Wenn Hände und Füße schwitzen

Die Alantwurzel zu Hilfe nehmen

Rund um die freien Tage ist es bei vielen angesagt, sich als Familie einzufinden, um an den Gräbern der Verstorbenen zu gedenken und nach einiger Zeit wieder einmal nach Hause zu kommen. Sieht man die jugendlichen Verwandten länger nicht, weil sie sich z. B. zur schulischen oder beruflichen Ausbildung an entfernteren Orten aufhalten, staunt man dann oft beim Wiedersehen nicht schlecht, weil sie an Größe zugelegt haben. Eine Pflanze, die in unserem klösterlichen Kräutergarten Sommer für Sommer gedeiht und ein Beet ausfüllt, schafft Vergleichbares im Wachstum. Ich spreche vom Echten Alant (Inula helenium), der nicht selten eine Höhe von zwei Metern erreicht. Seit jeher wurden die heilenden Wirkungen des Alants hoch geschätzt. Nach den Erkenntnissen der fernöstlichen Medizin bringt der Alant das Blut in Bewegung, behebt Stauungen im Körper und löst hartnäckigen Schleim. In der Zeichensprache der Pflanzen, wie die europäische Sichtweise den Zugang zu den Kräutern seit Jahrhunderten gebahnt hat, weist er auf die Tugend der Selbstachtung hin. Diese Haltung hat nichts mit Stolz oder Überheblichkeit zu tun. Aber gehört es nicht zur vermehrten Diagnose unserer hektischen Zeit, wo viele dem Leistungs- und Erwartungsdruck unzähliger anderer entsprechen müssen, dass man sich oft nur sehr gering einschätzt? Kein Wunder, wenn dann nervlich bedingt Hände und Füße vermehrt schwitzen. Jetzt im Herbst ist nicht mehr die Höhe des Alants von Interesse, sondern vielmehr die Wurzel.

Alantwurzel pulverisieren

Die im Herbst gegrabene und getrocknete Wurzel kann man zerkleinern und schließlich zerreiben, bis daraus ein Pulver entsteht. Bei nervös bedingten schweißnassen Händen oder Füßen soll man diese mit Alantwurzel-Pulver kräftig einreiben. Danach schließt man ein warmes Bad im Waschbecken bzw. in einer Wanne von 10 Minuten Dauer an, wobei man die betroffenen Hände bzw. die Füße aneinander reibt.

Alant ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn das Wetter umschlägt

Labkraut stärkt den Körper

Hochjauchzend und zutiefst betrübt zeigte sich noch in den letzten Tagen das Wetter. Nun dürfte es aber richtig auf Allerheiligen zugehen, eben was die Temperaturen draußen betrifft. Einen diesbezüglichen Wechsel zwischen warm und kalt stellt unsere Physis ganz schön auf die Probe. So soll ein Heilkraut eine Stütze dahingehend darstellen: das Gelbe Labkraut (Galium verum). Dieses zarte Gewächs unterstützt vor allem eine gute Funktion aller im Körper angesiedelten Drüsen. Und sie gilt es nicht nur zu aktivieren, wenn z. B. einiges zu verdauen oder bei anstrengenden Tätigkeiten das Schwitzen angesagt ist. Für den guten Stoffwechsel und für eine intakte Immunabwehr sind sie ebenso zuständig. Mit dem Gelben Labkraut ist es möglich, eine auf allen Ebenen ausgleichende Wirkung zu erzielen. Schauen wir in die Erfahrungsgeschichte zurück, die mit diesem Rötegewächs in Zusammenhang steht, so kennen wir Berichte, denen zufolge man bei den früher durchwegs im Haus erfolgenden Geburten den jungen Müttern Labkrauttee reichte, um die Nachwehen zu lindern, was meist mit einem guten Erfolg gekrönt war. Heute jedoch geht es uns ums Wetter mit den damit verbundenen Folgen. Gewiss ist der Kreislauf der erste Leidtragende aufgrund großer Temperaturschwankungen. Zudem stellt sich vor einem Wetterwechsel bei Manchen vermehrte Müdigkeit ein. Alles in allem beeinflussen die meteorologischen Wenden unsere Physis und ebenso unseren Geist sowie das Gemüt. Übrigens neigt man dadurch auch eher zu Erkältungen. Um dies alles abzufangen, ist es sinnvoll, das Labkraut konkret anzuwenden.

Labkraut-Badezusatz

In ein kleines Säckchen aus Leinen oder Baumwolle füllt man getrocknetes und zerkleinertes Gelbes Labkraut. Man hängt es so unter den Wasserhahn, dass in die Wanne darüber das heiße Wasser langsam hineinfließt. Danach bindet man das Säckchen zu und legt es ins Badewasser. Mit Kaltwasser gut temperieren, sodann ein Bad in der Dauer von 15 Minuten nehmen. Wer keine Wanne daheim hat, kann einen Tee aus Gelbem Labkraut zubereiten und mit einem damit getränkten Waschlappen den Körper abreiben. Das stärkt den gesamten Organismus bei wechselnden Wetterbedingungen.

Labkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Pflege fürs Gesicht

Mit der Kamille durchaus möglich

Die Marktforscher, die im Auftrag von Drogerieketten unterwegs sind, wissen darüber sicher Bescheid. Für mich wäre es nämlich interessant, wer von Männern oder Frauen länger vor den Regalen steht, in denen Produkte zur Pflege des Aussehens eingeordnet sind. Es herrschen ja auch über den Hang zur Eitelkeit unterschiedliche Meinungen vor. Hier an dieser Stelle hat die Natur das erste Wort, und so möchte ich einmal mehr auf das pflanzliche Angebot hinweisen. Wir dürfen z. B. beim Durchsehen verschiedener Varianten hierfür bei der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) hängenbleiben. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass die Kamille in keinem Hausgarten fehlen sollte. Sie ist eine eher unkomplizierte Pflanze, die sehr leicht zu kultivieren ist. Umso mehr erfreut es die Besitzer dann, wenn sie ihre selbst geerntete und aufbewahrte Ware für ihr eigenes Wohlbefinden verwenden und darüber hinaus den Familienmitgliedern und Freunden weitergeben können, um sich damit einen Aufguss zu machen, wenn der Magen ein wenig revoltiert. Kamillendrogen besitzen eine breite Wirkpalette, die von entzündungshemmend über krampflösend bis hin zu schweißtreibend und tonisch reicht. Doch sie hat ebenfalls für eine Verschönerung und Stärkung der Haut etwas im Talon. Man muss dafür nicht extra eine Beauty-Farm ansteuern, um eine derartige Packung im Gesicht landen zu lassen. Da heißt es vielmehr zuhause bleiben und sich ein wenig Zeit einräumen, damit man sich im wahrsten Sinne des Wortes wiederum besser sehen lassen kann. Und so einfach geht es:

Stärkende Waschung

Von getrockneten Kamillenblüten nimmt man 2 Esslöffel voll und übergießt sie mit 1/2 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Auf eine angenehme Temperatur auskühlen lassen. Besitzt jemand eine empfindliche Gesichtshaut, kann man mit dem Tee einfach das Gesicht gründlich abwaschen, ohne es hernach mit einem Handtuch abzutrocknen. Im warmen Zimmer an der Luft trocknen lassen. Es genügt, dies einmal pro Woche durchzuführen.

Kamille ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für Gemüt und Schlaf

Mit Roten Rüben ableiten

Leistung und Schaffenskraft sind wohl erwünschte Kategorien, die aber nicht selbstverständlich zur Verfügung zu stellen sind. Denn es kommt auf die jeweilige Verfasstheit der konkreten Personen an, die sich in den Dienst der Produktion sowie der anderen Arbeitsvollzüge der allgemeinen Berufswelt stellen können. Demgegenüber stehen das Kräftesammeln und das Ausruhen. Beides ist für unsere Gesundheit unbedingt notwendig. Aber auch dafür benötigt es manchmal eine Unterstützung. Die Roten Rüben sind als Gemüse gut bekannt. In verschiedenen Formen können sie am Tisch konsumiert werden. Generell dürfen wir diese Gaben der Natur als sehr wertvoll einstufen. So deutet die Farbe des Fruchtfleisches sowie des daraus zu gewinnenden Saftes markant darauf hin, dass die Roten Rüben die Erneuerung und die gute Konsistenz des Blutes fördern können. Die Verdauung dankt es ebenfalls, wenn sie mit diesem Geschenk des Gartens konfrontiert wird. Zudem gibt es äußerliche Anwendungen, bei denen vor allem die ableitende Kraft der Roten Rüben zum Tragen kommt. Wenden wir uns noch einmal dem eingangs gewälzten Gedanken zu: Das Ausruhen und Kräftesammeln hat nichts mit Faulenzen zu tun. Nein, es geht vielmehr darum, den Organismus nach Anstrengung und Hektik erneut in ein Gleichgewicht zu führen, das uns ermöglicht, von neuem zu guter Tat und zeitgerechter Reaktion zu gelangen. Wer zu wenig schläft, betreibt an seinem eigenen Körper einen Raubbau, den er nicht verdient hat. Die Roten Rüben können mithelfen, manche Spannungen abzubauen und sie aus dem Körper zum Wohle des Schlafes sowie auch des Gemütes abzuleiten.

Rote Rüben für die Füße

Wer unter Schlaflosigkeit, Übermüdung oder gar Depressionen leidet, darf folgenden Rat beachten: Rote Rüben reiben und mit ein paar Tropfen naturreinem Olivenöl abmischen. Zwei Leinenfleckerl damit bestreichen, über Nacht auf beide Fußsohlen auflegen und befestigen. Damit wird eine gute Ableitung gewährleistet, die mithilft, ausgeglichener und lockerer zu werden.

Rote Rübe ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wiederkehrender Zyklus

Der Dost kann Frauen helfen

Unser Leben wird von mannigfaltigen Faktoren bestimmt. Solange wir gesund sind und der Körper klaglos seinen Dienst vollzieht, richten sich unsere Sorgen eher auf das, was im Beruf und im Haushalt notwendig ist. Doch dann und wann meldet sich der Leib gleichermaßen zu Wort, wenn z. B. Schmerzen zu spüren sind. Die können sich jedoch durchaus auch bei ganz normalen Vorgängen wie etwa beim Wachstum oder der monatlichen weiblichen Regel sehr unangenehm bemerkbar machen. Dem möchte ich heute ein ganz besonderes Kraut zur Seite stellen. Es ist der Dost (Origanum vulgare), den wir auch unter den Bezeichnungen Oregano oder Wilder Majoran kennen. Viele von den Lesern dieser Zeilen sind wahrscheinlich schon bei dem einen oder anderen Waldspaziergang am Dost vorbeigeschlendert, ohne zu wissen, welche Köstlichkeit da unweit des Weges wächst. So steht er gerne in lichten Wäldern, auf Schlägen und an Waldrändern. Manchmal ist er aber ebenso direkt auf einer Wiese oder inmitten der Heidelandschaft zu entdecken. Die Blätter und Blüten des Dosts rebelt man bei der sommerlichen Ernte nach dem Trocknen desselben von den Stängeln ab und verwahrt das Gewürz dunkel und trocken. Nun eignet sich der Wilde Majoran nicht bloß zum Aromatisieren verschiedener Speisen und Gerichte. Gerade dann, wenn mit dem Menstruationszyklus von Mädchen und Frauen Schmerzen einhergehen, sollte dieses Kraut als Begleitung verwendet werden.

Tagesgetränk Dost-Tee

Man nimmt 2 Teelöffel voll Kümmelkörner, die man im Mörser anstößt, und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten lang ziehen lassen und dabei zudecken, damit sich die wertvollen ätherischen Öle nicht zu sehr verflüchtigen. Den Tee abseihen, in der Früh und am Abend eine Tasse voll trinken. Das hilft einem verstimmten Magen wieder gut auf die Beine und wendet unsere Verfasstheit zum Guten.

Dost ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein pflanzlicher Dickhäuter

Hauswurz für Mund und Rachen

Viele kennen das Sprichwort: „Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr!“ Wer immer auch diesen Vers geprägt hat, so kann man gerade in der Natur etliche Beispiele finden, die diesem Ratschlag widersprechen. Im Pflanzenreich finden wir z. B. ein Gewächs, das nicht viel Aufsehen um seine Anwesenheit macht. Es gibt sich mit äußerst geringen Lebensumständen zufrieden und nützt jeden Tropfen, der beim anfallenden Niederschlag an seine Wurzeln dringt. Die Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum) schenkt uns allein in ihrer Physiognomie einen Wink, den wir bedenken dürfen. Außen hat sie eine dicke Haut, die sie vor allem Schädlichen schützt und die verhindert, dass die gespeicherte Feuchtigkeit durch allzu schnelles Verdunsten wiederum verloren geht. Für uns Menschen ist es gerade jetzt vermehrt notwendig, den Körper vor zu schnellem Auskühlen durch eine dementsprechend dicke Wäscheschicht zu schützen. Andererseits verlieren wir in den meist überheizten Innenräumen und Geschäftspassagen gerade über Mund und Rachen sehr viel Feuchtigkeit. Diese trockenen Bedingungen fördern eine Entzündung der Atemwege. Die Hauswurz kann auf jeden Fall ein Stück weit mithelfen, dass wir besser mit den Folgeerscheinungen einer Erkältung und gleichzeitig mit einer Entzündung der Mundschleimhaut zurechtkommen. Vielleicht befindet sich ja diese sparsam agierende Pflanze auf einer Mauer oder gar auf einem flachen Dach in unmittelbarer Nähe, so dass es ein Leichtes ist, auf diese vorhandene Gabe zurückzugreifen.

Hauswurz-Saft für den Hals

Von der Echten Dach-Hauswurz können die Blätter das ganze Jahr über mit Ausnahme der Blühphase gesammelt werden. Nach dem Auspressen derselben nimmt man 2 Esslöffel voll des Saftes, den man mit 1 Teelöffel gutem Bienenhonig vermengt. In 1/8 Liter warmem Wasser aufgelöst, kann man diese Mischung als Gurgelwasser verwenden, wenn der Mund an einer Stelle entzündet ist oder der Hals aufgrund einer Erkältung kratzt.

Dach-Hauswurz ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Duftender Herbst

Lavendel bei Erkältungen

Es fällt mir in letzter Zeit auf, dass ich vielen Menschen begegne, die bereits das Taschentuch aktivieren, weil ihre Nase rinnt. Andere wiederum haben eine heisere Stimme oder eine heiße Stirn. Somit nehmen wiederum Erkältungen und deren Folgeerscheinungen ihren Lauf. Aber das passt anscheinend so gar nicht zu einem goldenen Herbst, wie er uns jüngst noch präsentiert wurde. Daher möchte ich zu einer bekannten Blume greifen. Es ist der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia), der einst aus dem Mittelmeergebiet stammt. Da ihn die mittelalterlichen Autoren bereits als Heilpflanze beschreiben, können wir davon ausgehen, dass dieser Lippenblütler schon damals auch nördlich der Alpen bekannt war. Das intensive Aroma, das der Lavendelpflanze eigen ist, weist auf einen hohen Gehalt ätherischen Öles hin, mithilfe dessen etliche kosmetische Produkte angereichert werden. Die Lavendeltriebe sind aber auch mitsamt ihren Blüten kulinarisch einsetzbar. So bilden die blauen Grüße aus dem Garten einen netten Akzent auf vielen Arten von Speisen. Kräuter wie der Lavendel sind ebenso in der Lage, die persönliche seelische Verfassung positiv zu beeinflussen. Dieser Aspekt darf ruhig wieder mehr Beachtung finden, wenn nun der einsetzende Herbst womöglich durch nasskalte Wetterphasen auf die Stimmung drückt. Hinzu kommt noch eine ganz praktische Anwendung, die sich auf den Atembereich positiv auswirkt.

Lavendel-Teekur

Von getrockneten Lavendelblüten nimmt man 4 Esslöffel voll und übergießt sie mit 1 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Nachdem man den fertigen Tee mit etwas Honig gesüßt hat, füllt man ihn in eine Thermosflasche. So hat man ihn parat, um diesen Aufguss tagsüber schluckweise zu trinken. Günstig ist dies bei chronischem Schnupfen, bei Bronchitis und sogar bei Asthma. Am besten 3 Wochen lang ohne Unterbrechung durchführen.

Lavendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn man fiebert

Der wilde Apfelbaum und seine Rinde

Von englischem Rasen und schnurgerade geschnittenen Thujenhecken gibt es wohl genug auf dieser Welt. Was man mit Monokulturen und Vergleichbarem erreichen kann, zeigt sich spätestens bei Ausbruch verschiedener Krankheiten bzw. der Invasion bestimmter Schädlinge, die sich offenkundig dann gut ausbreiten können. Resistenter sind auf jeden Fall ausgewogen bewachsene Naturterritorien und die darin vorkommenden Urformen so manches Gartengehölzes. Dazu zählt natürlich ebenso der Wildapfel, den man meist auf wenig bewirtschafteten Arealen an Waldrändern vorfinden kann. Dieses Gewächs, das auch gerne Holzapfel bezeichnet wird, liebt tiefgründige, nährstoff- und basenreiche Lehmböden sowie steinigen Grund. Er kommt gerne in Auwäldern, Laubmischwäldern und feuchteren Eichenwäldern vor und bildet oft eine pflanzliche Brücke zwischen Forst und Flur. Man kann sich wohl denken, dass seine Früchte nicht besonders genießenswert sind. Da sollte man schon auf die gezüchteten Sorten der Äpfel zurückgreifen. Dennoch ist diese Pflanze nicht verachtenswert, dient sich doch als Schutz- und Futterbaum für die Tierwelt außerhalb unserer städtisch oder dörflich besiedelten Flächen. Immer weiß die Naturheilkunde mit den Blüten und den Blättern der Wildapfelbäume etwas anzufangen. Da müssen wir jedoch noch bis nächstes Jahr warten, um deren in frischer Form habhaft werden zu können. Nun ist es aber an der Zeit, die Rinde dieser Bäume, die sich auf den Zweigen befindet, zu ernten und für den späteren Gebrauch zu trocknen sowie ordentlich aufzubewahren. Bei der nächsten Grippe kann sie dann zum Einsatz kommen.

Tee aus Rindendroge

Von daumenstarken Ästchen der Wildafpfelbäume eignet sich die Rinde, um sie nun im Spätherbst abzuschälen und zu trocknen. Von der zerkleinerten Droge nimmt man 2 Teelöffel voll und setzt sie 3 Stunden lang in 1/4 Liter kaltem Wasser an. Danach ca. 5 Minuten lang aufkochen und gleich abseihen. Dieser Tee kann getrunken werden, um Fieberschübe zu begleiten. Überdies ist er auch für Diabetiker als gelegentliches Tagesgetränk zu empfehlen.

Wildapfelbaum ⓒ wikimedia.commons





Blühende Schönheit

Die Goldmelisse für innen und außen

Die Zahl der Heilkräuter, die wir zur Unterstützung unserer Gesundheit verwenden dürfen, ist sehr hoch. Manches, das einfach so am Wegrand wächst, wird von uns beim ersten Hinsehen gar nicht so beachtet. Erst, wenn man sich eigehender mit dem einen oder anderen Gewächs beschäftigt, wird deutlich, dass Leib und Seele davon profitieren. Und so ist es dann möglich, mit dem, was man kennt, selbst ein probates Hausmittel herzustellen. Die Blüten der Goldmelisse (Monarda didyma) etwa, die gerne in der warmen Jahreszeit unsere Gärten ziert, sind durchaus dazu geeignet. Um diese zumindest für ein Jahr haltbar zu machen, genügt es, sie nach dem Pflücken sorgfältig zu trocknen und ebenso vor Feuchtigkeit geschützt aufzubewahren. Dadurch erhalten sich ihre wertvollen Inhaltsstoffe und Heilkräfte, die sowohl der Verdauung als auch der Beschaffenheit der Haut dienen. Ein weiterer Weg, der zum Konservieren derselben beschritten werden kann, ist es, die Pflanzenteile mithilfe von Alkohol einerseits zu extrahieren und andererseits über längere Zeit gebrauchsfertig verfügbar zu haben. Gerade jetzt gilt es, die Zeit bis zum neuen Grünen und Blühen zu überbrücken. Und es ist noch nicht zu spät, sich ein beruhigendes Hausmittel anzusetzen, um in den kommenden Monaten davon zu profitieren. Der Vorteil eines alkoholischen Auszuges, der mit der Goldmelisse komponiert wird, besteht darin, dass man diesen sowohl innerlich als auch äußerlich zum Einsatz kommen lassen kann. Es ist gar nicht schwer, sich selbst mit guter Kräuterware zu beschäftigen und eigenhändig für das Wohlbefinden etwas zu tun.

Goldmelissen-Tinktur

125 g getrockneter und zerkleinerter Triebspitzen mitsamt den darauf sitzenden Blüten in einem Glas mit 1/2 Liter 50%igem Obstbrand übergießen und 14 Tage verschlossen auf ein Fensterbrett im Zimmer stellen. Dann abseihen, 1/4 Liter destilliertes Wasser über den Pflanzenrückstand leeren, durchrühren, auspressen und die Flüssigkeit zum Auszug geben. Lichtgeschützt in Flaschen aufbewahren. Um den Appetit zu steigern –was nach Krankheiten notwendig sein kann –, nimmt man 1/2 Stunde vor dem Essen 1 Esslöffel davon ein. Zur Hautpflege kann man die Tinktur nach dem Duschen oder Baden als Einreibung verwenden.

Goldmelisse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beerenreiche Hilfe

Der Weißdorn und der Wechsel

Dem Herbst muss man eines zugutehalten: er ist der beste Künstler unter den vier Jahreszeiten. Gottlob hatten wir in den vergangenen Tagen genug Gelegenheit, um die bunten Wälder in allen Farbschattierungen zumindest visuell zu genießen, da die Blätter bei Sonnenschein vor ihrem endgültigen Fallen aufleuchteten. Gewiss kommt es bei diesen Bildern ebenso auf die kleinen Tupfer im Gesamtkolorit der Natur an. Bei genauerem Hinsehen stechen da so manche Früchte besonders hervor. Unter dem Spektrum Rot ist hier vor allem der Weißdorn (Crataegus) zu nennen, dem wir öfter als uns manchmal bewusst ist, an Waldrändern begegnen. Für mich persönlich ist es nicht nur ausschlaggebend, dass er unseren Kreislauf ganz positiv beeinflussen kann. Habe ich die Gelegenheit, mit Interessierten eine Kräuterwanderung durchzuführen, so bleibe ich gern beim Hagedorn, wie er früher auch bezeichnet wurde, stehen. Ich nehme einen zarten Zweig in die Hand und halte ihn in die Nähe meines Herzens. Die Blätter sind sehr schön anzusehen, denn sie besitzen eine Ästhetik, die bestechend ist. Trotzdem üben sie mit ihrem grünen Laubkleid Zurückhaltung. Im Herbst nun treten die Früchte des Feldgehölzes gleichsam hervor, weil ihre rote Farbe uns anscheinend sagen möchte: Jetzt bin ich für dich da! Im Speziellen betrifft dies eine Übergangsphase des Lebensverlaufs, wofür die meteorologische Spanne zwischen Sommer und Winter gleichsam ein Bild abgibt: für den Wechsel. Die Inhaltsstoffe der Weißdornbeeren können durchaus dazu beitragen, um so manche Unannehmlichkeit, die mit dieser Zeit verbunden ist, abzufedern.

Tinktur aus Weißdornbeeren

Reife und zerkleinerte Früchte des Weißdorns werden mit einer Menge von 250 g in 1 Liter 70%igem Obstbrand bzw. Ansatzalkohol in einem verschlossenen Glas 14 Tage lang stehen gelassen. Danach abseihen, mit destilliertem Wasser auf 30 % Alkoholgehalt verdünnen und in Fläschchen füllen. Am besten lichtgeschützt lagern. Bei Wallungen in den Wechseljahren kann man diese Tinktur dazu verwenden, um mit ihr 2-mal täglich die Fußsohlen, die Waden, die Kniekehlen und die Innenseiten der Oberschenkel bis knapp unter der Leiste fest abzureiben.

Weißdorn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya