Den Vormittag gestalten

Unter anderem mit Fenchel

Was wir mit der uns zur Verfügung stehenden Zeit anfangen, liegt ganz bei uns. Ja, ich möchte generell die Zeit mit einem von Pferden gezogenen Fuhrwerk vergleichen, wobei wir selbst auf dem Kutschbock sitzen und damit in die Zukunft fahren. Wir halten die Zügel in der Hand und bestimmen so, wohin es geht. Eines unserer Ziele stellt sicherlich die Gesundheit an Leib und Seele dar. Um darauf gut zuzusteuern, dürfen wir ganz bewusst die Gaben der Natur zum Einsatz bringen. Ein recht einfaches Hilfsmittel dafür gibt der Fenchel (Foeniculum vulgare) ab. Dieser Doldenblütler hat es in sich. Die ätherischen Öle, die darin befindlichen ungesättigten Fettsäuren, die Bitter- und Gerbstoffe und manches andere mehr sind uns ja schon von Kindesbeinen an vertraut. Denken wir nur daran, wie über die Verwendung der Fenchelsamen den Kleinkindern ein stückweit beigestanden werden kann, wenn Blähungen im Bauch gar zu sehr zwicken und für ein Unwohlsein sorgen, was das Baby mit nichts anderem kommentieren kann, als eben mit lautem und andauerndem Weinen. Doch wäre es schade, den Fenchel nur dem familiären Nachwuchs zuzudenken. Wenn wir als Erwachsene die Gestaltung der vorhandenen Stunden eines Tages betrachten, so kommt dem Vormittag eine wichtige Rolle zu. Das hat seinen Grund in der erhöhten Leistungsfähigkeit, die sich im Laufe des Tages für gewöhnlich verringert. Doch gerade dann, wenn beim Arbeiten oder Studieren etwas weitergehen soll, müssen auch Pausen eingelegt werden. Die kann man ja z. B. nutzen, um eine Schale Tee zu trinken, die aus Fenchel aufgegossen wird. Das kann u. a. ebenso eine Unterstützung bieten, wenn man dabei ist, sein Körpergewicht unter Kontrolle zu bringen.

Fencheltee am Vormittag

Von den Samen des Fenchels nimmt man 2 Teelöffel voll und stößt sie in einem Mörser an. Danach übergießt man sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Trinkt man den Tee z. B. in der Büropause am Vormittag, stärkt dies die Leber auf natürliche Weise und hilft mit, das Körpergewicht mit einer bewusst gesteuerten Ernährung zu reduzieren.

Fenchel, Blütendolde und Früchte (Foeniculum vulgare) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Erleichterung und Hilfe

Weidenrinde ernten und nutzen

Die Zeit schreitet voran. Alles steht im stetigen Wandel und nichts Lebendiges verharrt in ein und demselben Stadium. Das sollten wir bedenken, wenn wir meinen, wir könnten das ganze Jahr über die Pflanzen der Natur in gleichem Maße nutzen. In den Bäumen und Sträuchern regt sich nun schon der Saftfluss und alles geht gleichsam in Startposition für die kommende warme Periode. Es gilt Blüten und Blätter austreiben zu lassen und zur Entfaltung zu bringen. Die Weide (Salix) bildet dabei keine Ausnahme. Gerade jetzt, wo das florale Leben meist noch verborgen wiederersteht, birgt sich in den Gewächsen eine besondere Kraft. Und die darf man entdecken und zur Begleitung so mancher Beschwerden heranziehen. Allen Arten der heimischen Weiden ist es eigen, in ihren Wuchsteilen einen Anteil an Salicylsäureverbindungen zu haben. Diese wiederum können mitwirken, dass sich in unserem Körper eine Entspannung einstellt und zusätzlich auch Schmerzen gelindert werden. Mit derartigen Leiden muss man sich nicht nur auseinandersetzen, wenn man z. B. Kopfweh hat. Bei Rheumatismus, insbesondere bei Gelenksrheumatismus, wissen die Betroffenen sehr wohl, was man dabei zu erdulden hat. Um hierein ein wenig Erleichterung zu erhalten, kann es sinnvoll sein, die Wirkung der Weidenrinde entgegenzunehmen. Um diese zu ernten, kann man gegenwärtig darangehen, von fingerdicken Ästen der Weiden die Rinde in Streifen abzuziehen und im Warmen gründlich zu trocknen. Danach so aufbewahren, dass die Ware nicht feucht und schimmelig wird. Bei Bedarf darauf zurückgreifen und aufbereiten.

Tee aus Weidenrinde

3 Teelöffel getrockneter und zusätzlich zerkleinerter Weidenrinde werden in 1/2 Liter kaltem Wasser über Nacht angesetzt. Morgens kurz aufkochen und danach bald abseihen. Den Tag über trinkt man schluckweise den Tee. Das kann sich erleichternd auf Rheumabeschwerden auswirken. Übrigens gilt dieser Trank auch als fiebersenkend und schweißtreibend.

Weidenzweige (Salix) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Mangel aufbessern

Schnittlauch in kleinen Mengen

Reichtum ist keine Selbstverständlichkeit! Nicht umsonst genießen Gewinnspiele oder Shows, innerhalb deren sich ausgewählte Kandidaten an eine siebenstellige Summe herankämpfen können, hohe Beliebtheit. Mit Geld kann man sich vieles ermöglichen. Die Gesundheit hängt jedoch von anderen Kategorien ab und bleibt letztendlich ein hoch wertzuschätzendes Geschenk des Schöpfers. Beim Börserl merken wir sofort, wenn keine Scheine und Münzen drinnen sind, dass etwas fehlt. Mit dem Schnittlauch (Allium schoenoprasum) möchte ich heute die Aufmerksamkeit vielmehr auf den Leib lenken als auf finanzielle Zwischenbilanzen. Für gewöhnlich ernähren wir uns von dem, was wir zu Hause oder in beruflich bereitgestellten Mensen vorgesetzt bekommen. Gewiss haben wir in den Gaststätten die Wahl durch eine mehr oder weniger vielfältig bestückte Speisekarte. Dabei wird oft übersehen, was uns wirklich gut täte. Seit Kindesbeinen an wissen wir jedoch, wie wichtig es ist, über die Verdauung dem Körper Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zuzuführen, die einen intakten Aufbau der Knochen und der Muskelstruktur fördern, die einzelnen Organe stärken und unterstützen sowie schließlich auch das allgemeine Wohlbefinden gewährleisten. Im Schnittlauch, der ganz leicht zu besorgen ist, finden wir all das vor. Wie seine pflanzliche Verwandtschaft bergen sich im Schnittlauch aber noch zusätzlich ätherische Öle, die für den typischen – etwas scharfen – Geschmack desselben verantwortlich sind. Durch den Genuss des Schnittlauchs wird zudem die Elastizität der Blutgefäße gefördert und eine so genannte Verkalkung hintangehalten. Es ist also nur vernünftig und für eine gute körperliche Konstitution zukunftsweisend, wenn regelmäßig zum Schnittlauch gegriffen wird. Die Variationen für dessen Verwendung sind sehr vielfältig.

Suppe und Butterbrot

Um den gesundheitsfördernden Schnittlauch immer wieder zu konsumieren, kann eine frisch servierte Suppe genau das Richtige sein, wo man die kleingeschnittenen Triebe darüberstreut. Oder die grüne Gabe landet einfach auf einem eben gestrichenen Butterbrot, das man genüsslich zur Jause isst. Mit dem wiederholten Konsum des Schnittlauchs tritt man Mangelerscheinungen entgegen, die sich bei einer einseitigen und oft sehr deftigen Kost einstellen können.

Schnittlauch (Allium schoenoprasum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zur Unterstützung der Galle

Tausendguldenkraut und Bier

Es ist Fasching und der Frühling hält laut Wetterprognosen bald Einzug. Das heißt, dass es durchaus angebracht ist sich heiter und positiv zu stimmen. Ein wenig ausgelassen zu sein und da und dort ein paar frohe Stunden zu verbringen, ist dann sicher nicht falsch. Daher will ich nicht zu sehr den moralischen Zeigefinger Richtung Maßhalten oder Diätkost erheben. Dennoch möchte ich darauf verweisen, was dazu beitragen kann, die Stimmung auch mithilfe der Kräuter zu heben und die Verdauung funktionstüchtig zu halten. Im Tausendguldenkraut (Centaurium erythraea) finden wir ein Heilgewächs vor, das für sich allein schon einen wertvollen Mosaikstein innerhalb der Vielfalt der heimischen Flora darstellt. Dort, wo man es während des Sommers entdeckt, sollte man wie vor einem Holunderstrauch nach alter Sitte den Hut ziehen und am besten auf den Knien dem Herrgott danken, dass diese Art noch existiert. Das Tausendguldenkraut, das übrigens zur Familie der Enziangewächse gehört, ist deswegen so kostbar, weil es zu den bittersten Heildrogen zählt, die schon unsere Vorfahren auf verschiedenste Weise genutzt haben. Das Sprichwort „Bitter macht lustig“ hat seinen reellen Hintergrund in der Unterstützung der Funktion der Leber und der mit ihr zusammenhängenden Gallenblase und somit in einer besseren Verdauung bzw. effizienteren Entgiftung des Körpers. In weiterer Folge lebt das Gemüt auf, weil sich die Physis befreiter und leichter fühlt. Nun ist es verständlicher Weise nicht jedermanns Sache, sich mit Bitternis am Gaumen auseinanderzusetzen. Aber es gibt auch hier Vorgehensweisen, die man anlässlich des Karnevals mit ein wenig Schmunzeln goutieren kann. Selbst das Bier lässt sich dafür verwenden, um eine heilende Wirkung abzurufen. Aber eben alles zu seiner Zeit! Und das mit Maß und Ziel!

Ansatz in Bier

Vom getrockneten und zerkleinerten blühenden Tausendguldenkraut nimmt man bloß 1 Teelöffel voll und setzt diese Menge in 1/2 Liter Bier zugedeckt über Nacht an. Am nächsten Morgen abdecken und verteilt über den Tag trinken. Das regt die Tätigkeit der Gallenblase an. Übrigens kann man versuchen, den Ansatz auch mit alkoholfreiem Bier durchzuführen, vor allem dann, wenn für jemandem Alkohol tabu ist.

Tausendguldenkraut (Centaurium erythraea) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine Brücke zwischen Herz und Magen

Die Melisse verbindet beide

Unlängst noch durfte ich wieder einmal die wunderschöne Stadt Prag besuchen. Ihre historische Bausubstanz samt den anmutig sich weitenden Plätzen, den heimelig verwinkelten Gässchen und den vielen schönen Kirchen machen jede Reise dorthin zu einer erfüllten Zeit. Es sind nicht zuletzt die Brücken über die Moldau – allen voran die Karlsbrücke natürlich – die wie eine Klammer die Altstadt und die Kleinseite verbinden und letztendlich eins werden lassen. Der Zitronenmelisse (Melissa officinalis) wohnt eine ähnliche Eigenschaft inne, wie ich meine. Gewiss schwenke ich meine Gedanken von barocken Fassaden und schützenden Arkadenlauben hin zu den Gegebenheiten unseres inneren Körpers, wo die einzelnen Organe für die Belebung der Physis sorgen. Und alles ist dort auf eine bewundernswerte Weise miteinander vernetzt. In erster Linie seien heute das Herz und der Magen im Fokus des gesundheitlichen Interesses. Die Melisse birgt in sich beruhigende und ausgleichende Eigenschaften. Das liegt vor allem an den Anteilen an ätherischem Öl mit hauptsächlich Citral und Citronellal, an den Gerb- und Bitterstoffen, die sich in den Blättern der Melisse nachweisen lassen. Sind unsere Nerven strapaziert und dadurch angespannt, so überträgt sich diese Belastung bekannter Weise meist direkt aufs Herz. Doch die Verdauung und im speziellen der Magen sind ebenfalls Indikatoren, die aufzeigen können, wie gut oder schlecht unser Wohlbefinden drauf ist. Wenn wir also beide Organe unterstützend begleiten wollen, dann ist es fürs erste nicht schlecht, sich Ruhe und Pausen zu gönnen, die einem aus allem Getrieben-Sein herausnehmen. Den heutigen Sonntag kann man gleich dafür verwenden, sofern man nicht beruflich gebunden ist. Um diese Zeit noch zusätzlich zu nutzen, darf ich den Tipp geben, wieder einmal zur Melisse zu greifen.

Tea-Time zur Beruhigung

Entweder vormittags oder am Nachmittag sollte man sich Zeit nehmen, um eine Tasse mit Melissenkraut anzurichten und zu genießen. Dazu nimmt man 2 Teelöffel voll der getrockneten und zerkleinerten Blätter und übergießt sie mit sehr heißem, aber nicht kochendem Wasser. Das hilft mit, das ätherische Öl nicht zu schnell sich verflüchtigen zu lassen. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und schluckweise trinken. Das unterstützt die Tätigkeit des Herzens, tut dem Magen gut und entspannt den ganzen Organismus im Hinblick auf einen guten Schlaf.

Melisse oder Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Dort wo die Kletten stehen

Deren Wurzeln ausgraben und nutzen

Forscht man in den Berichten über die alte Geschichte in der Ferne oder in der Umgebung der näheren Heimat nach, so dreht sich vieles um Herrscher und Kriege. Nicht selten war es die Triebfeder der Archäologie, dass man im Zusammenhang so mancher Überlieferung Rückschlüsse auf einen verborgenen Schatz ziehen konnte. Und man ging daher auf die Suche, egal mit welchem Ausgang. Zeitlich sehr naheliegend ist das vergangene Jahr. Dabei war es neben vielen anderen Pflanzen auch die Große Klette (Arctium lappa), deren Blätter und Blüten im Sommer bestaunt werden konnten. Der Vergänglichkeit unterworfen, sieht man jetzt nur mehr die braunen Strünke der Stängel und die Kletten, die im Fell der Haustiere oder auf der eigenen Kleidung beim Durchstreifen des Geländes hängenbleiben. Das wiederum ist ein Indiz dafür, dass sich an den Standorten des zur Familie der Korbblütler zählenden Gewächses ebenfalls ein Schatz finden lässt. Dieser ist aber weder aus einem edlen Metall wie Silber oder Gold noch aus einem wertvollen Stein gebildet. Für die Naturheilkunde ist vielmehr die Wurzel der Großen Klette von Interesse, die den bereits vergangenen Winter gut im Erdreich überdauert hat und sich nun anschickt, ihre gespeicherte Kraft dem neuen Wachsen und Fruchten zur Verfügung zu stellen, sobald die klimatischen Verhältnisse dazu den Start ermöglichen. Die Wurzeln der Kletten enthalten ätherische und ölige Substanzen, Inulin, Gerb- und Bitterstoffe, die am besten zu Beginn des zweiten Wuchsjahres genutzt werden. Vor allem dann, wenn es um das Wohl der eigenen Haut gut bestellt sein soll, kann man auf diesen Schatz der Natur zurückgreifen. Im beginnenden Frühjahr sind die unterirdischen Wuchsteile besonders saftig und daher auch reicher an Wirkstoffen als im übrigen Jahr. Überdies wird der Klettenwurzel eine harntreibende und eine verdauungsanregende Eigenschaft zugeschrieben.

Tee aus Klettenwurzel

Die frische Wurzel, die man nach dem Ausgraben sorgfältig wäscht und durch Abbürsten reinigt, zerkleinert man vorerst. Dann nimmt man 2 Teelöffel voll davon und übergießt diese Menge mit 1/4 Liter kaltem Wasser. Zirka 5 bis 6 Stunden stehen lassen und danach kurz aufkochen. Abseihen und den Tee über den Tag verteilt trinken. Das bewährt sich vor allem bei Hautproblemen, kann aber auch den Nieren und der Blase guttun, wenn diese geschwächt sind.

Große Klette mit Blüten und Wurzel (Arctium lappa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Dem Tier beistehen

Zwei Wurzeln für Hunde

Geteiltes Leid ist halbes Leid! – so lautet ein Sinnspruch, der sich schon oft bewahrheitet hat. Und in der Tat findet die Nächstenliebe vor allem dann einen wirkungsvollen Ausdruck, wenn Menschen einander direkt oder indirekt über Spenden und Sachzuwendungen helfen. Wer zu Hause ein Tier zu hüten hat, weiß ganz gut, dass es sehr oft zu einer emotionalen Bindung an so manchen Vierbeiner kommen kann, was man vor allem bei jenen gut beobachten darf, die einen Hund daheim haben. Daher möchte ich heute Kräuter in Erwägung ziehen, die im Bezug auf die Vierbeiner in Betracht kommen. Die Echte Engelwurz (Angelica archangelica) und der Löwenzahn (Taraxacum) wären meiner Meinung nach hier zu nennen. Beide zählen zu den wertvollen pflanzlichen Unterstützungen, die auch dem Menschen viele Vorteile und gesundheitliche Förderungen verschaffen können. Erstere gehört botanisch gesehen zu den Doldenblütlern und darf ruhig als eine Kostbarkeit bezeichnet werden, die man nach Möglichkeit im häuslichen Kräutergarten ansiedeln sollte. Der Löwenzahn wiederum, der ein Korbblütler ist, wächst ohnehin auf vielen Wiesen und an Wegrändern, so dass man sich um seine Präsenz in nächster Umgebung kaum Sorgen machen müsste. Die Wurzeln beider Gewächse enthalten sehr viel Gutes, das vor allem dem Verdauungstrakt bei Hunden eine Unterstützung bieten kann. Die Engelwurz weist ätherische Öle auf, dazu noch Cumarinverbindungen. Beim Löwenzahn schätzen wir einmal mehr die Bitterstoffe, die sich bei regelmäßiger Verwendung als Segen herausstellen können. Leider bleiben auch Hunde vor Verdauungsschwäche und manchmal sogar Magenkrämpfen nicht gefeit. In diesem Falle ist es ratsam, Engelwurz und Löwenzahn bei der Hand zu haben, um dem Tier konkret weiterhelfen zu können.

Beigabe und Tränke

Man braucht gerade bei Tieren eine gewisse Klugheit, um ihnen die Wirkungen der Kräuter angedeihen zu lassen. Die Wurzel der Engelwurz nimmt man daher man am besten in getrockneter Form und zerreibt sie zu einem Pulver. Dieses streut man dann in geringer Dosis unter das Futter. Von der zerkleinerten Löwenzahnwurzel wiederum gibt man die Menge, die auf 1 Esslöffel passt, über Nacht ins Trinkwasser, um die Flüssigkeit am nächsten Tag als Tränke zu reichen. Beides unterstützt einen angeschlagenen Verdauungstrakt der Hunde.

Echte Engelwurz oder Angelika (Angelica archangelica) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Heilung beschleunigen

Frauenmantel wirkt zusammenziehend

In der Natur gibt es viele Facetten, die unser Leben bereichern können. Wir schätzen vor allem die Schönheit, die uns in den belebten Wesen und in den herrlichen Landschaften begegnet. Und darüber hinaus sind wir ja selbst ein Bestandteil dessen, was geschaffen ist und sich im Laufe von Jahrmillionen und Jahrtausenden entwickelt hat. Alles ist letztendlich aufeinander verwiesen. Das zeigt sich im Speziellen auch darin, dass der Mensch von der Existenz der Pflanzen profitiert. Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist ein Bestandteil der Flora, die sich in unserer Heimat wohl fühlt und daher natürlich vorkommt. Man findet ihn auf ungedüngten und kargen Wiesen. Man muss schon genau hinsehen, um dieses Heilkraut zu entdecken, da es sich in seiner Farbe kaum von seinen ihn umgebenden pflanzlichen Individuen abhebt. Beim Erblicken erkennt man ihn aber gleich an der leicht gefalteten Form der Blätter, die ihm auch seinen Namen eingetragen hat. Als weitere Besonderheit scheiden die Blätter Wasser als „Tautropfen“ aus, die am Blattrand wie schimmernde Perlen sitzen. Zu den Inhaltsstoffen des Frauenmantels zählen vor allem Gerb- und Bitterstoffe, ein wenig ätherisches Öl und eine Spur von Salizylsäure. Dieser „Cocktail“ kann auf verschiedene Weise abgerufen werden und zum Vorteil des Körpers zum Einsatz gelangen. Um noch einmal auf die Bezeichnung des Heilkrautes zurückzukommen, wissen wir aus der Tradition der Naturheilkunde, dass dieses Gewächs hauptsächlich bei den verschiedenen Frauenleiden als begleitende Hilfe verwendet wurde, was auch heute noch geschehen kann. Im Hinblick auf seine zusammenziehende Eigenschaft, die auf dem Vorhandensein von Gerbstoffen beruht, dürfen wir noch an eine äußerlich angewandte Praxis denken, die vom Geschlecht unabhängig ist. Bei einem Besuch des Zahnarztes muss wohl oder übel manchmal etwas aus dem Kiefer extrahiert werden. Man könnte auch ganz einfach sagen, dass ein Zahn gezogen werden muss. Nach diesem notwendigen Eingriff ist es dann in weiterer Folge sinnvoll, die Mundhöhle zu umsorgen. Hier ein praktischer Tipp dazu.

Gurgelwasser aufgießen

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Frauenmantels nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und in ein Glas füllen. Nachdem man einen Zahn gezogen bekommen hat, kann man zu Hause nach einiger Zeit darangehen, mit dem lauwarmen Tee zu gurgeln und den Mund auszuspülen, um den Heilungsprozess des Kiefers zu unterstützen. In gleicher Weise eignet sich der Aufguss auch bei entzündlichen Herden im Mundraum.

Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Nachsorge mit Kräutern

Ein Bad für die Nerven

Wenn wir uns über die Gesundheit unterhalten und darin ein großes Geschenk an unser Leben entdecken, so ist das nur recht und gut. Gar zu leicht kann einem diese nämlich abhandenkommen. Daher gibt es viele Ratschläge und Tipps, wie man einer möglichen Krankheit vorbeugen kann. Manchmal fehlt einem jedoch die Zeit und die nötige Aufmerksamkeit, um sich gegen Infektionen, Verschleißerscheinungen und ähnliches zu wappnen. Gerade bei den Nerven merken wir erst relativ spät, wie sehr wir mit ihnen an unsere Grenzen stoßen. Heublumen, Melisse und Thymian sind die Zutaten der heutigen Kolumne, mit denen ich diesmal einen Verweis geben möchte, um im wahrsten Sinne des Wortes Nachsorge zu betreiben. Denn oft kommt etwas, über das wir uns aufregen müssen, ganz abrupt und unvorhergesehen daher. Oder wir geraten vielleicht sogar ohne unser Verschulden in eine Konfliktsituation, die uns schwer belastet. Aber es gibt darüber hinaus zig andere Gründe, die zu einer übermäßigen Anspannung des eigenen Nervengeflechts führen. Nun, da Leib und Seele eine Einheit bilden, darf man ruhig versuchen, mit pflanzlichen Hilfen über unseren Körper auch das Gemüt und die Nerven zu erreichen. In den Heublumen, die man gerne noch für viele andere Beschwerden einsetzt, sind eine Fülle von Kräuterbestandteilen enthalten, die auch eine dementsprechend hohe Anzahl an Inhaltsstoffen und Wirkkräften aufweisen. Und dieses breite Band an positiven Effekten kann dazu angetan sein, die Physis zu stärken und somit eine spürbare Entspannung zu erzielen. Von der Melisse wissen wir ohnehin, dass sie sehr ausgleichende und die Nerven unterstützende ätherische Öle besitzt. In ähnlicher Weise ist das beim Thymian der Fall, der im Allgemeinen als stärkend für die Atemwege gilt. Dazu möchte ich noch bemerken, dass, wer gesunde und kräftige Atemwege besitzt, auch umso besser ein angegriffenes Gemüt wieder aufwärts streben lassen kann. Ein Bad vereint das eben Beschriebene.

Heublumenbad mit Ergänzung

Um sich ein beruhigendes und die Nerven stärkendes Bad anzurichten, benötigt man einen guten Zusatz. Der wird folgendermaßen zubereitet: 200 g Heublumen werden mit 25 g Melissenblättern und ebensoviel zerkleinertem Thymiankraut abgemischt und mit 3 Liter kaltem Wasser übergossen. 1 Stunde stehen lassen und dann kurz aufkochen. Danach abseihen und dem Badewasser in der Wanne hinzufügen. 10 Minuten darin baden und dabei den Körper gut abreiben. Hilft bestens nach nervlichen Herausforderungen.

Blumenwiese für Heublumen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Nicht zu verachten

Brombeerblätter bei Durchfall

Jedes Mal, wenn ich die Heilkräuter betrachten kann, staune ich, wie schön sie gestaltet sind, wie gut sie mit den Standortbedingungen zurechtkommen und wie sehr sie dem Wohl von Leib und Seele dienen können. Doch betone ich bei meinen Vorträgen ebenfalls, dass man sich von den Heilpflanzen keine Wunder erwarten darf. Denn immerhin sind sie darauf angelegt, den Menschen das ganze Leben lang zu begleiten. Man sollte ihnen daher auch Zeit geben, um ihre Wirkung entfalten zu können. Die Brombeeren (Rubus fruticosus) gehören auch zu den die Gesundheit unterstützenden Gewächsen. In erster Linie sind wohl die meisten an den herrlich schmeckenden Beeren interessiert, die sich roh genießen lassen und umso besser munden, je reifer sie sind. Aus ihnen kann man auch einen Saft gewinnen, der sich als wertvoll erweist, weil er dem Blut gut tut und Vitamine in den Körper einbringt. Eine Marmelade aus Brombeeren ist ebenso nicht zu verachten. Was bei diesen Überlegungen leicht unter den Tisch fallen kann, sind die Blätter der Ranken, an denen die begehrten Früchte hängen. Diese wiederum enthalten eine Menge an Gerbstoffen und pflanzlichen Säuren, die sich ihrerseits als zusammenziehend erweisen. Nun kann man die Hilfe von Kräutern nicht immer nur auf eine längere Zeit hin anlegen. Manchmal ist es notwendig, eine Wirkung recht rasch an Ort und Stelle zu bringen, um eine Besserung herbeizuführen. Das ist besonders bei Durchfall angesagt. Denn gerade der Darm sollte gut und geregelt funktionieren, damit die aufgenommene Nahrung gründlich verwertet werden kann. Mit den Blättern der Brombeeren kann man also dem Darm eine gewisse Bremse anlegen.

Tee mit Gerbstoffen

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Brombeeren nimmt man 2 Teelöffel voll, übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser und lässt den Aufguss 15 Minuten lang ziehen. Dann abseihen und schluckweise trinken. Auf Zucker und Honig verzichten, also nicht süßen. Am Tag 2 bis 3 Schalen davon trinken, um eine wirksame Hilfe bei zu flottem Stuhlgang herbeizuführen.

Brombeerranken mit Blüten und Früchten (Rubus fructicosus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya