Blüten wie ein Schmetterling

Die Hauhechel hat aber auch Dornen

Brachland, trockene Weiden, Wegränder und magere Wiesen: sie sind im ersten Augenblick nicht unbedingt der Ort, wo man seinen Urlaub verbringen möchte. Doch manche Lebewesen bringen dort ihre ganze Lebenszeit zu. Zu ihnen zählt die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Durch ihr prächtiges Blütengewand hat sich der kleine dornige Strauch zu einer Zierpflanze in unseren Gärten „hochgearbeitet“ und der Pflanzenkenner ist gut beraten, sein kleines grünes Paradies rund ums Haus mit der Hauhechel zu bestücken. Unser eher unbekanntes Heilkraut wird bis zu 50 Zentimeter hoch und besitzt einen stark entwickelten Wurzelstock. Dieser kann sowohl im Frühjahr oder auch im Herbst ausgegraben werden. Nach dem Entfernen von Faserwurzeln und Stängelresten lässt man die Wurzel gut trocknen. Die Dornige Hauhechel wirkt der Entstehung von übermäßiger Harnsäure im Körper entgegen und bekämpft die Gries- und Steinbildung in den Nieren.

Hauhecheltee im Kaltansatz:

2 Teelöffel zerkleinerter Wurzel der Hauhechel in 1/4 Liter Wasser über Nacht ansetzen und am folgenden Morgen erwärmen, aber nicht kochen. Dann abseihen und trinken. 3 Wochen lang früh, mittags und abends je eine Schale trinken. Nach einer Woche Pause kann man die Kur nach Bedarf wiederholen. Äußerlich lässt sich der Tee auch zur Behandlung von juckenden Ekzemen und schlecht heilenden Wunden verwenden.

Heilung ist gefragt

Die Goldmelisse hat sie im Gepäck

Viele Pflanzen unserer Heimat wurden schon seit langen Zeiten oft von anderen Kontinenten eingeführt und für verschiedene Zwecke kultiviert. Denken wir nur an die agrarischen Produkte wie Erdäpfel, Kukuruz oder Sonnenblume. Mit der Goldmelisse haben wir einen weiteren Einwanderer der Pflanzenwelt, der aufgrund seiner Herkunft auch Indianernessel genannt wird. In den Gärten lässt sich dieses Pflanze leicht ziehen. Die Goldmelisse (Monarda didyma) wächst in aufrechten, stark verzweigten Büschen und kann die Höhe von 1 Meter erreichen. Die Blüten sind innen scharlachrot gefärbt und von violetten Deckblättern umgeben. Um gut zu gedeihen, benötigt unsere heilkräftige Freundin einen nährstoffreichen Boden und einen sonnigen Standort. Die Blütenblätter erntet man den ganzen Sommer über und lässt diese an einem luftigen Ort gut trocknen, bevor man sie in dunklen Schraubgläsern aufbewahrt. Beim Sammeln passt man auf die Insekten wie Bienen und Wespen auf, welche die Goldmelisse ebenfalls sehr schätzen.

Goldmelissen-Salbe:

Dieses Hausmittel benötigt folgende Zutaten: 200 g Schweinedarmfett, das man vorsichtig erhitzt. Dann jeweils 100 g Bienenwachs und 100 g Schaftalg dazugeben. Zuletzt fügt man 100 g getrockneter Goldmelissen-Blüten der flüssigen Masse bei und achtet, dass man durch beständiges Umrühren alles gut vermischt. Zum Abschluss in braune Tiegelchen füllen, erkalten lassen und verschließen. Am besten hebt man die fertige Salbe im Kühlschrank auf. Wer schlecht heilende oder schmerzende Wunden hat, kann dann auf diese Salbe zurückgreifen.

Erinnerung an den Sommer

Der Duft des Seifenkrautes

Gern gehe ich an Flussufern spazieren. Im Sommer führen die Kräuterwanderungen in Karlstein alle Interessierten ins Thayatal, wo gottlob das Ufer des mäanderreichen Wassers noch ganz naturbelassen ist. So hat dort auch das Seifenkraut (Saponaria officinalis) die Chance, zu gedeihen und mit seinen hellrosa Blüten seiner Umgebung einen angenehmen Duft zu schenken. Diese Heilpflanze zählt zu den Nelkengewächsen und findet sich auch auf trockeneren Standorten. Wer das Seifenkraut im Garten als Zierpflanze zieht, weiß um ihren stark verzweigten Wurzelstock, der beim Ausgraben im Herbst aber nicht unbedingt auf dem Komposthaufen landen muss. Viel besser ist es, ihn zu waschen und in einem warmen Raum trocknen zu lassen. Immerhin ist dort das wertvolle und namengebende Saponin enthalten. In vergangenen Zeiten wurde das Seifenkraut zum Waschen der Wäsche herangezogen.

Seifenkraut-Tee:

Von der getrockneten und zerkleinerten Seifenkraut-Wurzel nimmt man 1 1/2 Teelöffel voll und gibt sie in 1/4 Liter kaltes Wasser. Nach drei Stunden wird das Ganze erwärmt, aber nicht gekocht. Nach dem Abseihen trinkt man dann am besten morgens schluckweise eine Tasse davon und abends die zweite. Diese Anwendung kann bei Husten und Bronchialkatarrh sehr hilfreich sein. Der Tee löst die innere Verschleimung. Wer einen empfindlichen Magen hat, der kann den Seifenkrauttee zu gleichen Teilen mit Kamille mischen.

Bewährtes Hausmittel

Der Echte Salbei

Seit Jahrtausenden kennen wir Menschen die große Heilkraft des Echten Salbeis (Salvia officinalis). In alten Quellen finden wir Aufzeichnungen z. B. in chinesischen Lehrbüchern, griechischen und römischen Schriften bis hin zu den mittelalterlichen Schilderungen über die Naturheilkunde. Der Salbei fühlt sich vor allem auf lockeren, sandigen und kalkhaltigen Böden wohl, zudem schätzt er einen sonnigen und windgeschützten Standort. Er wächst als stark verzweigter Halbstrauch. Die jungen Sprossen und Blätter des Echten Salbeis sind weißfilzig behaart und erwecken dadurch einen silberfarbenen Eindruck. Die hellvioletten Blüten stehen an den Stängelspitzen in Scheinquirlen zwischen 4 und 8 Stück. Vom Salbei erntet man am besten den ganzen Sommer über die jungen Blätter und Triebspitzen. Spätestens im August soll man aber mit dem Abschneiden aufhören, damit der Stock noch genügend Blätter zum Schutz gegen Frost und Kälte im Winter treiben kann. Charakteristisch ist für unsere Heilpflanze ihr herber Geruch, den man sofort beim Zerdrücken der einzelnen Teile zu riechen bekommt. Dieser zeigt an, dass sich Atemwege, Haut und Verdauung über die Unterstützung durch die Salbeipflanze freuen.

Zubereitung eines Salbei-Medizinalweines:

Am besten besorgt man sich den in Sizilien gekelterten Marsala-Dessertwein und übergießt mit 1 Liter dieses wertvollen Getränks 60 g von getrockneten und zerkleinerten Salbeispitzen in einem Weißglasgefäß. Verschlossen bleibt das Ganze dann 10 Tage stehen, bevor man es abseiht. Vom Endprodukt nimmt man nach den Mahlzeiten ein Gläschen voll ein, um Keime unschädlich und Nerven stark zu machen. Der Magen dankt auf jeden Fall für diese gesunde Beigabe.

Es soll etwas hängen bleiben

Die Klette hat auch etwas Gutes

Die langhaarigen Hunderassen sind ja schön anzuschauen. Sie sind oft beliebte Familiengefährten. Ein Spaziergang in die Natur genügt, um anschließend mit der Fellpflege des vierbeinigen Freundes genug Beschäftigung zu haben. Meist sind es die Kletten, die mit ihren widerhakenbewaffneten Samenständen ein hartnäckiger Begleiter werden können. Die Große Klette (Arctium lappa) ist fast überall heimisch. Mit dem Boden hat sie kaum Schwierigkeiten, denn sie wächst auch auf Brachland, an Bahndämmen, Zäunen und Feldrainen. Im ersten Jahr entfaltet sich aus der dicken Wurzel nur eine Rosette aus großen, herzförmigen Blättern. Im Jahr darauf erst treibt der lange, verästelte Stängel, auf dem dann die schönen purpurvioletten Blüten sitzen.

Von diesem vermeintlichen Unkraut lassen sich die Wurzel, die Blätter, das Kraut und die Früchte ernten und zu Heilzwecken verwerten. Unsere Vorfahren haben den Heilwert dieser pflanzlichen Randerscheinung noch gekannt und geschätzt. Sie kann der Haut, der Galle und dem Blut ihre Dienste anbieten.

Die Klette in der Küche:

Die jungen Blätter können in Wasser abgekocht und wie Spinat gedünstet werden. Selbst die Blattstängel kann man wie Schwarzwurzel zubereiten, nachdem man sie geschält hat. Von der Klettenwurzel ist das Mark genießbar, das man nach dem Herausschälen 1/2 Stunde lang kocht, dann mit einer Prise Soda versieht, nochmals aufsetzt und in ganz wenig Wasser mit Salz und Butter dünstet. Experimentierfreudige kommen spätestens im nächsten Frühsommer auf ihre Rechnung!

In vielen Anliegen hilfreich

Die Echte Kamille

Die Gesundheit ist ein hohes Gut. Nicht nur, weil sie uns hilft, frei und unbeschwert zu leben, sondern auch um des Dankes willen, dem wir dem Schöpfer schulden. Denn jeder Tag des Lebens ist ein Geschenk. Kardinal Franz König hat es einmal sehr treffend formuliert, als er schrieb: „Wir müssen versuchen, gesund zu leben, aus Dankbarkeit und Verantwortung unserem Schöpfer gegenüber.“ Eine milde Erinnerung an diese Haltung ist das beliebte Heilkraut Kamille. Sie selbst ist sehr bescheiden und gibt alles Wertvolle weiter. Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) zählt zu den Korbblütlern. Gesammelt werden den Sommer über die Blüten und das Kraut der Pflanze. Diese enthalten ätherische Öle, die sogar antibakteriell durch das darin enthaltene Cham-Azulen wirken können. Bei Fieber und Verdauungsstörungen kann man leicht auf den Kamillentee zurückgreifen. Doch auch für die Pflege von Haar und Haut hat die Kamille ihre Inhaltsstoffe anzubieten. Selbst in der Tiermedizin kann man dieses populäre Kraut zur Pflege und Wundversorgung unserer Freunde und Weggefährten aus der Natur verwenden.

Aus Weidingers Kräuterapotheke:

Einen Tee mit folgenden Kräutern mischen: 3 Teile Kamillenblüten, 2 Teile Schlüsselblumenblüten und 1 Teil Rosmarin. 2 Teelöffel davon mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. Abseihen und täglich 3 Tassen davon ruhig und langsam trinken. Hilfreich bei Wetterumschwung und Essunlust nach Ärger.

Bring Würze ins Leben

Das Liebstöckel hilft dir dabei

Ein Gang durch die mittelalterliche Literatur über Heilkräuter beinhaltet eine wichtige schriftliche Quelle, an der man nicht vorübergehen kann. Es ist ein Lehrgedicht, das wir unter dem lateinischen Titel „Macer floridus“ kennen und dessen Urheberschaft einem Mönch namens Odo Magdunensis zugeschrieben wird. Schon darin findet sich das würzige Liebstöckel (Levisticum officinale). Unter seinem anderen Namen Maggikraut vielleicht besser bekannt, steht seine Fähigkeit, als Würze zu dienen, vorerst im Vordergrund. Doch seine heilende Komponente war durch die Jahrhunderte ebenso wichtig. So meinte Hildegard von Bingen, es sei ratsam, das Liebstöckel bei Hals- und Erkältungsbeschwerden zum Einsatz kommen zu lassen. Das ursprünglich aus Asien stammende Heilkraut gedeiht in den warmen Regionen rund ums Mittelmeer auch wild, bei uns wird es gerne in den Gärten gezogen und geerntet. Zu Heilzwecken dienen die Wurzel und die Samen der Liebstöckelpflanze. Während der Schwangerschaft und während einer Entzündung der Nieren und Harnwege sollte man das Liebstöckel aber meiden.

Eine Essenz zum Gurgeln:

Liebstöckelsamen in einer Menge von 30 g im Mörser zerstoßen und mit ¼ Liter kochendem Wasser übergießen. 15 Minuten ziehen lassen und dann eine Prise Salz dazugeben. Die noch warme Flüssigkeit zum Gurgeln verwenden. Hilft bei Heiserkeit und bei Halsgeschwüren.

Den Stau auflösen

Die Feige bringt Bewegung

Getrocknete Früchte haben oft eine lange Haltbarkeit. Das beweist uns die Archäologie an manch spektakulären Beispielen. So fand man z. B. in den Ausgrabungen von Geser, das zwischen Jerusalem und dem Mittelmeer liegt, getrocknete Feigen aus der Zeit um 5000 vor Christi Geburt. Wir kennen den Feigenbaum natürlich auch aus zahlreichen schriftlichen Quellen, allen voran der Bibel. In der ägyptischen und griechischen Mythologie hat diese wichtige und alte Kulturpflanze ihren fixen Platz. Doch gerade jetzt in der vorweihnachtlichen Zeit hat die Feige wieder Hochsaison. Griffbereit liegen die getrockneten Früchte in den Obstregalen und warten darauf, verwertet zu werden. Die Feigenfrucht beinhaltet viel Vitamin B1, Kalzium, Kalium und Phosphor. Der Genuss der Feige (Ficus carica) steigert das Denkvermögen, stärkt die Nerven und mindert ernährungsbedingte Mangelerscheinungen. Der hohe Gehalt an Ballaststoffen wiederum erhöht die Tätigkeit des Darmes und fördert den Stuhlgang. Erst ein entgifteter Körper fühlt sich wirklich frei.

Sanftes Abführmittel Feige:

250g getrocknete Feigen werden in 1/2 Liter Wasser 24 Stunden lang zugedeckt angesetzt, am Morgen nüchtern und am Abend als Mahlzeit verzehrt. Das hilft bei Verstopfung, Leberleiden und Gallenerkrankungen. Verantwortlich dafür sind auf der einen Seite nicht verdauliche Zellstoffe und andererseits wertvolle Fruchtsäuren. Bei Bronchitis kann man zur Schleimlösung überdies zerkleinerte Feigen dem Tee beifügen.

Ein Rhizom, das einheizt

Noch vor Weihnachten den Ingwer verwenden

Geheimnisvoll faszinieren immer wieder die Erzählungen, die über die alten Handelswege aus dem Fernen Osten existieren. Heute hat man das Transportproblem längst im Griff und in einem Land voll des Wohlstandes ist es für viele möglich, so manch exotisches Gewürz zu besorgen. Nicht nur in der vorweihnachtlichen Zeit wird dabei gern auf den Ingwer zurückgegriffen. Wer das scharfe Gewürz, das aus den Rhizomen der Ingwerpflanze gewonnen wird, heranzieht, tut gleichzeitig auch etwas für die Gesundheit. So bringt es die ausgeprägte Zivilisation mit sich, dass viele Menschen unter einem nervösen Magen leiden und zu Blähungen neigen. Der scharfe Ingwer beruhigt und steigert zugleich den Appetit. Vielfältig kann er zum Einsatz kommen. Egal, ob in Suppen oder Saucen, als Zugabe von Geflügel und Reisspeisen oder als Backgewürz: überall kann man einen Akzent für die Gesundheit setzen. Wer unter einer schlechten Durchblutung leidet und daher leicht friert, dem sei zum Aufwärmen der Genuss von Ingwer ans Herz gelegt, in welcher Form auch immer.

Ingwer statt Stamperl:

3-mal täglich eine Messerspitze voll pulverisierte Ingwerwurzel auf einem Teelöffel voll Honig eingenommen und ein Glas Schwarzen-Ribisel-Saft nachgetrunken, erweist sich als hervorragendes Verdauungsmittel und verhindert Blähungen. Flüssige Ingwertinktur ist auch in den Apotheken erhältlich. Bei Magenbeschwerden verwenden.

Am Acker steht ein Veilchen

Eine edle Blüte und ein heilendes Inneres

Ich habe mich oft gefragt, warum meine Verwandten am Bauernhof früher zu den Stiefmütterchen immer „Veigerln“ gesagt haben. Die umgangssprachliche Bezeichnung dieser schönen und robusten Blume entspricht ja ganz ihrem wissenschaftlichen Familiennamen der Veilchengewächse (Violaceae). Eine der Wildformen, das Acker-Stiefmütterchen (Viola avensis) wächst gerne an den trockenen Rändern der agrarisch intensiv genutzten Flächen. Seit dem Mittelalter sucht die schmucke Pflanze auf diese Weise die Gesellschaft des Menschen mit ihren weiß-gelben Blüten. Eine nah verwandte Art ist das Wiesen-Stiefmütterchen (Viola tricolor subsp. vulgaris) und hat mehr violette Blütenblätter. In ihrer zarten Erscheinung traut man dem Stiefmütterchen vielleicht kaum etwas zu, doch enthält das Heilkraut Schleimstoffe und Salicylsäure. Bei Hauterkrankungen kann diese Naturdroge erfolgreich eingesetzt werden. Mit Hilfe von Olivenöl lässt sich z. B. aus dem Kraut ein Einreibemittel herstellen.

Abwaschungen mit Wildem Stiefmütterchen-Tee:

2 Esslöffel getrocknetes Kraut werden zerkleinert und mit ½ Liter kochendem Wasser übergossen. Das Gefäß mit dem Tee abdecken und über Nacht stehen lassen. Erst am Morgen abseihen und den Gesamtkörper damit abreiben. Mehrere Wochen hindurch anwenden. –Wertvolle Tipps mit Anwendungen und Betrachtungen 40 anderer Heilkräuter finden Sie in meinem neuen Buch „Heilkräuter aus dem Klostergarten“, das beim Verlag Ueberreuter erschienen ist.