Hundert und ein Tag

Der Feigenbaum als Sinnbild und Heilmittel

Am 19. Juni 1916 wurde nahe der Waldviertler Grenze zu Böhmen im kleinen Dorf Engelbrechts der Priester Karl Rauscher geboren. Er war der Begründer des Vereines Freunde der Heilkräuter, der bis heute seinen Sitz in Karlstein an der Thaya innehat. Mit dieser segensreichen Gemeinschaft dürfen wir auch am Tag nach dem 100. Geburtstag in die Zukunft gehen und die Dankbarkeit dabei nicht vergessen. Und was hat der Feigenbaum (Ficus carica) damit zu tun? Nun, wer sich mit Heilkräutern auseinandersetzt, der landet ja über kurz oder lang bei den Bäumen, die in dieser Hinsicht nicht ausgeklammert werden, sondern vielmehr integrativer Bestandteil des allseits beliebten Interessensgebietes sind. Und so darf man durchaus auch den sogenannten Baumkreis als Hilfsdirektive heranziehen, um sich mit dem Feigenbaum auseinanderzusetzen. Zwischen 14. und 23. Juni ist die Zeit, die unter dem Zeichen des Feigenbaumes steht. Heutzutage ist es aufgrund des allseits frischen Warenangebotes in den Supermärkten nicht mehr schwer, auch an frisch importierte Feigenfrüchte zu kommen und sie zu genießen. Etwas mehr Freude wird man empfinden, wenn man im Zuge eines Urlaubsaufenthaltes die direkt vom Baum gepflückten Feigen öffnen, schälen und konsumieren darf. Getrocknete Früchte dieser Art waren schon in früheren Jahrzehnten vor allem in den Wintermonaten eine willkommene Abwechslung. Übrigens, vielleicht wussten sie noch gar nicht, dass man bei bronchialen Leiden ebenfalls auf die Köstlichkeiten vom Mittelmeer zurückgreifen kann. Dazu mehr beim praktischen Tipp. Menschen wiederum, die im Zeichen des Feigenbaums geboren wurden, kann man in ihrer Persönlichkeit kaum übersehen. So beschrieb es in einer Betrachtung über den Feigenbaum Hermann-Josef Weidinger, der Nachfolger Karl Rauschers als Kräuterpfarrer. Wenn wir also nach hundert Jahren und einem Tag auf einen enthusiastischen Kräuterfreund zurückblicken dürfen, erkennen wir gleichzeitig gute Früchte, von denen täglich an dieser Stelle den Lesern etwas abfällt.

Feigen bei Bronchitis

Zur Lösung des Schleims kann man in einen Tee, der zur Besserung der entzündeten Atemwege dient, zerkleinerte frische oder getrocknete Feigen hinzufügen. Dazu eignen sich Einzeltees, die mithilfe verschiedener Kräuter aufgegossen werden können, wie Fenchel, Malve, Spitzwegerich, Thymian oder Quendel. Ein Anteil an Feigenfrüchten darin hilft mit, dass die Lunge weniger mit zähem Schleim belastet bleibt, sondern dieser früher abgehustet werden kann.


Feigen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn es blaue Beeren regnet

Beim Wacholderstrauch Ernte halten

Vor kurzem ging ich vor die Sakristeitür meiner Pfarrkirche in Harth bei Geras und blickte voll Freude auf einen Wächter, der dort ein Beet einsäumt, das liebevoll von meinen Mitarbeiterinnen in der Pfarre gepflegt wird. Von dort werden des Öfteren die Blumen abgeschnitten, die dann das Innere des Gotteshauses schmücken. Der Wächter vor der Sakristeitür ist jedoch dazu nicht zu gebrauchen. Sehr wohl bleibt er mit seinen benadelten Ästen seiner Farbe treu und überdauert auch den Winter in einem zurückhaltend grünen Kleid. Es ist ein Wacholder-Bäumchen, das ich vor etlichen Jahren aus dem elterlichen Garten dorthin transferierte und das nun schon eine stattliche Größe aufweist. Der Gemeine Wacholder (Juniperus communis) zählt übrigens zur botanischen Familie der Zypressengewächse und somit zur Ordnung der Koniferen. Mit einem Augenzwinkern sage ich bei Kräuterwanderungen gerne, dass es ebenso im Waldviertel, das als raue und unwirtliche Gegend einen unverdient fragwürdigen Ruf genießt, wildwachsende Zypressenarten gibt. Es dauert lange, bis die Früchte des Wacholders heranreifen. Bis zu drei Jahre währt dieser Prozess. Dann aber beginnt es nach und nach die blau gefärbten Beerenzapfen von den Ästen zu regnen. Gleich wie beim Fallobst stellt sich zu jener Zeit die Frage nach dem Nutzen, den man von diesem Überfluss abschöpfen kann. Wacholderbeeren erweisen sich als stärkend und kräftigend für unser Immunsystem. Sie tragen ebenso zu einer inneren Reinigung des Körpers bei und helfen mit, dass die Verdauung gut in Schwung bleibt. Daher ist eine sinnvolle Tradition, die Wacholderbeeren als Gewürz und als Geschmacksaufbesserer bei verschiedenen Speisen zu verwenden. In Bedachtnahme darauf, dass der Wacholder die Nieren übermäßig reizen kann, ist es jedoch für all jene, die mit diesen Organen keine Probleme haben, durchaus möglich, dem Körper eine Wohltat mithilfe der blauen Wacholderfrüchte zukommen zu lassen.

Ein Bad mit Wacholderbeeren

In einem Gefäß werden 2 Liter Wasser zum Kochen gebracht. Da hinein gibt man ca. 15 g Wacholderbeeren, die zuvor jedoch so gut als möglich zerdrückt werden. Dann kurz aufwallen lassen, vom Herd nehmen und noch 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Letztlich abseihen und als Badezusatz in die bereits gefüllte Wanne leeren. Wer wie immer geartete Hautleiden hat, profitiert von dieser Anwendung. Ebenso jene, die unter den Folgen von Rheuma und Ischias leiden.


Wacholder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Sommer ein wenig festhalten

Die Roten Rosen im Garten ernten

Wie wird der heurige Sommer wohl werden? Kalendermäßig steht sein Beginn ja noch aus und meteorologisch haben wir bisher auch nicht die Fülle an Sonne und warmen Tagen genießen können, wiewohl ich mir bewusst bin, dass dies unversehens ins Gegenteil umschlagen kann. Dann werden wir erneut über ein Zuviel an Hitze und Trockenheit klagen. Gott gäbe es, dass sich das nicht bewahrheitet. Und dennoch wird auch der nächste Herbst Einzug halten. Was wird dann vom Sommer noch übrig bleiben? Die Pracht der Rosen in den Gärten weiß wohl jeder zu schätzen. Viele sind zu Recht stolz auf das Ergebnis ihrer Pflege und präsentieren gerne den Besuchen das Blütenmeer auf so manchem Strauch. Doch bei den Rosen denkt für gewöhnlich in erster Linie jeder an Schmuck, Duft und Stacheln. Das soll uns aber nicht davon abhalten, ebenfalls den gesundheitlichen Wert der Gartenzier in unseren Blickwinkel zu nehmen. In den Wirkungen erweisen sich Rosen als schmerzlindernd und auch stuhltreibend. So kann man bei lästiger Verstopfung oder auch bei Kopfschmerzen auf sie zurückgreifen, um eine Besserung anzustreben. Der Sommer ist die beste Zeit, um die Blüten der roten Rosensorten zu pflücken. Und da wiederum ist es die Phase des Aufblühens der duftenden Schönheit. Bei schönem und wolkenfreiem Himmel werden die einzelnen Blättchen in einem Korb gesammelt, ohne sie zu drücken oder zu quetschen. An einem schattigen und luftigen Ort trocknet man die Ernte und bewahrt sie gut verschlossen auf. Wer fleißig war, kann dann im Herbst und Winter aus dem Vollen schöpfen. Letztendlich werden wir den Sommer, wie immer er auch geartet sein mag, nicht festhalten. Das ist, denke ich, auch nicht nötig, da jede Jahreszeit ihre schönen Seiten hat. Und dennoch darf vom heurigen Sommer etwas übrigbleiben. Ein Detail daraus dürfen die Rosenblüten der Roten Rosen darstellen, die auf mehrfache Weise verarbeitet und angewandt werden können.

Rosen-Blütenblätter nutzen

Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießt man die Menge von einem gehäuften Teelöffel voll getrockneter Rosenblütenblätter. Zugedeckt ca. 15 Minuten ziehen lassen und anschließend abseihen. Mit ein wenig Bienenhonig anreichern, um die blutreinigende Wirkung dieses Getränks zu erhöhen. Andererseits lassen sich Rosenblüten in Rotwein aufkochen, um dieses Getränk dann zu sich zu nehmen und einen überanstrengten Körper zur Entspannung zu bringen. Selbst bei Zahnschmerzen kann man damit den Mund ausspülen, um ein wenig die Pein zu mindern.


Rote Rose ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Ausgeglichenheit wiedergewinnen

Mit der Melisse austarieren

Nun einmal Hand aufs Herz: Wir neigen doch alle zumindest hie und da zu Extremen. Und wenn schon nicht wir selbst, so kennen wir wahrscheinlich alle in unserer näheren Umgebung jemanden, der in irgendwelchen Belangen gerne über die Schnur haut. Von der Emotion bis zum übermäßigen Konsum an Essen, Trinken oder Tabak ist da alles drin. Den sogenannten goldenen Weg der Mitte anzupeilen, ist ein Prozess, der oft Jahre benötigt und ein gerüttelt Maß an Selbstdisziplin abverlangt. Der moralische Gewinn, der dabei abfällt, ist gewiss ein wertvoller Aspekt. Dennoch sollten wir gleichzeitig auf ein Gleichgewicht zwischen Leib und Seele achten, das ebenso vonnöten ist. Die Melisse (Melissa officinalis), auch gerne Zitronenmelisse genannt, lächelt uns förmlich an, wenn wir im eigenen Garten oder bei einem Kräuterbeet andernorts an ihr vorüberschlendern und womöglich gerade über unser momentanes Wohlbefinden nachdenken. Ihr erfrischendes Aroma hat einfach etwas Anziehendes an sich. Gerne vergleiche ich dieses Kraut mit einem sympathischen Typ von Menschen, mit dem man gerne zusammenarbeitet oder dem man gerne begegnet, egal ob Mann oder Frau. Seit Generationen verwendet man die Pflanze aus der Familie der Lippenblütler, um ihre Unterstützung bei Erkältungskrankheiten in Anspruch zu nehmen, weil sie u a. schweißtreibend wirkt oder sie eben als ausgleichendes Kraut bei funktioneller Kreislaufschwäche heranzuziehen. Ein Tee aus ihren frischen oder getrockneten Blättern ist ja auch leicht zubereitet. Manche bessern des Sommers das pure Trinkwasser leicht auf, indem sie einen abgepflückten Trieb der Melisse darin schwimmen lassen und so ihres Aromas teilhaftig werden. Für die Haut wiederum gibt es zusätzlich eine Möglichkeit, um über dieses große Organ für unsere Ausgeglichenheit konkret etwas zu tun.

Melissen-Ölauszug

Zuerst benötigt man ein reines pflanzliches Öl der eigenen Wahl in einer Menge von 1/2 Liter. In dieses gibt man 125 g frisch geerntete, zerkleinerte Blätter der Melisse und lässt beides zusammen in einem verschließbaren Glasgefäß 14 Tage lang an einem sonnigen Platz am Fenster stehen. Danach abseihen und auspressen. In eigene Fläschchen abfüllen und kühl im Dunkeln lagern. Das so gewonnene Melissen-Öl verwendet man, um einzelne Partien des Körpers oder ganze Flächen der Haut damit einzureiben und dessen nervenberuhigende und krampfstillende Eigenschaft zu nutzen. Selbstverständlich hinterlässt eine derartige Anwendung auch Spuren auf der Wäsche. Daher vorsichtig damit umgehen bzw. gut einziehen lassen.


Melisse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Krampf mit den Adern?

Bei der Gundelrebe um Hilfe anfragen

Möchte eine junge Frau, ein junger Mann das vermeintliche künstlerische Talent zur Triebfeder des künftigen Lebens heranbilden, so liegt es nahe, sich an der Akademie der bildenden Künste oder ähnlichen Kaderschmieden der bildnerischen Darstellung zu bewerben, um hier das nötige Rüstzeug für seine jeweilige Profession zu erhalten. Hauptgegenstand derartiger Bemühungen ist und bleibt die Abbildung des Menschen. Und hinterdrein folgt gleich das Beherrschen der rechten Proportionen. Die Beine spielen dabei eine wichtige Rolle. Diesmal möchte ich aber zuerst die Gundelrebe (Glechoma hederacea) ins Blickfeld rücken, die ebenfalls ihre gesundheitsfördernde Relation zum Menschen besitzt. Dieses Kraut könnte in seiner Wesensart als Vorbild für so manche Studenten dienen. Denn es fällt doch kaum einer von uns als Superstar vom Himmel. Wir müssen uns im Gegenteil oft redlich abmühen, bis unsere Talente zur Entfaltung gelangen. Die Gundelrebe, auch Gundermann genannt, beginnt nämlich ganz klein und bleibt mit ihrem Wuchs ganz nahe am Boden. Sie weiß sich aber auch inmitten anderer Gewächse durchaus zu behaupten. So streckt sie ihre Blütentriebe aufrecht empor und zeigt ein gesundes Selbstbewusstsein den anderen gegenüber. Und in dem robusten Lippenblütler stecken weiters sehr viele verborgene Fähigkeiten. Leiden wie Appetitlosigkeit und Magenverstimmungen oder Entzündungen der Atemwege können mit diesem Kraut begleitet werden. Unserer Leber und Galle kommt ebenfalls die unterstützende Wirkung der Gundelrebe zugute. Doch heute wollen wir einmal auf die Beine blicken, die nicht nur für die ausgewogene Proportion eines darzustellenden Menschen von Bedeutung sind, sondern wo sich bei vielen von uns im Laufe der Zeit Krampfadern heranbilden, die einerseits das Aussehen der Trägergliedmaßen unseres Rumpfes verändern und andererseits auch Schmerzen bereiten können. Mit dem Gundermann darf man hier ebenfalls eine heilende Kunst heranbilden.

Brei mit Gundelrebe

Um einen wohltuenden Brei auf schmerzende Krampfadern auflegen zu können, bereitet man folgendes zu: das blühende Kraut der Gundelrebe wird zerquetscht, sogleich mit 1 Esslöffel Roggenmehl, 1 Teelöffel Honig und ein wenig heißem Wasser vermischt und abgerührt, bis es die dementsprechende Konsistenz erlangt. Abends auf die Krampfadern auftragen und 1/2 Stunde dort ruhen lassen. Dann lauwarm abwaschen, abtrocknen und am besten mit einer Rosskastanientinktur nachreiben. So kann eine Erleichterung der Beschwerden angestrebt werden.


Gundelrebe ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Empfänger umstellen

Mit dem Gänseblümchen auf Gesundheit „schalten“

Wir kennen vielleicht alle in unserem Bekanntenkreis Zeitgenossen, die krankheitsmäßig schon viel durchgemacht haben und die wir zu Recht als wahre Stehaufmännchen bezeichnen dürfen. Irgendwie haben sie es mit ärztlicher Hilfe und der kompetenten und geduldigen Begleitung von Therapeuten geschafft, ihr Leben neu in die Hand zu nehmen. Bei den Pflanzen gibt es ein vergleichbares Lebewesen in dieser Hinsicht. Es ist das allseits bekannte Gänseblümchen (Bellis perennis), das fast überall anzutreffen ist. Die momentane Witterung macht das in Parkanlagen und Gärten regelmäßige Rasenmähen wieder öfter nötig. Kaum ist dieser pflegende Vorgang vorüber, dürfen wir bemerken, dass die Gänseblümchen ganz unverdrossen ihre Blüten ausbilden und das gestylte Grün mit ihren fröhlich weißen Blüten übersäen. Allein diese Tatsache kann für uns einen wertvollen Wink im Hinblick auf unsere gesundheitliche Konstitution darstellen. So gibt es manche, die Krankheiten wie Erkältungen, Darm- und Magengrippen oder häufige Kopfschmerzen gleich einem Magnet anzuziehen imstande sind. Abgesehen von der seelisch-nervlichen Basis, die in diesen Fällen zumindest angekratzt zu sein scheint, ist es das Immunsystem, das offenkundig einer Unterstützung bedarf. Und so ist es nur recht und billig, gerade auf den unbändigen Lebenswillen des Gänseblümchens zu blicken, um sich ein gutes Stück davon abzuschneiden. Die Inhaltsstoffe des Korbblütlers richten sich vor allem auf eine Förderung der entgiftenden Tätigkeit der Leber. Indirekt wirkt sich das auch auf eine vermehrte Kraft des Körpers aus, um eindringende Viren und Keime besser in Schach halten zu können. Das ganze Jahr über stellen sich die lebensfrohen Gänseblümchen zur Verfügung.

Anfälligkeit mindern

Das blühende Gänseblümchen-Kraut lässt sich vom zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst, der den ersten Frost mit sich bringt, ernten. Die zerkleinerten Blüten und Blätter werden in einem Maß von 2 Teelöffeln voll mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Um eine Krankheitsanfälligkeit zurückzuschrauben, ist es ratsam, eine Kur von 3 Wochen Dauer durchzuführen, während der man täglich je 2 Tassen des Gänseblümchen-Tees trinkt.


Gänseblümchen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die neuralgische Zone Knie

Die Heublumen dort einsetzen

Die Fußball-Europameisterschaft hat seit vergangenem Freitag bereits viele in ihren Bann gezogen. Es sind nicht nur die einzelnen Mannschaften, die dem runden Leder hinterhereilen. Millionen von Fans und Zusehern, die mittels Fernsehen im eigenen Haus und Public Viewing auf öffentlichen Plätzen dabei sind, verfolgen mit Spannung die Leistungen der Spitzensportler. Gott geb’s, dass alles gut und fair zu Ende geführt werden kann. Trotzdem wird es sich im Zuge der Spiele nicht vermeiden lassen, eine Verletzung oder eine Schramme gleichsam als Trophäe vom grünen Rasen mit nach Hause nehmen zu müssen. Knöchel, Schienbein und vor allem das Knie eines Kickers sind dann die direkten Leidtragenden. Die Heublumen haben nun ebenfalls ihre hohe Saison. Zwar werden diese gewiss nicht von eher steril gepflegten Matten der Fußballfelder geerntet. Dazu lässt die Konsistenz eines extra angelegten Grasteppichs ja auch keinen wie immer gearteten Spielraum. Da ist es schon besser, auf die naturnahen Wiesen zu gehen und dort die hochgewachsene Vielfalt verschiedenster Pflanzen inmitten der Gräser zu bestaunen oder den Duft eines sonnenwarmen fertigen Heus nicht ohne Genuss einzuatmen. Voraussetzung für eine derartige Ästimation ist selbstverständlich das Freisein von Allergien, die durch getrocknetes Heu ausgelöst werden. Bleiben wir jedoch vorerst nur beim Knie, mit dem ja gerade Fußballer über kurz oder lang ihre liebe Not haben. Dieser für unsere Beweglichkeit ganz eminent wichtige Punkt ist je nach Arbeit, Sportart oder Körpergewicht vielen Belastungen ausgesetzt. So nimmt es auch nicht Wunder, wenn es ab einem gewissen Zeitpunkt zu Problemen mit dem Meniskus kommt. Nicht selten sind ebenfalls Entzündungen, die sich aufgrund des damit verbundenen Schmerzpegels als äußerst hinderlich herausstellen. In diesem Leiden dürfen wir ruhig an die Heublumen und ihre lindernde Kraft denken. Wer sie nicht direkt von der Wiese holt, der kann im einschlägigen Fachhandel danach Ausschau halten, um sich hernach ihrer heilsamen Wirkung zu bedienen.

Heublumen abkochen

Hat man sich einmal ein Kniegelenksentzündung zugezogen, dann gilt es, sprichwörtlich leiser zu treten und dem Körper die nötige Zeit der Zuwendung zu gönnen. Die Problemzone Knie kann man direkt mit Umschlägen versorgen, die man mithilfe einer Abkochung von Heublumen zurechtmacht und auflegt. Ein Johanniskraut-Aufguss oder eine Topfen-Auflage können eine Alternative dazu sein. Zusätzlich sollte man am Abend noch eine Tasse Lindenblüten-Tee trinken. Das führt zum vermehrten Schwitzen und somit zu einer Entlastung und Säuberung des Blutes, das direkt mit der Entzündung am Knie konfrontiert ist.


Blumenwiese ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Das Reifen fördern

Mit dem Johanniskraut den Garten stärken

Erwachsene und erst recht Betagte können leicht eine Rückschau auf die vergangenen Jahrzehnte ihrer Erdentage halten. Nicht wenige schreiben darüber so genannte Memoiren. Oft heben sich darin markant die Begebenheiten oder einschneidenden Erfahrungen heraus, die diese in jungen Jahren zu bewältigen hatten und sie ein gutes Stück reifer werden hat lassen. Bei Jugendlichen, die direkt in diesem Prozess stecken, ist es daher wichtig, ihnen einen Rückhalt der Geduld und Wertschätzung zu geben, da ihnen die Weitsicht des Alters fehlt. Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) strebt nun seiner größten wuchsmäßigen Entfaltung entgegen. Rund um die Sonnenwende des Sommers holt es sich seine Kraft vom wärmespendenden Stern unseres Planetensystems und genießt ebenso wie wir Menschen die lichtreichen Tage. Seit jeher wurde dieses Gewächs verwendet, um seine beruhigende Wirkung dem Körper in verschiedensten Leiden angedeihen zu lassen. Aufgrund seiner augenscheinlichen Perforation (siehe die Blattstruktur des Johanniskrautes) hat man es bereits im Mittelalter herangezogen, um mit seiner Hilfe Wunden und Stiche auszukurieren. Machen wir aber heute einen Schritt in unsere Gärten. Dort sind nun vor allem die Gemüsepflanzen und die Blumen herausgefordert, Früchte zum Reifen und prächtige Blüten zur Entfaltung zu bringen. Sie zeigen sich ebenfalls dankbar, wenn wir sie dabei umsorgen und ihnen beistehen, wenn von ihnen hohe und höchste Leistungen erwartet werden. In diesem Falle dürfen wir uns vertrauensvoll anschicken, für die Pflanzen das Johanniskraut aufzubereiten. Da es nun in einer Fülle auf Weg- und Feldrändern vorhanden ist, kann jeder leicht aus diesem Angebot schöpfen und einen ganz konkreten Schritt setzen, um sich um die mühevoll angelegten Beete zu kümmern. Hier ist der Boden, wo viel Kostbares, Schönes und Wertvolles heranreift.

Ansatz aus Johanniskraut

Das ganze Kraut des Johanniskrautes wird vorerst frisch abgeschnitten. Hat man eine Menge von ca. 1 kg Gewicht beisammen, so zerkleinert man die blühenden Triebe und gibt sie 24 Stunden lang in 5 Liter Wasser. Danach abseihen und in einem Verhältnis 1 : 10 wiederum mit Wasser verdünnen. Mit diesem Ansatz gießt man am besten abends die Pflanzen von Erdbeeren, Kürbissen und Melonen. Das stärkt die Gewächse, um ihre Früchte gut und zeitgerecht zum Reifen zu bringen. Jene Anwendung eignet sich gleichfalls für Blumen, die dadurch üppiger zu blühen beginnen.


Johanniskraut mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine Heilwirkung haltbar machen

Denn die Lilienblüte ist vergänglich

Das, was uns mit den Pflanzen auf jeden Fall verbindet, ist die vorprogrammierte Vergänglichkeit. Wenn auch ein Gewächs sich oft nur wenige Monate unter den Schein der Sonne stellen kann und wir Menschen in der Regel mit einem höheren Alter gesegnet sind, so gibt es mit Sicherheit ein Ablaufdatum all dessen. Im Vergleich mit den Bäumen dreht sich dieser Vergleich selbstverständlich wieder um. Aber bleiben wir heute bei einer anderen Spezies. Sie ist einfach nur schön! Kaum etwas anderes lässt sich beim Anblick der edlen Madonnenlilie (Lilium candidum) feststellen. Ihre ursprüngliche Heimat, wo sie auch noch heute wild vorkommt, ist der östliche Mittelmeerbereich. Seit der Renaissancezeit diente die Lilie als Symbol für die Gottesmutter Maria. Zuvor war diese Blume mit weltlichen Tugenden besetzt. Die Heilkraft der Lilien liegt sowohl in deren strahlend weißen Blüten als auch in ihren unter der Erde verborgenen Wurzelknollen. In der naturheilkundlichen Überlieferung hat die Lilie seit jeher einen hohen Stellenwert eingenommen. So, wie diese Erkenntnisse lange Zeit als bereits vergangen angesehen wurden und heute wiederum als brauchbar und gesundheitsfördernd entdeckt werden, so dürfen wir von der Blütezeit der floralen Schönheiten etwas nutzen und aufbewahren, damit unsere Physis davon profitiert. Daher ist es gut, sich jedes Jahr rechtzeitig auf die Phase einzustellen, in der die Lilien erneut ihre prächtigen Blumenkelche öffnen und ihre Umwelt mit ihrem unverkennbaren Aroma beschenken. Hinter all dieser Noblesse verbirgt sich jedoch durchaus ein heilsamer Charakter, der den Madonnenlilien durch die gottgewollte natürliche Ordnung innewohnt und die in der Folge ganz wohltuend auf den Menschen ausstrahlt.

Lilienwasser zubereiten

Von den geöffneten Blüten der Madonnenlilie zupft man die einzelnen Kronblätter ab. Eine Menge von ca. 150 g derselben übergießt man mit 3/4 Liter kochendem Wasser. 8 Stunden lang ziehen lassen und dann abseihen. Um das Ganze haltbar zu machen, fügt man noch ¼ Liter Obstbrand hinzu und füllt es in einzelne dunkelglasige Fläschchen ab. Zur Beruhigung der Nerven darf man 2- bis 3-mal täglich ein Stamperl voll zu sich nehmen. Ebenso bei Nieren- und Blasenleiden. Und um die Gesichtshaut zu straffen, kann das Lilienwasser äußerlich als Pflegemittel zum Einsatz kommen.


Weiße Lilie, Madonnenlilie ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn Katzen zu Tränen gerührt sind

Die Weidenrinde zum Einsatz bringen

Heute stelle ich einmal ein paar Fragen ganz bewusst in den Raum. Welche Lebewesen auf Erden sind mit einem gewissen Maß an Vernunft ausgestattet? Sind es nur wir Menschen allein? Zählen auch die Tiere dazu? Wenn ja, dann welche? Lässt sich der Bogen auch bis zu den Pflanzen spannen, die untereinander und mit anderen Erdenbewohnern unverkennbar kommunizieren? Ich bleibe aber vorerst einmal bei einem Duo, das ganz sicher etwas miteinander zu tun hat. An erster Stelle steht die Weide (Salix) mit ihren unterschiedlichen wildwachsenden und ebenfalls gezüchteten Artvarianten. Sie säumen nicht lediglich die Fluss- und Bachufer unserer Heimat, sondern sind ebenfalls andernorts an mäßig feuchten Standorten anzutreffen. Mit ihrer hohen Rückschnittverträglichkeit wussten schon unsere Vorfahren die Weiden mit ihren jährlich frischen Trieben zu schätzen, um die mannigfaltigen Flechtwerke wie Körbe und Haushaltsgegenstände zur Verfügung zu haben. So manche Tragehilfe ist übrigens ein begehrter Ruheplatz für die Katzen, die einem zu Hause als Teil der privaten Lebenswelt anvertraut sind. Im Hinblick auf diese streichelhungrigen Mäusejäger will ich auf den heilenden Effekt hinlenken, der vor allem in der Weidenrinde gespeichert ist. Für den Menschen hat man diese entzündungshemmenden und schmerzstillenden Wirkungen ebenfalls schon früh erkannt und angewandt. Aber können auch Katzen davon profitieren? Leider kommt es nicht selten vor, dass Katzen Tränen in den Augen tragen. Grund dafür ist offenkundig weniger die Trauer infolge eines Verlusts, sondern schon eher Zugluft und unwirtliche Wetterbedingungen. Da kann das zuständige Herrl oder Frauerl für den schnurrenden Gesellen die Beziehung zwischen Pflanze, Mensch und Tier aufleben lassen. Und das ist in diesem Fall sicher vernünftig!

Weidenrinde in Tee und Milch

Wenn Katzen unter einem anhaltenden Tränenfluss leiden, geht man zu den Weiden (Sal-, Korb- oder Bruchweide) und schabt von fingerdicken Ästen so viel Rinde, wie sie zerkleinert auf 1 Esslöffel passt. In 1/4 Liter Milch gegeben, kocht man beides miteinander auf. Danach temperieren, abseihen und 2-mal am Tag an die Katzen verfüttern. Mit einem in Weidenrinden-Tee getränkten Lappen wiederum reinigt man in dieser Zeit öfter die Augen des Haustieres.


Weide ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya