Ringelblumen für jedes Alter

Die Babys dabei nicht vergessen

Unsere Haut muss derzeit vielem standhalten. Unzählbar sind in diesem Zusammenhang die Sonnenstrahlen, die gleichsam ungebremst auf unseren Körper treffen, wenn wir größtenteils auf schützende Kleidung verzichten. Aber auch das Tragen der Wäsche kann zu Beeinträchtigungen der äußeren Schutzschicht führen, besonders dort, wo sie eng anliegt und dadurch bei Bewegung zu reiben beginnt. Die jeweilige Mode nimmt in diesem Zusammenhang kaum Rücksicht auf gesundheitliche Aspekte und kreiert in regelmäßigen Abständen eng anliegende Schnitte. Die Ringelblume (Calendula officinalis) muss so gesehen mit keinem Trend Schritt halten. Sie erblüht Jahr für Jahr in gleicher Pracht und sät sich in den Gärten immer wieder von selbst aus, um scheinbar ohne Genierer darauf hinzuweisen, wie schön sie doch sei. Hinter ihrem Äußeren steckt aber durchaus sehr viel Wertvolles, wie z. B. die Fähigkeit, gerade dem Menschen, der auf seiner Haut verletzt ist, beim Heilen und Vernarben der Wunden helfend unter die Arme zu greifen. Mit Ringelblumen-Blüten kann man genauso einen Tee aufgießen, den man für äußerliche Waschungen verwendet, wie man diese auch in Alkohol ansetzt, um das Endprodukt bei Einreibungen der Haut heranzuziehen. Die allseits bekannte Salbe, die man mit den goldgelben Blütenblättern anrührt, nehmen vor allem Erwachsene in Anspruch, um damit ihre Haut zu pflegen und zu schützen. Vergessen wir aber auf die Babys und Kleinkinder nicht, die sich ohne jeden Modetrend ebenso immer ein sehr eng anliegendes Stück anlegen lassen müssen, so lange der Weg zum berühmten Topferl noch nicht problemlos funktioniert. Die Rede ist natürlich von den Windeln. Hier kommt es ebenfalls zu Reibestellen auf der Haut, die sich im schlechtesten Falle noch entzünden können. Dem kann man jedoch durchaus vorbeugen.

Ringelblumensalbe für die Kleinsten:

Um das Tragen der Windeln in den ersten Lebensjahren zu erleichtern, kann man darangehen, die Stellen, wo die Windel am ehesten reibt oder zwickt, regelmäßig mit Ringelblumensalbe einzureiben. Die äußerst sensible Haut der Sprösslinge wird dadurch gestärkt und gleichzeitig geschmeidig gemacht. Weiters ist es von Vorteil, wenn man die Gegend rund um den Schoß bzw. das Gesäß des Babys ab und zu mit einem Ringelblumen-Blütentee abwäscht. Die Salbe ist samt Beratung im Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein erhältlich (Tel. 02844/7070-11 oder -31 bzw. E-Mail: beratung@kraeuterpfarrer.at).


Ringelblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wirkt schmerzlindernd und krampflösend

Die Melisse ist nicht nur zum Garnieren da

Die so genannte Gender-Gerechtigkeit ist quasi in aller Munde. Mit neuen Wortkonstruktionen und Begriffen möchte man diesem Anliegen zumindest schriftlich entsprechen. In der Kräuterkunde hat die Namensbezeichnung ohnehin schon alles eingeteilt. Es wäre doch etwas bedenklich, würde jemand mit dem Begriff „KräuterInnen“ sprachlich jonglieren wollen. Die in vielen Gärten wachsende Melisse (Melissa officinalis), die aufgrund ihres frischen Aromas auch sehr häufig Zitronen-Melisse genannt wird, ist eindeutig weiblich. Dieser Lippenblütler (diesen Begriff gibt’s wiederum nur in männlicher Form) trägt aber auch noch andere Titel, die ihm der Volksmund zugedacht hat. Aufgrund der positiven Wirkungen, welche die Melisse auf den weiblichen Körper ausübt, gibt es überdies die Namen „Frauenkraut“ oder „Mutterkraut“ für dieses beliebte Gewächs. Die heilenden Hilfen der Melisse dürfen aber ebenso von männlichen Erdenbürgern in Anspruch genommen werden. Trotz des sommerlich warmen Klimas kommt es durchaus zu wechselnden meteorologischen Perioden, die dem einen oder anderen zu schaffen machen. Bevor z. B. ein Gewitter herannaht, spüren das etliche auch in besonderen Zonen ihres Körpers und bekommen u. a. Kopfschmerzen. Wir sprechen hier allgemein von Wetterfühligkeit. Es gibt aber auch noch andere externe Gründe für ein Unwohlsein unserer Physis, die sich schließlich ebenfalls auf unsere Psyche niederschlagen. Was sehr häufig in dieser Weise beeinträchtigt wird, ist der tägliche Schlaf. Sind überdies die Nerven etwas angegriffen, leidet das Herz darunter. Verstärktes Herzklopfen mag in dieser Hinsicht ein eindeutiges Indiz dafür sein. Weiters kann man hier noch krampfartige Zustände in die Litanei der kleineren oder größeren Leiden anfügen. Oft vergisst man auf die heilenden und helfenden Kräfte der Melisse, die uns in all dem Genannten zur Seite stehen will. Es wäre doch schade, ihre Blätter bloß zum Garnieren so mancher Desserts zu verwenden.

Den Tag mit Melisse einrahmen:

Egal, ob das Wetter daran schuld ist, dass man sich schlechter fühlt, bei Frauen die Menstruation oder eine Neigung zu migräneartigen Zuständen vorhanden ist: ein Tee, der im Heißaufguss aus getrocknetem oder frischem Melissenkraut zubereitet wird, kann sich dabei als lindernd und schmerzreduzierend erweisen. Am besten trinkt man je eine Schale davon gleich am Morgen nach dem Aufstehen und dann wiederum abends, wenn das Tagwerk abgeschlossen ist. Bei akuten Beschwerden kann auch zu Mittags eine weitere Tasse zu sich genommen werden.


Melisse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Mit einem Kraut baden gehen

Der Borretsch stärkt die Nerven

Mit einem Schmunzeln auf den Lippen denke ich zurück an all die Hunde unserer Stiftsförster im klösterlichen Forstamt seit meinem Eintritt ins Stift Geras vor 31 Jahren. Die hatten alle ihren eigenen Charakter und waren je unterschiedlich wasserscheu bzw. -liebend. Bei uns Menschen ist das sehr ähnlich. Vielleicht lassen sich ja einige „Bademuffel“ zu einem vermehrten Kontakt mit dem erfrischenden Nass überreden, wenn etwas Gesundheitsförderndes damit verbunden werden kann. Ein hilfreiches Gartenkraut ist in dieser Hinsicht der Borretsch (Borago officinalis), der vielerorts anzutreffen ist und den man zum Baden verwenden kann. Im Volksmund nennt man jenes Gewächs überdies auch Gurkenkraut. Der Grund dafür liegt im eigenen Aroma, das den Blättern entströmt, wenn man sie mit der Hand zerreibt. Das riecht dann so, als ob in der Nähe gerade ein frischer Gurkensalat angerichtet worden wäre. Der Borretsch eignet sich hervorragend für eine äußerliche Anwendung, die über die Haut eine positive Wirkung auf den Organismus ausübt. Um also mit Kräutern baden zu gehen, braucht man natürlich eine bereitstehende Badewanne, in der man auch lange genug im Wasser verweilen kann, um von dem heilsamen Badezusatz zu profitieren. In einer Dusche lässt sich dieses Unterfangen leider nicht durchführen. All jene, die nun eher die überfüllten Badestrände und die zahlreich bevölkerten Freibäder meiden, können sich ja in aller privaten Idylle zu Hause das Wasser in die Wanne einlassen und so der schier unerträglichen Sonnenwärme trotzen. Mit dem Borretsch unterstützt man damit gleichzeitig die eigene Gesundheit.

Badezusatz aus Borretschkraut:

Aus dem Garten holt man sich frische blühende Borretschpflanzen die man ca. 10 cm über der Erde abschneidet. 150 g davon sind notwendig. Durch deren Zerstampfen entsteht ein Brei, den man mit 2 Litern kochendem Wasser übergießt. 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Zusätzlich den Rückstand auspressen und ebenfalls ins Badewasser geben. Zirka 20 Minuten in der Wanne bleiben. Das wirkt herzfreundlich und nervenstärkend. Der Borretschsaft reinigt zudem verstopfte Hautporen und lässt vergrößerte dieser Art gleichzeitig sich zusammenziehen.


Borretsch mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Kraut für Mensch und Tier

Einmal mehr der Frauenmantel

Mit einem Mantel möchte wohl kaum jemand momentan etwas zu tun haben, dazu ist es einfach zu heiß. Ganz plötzlich könnte dieser aber vonnöten sein, wenn man durch den Platzregen von einem Haus in das andere laufen muss ohne bis auf die Knochen nass zu werden. Wer aufmerksamen Auges über die Wiesen schreitet, der kann ihn entdecken, egal, wie das Wetter gerade beschaffen ist. Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) ist nämlich durchaus häufig anzutreffen. Seine anmutige Schönheit hat überdies bereits viele dazu animiert, die gärtnerischen Zuchtformen dieses Krautes heranzuziehen, um Wege und Rabatte zu säumen oder ganz einfach den Boden mit ihm zu bedecken. In früheren Jahrhunderten billigte man dem Frauenmantel selbst übernatürliche Kräfte zu, welche unsere Vorfahren veranlassten, ihn zu Hilfe zu nehmen, wenn es galt, reines Gold aus dem Gestein zu schmelzen. Ich denke, dieses edle metallische Material haben nur wenige in ausreichendem Maß in ihrer Nähe, so dass es viel wertschöpfender ist, den Frauenmantel auf seine physischen Hilfsmöglichkeiten hin zu befragen. Die Wirkstoffe können durchaus benannt werden. Es sind dies kleine Mengen von Salizylsäure und ätherischem Öl, ferner Gerb- und Bitterstoffe und Harz sowie pflanzliches Öl und Lezithin. Am besten sammelt man die Blätter des schmucken Heilkrautes um die Mittagszeit herum. Man kann dies in der ganzen warmen Zeit zwischen dem Frühling und dem Herbst durchführen. Zum Trocknen legt man dieselben wiederum ganz einfach an einem schattigen und luftigen Ort auf. Befasst sich jemand verantwortungsvoll mit Haustieren, die unter seiner Hut stehen, so möchte ich darauf verweisen, dass der Frauenmantel den Pflanzenfressern unter ihnen durchaus als Futterkraut gereicht werden kann, um die gesundheitsfördernde Energie an seine Schützlinge weiterzugeben. Nach dem Werfen der Jungen kann man einen Tee aus diesem Kraut als Tränke verabreichen, damit die Weibchen wieder schneller zu Kräften kommen und ihre Jungen ausreichend mit Milch versorgen können.

Farbe ins Gesicht bringen:

Bei Gesichtsblässe kann man einen Tee trinken, der zu gleichen Teilen aus getrockneten Blättern des Frauenmantels und der Walnuss gemischt ist. Am besten führt man dies 3 Wochen lang durch, indem man morgens und abends je 1 Schale davon zu sich nimmt.


Frauenmantel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Kräuter nicht nur bei Leiden heranziehen

Der Thymian liebt auch Gesunde

Freundschaften sind ein Geschenk von Gott. Ich denke, das darf ich ohne Abstriche so behaupten. In unserer Beziehungsfähigkeit reifen wir zu dem heran, was wir im Allgemeinen als Persönlichkeit bezeichnen. Und es war nicht nur Martin Buber, der einst meinte, dass das Ich eines Menschen erst am gegenüber lebenden Du Kontur annimmt. Da wären auch noch andere Philosophen, Religionswissenschaftler und Denker zu nennen, die gleicher Meinung waren und sind. Ziehen wir unter diesem Aspekt heute den Thymian (Thymus vulgaris) in Betracht. Vielleicht stellt sich so manchem die Frage, wozu denn dieses durchaus populäre Kraut gut sei? Daraufhin lässt sich eine Reihe von Möglichkeiten aufzählen, mit denen der Thymian vor allem in Krankheitsfällen einen Nutzen aufweist. Natürlich lässt sich dieses Gewächs ebenso als Gewürz in der Küche verwenden, doch wirkt es vor allem heilend in den gesundheitlichen Anliegen der Atemwege und der Verdauung. Schwenken wir in den Gedanken nochmals zurück zu den uns lieben und werten Freunden. Ist es nicht so, dass wir uns selbst als Freunde erweisen müssen, damit wir davon ausgehen können, dass sich andere in unserer Nähe wohl und vertraut fühlen? Wenn wir die Gunst der uns Lieben nur dann ausschöpfen, wenn sich Schatten über unsere Tage legt, dann ist das eindeutig zu wenig, um ein aufrichtiges Band der Zuneigung aufrecht zu erhalten. Lassen wir so gesehen doch auch die Kräuter wie den Thymian gerade in Zeiten der Gesundheit und Freude mit von der Partie sein. Erstens sind sie es wert, und zweitens fällt dabei automatisch ein wohltuender Nutzen ab.

An heißen Tagen vermehrt Tee trinken:

Wenn sich der Thymian schon als Freund erwiesen hat, als uns grippale Infekte oder langwierige Erkältungskrankheiten in den kalten Monaten zu schaffen machten, so dürfen wir auch in Hitzeperioden an ihn denken. Egal, ob es sich dabei um die Pflanzenteile des Gartenthymians oder um die des Quendels- oder Feldthymians handelt: Ein Tee, der damit aufgegossen und dann lauwarm getrunken wird, hilft bei hohen Außentemperaturen genauso der Lunge, ihre wertvolle Arbeit beim Schwitzen besser bewältigen zu können.


Thymian ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Saisonales Grün

Die Nussblätter sind erntereif

Auf den Erdbeerfeldern landauf und landab herrscht schon seit längerer Zeit ein reges Treiben. Je nach Region ist ihre Zeit bereits vorbei oder sie dauert wie bei uns im Waldviertel immer noch an. Bei den Kirschen verhält es sich ebenso. Schaut man jedoch auf die häufig gepflanzten Walnussbäume, so heißt es bezüglich des Einbringens der reifen Nüsse nur: Bitte warten! Gleichwohl weiß ich, dass es bereits die grünen Früchte braucht, um den einen oder anderen Likör damit anzusetzen. Aber heute geht es mir vor allem um das Blätterdach, das jedermann und jede Frau in Zeiten der ungebrochenen Hitze durchaus zu schätzen weiß. Das eine oder andere kühlende Getränk erweist sich zudem als wahrer Genuss, wenn die Zeit reicht, um es unter der mächtigen Krone eines Walnussbaumes zu verkosten, um damit eine Klimaanlage quasi zu ersetzen. Mit dem Klimatisieren der Arbeits- und Wohnräume, der öffentlichen Verkehrsmittel und der eigenen Automobile ist das ohnehin eine zweischneidige Sache. Denn einerseits erlangt man die nötige Erfrischung, bekommt andererseits aber die Folge der künstlichen Temperaturreduktion mit ins Haus, oder besser gesagt, mit in den Leib geliefert. Dabei handelt es sich vorwiegend um Entzündungen der Augen und des HNO-Bereiches (= Hals-Nasen-Ohr-Zone) unserer Physis. Nach einem alten naturheilkundlichen Grundsatz ist es durchaus angebracht, nach den jeweils saisonalen Angeboten in der Natur Ausschau zu halten, mit denen man so manche Krankheiten und Infekte von vornherein verhindern bzw. bei deren Ausbruch wirkungsvoll begleiten kann. Obwohl es vor noch nicht allzu langer Zeit kaum noch die heute selbstverständliche Aircondition an unseren Aufenthaltsorten gab, steht seit jeher der Walnussbaum (Juglans regia) mit seinen schattenliefernden herrlichen Blättern dem zivilisierten Menschen zu Diensten. Entweder kostet man den sonnengeschützten Ort direkt aus, um darin die seltenen Zeiten der Muße zu verbringen oder man bedient sich der adstringierenden Inhaltsstoffe, die einer etwaigen Erkältung wiederum ein Ende bereiten.

Walnussblätter ernten und verwenden:

Der Monat Juli eignet sich hervorragend, um gesunde und voll ausgebildete Blätter des Walnussbaumes zu ernten. Im Halbschatten werden diese am besten an einem zugigen Ort nach dem Abpflücken getrocknet. Aus den somit dürren und zusätzlich zerkleinerten Blättern kann man sich im Heißaufguss (2 Teelöffel mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen; 15 Minuten ziehen lassen) einen Tee zubereiten, der sich sehr gut für das Gurgeln eignet, wenn Mandeln, Hals oder Kehlkopf entzündet sind. Die Häufigkeit der Anwendung legt dabei nach eigenem Gutdünken jeder für sich selbst fest.


Walnuss ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Bei den Kräutern in die Lehre gehen

Am Beispiel des Spitzwegerichs

Die Zeit der Hustenzuckerl scheint momentan vorüber zu sein. Im Zusammenhang mit diesen Lutschbonbons fällt einem normalerweise eine ganze Reihe von Heilkräutern ein. Zu nennen wären dabei beispielsweise Eukalyptus, Fichtenwipferl, Thymian und der allseits bekannte Salbei. Ganz bestimmt gehen unsere Gedanken auch zum Spitzwegerich. Dieses Kraut trifft man im Garten genauso an wie etwa auf einer wilden Wiese und auf den Feldwegen dorthin. Sein Erscheinungsbild ist jedermann bekannt. Die schmalen Blätter fächern sich rund um die Mitte auf, aus der für gewöhnlich ein aufragender Stängel die Blüte und in späterer Folge den heranreifenden Samenstand trägt. Wie in vielen anderen Kräutern sind auch im Spitzwegerich etliche wertvolle Inhaltsstoffe enthalten, zu denen unter anderem die Schleimstoffe zählen. Diese helfen mit, dass durch Entzündungen beeinträchtigte Atemwege wiederum freier werden, um sich ungehindert der Aufnahme des lebenswichtigen Sauerstoffes aus der Luft widmen zu können. Den Spitzwegerich sollte man aber nicht unbedingt darauf reduzieren, dass er zu einem Zuckerl verarbeitet werden kann. Eine ganze Palette von Möglichkeiten der Heilung und der Bewältigung unseres Lebens steht uns Menschen seitens der Pflanze am kargen Weg zur Verfügung. Um dies zu erfahren, muss man sich Zeit nehmen. An Kräutern lässt sich vieles ablesen, was für die Interpretation des eigenen Lebens von Nutzen sein kann. Neben den praktischen naturheilkundlichen Verwendungsmöglichkeiten darf ruhig auch die seelische Dimension zum Tragen kommen, sobald man sich mit dem einen oder anderen Gewächs auseinandersetzt. So eigenartig es klingen mag: Wir dürfen bei den Heilkräutern in die Schule gehen. Die Anleitung dafür gibt es u. a. bei den bewährten Seminartagen im Kräuterzentrum in Karlstein, zu denen ich heute ganz konkret einladen darf.

Kräuterseminar in Karlstein:

Auf den Spitzwegerich treffen wir dabei auf jeden Fall. Er lässt viele wiederum frei atmen, die einen Tee aus seinen getrockneten Blättern trinken. Wir nehmen uns aber auch Zeit, um auf das zu sehen und zu hören, was uns sein Wuchs mitteilt und sein Standort kundtut. Als Kräuterpfarrer darf ich Sie herzlich einladen, beim Kräuterseminar in Karlstein mit dabei zu sein, solange noch Plätze frei sind. Unser ganzes Team steht für Sie zwischen dem 29. und 31. Juli bereit. Ich würde mich sehr freuen, Sie persönlich in diesen Tagen kennenlernen zu dürfen. Auskünfte unter Tel.: 02844/7070-12 oder info@kraeuterpfarrer.at


Spitzwegerich mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wie der Refrain eines Liedes

Mit dem Apfel die Gesundheit festigen

Selbstverständlichkeiten braucht man für gewöhnlich nicht extra zu artikulieren. Doch eigentlich ist es ja nicht schlecht, wenn man z. B. an wichtige Termine von anderen erinnert wird. So gesehen scheue ich mich nicht, meine lieben Leser je neu darauf aufmerksam zu machen, bewusst auf die eigene Gesundheit zu schauen und auch im familiären und freundschaftlichen Umfeld ganz konkrete Tipps weiterzugeben. Einen Apfel sollte man bei sich zu Hause stets griffbereit liegen haben. Bald kommt wiederum die Zeit, da die frühen Sorten in den heimischen Gärten bereits ihre ersten Früchte reif zu Boden fallen lassen. Gar vieles geht davon zugrunde, ohne wirklich geschätzt zu werden. Dabei verführt einen die sonnenreiche und warme Sommerszeit dazu, die physischen Abwehrkräfte etwas stiefmütterlich zu behandeln, da ja anscheinend ohnehin kaum Erkältungs- und Grippeinfekte auftreten. Mit den Äpfeln kann man jedoch das ganze Jahr über vorbauen und das Immunsystem stärken, ohne dafür auf Medikamente zurückgreifen zu müssen. Eine gesunde Ernährung trägt schon sehr viel dazu bei, dass unser Stoffwechsel in geregelten Bahnen läuft. Der Körper kann sich dadurch die nötigen Energien sparen, um die häufig herandringenden Krankheitserreger erst gar nicht über die physische Türschwelle treten zu lassen. Immer wieder einmal zum Apfel greifen, bedeutet keine große Mühe. Als Zwischenmahlzeit eignet sich dieses Obst sowieso hervorragend. Oder man nimmt sich ein bisschen mehr Zeit, um einen wahren „Gesundheitscocktail“ zusammenzustellen. Der Apfel dient dabei als Grundlage.

Die eigenen Abwehrkräfte unterstützen:

Gleich zu Beginn des Tages oder einfach anstatt einer Jause kann man sich einen Apfel folgendermaßen zunutze machen: Dieser wird nach dem Abwaschen fein gerieben. Dann fügt man noch den Saft einer halben Zitrone samt 1 Esslöffel Honig hinzu. Weiters nimmt man 1 Teelöffel gerissenen Kren (= Meerrettich), 2 Esslöffel Weizenkleie und 1 Esslöffel ungeschwefelte Rosinen und mischt alles miteinander gut ab. Dies isst man am besten zusammen mit einer oder mehreren Scheiben Knäckebrot. So wird das Immunsystem auf natürliche Weise gestärkt.


Äpfel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Der Galle die Aufmerksamkeit schenken

Den Augentrost dazu verwenden

Österreich ist reich an Erzen und Gesteinen. Für jeden Geologen gibt es genug spannende Gesteinsschichten, die uns gleichsam zu Füßen liegen. Oft braucht eine mineralische Formation Jahrmillionen, ehe sie an die Erdoberfläche dringt und so Beachtung findet. Viel weniger zeitintensiv ist es, wenn man einen Stollen gräbt und damit an die gewünschte Materie herandringt. Im Inneren unseres Körpers liegen hingegen die Organe an oft sehr verborgenen Stellen, die ebenfalls schwer zugänglich sind, wie etwa die Galle. Mithilfe der Endoskopie gelingt es jedoch, auch auf verschlungenen Wegen des Verdauungstraktes an sie heranzukommen, ohne den operativen Weg dafür in Anspruch nehmen zu müssen. Der Augentrost (Euphrasia officinalis) erweckt aufs erste den Anschein, nichts mit inneren Vollzügen unserer Physis zu tun zu haben. Wie die Bezeichnung dieses Gewächses es verrät, kennt die jahrhundertelange Erfahrung der Naturheilkunde seine Verwendung eher im Zusammenhang mit den Sehinstrumenten unseres Körpers. Der Grund dafür lag sicher auch darin, dass die Blüten des Krautes einen koketten Augenaufschlag eines menschlichen Gesichtes darstellen. Aber wenden wir uns wiederum dem Verborgenen zu. All das, was unsichtbar seinen Dienst vollzieht, bekommt meist erst dann die gebührende Beachtung, wenn es irgendwo zwickt oder Schmerzen zu verzeichnen sind. Die Galle verdient unter diesem Aspekt aber ebenso unsere sorgende Zuwendung wie etwa die Haut unseres Antlitzes, die im Regelfall für jedermann sichtbar ist. Die Inhaltsstoffe des Augentrostes sind durchaus auch dafür vom Schöpfer so in diesem Kraut angelegt worden, dass sie ebenfalls der Verdauungsdrüse gute Dienste erweisen können.

Augentrost-Tee gleich am Morgen:

Für einen Tee, der die Funktion der Gallenblase hilfreich unterstützt, nimmt man 1 Teelöffel des getrockneten und zerkleinerten Krautes des Augentrostes, überbrüht dieses mit 1/4 Liter kochendem Wasser und lässt es 15 Minuten vor dem Abseihen zugedeckt ziehen. 1 Woche lang gleich in der Früh auf nüchternen Magen trinken. Dann eine Woche aussetzen und wiederum in der gleichen Dauer von 7 Tagen fortsetzen. Das kann auch nach überstandener Gelbsucht und bei Magen- und Darmbeschwerden durchgeführt werden.


Augentrost ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Heilsame Impulse auf der Haut

Das Ysopkraut nach Schlaganfällen einsetzen

Was wären große Veranstaltungen wie etwa Fernsehshows oder Freilichtkonzerte, wenn niemand durch das Programm führen würde? Es bedarf unbedingt eines charismatischen Menschen, der die Brücke zwischen dem Präsentierten und dem Publikum zu legen weiß. Egal, ob es sich dabei um einen Moderator, eine Moderatorin oder einen Animateur beiderlei Geschlechts handelt: das Gelingen einer Veranstaltung hängt wesentlich von diesen Vermittlern ab. Im Pflanzenreich gibt es in dieser Hinsicht sehr ähnliche Veranlagungen. Schauen wir uns den Ysop (Hyssopus officinalis) doch einmal genauer an. Dieser Lippenblütler kam ursprünglich im Süden und im Osten des europäischen Kontinents vor. Dort wurde er schon seit langem als Würz- und Heilkraut verwendet. Die Kunde davon blieb natürlich nicht nur vor Ort, sondern wurde mitsamt den pflanzlichen Individuen selbst in andere Regionen verbreitet. Durch seine Anpassungsfähigkeit schaffte der Ysop es, sich aus den Gärten davonzustehlen, um auf so manchem unkultivierten Boden aus eigenen Stücken zu gedeihen. Ein karger und kalkhaltiger Untergrund sind ihm das Liebste, um gut gedeihen zu können. Durch seine Fähigkeit, vor allem vom Sonnenlicht zu profitieren und in seinem Wuchs eine gewisse Leichtigkeit zu verkörpern, ist dieses Gewächs dafür prädestiniert, unserer Physis positive Impulse weiterzugeben. Das ist vor allem vonnöten, wenn der Körper nach einem erlittenen so genannten Schlaganfall ziemlich „schwer“ wird. Damit ist gemeint, dass alle Prozesse wie Bewegung und Kommunikation mit der Umwelt recht mühsam sind und nur sehr langsam vonstatten gehen. Ich bewundere je neu die davon Betroffenen, die sich nicht fallen lassen, sondern durch ein konsequentes Training alles scheinbar Verlorengegangene wiederum Stück für Stück zurückerobern. Der Ysop kann dabei hilfreiche Unterstützung bieten.

Ysop-Öl ansetzen und verwenden:

150 g Ysop-Blütenspitzen werden klein geschnitten und in 1 Liter kaltgepresstem Olivenöl für eine Dauer von 14 Tagen angesetzt. Danach abseihen und kühl aufbewahren. Personen, die sich in einer Rekonvaleszenz nach einem Schlaganfall befinden, sollen sich mehrmals täglich die erlahmten Gliedmaßen damit einreiben oder sich damit massieren lassen, um so die Wiederherstellung der Beweglichkeit zu fördern.


Ysop ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya