Gegen Nager vorgehen

Wühlmäuse mit Holunder vertreiben

Die Freude kann sehr groß sein! Denn immerhin lebt unsere schöpferische Ader auf, wenn es darangeht, im Garten das Erdreich herzurichten und in akribischer Sorgfalt Blumen, Gemüsepflanzen und junge Bäume an ihren dafür bestimmten Ort zu setzen und ihre Entwicklung mit sorgsamer Pflege zu unterstützen. Wir sind dann zurecht stolz, wenn alles gut gedeiht und letztendlich herrliche Früchte nicht bloß zu bestaunen, sondern gar zu verkosten sind. Umso mehr schmerzt es, wenn plötzlich genau das Gegenteil von all dem Erwarteten eintritt. Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) ist eher einer, der nicht auf die Fürsorge des Menschen wartet, um sich zu verbreiten und in der Folge zur Entfaltung zu kommen. Denn lässt man ein Anwesen einige Monate oder Jahre außer Acht, dann ist es vor allem der Holunder, der sich ganz dreist mit seinen Wurzeln und holzigen Trieben niederlässt. Der samenhaltige Kot der Vögel trägt einiges dazu bei, damit er auf brachliegende Areale vordringen kann. Prinzipiell gebührt den Stauden Ehrfurcht und Wertschätzung. Die Blüten und Früchte des Schwarzen Holunders zählen nämlich zu den äußerst kostbaren Gaben der Natur. Und er besitzt einen ganz eigenen Geruch, der nicht jedermanns Sache ist. Das sehen ebenfalls die Wühlmäuse so. Sie sind es auch, die sich unterirdisch einen Weg in die uns so lieb und teuer gewordenen Gartenanlagen bahnen und sich quasi im Schutz des Erdreichs vor allem über die Wurzeln und Rhizome hermachen. Oft entdeckt man den Schaden erst, wenn es schon zu spät ist. Weiß man um die Präsenz dieser ungebetenen Nager, so kann uns der Holunder helfen, sie wieder aus der grünen Oase rund ums Haus zu vertreiben.

Jauche gegen Wühlmäuse

Die grünen Blätter des Holunders können zu einer Jauche verarbeitet werden. Dazu nimmt man ca. 1 Kilogramm der Pflanzenware und übergießt sie mit mindestens 10 Liter Wasser. Diesen Aufguss lässt man in einem geeigneten Gefäß wie etwa einer Regentonne 14 Tage lang stehen. Täglich einmal umrühren, solange der bald einsetzende Gärungsprozess dauert. Zum Schluss das Ergebnis in die vorhandenen Löcher der Wühlmäuse gießen, die den Geruch der Jauche nicht mögen. Übrigens: Die Flüssigkeit ist gleichzeitig ein Bodendünger.

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ganz einfach würzen

Beifuß unterstützt das Verdauen

Das Wetter ist durchaus ein Thema, das man jeden Tag auf das Tablett des Smalltalks legen kann. Und kaum einen lässt die jeweilige Temperatur, die Niederschlagsmenge oder die vorhandene Bewölkung kalt. Je wärmer die Monate werden, umso mehr verlagert sich auch das Leben nach draußen. Egal, ob es sich dabei um Feste handelt, die man veranstaltet oder die privaten Stunden auskostet: es ist einfach schön, unter Gottes freiem Himmel weilen zu dürfen. Das denken sich anscheinend auch Pflanzen wie der Beifuß (Artemisia vulgaris), der sich nun anlässlich frostfreier Aussichten ebenso anschickt, sich zur vollen Größe zu entwickeln und durch Regen gesegnet die frischen Triebe samt seinen Blättern wachsen lässt. Im Anspruch an den Boden bleibt der Wilde Wermut, wie der Beifuß noch bezeichnet wird, ganz bescheiden. Es reichen ihm sandige, schottrige und somit magere Standorte vollkommen aus. Man sieht es ihm kaum an, dass dieses seit alters her geschätzte Heilkraut zu den Korbblütlern zählt. An den Blättern lässt er sich ganz einfach identifizieren, die auf ihrer Oberfläche sattgrün gefärbt sind, an der unteren Fläche jedoch silbrig erscheinen. Die nahe Verwandtschaft zum Echten Wermut legt es nahe, dass sich in den einzelnen Pflanzenteilen vor allem Bitterstoffe befinden, die ihren Vorteil besitzen, weil sie verdauungsfördernd auf die Physis wirken. Gerade in der beginnenden Sommerszeit ist es doch häufig so, dass sich unser Fleischkonsum wieder erhöht, da man bildlich gesprochen die Griller anwirft, um sich auf diese Art kulinarisch zu delektieren. Egal, ob man nun draußen im Garten oder drinnen im Speisezimmer Derartiges zu sich nimmt, sollte man das Würzen nicht außer Acht lassen. Der Beifuß steht in der Natur genau dafür griffbereit zur Verfügung.

Fettverdauung erleichtern

Vom frischen oder getrockneten Kraut des Beifußgewächses nimmt man die fein zerschnittenen Blätter, um damit gleich beim Zubereiten die eher fettlastigen Fleischspeisen wie Gänse-, Enten-, Hammel- und Schweinebraten zu spicken bzw. zu würzen. Das trägt dazu bei, dass mit dem Verzehr die Bitterstoffe vom Beifuß die Gallensekretion anregen und somit das Verarbeiten des Fettes im Verdauungstrakt beschleunigt wird.

Beifuߟ mit Wurzel und Blütendetails (Artemisia vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Hilfe für Katzen

Die Ringelblume und ihre Vorzüge

Um aus einem oft sorgenreichen und anstrengenden Arbeitsalltag auszusteigen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Urlaub bietet meist die beste Gelegenheit dafür. Oft hilft einem auch das eine oder andere Hobby weiter, wenn es gilt, auf andere Gedanken zu kommen. Und da ist noch jemand, der uns ganz spontan die Welt vergessen lässt: das Haustier namens Katze. Fast möchte ich sagen, dass das Schnurren der Mäusefänger, das aufgrund von Graulen und Streicheln an unser Ohr dringt, einer kurzzeitigen Einladung zum Meditieren gleichkommt. Im Reich der Kräuter ist es meiner Meinung nach die Ringelblume (Calendula officinalis), die vor allem den Gartenliebhabern als wundervolles Gewächs zur Seite steht. In ihren orangegelben Blüten strahlt ein Bild der Sonne auf, die uns Licht und Wärme liefert. In den Blütenblättern der jährlich neu blühenden Gartenpracht befinden sich ganz wertvolle Inhaltsstoffe, die man seit alters her schätzt. Es sind vor allem die wundheilenden und hautstärkenden Effekte, die wir zu unserer eigenen Pflege von der Ringelblume abrufen. Gerade jetzt vor dem Sommer kann das regelmäßige Einreiben der Haut selbige darin unterstützen, gegen die Intensität der Sonneneinstrahlung besser gewappnet zu sein. Doch kehren wir zurück zu den Katzen. So sehr sie auch eine starke Lebenskraft besitzen, so leicht kann es ebenso passieren, dass sie aufgrund von Verletzungen beeinträchtigt sind. Manche nächtlichen Begegnungen mit ihren Artgenossen bleiben leider nicht ohne Kratz- und Bisswunden aus, die sich auch rasch entzünden können. Manchmal gibt es noch andere Gründe für ein Geschwulst bzw. einen Entzündungsherd an der Haut der Katzen. Dabei darf man sich ruhig des heilsamen Rufes der Ringelblume besinnen, der auch bei unseren schnurrenden Lieblingen zum Tragen kommen kann.

Wundbehandlung bei Katzen

Um eine Wunde, die nicht unbedingt der Behandlung durch den Tierarzt bedarf, im Abheilen zu unterstützen, kann es angebracht sein, die leidende Stelle auf der Haut der Katzen mit einem Ringelblumen-Tee auszuwaschen. Sollte es möglich sein, eine Auflage, die mit diesem Aufguss getränkt ist, auf dem Tier zu befestigen, so stellt dies ebenfalls eine mögliche Begleitung dar. Auf bereits geschlossenen Wunden ist es dann möglich, mit einer qualitätsvollen Ringelblumensalbe die gute Vernarbung zu fördern.

Ringelblume (Calendula officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Verlässlicher Partner

Die Brennnessel hat reinigende Kraft

Jetzt, wo im Mai viele Hochzeiten gefeiert und Ehen geschlossen werden, fließen da und dort einige Tränen der Rührung, weil sich zwei meist junge Menschen die Treue versprechen. In guten und in bösen Tagen wollen sie zueinanderstehen und so ein Fundament schaffen, auf dem auch ihre Kinder in Zukunft stehen und heranwachsen können. Es ist jedes Mal ein gewagter Schritt, den die Partner damit setzen. In den gegenwärtigen Tagen und Wochen meldet sich pflanzlicherseits die Brennnessel wieder zur Stelle, da sie die Vegetation mit ihrer Präsenz bereichert und zusammen mit vielen anderen Gewächsen für ein frisches Grün in unserer Lebenswelt sorgt. Das ist aber noch nicht alles, womit das oft unterschätzte Heilkraut aufwarten kann. Denn Jahr für Jahr wächst es treu aus dem Erdreich auf, damit wir uns ganz ungeniert seiner bedienen können. Allein schon in der Küche gibt es sehr viele Möglichkeiten, um die Brennnesselblätter zu verarbeiten und schmackhaft zubereitet zu kredenzen. Als eine Variante sei hier nur ein Spinat erwähnt, der mit dieser Gartengabe gekocht werden kann. Unsere Physis kann von der Brennnessel mehrere Vorteile entgegennehmen. Ganz zuoberst steht der harntreibende Effekt, der dem gefährlich anmutenden Kraut innewohnt. Viele Ablagerungen in unserem Körper sind z. B. auf einen Überschuss an Harnsäure zurückzuführen. Wer auf die Brennnessel zurückgreift, kann ganz konkret zu einem Abbau derselben etwas beitragen. Überdies wird durch deren Verwendung ebenso die Gallensekretion gefördert und somit die Verdauung verbessert. Somit können wir nur froh sein, dass sich die Brennnessel über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte der unterstützenden Hilfe für den Menschen freuen darf. Und wir mit ihr. Sie ist eben ein verlässlicher Partner.

Teekur mit Brennnessel

Die frischen jungen Blätter der Brennnessel werden in einem ersten Schritt kleingeschnitten. 2 bis 3 Teelöffel davon übergießt man mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 3 Wochen lang jeweils 1 Tasse davon morgens gleich nach dem Aufstehen, mittags 1/2 Stunde vor der Mahlzeit und abends 1 Stunde vor dem Schlafengehen trinken. Dann 1 Woche aussetzen und das Ganze nochmals wiederholen. Das reinigt den Körper und hält die so genannte Frühjahrsmüdigkeit von ihm fern.

Große und Kleine Brennnessel (Urtica dioica und Urtica urens) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Appetit zügeln

Hilfreiches aus dem Garten

Unsere Existenz ist ein steter Prozess von Entwicklungen und Veränderungen. Ganz schnell geht es damit voran, sobald wir nach der Geburt als Babys losstarten, um auf unsere je eigene Art die Welt zu erobern. Als Elternteil oder Verwandter staunt man darüber, wie schnell die Jungen wachsen und nach einiger Mühe und Not liebevoller Pädagogik als eigenständige Personen das Leben meistern. An uns selbst merken wir mit dem Fortschreiten der Jahre ebenso, dass wir nicht mehr die Alten sind, obwohl wir durchaus älter werden. Salbei und Majoran sind es, die ich diesmal in Bezug auf unseren Appetit in den Fokus des Interesses nehmen möchte. Denn eine Erfahrung teilen wohl viele mit uns: das Essen schmeckt nur allzu gut. Dabei muss es nicht nur ein fröhliches oder unbeschwertes Fristen unserer Tage sein, das uns aufgrund herrlicher Speisen den Körperumfang samt Gewicht steigern lässt. Oft ist es genauso gut der viel zitierte Stress, der einiges dazu beiträgt, um kaum auf eine vernünftige und ausgewogene Ernährung zu achten und die täglich notwendige Bewegung im Freien nicht zu übersehen. Der Appetit ist wie ein Tier, das man zähmen muss. Andernfalls werden wir zu seinem Diener und eben nicht zu seinem Herren. Die Kräuter im Garten tragen nicht bloß etwas dazu bei, um das, was auf dem Tisch landet, noch schmackhafter zu machen. Sie geben über den Gaumen durchaus auch Direktiven an den Köper weiter, die steuernd und regulierend eingreifen können. Bitterstoffe und ätherische Substanzen vermögen das. Oft genügt ein kleines Blatt, um sich in der Selbstdisziplin auf einen guten Weg zu begeben.

Majoran und Salbei

Bei Heißhunger auf Süßes oder Deftiges kann man von einem Majoranzweig ein Blättchen abzuzupfen und in den Mund nehmen. Eine Weile lang durchkauen, damit die Inhaltsstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können und sodann den Appetit zügeln. Ebenso sollte man bei Vorhandensein eines Salbeistöckerls im eigenen Garten öfter ein Blatt pflücken, um es mit den Zähnen gut zu zerbeißen und hernach wieder auszuspucken. Das hat übrigens auch einen stärkenden Effekt auf unser Zahnfleisch.

Majoran-Zweiglein ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Salbeizweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bewährte Zutat in der Küche

Kräuteressig herstellen

Freude ist eine der Grundkomponenten unserer irdischen Existenz. Sie hebt den Menschen aus den sonst oft mühevollen Vollzügen des Alltags heraus und verleiht ihm sprichwörtliche Flügel. Sie ist einerseits eine Tugend, der man bewusst in seinem Herzen Platz einräumen kann. Andererseits ist sie ebenso ein Geschenk des Himmels. Das Frühjahr bietet genug Anlass, um die Freude zu pflegen. Wenn sich heute meine Worte rund um den Kräuteressig in der Küche drehen, dann sollten wir die Augen dafür öffnen, was sich alles nun auf den Beeten und in der Natur draußen in neuer Fülle zeigt und quasi abholbereit dasteht. Das frische Grün der Kräuter will jedoch nicht nur bestaunt werden, sondern drängt danach, für unsere eigene Gesundheit genutzt zu werden. Doch schauen wir uns den Essig einmal genauer an, der die Grundlage der Herstellung eines speziellen Kräuterauszugs darstellt. Er gilt als ein sogenanntes fermentativ-biologisches Versäuerungsprodukt. Essig besitzt ebenso eine Wirkung auf den Körper, die wir als desinfizierend bezeichnen können. Überdies fördert er durch seinen maßvollen Konsum die Absonderung des Magensaftes. Nicht zuletzt besitzt die Verwendung des Kräuteressigs auch eine Erleichterung des Würzens beim Anrichten von Salaten und Zubereiten von Sülzen und Soßen. Da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, bedient man sich folgerichtig also der verschiedenen Kräuter, die aus dem jeweils saisonalen Angebot des Gartens geholt werden können. Es eignen sich u. a. Rosmarin, Estragon, Petersilie, Dill, Zitronenmelisse, Schnittlauch, Thymian, Ysop und Majoran dafür, zudem auch das oft am Fensterbrett in einem Blumentopf sitzende Basilikum. Spezialisten und Feinschmecker werden womöglich noch andere Gewächse empfehlen können. Nutzen wir also die grüne Palette, um die Vegetationsphase dieses Jahres wiederum gut auszuschöpfen.

Ansatz in Essig

Von den genannten Würzkräutern nimmt man einige 10 bis 12 cm lange Zweige bzw. Triebenden, die man nach dem Abschneiden in eine Flasche gibt und am besten mit einem guten Apfelessig auffüllt. 10 Tage lang verschlossen an einen sonnigen Platz stellen und täglich einmal durchschütteln. Dann kühl und dunkel lagern. Übrigens kann man Gewürznelken, Wacholderbeeren, Senfkörner oder die weichen Früchte der Kapuzinerkresse dem Ansatz beifügen. Ein Kräuteressig unterstützt als Würze unsere Gesundheit.

Rosmarin-Essig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine griffbereite Hilfe

Flieder als Heilkraut

Talente sind unheimlich wichtig! Wir profitieren sehr häufig von dem, was andere gut können. Und im Laufe des Heranwachsens kommt man schließlich selber drauf, was man gut kann. Im Idealfall wird eine Begabung wegweisend für die künftige Berufslaufbahn. Leider bleiben manche Stärken auch oft unerkannt. Man hat ja gar nicht gewusst, was der oder die imstande ist! Heute am Sonntag fällt bei einem Spaziergang der Blick womöglich auf den Gemeinen Flieder (Syringa vulgaris). Dort wo die Witterung in milden Gegenden es ermöglicht hat, konnten schon zum Muttertag große Sträuße der blühenden Gartenzierde als Zeichen der Dankbarkeit überreicht und in die Vasen gestellt werden. Kaum jemand würde jedoch vermuten, dass es auch möglich ist, den Flieder noch auf andere Weise zu verwenden, z. B. als Heilkraut. Der zu den Ölweidegewächsen zählende Strauch kann aber durchaus zu diesem Thema etwas beitragen. Sowohl die Blüten als auch die Blätter können als Hausmittel zum Einsatz kommen. Ätherische Öle und Gerbstoffe erweisen sich als Inhaltsstoffe, die auf die eine oder andere Art der Physis eine Unterstützung bieten. Die Verdauung benötigt ab und zu eine gezielte Zuwendung. Oder es sind Fieberschübe, die einem zu schaffen machen. Bei letzterem sind es vor allem die Blätter des Flieders, die dann eine lindernde Wohltat darstellen können. Um diese Gabe aus dem Garten das Jahr über zur Verfügung zu haben, ist es sicherlich sinnvoll, sowohl die Blüten- als auch die Blätterdroge zu pflücken und sorgfältig zu trocknen. Keine Zeit ist besser geeignet als die gegenwärtige! Also, einen erholsamen und mit Blüten gesegneten Sonntag allen Lesern dieser Kolumne!

Bei leichtem Fieber

2 Esslöffel voll getrockneter und zerkleinerter Blätter des Gartenflieders werden mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Über den Tag verteilt schluckweise trinken. Dies kann dazu beitragen, dass sich die Körpertemperatur wieder in Richtung der regulären Werte absenkt. Bei starkem Fieber ist jedoch von dieser Maßnahme Abstand zu nehmen und der ärztliche Rat einzuholen.

Fliederblüten (Syringa vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Etwas für die Kopfhaut

Klettenwurzelsaft für Massagen

Je wärmer die Temperaturen nach der Periode der Eisheiligen nun wieder ansteigen, desto weniger schützend muss die Kleidung sein, die wir am Leibe tragen. Das betrifft übrigens auch den Kopf, der bei starker Sonneneinstrahlung zwar im wahrsten Sinne des Wortes wohlbehütet sein sollte, der aber auf warme Hauben oder Kappen durchaus verzichten darf. Der in der physiologischen Geographie zuoberst sitzende Teil unseres Leibes ist für unsere Person von hoher Wichtigkeit. Denn immerhin verleiht er uns den individuellen Charakter des Aussehens, an dem man uns letztendlich erkennt. Die Wurzel der Großen Klette (Arctium lappa) hingegen kommt tief aus der Erde, also von dort, wo man nicht hinsehen und oberflächlich nichts wahrnehmen kann. Das tut der Tatsache aber keinen Abbruch, um gerade dort einen Schatz zu entdecken, der uns speziell in den Anliegen der Kopfpflege weiterhelfen kann. Das Haupt besteht schließlich nicht nur aus dem Gesicht, sondern zu einem großen Teil aus der Kopfhaut, auf der die mehr oder weniger vorhandene Frisur zu sitzen pflegt. Dieser Bereich ist besonders sensibel und gleichzeitig sehr vielen Strapazen ausgesetzt, wenn man Sonne, Wind und Wetter u. a. in Betracht zieht. Die Klettenwurzel enthält als Inhalte nicht nur Schleimstoffe, Gerbsäure und Inulin, sondern auch fettes pflanzliches und ätherisches Öl. Zudem bergen sich in dem unterirdischen Wuchsteil antibiotisch wirkende Substanzen, die gerade für die Haut von großem Vorteil sind. Am Kopf können sich diesbezüglich einige Probleme einstellen, die einen auf die Suche nach einer möglichen Begleitung gehen lassen. Heute möchte ich vorschlagen, es doch einmal mit der Klettenwurzel zu probieren, von der es auch Produkte im Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein gibt.

Den Saft der Wurzel gewinnen

Die frisch ausgegrabene und gereinigte Wurzel der Großen Klette wird vorerst zerkleinert und zusätzlich in einem Mörser zerstoßen. Dann in einem Glas die Wurzelteile mit Wasser übergießen, so dass sie gerade damit bedeckt sind. 8 bis 10 Stunden ziehen lassen und dann durch ein Leinentuch den Saft auspressen. Dieser ist im Kühlschrank bis zu 3 Tagen haltbar. Entweder direkt die Kopfhaut mit dem zimmerwarmen Saft massieren oder den Saft mit etwas Olivenöl vermischen, um so ein Massageöl zur Hand zu haben für unreine Kopfhaut, Kopfgrind oder Haarausfall. Einen Klettenwurzel-Ölauszug erhalten Sie im Kräuterpfarrer-Zentrum: Tel. 02844/7070 oder E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at bzw. im Webshop: www.shop.kraeuterpfarrer.at

Große Klette mit Blüten und Wurzel (Arctium lappa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Hilfe für die Atemwege

Latschenzapfen in grünem Zustand

Wir Menschen sind wundervolle Geschöpfe. Es gibt uns nur in einmaliger Ausführung auf dieser Welt, die nie mehr wiederkehrt. Gott hat es so gefügt, dass jede Person ein Unikat darstellt. Immerhin gilt diese Erkenntnis auch für Zwillinge! Das ist die eine Seite. Die andere stellt sich dergestalt dar, indem wir verletzlich und für Krankheiten anfällig sind. Manche Leiden und Beschwerden, die sich meist als nicht als so gravierend erweisen, kehren wieder. Dazu zählen sicherlich die Erkältungssymptome wie ein schmerzender Hals, Husten und Heiserkeit, den Schnupfen nicht zu vergessen. In der Latschenkiefer (Pinus mugo) gesellt sich genau bei diesen Problemen ein pflanzlicher Freund an unsere Seite. Normalerweise kennen wir diesen Baum, der auch als Legföhre oder Krüppelkiefer bezeichnet wird, in seiner Funktion als Gewächs der alpinen Baumgrenze, wo er als Lawinenschutz wertvolle Dienste leistet. Bei Wanderungen im Bergland kann man der Latschenkiefer noch vielerorts begegnen. Seit langem hat man sie aber auch in die Gärten geholt, wo sie als strukturierendes Gestaltungselement zum Einsatz kommt. Wie alle Nadelbäume sorgen auch die Kleinwüchsigen unter den Föhren für eine Verbesserung der Luft, weil sie mit ihren Zweigen quasi den Wind durchkämmen und viele Terpene und ätherische Substanzen an die Umwelt abgeben. Als besonders wertvoll erweisen sich ebenso die Fruchtstände darauf, die wir ganz einfach Zapfen nennen. Solange diese im Heranwachsen sind und sich noch nicht verholzt haben, können sie für die Atemwege genutzt werden. Sie enthalten besonders viele ölige und ätherische Substanzen, die sich besonders für die Bronchien als stärkend und festigend erweisen. Zudem besitzen sie eine keimwidrige und entzündungshemmende Kraft. Aus alten Überlieferungen ist in unserer Zeit ein Hausmittel bekannt, das sich sicherlich auch heute noch herstellen lässt und als hilfreich herausstellen kann. Viele Zutaten benötigt es dazu nicht.

Latschenzapfen-Geist

Von den Zweigen der Latschenkiefer sammelt man im Frühjahr 10 grüne Zapfen, die im Inneren noch weich sind. Man zerschneidet sie fein und gibt sie zusammen mit ein paar frisch getriebenen Nadelspitzen des Baumes in eine helle Flasche, die man mit einem herkömmlichen Obstbrand auffüllt. 8 Wochen lang an einem hellen Ort im warmen Zimmer stehen lassen, ohne es der direkten Sonneneinstrahlung auszusetzen. Danach filtrieren und noch ein paar Monate im Keller lagern. Bei Erkältungen schluckweise einnehmen. Kann auch als Beigabe zu Mundspülungen mit Kamillentee verwendet werden.

Latschenkiefer (Pinus mugo) ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beruhigt Körper und Seele

Melisse als Möglichkeit

Die Schatzkiste der Natur ist reichlich gefüllt! Um an sie heranzukommen, ist es zu allererst notwendig, Interesse für die einzelnen Lebewesen zu zeigen. Beschäftigt man sich nämlich näher mit den Tieren und Pflanzen in unserer Heimat oder auf fernen Kontinenten, so kommt man bald darauf, dass alles in einem wunderbaren Zusammenhang steht, den wir für gewöhnlich als Gleichgewicht der Natur bezeichnen. Aus dem Austausch von Nehmen und Geben fällt auch für uns Menschen ein Nutzen ab. Machen wir momentan einen Blick in den Kräutergarten, werden wir merken, dass u. a. die Melisse (Melissa officinalis) sich schon mit ihren frischen und jungen Trieben aus dem Erdreich erhoben hat, um bis zum Sommer zu ihrer vollen Größe heranzuwachsen, die fast 1 Meter Höhe betragen kann. Sie ist eine ausdauernde Pflanze und zählt zur botanischen Familie der Lippenblütler. Viele kennen den charakteristischen Duft, der von den Blättern dieses Heilkrautes ausgeht. Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich darin ein leicht verdampfendes ätherisches Öl befindet, das für sich selbst wiederum verschiedene Bestandteile birgt, die sich auf den Gesamtorganismus beruhigend auswirken. Dies hat schon die große heilige Hildegard von Bingen beobachtet, die über die Melisse sagte, dass sie dem Herzen Freude zuführen würde. Wir können heute nach wie vor einen entspannenden Effekt feststellen, der mit der Verwendung der Melisse in direktem Zusammenhang steht. Dieser Vorteil ist sowohl für die Nerven als auch für den Verdauungstrakt günstig und wohltuend. Um das allseits bekannte Heilgewächs für den Gebrauch aufzubereiten, gibt es mehrere Möglichkeiten. Heute möchte ich die Herstellung einer Tinktur beschreiben. Diese lässt sich auch äußerlich zum Einsatz bringen.

Melissen-Auszug

100 g getrocknete Melissenblätter werden 14 Tage lang in 1 Liter Obstbrand oder einem guten hochprozentigen Alkohol angesetzt. Das geschieht in einem verschlossenen Glasgefäß. Danach seiht man das Ganze ab und verdünnt es zusätzlich mit destilliertem Wasser auf einen Alkoholgehalt von ca. 20 %. Nochmals 14 Tage stehen lassen, dann endgültig abfüllen, kühl und dunkel lagern. Bei Einschlafschwierigkeiten, aber auch bei nervlicher Angespanntheit nimmt ein Likörgläschen voll davon ein und reibt mit dem Melissen-Auszug zusätzlich den Körper vor dem Schlafengehen ein, um besser zur Ruhe zu kommen. Das fertige Produkt erhalten Sie in unserem Kräuterpfarrer-Zentrum (Tel. 02844/7070, E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at oder im Webshop: www.shop.kraeuterpfarrer.at.

Melisse oder Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya