Solange der Borretsch wächst

Auf der Haut wirken lassen

Wer jetzt in den Kräutergärten noch nach dem einen oder anderen Gewächs sucht, um es eingehender zu studieren, wird draufkommen, dass der Herbst eindeutig seine Vorzeichen setzt. Denn manches findet man nur mehr in dürrem Zustand, anderswo verfärben sich bereits die Blätter und Blüten werden immer mehr zur Mangelware. Doch es gibt auch Ausnahmen. Erblicken wir momentan den Borretsch (Borago officinalis), so können wir an ihm wohl kaum einen Wechsel der Jahreszeiten ablesen. Er wächst munter und heiter darauf los und erblüht weiterhin ungemindert, was vor allem die nektarsuchenden Bienen sehr zu schätzen wissen. Diese stellen sich an warmen Tagen zuhauf beim Borretsch ein. Diese Pflanze zählt zur Familie der so genannten Raublattgewächse, was man spätestens beim Betasten der Blätter und der Stängel auf den Fingern eindeutig zu spüren bekommt. Zerreibt man damit die grünen Wuchsteile, so entströmt diesen ein Aroma, das an einen frisch zubereiteten Gurkensalat erinnert. Somit kann man den Borretsch auch in geringen Mengen als Zusatz desselben verwenden. Besser ist es jedoch, ihn im Hinblick auf eine gesundheitliche Unterstützung rein äußerlich zu gebrauchen. Und solange eben der Borretsch noch keine Anstalten macht, sich in den winterlichen Ruhestand zu verabschieden, ist es möglich ihn direkt für eine erfrischende Maßnahme aufzubereiten. Wichtig ist dabei, dass er gleich nach dem Abschneiden verarbeitet wird. In getrocknetem Zustand erweist er sich als eher wertlos. Im Hinblick auf die Unterstützung der Herztätigkeit und des Nervengeflechts habe ich einen konkreten Vorschlag.

Badezusatz Borretsch

Frische blühende Borretschpflanzen werden 10 cm über dem Boden abgeschnitten. Danach zerkleinern und zerstampfen, bis eine breiige Masse daraus wird. 150 g davon mit 2 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. Abseihen, den Rückstand zusätzlich auspressen und die gesamte Flüssigkeit dem Badewasser in der Wanne beigeben. 20 Minuten darin baden. Dieses Bad erweist sich als hautregenerierend, weiters als herzfreundlich und nervenstärkend.

Borretsch oder Gurkenkraut (Borago officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Nerven und Atmung

Der Quendel verbindet beides

Vieles ist anscheinend so selbstverständlich. Wir stehen am Morgen auf und nehmen unser Frühstück zu uns, wir gehen in die Arbeit und kommen danach wieder heim. Alles läuft wie geschmiert. Und ebenso funktioniert unser Körper, ohne dass wir viel darüber nachdenken müssen. Das Herz und die Lunge sorgen für Durchblutung und Sauerstoffzufuhr. Und dennoch bleibt die Frage, warum das alles so gut abläuft. Im Feldthymian (Thymus serpyllum), der zumeist als Quendel bezeichnet wird, finden wir ein Heilkraut vor, das an geeigneten Standorten ebenfalls wie selbstverständlich wächst. Wir müssen nichts tun dafür und dennoch ist er da. Die Natur fügt es einfach, dass er sehr trockene Standorte besiedelt, wo andere nicht so gerne ihr Wurzeln in den Erdboden treiben würden. Da wir es hier mit einem Lippenblütler aus der Gattung der Thymiane zu tun haben, liegt es nahe, seine Wirkkräfte für die Atemwege bei deren Beeinträchtigung nutzen zu wollen. Das hat durchaus seine Berechtigung. Aber es wäre schade, bei der Begleitung von jeder Art von Krankheit bloß die Symptome unter die Lupe zu nehmen. Es wird der Verfasstheit unserer Physis schon mehr gerecht, immer verschiedene Bereiche und Zusammenhänge in den Blick zu nehmen, wenn es darum geht, etwas auszukurieren, und sei es eben „nur“ eine Erkältung. Um solchen Leiden überhaupt gleich vorzubeugen, was allemal der bessere Weg ist, kann man den Quendel heranziehen, damit einerseits die Atemwege gestärkt und gleichzeitig die Nervenbahnen jedweder Art unterstützt werden. Das ist gerade auch am Beginn eines Arbeitsjahres, wie man die Wochen im September und Oktober durchaus bezeichnen kann, sehr sinnvoll.

Tee mit Honig und Zitronensaft

Um den Tag mit einer vorbeugenden und stärkenden Maßnahme quasi einzurahmen, gießt man sich sowohl am Morgen als auch am frühen Abend je 1 Schale Tee auf. Dazu nimmt man 2 Teelöffel voll getrocknetes und zerkleinertes blühendes Quendelkraut und überbrüht es mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, hernach abseihen. Mit ein wenig Honig und Zitronensaft ergänzen, so dass es gut schmeckt und dann schluckweise trinken. Tut den Nerven und der Lunge gleichermaßen gut.

Quendel oder Wilder Thymian (Thymus serpyllum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein starker Baum

Die Rinde der Eiche nutzen

Je mehr sich der Herbst über das Land ausbreitet, umso reicher werden wir mit Früchten beschenkt, die in ihrer Reife bereitstehen, gepflückt und gesammelt zu werden. Was Menschen nicht erledigen, wird dann vielerorts von Tieren genutzt. Das findet auch dort statt, wo es sich nicht um Obst handelt, sondern z. B. um die Eicheln, die heuer besonders stark von den Ästen zu Boden fallen. Gewiss sind es die Wildschweine, die bevorzugt diesen Segen von oben genüsslich verzehren, um sich für den kommenden Winter eine schützende Schwarte zuzulegen. Und wenn auch für unsereins die Eicheln weniger von Interesse sind, so dürfen wir dennoch die äußerst starken und trockenheitsresistenten Bäume nicht zu gering schätzen. In vielfacher Weise hat man schon über Jahrhunderte den Wert der zu den Buchengewächsen zählenden Pflanzen ganz hoch gehalten, nicht zuletzt ob des dauerhaften Holzes, das die Eichen auch heute noch liefern. Zwei Vorzüge dürfen wir an diesen Bäumen erkennen: es sind die Gerbstoffe, die sich in einem hohen Maß in den Blättern und Rindenteilen der Eichen befinden und es ist zugleich das Kalzium, das eben dort so aufbereitet wird, dass es in den Organismus eingebaut werden kann. Heute möchte ich vor allem auf die Möglichkeit verweisen, die es gibt, wenn man den Bereich der Mundhöhle und des Kiefers naturheilkundlich zu pflegen sucht. Denn vom Zahnfleisch bis zum Rachen kann es ganz leicht vorkommen, dass sich ein Infekt oder eine Entzündung festsetzt. Aber gerade dort kann man Derartiges kaum gebrauchen. Daher ist gut, förmlich bei einer Eiche Zuflucht zu nehmen. Es ist nicht so sehr der Schatten, den dieser zu mächtiger Größe heranwachsende Baum dann liefern würde, sondern vielmehr der Vorzug der feinen Rinde, den es abzuschöpfen gilt.

Eichenrinden-Abkochung

2 Teelöffel von zerkleinerter Eichenrinde, die man von daumenstarken Ästen geschält hat, werden mit 1/4 Liter kaltem Wasser übergossen und zum Sieden gebracht. Bis zu 5 Minuten lang kochen und hernach abseihen. Wenn der so zubereitete Tee eine annehmbare Temperatur erreicht hat, kann man ihn zum Gurgeln verwenden. Das erweist sich als hilfreich, wenn sich z. B. in der Mundhöhle Bläschen bilden oder das Zahnfleisch einer stärkenden Unterstützung bedarf. Kann auch bei Heiserkeit mehrmals am Tag durchgeführt werden.

Eiche ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Tonikum in Pulverform

Das Eisenkraut trocknen

Wer auf Heilkräuter zugeht, sich für sie interessiert und schließlich den konkreten Gebrauch derselben Der Mensch braucht im Laufe seines Lebens permanent Nachschub und Ergänzung, um nicht zu vergehen. Schon gleich nach der Geburt ist es von großer Bedeutung, Zuwendung und Hautkontakt zu erhalten. Darauf folgt sodann die Nahrung in Form von Muttermilch, die ein gutes Durchstarten ermöglicht. Gewiss verändert sich das alles im Laufe der Zeit, ohne dass wir jedoch ein Angewiesen-Sein auf externe leibliche und seelische Energiequellen ad acta legen könnten. Die Kräuter gehören zu diesem Prozess genauso dazu wie eben auch das Essen und Trinken. Im Eisenkraut (Verbena officinalis) haben unsere Vorfahren schon lange eine Gabe Gottes erkannt, die nicht lediglich dazu dient, die Erde zu begrünen oder Tieren als Futter bereitzustehen, sondern ebenso dem Menschen einen Nutzen zu bringen. Bei mystischen Ritualen der Ägypter, Griechen, Römer und Araber spielte das Eisenkraut einst eine wesentliche Rolle. Es waren schließlich die Kreuzfahrer, die es dann in Europa bekannt machten. Das Eisenkraut ist eine Pflanze, die in freier Natur ganz schlicht, einfach und anspruchslos ihr Dasein verbringt. Sie wird bis zu 50 cm hoch und besitzt einen steifen rauen und vierkantigen Stängel, der nach oben hin verästelt ist. Als gerbstoffhaltiges und gleichzeitig schleimiges Bittermittel wirkt das Eisenkraut nieren- und magenstärkend. Es regt ebenso den Stoffwechsel gut an. Und gerade bei dem Genannten ist es gut, unserem Bruder Körper immer wieder eine Unterstützung bzw. die eingangs beschriebene Ergänzung zukommen zu lassen. Dabei muss man nicht immer komplizierte und diffizil aufbereitete Wege beschreiten. Oft ist es ganz einfach, die Kräuter in den Alltag so zu integrieren, dass ihre Wirkung auch zwischendurch zum Tragen kommen kann.

Zerriebenes Kraut einnehmen

Eisenkraut hat eine entkrampfende und beruhigende Wirkung. Daher ist es gut, diesen Effekt bei Bedarf gleich abzurufen. Dazu nimmt man getrocknete Blätter des Eisenkrauts und zerreibt sie am besten in einem Mörser so lange, bis diese pulverisiert sind. Davon kann man über den Tag verteilt 4- bis 5-mal 1/2 Teelöffel zusammen mit etwas Joghurt, Marmelade oder einem Stück Brot zu sich nehmen. Das kann auch hilfreich sein für Mütter nach einer Geburt.

Eisenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Pflege der Haare

Den Fenchel nicht vergessen

Wer auf Heilkräuter zugeht, sich für sie interessiert und schließlich den konkreten Gebrauch derselben anstrebt, darf sich dabei ruhig ein wenig Zeit lassen. Denn schließlich ist es meiner Meinung nach wichtig, eine gute Beziehung zu einem Gewächs aufzubauen. Dies kann optimal geschehen, indem man z. B. die äußere Gestalt eines pflanzlichen Individuums genauer betrachtet. Probieren wir das einmal beim Fenchel (Foeniculum vulgare) aus. Die Blätter des Fenchels sind sehr fein und durchlässig konstruiert. Man könnte fast meinen, sie wären „an der Luft für die Luft“ gebildet worden. Das Goldgrün der Blattfarbe wiederum ist Ausdruck der intensiven Lichtkräfte, die dieses Blattwerk mit seinem luftigen Wesen durchdrungen haben. Im Blütenstand steigt die Pflanze empor und strahlt kraftvoll auseinander. Wenn man nun von diesem Sinnieren einen Bezug zu etwas Leichtem und Feinem auf dem eigenen Körper herstellen möchte, so landet man wohl oder übel bei den Haaren auf dem Kopf, die Ziel der täglichen Pflege sind, solange man noch welche hat. Der Fenchel ist für uns mitsamt seinen Früchten vor allem als Gewürz bekannt bzw. als Hilfsmittel, das dem Magen- und Darmtrakt bei Jung und Alt zu Hilfe kommt. Die Inhaltsstoffe der Fenchelkörner werden hauptsächlich vom Vorhandensein ätherisch-öliger Substanzen bestimmt, die sich außerdem positiv auf die Haut und der darauf sitzenden Haarpracht erweisen können. Gerade dann, wenn man unter einem leicht fettenden Haar zu leiden hat, kann es durchaus möglich sein, dass der Fenchel das Richtige ist, was man auch anwenden darf.

Fenchelhautwasser verwenden

Um eine Hilfe für Haut und Haar herzustellen, nimmt man 4 Esslöffel voll zerstoßener Fenchelkörner und überbrüht sie zuallererst mit 3/4 Liter kochendem Wasser. Das Ganze 30 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. In eine Literflasche füllen und den verbleibenden Raum mit 1/4 Liter 70%igem Alkohol ergänzen. Kühl und dunkel lagern. Um fettiges Haar zu pflegen, wäscht man damit das Haar samt dem Haarboden gut durch und trocknet schließlich alles gründlich ab.

Fenchel (Foeniculum vulgare) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Trost für Katzen

Die Weidenrinde bei Tränenfluss

Die Schöpfungszeit, die von den christlichen Kirchen alljährlich zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober – der auch als Welttierschutztag seit Langem bekannt ist –, begangen wird, ist für mich persönlich ein willkommener Anlass, um die Verbundenheit des Menschen mit all den lebendigen Geschöpfen auf unserem Planeten wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken. Oft sind es die Haustiere, die es uns leicht machen, in so manchen vierbeinigen oder gefiederten Wesen etwas äußerst Liebenswertes zu entdecken. Unter ihnen möchte ich heute den Katzen den Vortritt lassen. Und mit ihnen zusammen den Weiden (Salix), die uns so sehr vertraut sind. In manchen Parks kann man ja manchmal ganz große Exemplare am Rande von Teichen bestaunen, deren hängende Äste wie große Vorhänge das Erholungsareal verschönern. Die Rede ist von den Trauerweiden, einer gezüchteten Form der Korbweiden. Es gibt auch offensichtlich „traurige“ Katzen. Ich möchte aber damit keine wie auch immer gearteten Emotionen der Tiere bewerten oder beurteilen. Vielmehr kennen wir das Phänomen, dass sich bei den Freunden mit kuscheligem Fell ein Tränenfluss einstellen kann, der über die Maßen andauert und die Befindlichkeit des Hausgenossen beeinträchtigt. Aus der praktisch angewandten Naturheilkunde ist uns eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung bekannt, die in den Pflanzenteilen der Weiden drinnen steckt und ihren Grund in vorhandenen Salicylsäureverbindungen hat, die sich auch in manch anderen Kräutern entdecken lässt. Was für den Menschen gut ist, kann sich genauso für Tiere als gewinnbringend herausstellen. Das werden die Veterinärmediziner durchaus bestätigen. Ein mögliches Hausmittel für Katzen möchte ich nun hier empfehlen.

Weidenrinde aufbereiten

Bei anhaltendem Tränenfluss der Katzen kann man folgendermaßen vorgehen: Von fingerdicken Ästen einer Weide schabt man die Rinde ab und zerkleinert diese. Davon nimmt man 1 Esslöffel voll und erhitzt dies mit nur wenig Wasser stark. Dann abseihen, abkühlen lassen und in die Katzenmilch rühren. Eine Zeit lang täglich dem Tier zum Trinken geben. Gleichzeitig kann man auch mit einem Tee aus Weidenrinde (1 TL für 1/8 l Wasser) einen Baumwolllappen tränken und damit die Augenlider sowie rund ums Auge reinigen.

Weidenkätzchen und Blüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Reinigende Methode

Mit Klettenwurzel durchführen

Die ganz einfachen und alltäglichen Vollzüge dürfen wir ruhig bewusst betrachten. Daraus ergibt sich oft eine Erkenntnis, die uns weiterhilft, das Leben besser zu gestalten. Wenn wir heute am Sonntag etwa ein wenig innehalten dürfen, so bietet es sich an, über den beginnenden Herbst nachzudenken. Im Sommer ging vieles draußen unter freiem Himmel vonstatten, das so nun nicht mehr möglich sein wird. Man zieht sich wieder ins geschützte Häusliche zurück. Die Pflanzen wie etwa die Große Klette (Arctium lappa) tun etwas Ähnliches. Bei ihnen ist es vor allem die Wurzel, die als Speicherorgan das Überleben in Zukunft sichert. Daher wird das Grün über dem Erdreich nach und nach reduziert, bis es verdorrt und schließlich nur mehr die Samenstände darauf warten, an einem Menschen oder Tier hängen zu bleiben, um so die Reise an einen anderen Ort anzutreten. Wie schon gesagt werden im Herbst die Wurzeln von vielen Heilkräutern daher immer gehalt- und damit auch wertvoller. Diese Tatsache lässt sich in weiterer Folge für den Erhalt der eigenen Gesundheit nutzen. Wenn in unserer Vorstellung das Frühjahr die prädestinierte Zeit dafür zu sein scheint, reinigende Maßnahmen für den ganzen Organismus zu ergreifen, so möchte ich dem entgegenhalten, dass es sinnvoll ist, auch vor dem Winter diesen Aspekt dem Körper zukommen zu lassen. Zielpunkte sind dabei nicht bloß die Verdauung oder die Haut, sondern genauso das Blut, die Gefäße und die Gelenke. Mit der Wurzel der Großen Klette lässt sich ein wahrer Kehraus im Körper vollziehen. Ein entgifteter Leib ist übrigens ohnehin wieder besser fähig, sich mit einer erhöhten Immunkraft den drohenden Krankheiten der kalten und nassen Monate entgegenzustellen.

Aufguss aus Klettenwurzel

Von gereinigten, getrockneten und zerkleinerten Wurzeln der Großen Klette nimmt man 3 Esslöffel voll und übergießt sie mit 3/4 Liter kaltem Wasser. 8 Stunden stehen lassen und dann gut erwärmen, jedoch nicht kochen. Zum Schluss abseihen und in eine Thermosflasche füllen. Den Tee über den Tag verteilt trinken. Das erweist sich als schweiß- und harntreibend, somit auch als blutreinigend und wirkt leicht abführend. Ein gutes Hausmittel bei Gicht, Rheuma und Hautausschlägen.

Große Klette mit Blüten und Wurzel (Arctium lappa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Duftend und ausgleichend

Mit Lavendel baden

Unlängst waren zwei Sprichwörter aktuell, die den Wechsel der Jahreszeiten ankündigten. Beide Aussagen haben etwas mit der Gottesmutter Maria zu tun und sind mehr oder weniger gut bekannt: „Zu Mariä Geburt (8.9.) fliegen die Schwalben furt“ (= fort)! und „Zu Mariä Namen (12.9.) sagt der Sommer: Amen!“ Nun, wie sehr sich die Natur wirklich daran hält, bleibt einmal dahingestellt. Es ist aber auf jeden Fall vernünftig, sich mitsamt seinem Körper auf kühlere Temperaturen und kürzere Tage einzustellen. Drum möchte ich heute ein beliebtes Kraut herausgreifen – nämlich den Lavendel (Lavandula angustifolia) – damit man mit dieser pflanzlichen Hilfe etwas Sinnvolles im Hinblick auf den Herbst und den nachfolgenden Winter unternimmt. Einerseits erinnert er uns mit seinem Duft an warme und unbeschwerte Zeiten und andererseits bleibt genau dieses der Nase schmeichelnde Aroma in den getrockneten Blüten erhalten, um gegenwärtig die Gesundheit zu stärken. Dabei geht es nicht bloß um die Atemwege oder die Verdauung, sondern genauso um die Unterstützung verborgener Systeme unserer Physis, die über die Nerven miteinander in Verbindung stehen. Vieles läuft ja in uns ab, ohne dass wir jedes Mal willentlich unseren Konsens dazu geben müssten. Beispiel dafür sind das Atmen oder der Herzschlag. Das Reagieren auf besondere Reize zählt ebenso dazu. Um diese Vollzüge positiv zu animieren, eignet sich u. a. der Lavendel. Mit seinem Gehalt an ätherischen Ölen trägt er zu einer Stabilisierung einer guten Allgemeinverfassung bei, die ihre Früchte gleichsam in einer gefestigten Gesundheit zeitigt. Mithilfe der Haut lassen sich die Vorzüge des Lavendels gut entgegennehmen.

Blütenbad im Herbst

Von getrockneten Lavendelblüten, die in den vergangenen Monaten geerntet wurden, nimmt man vorerst eine Menge von 10 Esslöffeln voll. Dies gibt man in ein Säckchen aus Leinen- oder Baumwollstoff, bindet es zu, legt es in die Badewanne und lässt heißes Wasser einlaufen, das man dann temperiert. Darin badet man ca. 20 Minuten lang, ehe man wieder heraussteigt und sich abtrocknet. Diese Anwendung erweist sich als hautpflegend und erfrischend. Tut auch dem gesamten Nervensystem gut.

Lavendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bevor es wieder losgeht

Dem Schnupfen vorbeugen

Vorausschauen ist eine Eigenschaft, die man sich mit höher werdendem Alter aneignen muss, um nicht blitzblau in den Tag hineinzuleben, ohne Rücksicht auf Verluste. Damit ist sicher nicht eine alles ersehende Prophetie gemeint, noch weniger eine fragwürdige Wahrsagerei über das eigene Schicksal. Vielmehr hat es etwas mit Klugheit und Weisheit zu tun, wenn man ein gutes Gespür für die Sachverhalte dieser Welt entwickelt. Um diese Tugend zu üben, kann man gleich bei der eigenen Gesundheit beginnen. Wenn das Wetter umschlägt und die Nächte kühler werden, stellt sich bei vielen sehr leicht der Schnupfen ein, der es nötig macht, die Taschentücher auf Schritt und Tritt bereitzuhalten, die man den Sommer über gut verstaut hatte. Und die Nase beginnt leider – Gott sei’s geklagt – ganz leicht zu rinnen wie etwa ein undichter Wasserhahn. Eine Entzündung der Nasenschleimhäute und die damit einhergehenden Unannehmlichkeiten können sich durchaus beeinträchtigend auf unser Allgemeinbefinden und auf unsere Wahrnehmungsfähigkeit auswirken. Denn in der Nähe unserer Nase befinden sich die Augen und die Tränensäcke, die bei einem Schnupfen indirekt Betroffene werden können. Wer vorausschaut, denkt an die Eventualitäten, die das kälter werdende Wetter mit sich bringen kann. Und eine Erkältung lässt sich durchaus wieder abwenden, wenn man z. B. darauf achtet, dass der Körper mit genügend Vitamin C versorgt wird. In diesem Zusammenhang möchte ich einmal mehr auf die Zitrusfrüchte hinweisen, die ja auch wiederum mehr an Aktualität gewinnen, je schneller der Herbst voranschreitet und schließlich dem Winter den Platz überlässt. Im Handumdrehen kann dies passieren, weil wir doch alle wissen, wie schnell die Zeit vergeht.

Zitronensaft zum Gurgeln

Um dem Schnupfen vorzubeugen, kann man sich die Zitronen, die sich ohnehin im Haushalt befinden, zunutze machen. Von einem frisch gepressten Saft dieser Früchte nimmt man eine Menge von ca. 25 Tropfen, die man in ein Glas lauwarmen Wassers gibt. Damit gurgelt man sowohl morgens als auch abends und kann sich so besser gegen Schnupfen und andere Erkältungserscheinungen wappnen.

Zitronen mit Blütenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Voll Aroma und hilfreich

Gewürznelken als Heilmittel

„Lernen Sie ein bisschen Geschichte, Herr Reporter!“ so klang es einst aus Bundeskanzler Kreiskys Mund, als er sich bei einem Interview von einem fragenden Journalisten wohl provoziert fühlte. In einem ganz anderen Zusammenhang möchte ich diesen Appell des verewigten Politikers aufgreifen und ihn zu den praktisch verwendeten Kräutern und Gewürzten lenken. Denn dann hat man genug Grund zu staunen. Was heute aufgrund der allzu billigen Transportmittel selbstverständlich ist, war z. B. im Mittelalter noch ganz anders. Ich nehme die Gewürznelken als Beispiel heraus. Wir denken uns nämlich gar nichts dabei, wenn wir sie beim Genuss eines Apfel- oder Birnenkompotts herausfischen und auf den Tellerrand legen. Selbstverständlich genießen wir den feinen Geschmack, der von dieser Zutat ausgeht. Kaum jemand weiß aber, dass die Gewürznelken im indonesischen Raum beheimatet sind. Die Pflanzen, auf denen sie heranwachsen, zählen zu den Myrtengewächsen. Eigentlich handelt es sich hierbei um die noch geschlossenen Blütenknospen auf den Zweigen, die leuchtend rot gefärbt geerntet werden und während des Trocknens dann die uns bekannte braune Farbe annehmen. Die Form der Gewürznelken erinnert an kleine Nägel. Es sind vor allem ätherische Öle, die wir als Inhaltsstoffe nennen können. Weil sie eben seit Jahrhunderten gehandelt wurden, haben unsere Vorfahren durchaus gute und brauchbare Erfahrungen mit diesen duftenden Gaben des pazifischen Ostens gemacht, die wir uns auch heute wieder ins Gedächtnis rufen dürfen. Manchmal ist man nämlich auf eine belebende und gleichzeitig stabilisierende Unterstützung angewiesen, da der Kreislauf nicht gut beisammen ist oder Müdigkeit das Tagewerk beschwerlich macht.

Warmer Würzwein

Man nimmt 1/8 Liter Rotwein und erwärmt ihn auf der Herdplatte, jedoch ohne den Wein zum Sieden zu bringen. Dann fügt man 1 Gewürznelke bei und lässt beides zusammen eine Weile zugedeckt ziehen. Danach langsam und schluckweise trinken. Dies kann als altes Hausmittel herangezogen werden, wenn der Blutdruck zu niedrig ist, man dadurch an Schwindel leidet oder sich müde und abgespannt fühlt. Diese Empfehlung ist jedoch nur für jene geeignet, die Wein und Alkohol nicht meiden müssen.

Gewürznelken mit Blütenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya