Abseits von Rosen und Flieder

Die Ebereschen erfreuen Auge und Lunge

In vollen Zügen einatmen und die Luft anhalten! – Das fällt nicht schwer, wenn etwas in unserer Umgebung angenehm duftet. Sobald die Rosen ihre blühende Pracht entfalten, nehmen ja viele von uns ganz gerne eine Duftdusche entlang der Beete und Rabatten in den sommerlichen Parks und Gärten. Der Flieder hat ebenfalls in dieser Hinsicht seine Pflicht erfüllt und in vielen Räumen eine gute Atmosphäre geschaffen, in denen eine Vase voll mit seinen Zweigen die eigenen vier Wände schmückte. Momentan dürfen wir uns sicher nicht über einen Mangel an blühenden Bäumen und Sträuchern beklagen. Dennoch geraten da einige Gewächse unberechtigter Weise ins Hintertreffen. Gewiss ist es der Eberesche nicht unbedingt eigen, zur Zeit ihrer Blüte betörend zu duften. Die Nase muss sich eher schon daran gewöhnen, führt man eine Blütendolde der Vogelbeeren, wie die Eberesche (Sorbus aucuparia) auch genannt wird, in deren Nähe. Dieses Faktum aber tut der Tatsache, dass die weißen Blütenschirme auch heilende Kräfte besitzen, keinen Abbruch. Generell sei an dieser Stelle einmal mehr darauf verwiesen, dass die blühenden Pflanzenteile von sehr vielen Bäumen und Sträuchern herangezogen werden können, um damit einerseits Leiden zu begleiten und zu mindern und andererseits verschiedene Organe in ihrer Funktion zu unterstützen und zu kräftigen. Als Beispiele seien hier der Weißdorn, die Schlehen und eben die Eberesche als probate Lieferanten einer wirkkräftigen Pflanzendroge angeführt. Heute geht es mir vor allem um die letztere Art. Die Blüten der Eberesche können sehr wohl ganz frisch verwendet werden. Die Klugen bauen aber vor und schaffen sich auch für die Zeit jenseits der Vegetationsperiode eine Reserve, um diese dann gezielt einsetzen zu können. Vom Atmen war schon eingangs die Rede. Das soll sicher auch gut funktionieren, nachdem der wichtige Bereich unserer Bronchien und der Lunge durch einen Infekt geschwächt worden ist.

Ebereschen-Blüten aufgießen:

Im Falle eines Lungen- oder Bronchialkatarrhs kann man zur Maßnahme greifen, mittels dieser man 2- bis 3-mal am Tag eine Tasse Tee trinkt, der mithilfe von Ebereschen-Blüten angerichtet wird. 2 Teelöffel voll Blüten werden dabei mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Dieser Tee kann ruhig auch mit Honig gesüßt werden.


Eberesche ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Um den Finger wickeln

Diesmal mit einer Kartoffel

Mit Charme erreicht man oft mehr als mit Druck und Gewalt. Diese Weisheit zählt durchaus zu den wertvollsten Erkenntnissen, die man im Laufe des persönlichen Reifeprozesses gewinnen kann. Manch einem Menschen ist es quasi schon in die Wiege gelegt, den Sonnyboy oder das Sonnygirl inmitten der je eigenen personellen Umgebung zu sein und manche lernen es eben nie. Die Kartoffel weiß nichts um diese gleichsam sportliche Art, sich die Gunst der Mitmenschen nach bester Möglichkeit zu erwerben. Das Nachtschattengewächs, das ursprünglich auf dem amerikanischen Kontinent beheimatet war, wurde ursprünglich als Zierpflanze gezogen, als die europäischen Expeditionen die Erdäpfel als botanische Beute von den jeweils abenteuerlichen Erkundungstouren über den Atlantik nach Europa brachten. Erst nach und nach erkannte man ihren hohen Wert für die alltägliche Ernährung, aus der die Erdäpfel ja heutzutage kaum mehr wegzudenken sind. Betrachten wir die kraftbringende Zuspeise jedoch genauer, dann können wir auch einen natürlichen Heilungseffekt in der Grundbirne entdecken, wie die Kartoffel ja mancherorts bezeichnet wird. Unter diesem Aspekt können wir Zweibeiner einen Charme aufbringen, um uns letztendlich die Kartoffel um den Finger zu wickeln. Leider gibt es eine beträchtliche Zahl derer, die mit dem Stichwort „Gicht“ ihre einschlägigen schmerzvollen Erfahrungen gemacht haben. Gerade, wenn die Finger davon betroffen sind, stellt dies eine nicht unerhebliche Beeinträchtigung für so manche Tätigkeiten dar. Um zumindest eine Linderung zu erfahren, sollte man es einmal ausprobieren, die Erdäpfel für eine Anwendung aufzubereiten.

Kartoffel-Kleie-Brei anrichten:

Geschwollene Finger, die aufgrund von Gicht in diesen Zustand geraten sind, kann man mit einem eigens zubereiteten Brei bestreichen. Dazu nimmt man 3 besonders stärkehaltige Kartoffeln, um diese in Wasser zu kochen. Danach seiht man das Wasser ab und fügt den Erdäpfeln samt Schale 2 bis 3 Esslöffel Weizenkleie hinzu. Beides zusammen wird nun gut durchgedrückt und abgemengt. Den daraus entstandenen Brei streicht man über die schmerzenden Stellen in der Art des Einseifens beim Waschen. So lange auf den Fingern lassen, bis es erkaltet, mit der Hand abwischen und neuen Brei auftragen. Ca. 10 Minuten lang durchführen und dann mit lauwarmem Wasser alles abwaschen.


Erdäpfelstaude ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein pflanzlicher Dreiklang

Salbei, Thymian und Käsepappel für den Mund

Allabendlich und noch am Morgen klingt es an mein Ohr. Voller Freude vernehme ich die Stimmen zweier Nachtigall-Männchen, die offenkundig mit betörendem Gesang ihre Brutreviere im Gebüsch am Rande der Klosterteiche abstecken und somit ihre Anwesenheit verraten. Lange ist es her, dass ich ihre Melodien live mitverfolgen konnte. Und von meinem jüngsten Aufenthalt im südlichsten Bundesland Österreichs kenne ich den Spruch: Drei Kärntner zusammen ergeben automatisch einen Chor. Unter den Kräutern gibt es ebenso oft ein harmonisches Zusammenspiel, das einer mehrstimmigen Singgruppe gleicht. Gewiss wird man in dieser Hinsicht auf einen akustischen Ohrenschmaus verzichten müssen. Dennoch sind Kräuter wie z. B. Salbei, Thymian uns Käsepappel durchaus in der Lage, uns zumindest etwas zu sagen. Um diese Botschaft entschlüsseln zu können, ist es meiner Meinung nach wichtig, die standortlichen Gegebenheiten der Gewächse als erstes unter die Lupe zu nehmen. Alle drei stehen keineswegs im Schatten. Sie setzen sich gerne dem vollen Sonnenschein aus und wirken so ähnlich wie Kollektoren, die vorhandene Energien aufnehmen, speichern und auch weitergeben können. Darüber hinaus verstehen sie es, aus oft kargem Boden das Notwendige mit den Wurzeln aus dem Erdreich zu bergen und damit ihren Wuchs zu festigen. Als drittes sei darauf verwiesen, dass ihre je eigenen Inhaltsstoffe durchaus zur Reinigung, Heilung und Stärkung des ganzen Körpers oder einzelner Regionen des Organismus oft Beträchtliches beitragen können. Ja, wenn ein Dreigesang in rechtem Wohlklang seine Stimmen erhebt, dann klingt es aus dem Mund der Sänger heraus. Die angesprochenen Kräuter schlagen in einem Ansatz die andere Richtung ein und dürfen so ruhig im Mund der Sangesfreudigen landen.

Tinktur zum Spülen und Gurgeln:

Getrocknetes Kraut von Salbei, Thymian und dem Malvengewächs Käsepappel wird zerkleinert und zu gleichen Teilen zusammengemischt. Davon nimmt man 5 Esslöffel voll und setzt die Kräutermischung in 1/4 Liter Obstbrand an. 14 Tage stehen lassen und dann abseihen. Den Rückstand ebenfalls auspressen. In dunkle Fläschchen abfüllen. Zum Gurgeln und Ausspülen des Mundes nimmt man je 20 Tropfen, die man in ein Achtel-Glas mit lauwarmem Wasser gibt.


Thymian ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Salbeizweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Käsepappelzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Bevor die Blüten fallen

Den Kreislauf der Kastanien nützen

„Sofern wir in die Natur eingreifen, haben wir strengstens auf die Wiederherstellung ihres Gleichgewichts zu achten.“ Mit diesem Zitat fühlen wir uns wahrscheinlich in den Text einer Präambel des abschließenden Dokumentes einer internationalen Umweltkonferenz hineinversetzt. In Wahrheit stammt aber dieses Zitat aus dem alten Griechenland, genauer von Heraklit von Ephesos. Wollen wir eine Maßnahme an uns selbst setzen, die unsere verlorengegangene Gesundheit wiederherzustellen versucht, streben wir ja ebenfalls das Austarieren der eigenen körperlichen Verfassung an. Die Rosskastanien, die oft in Form von Alleen die Wege und Parks säumen, stellen in signifikanter Weise einen Kreislauf dar, der mit den Jahreszeiten geht und somit ein rechtes Gedeihen und Wachsen ermöglicht. Im Baum selbst muss also der rechte Fluss vorherrschen, der den gesamten Pflanzenriesen mit seiner Umwelt Schritt halten lässt. Die menschlichen Leiden wie etwa Krampfadern, Hämorrhoiden oder Geschwüre an den Unterschenkeln signalisieren den Betroffenen, dass ihr eigenes Gleichgewicht der völlig intakten körperlichen Prozesse wie Blutfluss und Stoffwechsel mehr oder weniger ins Wanken geraten ist. Daher wäre es in diesem Fall ratsam, sich der Hilfe der Natur zu bedienen, um diesem Umstand wiederum eine Umkehr zu ermöglichen. Zu allererst ist das Staunen angesagt, wenn z. B. die blühenden Kastanienbäume ihre volle Pracht für eine kurze Zeit entfalten. Diese Haltung wirkt sich wiederum auf die Lockerung der inneren Organe aus. In einem zweiten Schritt sollte man dann aber auch die Inhaltsstoffe der Kastanien in Anspruch nehmen, um nicht der Seele allein die Arbeit der Genesung erledigen zu lassen. Unser Schöpfer hält eben für beides seine fürsorgende Güte bereit.

Tee aus Kastanienblüten:

Zur Blütezeit der Rosskastanien zupft man die weißen Blütenkronen ab und trocknet sie vorsichtig. In weiterer Folge kann man eine Trinkkur durchführen, indem man für eine Tasse 2 Teelöffel voll Blüten mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießt und 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lässt. Dann abseihen und je morgens und abends eine Schale davon trinken. Die Dauer sollte 3 Wochen nicht überschreiten. Das wirkt lindernd bei Krampfadern und Hämorrhoiden.

Rosskastanienblüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Auf ins Bad!

Und pack die Kräuter dazu ein!

Die Badesaison ist bereits vor geraumer Zeit eröffnet worden. Angefangen von den Wiener Freibädern bis zu den Kärntner Seen gab es schon Wagemutige, die sich auch durch eher frische Wassertemperaturen nicht davon abhalten ließen, dem erquickenden Schwimmen zu frönen. Nebenbei bemerkt, ich selbst zähle nicht zu jenen abgehärteten Naturen. ;-) In vielen gesundheitlichen Anliegen rund um unsere Haut kann jedoch eine Form der Anwendung ganz leicht ohne das Risiko einer Gänsehaut durchgeführt werden, solange ein warmes Wasser aus der Leitung fließt. Und dazu ist es auch nicht notwendig, die Badehose einzupacken, da man sich dabei in den eigenen vier Wänden befindet. Hingegen dürfen ruhig Kräuter mit von der Partie sein. Die Apotheke der grünenden Natur hält ja so manch wirkungsvolle Schätze bereit, die man ohne großen Aufwand verwenden kann. Gerade salicylhältige Pflanzen können dazu beitragen, dass sich die Haut regeneriert und gereinigt wird. An erster Stelle rangiert hier die Weidenrinde. Diese kann von fingerdicken Ästen frisch abgeschält werden. Die verschiedenen Weidenarten kommen dabei in Frage, die entlang der Fluss- und Bachbette unserer Heimat wurzeln und gedeihen. In sehr vielen Gärten wiederum steht die große Heilerin bereits, um ihr an den Blüten ablesbares sonniges Gemüt den Bedürftigen zur Verfügung zu stellen. Die Rede ist, wie manche vielleicht erahnen können, von der Ringelblume. Unsere äußere Schutzschicht hat einen eigenen Fetthaushalt. Gerät dieser ins Ungleichgewicht, so verstopfen sich in der Folge vermehrt die Poren und es bilden sich die berühmten Pickel. Aber zusätzlich haben es viele Arten von Pilzsporen darauf abgesehen, sich für eine längere Dauer auf unserer Haut einzunisten und auszubreiten. Genau in diesen Anliegen können Weidenrinde und Ringelblume im Zweierpack die Haut stärken.

Natürlicher Badezusatz:

Bei unreiner, pickeliger oder von Pilzen befallener Haut kann eine begleitende Maßnahme in Form eines Kräuterbades zur Durchführung kommen. Dazu nimmt man 100 g frische und zerkleinerte Weidenrinde, die in 3 Liter Wasser 1/4 Stunde lang gekocht wird. Danach von der Platte nehmen, 100 g zerkleinertes Ringelblumenkraut mitsamt den Blüten hinzugeben und beides zusammen 30 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abschließend abseihen und ins Badewasser gießen. Dann zirka 20 Minuten in der Wanne bleiben.

Weide ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Jeder Storch hat einen Schnabel

Ein Gewächs erinnert daran

Auf unserem Stift im Waldviertler Geras nistet alljährlich ein Storchenpaar. Die frohe Kunde der Ankunft von Meister Adebar verbreitet sich im Frühling ganz rasch, gilt dies doch als Zeichen der Hoffnung und der Zuversicht. Akustisch merkt man die Rückkehr der äußerst ästhetischen Schreiter zudem durch das unverkennbare Klappern, das vom hohen Dach heruntertönt. Dieses Signal der Begrüßung und der gleichzeitigen Markierung des Brutreviers wird mittels der kräftigen langen roten Schnäbel erzeugt, die für die heimischen Storcharten typisch sind. An den Mauern der Gärten, an den Hängen entlang der Waldwege und unter den Gebüschen entlang der Felder ist hingegen jemand anderer bereits zu vollem Wuchs emporgesprossen. Es ist der Stinkende Storchschnabel (Geranium robertianum), der auch als Ruprechtskraut dem Volksmund bekannt ist. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen möchte ich zur Ehrenrettung der ornithologischen Weiß- und Schwarzstörche hier festhalten, dass nicht ein etwa vorhandener Mundgeruch der legendären Kinderbringer für eine derartige Bezeichnung verantwortlich ist. Vielmehr ist es der für die menschliche Nase eher unangenehme Geruch, der den Pflanzenteilen des Ruprechtskrautes entströmt. Bei den verwandten Arten des Storchschnabels, die in Form der hochgezüchteten Geranien und Pelargonien die Blumenkisterl zieren, können wir durchaus auch einen markanten Duft an deren Blättern feststellen, die jedoch dem Geruchssinn eher zuträglich sind. Seit jeher wurde der Stinkende Storchschnabel in der Naturheilkunde geschätzt, doch ist er in heutiger Zeit beinahe in Vergessenheit geraten. Leider bleiben wir trotz unseres modernen Lebensstiles nicht davor gefeit, dass sich auf den inneren Organen so manche Krankheiten und Schwächen einstellen. Dazu zählen auch die Nieren. Selbstverständlich ist es dabei wichtig, sich einer gründlichen ärztlichen Untersuchung zu unterziehen, um wiederum durch eine wirkungsvolle Therapie die erhoffte Gesundheit zu erlangen. Der Storchschnabel kann aber zudem etwas beitragen, um diesem Ziel näher zu kommen.

Die Nieren unterstützen:

Bei Erkrankungen der Nieren und der Nebennieren ist es möglich, täglich eine Schale Tee zu trinken, der aus den blühenden Pflanzenteilen des Stinkenden Storchschnabels im Heißaufguss zubereitet wird (2 Teelöffel für 1/4 l Wasser, 15 Minuten ziehen lassen). Das tut man so lange als notwendig je 3 Wochen hintereinander, um dann eine weitere Woche zu pausieren. Vorausgesetzt ist natürlich, dass der behandelnde Arzt nichts Gegenteiliges anweist.

Stinkender Storchschnabel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Von Kindesbeinen an

Die Haut an Kräuter gewöhnen

Bald darf ich wiederum ein Kind taufen. Die kleinen Erdenankömmlinge ziehen automatisch die Aufmerksamkeit der ganzen Verwandtschaft auf sich, wenn wir uns rund um den Taufbrunnen versammeln, egal, ob sie lächeln, schlafen oder gar jämmerlich weinen, weil es im Bauch zwickt. Bedingungslos wird ein Baby, das die Eltern zur Taufe tragen, in die Kirche durch das Sakrament aufgenommen. Ab diesem Zeitpunkt bedarf es dann der kompromisslosen Begleitung derjenigen, die für das Leben des Kindes verantwortlich sind. Für die physische Entwicklung des Sprösslings ist es von keiner geringen Bedeutung, mit Kräutern und Pflanzen in Berührung zu kommen. Es nimmt nicht wunder, wenn so und so viele weder Muttermilch als Nahrung noch eine natürliche Umgebung mit Erde und Pflanzen zum Krabbeln haben und in der Folge z.B. in Form von Allergien auf ihre Umwelt reagieren. Nun liegt es nicht in jeder Mutter oder in jedes Vaters Macht, die Kleinen im eigenen Garten oder auf dem Bauernhof mit all dem zu konfrontieren, was zu den Vorstellungen einer schönen Kindheit auf dem Land dazugehört. Immer mehr sind ja gezwungen, ihren Nachwuchs in einem städtischen Umfeld aufzuziehen, weil auf dem Land schlicht und einfach die Arbeitsplätze fehlen. Das ist aber noch lange kein Grund, um auf die heilende und manchmal auch herausfordernde Wirkung der Heilpflanzen zu verzichten. Wiederholt wird in dieser Kolumne darauf verwiesen, in Form von Bädern die Gesundheit mithilfe der mannigfaltigen Gewächse zu fördern und zu festigen. Wenn es nun schon vonnöten ist, ein Baby möglichst täglich zu baden, so darf das ebenfalls eine Gelegenheit sein, um hierbei die Kräuter ein Wörtchen mitreden zu lassen.

Kinderbäder anreichern:

Um die Haut der ganz Kleinen zu pflegen und zu stärken, kann man das Baden des Babys nutzen, um die Wirkkraft der Kräuter den Schützlingen zukommen zu lassen. Prädestiniert dafür sind vor allem Kamillenblüten, blühendes Thymiankraut oder Melissenblätter. Von den getrockneten und zerkleinerten Pflanzenteilen nimmt man am besten 5 Esslöffel voll, die man mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergießt und 15 Minuten zugedeckt ziehen lässt. Danach abseihen und dem Badewasser beifügen. Viel Spaß beim Plantschen!

Melisse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Zwischen Kopf und Leber vermitteln

Gänseblümchen sind erfolgreiche Diplomaten

Da greift man sich doch auf den Kopf! – In der Regel möchte man damit zum Ausdruck bringen, dass jemand ohne sichtbaren Verstand handelt. Oder es sind physische Schmerzen, die einen die Hände vermehrt Richtung Haupt und Gesicht wandern lassen. In der Tat können Kopfschmerzen ihre äußerst negativen Auswirkungen auf die Gestaltung eines ganzen Tages haben. Fragen wir aber nach den Ursachen, dann dürfen wir einige Etagen tiefer gehen. Bevor wir das tun, soll unser Blick auf die Wiese geschwenkt werden, wo ein Kraut wächst, das vor allem quasi aus Kopf besteht. Der Grund hierfür liegt natürlich in unserer visuellen Wahrnehmung. Denn die Blätter des Gänseblümchens (Bellis perennis) fallen den Augen inmitten der vielen Gräser und anderen Pflanzen ja kaum auf. Seine Blütenköpfe jedoch geben uns ein eindeutiges Signal seines Vorhandenseins. Den Anregungen der so genannten Signaturenlehre folgend, dürfen wir ruhig den Schluss ziehen, dass ein Heilkraut mit einem großen (Blüten-)Kopf höchstwahrscheinlich Wirkstoffe in sich trägt, die dem menschlichen Haupt gut tun. Bei Kopfschmerzen, die zu einem Großteil lediglich ein Symptom darstellen, darf man sich also fragen, wo denn die eigentlichen Ursachen für den misslichen Umstand liegen. Manchmal ist die Leber dafür verantwortlich, dass vermehrt Kopfweh auftritt. Sollte jemand einmal über seinen eigenen Durst hinaus getrunken haben, so hat das im Zusammenhang mit alkoholischen Getränken wohl seine eindeutige Ursache. Dennoch gibt es zudem viele andere Gründe, warum die Leber beeinträchtigt oder geschwächt ist. In jedem Fall sollte man zwischen dem inneren Organ und dem Kopf in einer guten Weise vermitteln, bevor einem der Kopf zu „platzen“ droht. Und somit landen wir wiederum beim Gänseblümchen, das der Leber gut tut und die Steuerungszentrale unseres Leibes wiederum klarer sehen und denken lässt.

Frische Gänseblümchen aufgießen:

Unermüdlich blühen Gänseblümchen fast das ganze Jahr über. So kann man gleich nach dem Abzupfen der Blüten sowie der Blätter diese unter fließendem Wasser reinigen und ein wenig zerkleinern. Einen vollen Esslöffel davon übergießt man mit 1/4 Liter kochendem Wasser und lässt beides zusammen 15 Minuten lang zugedeckt ziehen. Nach dem Abseihen schluckweise trinken, am besten in der Früh und am Abend, pro Monat 1 Woche lang. Das hilft mit, Kopfschmerzen zu lindern, die ihren Grund in einer Dysfunktion der Leber haben.

Gänseblümchen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Fit im Alter

Honig hat man schnell zur Hand

Das Pensionsalter wird demnächst angehoben werden. Sämtliche Prognosen sprechen dafür. Ob uns das passt oder nicht: es wird wohl kaum einen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahrzehnte haben. Tatsache ist, dass immer mehr von uns eine höhere Lebenserwartung haben. Die Frage, die dieser Feststellung auf den Fuß folgt, ist jene nach der Gesunderhaltung unserer selbst mit fortgeschrittenem Alter. Eine Biene erreicht bei weitem nicht eine derartig hohe Anzahl an Lebensjahren wie wir Menschen. Dennoch leistet sie im prozentuellen Vergleich zu ihren Erdentagen Gewaltiges. Davon profitiert nicht nur ihr eigenes Volk, sondern zur gleichen Zeit auch alles, was an Leben indirekt oder direkt mit dem Flug und der Arbeit der Immen zu tun hat. Bleiben wir einmal bei den floralen Lebewesen in Form von großen Bäumen oder ganz kleinen Kräutern. Wenn kein Austausch zwischen den fliegenden Insekten und den Gewächsen bestünde, würde wohl vieles nicht fruchten und sich in der Folge vermehren. Im beständigen Kreislauf der Natur ist es nun einmal ganz geheimnisvoll vorgesehen, einen kontinuierlichen Austausch an Kraft und Energie zu vollziehen. In menschliche Sprache gehüllt, ist es nichts anderes als ein Nehmen und Geben, ein Empfangen und ein Schenken, das die Welt leben lässt. Wir Erdenbürger haben auch noch im hohen Alter eine Qualität, die ganz und gar nicht von einer arbeitsmäßigen Leistung bestimmt ist. Gewiss wünscht sich jeder, bis zum letzten Atemzug agil bleiben und durchaus das Seine für die Umwelt und die Familie beitragen zu können. Übersehen wir aber in diesem Bestreben die Weisheit nicht, die nach einem langen Leben oft die schönste Krone zu sein scheint, die Betagte präsentieren können. Dazu zählt nicht zuletzt die Einsicht, am eigenen Leib keinen Raubbau zu betreiben, sondern dankbar jeden neuen Tag als Geschenk anzunehmen. Der Honig kann mithelfen, dass dies ganz konkret gepflegt wird.

Honigwasser abrühren und trinken:

Vorerst nimmt man schlicht und einfach Leitungswasser, das man zur Sicherheit abkocht. Dann lässt man dieses auf 40 °C abkühlen und rührt erst hernach einen Esslöffel voll Bienenhonig in 1/4 Liter davon hinein. Trinkt man früh und abends ein Glas voll, trägt dies zu einer effektiven Stärkung des Herzmuskels und seiner Kranzgefäße bei. Gerade in fortgeschrittenem Alter kann diese einfache Anwendung nur wärmstens empfohlen werden.

Honig ⓒ Foto: Flickr: Andreas Levers

Stärkung für einen verborgenen Muskel

Schafgarbe zum Dopen

„Mens sana in corpore sano“ – für alle Nicht-Lateiner: „Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ – das war schon seit der Antike ein Motto, das auf unterschiedlichste Weise rezipiert und je nach Belieben eingesetzt wurde. Auch manch unheilvoller Gebrauch war dabei, wenn wir z. B. vor kurzem des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 70 Jahren gedachten. Die Ertüchtigung des Körpers ist an und für sich nichts Schlechtes. Doch braucht dieses Streben wie jedes andere sein Maß und vor allem das Ziel, den Menschen damit nicht auf seine rein physische Dimension zu verkürzen. Ein kraftvolles Kraut, das durchaus imstande ist, bei verschiedensten naturheilkundlichen „Leistungswettbewerben“ mitzumachen, ist die Schafgarbe (Achillea millefolium). Mit ihren fein gefiederten Blättern deutet sie allein schon über unseren Sehsinn darauf hin, dass eine mannigfache Verwendung des zu den Korbblütlern gehörenden Krautes von unseren Wiesen möglich ist. Um wiederum auf den Menschen und seine Sportlichkeit zurückzukommen, ist es generell wichtig, dass seine zahlreichen Muskeln in einem guten Ausmaß bewegt und beansprucht werden. Aufgrund unserer überzivilisierten Lebensbedingungen werden daher auch die Leiden immer mehr, die auf eine zu geringe oder nur einseitig durchgeführte Bewegung unseres Körpers zurückzuführen sind. In diesem Zusammenhang möchte ich hier gerne das Wort für die Orthopäden ergreifen und auf den engen Zusammenhang zwischen unserem Knochengerüst und die es überziehenden Muskeln verweisen. Eine Zone, die jedoch leicht übersehen wird, ist unsere Blase. Dies geschieht meist solange, bis sie ihren Dienst nicht mehr regulär verrichten kann. Verschiedene Gründe führen zu einer Schwächung der Schließkraft des Urinspeichers. Ein erlaubtes Doping, das vor allem mithilft, einen äußerst unangenehmen Missstand zu beheben, kann durchaus mit der Schafgarbe durchgeführt werden.

Tee aus Schafgarbe:

Die getrockneten Blätter und Blütendolden der Schafgarbe werden zerkleinert. Davon nimmt man 2 gehäufte Teelöffel voll und übergießt diese mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 3 Tassen pro Tag zwischen den Mahlzeiten getrunken, helfen mit, den Schließmuskel der Harnblase im Falle einer Schwächung wiederum zu Kräften zu bringen.

Schafgarbe mit Wurzel ⓒ Foto: Oneness-World.eu