Von innen heraus

Goldmelisse erhellt das Gemüt

Der April zeigt sich heuer von einer Seite, die momentan eher noch dem Winter zugeneigt sein dürfte. Zwischen doch ein paar sonnigen Abschnitten schieben sich immer wieder Wolken, die mit ihrer weißen Pracht das Land anzuckern oder im Gebirge für eine Lage Neuschnee sorgen. Unsere Sehnsucht gilt aber eindeutig dem Frühling und dem unbeschwerten Aufenthalt im Freien. In dieses gefühlsmäßige Aufgespannt-Sein möchte ich die Goldmelisse (Monarda didyma) hineinstellen. Ursprünglich auf dem nordamerikanischen Festland beheimatet, hat man nach der Entdeckung dieses Kontinentes das Gewächs nach Europa gebracht, wo es zunächst einmal als Zierpflanze diente. Es steckt aber auch ein heilsamer Wert in der Goldmelisse. Die Blüten und Blätter dieses Heilkrautes enthalten ätherische Substanzen, Gerb- und Bitterstoffe sowie auch einen geringen Anteil an pflanzlichen Säuren. Der Verdauungstrakt, die damit verbundenen Drüsen und Organe sowie die Atemwege können von der Verwendung der Goldmelisse, die auch Monarde genannt wird (siehe wissenschaftlicher Name), einen Profit entgegennehmen. Hand aufs Herz: momentan macht uns doch nicht bloß das wechselnde Wetter zu schaffen, sondern es ist auch die bestimmende Coronazeit, die mit so manchen Ungewissheiten an unserem Gemüt nagt. Vergessen wir daher nicht auf die Kräfte und die wohltuenden Gaben der Natur. Es gibt ja das eine oder andere Hausmittel, das sich nicht nur in guten Stunden bewährt hat und das vielleicht gerade jetzt wieder ein bisschen etwas zur Stärkung unseres körperlich-geistigen Gleichgewichtes beitragen kann. Hierzu möchte ich einen konkreten Tipp geben, bei dem man sich mit der Aufbereitung der Goldmelisse etwas Gutes tut.

Monardenblüten-Ansatz

40 g getrocknete Goldmelissen-Blüten werden mit 1 Liter naturbelassenem Rotwein übergossen. In einem verschlossenen Glasgefäß auf eine Fensterbank im Zimmer stellen und 8 Tage lang dort stehen lassen. Danach abseihen, abfüllen. Dunkel und gekühlt lagern. Von diesem Blütenwein kann man 2 bis 3 Esslöffel voll pro Tag zu sich nehmen. Das wärmt den Körper von innen heraus und hilft mit, die Verbindung von Leib und Seele besser auszubalancieren. www.kraeuterpfarrer.at

Goldmelisse oder Indianernessel (Monarda didyma) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Vorübergehende Pracht

Schlehdornblüten trocknen

Die Zeit ist kostbar. Wir können sie genießen, vergeuden, sie sich sprichwörtlich stehlen und vor allem nutzen. Viele Philosophen und Gelehrte haben sich über die Zeit und ihr fortwährendes Voranschreiten Gedanken gemacht. In der Natur können wir sie daran festmachen, dass sie in einem steten Kreislauf das jeweils Mögliche in Erscheinung treten lässt. Lange wird es nicht mehr dauern, da wird der Schlehdorn (Prunus spinosa) sich in ein strahlend weißes Kleid hüllen und die Feld- und Waldränder in eine Pracht verwandeln, die sich vor einigen Wochen noch nicht hat ausmalen lassen. Unzählige Blüten zieren dann die dornigen Zweige des Rosengewächses, um mithilfe der emsigen Bienen und anderer wertvoller Insekten in weiterer Folge Frucht bringen zu können. So vorübergehend die Phase auch ist, in der sich diese Schönheit des Frühlings präsentiert, so klug ist es, genau dann zuzugreifen und das Verwertbare des Schlehdorns haltbar zu machen. In den Blütenblättern des Gewächses befinden sich vor allem Glykoside und Flavonoide, die man das ganze Jahr über zur Unterstützung des Wohlbefindens in Anspruch nehmen darf. Am einfachsten wird es sein, die Blüten in geduldiger Weise von den wehrhaften Trieben abzuzupfen und sie nach der sorgfältigen Trocknung lichtgeschützt in einem verschlossenen Gefäß aufzubewahren. Insofern ist es dann möglich, vom Schlehdorn etwas zu haben, auch wenn seine hohe Zeit draußen in der Natur längst verstrichen ist.

Tee für Darm und Blut

Von getrockneten Blüten des Schlehdorns nimmt man 2 Teelöffel voll. Diese Menge übergießt man mit 1/4 Liter siedendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, bevor man den Tee abseiht. Schluckweise trinken, am besten ungesüßt. Das kann eine stuhlfördernde Wirkung mit sich bringen und somit zu einer besseren Reinigung des Darmes beitragen. Das Blut wird zudem in seinem Prozess unterstützt, welcher der Reinigung und Entgiftung des ganzen Organismus dient.  www.kraeuterpfarrer.at

Schlehdorn oder Schwarzdorn (Prunus spinosa) mit Blüten und Früchten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Entspannung und Abwehrkraft

Blutweiderich unterstützt beides

Wir sind momentan alle miteinander mit ziemlichen Herausforderungen konfrontiert. Die Pandemie, die offensichtlich nach wie vor die ganze Welt in Atem hält, bringt eine breite Palette an Folgen mit sich. Nicht nur, dass man die persönliche Gesundheit permanent bedroht sieht, sondern auch, dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten vielerorts begrenzt sind, führt letztendlich zu einer permanenten nervlichen Anspannung bei vielen. Im Gegensatz dazu sind Pflanzen wie der Blutweiderich (Lythrum salicaria) keinem derartigen Druck ausgesetzt. Er bevorzugt es, an Bach- und Flussufern zu stehen und das Wasser – egal ob schnell oder langsam – an sich vorüberziehen zu lassen. So wird er gleichsam zu einem  Sinnbild für eine rechte Gelassenheit. In der Volksheilkunde hat der Blutweiderich ohnehin seit langer Zeit als beliebtes Heilkraut seine Bedeutung. Heute besinnt man sich deswegen wieder vermehrt seiner keimtötenden Eigenschaften, u. a. bedingt durch das Vorhandensein von einem hohen Anteil an Gerbstoffen. Das erweist sich z. B. bei infektiösen Krankheiten des Magen- und Darmtraktes als durchaus nützlich. Ein Tee, den man im Heißaufguss aus getrockneten Blüten und Blättern des Gewächses zubereitet, kann mithelfen, einen hartnäckigen Durchfall wiederum abzuschwächen. Aber bleiben wir diesmal bei den eingangs erwähnten Herausforderungen, die der gewöhnliche Stress – ausgelöst durch Beruf und eigene Sorgen – mit sich bringen kann. Eine Abgespanntheit, die man etwa nach dem Nachhause-Kommen an sich selbst feststellt bzw. eine Überreiztheit der Nerven können einen Anstoß geben, um mit dem Blutweiderich die innere Ruhe und Ausgeglichenheit wieder anzustreben und locker in die anbrechende Nacht einzusteigen, die der notwendigen Erholung samt gutem Schlaf gewidmet sein darf. Heilkräuter sind vor allem dafür da, um den Alltag zu begleiten, mag dieser mit schönen oder auch mit leidvollen Stunden bestückt sein.

Badezusatz Blutweiderich

70 g getrocknete Blätter und Blüten des Blutweiderichs werden mit 3 Liter kochendem Wasser übergossen. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Das Ergebnis ins Badewasser leeren und den pflanzlichen Rückstand in ein Stoffsäckchen füllen. Das legt man zugebunden ebenfalls in die Wanne. 15 bis 20 Minuten im Wasser bleiben. Somit wird die Haut gestärkt, das Immunsystem unterstützt und den Nerven ein natürlicher entspannender Effekt zugeführt. www.kraeuterpfarrer.at

Blutweiderich (Lythrum salicaria) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Nützliches aus der Küche

Knoblauch für die Fingernägel

Je mehr wir uns Gedanken machen, wie wir so manches, was die Umwelt belastet, aus der Welt schaffen oder zumindest reduzieren können, desto aufmerksamer werden wir auf den Stil unserer persönlichen Lebensführung. In Zeiten des Wohlstandes hat sich vieles verselbständigt, das unbedacht auf lange Sicht fatale Folgen nach sich zieht. Dazu zählt meines Erachtens auch die Erkenntnis, dass wir uns zu einer so genannten Wegwerfgesellschaft entwickelt haben. Wenn ich heute den Knoblauch (Allium sativum) als gesundheitsfördernde Gabe Gottes beleuchte, so tue ich das auf dem Hintergrund der eben geäußerten einleitenden Bedenken. Alle, die damit beschäftigt sind, einen eigenen Haushalt zu führen, wissen, was da alles im Laufe eines einzigen Tages im Müllkübel, den Papierkörben und dann in den einzelnen speziellen Tonnen landet, das man schlicht und einfach entsorgen möchte. Die Menge von verwendetem Knoblauch, der in der Küche zum Einsatz kommt, spielt dabei wohl eine äußerst geringe Rolle. Aber bleiben wir ruhig dabei. Denn in den sehr würzigen und geruchsintensiven Zwiebeln sind viele wertvolle Inhalte eingelagert. Zahlreiche Schwefelverbindungen und ätherisches Öl sind dort vorhanden wie auch Vitamine und Mineralstoffe. Diese tun nicht nur dem Magen und dem Darm gut, sofern man sie in einer geringen Dosis verwendet. Sie besitzen auch eine gute Wirkung, die man zur Pflege der Fingernägel heranziehen kann. Gerade dann, wenn man im schon angesprochenen Haushalt mit reichlich viel manueller Arbeit eingedeckt ist – was im Frühlings sicher bei vielen der Fall ist – kann man sich etwas Gutes tun, indem man auf die eigenen Finger schaut. Hat jemand selbst und auch die Mitbewohner kein Problem mit dem Aroma, das dem Knoblauch entströmt, ist es möglich, ein bewährtes Hausmittel anzuwenden. Zudem wird er dann nicht einfach gedankenlos weggeschmissen.

Knoblauchsaft als Einreibung 

Von den einzelnen Zehen des Knoblauchs lässt sich ein Saft auspressen. Werden mit dieser Flüssigkeit öfter die Fingernägel eingerieben, so trägt das zur Verbesserung ihrer Struktur bei. Sie werden fester, schöner und widerstandsfähiger. Und der Knoblauch wird so noch einmal verwendet und sinnvoll verbraucht. www.kraeuterpfarrer.at

Konblauch mit Blüte (Allium sativum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Stärkende Samen

Besitzen auch die Brennnesseln

Jetzt geht’s los! So könnte man sagen und singen, wenn man sich in der Natur umschaut. Das Grün ist nicht mehr aufzuhalten. Hat auch der Frost und der überraschend gefallene Schnee in der zurückliegenden Woche selbst in den Niederungen den wachsenden Pflanzen und den aufgehenden Knospen eine Bremse angelegt, so ist davon nun keine Rede mehr. Ein Sprießen und Keimen allerorten wird gleichzeitig für uns alle zu einem verheißungsvollen Hoffnungsträger. Manche gehen wie jedes Jahr z. B. schon daran, die jungen Blätter der Brennnesseln (Urtica) für sich und die Familie aufzubereiten. Dieses Gott sei Dank häufig vorkommende Gewächs bereitet nicht bloß Mühe, da man es als lästig erscheinendes Beikraut in den Gärten beiseiteschaffen möchte, um anderen nützlicheren Pflanzen Platz zu machen. Die Brennnessel beinhaltet aber ebenso wichtige Inhaltsstoffe, die unserer Gesundheit durchaus zuträglich sind. Mineralsubstanzen wie Kalzium, Magnesium und Eisen zählen dazu wie auch Vitamine und Flavonoide. Was sich erst im Laufe der Vegetationsperiode auf den wehrhaften Gewächsen ausbilden wird, das sind die Samen derselben. Heilkräuterkundige Feinschmecker wissen darum, dass man sehr wohl schon die Blüten der Brennnesseln verkosten kann, wenn sie sich auf den Trieben bilden und in Rispenform an den Stängeln hängen. Die reifen Samen wiederum sind ein begehrtes Sammelgut, das auf verschiedene Weise zum Einsatz kommen kann. Sie schmecken nussartig und sind mit Schleimstoffen angereichert. Diese Tatsache wiederum bringt einen Vorteil mit sich, der einem angeschlagenen Verdauungstrakt Unterstützung bieten kann. Das trifft dann auch für Kinder und Jugendliche zu, für die Heilgewächse ja auch sehr viel Gutes bereithalten.

Bei Durchfall von Kindern

Von getrockneten und gut aufbewahrten Samen der Brennnesseln nimmt man 1 Esslöffel voll. Mit 1/4 Liter kaltem Wasser übergießen und beides zusammen aufkochen. Dann kurz ziehen lassen, dann abseihen. Den schleimhaltigen Tee noch mit etwas Honig süßen und zum Trinken reichen. Damit lässt sich eine Phase des Durchfalls bei Kindern ganz gut begleiten. www.kraeuterpfarrer.at

Große und Kleine Brennnessel (Urtica dioica und Urtica urens) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Die Haut geschmeidig machen

Unter anderem mit Ackerstiefmütterchen

Zieht man den Begriff Kosmetik in Betracht, dann werden die Gedanken womöglich auf kostenintensive Maßnahmen, Anwendungen und Produkte hingelenkt. Es gibt ja eine große Palette an diesbezüglichen Angeboten, die man sich vor allem dann gönnt, wenn man sich etwas Gutes tun möchte. Vergessen wir aber dabei nicht auf die vielen Möglichkeiten, die durch pflanzliche Kräfte unserem Äußeren dienlich sein können. Das Ackerstiefmütterchen (Viola tricolor) ist ein gutes Beispiel dafür. Es zählt zu den sogenannten Kulturfolgern und besiedelt gerne einen Boden, der von menschlicher Hand bearbeitet wurde. In den oberirdischen Wuchsteilen des Veilchengewächses finden sich vor allem Flavonoide, Schleimstoffe und Glykoside. Das ansprechend aussehende Geschöpf der Feldränder ist nicht bloß schön anzusehen, sondern kann auch unserer Haut so manchen guten Dienst erweisen. Der Wetterwechsel, der mit dem April automatisch einhergeht, stellt ja eine große Herausforderung für uns dar, da wir uns einerseits in gut geheizten Räumen aufhalten und dann wieder im Freien uns bewegen, wo so manches raue Lüftchen weht. Da ist es doch klug, für die äußerste leibliche Schicht konkrete festigende Maßnahmen zu setzen. Das ist überdies  von Vorteil, wenn die Haut einen trockenen und spröden Charakter aufweist. Auch im späteren Jahresverlauf kann der heute empfohlene Tipp von Nutzen sein. Das Ackerstiefmütterchen lässt sich hierfür ganz einfach aufbereiten. Also, schauen wir auf uns selbst und verlieren wir dabei nicht das aus den Augen, was uns Mutter Natur Jahr für Jahr aufs Neue anbietet.

Ackerstiefmütterchen-Kraut in Öl 

Am besten verwendet man das getrocknete zerkleinerte blühende Kraut des Ackerstiefmütterchens. Die Ware wird im Verhältnis 1 : 4 mit kaltgepresstem Olivenöl 14 Tage lang in einem verschlossenen Glasgefäß bei Zimmertemperatur angesetzt. Danach abseihen, die Ansatzmasse zusätzlich auspressen und das Kräuteröl in kleine Flaschen abfüllen. Kühl und dunkel lagern. Somit hat man eine Einreibung vor allem für eine trockene Haut zur Verfügung. Am besten am Abend die Körperoberfläche damit massieren. www.kraeuterpfarrer.at

Acker-Stiefmütterchen oder Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Blumige Beigabe

Die Blütenblätter der Ringelblume

Der Phantasie sind wohl keine Grenzen gesetzt, wenn es gilt, tagtäglich in der Küche – egal wo und wie groß – im wahrsten Sinne aus dem Vorhandenen etwas zu zaubern, das dann gut am Gaumen landen kann. Die dahingehenden Erwartungen sind meist sehr hoch und sie zufriedenzustellen bedarf eines einfühlsamen Geschicks. Meine Begabungen im Zubereiten von Speisen halte ich für äußerst gering. Dennoch möchte ich heute mit meinen Zeilen wieder einmal die Ringelblume (Calendula officinalis) ins Spiel bringen. Das soll ruhig im Hinblick auf den Mittagstisch geschehen. In der Reihe der bekannten und vielfältig verwendeten pflanzlichen Hilfen nimmt die beliebte Ringelblume eine besondere Stellung ein. Nicht umsonst ist sie auch das Wahrzeichen des Vereins Freunde der Heilkräuter, der seit dem Jahr 1978 versucht, all jenen, die nach einer gesundheitsfördernden und das Wohlbefinden stärkenden Unterstützung Ausschau halten, Orientierung und Wegweisung zu bieten. In der Ringelblume finden sich viele brauchbare Inhaltsstoffe. So sind dort vornehmlich in den Blütenblättern Bitterstoffe, Flavonoide, Salicylsäureverbindungen und Carotinoide eingelagert. Bereitet man diese schönfarbige Gabe der Natur auf, so kann man damit der Haut, der Verdauung und dem Immunsystem eine Förderung zukommen lassen, die in der Regel auch gut vom Organismus verwertet wird – sofern keine allergischen Reaktionen auf Korbblütler zu verzeichnen sind – und somit dem Körper auf eine sanfte Weise gerecht werden. Um nun die hoffentlich vorhandene Gesundheit mit der Ringelblume zu begleiten, kann man sich auch des Suppentopfs bedienen, der tagtäglich auf den Mittagstisch gestellt wird.

Ergänzung für die Suppe 

Frisch abgezupfte oder getrocknete Blütenblätter der Ringelblume werden in einem Maß, das man persönlich bestimmt, vor dem Servieren in eine heiße Suppe gegeben. Man kann sie dann beim Auslöffeln einfach mitessen, wodurch sie in den Verdauungstrakt gelangen. Dort kann ihr Vorhandensein dazu beitragen, die Tätigkeit der Leber und der Gallenblase zu unterstützen und generell auch dem Immunsystem mit pflanzlicher Wirkkraft unter die Arme greifen. www.kraeuterpfarrer.at

Ringelblumenzweig mit Einzelblüte und Knospe (Calendula officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Junge Blätter aufbereiten

Vom Haselstrauch nehmen

Die tägliche Aufnahme von genügend Flüssigkeit ist eine entscheidende Maßnahme, um seinem Wohlbefinden und nicht zuletzt der eigenen Gesundheit einen guten Dienst zu erweisen. Ich ertappe mich leider nur allzu oft dabei, dass ich schon wieder einmal aufgrund vieler verschiedener Erledigungen während eines fordernden Arbeitstages schlicht auf das Trinken vergesse. Wer sich aber darauf einlässt, genau im Hinblick auf diesen wichtigen Aspekt etwas zu ändern, kann dazu auch die Hilfe von Heilkräutern in Anspruch nehmen. Am Haselnussstrauch (Corylus avellana), der uns in diesem Zusammenhang wohl nicht gleich in den Sinn kommt, gibt es diesbezüglich ebenfalls etwas zu holen. An den begehrten Nüssen haben sich – sofern wir selbst nicht im Herbst darauf geachtet haben – die Eichkätzchen gütlich getan und die Spechte sowie Eichelhäher auch einen energiespendenden Proviant entdeckt. Diese Früchte sind eben nicht nur wohlschmeckend, sondern durchaus eine vernünftige Ergänzung menschlicher Nahrung. Jetzt, nachdem die Kätzchen ihren Dienst vollbracht haben, sind jedoch die Blätter der Haselsträucher an der Reihe. In ihnen stecken vor allem im Jugendstadium eine Reihe von guten Wuchsstoffen und Gerbsubstanzen. Gerade im Frühling kann man auf diese natürlichen Gaben zurückgreifen, etwa dann, wenn es gilt, einen herzhaften Wildkräutersalat zu ergänzen. Oder man nimmt die Blätter in aufbereitet flüssiger Form zu sich. Dann profitiert u. a. das Blut davon, das im Körper eine wichtige Funktion erfüllt und dabei für einen innerlichen Reinigungsprozess sorgt. Und vergessen wir aufs Trinken nicht. Dazu habe ich auch einen praktischen Tipp für alle.

Tee aus Blättern vom Haselstrauch

Von getrockneten und zerkleinerten jungen Blättern des Haselstrauches nimmt man ca. 20 g. diese werden mit 1 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. In eine Thermosflasche füllen und zuvor nach Belieben mit ein wenig Honig süßen. Über den Tag verteilt trinken. Das tut auch dem Blut gut, das mit seinem Umlauf den ganzen Organismus versorgt und reinigt. www.kraeuterpfarrer.at

Haselnusszweig mit Blüten und Früchten (Corylus avellana) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Bewährte Schleimstoffe

Hält der Eibisch bereit

Das Frühjahr ist immer auch eine Zeit des Nachdenkens und Planens. Wahrscheinlich richten sich die Gedanken der Gestaltung und Planung auf alles, was einem die warmen und frostfreien Monate ermöglichen. Und da steht bei vielen die Arbeit im Garten an oberster Stelle. Immerhin gilt es zu bestimmen, was auf freien und bearbeiteten Beeten in Zukunft wachsen und gedeihen soll. Ich möchte heute dafür plädieren, dabei auch den Eibisch (Althaea officinalis) nicht außer Acht zu lassen. Es sind allein schon seine Blüten, die das Auge erfreuen und ebenfalls für die Bienen eine begehrte „Tankstelle“ darstellen. Doch sind zudem andere Vorzüge zu verzeichnen, die sich mit der Präsenz dieses Malvengewächses für die Pflege unserer Gesundheit einstellen. Unser Körper besitzt einige Zonen, die mit Schleimhäuten versehen sind. In erster Linie denke ich dabei an den gesamten Bereich Mund und Darm. Es handelt sich hierbei um sehr sensible Bereiche, die leider nicht von manchen Beschwerden frei bleiben. Aber die gottgegebene Schöpfung hat schon im Voraus dafür gesorgt, eine Hilfe bereitzustellen, wenn die Schleimhäute geschwächt oder gar entzündet sind. Ich meine damit die Inhaltsstoffe, die sich vor allem in der Wurzel des Eibischs befinden und sich durch einen hohen Anteil an pflanzlichen Schleimstoffen auszeichnen. Um mit einem Bild zu sprechen, ist es durchaus möglich, gerade diese Wirksubstanzen als Unterstützung zu verwenden, wenn die physischen Schleimhäute eine Schwachstelle aufweisen. Also, vorausschauend auf Garten und Leib kann man sagen, dass es immer wieder Gründe für gute Aussichten gibt. Einerseits geschieht dies durch ein Pflanze, die man heranwachsen sieht und andererseits eröffnet sich die Möglichkeit, mit der Kraft der Natur dem Bruder Leib etwas Gutes zu tun.

Kalter Ansatz 

Von der getrockneten und zerkleinerten Wurzel des Eibischs nimmt man 2 Teelöffel und setzt diese Menge in 1/4 Liter kaltem Wasser 1 Stunde lang an. Gelegentlich umrühren und dann abseihen. Jetzt erst leicht erwärmen. Der Tee eignet sich gut, um ihn bei Reizungen der Schleimhäute im Mund- bzw. Rachenbereich zum Gurgeln zu verwenden. Oder man trinkt ihn, um die Lunge zu stärken. Man kann ihn dafür mit ein wenig Honig und Zitronensaft ergänzen. Auch bei Magen- und Darmproblemen ist ein Eibischtee hilfreich. www.kraeuterpfarrer.at

Eibisch mit Wurzel (Althaea officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

 

Wohltat für die Ohren

Die Dach-Hauswurz auspressen

Ein Symbol für die Osterzeit wird nun schon seit Wochen strapaziert und verwendet. Es handelt sich dabei um Meister Lampe, besser aber noch als Hase bekannt. Dieses Tier begegnet uns gerade im Frühling häufig in der freien Natur, wo es sich auf den Wiesen und Feldern hoppelnd herumtreibt. Leider fordert der Straßenverkehr gerade bei den liebenswerten Nagern einen hohen Blutzoll. Die Physiognomie der Hasen zeichnet sich vor allem durch lange Ohren aus. So will ich diesmal die Aufmerksamkeit auf unsere Hörinstrumente hinlenken und gleichzeitig die Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum) als pflanzliche Hilfe in Erinnerung rufen. Dieses Dickblattgewächs hat keine Fressschäden der Hasen zu befürchten, wenn es geschützt auf Mauern oder auf Dachflächen sitzt. Die zierende Pflanze kommt mit ganz wenig Wasser aus und eignet sich so als pflegeleichtes Gartenelement. Gerbstoffe, Schleimstoffe, verschiedene Säuren, Bitterstoffe und Harz zählen zu den Wirkstoffen der Hauswurz. In der Regel wird sie herangezogen, um mit äußerlichen Anwendungen die Haut zu pflegen und beim Auftreten von Warzen oder so genannten Blutschwämmen eine Linderung zu erwirken. In der Erfahrung der praktizierten pflanzlichen Begleitung des Alltags mitsamt seinen physischen Beschwerden weiß man auch um die wohltuenden Effekte, die für die menschlichen Ohren dabei abfallen. Nicht wenige unserer Zeitgenossen – Groß wie Klein – klagen gar nicht selten über Schmerzen in diesem Bereich, insbesondere dann, wenn ein vorheriger Aufenthalt in einem zugigen oder nasskalten Ambiente seine Folgen zeitigt. Gewiss ist es vor allem wichtig, den ärztlichen Rat einzuholen, wenn man Probleme an den Ohren oder im Hörgang hat. Wenn nichts dagegen spricht, kann auch die Dach-Hauswurz für eine begleitende Maßnahme herangezogen werden.

Presssaft anwärmen 

Von frisch aus der Rosette gebrochenen Blättern der Dach-Hauswurz kann man den darin enthaltenen Saft auspressen, nachdem die Wuchsteile leicht angequetscht wurden. Bei Ohrenschmerzen, deren Entstehen man durch eine ärztliche Untersuchung auf den Grund gegangen ist, kann man 2-mal täglich ein paar Tropfen ins Ohr träufeln, um die Beschwerden zu lindern. www.kraeuterpfarrer.at

Dachwurz oder Hauswurz (Sempervivum tectorum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya