Beerenreiche Hilfe

Der Weißdorn und der Wechsel

Dem Herbst muss man eines zugutehalten: er ist der beste Künstler unter den vier Jahreszeiten. Gottlob hatten wir in den vergangenen Tagen genug Gelegenheit, um die bunten Wälder in allen Farbschattierungen zumindest visuell zu genießen, da die Blätter bei Sonnenschein vor ihrem endgültigen Fallen aufleuchteten. Gewiss kommt es bei diesen Bildern ebenso auf die kleinen Tupfer im Gesamtkolorit der Natur an. Bei genauerem Hinsehen stechen da so manche Früchte besonders hervor. Unter dem Spektrum Rot ist hier vor allem der Weißdorn (Crataegus) zu nennen, dem wir öfter als uns manchmal bewusst ist, an Waldrändern begegnen. Für mich persönlich ist es nicht nur ausschlaggebend, dass er unseren Kreislauf ganz positiv beeinflussen kann. Habe ich die Gelegenheit, mit Interessierten eine Kräuterwanderung durchzuführen, so bleibe ich gern beim Hagedorn, wie er früher auch bezeichnet wurde, stehen. Ich nehme einen zarten Zweig in die Hand und halte ihn in die Nähe meines Herzens. Die Blätter sind sehr schön anzusehen, denn sie besitzen eine Ästhetik, die bestechend ist. Trotzdem üben sie mit ihrem grünen Laubkleid Zurückhaltung. Im Herbst nun treten die Früchte des Feldgehölzes gleichsam hervor, weil ihre rote Farbe uns anscheinend sagen möchte: Jetzt bin ich für dich da! Im Speziellen betrifft dies eine Übergangsphase des Lebensverlaufs, wofür die meteorologische Spanne zwischen Sommer und Winter gleichsam ein Bild abgibt: für den Wechsel. Die Inhaltsstoffe der Weißdornbeeren können durchaus dazu beitragen, um so manche Unannehmlichkeit, die mit dieser Zeit verbunden ist, abzufedern.

Tinktur aus Weißdornbeeren

Reife und zerkleinerte Früchte des Weißdorns werden mit einer Menge von 250 g in 1 Liter 70%igem Obstbrand bzw. Ansatzalkohol in einem verschlossenen Glas 14 Tage lang stehen gelassen. Danach abseihen, mit destilliertem Wasser auf 30 % Alkoholgehalt verdünnen und in Fläschchen füllen. Am besten lichtgeschützt lagern. Bei Wallungen in den Wechseljahren kann man diese Tinktur dazu verwenden, um mit ihr 2-mal täglich die Fußsohlen, die Waden, die Kniekehlen und die Innenseiten der Oberschenkel bis knapp unter der Leiste fest abzureiben.

Weißdorn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Dem Wundliegen vorbeugen

Kalmus als Pflegehilfe

Das Leben ist vielschichtig und herausfordernd. Die großen Themen wie Wirtschaft, Friedensbemühungen, Klimawandel und Energieverbrauch sind nicht nur ein Auftrag für die Politik im eigenen Land sowie weltweit, sondern bewegen auch alle jene, die sich Gedanken über die Zukunft unseres Planeten machen. Das Einzelschicksal bedarf jedoch ebenso der Aufmerksamkeit vieler. Denn oft finden Menschen weniger Beachtung, die durch eine schwere Behinderung oder durch eine Krankheit an den Rollstuhl oder gar ans Bett gefesselt sind. Mit dem Kalmus (Acorus calamus) soll heute daher einmal dieses Anliegen in den Vordergrund treten. Schauen wir uns zu Beginn die Herkunft des wasserliebenden Gewächses an. Die Ursprünge des Kalmus liegen in Südchina und Vorderindien. Im 16. Jahrhundert wurde er über Konstantinopel nach Europa gebracht, wo er fortan in Gärten und Parks als Heilpflanze kultiviert wurde. Da er sich gleichsam selbständig machte, kann man ihn durchaus in freier Natur antreffen. Sieht man sich die Wirkstoffe des Kalmus an, so ist er aufgrund seiner Bitterstoffe verdauungsfördernd und magenstärkend, zudem stoffwechselanregend, zusammenziehend und krampfstillend. Er erweist sich überdies als unterstützend für die Haut, womit wir bei einem Anliegen angekommen wären, das vor allem jene betrifft, die gehbehindert oder bettlägerig sind. Denn die Druckstellen, die durch eine vermehrte Immobilität entstehen, führen häufig zu offenen Stellen auf der Haut. Mit dem Kalmus kann man mithelfen, diesen Umstand besser in den Griff zu bekommen.

Kalmusöl zur Hautstärkung

250 g der zerkleinerten Kalmuswurzel in 1 Liter naturreinem Olivenöl in einem Glas verschlossen ansetzen. Täglich durchschütteln und am Schluss abseihen, die Wurzelstücke auspressen und das abgefüllte Öl dunkel und kühl lagern. Damit reibt man dann die im Hinblick auf das Wundliegen gefährdeten Hautstellen der Patienten, wie Füße, Waden, Schulterblätter, Ellbögen und Kopfrückseite, wiederholt ein.

Kalmus ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kräuter veredeln

Diesmal mit Pfefferminze

Was trägt dazu bei, um uns als Menschen zu prägen und zu formen? Neben einer vertrauensvollen familiären Geborgenheit sind dies wohl die Erziehung im schulischen Umfeld und die möglichst weit fassende Bildung. Schließlich darf noch dazu jeder an sich selbst arbeiten, um ein gutes Stück reifer zu werden. Wenn man nun die Pflanzen vor sich hat, die unter den Begriff Heilkräuter fallen, so sollen diese ja ebenfalls auf irgendeine Art verarbeitet werden, um dann in veredelter Form bei unserer Physis anzukommen. Lasst uns in diesem Sinne einmal mehr auf die Pfefferminze (Mentha piperita) schauen und auf das, was man mit ihrer Hilfe bewirken kann. In vielen Kräutergärten trifft man dieses wohlaromatische Gewächs an, das auf verschiedene Arten zurückzuführen ist, von denen sie abstammt. In unserer Heimat begegnet man in der freien Natur eher bloß einem Elternteil der Pfefferminze, und zwar der Bachminze, die entsprechend ihrem Namen feuchte Standorte bevorzugt. Die Stängel der Pfefferminze sind vierkantig und rötlich angelaufen. Sie kann eine Höhe von 80 cm erreichen und ist an ihrem intensiven mentholartigen Geruch zu erkennen. Die Pfefferminze wirkt bei nervlich bedingten Magen- und Darmstörungen krampflösend und regt die Tätigkeit der Leber an. Sie hat auch schmerzlindernde und nervenstärkende Kräfte. Wer Pfefferminztee trinkt, soll ihn nicht über eine zu lange Zeit zu sich nehmen, sondern mit anderen Kräutern wechseln. Jetzt, da in den kommenden Monaten wiederum mehr die traute Häuslichkeit gepflegt wird, mag mithilfe der Heilpflanzen das eine oder andere ausprobiert und in Eigenregie hergestellt werden. Dabei kann die Pfefferminze durchaus dienlich sein. Vielleicht möchte man z. B. einen wohlschmeckenden und magenstärkenden Digestif dabei ansteuern.

Pfefferminze-Schnaps

In einem verschließbaren Glas werden 5 gehäufte Esslöffel voll frischer oder getrockneter zerkleinerter Pfefferminzblätter mit 3/4 Liter 45%igen Obstbrand übergossen und an einem sonnigen Zimmerplatz verschlossen stehengelassen. Nach 14 Tagen filtrieren, den Rückstand mit 1/4 Liter destilliertem Wasser übergießen, kurz stehen lassen und durchrühren. Danach filtrieren und die Flüssigkeit zum Obstbrand geben. Gut vermischen, in Flaschen abfüllen und in einem dunklen kühlen Kellerraum etliche Tage ruhen lassen. Stamperlweise genießen.

Pfefferminze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Unterstützung für den Magen

Der Kümmel bringt sie ein

Vieles geht durch den Magen, nicht nur die sprichwörtliche Liebe. Wir bedenken oft gar nicht, welche Mengen an Nahrung im Laufe unseres Lebens den Verdauungsmuskel passieren, um in brauchbare Zufuhr für den ganzen Organismus umgewandelt zu werden. In Zeiten des Wohlstandes kann es leicht geschehen, dass es dabei des Guten zu viel wird. Da braucht es wohl ab und an eine bewährte Hilfe, die wir über die Verdauung Richtung Bauch schicken. Ich denke dabei an den Echten Kümmel (Carum carvi). Einst rund um das Mittelmeer beheimatet, hat er sich im Laufe der Zeit in andere Regionen unseres Kontinents verbreitet. Als möchte er seine Herkunft nicht leugnen, bevorzugt er aber immer noch trockene und helle Standorte. Der wichtige Vertreter der Familie der Doldengewächse (Apiaceae) ist auch reich an Kieselsäure, Eisen- und Magnesiumoxid. Wenn wir nun demnächst nach der Sonne lechzen werden, dann können wir uns der natürlichen Reserven bedienen, die in so vielen Gewächsen quasi eingeschlossen sind, weil sie Licht und Wärme in gute Wirkstoffe umgewandelt haben. Der Kümmel bringt als Gewürz und als Heilpflanze eine Helle in unseren Organismus, die sich unter anderem auch positiv auf unser Gemüt auswirkt. Gerade vom Magen aus wird unser Allgemeinzustand wesentlich bestimmt und bei Unwohlsein in gute Bahnen gelenkt. Der guten Verdauung kann man eine Unterstützung zukommen lassen, die sich im Kümmel anbietet.

Kümmel-Tee trinken

Man nimmt 2 Teelöffel voll Kümmelkörner, die man im Mörser anstößt, und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten lang ziehen lassen und dabei zudecken, damit sich die wertvollen ätherischen Öle nicht zu sehr verflüchtigen. Den Tee abseihen, in der Früh und am Abend eine Tasse voll trinken. Das hilft einem verstimmten Magen wieder gut auf die Beine und wendet unsere Verfasstheit zum Guten.

Kümmel ⓒ wikimedia.commons





Die Arzneipflanze des Jahres 2018

Der Andorn ist sehr wertvoll

An der Universität der unterfränkischen Stadt Würzburg ist ein Forschungsinstitut angesiedelt, das sich nun schon seit geraumer Zeit mit dem Wissensgebiet der mittelalterlichen Klostermedizin befasst. Von dort aus wird alljährlich eine Arzneipflanze als sogenannter Jahresregent ausgerufen. Vorausblickend auf 2018 ist es diesmal der Andorn (Marrubium vulgare). Manche Heilpflanzen sind wohl seit alters her bekannt, doch fallen sie bisweilen dem Vergessen anheim. Daher ist es gut, durch mediale Akzente Liebenswertes und Hilfreiches wieder in Erinnerung zu rufen. Der Andorn gehört zu den Lippenblütlern und hat seine ursprüngliche Heimat rund um das Mittelmeer. Früh schon wurde er in Gärten kultiviert und für die Heilkunde genutzt, was u. a. auch archäologische Funde aus der Steinzeit beweisen. Er wächst gerne entlang von Wegen und bevorzugt sonnige Lagen in der Nähe von Mauern und auf Schutthalden. Wie sein wissenschaftlicher Name bereits aufzeigt, enthält das Kraut des Andorns den Stoff Marrubiin, der sich anregend auf die Verdauungsorgane auswirkt. Darüber hinaus hat sich der Andorn auch bei Husten und Bronchitis als gute Unterstützung erwiesen. Um sich die Hilfen der Arzneipflanze des kommenden Jahres zugänglich zu machen, ist es möglich, auf die getrocknete Blattdroge zurückzugreifen, die auch im Kräuterpfarrer-Zentrum erhältlich ist. Diese kann nicht nur als Tee zum Einsatz kommen, sondern darf ebenso auf andere Weise als Hausmittel verwendet werden.

Öl-Auszug mit Andorn

30 g getrocknete Andorndroge übergießt man mit 1/2 Liter reinem Olivenöl. 14 Tage lang in einem verschlossenen Glas in die Sonne stellen und täglich einmal gut durchschütteln. Danach abseihen und den verbliebenen Rückstand zusätzlich auspressen. Lichtgeschützt in Fläschchen lagern. Bei Ohrenschmerzen kann man z. B. eine paar Tropfen davon ins Ohr einträufeln. Bei leichter Verstopfung wiederum sollte man 2-mal täglich 1 Teelöffel davon einnehmen. Danach einen Schluck Milch nachtrinken oder ein Stück Brot essen. In der Schwangerschaft nicht anwenden! Auch Kindern unter 12 Jahren keinesfalls verabreichen!

Andorn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Auf Magen und Leber zusteuern

Odermennig sorgt für Ausgeglichenheit

Nur ruhig Blut! – so ruft man jemandem zu, der gerade aufbrausend meint, sein menschliches Gegenüber bezwingen zu müssen. Ja, die innere mentale Balance ist etwas, die einem ganz leicht abhandenkommen kann. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht ganz einfach ist, immer ruhig und ausgewogen zu sein. Doch blicken wir einmal auf das physische Innere, das in einem engen Zusammenhang mit unserem Gemüt steht. Und vergessen wir dabei den Odermennig (Agrimonia eupatoria) nicht. Die inneren Organe wie Magen und Leber beeinflussen sehr wohl unsere seelische Verfassung. Die Wirkstoffe des Odermennigs eignen sich bestens, um die Verdauung und die Entsorgung der Giftstoffe in geeigneter Weise zu unterstützen. Denn die Heilpflanze fördert z. B. die Leistungsfähigkeit der Leber. Ärger, zu viel Alkohol und Nikotin und in den Lebensmitteln enthaltene schädliche Substanzen verlangsamen die beständige Erneuerung der Leberzellen. Die dadurch verlorene Spannkraft des Organes kann sich dann auf den gesamten Organismus übertragen. Der Odermennig wird von der Volksheilkunde schon lange geschätzt. Er enthält nämlich wohlriechende ätherische Öle, Bitter- und Gerbstoffe, die der gesamten Verdauung bei jeglicher Art von Beeinträchtigung erneut auf die Sprünge helfen können. Dieses heilende Rosengewächs ist in seiner Beschaffenheit sehr gut geeignet, uns zu unterstützen, dass wir im Inneren wieder ausgeglichener werden, was auch auf unsere Art, dem Nächsten zu begegnen, gute Folgen zeitigt.

Odermennig in Kombination

Der gelb blühende Odermennig verträgt sich in Teemischungen sehr gut mit anderen Heilkräutern. Vorzüglich lässt er sich u.a. mit der Echten Goldrute kombinieren. Eine Mischung zu gleichen Teilen ergibt einen hilfreichen im Heißaufguss angerichteten Tee, der eine belebende und blutreinigende Wirkung aufweisen kann. Es ist aber auch möglich, dies mit Schafgarbe oder Ringelblumenblüten zu tun.

Odermennig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Wurzeln heben

Die unterirdische Brennnessel nutzen

Die Zeit, um das so genannte „Unkraut“ zu jäten, ist wohl bald vorüber. Denn schließlich erledigt das immer kürzer währende Tageslicht von selbst, dass Pflanzen sich zurückziehen und kaum mehr wachsen. Das gilt eben auch für die Stellen im Garten, die das Jahr über unserer Pflege bedürfen. Im Zuge so mancher herbstlichen Säuberungsarbeiten darf uns eines in unseren Gedanken aufgehen: das, was wir Menschen oft als gering einstufen, kann sich durchaus als nützlich und brauchbar herausstellen. Bleiben wir doch einmal bei der Brennnessel (Urtica dioica). Dieses Gewächs breitet sich meist dort aus, wo ein ehemals genütztes Areal stillgelegt ist und die menschliche Hand dem Boden und somit auch dem, was aus freien Stücken darauf gedeiht, fernbleibt. Ohne unser Zutun breitet sich dort die Brennnessel aus. Für mich ist das ein Zeichen von Lebenswillen und großem Selbstbewusstsein. Immerhin hat die Brennnessel ja für Letzteres Grund genug. In der Liste ihrer Wirkstoffe scheint vieles auf, was unserem Leib guttut, so u. a. Kieselsäure, Gerbstoffe, Ameisen- und Essigsäure und sogar die Vitamine A und C. Vergessen wir darüber hinaus auch nicht auf die mineralischen Spurenelemente, die sich in ihr befinden, nämlich Magnesium, Eisen, Kalium, Silizium und Natrium. Und wenn wir dabei nur an das obere Stockwerk der Brennnessel denken, das oberirdisch grünt, so dürfen wir dabei aber die Wurzel nicht vergessen, die ebenso unserem Wohlbefinden dienlich sein kann. Gerade dann, wenn man versucht, eine Brache wiederum urbar zu machen, indem man den Spaten zum Umgraben benützt, fällt dabei oft die unterirdische Brennnessel an. Die Wurzeln helfen uns im wahrsten Sinne an Haut und Haar.

Brennnessel-Essig für die Haare

Kleingeschnittene Brennnessel-Wurzeln werden im Verhältnis 1 : 4 in Weinessig angesetzt. Nach drei Wochen abseihen und abfüllen. Um gegen Haarausfall und Schuppenbildung vorzugehen, verwendet man diesen Brennnessel-Essig mit Wasser verdünnt als Einreibung. In geringer Dosierung (1 Teelöffel voll 2-mal am Tag in etwas Wasser) kann man den Essig gleichzeitig auch innerlich anwenden.

Brennessel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Sonnenschein portionieren

Die Melisse hält ihn parat

Früher, als es noch nicht die Errungenschaften von elektrischem Licht und ausgebauten Heizsystemen in den Häusern gab, war das Leben viel mehr von den Jahreszeiten abhängig als heutzutage. Das ist noch gar nicht so lange her. Wer jedoch meint, diesen Rhythmus vom Auf und Ab des Tageslichtvolumens bzw. der Außentemperaturen nicht beachten zu müssen, der übersieht Wesentliches. Der Körper selbst ist darauf angelegt, mit diesem Zyklus konform zu gehen. Die Melisse (Melissa officinalis) kann uns jedoch dabei helfen, auch das, was sie im Frühjahr und vor allem im Sommer an Energie und Sonnenlicht getankt hat, in die vor uns liegenden trüberen Tage mit hineinzunehmen. Schauen wir uns ihre Heilwirkung einmal näher an. Den meisten wird wohl das ätherische Öl bekannt sein, das man wahrnimmt, wenn man an einem frischen Büschel Melisse riecht. Das Kraut bringt einen belebenden und erfrischenden Effekt mit sich. Andererseits ist jener Lippenblütler ebenso krampflösend und beruhigend, nervenstärkend, schlaffördernd, verdauungsunterstützend und daher magenstärkend, blähungstreibend sowie leber- und gallenanregend. Mit dieser breiten Palette lässt sich durchaus einiges anfangen. Nun gilt es vor allem vorzubauen und in wohl überlegter Weise auf das Gemüt zu blicken, das sicher dankbar ist, einiges an Licht und Sonne entgegenzunehmen, auch wenn die Nebel und die Wolken dies deutlich erschweren. In vielen Kräutern birgt sich das, was die Blätter und die Blüten vom sonnigen Himmel in Empfang nahmen. Von der Melisse können wir diese Kraft gerade im Übergang vom Herbst zum Winter abrufen.

Melissen-Auszug für Leib und Seele

Das im Sommer geerntete frische Melissenkraut wurde im Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein zu einem alkoholischen Auszug verarbeitet, der nun jederzeit zur Verfügung steht. Von dieser Flüssigkeit nimmt man am besten 3-mal täglich 1 Esslöffel voll ein. Damit wird die allgemeine Befindlichkeit gut unterstützt und eine Ausgeglichenheit herbeigeführt. Die Verdauung erhält dadurch ebenfalls eine pflanzliche Hilfestellung. Gerade im Herbst ist diese begleitende Maßnahme ratsam. Den Melissen-Auszug erhalten Sie unter Tel.-Nr. 02844/7070-11, per E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at oder im Webshop

Melisse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gemütlichkeit im Badezimmer

Den Beifuß ins Wasser geben

Wenn man beim Spazierengehen die Augen offenhält und für die Gegebenheiten Interesse zeigt, mit denen die Gewächse zurechtkommen, wird einem eine Tatsache früher oder später auffallen: der Boden, wo viele Kräuter wurzeln, ist ein äußerst karger. Denn das menschliche Zutun in Form von Ackern, Düngen und Mähen kommt meist nur auf den Äckern und Beeten zum Tragen, keineswegs aber am Wegrand abseits der Straßen und Trottoirs. Meist ist es ein sandiger oder lehmiger Untergrund, den man dort vorfindet. An trockenen Standorten fühlt sich der Beifuß (Artemisia vulgaris) wohl. Er gedeiht auch dann, wenn das Wasser nicht so reichlich vorhanden ist. Das zeigt er vor allem dadurch, dass er mit Vorliebe an sonnigen Stellen auf Böschungen, an Wegrändern und Bahndämmen im übertragenen Sinn sein Quartier aufschlägt. Ein durchlässiger Boden ist ihm am liebsten. Viele gehen oft am Wilden Wermut, wie der Beifuß unter anderem genannt wird, vorbei, ohne zu ahnen, dass dieses Kraut durchaus mehr kann, als einen knusprigen Braten zu würzen oder einfach als kaum zu definierendes Grünzeug herumzustehen. Letztlich ist ja vieles, was bitter ist wie eben unser heutiges Gewächs, auch gesund. In der Tat kann der Beifuß mithelfen, selbst unsere Zellen im Organismus zu straffen. Wir müssen aber nicht darangehen, gleich einem Pflanzenfresser das bittere Kraut über den Mund in den Stoffwechsel einzubringen. Dazu gibt es durchaus Alternativen. Vergessen wir nicht auf die Haut, die nicht nur die Funktion des Abgrenzens und somit des Schutzes erfüllt, sondern ebenfalls als durchlässiges Gewebe einen Mittler zwischen Außenwelt und Körperinneres darstellen kann. Das kommt vor allem dann zum Tragen, sobald man es sich im eigenen Bad gemütlich macht, die vorhandene Wanne füllt und eben den Beifuß als Kräutergefährten konkret dabei einsetzt.

Badezusatz mit Beifuß

Ca. 150 g von frischen oder getrockneten Stängeln und Blättern des Beifußkrautes werden mit 2 Liter kochendem Wasser übergossen. 1/2 Stunde zugedeckt ziehen lassen, abseihen und dem Badewasser hinzufügen. 15 Minuten darin baden. Das stärkt u. a. die Zellen des Kleinhirns und hilft mit, die motorische Kraft der Nerven in gute Bahnen zu lenken. Darüber hinaus zeitigt diese Anwendung ebenso eine beruhigende Wirkung.

Beifuß ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Einfach und effektiv

Löwenzahn als Vorbeugung

Manager und Geschäftsführer spielen in Betrieben und Institutionen eine wichtige Rolle. Sie sind für die maßgeblichen Vollzüge verantwortlich und schaffen im besten Fall viel Gewinn herbei, der wiederum Arbeitsplätze absichert. Übertragen wir doch diese Eignung einmal auf die Pflanzen und suchen wir nach geeigneten Kräften, die den Körper fit halten. Da richtet sich heute mein Blick auf den Löwenzahn (Taraxacum officinale), der draußen in der Natur momentan kaum ins Gewicht fällt. Denn die Vegetation befindet sich auf dem Rückzug und mit ihm auch der Löwenzahn. Damit ist aber das Interesse für unseren allseits bekannten Korbblütler noch nicht abgetan. Denn immerhin konnten wir uns einiges aus dem Frühjahr und Sommer aufbewahren. Der gelbblühende Wiesenregent enthält in all seinen Wuchsteilen einen Anteil an Bitterstoffen. Das weiß wohl jeder, der sich schon einmal seine frischen Blätter zu Gemüte geführt hat. Aber gerade sie sind sehr wertvoll, obwohl womöglich der Gaumen anderer Meinung ist. Der Löwenzahn trägt nämlich sehr viel dazu bei, dass der gesamte Stoffwechsel in unserem Organismus gut abläuft und in einem ausgewogenen Maße mithilft, sämtliche Funktionen der Physis zu unterstützen. Wer den Löwenzahn als Unkraut abtut, der geht weit fehl. Bereits die Überlieferungen aus dem Mittelalter und seiner damals gepflegten Klostermedizin berichten uns von einer effektiven Verwendung des Löwenzahns. Der Herbst ist die Zeit der Vorbereitung auf den Winter. Damit sollte ruhig die eine oder andere vorbeugende Maßnahme einhergehen. Sieht man nun noch bei einem Spaziergang da und dort einige grüne Blätter vom Löwenzahn, darf man dies als Erinnerung an den „Manager“ für unsere Gesundheit verstehen.

Tee aus getrockneten Blättern

Von den Blättern des Löwenzahns, die bereits getrocknet und zerkleinert vorhanden sind, nimmt man 2 Teelöffel voll und gießt 1/4 Liter kochendes Wasser darüber. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Eine Zeit lang täglich in der Früh und am Abend eine Tasse Löwenzahntee trinken. Das regt vor allem den Stoffwechsel und die Gallensekretion an und festigt somit die Gesamtkonstitution des Körpers.

Löwenzahn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya