Schon am Morgen jausnen?

Zumindest wenn Nüsse mit dabei sind

Wir Menschen sind ganz verschieden veranlagt. Das betrifft nicht nur den Geschmack bei Mode, Autos oder Kunstwerken. Je nach Typ ist es eine andere Tageszeit, in der vor allem geistige Tätigkeiten bevorzugt durchgeführt werden. Ich selbst bin eindeutig ein Morgenmensch. Das habe ich anscheinend von meinem Vater geerbt, der als Jäger noch vor Tagesanbruch aus dem Bett musste. Von Walnüssen wissen wir, dass sie uns sehr gut helfen können, im Denken und Analysieren wach und leistungsfähig zu sein. Sie weisen allein schon durch ihre äußere Erscheinungsform auf einen Zusammenhang mit unserem Gehirn hin. Bereits seit langen Zeiten weiß man um diese Kraft. Ich gebe gerne immer wieder den Rat, sich des Sommers unter einen Nussbaum zu setzen und das würzige Aroma einzuatmen, das seinen Blättern entströmt. Gerade dann, wenn es gilt, schwierige denkerische Aufgaben oder scheinbar komplexe Überlegungen anzustellen, kann dies hilfreich sein. Es ist aber auch schon von Nutzen, in der Nähe eines Nussbaumes auszuspannen und einfach die Seele baumeln zu lassen. Jetzt ist natürlich von grünen Nussblättern weit und breit nichts zu sehen. So ist es besser, ein paar Walnüsse herzunehmen und diese zu knacken, um ihren wertvollen Fruchtkern zu bergen. Da kann man sich in aller Frühe eine gute „Jause“ zubereiten, um so etwas mehr gewappnet und aufmerksamer in den Tag zu gehen. Diese Zeit vor dem Gang ins Büro oder an einen anderen Arbeitsplatz sollte uns wert erscheinen, sie uns zu gönnen.

Topfenaufstrich mit Nüssen:

Dazu benötigen wir einmal 100 g Magertopfen. Diese werden dann mit 1 Esslöffel gutem Bienenhonig und ca. 1 Esslöffel voll Milch verrührt. Zusätzlich wird eine Menge von 50 g grob gehackter Walnusskerne in einer trockenen Pfanne ganz leicht angeröstet, bevor man sie der abgerührten Mischung beifügt. Das ergibt einen gesunden und schmackhaften Aufstrich, den man zusammen mit einem vollwertigen Brot gleich in der Früh genießen kann. Dies unterstützt in der Folge die Tätigkeit des Hirns bei allen Arten von Denkprozessen.

Walnuss ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Bis in den Rachen schauen

Und mit drei Kräutern gurgeln

Eine Höhle in einem Gesteinsmassiv hat immer etwas Geheimnisvolles an sich. Manchmal auch etwas Gefährliches. Unser Mund gleicht so gesehen ebenfalls einem Eingang zu sonst kaum einsehbaren Regionen unseres Körpers. Hinter die Zähne schauen wir selbst und unsere Mitmenschen eher selten. Es gehört hingegen zum klassischen Klischee eines praktischen Arztes, dass dieser seinen Patienten die Zunge rausstrecken lässt, um etwaigen Entzündungen im Hals- und Rachenbereich auf den Grund zu gehen. So ungern wir das womöglich über uns ergehen lassen, so sehr sollten wir den guten Wirkstoffen, die in den Heilkräutern Salbei, Thymian und Käsepappel enthalten sind, den Zutritt in den äußerst sensiblen Bereich unserer Mundhöhle gewähren. Immerhin besitzen diese drei die Fähigkeit, im Falle einer Erkrankung dem Organismus ihre reinigenden, zusammenziehenden und heilenden Kräfte zur Verfügung zu stellen. Wir ersparen uns dadurch vielleicht so manches Herumzerren an unserer Zunge. Denn zusätzlich zur kompetenten Kenntnis eines medizinisch ausgebildeten und qualifizierten Arztes steht uns ja unser eigenes nervliches Sensorium zur Verfügung, das uns mit sehr hoher Treffsicherheit eine Veränderung an den Bereichen des Halses signalisiert, die eben eine klassische Erkältung mit sich bringt. Sollte es sich also um Entzündungen handeln, die man durchaus selbst in den Griff zu bekommen vermag, sollte man den Platz im Wartezimmer der Mediziner denen überlassen, die ihre Hilfe dringender benötigen. Machen wir es doch einmal umgekehrt und rufen wir die Kräuter auf, nach denen unser Hals und unser Kehlkopf verlangen.

Tinktur zum Gurgeln:

Zum Herstellen benötigt man die getrockneten Kräuter Salbei, Thymian und Käsepappel. Je einen Esslöffel voll der zerkleinerten Pflanzendroge nehmen und zusammenmischen. In 1/4 Liter gutem Obstbrand 14 Tage lang ansetzen, danach abseihen und in dunkle Fläschchen füllen. Zum mehrmaligen Gurgeln pro Tag nimmt man 20 Tropfen davon, die man in ein Achtel-Glas mit lauwarmem Wasser gibt. Bei Halsschmerzen, Heiserkeit oder Angina anwenden.


Salbeizweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Käsepappel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Thymian ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Mit Bitterkeit in Berührung kommen

Im Tausendguldenkraut reichlich vorhanden

Der Begriff „Wellness“ hat meiner Meinung nach zwei Seiten. Es steht außer Diskussion, dass es uns allen gut gehen soll. Dafür dürfen wir unsere Physis wie auch unsere Psyche pflegen und manchmal auch verhätscheln. Hilfsmittel und Angebote gibt es dafür en masse. Im Leben gibt es aber auch bittere Phasen, die einfach unumgänglich sind. Wenn von Bitterstoffen die Rede ist, so findet man im Tausendguldenkraut (Centaurium umbellatum) einen pflanzlichen Vertreter, der reich damit bestückt ist. Die Naturheilkunde wusste diesen Umstand von jeher zu nutzen. Die Verdauung und das Gedächtnis sind nach wie vor Adressaten der Wirkkräfte des schmucken Enziangewächses. Aber kehren wir zurück zum homo sapiens. Dieser korrespondiert mit seiner Umwelt auf verschiedene Weise. Wir können sie der Reihe nach aufzählen: die Stimme und die Sprache gehören dazu, die Mimik des Gesichtes, die Gestik der Hände, der Arme und der Beine. Haben wir etwas dabei vergessen? Ja, die Ausdünstung. Tiere z. B. merken viel früher als wir Intelligenzbegabten, ob wir Angst haben oder ob wir furchtlos dem animalischen Mitbewohner gegenübertreten. Aber auch uns geht es oft so, dass wir jemanden, der nicht unbedingt unserer Sympathie würdig ist, sprichwörtlich und manchmal auch reell nicht riechen können. Bei manchen Krankheiten lässt sich ein übler Körpergeruch zudem kaum vermeiden. Und nicht zuletzt ist es der jeweils gepflegte Lebensstil, der für unsere atmosphärische Aura verantwortlich zeichnet. Das Tausendguldenkraut will uns lehren, die Bitternis in unserem Leben ganz bewusst anzunehmen und es kann mithelfen, durch bewusste Pflege der Haut wiederum gesellschaftsfähig und für die anderen zugänglich zu werden.

Einreibung bei Körpergeruch:

Über Nacht setzt man 1 Teelöffel voll des getrockneten und zerkleinerten Tausendguldenkrautes in 1/2 Liter kaltem Wasser an. Am Morgen abseihen und bei Zimmertemperatur verwenden. Den Körper an seinen transpirierenden Stellen damit abreiben und den Ansatz von alleine in die Haut einziehen lassen. Wenn man diesem Tee ein paar Löffel hochprozentigen Alkohol beifügt, hat man eine haltbare Einreibung zur Hand, die für eine längere Zeit ausreicht.

Tausendguldenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Alle Hände voll zu tun

Mit Brennnesseln die Spuren beseitigen

Sind Sie schon einmal umgesiedelt? Oder haben Sie schon einmal ein Haus als Hinterlassenschaft ausgeräumt? – Aufgrund der einschlägigen Erfahrungen sagt man dann gelegentlich: Lieber abbrennen als umsiedeln. Natürlich gibt es auch andere Tätigkeiten, die den vollen Einsatz der Hände verlangen, wie z. B. die landläufig als Unkraut bezeichneten Gewächse an unliebsamen Stellen entfernen, sprich: jäten. Unter den als durchaus wuchskräftig zu bezeichnenden Pflanzen finden sich sicher auch die Brennnesseln. Diese mit bloßer Hand anzugreifen, bringt bei ungenügendem Geschick den als brennend empfundenen Effekt auf den Fingern mit sich. Wir kennen bereits sehr viele positive Eigenschaften der Brennnesseln, die unter anderem blutreinigend und entschlackend wirken, sofern aus den grünen Pflanzenteilen ein Tee angerichtet und getrunken wird. Im Hinblick auf das Säubern und Pflegen unserer Hände sollten wir aber die Wurzeln des an vielen Stellen und Ecken wuchernden Heilkrautes nicht übersehen. So kann es ja sein, dass gerade im Herbst und im Frühjahr beim Umgraben der einzelnen Gartenflächen und Beete ein ganzer Schippel voll Brennnesseln anfällt. Von einem Gutteil kann man dabei die Wurzeln abtrennen und sie zum Trocknen auflegen. So hat man auch in der kalten Jahreszeit eine Substanz parat, die dazu dient, um sie für alle möglichen Gelegenheiten zu verwenden. Die Wurzeln der Brennnesseln kann man ohne Vorsichtsmaßnahmen mit bloßen Händen anfassen. Wenn dann dabei z. B. das Erdreich seine Spuren in der rauen Oberfläche der Haut der arbeitssamen Greifer hinterlässt, kann man mithilfe der unterirdischen Pflanzenteile der Brennnesseln dafür sorgen, nach getanem Werk wiederum schön und gepflegt auszusehen.

Brennnessel-Wein für Waschungen:

Man nehme eine Handvoll frischer oder getrockneter Brennnesselwurzeln und koche diese in einem Gemisch von 1 Liter Weißwein und 1/4 Liter Obstessig. Danach abseihen und die Pflanzensubstanz zusätzlich noch ausdrücken. Den so entstandenen Weinabsud füllt man in kleine Flaschen, um diese kühl und dunkel zu lagern. Zu abendlichen Waschungen für die Hände ist dieser Brennnessel-Wein sehr gut geeignet, um die Handflächen und die Finger schön weiß zu halten.

Brennnesseln ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Sich selbst auf den Mund schauen

Lippen benötigen einen sanften Schutz

Sie wissen sicher, was ein Smily (oder auch: Smiley) ist, oder? Wenn nicht; so sieht er aus: ☺ oder so: ;-) . Mit diesem Begriff ist einfach das Lächeln gemeint, das man sich über die so genannten sozialen Medien zusendet. Mit ein paar Strichen und Punkten wird eindeutig ein freundliches oder lachendes Gesicht skizziert. Natürlich gibt es auch traurige Smilys! ☹ Wichtig sind dabei vor allem die Lippen, die eine jeweilige Verfassung anzeigen. Ja Lippen sind eben nicht nur zum Sprechen und zum Küssen da. Sie signalisieren dem Gegenüber sofort, was Sache ist. Ich finde in diesem Zusammenhang auch die Aussage schön, dass man jemandem einen Wunsch von den Lippen abzulesen imstande ist. Der sensible Grenzbereich des Mundes braucht aber unbedingt dann und wann Pflege und Schutz. Die Kosmetik spielt in diesem Anliegen jedoch nur eine nachgeordnete Rolle. Gerade in der kühleren Jahreszeit werden unser Lippen leicht rissig und spröde. Übermäßig aufgeheizte und trockene Luft in geschlossenen Räumen tun das Ihre zu dem nicht unbedingt erwünschten Leiden dazu. Wer sich ein wenig Zeit gönnt, dem kann es gelingen, nicht nur den Weg in den Drogerie-Fachhandel zu beschreiten, sondern selbst mit natürlichen Mitteln Zeit, Phantasie und letztendlich Liebe zu investieren, um den Lippen eine Wohltat zuteil werden zu lassen. Der Erfahrungsschatz der ungezählten Hausmittel hat auch hier einen ganz konkreten Hinweis parat. Man darf sich ruhig einmal selbst etwas Gutes tun. Womöglich ist es dann einfacher, nicht nur über Handy und Computer ein Lächeln zu verschicken, sondern eben dieses einander von Angesicht zu Angesicht zu schenken. Gott segne Ihren heutigen Tag! ☺

Lippencreme selbst anrühren:

Wie bei einem Kochrezept braucht man auch hierfür die Zutaten, die da sind: 1 Esslöffel Olivenöl, 1 Esslöffel Avocado-Öl, 1 Esslöffel ungesalzene Butter und 2 Esslöffel Lanolin. Zusätzlich nimmt man noch 1 Teelöffel voll Honig. Anstatt des Olivenöls kann man auch einen Ringelblumen-Ölauszug verwenden. Im Wasserbad wird alles zusammen geschmolzen und dann mit einem Handmixgerät so lange gerührt, bis die Creme abgekühlt ist. Abschließend in geeignete Tiegel füllen. Kühl und dunkel lagern. Bei Bedarf auf die Lippen auftragen.

Olivenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Manchmal ist der Mensch ein Nagetier

Fingernägel haben es nicht leicht

Es gibt Bräuche, die kommen einfach nicht ab. Wer streng erzogen wurde, der weiß, sich in der Öffentlichkeit auch adäquat zu benehmen. Man könnte einen ganzen Katalog aufzählen, was sich alles eben nicht schickt. Ganz schlimm wird es, wenn man in eine Kombination von Langeweile und gleichzeitiger Nervosität eingehüllt ist. Mehr braucht man zum Stichwort „Nägelbeißen“, glaube ich, nicht zu erwähnen. Viele von uns haben in ihrer Jugend den Drang gehabt, an den Fingern herum zu beißen. Bei manchen dauert es bis ins Erwachsenenstadium an. Prinzipiell ist das weder lebensbedrohend oder in irgendeiner Art und Weise tragisch. Dennoch kann es ein Indiz dafür sein, dass die Nerven nicht gut gebettet sind oder auch bei der Ernährung ein Mangel vorliegt. Letzteres lässt sich ganz leicht beheben, indem man abwechslungsreich isst. Rohes Obst und Gemüse tragen das Ihre dazu bei, dass dem Organismus die nötigen Mineralien und Spurenelemente in einem geeigneten Ausmaß zur Verfügung stehen. Desgleichen haben etliche Kräuter eine ähnliche Auswirkung, wenn man diese regelmäßig zum Einsatz kommen lässt. Es nimmt aber nicht Wunder, wenn in Zeiten wie den unsrigen die Nerven immer mehr einer vermehrten Strapaze unterliegen. Denn alles muss vor allem schnell gehen. Egal, ob es die Kommunikation oder die Erledigung einer manuellen oder geistigen Arbeit ist. Nicht alle können damit Schritt halten. Die Folge davon ist die Sorge um die eigene Zukunft. Und je mehr Ungewissheit es gibt, desto blanker liegen unsere Nerven. Die Nägel auf unseren Fingern sind dafür auf keinen Fall verantwortlich. Daher ist es sicher vernünftiger, diese regelmäßig mit den dafür bestimmten Gerätschaften zu kürzen und zu pflegen als mit den eigenen Zähnen.

Zitrone für Nägelbeißer:

Von Zitronen aus kontrolliertem biologischen Anbau nimmt man 1 Stück und schabt mittels eines Kartoffelschälers die Schale davon ab, nachdem man die Frucht gründlich abgewaschen hat. Die anfallenden Schalenstreifen werden in 1/2 Liter Wasser auf den Herd gestellt. 5 Minuten auf Sparflamme aufwallen und dann 1/4 Stunde zugedeckt ziehen lassen. Gleich in der Früh eines Tasse voll ungesüßt auf nüchternen Magen trinken. Den Rest tagsüber.

Zitronenpflanze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Im Schlaf überraschen

Keinen Menschen, sondern Birnenknospen

Den Jänner-Vollmond haben wir bereits hinter uns. Der nächste ist erst am 4. Februar dieses Jahres zu erwarten. Und mit ihm alle Folgen, die dieses Phänomen auf das Gemüt, die Verfassung und nicht zuletzt die Physis von uns intelligenzgeleiteten Zweibeinern hat. Jeder mag darüber denken, wie er oder sie will. Dennoch können wir unmöglich ganz losgekoppelt von den Vorgängen des Weltalls leben. Wer weiß, wie z. B. Birnbäume in den Obstgärten darüber denken? Oder fühlen sie in ähnlicher Weise wie wir? Momentan scheinen sie zu schlafen. Ohne etwas zu leisten, bereiten sie sich auf die kommende Saison des Austreibens, des Blühens und vor allem des Heranreifens ihrer köstlichen Früchte vor. Wer wollte sie da schon aus dem durchaus wohlverdienten Schlaf reißen? Immerhin sitzt in den Knospen der Birnbäume bereits jetzt eine Kraft, die nicht vor der rechten Zeit verpufft werden sollte. Ein Mensch, der in sich ruht, den kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen. Dennoch gibt es Umstände und Situationen, die diese scheinbare Harmonie ins Wanken bringen. Wohl dem, der starke Nerven genug hat, um sich manch abrupt auftretenden Lebenswendungen durch Schicksals- und Notfälle zu stellen, ohne dabei einen Knacks zu bekommen, der alles bisher Dagewesene in Frage stellt. Schwache Nerven haben letztendlich auch negative Folgen für den Magen und unsere Verdauung. Um beides zu festigen, dürfen wir ein paar Zweige der Birnbäume ruhig aus dem Schlaf des Winters wecken. Sie werden es auf jeden Fall verkraften.

Knospen stärken den Magen:

Zwischen dem Dreikönigstag (6. Jänner) und dem Fest Mariä Lichtmess (2. Februar) ist die richtige Zeit, um von Birnbäumen in sich ruhende Knospen zu ernten. Diese werden getrocknet. 2 Teelöffel davon setzt man in 1/4 Liter kaltem Wasser 3 Stunden lang an, bevor man es zugedeckt aufkocht und dann abseiht. Das Ergebnis trinkt man am besten früh und abends, um damit den Magen und die Nerven gleichzeitig zu stärken.

Obstzweige mit Knospen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Kein Nebenprodukt

Erdbeerblätter haben heilende Kräfte

Jetzt geht es wieder aufwärts. Besonders Aufmerksame merken es bereits. Das Tageslicht wird von Tag zu Tag mehr. Sehr wohl ist mit dem Winter noch lange nicht Schluss. Dennoch dürfen wir es uns ruhig gönnen, vom künftigen Sommer zu träumen. Eine Frucht, die zu dieser warmen Jahreszeit unbedingt dazugehört, ist die Erdbeere. Egal, ob es sich um die in Österreich sogenannten Ananas handelt oder um die im Aroma nicht zu übertreffenden Walderdbeeren (Fragaria vesca): diese Köstlichkeit aus Gottes wunderbarer Schöpfung kennt kaum Feinde. So sehr die Früchte auch in gutem Ruf stehen, so wenig Beachtung finden die grünen Pflanzenteile des zur großen Familie der Rosengewächse (Rosaceae) zählenden Gewächses. Gewiss schlummern diese momentan in der Verborgenheit der Rhizome und Wurzeln unter dem alten Laub und dem Erdreich, um nach Schnee und Frost wiederum ihre Anwesenheit durch erneutes Sprießen bekunden zu können. Dennoch können wir gegenwärtig das Wissen um die heilsamen Wirkungen der Erdbeerblätter aus dem Erfahrungsschatz der Naturheilkunde hervorkramen. Schon Paracelsus war es, der ihnen aufgrund ihrer lappigen Form einen positiven Einfluss auf die menschliche Leber zuschrieb. Tatsächlich beinhalten die unmittelbaren Nachbarn der roten Feinkost Gerbstoff, Flavone und sogar in geringen Mengen ätherisches Öl, die unser Organismus speziell auch im Magen- und Darmbereich gut gebrauchen kann. So gesehen sollte man ruhig auf die getrocknete Heildroge der Erdbeerblätter zurückgreifen, wenngleich auch eine köstliche Creme aus aufgetauten und gleich frisch verarbeiteten Erdbeeren als Nachspeise nicht zu verachten ist.

Tee aus Walderdbeer-Blättern:

Von getrockneten Blättern der Walderdbeere nimmt man, nachdem diese fein zerkleinert wurden, 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Beides zusammen lässt man 15 Minuten lang zugedeckt ziehen. Nach dem Abseihen und Abkühlen trinkt man den Tee schluckweise und bedächtig. So kommen die Wirkstoffe schon an der Mundschleimhaut zur Geltung. Apropos Mund: Diesen Tee kann man ebenso zum Gurgeln verwenden, wenn das Zahnfleisch von empfindlicher und schwacher Konsistenz ist.

Walderdbeere ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Kalk hat mehrere Facetten

Über die Pflanzen dem Leib zuführen

Viele Leute kamen vor dem Heiligen Abend zu unserem Kloster, um sich noch rechtzeitig einen Weihnachtskarpfen für die Feiertage zu besorgen. Beim sogenannten Fischhälter herrschte ein reges Treiben. Die Zucht dieser beliebten Fische hat nämlich in Geras eine lange Tradition. In den Teichen hingegen ist seit dem Abfischen Ende Oktober Winterruhe eingekehrt. Das Fehlen des Wassers wird jedoch genutzt, um den schlammigen Boden der Teichflächen mit Kalk zu reinigen. Gewiss braucht unser Körper auch das wertvolle Mineral. Dieses direkt zu konsumieren brächte aber kaum einen gesundheitlichen Gewinn. Vielmehr stehen uns aber die Pflanzen zur Verfügung, um uns zu helfen, an den nötigen Kalk, der nicht nur für die Knochen von Nöten ist, zu gelangen. In meinen Vorträgen darf ich immer wieder über die wertvollen Funktionen sprechen, die so viele Gewächse für uns Zweibeiner übernehmen. Ich verleihe ihnen gerne den Ehrentitel eines Dolmetschers. Diesen benötigt man, damit zwei Menschen verschiedener Sprachen in einem ausreichenden Maß miteinander kommunizieren können. In übertragener Weise vollbringen das auch die Pflanzen: sie bereiten uns alles Wertvolle des Sonnenlichtes und des Bodens derart auf, dass der Körper es resorbieren, nutzen und speichern kann. Wir brauchen unsere grünen Freunde, um so zu den wichtigen Stoffen zu gelangen, unter anderem auch zu Kalium und Calcium. Eine abwechslungsreiche Kost ist immer ein guter Weg, um sich das Einbringen der wichtigen Mineralstoffe und Spurenelemente zu sichern.

Kalkreiche Nahrungsmittel:

Jetzt im Winter können wir einiges an Gutem dem Organismus zuführen. Zu den kalkhaltigen Früchten zählen vor allem Feigen und Orangen. Waldhimbeeren und Walderdbeeren kann man ebenfalls aus der Kühltruhe auftauen und genießen. Alle Kraut- und Kohlarten lassen sich zudem verwenden, um in guter Weise Kalk in den Stoffwechselprozess einzubringen.

kalkhaltige Nahrungsmittel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wie ein großes Teehäferl

Die Badewanne mit Kräutern anreichern

In unserer Phantasie können wir uns viel ausmalen. Hören wir z. B. das Lied aus dem Musical Anatevka „Wenn ich einmal reich wär“, verleitet dies uns womöglich zu der Vorstellung, dass wir in einer Wanne aus Marmor, die mit Champagner gefüllt ist, baden würden. Nun, die Realität holt uns aber meist bald wieder ein. So stehen wir vor den uns gegebenen Möglichkeiten. Die Natur verhilft uns jedoch dennoch zu einer sinnvollen Weise, das Leben zu genießen. In den Kräutern des Wilden Wermuts, der normal als Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris) bezeichnet wird und des Eibischs (Althaea officinalis) sind durchaus Inhaltsstoffe gespeichert, die sich kaum mit noch so viel Geld herstellen lassen würden. Wir kennen beide Heilpflanzen ganz gut. Der Beifuß wächst an den Wegrändern und an kargen Böschungen und begegnet uns im Sommer fast auf Schritt und Tritt. In den Schau-Kräutergärten wiederum wird gerne der Eibisch als heilsames Malvengewächs präsentiert, das einen hohen Schleimstoffgehalt aufweist. Mit dem Ersteren verbinden wir das Würzen eines deftigen Bratens und mit dem Zweiten die Behandlung von Erkältungskrankheiten. Dennoch lassen sich beide kombinieren und zu einem guten Gespann zusammenfügen. Gerade dann, wenn wir uns nach besseren Zeiten sehnen, da Schmerzen uns das Leben zur Qual machen, können diese Heilgewächse etwas dazu beitragen, dass sich so manche Not wendet. Wem es gelingt, bei einer Verringerung der Lebensqualität innezuhalten und darauf zu hören, was der Körper von einem verlangt, der hat schon viel gewonnen. Bevor man auf einen Haufen Geld wartet, der ohnehin nicht beim Fenster hereinrinnen wird, sollte man zufrieden auf die Gaben der Schöpfung blicken, die oft vor der eigenen Haustür darauf warten, dass wir ihre Hilfe in Anspruch nehmen.

Beifuß-Eibisch-Bad zur Schmerzlinderung:

Von getrocknetem und zerkleinertem Beifußkraut und von einem Gemisch aus getrockneten und zerkleinerten Eibischblüten und -blättern nimmt man je 75 g voll und stellt beides zusammen mit 3 Liter kaltem Wasser zu. Dies wird dann gut erwärmt, ohne aber, dass es zum Kochen kommt. 1/2 Stunde ziehen lassen und danach abseihen. Den Rückstand noch auspressen und den so hergestellten Tee ins Badewasser geben. Ca. 20 Minuten im warmen Wasser bleiben. Das wirkt sich wohltuend auf die Haut und auf den Organismus bei Schmerzzuständen aus.

Beifuß ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya