Raue und aufgesprungene Hände

Mit Weinlaub pflegen

Nimmt man das Wort „Kosmetik“ in den Mund, so tauchen vor dem geistigen Auge wahrscheinlich herausgeputzte Gesichter auf, die geschminkt sind und wo der Teint der Haut durch passende Lotionen aufgebessert wurde. Die gestylte Frisur kommt dann auch noch hinzu. Nun, ein gutes Aussehen ist sicher nicht zu verachten. Das verschönert wie von selbst den öffentlichen und privaten Umgang miteinander. Doch die Pflege der Haut ist vor allem dann angesagt, wenn diese durch verschiedenste Arbeiten und Tätigkeiten stark beansprucht wird. Meist sind es in erster Linie die Hände, die als erste darunter zu leiden beginnen. Die Weinreben (Vitis vinifera), die in ihrer seit Jahrtausenden kultivierten Form als Weinstöcke auch hierzulande zum Prägemerkmal vieler Landschaften dazugehören, sind nun in saftigem Grün anzutreffen und bereiten sich bereits auf ihre fruchtbringende Phase vor, die in der Lese ihren Höhepunkt hat. Ich denke, die meisten von uns sind schon gespannt, wie denn der heurige Jahrgang des Weines ausfallen wird. Doch bleiben wir vorerst bei den Blättern der Reben. Sie enthalten u. a. Flavonoide und Tannine. Die angewandte praktische Naturheilkunde weiß seit vielen Generationen um die Vorteile, die in den grünen Wuchsteilen der Weinkulturen gespeichert sind. Und davon profitiert vor allem die Haut. Es ist also daher möglich, die Hände, die eine raue Haut aufweisen oder deren Außenschicht aufgrund von übermäßigem Kontakt mit Wasser oder scharfen Substanzen aufgesprungen ist, mit pflanzlicher Hilfe zu pflegen und wiederum sanfter und geschmeidiger werden zu lassen. Dazu kann man das Weinlaub dementsprechend aufbereiten. Hat man einen direkten Draht zu Winzern oder wächst ein Weinstock im eigenen Garten, der groß genug ist, sollte diesem Ansinnen nichts im Wege stehen.

Weinblätter aufkochen

Von frisch abgeschnittenen Weinblättern und -ranken, die man zerkleinert, nimmt man 35 g und kocht sie in 1 Liter Wasser gut auf. Dann abseihen und die Hände bei möglichst warmer Temperatur darin gründlich baden. Anschließend die Nässe von alleine an der Luft trocknen lassen, damit die Wirkstoffe auf der Haut verbleiben. Hilft mit, eine raue und aufgesprungene Haut wieder weicher und geschmeidiger werden zu lassen. www.kraeuterpfarrer.at

Weintrauben weiß (Vitis vinifera) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Würzige Einreibung

Quendel hält den Kopf fit

Unterhält man sich über die Rüstigkeit und die Agilität von hochbetagten Menschen, dann darf man durchaus ins Staunen kommen, wie sehr sich manche von ihnen noch ganz tapfer schlagen, wenn es gilt den Alltag zu bewältigen. Und auch jene, die vielleicht schon gebrechlich sind, besitzen, was ihren Intellekt betrifft, eine nahezu jugendliche Frische. Gewiss ist das alles Geschenk und Gnade. Aber ohne ein eigenes Zutun kann ein derart guter Zustand auch leicht verspielt werden. Wenn ich daher heute den Quendel (Thymus serpyllum) als kräutermäßigen Darsteller in dieser Kolumne vor den Vorhang bitte, so möchte ich dazu animieren, nicht bloß auf ein gesundes und agiles Auskosten der Pension zu warten, sondern sich auch schon in jüngerem Alter mit der Kraft der Natur ein wenig weiterzuhelfen, um geistig wach zu bleiben. Im Wilden Thymian oder Feldthymian – so wird der Quendel auch gerne bezeichnet – sind ganz wertvolle Inhaltsstoffe enthalten. Ätherisches Öl, Gerbstoff und -säure, Flavonoide, Bitterstoffe und Thymol sind neben anderen Substanzen in dem würzigen Grün des Lippenblütlers enthalten. Zum geschmacklichen Ergänzen von verschiedenen Fleischspeisen und Salaten ist der Quendel ebenso geeignet wie auch zur Pflege der Gesundheit und zum Begleiten von verschiedensten Krankheiten, wie etwa ein Infekt einer Erkältung. Wenige wissen jedoch um die belebende Wirkung, die von dem duftenden Gewächs ausgeht. Gerade dann, wenn es gilt, sich geistig wach zu halten, um die zahlreichen denkerischen Herausforderungen, die eigentlich permanent anstehen, gut und behände zu meistern, ist es nicht das Schlechteste, sich eine Erfrischung zu gönnen. Diese besteht in diesem Fall weder aus einem kühlen Getränk jedweder Art noch aus einer kalten Dusche. Vielmehr ist es dann der Quendel, der auch äußerlich zur Anwendung kommen kann.

Quendelkraut ansetzen

Von Quendel-Blütenspitzen, die man den Sommer über frisch abschneiden kann, nimmt man die Menge von ca. 150 g. Nach dem Zerkleinern übergießt man die Pflanzenteile in einem geeigneten Glasgefäß mit 1 Liter hochprozentigem Ansatzalkohol (75 %) und stellt es 14 Tage lang verschlossen an einen sonnigen Platz. Täglich einmal schütteln. Dann abseihen und mit 1/2 Liter destilliertem Wasser verdünnen. In kleine Fläschchen füllen und kühl lagern. Bei Abgespanntheit oder nach langem Sitzen am Schreibtisch reibt man die Stirn, den Hinterkopf und die Wirbelsäule damit ein. Das erfrischt den Leib und die Denkkraft gleichermaßen. www.kraeuterpfarrer.at

Quendel oder Wilder Thymian (Thymus serpyllum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gut für Blut und Nerven

Kiefernsprossen als Angebot

Ein Aufatmen geht durch die Natur! Der Regen im Flach- und Hügelland, der sich – abgesehen von manchen Massen im Zuge von Unwettern – als wahrer Segen herausstellt, stillt den Durst des Erdbodens und damit auch von allem, was darauf wächst und gedeiht. Und da haben die vergangenen Tage und Wochen eine Wende herbeigeführt, die bitter notwendig war und ist. Immerhin hatte der Wald bisher vergeblich auf diese Gabe des Himmels gewartet. Bei mir daheim im nordöstlichen Waldviertel kann man neben den vielen dürren Fichten, denen der Borkenkäfer den Garaus gemacht hatte, auch viele abgestorbene Föhren entdecken. Doch die Weiß- oder Rotkiefer (Pinus silvestris), die man in den Forsten vorfindet, sind sehr wertvolle pflanzliche Geschöpfe, die nicht nur dazu dienen, ein entsprechend beliebtes Bau- und Möbelholz zu liefern, sondern auch einen Beitrag zum Erhalt unserer Gesundheit bereitstellen können. Gott sei Dank gibt es gerade bei diesem Nadelbaum kaum Probleme, was die so genannte Naturverjüngung anbelangt. Damit ist gemeint, dass die Föhren mit dementsprechend viel Samen in den Zapfen für reichlich Nachwuchs in ihrer Umgebung sorgen. Und momentan schieben gerade die jungen Triebe der großen und kleinen Individuen so richtig an, weil es ja gilt an Größe zuzulegen und dem Himmel zuzustreben. Die weichen und hellgrünen Kiefernsprossen sind reich an Terpenen, ätherischem Öl, Mineralstoffen, Harzen und Bitterstoffen. Es liegt zwar nahe, dass man mit diesen Gaben der Natur vor allem die Atemwege unterstützen kann. Das ist aber nicht der einzige Vorteil, der in den frischen Trieben der Waldbäume zu finden ist. Wenn, es gilt, das gesamte Wohlbefinden unserer Physis zu festigen bzw. wiederherzustellen, sollte man an den Föhren und ihrem jungen Grün nicht achtlos vorübergehen. Man kann sich dahingehend auch Reserven für den Rest des Jahres anlegen, indem man die Sprossen trocknet.

Tee mit Kieferntrieben

Die frisch ausgetriebenen und weichen Sprossen der Kiefern kann man frisch oder getrocknet dazu verwenden, um sich einen Tee damit aufzugießen. Von den zerkleinerten Pflanzenteilen nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Dann abseihen und schluckweise trinken. Jeweils in der Früh und am Abend eine Tasse davon zu sich nehmen. Das hilft mit, den Stoffwechsel anzuregen, die Nerven zu entspannen und das Blut zu reinigen. www.kraeuterpfarrer.at

Kiefern- oder Föhrenzweig (Pinus silvestris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Grüne Kraft für den ganzen Körper

Der Spitzwegerich hat’s in sich

Wenn wir nun der Sommersonnenwende zusteuern, so bedeutet das für viele von uns, dass der Sommer endlich da ist. Und damit auch die freie Zeit der Ferien bzw. des Urlaubs. Gewiss stehen diese Phasen der Erholung unter besonderen Vorzeichen, da sich der Arbeitsalltag und der schulische sowie der universitäre Betrieb seit Monaten in einer Ausnahmesituation befanden und sich erst wieder allmählich eine wie auch immer bezeichnete Normalität einzupendeln scheint. Von der nach wie vor währenden Pandemie zeigt sich der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ziemlich unbeeindruckt. Gottlob sind Pflanzen von dieser speziellen Erscheinung der gesundheitlichen Bedrohung ausgenommen, die jedoch uns Menschen umso mehr zu schaffen macht, sobald wir davon direkt betroffen sind. Das Gewächs vom Weg und von der angrenzenden Wiese weiß sich sehr wohl zu behaupten, auch wenn das Erdreich, auf dem es mit Vorliebe zu gedeihen scheint, vom Fahren und Gehen der Vorüberziehenden permanent komprimiert wird. In seinen Blättern speichert der Spitzwegerich viele wertvolle Glykoside, darüber hinaus Schleimstoff, Kieselsäure und auch die adstringierenden Gerbstoffe. In seinen Heilwirkungen erweisen sich Anwendungen mit dem Heilkraut als förderlich für die Atemwege. Aus der lang gehegten Praxis weiß man ebenso um seine entzündungshemmende Kraft im Zusammenhang mit Insektenstichen. Da reicht es oft, ein Blatt des Wegerichs abzuzupfen, ein wenig zu zerdrücken und dann auf die attackierte Stelle aufzulegen, um die Folge des meist schmerzenden Angriffs möglichst gering zu halten. Heute geht es mir aber um den ganzen Leib, der aus verschiedenen Gründen unter dem Gefühl bzw. dem tatsächlichen Vorliegen von Schwäche – etwa nach einer schweren Erkrankung – leiden kann. Dann ist es von Vorteil, den Spitzwegerich bei der Hand zu haben, um mit ihm quasi erneut Aufbauarbeit zu leisten.

Stärkender Tee

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Spitzwegerichs nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Mit etwas Honig süßen und schluckweise trinken. Fühlt man sich schwach und matt, so kann dieser Aufguss mithelfen, dass die ganze Physis wieder gefestigter wird und besser zu Kräften zu kommen vermag. Man sollte bis zu 3 Tassen Spitzwegerich-Tee verteilt über den Tag zu sich nehmen. Hat sich vielfach schon in Phasen der Rekonvaleszenz bewährt. www.kraeuterpfarrer.at

Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Starthilfe für die Gesundheit

Bohnenkraut in Teeform

Wir dürfen uns nun Schritt für Schritt dem zuwenden, was es heißt, den Sommer zu genießen und durchaus auch in Anspruch zu nehmen. Konkret bedeutet dies, vermehrt im Freien unterwegs zu sein (zu Fuß oder mit dem Rad), vielleicht sich gemütlich beim Grillen zu treffen oder einfach nur die Seele unter einem schattigen Baum baumeln zu lassen. Eines möchte ich aber zusätzlich noch erwähnen, um die Aufzählung zu vervollständigen: das Auskosten der Kräuterwelt. Die Farbe Grün nimmt nämlich in den zahlreichen Pflanzen ganz konkrete Gestalt an. Im Bohnenkraut (Satureja) verbirgt sich überdies ein herrliches Aroma, das es geeignet macht, als Gewürz verwendet zu werden. Für gewöhnlich begegnen wir in unseren Haus- und Kräutergärten den beiden Arten, dem Bergbohnenkraut (Satureja montana), das auch Winterbohnenkraut genannt wird und dem Gartenbohnenkraut (Satureja hortensis), dessen Bezeichnung oft Sommerbohnenkraut lautet. Ursprünglich erstreckte sich ihre natürliche Verbreitung zwischen dem südöstlichen Mittelmeerraum bis hin zum Schwarzen Meer, ehe es seit langer Zeit v. a. durch den Handel auch weiter im Westen als Gartenpflanze kultiviert wurde. Das Bohnenkraut zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es in seinen grünen Wuchsteilen wie den Triebspitzen und den Blättern die Inhaltssubstanzen Bitterstoff, Gerbstoff, ätherisches Öl sowie Terpene aufweist. Der charakteristische Geschmack des heilsamen Gewächses wird gern dazu herangezogen, um das Bohnenkraut ähnlich wie Rosmarin, Lavendel und Thymian zum Würzen verschiedenster Fleischspeisen und Salate zu verwenden. Die entkrampfende, belebende und z. T. auch antiseptische Wirkung der Gartenfreude ist zusätzlich dazu angetan, um die gesamte gesundheitliche Verfassung zu stärken und mit einer ganz einfachen Anwendung zu untermauern. Gerade zu Beginn des Tages sollte man in dieser Hinsicht nicht lange zaudern, sondern einen konkreten Schritt setzen.

Getränk am Morgen

Von getrockneten und zerkleinerten Triebspitzen des Bohnenkrautes (beide Arten Sommer- wie Winterbohnenkraut taugen dafür gleichermaßen) nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter siedendem Wasser übergießen und 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen. Dann abseihen und ungesüßt auf nüchternen Magen trinken. Das hat eine entkrampfende und gleichzeitig blähungswidrige Wirkung. Belebt die ganze Physis und fördert zusätzlich den Auswurf bei verschleimten Atemwegen. www.kraeuterpfarrer.at

Bohnenkraut (Satureja) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Leberfreundliches Kraut

Rotklee einmal äußerlich verwenden

Je mehr unsere Umwelt unter negative Einflüsse gerät, die oft durch ein unbedachtes und manchmal leider auch rücksichtsloses Handeln des Menschen kurz- oder langfristig ausgelöst werden, desto vorrangiger ist es meiner Meinung nach, die einzelnen Individuen der Schöpfung zu beachten. Das geht ganz einfach. Oft genügt ein achtsamer Blick auf eine Wiese, an der man vorübergeht, um spezielle Pflanzen zu entdecken. Und dazu zählen auch „alltägliche“ Erscheinungen wie etwa der Rotklee (Trifolium pratense). Er dient in der Landwirtschaft nach wie vor als Futterpflanze speziell für die Rinderhaltung. Immerhin benötigen diese Tiere einen adäquaten Proteinnachschub, um eine angestrebte Leistung zu erzielen. Aus dem Blickwinkel der Kräuterkunde wiederum ist der Rotklee auch von Interesse. In gar nicht so wenigen Präparaten befinden sich die Inhaltsstoffe der Blüten des Klees (Flavonoide, Isoflavone, Mineralstoffe, Glycoside), um z. B. den Hormonhaushalt zu regulieren. Ein anderes Thema ist die Entgiftung des Organismus, die hauptsächlich durch die Leber und deren Tätigkeit vollzogen wird. Diesen Prozess kann man übrigens ebenfalls mit dem Rotklee unterstützen. Dies geschieht jedoch nicht nur über eine innerliche Anwendung, sondern zusätzlich über die Haut. Wie verschiedene andere Kräuter auch kann der Rotklee der Leber eine pflanzliche Förderung zur Verfügung stellen. Durch ein wohltuendes Bad ist es möglich, diesen gewünschten Effekt herbeizuführen. Die Kraft der Natur liegt meist im Verborgenen in Form von liebenswerten Pflanzen, die uns buchstäblich zu unseren Füßen hin wachsen. Wer aufmerksam ist und gleichzeitig auch klug, wird an diesem Angebot nicht vorübergehen.

Rotklee im Badewasser

Man benötigt zuallererst voll entwickelte getrocknete Blüten des Rotklees. Von diesen nimmt man die Menge von etwa 150 g und gibt diese in ein Leinensäckchen. Beim Füllen einer Badewanne so an den Wasserhahn hängen, dass das heiße Wasser darüberfließen kann. Zum Abschluss das Säckchen ausdrücken, in die Wanne legen und das Badewasser temperieren. Es ist aber auch möglich, 3 Liter Tee mit den Rotkleeblüten aufzubrühen und diesen als Zusatz zu verwenden. 15 Minuten im Rotkleeblüten-Bad entspannen. Diese Methode hilft mit, die Leber zu entgiften und das Gemüt zu beruhigen. www.kraeuterpfarrer.at

Rotklee (Trifolium pratense) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Verdauung beginnt im Mund

Basilikum zum Gurgeln

Gebraucht man den Begriff „Essensdisziplin“, so zuckt die Person, die diese Wort hört, innerlich zusammen. Denn in irgendeinem Winkel des Gewissens entdeckt man dahingehend etwas, das einen veranlasst, sich am Riemen zu reißen und womöglich die Mäßigung zum Zug kommen zu lassen. Die Versuchungen, es sich einfach nur gut gehen zu lassen, sind bekannter Weise nur allzu groß! Gerade, wenn ich nun das Interesse auf das Basilikum (Ocimum basilicum) hinlenke, kann es sein, dass die Gedanken sofort wieder in der Küche landen bzw. bei dem, was – in liebevoller Weise zubereitet – auf den Tisch kommen soll. In hervorragender Weise eignet sich das Basilikum als Gewürz, was ich wohl kaum extra betonen muss. Als in greifbarer Nähe vorhandenes Grün im Blumentopf erlebt es nicht erst gegenwärtig einen wahren Boom. Aber nun zu den Inhaltsstoffen des auch aus naturheilkundlicher Sicht brauchbaren Gewächses. Die Blätter enthalten ätherisches Öl, Kampfer, Menthol und Thymol sowie Flavonoide und Gerbstoff. Findet das Basilikum als Ergänzung von Salaten (etwa Tomaten) und sonstiger Speisen seine Verwendung, so fördert dessen Genuss von vornherein die Gesundheit im Bereich der Verdauung und des Nervensystems. Es ist auch darüber hinaus dazu geeignet, einen Beitrag zur Pflege der Mundhöhle zu leisten. Immerhin beginnt die Verdauung bekanntlich direkt beim Gaumen. Die dort angesiedelte Flora ist ganz wichtig für ein ausgewogenes Gleichgewicht des gesamten Verdauungsprozesses. Daher ist es u. a. wichtig, auf eine gute Wahl von Zahnpasten zu achten, die man für die tägliche Mundhygiene verwendet. Und das Basilikum ist unter diesem Aspekt ebenfalls eine empfehlenswerte Möglichkeit, auf das eigene Wohl und zugleich auf eine gute Verfasstheit der ersten Station der Nahrungsaufnahme zu schauen.

Basilikum-Tee für Mund und Magen

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Basilikums nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen bevor man den Tee abseiht. Entweder nach den Hauptmahlzeiten schluckweise trinken oder am Abend zu sich nehmen. Dann ist es auch von Vorteil, den Mund mit dem Tee auszuspülen und zu gurgeln, um damit reinigend vorzugehen, ohne die Mundflora zu zerstören. www.kraeuterpfarrer.at

Basilikum oder Basilienkraut (Ocimum basilicum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zum Abendbrot

Den Andorn aufgießen

Gern würde ich Sie befragen, welch ein Menschentyp Sie im Hinblick auf Ihre unterschiedlichen Verfassungen im Laufe eines Arbeitstages sind. Während die einen den Morgen auskosten und dann auch gleich aktiv sind, sehnen die anderen den Abend herbei, weil dann bei der Bewältigung mancher Aufgaben etwa im Bereich des Planens, Studieren und Schreibens erst richtig etwas weitergeht. Egal, welche Antwort dabei herauskommt, so sind der Morgen und der Abend prinzipiell ganz wichtige Phasen der Tagesgestaltung. Diesmal möchte ich mich Letzterem zuwenden und den Gewöhnlichen oder Weißen Andorn (Marrubium vulgare) mit dazunehmen. Dieser Lippenblütler kann sich zwar nicht einer annähernd hohen Popularität erfreuen wie z. B. die Pfefferminze, der Salbei oder der Majoran. Das tut aber der Tatsache keinen Abbruch, dass er sehr wertvoll ist. Dies liegt erstens einmal daran, dass ihn schon die Generationen lange vor uns gepflegt, gehegt und verwendet haben, was man anhand der antiken und mittelalterlichen Quellen bestätigen kann. Nicht umsonst war der Andorn die Arzneipflanze des Jahres 2018. Zu den Inhaltsstoffen des heilsamen Gewächses zählen Gerbstoffe, der Bitterstoff Marrubin (s. o. wissenschaftlicher Name), ätherisches Öl, Gerbstoff und Flavonoide. In seiner Wirkung kann er unterstützend bei Atemwegsbeschwerden oder bei Verdauungsproblemen herangezogen werden. Im Bezug auf die bereits angesprochene Abendzeit hat der Andorn ebenso noch seine Vorteile. Das trifft auch dann zu, wenn man sich wohl und pumperlgesund fühlt. Gerade da ist es wichtig, diesen Zustand so gut als möglich zu stützen und mit einer vernünftigen Lebensweise zu untermauern. Ein Kräutertee kann dazu einen kleinen Beitrag leisten.

Trunk fürs Abendessen

Von getrocknetem und zerkleinertem blühenden Kraut des Weißen Andorns nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen, 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und hernach abseihen. Beim Abendbrot kann man den Tee, der etwas bitter schmeckt, dazu trinken. Das regt die Tätigkeit der Drüsen an, die mit dem Verdauungsprozess in Verbindung stehen, fördert die körpereigene Erneuerung des Blutes und hilft mit, eine übermäßige Schleimbildung in den Atemwegen hintanzuhalten. Während einer Schwangerschaft davon aber Abstand nehmen. www.kraeuterpfarrer.at

Weißer Andorn (Marrubium vulgare) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zur Unterstützung der Nieren

Der Stinkende Storchschnabel

Oft ist es gar nicht so einfach, sich in der Welt der wild wachsenden Kräuter zurechtzufinden, da man bei vielen Arten schon sehr auf die Details achten muss, um sie sicher bestimmen zu können. Schließlich soll man in Sachen Gesundheitspflege nur auf das zurückgreifen, was man auch wirklich kennt. Manche Pflanzen sind aber doch recht augenfällig. Da möchte ich ein Beispiel dafür herausgreifen. An den Mauern der Gärten, an den Hängen entlang der Waldwege und unter den Gebüschen längs der Felder wächst der Stinkende Storchschnabel (Geranium robertianum), der im Volksmund auch als Ruprechtskraut bekannt ist. Sobald die rosafarbenen Blüten ihre Kronblätter fallen lassen, entdeckt man nämlich ein Überbleibsel, das dem Schnabel von Meister Adebar sehr ähnlich sieht. Und dann gibt es noch ein Merkmal: es ist der für die menschliche Nase eher unangenehme Geruch, der den Pflanzenteilen des Ruprechtskrautes entströmt. Bei den verwandten Arten des Storchschnabels, die in Form der hochgezüchteten Geranien und Pelargonien die Blumenkisterl zieren, können wir ebenfalls einen markanten Duft an den Blättern feststellen, der jedoch dem Geruchssinn zuträglicher ist. Seit jeher wurde der Stinkende Storchschnabel in der Naturheilkunde geschätzt, doch ist er in heutiger Zeit eher in Vergessenheit geraten. Zu den Inhaltsstoffen des Krautes zählen Bitter- und Gerbstoffe, Geraniin und ätherisches Öl. Leider bleiben wir trotz unseres modernen Lebensstiles nicht davor gefeit, dass sich auf den inneren Organen so manche Krankheiten und Schwächen einstellen. Dazu zählen auch die Nieren. Selbstverständlich ist es dabei wichtig, sich einer gründlichen ärztlichen Untersuchung zu unterziehen, um wiederum durch eine wirkungsvolle Therapie die erhoffte Gesundheit zu erlangen. Der Storchschnabel kann etwas beitragen, um diesem Ziel näher zu kommen.

Begleitender Tee

Bei Erkrankungen der Nieren und der Nebennieren ist es möglich, täglich eine Schale Tee zu trinken, der aus den getrockneten blühenden Pflanzenteilen des Stinkenden Storchschnabels im Heißaufguss zubereitet wird (2 Teelöffel voll mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten vor dem Abseihen zugedeckt ziehen lassen.) Das tut man so lange als notwendig je 3 Wochen hintereinander, um dann eine weitere Woche zu pausieren. Vorausgesetzt ist natürlich, dass der behandelnde Arzt nichts Gegenteiliges anweist. www.kraeuterpfarrer.at

Stinkender Storchschnabel (Geranium robertianum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Augen umsorgen

Mit Himbeerblüten und Honig

Die Sehkraft ist eine wertvolle Gabe. Das brauche ich wohl nicht extra zu betonen. Dennoch will ich es tun, weil man diesen physischen Sinn meist erst dann zu schätzen weiß, da es höchst an der Zeit ist, sich einer gut bemessenen Brille zu bedienen, um wieder besser Texte, Bilder, ja die gesamte Umwelt wahrnehmen zu können. Oft gilt es, genau hinzuschauen, um etwas zu entdecken, was uns im Leben weiterhilft. Dazu zählen sicherlich die vielfältig gestalteten Heilkräuter. Diese wachsen meist in unmittelbarer Umgebung des eigenen Wohnbereiches, so dass es nur ein paar Schritte braucht, um bei ihnen zu landen. An den Himbeersträuchern (Rubus idaeus) z. B. zeigen sich deren Blüten eher unscheinbar. Da laufen ihnen schon buntere und prächtigere Blumen den Rang ab. Und obendrein gilt unser Interesse mehr den Früchten, die zu den ausgesprochenen Freuden des Sommers zählen. Aber es ist uns durchaus möglich, daran nicht achtlos vorüberzugehen. Wenn wir nämlich genauer darauf blicken, können wir ebenso in den bescheidenen Pflanzenteilen des Rosengewächses heilende Kräfte entdecken. Die Blütenblätter enthalten neben Flavonoiden auch Gerbstoffe, die man gezielt nutzen lassen. Es kann ganz leicht vorkommen, dass sich der Bereich unseres Sehsinnes entzündet. Dafür sind durchaus unterschiedliche Ursachen ausschlaggebend. Aber oft genügt ein Aufenthalt an einem zugigen Ort, um einen derartigen Missstand hervorzurufen. Dann gilt es auf jeden Fall, genau das zu tun, was das Auge unentwegt während unserer Wachphasen für uns leistet: nämlich umsichtig zu sein. Jeder versteht wahrscheinlich sofort, dass ich damit meine, sich zu sorgen und zu kümmern. Und in der Ausschau nach natürlichen und pflanzlichen Hausmitteln dürfen wir diesmal bei den Himbeeren und deren Blüten landen.

Hausmittel mit Honig

Von den Himbeertrieben kann man die Blütenblätter abzupfen, zerreiben und mit ebenso viel Bienenhonig abmischen, so dass eine einheitliche Masse entsteht. Diese wird dann in einem verschlossenen Glas dunkel und gekühlt aufbewahrt. Bei entzündeten Augen geht man daran, diese Mischung mit einigen Tropfen warmem Wasser aufzulösen und somit verdünnt die Augenwinkel und Lider zu benetzen. 15 Minuten einwirken lassen und dann lauwarm auswaschen. Das wirkt entzündungsmindernd und entspannend auf die Augen. www.kraeuterpfarrer.at

Himbeertriebe und Früchte (Rubus idaeus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya