau eruieren. Fest steht, dass er warmes und gemäßigtes Klima gut verträgt und gewissermaßen als Pionierpflanze auch mit mageren und sandigen Böden ganz gut zurechtkommt. Als Gemüse- und Gewürzkraut ist er aber eher in Vergessenheit geraten. Um ihn ein wenig zu beschreiben, sei auf die Blätter des Portulaks verwiesen, die quasi verkehrt eiförmig auf den Trieben sitzen. Die Stängel wiederum sind kahl, fleischig, von Grund auf verästelt und rötlich angehaucht. Unsere eingangs erwähnte Leserin hat schon darauf verwiesen, dass der Protulak sich durchaus rasch verbreiten und wachsen kann. So wird er dadurch sicherlich auch zu Unrecht von vielen als Unkraut eingestuft und kategorisiert. Bevor man das aber tut, sollte man bedenken, dass dieses Heilkraut durchaus in der Lage ist, dem Körper Vitamine zuzuführen und das Blut zu reinigen. Gerade dann, wenn man nach einer Vitamin-C-Quelle Ausschau hält, sollte man nicht nur den Zitrusfrüchten Beachtung zukommen lassen, sondern eben den Blick dem Portulak zuwenden, der schlicht und bescheiden am Boden wächst.

Das Kraut frisch verwenden:

Um in den Genuss der Vorzüge des Sommer-Portulaks (Portulaca oleracea) zu kommen, sollte man auf die frischen Pflanzenteile zurückgreifen, die nicht zum Trocknen geeignet sind. Zum Aufbewahren kann man ihn lediglich einfrieren. Sein angenehm frischer und säuerlicher Geschmack ist sehr gut dazu geeignet, um Salate und Kräutersoßen sowie Suppen und Topfengerichte damit anzureichern. Die gesundheitsfördernde Unterstützung des Portulaks kommt so auf indirektem Wege unserem Organismus zugute.


Sommer-Portulak ⓒ Foto: Flickr, Bob Peterson

Längerfristige Kombination

Den Knoblauch einlegen

Jemandem eine Arbeit anschaffen, ist meist leichter als sie selbst zu vollbringen. In vielen Fällen bleibt es uns aber nicht erspart, die Dinge selbst und eigenhändig zu erledigen. Beim Geld verhält es sich ein wenig anders. Einerseits hat es nur eine kurze Verweildauer im eigenen Börserl und anderseits muss man mehr als genug davon haben, um es für sich arbeiten zu lassen. Eine Möglichkeit wäre, es auf einem Sparbuch einzulegen, um es dann mit Zinsen wiederum in die Hand nehmen zu können. In Zeiten wie den unsrigen sind diese aber eher sehr knapp bemessen. Der Knoblauch, den wir alle gut kennen, bedarf keines hohen finanziellen Aufwandes, um diesen zu erwerben oder mit einiger Geduld und Sorge im eigenen Gemüsebeet zu ziehen und von dort frisch zu ernten. Einmal mehr möchte ich ihn quasi vor den Vorhang eines gesundheitsbewussten Publikums bitten, um ihn nicht zu vergessen. Seine größere Verwandte, die Zwiebel, genießt heuer zwar den Vorzug, den ehrenvollen Titel der Heilpflanze des Jahres tragen zu dürfen. Das ist aber noch lange kein Grund, um den Knoblauch gänzlich von der Liste der oft verwendeten pflanzlichen Hilfsmittel zu streichen. Immerhin birgt er eine große Kraft in sich, die mithilft, Leib und Geist fit zu halten. Überdies wirkt sich sein Genuss sehr positiv auf alle im Körper befindlichen Gefäße aus, die sich nur allzu leicht durch lästige Ablagerungen verengen und damit verlegen können. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlecht, zusammen mit dem Knoblauch dem Sinnspruch gemäß zu agieren, der da heißt: Steter Tropfen höhlt den Stein! Nun, es ist sicher nicht nötig, sich ständig mit Knoblauch „vollzustopfen“ und somit eine Last für die engste menschliche Umgebung zu werden, die dann den untrüglichen Geruch, der vom Knoblauch ausgeht, ertragen müsste. Daher ist es nicht schlecht, den Knoblauch in einem Glas einzulegen, damit auf längere Frist die Gesundheit davon profitiert. Und die ist allemal mehr wert als ein noch so prall gefülltes Konto, das für einen arbeiten würde.

Schmackhaftes Salatöl mit Knoblauch:

In ein Speiseöl eigener Wahl, das dafür bestimmt ist, die Salate aufzubessern, legt man in einem geeigneten Glasgefäß geschälte Knoblauchzehen ein. Von dort aus kann man den Knoblauch regelmäßig zu verschiedenen kulinarischen Gelegenheiten verwenden. Das Öl hilft mit, den Knoblauch frisch zu halten. Sind die Zehen aufgebraucht, bleibt ein aromatisches Öl zurück, das dem Dressing eines Salates wiederum ein gutes Aroma verleiht.


Knoblauch ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Nutze und unnütze Bäume?

Die Ulmen bremsen das vorschnelle Werten

Was bringt mir eine Pflanze? Wozu ist sie gut? Was leistet sie für mich? – Das sind Fragen, die im Zusammenhang mit Kräutern sehr oft gestellt werden. Eigentlich möchte ich dann provokant zurückfragen, warum denn die Gewächse etwas leisten müssten, während wir den Urlaub genießen? Nun gut, bei dem bisher angefallenen Obst wie etwa Marillen, Pfirsichen oder Kirschen darf man ruhig von einem jahresmäßigen Ertrag sprechen. Und es ist ganz klar, dass alle Gartenfreunde, die einen früchtetragenden Baum auf ihren Grünflächen pflegen, die Erwartung einer guten und schmackhaften Ernte an ihren hölzernen Schützling stellen. Aber wie ist das z. B. bei der Ulme, die noch in unseren Wäldern anzutreffen ist? Meist handelt es sich dabei um die Art der Bergulme (Ulmus glabra), die im Gegensatz zu ihrer Verwandten, der Feldulme (Ulmus minor) viel weniger vom mittlerweile schon vor Jahrzehnten begonnenen Ulmenstreben betroffen ist. Ja, im Bezug auf das vielbeklagte Artensterben dürfen wir auch auf die Bäume achten und nicht nur auf seltene Vogel- oder Säugetierwesen, deren Rote Listen oft publiziert werden. Wahrscheinlich fehlt uns die Feldulme im allgemeinen Bewusstsein so wenig, weil der Baum ohnehin für den Normalverbraucher kaum etwas an Nutzen abwarf. Jeder Baum besitzt aber ein Wesen, das ihn einerseits von anderen unterscheidet und andererseits wie den einzelnen Menschen liebens- und schätzenswert macht. Wer eine Ulme länger betrachtet, der wird draufkommen, dass ihr sowohl das Erdhafte und Feste durch ihren mächtigen Stamm eigen sind, ihr aber genauso das Luftig-Leichte zukommt, da sie früh blüht und ihre Samen schon im Sommer zur Reife gelangen. Letztere können übrigens auch kulinarisch Einsatz finden. Danken wir dem Herrgott für jeden Baum, der uns mithilft, das Leben auf der Erde zu teilen und zu bereichern.

Schmackhafte Beigabe in der Küche:

Reife Samen der Bergulme, aber auch der seltenen Feldulme sowie der Flatterulme, kann man sammeln und trocken aufbewahren. Mit etwas kochmäßigem Geschick lassen sich diese rösten und als Beigabe für Wildgemüse-Gerichte, für Suppen und ebenso für Salate verwenden. Sie beinhalten nämlich einen geringen Anteil an Öl und bringen so einen ganz eigenen Geschmack in die erwähnten Speisen.


Bergulme ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya