Griffbereit zum Ernten

Die Blütenblätter der Sonnenblumen

Feld um Feld verschwindet nun förmlich unter den Mähdreschern und untrüglich kündet die Getreideernte, dass der Hochsommer Einzug gehalten hat. Irgendwo erfüllt das gar nicht so wenige mit Wehmut, hat man sich doch erst an das Grün der Vegetation gewöhnt und letztendlich sollte die Zeit gerade in den Ferien nicht gar so rasch dahineilen. Trotzdem gibt es auch Versöhnliches. Wie schön ist es nämlich anzusehen, wenn sich vor den Augen die Sonnenblumen (Helianthus annuus) in Reih und Glied am Acker ausbreiten. Diese Pflanze findet sich ja oft zwischen den goldgelben Getreideäckern und sorgt dadurch für eine willkommene Abwechslung. Wenn auch die Landwirte, die diese Sonderkultur ziehen und ernten, den Ertrag aus den schalentragenden Körnern des Korbblütlers abschöpfen, so sind doch ebenso die Schönheit und die Erhabenheit dieses zierenden Gewächses von hohem Wert. Das wissen jene, die mit den Sonnenblumen lediglich kleine Flächen zwischen den Gemüsebeeten oder im Vorgarten bestücken. Wir dürfen uns eines Nutzens bedienen, der oft ganz übersehen wird. Denn solange die Sonnenblumen am Blühen sind, stehen uns die kranzförmig angeordneten Blütenblätter zur Verfügung. Ihre schmückende Eigenschaft ist nicht der einzige Vorteil dabei. Sie tun nämlich unserem Organismus wohl, wenn man sie dementsprechend aufbereitet und einsetzt. Jetzt noch kann die frische Ware zu diesem Zweck gute Dienste erweisen. Für später sollte man sich aber eine Reserve anlegen. Dies geschieht ganz einfach, indem man die goldgelbe Pracht behutsam abzupft und gründlich im Schatten trocknet. Danach bewahrt man am besten die getrocknete Ware vor Licht und Feuchtigkeit geschützt auf.

Blütenblätter aufbrühen

Die ganz entfalteten Blütenblätter kann man frisch von den Sonnenblumen ernten und damit im Heißaufguss einen Tee zubereiten. Dieser erweist sich für die oberen Atemwege als entzündungsmindernd. Darüber hinaus kann man den Tee auch bei Blähungen oder bei Durchfall trinken. Die getrockneten Blütenblätter der Sonnenblume wiederum kann man zu einem Pulver zerreiben und ebenfalls bei den letztgenannten Beschwerden in kleinen Mengen zu sich nehmen und etwas Wasser nachtrinken.

Sonnenblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Verdauung unterstützen

Der Rotklee hilft dabei

Das Gleichgewicht der Natur kann sehr leicht ins Schwanken geraten. Das wissen wir leider nur allzu gut. Oft übersehen wir, dass es gerade die kleinen und meist unscheinbaren Lebewesen sind, die heute verstärkt unsere Aufmerksamkeit benötigen. Dazu zählen u. a. die Schmetterlinge, deren Artenfülle ein Indiz für eine gesunde Umwelt ist. Die fliegenden Schönheiten korrespondieren ganz eng mit der Pflanzenwelt. Auf den Rotklee (Trifolium pratense) hat sich z. B. der Waldbläuling spezialisiert, der daher ebenso als Rotklee-Bläuling bezeichnet wird. Warum sollten wir also die Schmetterlinge nicht als Wegweiser verwenden, wenn wir auf der Suche sind, die Gesundheit unseres Leibes zu fördern? Im Rotklee finden wir eine Reihe an Wirkkräften, die dem menschlichen Wohlbefinden zugute kommen. Dabei handelt es sich nicht nur um den unterstützenden Effekt, den der Schmetterlingsblütler den Frauen während ihrer Menstruation oder in den Wechseljahren und den manchmal damit verbundenen Beschwerden bieten kann. Viel weniger ist z. B. bekannt, dass der Rotklee ebenso die Funktion der Leber und der Galle anzukurbeln und zu stärken vermag. Wer einen Garten zur Verfügung hat, ist gut beraten, manche freie Fläche dafür zu nutzen, um darauf den Rotklee auszusäen und somit seine Blüten vor Ort zu haben. Diese sammelt man vor allem dann, wenn sie sich im Stadium des Aufblühens befinden und trocknet sie, nachdem man die Stängel entfernt hat. Bei Husten etwa kann man später damit einen Tee aufbrühen, der den Bronchien beisteht. Doch auch der Darm kann vom Rotklee einen heilsamen Profit abschöpfen.

Tee bei Verstopfung

Jene, die sich über eine längere Zeit damit schwer tun, den Stuhl aufgrund einer Verstopfung im geregelten Rhythmus abzuführen, dürfen es probieren, mithilfe des Rotklees die Lage zum Besseren zu wenden. 2 Teelöffel voller getrockneter Blüten des Rotklees mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. In der Früh und am Abend eine Schale voll davon trinken. Das fördert die Darmtätigkeit.

Rotklee ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Auflagen für die Haut

Das Seifenkraut aufgießen

Die Verwendung von Waschmitteln und Shampoos ist uns heutzutage eine Selbstverständlichkeit. Im Seifenkraut (Saponaria officinalis) begegnet uns eine reinigende Hilfe aus dem Reich der natürlichen Heilpflanzen. Das Mitglied der Familie der Nelkengewächse findet sich an Zäunen, Flussufern, auf Schutt und selbst unter Gebüschen. Vielfach wird es auch gerne in Gärten angebaut, da es ein recht pflegeleichtes und schmuckes Gewächs ist. Aufgrund des hohen Schleimstoffgehaltes, der sich in allen Pflanzenteilen des Seifenkrautes befindet, wurde es früher gerne herangezogen, um bei Beeinträchtigung der Atemwege sowie des Darmes eine Besserung herbeizuführen. Sowohl der deutsche als auch der wissenschaftliche Name des duftenden Sommerboten weisen schon darauf hin, dass man in Zeiten vor der Existenz synthetischer Substanzen durchaus auf die Wurzel des Seifenkrautes zurückgriff, um damit verschmutzte Stoffe sauber zu bekommen. An dieser Tatsache hat sich ohnehin bis heute nichts geändert, vor allem dann, wenn es sich um das Reinigen sehr heikler Materialien handelt. Apropos Waschen: Die Haut unseres Körpers ist wohl diejenige, die am öftesten in den Genuss einer gründlichen Dusche oder eines wohltuenden Bades kommt. Dennoch kann es leider auftreten, dass sich aus verschiedensten Gründen entzündete Stellen an der Haut bilden, die nicht so schnell abheilen. Gerade dann darf man sich des Seifenkrautes erinnern. Am besten verwendet man es rein äußerlich.

Umschläge mit Seifenkraut-Tee

Einen Teelöffel voll des zerkleinerten Krautes oder der Wurzel von Seifenkraut setzt man über Nacht in 1/4 Liter kaltem Wasser an. Am Morgen darauf bis knapp vor das Kochen erhitzen. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Mithilfe dieses Tees kann man bei hartnäckigen Entzündungen der Haut alle 5 Stunden einen warmen Umschlag auf die betroffene Stelle legen. So lange durchführen, bis sich eine merkbare Abheilung einstellt.

Seifenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Kraut zum Drüberstreuen

Der Steinklee als Zutat

Die Farben der Kleidermode ändern sich stetig. Die Vorgaben machen es einem oft schwer, dem Trend Folge zu leisten. Das geht anscheinend nur bei jenen, die auch die nötigen finanziellen Mittel für ihre Garderobe zur Verfügung haben. In der Natur wechselt ebenso das Farbenspiel der Blüten, die am Straßenrand stehen. In dem bunten Allerlei, das auf den kargen sonnenbeschienenen Böschungen steht, lässt sich bei genauerem Hinsehen da und dort der Gelbe Steinklee (Melilotus officinalis) ausmachen. In seiner augenfällig schlanken Gestalt kann er fast mannshoch wachsen. Seltener kommt bei uns die verwandte Art des Hohen Steinklees (Melilotus altissimus) vor, der auch auf feuchteren Standorten wächst. Macht man einen Blick in die lange Geschichte der Heilkräuterkunde, fällt auf, dass schon Dioskurides den Steinklee beschreibt. Dieser kennt sowohl seine äußerliche Anwendung als erweichendes Kraut bei Geschwüren und Ausschlägen, als auch seine innerliche Verwendung bei Magenschmerzen. Wird der Steinklee getrocknet, entweicht dabei der Hauptwirkstoff Cumarin, der blutverdünnend wirkt und für den charakteristischen Geruch dieser Pflanze verantwortlich ist. Dadurch eignet sich z. B. diese Droge auch als wirkungsvolle Ungezieferabwehr in unseren Wäscheschränken. Für das Wohl des Leibes gibt es überdies eine Anzahl an Produkten, die in Apotheken zu erwerben sind. Sie helfen unter anderem bei Venenleiden, Krampfadern sowie bei Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen. Jetzt, wo man vielleicht auch zu Hause die Freuden des Sommers auskosten möchte, steht der Steinklee dafür ebenfalls zur Verfügung.

Ergänzender Geschmack

Noch ist es möglich, die Blüten des Steinklees zu sammeln. Werden diese im Schatten gut getrocknet, eignen sie sich dazu, dass man sie in geringen Mengen unter einen Streichkäse oder in die Sauermilch mischt und so dem Sommer einen eigenen Geschmack beifügt, dabei das Wertvolle des Steinklees dem Organismus zugänglich macht. Mit etwas Phantasie kann man zusätzliche andere Varianten ausprobieren.

Gelber Steinklee ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für trockene Haut

Den Sonnenhut aufbereiten

Sommer, Sonne, Sonnenschein dürfen wir nun in Hülle und Fülle auskosten. Da kann eine vorübergehende Regenfront auch nichts dran ändern. Das Nass vom Himmel hat ja durchaus eine segensreiche Komponente, solange es nicht zerstörerisch dahinflutet. Apropos Feuchtigkeit: die Haut, auf der die Sonnenstrahlen landen, läuft auch Gefahr, auszutrocknen. Daher sollte man dagegen etwas unternehmen. Der Schmalblättrige Sonnenhut (Echinacea angustifolia) bietet ein Anschauungsmaterial für das, was ich konkret damit meine. In Folge der Entdeckung Amerikas gelangte er einst nach Europa, wo er als beliebter Zierexote die Augen der Staunenden auf sich zog. Mit der Zeit aber kamen unsere Vorfahren drauf, dass durchaus viel Heilkraft in der rosa blühenden Pflanze enthalten ist. Gerne hat man den Sonnenhut angebaut und eingesetzt, weil er eben zu den genügsamen Gewächsen zählt, die nahezu mit jedem Boden vorlieb nimmt, sofern dieser nur genügend Nährstoffe in sich birgt. Um die entzündungswidrige, blutreinigende und resistenzsteigernde Wirkung des Roten Sonnenhuts entgegennehmen zu können, darf man sowohl das Kraut als auch die Wurzel verwenden. Häufiger wird jedoch letztere aufbereitet. Dies ist gerade dann günstig, wenn sich die Blühphase des Sonnenhutes dem Ende zuneigt und somit mehr Kraft in den unterirdischen Gewächsteilen gespeichert werden kann. Die Haut ist überhaupt eine sehr gute Adresse, wenn es gilt, die heilsamen Kräfte der Echinacea in Empfang zu nehmen.

Ölauszug mit Sonnenhut

Die frische gereinigte und zerkleinerte Wurzel des Sonnenhutes wird in einem Mischverhältnis 1 : 4 mit kaltgepresstem Pflanzenöl eigener Wahl in ein weithalsiges verschließbares Glasgefäß gegeben und 14 Tage lang bei Zimmertemperatur in die Sonne gestellt. Währenddessen täglich den Ansatz gut durchschütteln. Danach abseihen und extra abfüllen. Das verbliebene Öl, das den Rückstand umgibt, kann man ebenfalls aufbrauchen. Als Einreibung angewendet, schützt es die Haut vor dem Austrocknen, bremst spürbar eine voranschreitende Faltenbildung und steigert zudem die persönliche Immunkraft.

Roter oder Schmalblättriger Sonnenhut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Hilfe bei Zahnschmerzen

Die Stockrose heranziehen

Mit dem Besitz ist das so eine Sache. Gehört einem etwas, so muss man sich wohl oder übel darum kümmern. Das gilt für Geld, Haus und auch den Körper in gleichem Maße. Nun, man darf ruhig auch stolz und vielmehr noch dankbar sein, wenn man nichts vermissen muss. Aber da gibt es bekannter Weise auch eine andere Seite. Nehmen wir die Zähne als Beispiel. Solang man sie auf dem Kiefer sitzen hat, brauchen sie unsere Pflege und die fachkundige medizinische Unterstützung. Blumen haben diese Sorgen nicht. Die Stockrose (Alcea rosea), die wir in unzähligen Vor- und Bauerngärten antreffen, hat nun ihre hohe Saison. Seit jeher möchte man das Areal vor seinem eigenen Haus im Sommer ansehnlich erscheinen lassen. Das kann natürlich nicht besser als durch eine pflanzlich gestaltete Pracht geschehen, die gerade aus blühenden Stockrosen bestehen darf. Der Name dieses Ziergewächses ist an und für sich irreführend, zählt es doch in Wahrheit zur Familie der Malvengewächse. Ihre Verwandtschaft sind also u. a. Eibisch und Käsepappel. Vom Gärtchen aber wiederum zurück zur eigenen Mundhöhle. Ein durchdringender Schmerz kann einem im Handumdrehen den Tag ganz schön vermiesen. Solange die Zähne voll intakt sind, signalisieren die darunter liegenden Nerven sehr bald, dass etwas mit der Verfassung des Kauwerkzeuges nicht stimmt. So schwer der Schritt auch fällt, den Zahnarzt aufzusuchen, so erlösend können ein rechtzeitiges Diagnostizieren des schmerzenden Herdes und ein ehebaldiges Behandeln desselben sein. Gewiss gibt es weiters Zeiten der Überbrückung, in denen man die Leiden möglichst zu minimieren sucht. Dafür habe ich einen praktischen Tipp.

Stockrosenblüten-Spülwein

2 Teelöffel voller getrockneter und zerkleinerter Stockrosenblüten werden in 1/4 Liter Rotwein aufgekocht. 1/2 Stunde zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen und filtrieren. Bei Zahnschmerzen kann man damit zuerst die ganze Mundhöhle ausspülen und hernach die Flüssigkeit einige Minuten über der schmerzenden Stelle im Mund halten, bevor man sie dann wieder ausspuckt, ohne hinunterzuschlucken.

Stockrosenblüten und Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zweige mit Reinigungskraft

Auf den Wacholder zählen

In der Suche nach geeigneten Arbeitskräften ist neben dem persönlichen Engagement auch die nötige Kompetenz der neu Einzustellenden gefragt. Immerhin soll die Dienstleistung im wahrsten Sinne des Wortes Hand und Fuß haben, damit die Qualität des Gebotenen auch stimmt. Für unsere Physis benötigen wir ebenfalls geeignete Hilfskräfte, um diese von innen heraus zu reinigen. Um daher den Wacholder (Juniperus communis) zu finden, der uns dahingehend gute Dienste erweisen kann, brauchen wir nicht in die Ferne schweifen. Er gehört zur angestammten Flora des heimischen Hügellandes. Der Wacholder zählt zur großen Baumfamilie der Zypressengewächse und teilt sich somit seine botanische Verwandtschaft u.a. mit Lebensbäumen, Mammutbäumen und Sicheltannen aus fernen Ländern. In unserer Phantasie können wir ein paar Zweige vom heimischen Wacholder herunterschneiden und daraus einen Besen binden. Gewiss wird uns ob seines spitzen Nadelkleides recht bald die Lust daran vergehen. Aber dennoch ist der Gedanke nicht abwegig, den Kranewittbaum für einen Kehraus heranzuziehen. In einer anderen Weise kann er eine notwendige Aufgabe für uns verrichten und dafür sorgen, dass unser Blut wiederum sauberer wird. In allen pflanzlich unterstützten Anwendungen, die mit dem Wacholder oder dessen Früchten durchgeführt werden, soll man Bedacht darauf nehmen, dass dadurch die Nieren leicht gereizt werden könnten. Daher sollen gerade diese Organe möglichst gesund und intakt sein.

Ein Tee aus Zweigen

Fingerdicke frische Wacholdertriebe, die tunlichst von Exemplaren aus Gärten stammen sollen, werden ganz fein in Scheiben geschnitten und getrocknet. Davon nimmt man dann 1 gehäuften Teelöffel voll und stellt diesen in 1/4 Liter kaltem Wasser auf den Herd. Kurz aufwallen und anschließend 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und morgens gleich auf nüchternen Magen 3 Wochen lang trinken. Dies reinigt das Blut. Sollte dabei aber eine Unverträglichkeit spürbar werden, diese Kur wieder abbrechen.

Wacholderzweig mit Beeren ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Pflegemittel aus Blättern

Von der Wegwarte auspressen

Eine Heilpflanze besticht nicht nur durch ihre Schönheit, die sich z. B. in ihrer Blüte zeigt, sondern sie steckt auch voller Geheimnisse. Es braucht schon einiges an Zeit, die es wert ist, um die gesamte Verfasstheit eines wurzeltragenden Wesens zu erkunden. Manche suchen sich einen eher unwirtlichen Standort aus und sind gleichzeitig sehr heilsam für viele Zonen unseres Körpers. Ein gutes Exempel dafür liefert uns die Wegwarte (Cichorium intybus). Sie steht nun in voller Größe an den Straßenrändern und grüßt gleichsam die Vorbeifahrenden mit ihren blauen Blüten, die sie der prallen Sonne entgegenstreckt. Wir Menschen, deren Haut äußerst wertvoll ist und die wir mehr oder weniger gerne pflegen, müssen uns trotz vorhandener Schutzschicht unter einem Dach und innerhalb der eigenen vier Wände bergen, um dem wie auch immer gearteten Klima standhalten zu können. Das muss eine wildwachsende Pflanze nicht tun. Sie erneuert sich im Gegensatz zu uns Jahr für Jahr, wie eben im Falle der Wegwarte, und schöpft vor allem aus der im Erdboden verbliebenen Wurzel ihre Kraft. Unsere Hautzellen müssen sich auch gerade im Sommer immer wieder erneuern, um ihre abgrenzende und schützende Funktion gut durchführen zu können. Die Wegwarte enthält durch ihr Heranwachsen momentan viel Flüssigkeit in ihren Blättern, die ganz gut für eine Reinigung und Stabilisierung der Haut dienen kann. Dieser Pflanzensaft lässt sich durchaus frisch gebrauchen und zur Anwendung bringen.

Die Haut unterstützen

Bei Irritationen oder Unreinheiten der Haut nimmt man frische Blätter der Wegwarte, reinigt diese und faschiert sie im Anschluss, um sie besser auspressen zu können. Mit dem gewonnenen Saft betupft man unreine Stellen der Haut. Danach lässt man den Saft in die Haut einziehen, ohne die feuchten Stellen abzutrocknen. Mit ein wenig Geschick kann man auch darangehen, mithilfe des Zusatzes von Alkohol den Wegwartesaft haltbar zu machen. So kann man ihn das ganze Jahr über verwenden.

Wegwarte mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Das Schwitzen reduzieren

Ganz einfach mit Salbei

Das Wetter ist fixer Bestandteil von Alltagsgesprächen. Egal, ob wir darüber klagen oder uns einfach nur freuen: wir müssen es nehmen, wie es ist. Niemand wird wohl mehr leugnen können, dass sich die Zahl der warmen und heißen Tage in den letzten Jahren erhöht hat. Im Reich der Kräuter gibt es dabei auch gleich einen Nutznießer. Der Salbei (Salvia officinalis), dem der Sommer lieb und teuer ist, kann uns sicher helfen, wenn es gilt, als mitteleuropäischer Erdbewohner mit vermehrter Hitze zurechtzukommen. Dafür hat er eine gute Bewährungsprobe hinter sich. Denn immerhin stammt er von einer klimatischen Zone, die rund um das Mittelmeer eben nicht gerade zu den kühlen Bereichen Europas zählt. Was zur Wärme in dieser Gegend noch hinzukommt, ist die geringe Menge an Niederschlägen. Kalkhaltige und steinige Böden sind die Bedingungen, auf denen der Salbei gerne wurzelt. Hohe Temperaturen bedeuten für den menschlichen Körper einen Mehraufwand an Energie und Flüssigkeit. Das sind nun einmal die Folgen, die unser Schwitzen nach sich zieht. Wer fleißig mit seinen Händen und dem Einsatz seiner Muskeln arbeitet, wird damit rechnen, dass sich auf der Stirn, unter den Achseln, auf der Brust oder am Rücken Feuchtigkeit einstellt, die unsere Haut mittels ihrer Schweißdrüsen freisetzt. Es gibt aber ebenso Umstände, durch die man ins Schwitzen kommt, ohne sich viel zu bewegen. In lauen und warmen Sommernächten kann es leicht passieren, dass man im Bett klatschnass daliegt und anscheinend dagegen wehrlos ist. Hände und Füße sind zudem Gliedmaßen, die ebenfalls leicht schwitzen. Dann darf der Salbei zur Stelle sein.

Salbei frisch verwenden

Ein paar Salbeiblätter werden im Garten abgezupft und mit einem Messer fein zerkleinert. 1 Esslöffel nimmt man davon und übergießt dies mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Morgens und abends je eine Tasse davon getrunken, eventuell mit etwas Honig gesüßt, kann effizient mithelfen, um den Nachtschweiß und das häufige Schwitzen an Händen und Füßen einzudämmen.

Salbei ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Tapete für den Darm

Mit Käsepappel einbringen

Wer sich mit Kräutern eingehender auseinandersetzt, schwenkt dabei ganz leicht in eine durchaus legitime Nostalgie. Im Zuge der Erinnerung an frühere Zeiten taucht nämlich das eine oder andere Gewächs auf, das die Großeltern oder Eltern selbst verwendet haben und es zudem zum Einsatz brachten, wenn es galt, die Wehwehchen und Krankheiten der Kinder zu kurieren. Mir selbst fällt da spontan einiges ein. Doch möchte ich gezielt die Kleine Käsepappel (Malva neglecta) herausgreifen, die eher niedrig am Boden wächst. Ihre nächste Verwandte ist die Große Käsepappel (Malva sylvestris), die einfach auch Wilde Malve genannt wird. Die grünen Früchte dieser beiden Malvengewächse stellen auf manchen Expeditionen in die Natur eine kleine Delikatesse für mich dar. Aufgrund ihrer Form hat mir meine Mutter die alte Bezeichnung „Brotlaib“ für diese kleine Mahlzeit am Wegrand mitgegeben. Die Käsepappel beinhaltet Schleimstoffe, Vitamin B und C sowie Gerbstoffe. Wie alle Malven so ist auch die Käsepappel wertvoll, wenn die Atemwege unter einer Entzündung leiden. Zudem kann man die Käsepappel verwenden, wenn der Magen oder der Darm nicht so recht funktionieren. Das Sammelgut der Käsepappel sind die Blüten und die Blätter des frischen Krautes. Sie werden an ganz sonnigen und trockenen Tagen geerntet und dabei auf eine saubere Unterlage aus Papier oder Leinen aufgebreitet. Der gegenwärtige Sommer ist die beste Zeit dafür. Wenn der Verdauungstrakt eine kritische Zeit wie z. B. nach einem Katarrh hinter sich hat, ist es sicher gut, mithilfe der Käsepappel die Schutzschicht im Inneren von Magen und Darm erneut zu festigen. Mit einem Tee kann dies durchaus gelingen.

Käsepappeltee als Hilfe

Will man die schleimlösende Wirkung des Käsepappelkrautes für den Verdauungstrakt nützen, so darf die getrocknete Droge niemals mit heißem Wasser übergossen werden. Man nimmt besser 2 gehäufte Teelöffel von Blättern und Blüten der Käsepappel, gibt sie in 1/4 Liter kaltes Wasser und lässt es 2 bis 10 Stunden lang stehen. Hin und wieder umrühren. Danach seiht man den Ansatz ab und erwärmt ihn auf höchstens 35° C. Um Magen und Darm zu unterstützen, trinkt man davon bis zu 3 Tassen pro Tag, am besten vor den Mahlzeiten.

Käsepappel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya