Morgentee für die Gesundheit

Lediglich mit Löwenzahn

Die vegetationsarme Zeit lässt einerseits die Seele zur Ruhe kommen, weil man nicht nur das alltägliche Leben vermehrt in die geheizte Innenwelt der Häuser verlegt. Das lichtarme und meteorologisch kalte Ambiente regt auch dazu an, besinnlicher und ruhiger zu werden. Andererseits wächst zudem die Sehnsucht nach Wärme und Sonne, nach blühenden Wiesen und duftenden Gärten. Um dieses Streben gleich sinnvoll zu nutzen, sollte man einmal mehr an die Kräuter denken, die jeder wiederkehrende Frühling samt dem anschließenden Sommer feilbietet. Da fällt mir als erstes der Löwenzahn (Taraxacum) ein, dessen leuchtende Blüten ganze grüne Breiten im Handumdrehen gleichsam vergolden können. Wenn das in ein paar Monaten der Fall sein wird, gibt es z. B. für die Bienen kein Halten mehr, weil die Löwenzahnpracht auch etliches an Nahrhaftem für die Waben abwirft. Doch kehren wir vom gedanklichen Schwärmen wieder in die Gegenwart zurück, die dafür genutzt werden kann, um den Körper fit zu halten und die inneren Organe mit all den guten Inhaltsstoffen, die Kräuter parat haben, zu ertüchtigen. Wenn vom Löwenzahn die Rede ist, so sind Bitterstoffe das Naheliegende, das man dabei in Erwägung zieht. Es gilt durchaus als wissenschaftlich erwiesen, dass die Verwendung des Korbblütlers einen äußerst positiven Einfluss auf die Tätigkeit und die Beschaffenheit der Leber mit sich bringt. In Zeiten nach den Feiertagen rund um Weihnachten, Silvester und dem Epiphaniefest (im Volksmund als Dreikönigsfest bezeichnet) hat man es sowieso oft nötig, den Organismus zu entschlacken und die Immunkraft erneut auf Vordermann zu bringen. Da bietet es sich förmlich an, den Löwenzahn in seiner nun habhaften getrockneten Form herzunehmen. Am besten tut man das gleich nach dem Aufstehen, um gut in den Tag zu starten.

Noch vor dem Frühstück

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Löwenzahns nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Bleibt genug Zeit, so trinkt man den Tee ungesüßt vor dem Frühstück, ansonsten eben während der ersten Mahlzeit des Tages. Dies unterstützt das Entschlacken des Körpers und wirkt sich auch klärend auf die Haut aus. Durchaus bis zu 3 Wochen lang praktizieren.

Löwenzahn mit Wurzel (Taraxacum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für den Magen

Ananasfrüchte für die Verdauung

Ohne die alten Zeiten über Gebühr verherrlichen zu wollen, war es doch etwas ganz Besonderes, wenn man gerade während der Winterszeit ganz bewusst so manches exotische Obst kredenzt bekam. Vor allem Orangen und Mandarinen waren der Hit im Obstkorb. Datteln und getrocknete Feigen ergänzten das Angebot. Hat Vater oder Mutter gar eine Ananasfrucht (Ananas comosus) aus der Familie der amerikanischen Bromeliengewächse mit nach Hause gebracht, dann hat man geschaut, dass man auf jeden Fall ein Stück von dem saftigen Fruchtfleisch abbekam, um so den rasch vorübergehenden Genuss wirklich auskosten zu können. Aber wie gesagt, die Zeiten haben sich geändert. Es ist nicht zuletzt dem allgemein vorherrschenden Wohlstand zu verdanken, dass wir praktisch das ganze Jahr auf ausländisches Obst zurückgreifen können, ohne auf die Idee zu kommen, dass dies fast eine Sensation ist. Auch wenn sich in diesem Zusammenhang viele Fragen auftun, die sowohl die Produktion als auch den Transport betreffen, so möchte ich an dieser Stelle auf die Vorzüge hinweisen, die wir dem Verzehr von Ananasfrüchten entnehmen können. Dabei fällt der heutige gesundheitliche Fokus auf den Magen, der eine wichtige Funktion innerhalb unserer physischen Lebensvollzüge einnimmt. Denn wenn dieser nicht in geregelten Bahnen seinen Dienst vollzieht, kann in der Folge die Kraft, die in der konsumierten Nahrung steckt, ganz schlecht an den Organismus weitergeleitet werden. Im Magen werden die Säfte produziert, die dazu dienen, die Speisen so zu zerlegen, dass hernach im Durchlaufen des Darmes alles verarbeitet und in Verwertbares und wieder Auszuscheidendes getrennt werden kann. Die Ananas enthält selbst Säuren und Enzyme, die sich förderlich auf die Bildung der nötigen Säure im Magen auswirken. All jene, die eine schwache Verdauung aufweisen, können also die Unterstützung aus Übersee in Anspruch nehmen.

Frischer Genuss

Oft werden in Konserven eingelegte Ananasscheiben angeboten. Um den Magen in seinem Ausscheiden an nötigen Verdauungssäften zu unterstützen, sollte man jedoch auf frisch aufgeschnittene Ananasstücke zurückgreifen. Am besten nimmt man ein wenig davon schon vor den Mahlzeiten zu sich und greift erneut als Dessert auf die Ananas zurück. Generell sollte man aber bei länger anhaltenden Problemen mit dem Magen eine gründliche medizinische Untersuchung durchführen lassen.

Ananas (Ananas comosus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beruhigung für das Herz

Baldrian hat sich bewährt

Vieles spielt im menschlichen Leib zusammen und hält so das physische Leben aufrecht. Es wäre daher schade, ein Organ oder einen ganzen Teilbereich der Physis für sich alleine zu betrachten. Denn immerhin sind wir als Menschen keine bloße Maschine, die man beliebig oft zerlegen und dann wieder zusammensetzen könnte. Eine Komponente darf zusätzlich nicht außer Acht gelassen werden: die Psyche bzw. die emotionalen Regungen, die ihren Niederschlag am Körper finden. Der Baldrian (Valeriana officinalis) veranlasst mich heute, dieses Vernetzt-Sein einmal mehr aufzuzeigen und in Erinnerung zu rufen. Verschiedenste Umstände können bekannter Weise dazu führen, dass wir mit den Nerven in einen angespannten Zustand gelangen. Was vor allem darauf reagiert, das ist unser Herz mit seiner schnelleren Tätigkeit, die wir ganz einfach auch an unserem Puls ablesen können. Jedoch ist es nicht bloß damit getan. Immer wieder mahnen die Ärzte eine gründliche Untersuchung des Herzens ein, die dazu führt, dass wir über die tatsächliche Beschaffenheit des stetig pumpenden Muskels Bescheid wissen. Umso vorausschauender ist es, gesund zu leben. Das betrifft die Ernährung gleichermaßen wie auch die täglich durchgeführte Bewegung bei einem Spaziergang oder einer nicht allzu herausfordernden sportlichen Aktivität. Im Baldrian haben wir zusätzlich einen pflanzlichen Partner, der uns hilft, die Nerven zu unterstützen, wenn es gilt, sich gegen eine allzu hohe Anspannung derselben zu wappnen. Unsere älteren Generationen wussten, dass in der Natur einiges zu finden ist, das sich beruhigend auf den Leib und ebenso auf das psychische Grundgerüst auswirkt, u. a. auch der Baldrian.

Hausmittel für die Nerven

Von getrockneten und zerkleinerten Wurzeln der Baldrianpflanze nimmt man ca. 30 g und übergießt sie mit 1 Liter Weißwein. Danach gut verschlossen 2 Wochen lang stehen lassen. Zuletzt abseihen, in dunkle Flaschen abfüllen und kühl lagern, am besten in einem Kühlschrank. Bei Verträglichkeit von Alkohol nimmt man von diesem Bladrianwein bei Bedarf täglich 2 Likörgläser voll zu sich, um die Nerven zu stärken und gleichzeitig die Tätigkeit des Herzens zu unterstützen.

Baldrian (Valeriana officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Heilsame Würze

Estragon auch in Teeform

Manchmal genügt es nicht, das alltägliche Einerlei zu konsumieren. Dann und wann braucht es den richtigen Pep, um etwas interessant und außergewöhnlich zu machen. Dieser Drang besteht nicht etwa bloß bei jungen Menschen, die erst ihren richtigen Geschmack oder ihren individuellen Stil finden wollen. Seit jeher gibt es das Bestreben bei Alt und bei Jung, sich mit dem Einfachen nicht zufrieden zu geben. Auf dem Gebiet des Gaumens kommt es daher oft darauf an, wie man eine Speise würzt. Im Estragon (Artemisia dracunculus) begegnet uns ein seit jeher beliebtes Küchenkraut, das durchaus fähig ist, das eine oder andere Gericht noch besser schmecken zu lassen. Am ehesten ist uns dieser Korbblütler wahrscheinlich noch in Verbindung mit einer gewissen scharfen Note eines Senfs bekannt. Doch schauen wir einmal auf die Pflanze selbst. Die buschige weit verzweigte Staude wird bis zu 1,5 Meter hoch. Im Garten baut man den Estragon an einem geschützten sonnigen Platz an, der einen humusreichen und zugleich durchlässigen Boden aufweist. Das regelmäßige Gießen trägt dann zusätzlich zu einem guten Gedeihen des Küchengewürzes bei. In der Regel schneidet man eben im Sommer die voll entwickelten Triebe ab, um sie im Halbschatten bei zugiger Luft zu trocknen. Damit erhält man eine gute Reserve für die kalte Jahreszeit. Man braucht jedoch die Verwendung des Estragons nicht bloß auf die Küche oder die Speisekammer beschränken, wenn es z. B. gilt, Suppen abzuschmecken oder Gurken einzumachen. Seine gesundheitsfördernde Wirkung kann darüber hinaus dienlich sein, um den Appetit anzuregen und die Tätigkeit der Nieren zu unterstützen. Vor allem bei älteren Menschen kommt es vermehrt zu überschüssigen Wasseransammlungen, die nach Möglichkeit wieder verringert werden sollten.

Tee aus Estragon

Vom getrockneten und zerkleinerten Kraut des Estragons nimmt man bloß 1 Teelöffel voll und übergießt ihn mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Am Tag kann man 2 Tassen davon ungesüßt trinken. Bei schwachen Nieren oder bei Wassersucht ist es möglich, dies als begleitende Maßnahme durchzuführen. Dazu ist es aber notwendig, zuvor den ärztlichen Rat einzuholen, um nicht etwa die Nieren über Gebühr zu beanspruchen.

Estragon (Artemisia dracunculus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vorbeugung und Begleitung

Gurgelmittel aus Erlenrinde

Es geht eindeutig bergauf! Zumindest mit der Ausbeute des vorhandenen Tageslichtes. Dieses steht uns nun wieder in je größerem Umfang zu Verfügung, je höher die Anzahl der Kalendertage für das neue Jahr steigt. Und das wirkt sich nicht bloß auf das humane Gemüt aus. Wer noch viel intensiver mit dem Lauf der Gestirne und den Gegebenheiten der direkten meteorologisch beschaffenen Umgebung korrespondiert, sind die Pflanzen in der freien Natur. Mit dem Blick auf das Frühjahr rüsten sich z. B. auch die Schwarzerlen (Alnus glutinosa) für ihr erneutes Blühen und Anlegen des notwendigen Blätterkleides. Dieser Prozess ist zwar von außen nicht sichtbar, beginnt aber nun bereits unter der Rinde vonstatten zu gehen. Und genau diese Veränderung macht es interessant, sich die äußerste Schicht auf fingerdicken – also jungen – Ästen nutzbar zu machen. Wenn man die Rinde erntet, so schält man diese in Streifen von den Zweigen, um sie zu Hause bei guter Wärme gründlich zu trocknen. Hernach bewahrt man sie am besten in einem verschlossenen Gefäß auf, damit die Ware nicht noch einmal feucht wird und sie sodann für den weiteren Gebrauch untauglich wäre. Die Rinde der Erlen birgt ebenfalls wie manch andere Baumarten viele Gerbstoffe in sich. Somit besitzt sie einen zusammenziehenden Effekt, der sich gerade auf die sensiblen Zonen unserer Haut bzw. auf den Schleimhäuten im Mund- und Rachenbereich positiv auswirken kann. Also sollte man es durchaus ausprobieren, die Erlenrinde anzusetzen und danach für die weitere Verwendung aufzubereiten. Da sich Erlen sehr gut von Natur aus verjüngen und sich gern vermehren, ist deren Bestand bei uns nicht gefährdet. Es versteht sich wohl von selbst, dass man die Rinde nur von dünnen Zweigen großer und älterer Exemplare abnimmt.

Rinde aufkochen

2 Esslöffel voll zerkleinerter getrockneter Erlenrinde werden in 1/2 Liter kaltem Wasser 1 Stunde lang angesetzt. Danach kurz aufkochen und ca. 15 Minuten ziehen lassen. Letztlich abseihen und bei Erkältung, Halsschmerzen und Heiserkeit damit gurgeln. Übrigens erweist sich diese Abkochung auch als hilfreich in Form einer Hautabreibung, wenn man eine gute Ausheilung von Narben fördern möchte.

Schwarzerle (Alnus glutinosa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Körperpflege mit Blüten

Mit dem Labkraut durchführen

Düfte sind etwas äußerst Reizvolles. Sicher ist ja der eine oder die andere auf der Suche nach einem Eau de Toilette oder einem Eau de Parfum schon einmal im Fachhandel an den Testern der einzelnen Kreationen hängengeblieben, um die verschiedenen Produkte mit der Nase zu gustieren, ehe eine Entscheidung getroffen wurde. Wandert man durch die sommerliche Natur, wird dem Geruchssinn ebenso das diesbezügliche Angebot der verschiedenen offenen Blüten nicht verborgen bleiben. Das Echte Labkraut (Galium verum) ist eine äußerst adrette Pflanze, die es versteht, mit ihrem grazil gestalteten Wuchs und eben mit ihren feinen goldgelben Blüten so manchem Wegrand und den Säumen an Feldern und Wäldern einen ganz feinen Schmuck zu verleihen. Ein besonderer Genuss ist es dann obendrein, wenn man den honigähnlichen Geruch des Labkrautes beim Einatmen entgegennehmen darf. Nun hat es fast schon den Anschein, dass die Wirkung dieses Heilkrautes lediglich darin besteht, gut zu riechen. Aber das ist weit gefehlt. Denn die an Cumarin und Gerbstoffen reichen Teile des Labkrautes sind auch dazu geeignet, die ganze Physis zu unterstützen. Ein Problemfeld, das sich im Laufe des Lebens einer Veränderung unterzogen weiß, ist auf jeden Fall die Haut. An ihr zeigt sich, wenn z. B. mit der Verdauung etwas nicht stimmt. Vergessen wir zudem nicht auf die Phase der Pubertät, wo sich hormonbedingt der Fetthaushalt der Haut ebenso umstellt und vorübergehend der Hang zu einer vermehrten Unreinheit derselben bestehen kann. Wenn man dann das Echte Labkraut verwendet, das übrigens auch als Gelbes Labkraut bezeichnet wird, kommt noch der Vorteil dazu, dass dadurch die Nerven eine sanfte und zugleich festigende Unterstützung erhalten. Am besten, man brüht dabei die Droge auf.

Waschungen und Bad

Die Menge von 100 g der getrockneten und zerkleinerten Blütenstände des Echten Labkrautes werden mit 3 Litern kochendem Wasser übergossen und 15 Minuten zugedeckt ziehen gelassen. Nach dem Abseihen den gewonnenen Absud in eine bereits mit warmem Wasser gefüllte Badewanne gießen und ca. 20 Minuten darin baden. Eine geringere Menge des Labkrautaufgusses kann man überdies verwenden, um damit Waschungen am ganzen Körper durchzuführen. Diese Methoden unterstützen die Haut während der Pubertät oder bei verstopften und unreinen Poren.

Gelbes oder Echtes Labkraut (Galium verum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Frisches Grün im Winter

Die Dach-Hauswurz nicht vergessen

Abwechslung ist eine gute Möglichkeit, um das Leben nicht eintönig werden zu lassen. Das wussten schon unsere Altvorderen, denen ja weit nicht so viele Möglichkeiten offenstanden wie der heutigen Generation. Ein Gang in den Supermarkt genügt, um an die Spezialitäten aus aller Herren Länder heranzukommen. Die Fülle der Auswahlmöglichkeiten ist dort so groß, dass es oft schwer wird, eine Entscheidung zu treffen. In der Echten Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum) dürfen wir ganz im Gegensatz zu dem eben Geschilderten eine pflanzliche Kostbarkeit vorfinden, die im wahrsten Sinne des Wortes vor der eigenen Haustür stehen kann. Ohne großes Zutun schafft es dieses Dickblattgewächs, auf Torpfeilern, flach abfallenden Tondächern, Steineinfassungen oder jeder anderen Art von Gemäuer zu existieren, wo von Humus weit und breit keine Spur ist. Sie kommt eben mit dem Niederschlag zurecht, den der Himmel schickt und speichert das so erlangte Wasser in ihren speziell konstruierten Blättern. Ein Vorteil kommt noch hinzu: dieses Gewächs ist praktisch das ganze Jahr über verfügbar. Sucht man also in den kargen und kalten Zeiten nach einer Variante, um das Essen auf dem Tisch nicht zu eintönig werden zu lassen, kann ich nur dazu ermuntern, es einmal mit der Dach-Hauswurz zu probieren. So kann man einige der fleischigen Blätter des dickhäutigen Krautes kleinschneiden und damit herkömmlich kredenzte Salate aufbessern. Die Hauswurz ist nämlich reich an natürlichen Säuren und Mineralstoffen. Diese Einsicht lässt sich wiederum nutzen, um damit das täglich vorgesehene Trinkwasser aufzubessern. In weiterer Folge wirkt sich dessen Genuss vorteilhaft auf den Körper aus.

Blätter ansetzen

Von der Dach-Hauswurz bricht man 4 bis 5 frische größere Blätter aus deren Rosetten heraus und zieht anschließend das äußerste feine Häutchen von diesen ab. Vor dem Zubettgehen in 1 Liter Wasser einlegen und über Nacht darin belassen. Tags darauf trinkt man dann von der Früh bis zum Abend verteilt diese Menge. Das bewährt sich vor allem bei fiebrigen Zuständen als unterstützend. Ferner kann dieses Hauswurz-Wasser auch jenen guttun, die mit einer Blasenerkrankung belastet sind.

Dachwurz oder Hauswurz (Sempervivum tectorum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Entspannung am Abend

Mit Dillsamen anstreben

Unlängst habe ich noch mit Bekannten darüber geredet, wie sich das momentane Wetter auf sie auswirkt. Interessanterweise habe ich dann vernommen, dass es für manche schwieriger sei, gut zu schlafen, wenn es Schneefall gibt. Mir persönlich ist diese Erfahrung praktisch nicht bekannt. Aber es ist nun einmal so, dass wir ganz unterschiedlich auf Einflüsse von außen reagieren. Wenn daher heute von der Dille (Anethum graveolens) die Rede ist, möchte ich mich diesmal nicht so sehr den kulinarischen Verwendungsmöglichkeiten jenes Doldenblütlers zuwenden als vielmehr den Kräften, die unserem Wohlbefinden und damit schließlich auch unserer Gesundheit dienlich sein können. Blicken wir auf die Kulturgeschichte des beliebten Würzgewächses, so reichen die Zeugnisse von dessen Präsenz im haushaltlichen und religiösen Vollzug unserer Vorfahren bis ins alte Ägypten. Die Griechen und Römer der Antike kannten den Dill ebenso wie die Mönche des Mittelalters, die dafür sorgten, dass diese Heilpflanze auch in den Klostergärten nördlich der Alpen Einzug hielt. Es war nicht bloß der ganz eigene Geschmack der grünen Triebe des Dills dafür verantwortlich, sondern ebenso die darin schlummernde Heilwirkung, die wir im Allgemeinen als verdauungsfördernd und krampflösend bezeichnen können. Und überdies profitiert zudem der Schlaf von der Verwendung dieser Heilpflanze. Genau darum geht es, wenn das Wetter erneut Kapriolen schlägt, die uns aus den gegenwärtigen Nachrichten und Schlagzeilen bekannt sind. Möge die Bedrohung, die von allzu viel Schnee in alpinen Bereichen ausgeht, wieder von den Betroffenen abgewendet werden! Für den heute empfohlenen Tipp bietet nicht das frisch geschnittene Kraut des Dills die Grundlage, sondern vielmehr die reifen Früchte desselben.

Dillsamen aufkochen

Um den Schlaf auf natürliche Weise zu fördern, kann man abends darangehen, vor dem Einschlafen noch ein Fußbad zu nehmen. Dazu braucht man zuerst 2 Esslöffel voll Dillsamen, die man 1 Stunde lang in 1 Liter kaltem Wasser ansetzt. Danach kurz aufkochen und 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und dem Fußbadewasser hinzufügen. 15 Minuten durchführen, ehe man wieder heraussteigt und die Füße abtrocknet. Diese Maßnahme zeitigt eine ableitende und entspannende Wirkung.

Dill (Anethum graveolens) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Nach anstrengenden Fahrten

Mit Kornblume die Augen pflegen

Obwohl Urlaub und Ferien nun vorüber sind, können wir die nächsten Staus auf unseren Autobahnen als prognostiziert ansehen. Denn die nächste Reisewelle kündigt sich schon an, weil im Kalender bereits die kommenden Semesterferien für Schulen und Universitäten eingetragen sind. Das Fahren mit PKW und LKW kann darüber hinaus noch durch das Wetter mit Schnee, Matsch und Nebel zu einer großen Herausforderung werden. Da tut es gut, sich nicht ans Lenkrad setzen zu müssen, sofern dies möglich ist. Mit den Kornblumen (Centaurea cyanus), die heute auf der Liste der täglich ventilierten Heilkräuter stehen, möchte ich mich den Augen zuwenden, die gerade bei allen, die am Steuer sitzen, aufs höchste beansprucht werden. Immerhin bedarf es einer permanent aufrecht erhaltenen Konzentration, um so für andere und schließlich auch für sich selbst die Sicherheit auf der Straße zu gewährleisten. In den Kornblumen finden wir im Sommer allein schon vom visuellen Eindruck her eine Blume, die man gerne erblickt und die einem durch das bloße Sehen bereits Freude bereitet. Mit ihrem strahlenden Blau setzen die Kornblumen in die oft monoton wirkenden Agrarflächen einen prächtigen und erhebenden Akzent. Gerne werden die Blütenblätter dieses Korbblütlers abgezupft, getrocknet und als Schmuckdroge in verschiedenen Teemischungen verwendet. Zu den Inhaltsstoffen dieses pflanzlichen Helfers zählen u. a. Gerb- und Bitterstoffe, Schleimstoffe und Flavonoide. In ihren Heilwirkungen gelten die Kornblumen-Blütenblätter seit jeher als verdauungsfördernd, leicht wassertreibend und überdies als entzündungshemmend. Letzteres bewährt sich dann, wenn man darauf aus ist, den Augen eine Entspannung nach großen Anstrengungen zukommen zu lassen. Die Zeit sollte es uns auf jeden Fall wert sein, die wir für eine Pflege unserer Sehorgane aufbringen.

Hausmittel für die Augen

Von den getrockneten Blütenblättern der Kornblume nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Danach 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Mit dem Aufguss tränkt man einen Wattebauschen, den man zusätzlich noch in ein Stück Leinen oder Baumwolle hüllt. Im Liegen eine Zeitlang auf die geschlossenen Augen auflegen, gerade dann, wenn sie übermüdet und daher gerötet sind.

Kornblume (Centaurea cyanus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Auf die Haut schauen

Acker-Stiefmütterchen als Wohltat

Empfindungen gehören unbedingt zu den Sicherungsmaßnahmen des Körpers dazu, die ihm ein gutes Fortkommen auf dieser Welt gewährleisten. Das erfahren bereits kleine Kinder, die sich bei der Erkundung ihrer unmittelbaren Umgebung darauf einstellen müssen, mit unangenehmen Schmerzen konfrontiert zu werden. Die Stichworte hierfür sind wohl allen aus eigener Erfahrung bekannt, wie etwa das Angreifen eines heißen Gegenstandes. Die Haut ist diejenige Fläche, auf der sich die Begegnung mit der Umwelt sinnenhaft manifestiert und abspielt. Auch wenn wir uns mitten im Winter befinden, sei das Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis) heute besonders hervorgehoben und den Lesern vorgestellt. Diese unaufdringliche aber zugleich sehr ästhetische Blume ist überall dort zu finden, wo man ihm auf agrarischen Flächen und unmittelbar angrenzend nicht die Existenz verwehrt, sondern durch einen naturnahen Ackerbau ermöglicht. Das Wilde Stiefmütterchen ist übrigens mit den beliebten Veilchen verwandt, was man ohnehin leicht an seiner wissenschaftlichen Bezeichnung ablesen kann. Somit darf man davon ausgehen, dass sich in den Pflanzenteilen des Acker-Stiefmütterchens sowohl Saponine als auch Schleimstoffe befinden, die man dann folgerichtig verwenden kann, um eben die Haut zu pflegen, zu stärken und zu unterstützen. Immerhin hat sich unsere äußerste Schutzschicht eine umsichtige Hinwendung verdient, weil sie letztendlich alles zusammenhält, was bildlich gesprochen darunter steckt. Und leider bleibt die Haut nicht davor gefeit, selbst zu erkranken oder Projektionsfläche von Symptomen anderer innerer Herde ungesunder Natur im Körper zu werden. Dann ist es gut zu wissen, dass es das Acker-Stiefmütterchen gibt. Mit einem Tee aus diesem Kraut verschafft man gerade der Haut so manche Hilfe.

Innerlich und äußerlich

Vom getrockneten und zerkleinerten blühenden Kraut des Acker-Stiefmütterchens nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt es mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Danach 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, ehe man den Tee abseiht. Bei Akne, Ekzemen oder Hautflechten sollte man den Aufguss einerseits trinken (2 – 3 Tassen pro Tag) und andererseits damit Waschungen durchführen. Das Acker-Stiefmütterchen-Kraut kann auch als Bestandteil für individuelle Teemischungen dienen.

Acker-Stiefmütterchen (Viola arvensis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya