Heilpflanze des Jahres 2019

Der Lavendel wurde gekürt

Manchmal rutscht mir der Ausspruch über die Lippen: „Es ist alles nicht so einfach!“ Dann und wann häufen sich eben Probleme und dazu noch verzwickte zwischenmenschliche Schieflagen. Im Hinblick auf das bevorstehende kommende Jahr war es so gesehen auch nicht ganz leicht, den Favoriten aus den zahlreich vorgeschlagenen Heilkräutern auszuwählen. Doch bei der Generalversammlung des Vereines Freunde der Heilkräuter vergangenen Samstag in Karlstein/Thaya war es dann soweit: 2019 soll der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) das Zepter als Heilpflanze des Jahres für Österreich in die Hand nehmen. Es spricht vieles für den beliebten Lippenblütler. Denn gleich der Ringelblume, der Favoritin für das noch laufende Jahr, ist auch der Lavendel bei Jung und Alt bekannt. In den Gärten hat er schon lange Einzug gehalten, und die Bandbreite seiner guten Wirkungen für die Gesundheit unseres Leibes und unserer Seele sind auch nicht zu unterschätzen. Ich möchte hier noch einen Aspekt hinzufügen, der meines Erachtens an Bedeutung zunimmt. Es geht mir dabei darum, Ausschau zu halten nach Gewächsen, die dem immer wärmer werdenden und vielerorts niederschlagsärmeren Klima auch in Zukunft standhalten können. Der Lavendel hat hierfür sehr gute Voraussetzungen, da er eine mediterrane Herkunft aufweisen kann. Und vieles ist von ihm verwendbar. Manche übersehen vielleicht, dass man ab dem späten Frühjahr die jungen Lavendel-Blattspitzen laufend vom Beet weg ernten kann, um sie als gesundes Küchengewürz beim Zubereiten von Fleisch- und Gemüsegerichten heranzuziehen. Das ätherische Öl, das vom duftenden Kraut gewonnen wird, ist nicht nur geeignet, das Raumklima zu verbessern, sondern hat darüber hinaus einen guten Einfluss auf ein aufgekratztes und nervöses Gemüt. Schließlich stärkt der Lavendel indirekt den Willen zum Guten. Und das soll vielerorts im Zusammenhang mit dem Heilkraut des Jahres auch geschehen. Herzliche Einladung, auf diese Weise einen besseren Draht zu Gottes wunderbarer Schöpfung zu bekommen!

Willensstärkender Tee

Von getrockneten und zerkleinerten Lavendelblüten nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, damit sich die im Lavendel enthaltenen ätherischen Substanzen nicht zu schnell verflüchtigen. Abseihen und mit etwas Honig gesüßt schluckweise trinken. Das kann mithelfen, ein niedergedrücktes Gemüt zu erhellen und den Lebenswillen zu festigen.

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Tonikum bei Fieber

Die Nelkenwurz

Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert! – Keine Sorge, hier will ich niemanden dazu anstiften, die Bemühen um das eigene gute Verhalten ganz fallen zu lassen, um sich einer durchaus egoistischen Gleichgültigkeit gegenüber der Welt und dem Nächsten hinzugeben. Im Advent darf genau das Gegenteil eintreten, da wir ja zu Weihnachten die nicht bloß historische Tatsache feiern, dass Gott in Jesus Mensch wurde und sich so der Erdenbürger angenommen hat. Betrachtet man z. B. die Nelkenwurz (Geum urbanum), könnte man sehr oberflächlich fragen, was es denn mit diesem Gewächs schon Besonderes auf sich hätte? Geht man im Sommer spazieren, kann man entdecken, wie dieses Heilkraut an den Wald- und Wegrändern inmitten anderer kaum beachteter Individuen aus der Pflanzenwelt gleichsam einfach so dahinwächst. Doch mit dieser Feststellung lässt sich wohl kaum der Wert heben, der in der Nelkenwurz tatsächlich steckt. Der Ruf dieses Rosengewächses war durchaus schon besser als manche meinen. Gehen wir doch einmal zurück zum berühmten Paracelsus, der dieses Heilkraut bereits seinen Zeitgenossen ans Herz gelegt hat. Sein Anliegen dabei war es, den Magen und den Darm in ihrer Verdauungsfunktion zu unterstützen. Auch bei Durchfall gilt damals wie heute, dass man auf die Nelkenwurz zurückgreifen kann. Wenn nun bis zum Frühjahr die Saison der grippalen Infekte wiederum viele von uns erreicht, sollten wir von vornherein schon darauf achten, unser Immunsystem durch eine vernünftige Lebensweise zu stärken. Ist man dann jedoch bereits angehalten, angesichts fiebriger Phasen das Bett zu hüten, so kann die Nelkenwurz eine stärkende Begleitung gerade für diese Zeit darstellen.

Tee als begleitendes Getränk

Für einen Tee aus getrockneten und zerkleinerten Wurzeln der Nelkenwurz nimmt man 2 Teelöffel voll der Droge und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Da Fieber vom Leib immer einiges an Kraft abverlangt, ist es möglich, diesen Tee im Verlauf des Tages warm zu trinken. Mehr als 3 Tassen sollten es aber nicht sein.

Nelkenwurz (Geum urbanum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zum Ausklang des Jahres

Die Ringelblume nicht vergessen

Das haben wohl alle schon einmal erlebt: da nimmt man sich vor, etwas zu erledigen, jemanden anzurufen oder bloß eine Liste auszufüllen und dann kommen Stress, Trubel oder gar schwere Sorgen dazwischen. Im Handumdrehen übersieht man eben jenes, so dass es quasi in die Kiste des Vergessens fällt. Und die Zeit läuft meist schneller als wir es uns im Vorhinein vorstellen können. Aus unseren Gedanken möge jedoch die Ringelblume (Calendula officinalis) nicht herausfallen. Daher darf sie trotz der hektischen Zeit vor Weihnachten vor den Vorhang treten, um sich uns als ganz wertvolles Gewächs in Erinnerung zu rufen. Immerhin durften wir als Verein Freunde der Heilkräuter die Ringelblume zur Heilpflanze des Jahres 2018 ausrufen und bei vielen Gelegenheiten auf sie hinweisen. In dunklen Winterphasen tut es meiner Meinung ganz gut, ein Symbol der Sonne griffbereit zur Verfügung zu haben. In den Blüten des goldgelben Korbblütlers strahlt ja der wärmende Himmelskörper in einer sehr schönen Weise auf. Die Inhaltsstoffe der Ringelblume sind dazu geeignet, um die Immunkraft des Körpers zu unterstützen, Prozesse der Heilung zu beschleunigen und vor allem auch der Verdauung tatkräftig unter die Arme zu greifen. Rund um die Feiertage hat wohl das Fasten überall Pause. Im Nu steigt dann das eigene Gewicht, weil eben die festlichen Mahle sich aneinanderreihen und es daher nicht zu verwundern braucht, wenn die Waage eine stetig steigende Tendenz aufzeigt. Bei dem Ganzen wird auch die Leber unter einen ziemlichen Leistungsdruck gesetzt. Eine Tasse Tee tut in diesem Falle gut. Gott sei Dank gibt es die Ringelblume!

Tee aus Ringelblumen

Von den getrockneten Blütenblättern der Ringelblume nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Schluckweise trinken, ohne den Aufguss mit Honig oder Zucker zu süßen. Das tut dem Magen gut und unterstützt die Leber. Pro Tag kann man ruhig 2 bis 3 Tassen davon zu sich nehmen. Gerade dann, wenn die Festtage viel gutes Essen mit sich bringen, ist das angebracht.

Ringelblumenzweig mit Einzelblüte und Knospe (Calendula officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wohltuend und lindernd

Fichtennadel und Eichenrinde

Was verbinden wir alles mit der Adventzeit? Einerseits ist es das Brauchtum rund um das Nikolausfest oder das in vielen Gegenden noch gebräuchliche Herbergssuchen. Und auf vielen reich bestückten Märkten werden Krippen angeboten, die wohl unbedingt zum Weihnachtsfest dazugehören. Ganz geschickte Zeitgenossen verstehen es mit viel Phantasie, selbst die Geschichte von Bethlehem zu basteln und erfinderisch zu inszenieren. Die Zutaten hierfür besorgt man sich oft aus dem Wald. Wenn heute jedoch von Fichtennadeln und Eichenrinde die Rede ist, so schauen wir dabei eher auf die Gesundheit bzw. auf die naturgemäße Begleitung mancher Leiden durch die Gaben, die der Herrgott unter freiem Himmel wachsen lässt. Laub- und Nadelbäume können einander durchaus ergänzen, wie man das am besten in einem Mischwald sehr gut feststellen kann. Die verschiedenen Arten stecken auch voll von Wirkkräften. Bei den Fichten sind vor allem wohltuende ätherische Öle abrufbar, die man nicht bloß für die Atemwege einsetzen kann, sondern darüber hinaus zur Stärkung der Haut und der darunter liegenden Muskulatur. Die Eichenrinde ist zusätzlich sehr gut verwendbar, da man eine Linderung anstrebt, wenn Muskel- und Gelenksrheumatismus sehr unangenehme Schmerzen mit sich bringen. Das gleiche gilt für ein Problem, das man gern mit dem Stichwort „Ischias“ betitelt. In den Tagen wie den gegenwärtigen wird ein Bad wohlige Wärme und eine gleichzeitige Entspannung bescheren. Das geschieht noch ein Stück weit besser, indem man zusätzlich Fichtennadeln und Eichenrinde aufbereitet.

Badezusatz aus dem Wald

Von getrockneter Eichenrinde, die zuvor von fingerdicken Ästen gewonnen wurde, nimmt man 75 g und setzt diese in 2 Liter kaltem Wasser 8 Stunden lang an. Dann fügt man noch 75 g Fichtennadeln hinzu und kocht beides miteinander auf. 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und dem Badewasser in einer Wanne beifügen. Ca. 20 Minuten darin baden. Das bringt eine Linderung der Schmerzen mit sich, wenn man unter Gelenksrheumatismus leidet oder einem der Ischiasnerv das Leben schwer macht.

Fichtenzweig und Fichtenzapfen (Picea abies) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Schwäche wieder verringern

Die Melisse nutzen

Wenn man Weihnachten entgegenblickt, so meint man manchmal, sich in einem unerbittlichen Wettlauf zu befinden. Der heutige Sonntag könnte uns prinzipiell dabei eine Verschnaufpause gönnen, doch gibt es sicherlich wieder die eine oder andere Veranstaltung, die zu besuchen ist oder sonstige Umstände, die uns nur schwer zur Ruhe kommen lassen. Daher ist es nicht das Schlechteste, einen Gottesdienst zu besuchen, um wenigstens für eine Zeit lang Besinnung zuzulassen. Die Melisse (Melissa officinalis) hat auf den ersten Blick so gar nichts Weihnachtliches oder Adventliches an sich. Sie lässt unsere Gedanken eher in sommerwarme Gärten schweifen, wo sich’s leicht mit der Seele baumeln ließe. Aber nun? Viele sind schon genervt und ausgepowert und sehnen sich insgeheim nach den Tagen jenseits des Jahreswechsels, wo der Trubel rund um die Feiertage wieder vorbei ist. Die Erleichterung des momentanen Schwächezustandes oder der empfundenen Erschöpfung sollte man aber nicht um Wochen verschieben. Immerhin darf der Vorteil, der sich in den Melissentrieben birgt, auch jetzt vor dem Christfest schon in Anspruch genommen werden. Seit jeher gilt die Melisse als ein Heilkraut, das förderlich mitwirken kann, die Nerven einerseits zu beruhigen und andererseits zu stärken. Übrigens hat sie des Weiteren positive Auswirkungen auf die Verdauung, die auch immer dann in Mitleidenschaft gezogen wird, wenn es angespannte und hektische Zeiten gibt. In einem alkoholischen Auszug ist es außerdem in der vegetationsfreien Zeit recht einfach, sich gleichsam die Kraft der Kräuter zunutze zu machen. Im Kräuterpfarrer-Zentrum hat man sich darauf spezialisiert, in guter und bewährter Tradition die Melisse so aufzubereiten, dass es möglich ist, bei Erschöpfungszuständen und strapazierten Nerven wieder besser Fuß zu fassen.

Auszug aus Melisse

Wenn man sich abgespannt und schlaff fühlt oder leichter zur Ruhe kommen möchte, darf man sich bei Verträglichkeit desselben eines alkoholischen Melissen-Auszuges bedienen (20 % vol Alkohol). Untertags kann man bis zu 3 Esslöffel voll davon einnehmen. Zusätzlich ist es sinnvoll, damit auch Körperabreibungen vor dem Zubettgehen durchzuführen, um besser abschalten und einschlafen zu können. Den fertigen Melissen-Auszug erhalten Sie im Kräuterpfarrer-Zentrum: Tel. 02844/7070-11 oder -31 bzw. bestellung@kraeuterpfarrer.at oder im Webshop.

Melisse oder Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn die Haut altert

Eibischwurzel begleitet gut

Wir stehen seit unserem Lebensbeginn im Verborgenen in einem stetigen Prozess der Veränderung. So sehr es in den ersten beiden Jahrzehnten darum geht, zu wachsen und zu reifen, dreht sich danach alles um den Erhalt des Erreichten und um den Abbau so mancher Kraft. Davon bleibt niemand ausgenommen. Und letztendlich ist es gut, wenn wir hier auf Erden nur eine gewisse Zeit zur Verfügung haben. Alles andere liegt in Gottes Hand. Es ist aber auch nur allzu verständlich, wenn wir das nicht immer so akzeptieren wollen. Pflanzen wie z. B. der Eibisch (Althaea officinalis) existieren zeitlich betrachtet viel kürzer und haben offensichtlich kein Problem mit dem Altern. Diese Malvengewächse haben den Vorteil, dass sie einen reichen Gehalt an Schleimstoffen bieten, die sich positiv auf unsere Physis auswirken können. In erster Linie jedoch denken wir dabei an die Atemwege. Gott sei Dank gibt es in den Apotheken einige pflanzliche Produkte, die bei einer Erkältung gerade das Richtige sind, um eine Linderung der damit verbundenen Beschwerden zu erzielen. Stellvertretend für diese Sparte möchte ich hier den Eibischteig nennen, der sich gut zum Kauen und Lutschen eignet. Doch bleiben wir diesmal an der Außenseite des Leibes. Schreiten die Jahre voran und hat man die reguläre Berufstätigkeit hinter sich, so stellen manche fest, dass sich unterschiedlich pigmentierte Bereiche auf der Haut bilden, die wir kurz und bündig als Altersflecken bezeichnen können. Der Eibisch besitzt übrigens auch Gerbstoffe und ätherisches Öl, die einen festigenden Effekt gegenüber der Haut aufweisen. Also ist es naheliegend, bei einem Bestreben, die äußere Schicht des Körpers in einem vitalen Zustand zu erhalten, genau diese Heilpflanze begleitend zum Zug kommen zu lassen.

Abreibung mit Eibisch

2 Esslöffel voll getrockneter und zerkleinerter Wurzel des Eibischs wird 3 Stunden lang in 1/2 Liter kaltem Wasser angesetzt. Kurz anwärmen ohne zu kochen. Danach abseihen und die Haut mithilfe eines Waschlappens, der mit dem Eibischansatz getränkt ist, abreiben. Anschließend an der Luft eintrocknen lassen, ohne ein Handtuch zu benutzen. Diese Anwendung sollte vornehmlich am Abend durchgeführt werden. Trägt zur Verjüngung der Haut bei.

Eibisch mit Wurzel (Althaea officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zur Beruhigung

Weißdornfrüchte aufgießen

Würde jemand jetzt ein Erntefest abhalten wollen, so wird man das als reichlich verspätet erachten. Denn dazu war im September oder spätestens im Oktober die geeignete Zeit. Nun ist wohl schon alles gepflückt und in roher oder verarbeiteter Form eingelagert, was man seit dem Sommer von den Bäumen, Beeten und Feldern holen konnte. Doch gibt es auch hierbei Ausnahmen. Dort, wo nämlich die Hecken und Waldränder noch in naturbelassener Form stehen dürfen, findet man als äußerst wertvolles Gehölz den Weißdorn (Crataegus) vor. Seine Beeren leuchten bis jetzt in wunderschöner tiefroter Farbe von den Zweigen herunter. Sie geben somit ein Signal, das man als Einladung verstehen darf, sich dieser Früchte auch bis in die Zeit vor Weihnachten noch zu bedienen. Es gehört wohl zum nützlichen Wissen dazu, dass über so manche fruchtende Gabe der Rosengewächse, zu denen eben auch der Weißdorn zählt, ruhig Väterchen Frost seinen eisigen Hauch legen darf, ehe man darangeht, diese Kostbarkeiten für den eigenen Hausgebrauch zu verwenden. Denken wir dabei nur an die Hagebutten oder die Schlehen, bei denen dies ebenfalls zutrifft. Vom Weißdorn ist bekannt, dass er sich auf die Herztätigkeit und den Kreislauf positiv auswirken kann. Gott sei Dank gibt es in den Apotheken pflanzliche Produkte, worin der Weißdorn in kompetenter und wohl dosierter Form dem Kunden weitergegeben werden kann. Wer sich die Mühe macht, sich die Weißdornbeeren selbst von den Sträuchern zu pflücken und dann sorgfältig zu trocknen, der kann sich auch so eine Unterstützung für den Körper zugänglich machen. Übrigens ist es nicht nur in Europa, sondern ebenfalls im Fernen Osten Tradition, die gedörrten Früchte des Weißdorns für Backwaren wie etwa ein Hutzelbrot heranzuziehen. Um einen Tee aufzugießen, braucht man lediglich Wasser als Zutat.

Tee aus Früchten

Gut durchgetrocknete Weißdornbeeren nimmt man vorerst her, um sie in einem Mörser zu zerstoßen. Von dem Ergebnis reichen 2 Teelöffel voll, die man mit 1/4 Liter kaltem Wasser zustellt und kurz aufkocht. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, danach abseihen. Vor allem dann, wenn man nach einer beruhigenden Begleitung bei Übererregbarkeit sucht, kann man 2 Tassen pro Tag davon zu sich nehmen und ebenso bei Bluthochdruck. Weißdorntee ist weiters ein hervorragendes Mittel zur Normalisierung der Herztätigkeit und zur Stärkung des Altersherzens.

Weißdornfrüchte (Crataegus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Solitär oder kombiniert

Die Blätter der Schwarzen Johannisbeere

Das Leben ergänzen – so könnte man das Bemühen kurz zu einem Motto zusammenfassen, das sich auf die Gesunderhaltung des Leibes und der Seele richtet. All jene, die Heilkräuter wertschätzen und auch verwenden, klicken sich so in die Gesamtverfasstheit der Schöpfung ein, in der alles in einem großen universellen Zusammenhang steht. Nichts existiert isoliert und somit gibt es letztendlich auch kein von allen anderen und allem anderen getrenntes Leben. In oft unscheinbaren Gaben verbirgt sich ein großes Geschenk an den Menschen. Die Blätter der Schwarzen Johannisbeere (Ribes nigrum) zählen zweifellos dazu. Wer sich in einem Garten die Mühe macht, Obst und Gemüse heranzuziehen, zu pflegen und schließlich zu ernten, weiß um die Wohltat, die ein Aufenthalt im Grünen vermittelt. Gewiss steht dabei auch ein gerüttelt Maß an Arbeit und dem damit verbundenen Schweiß an, denn nichts erledigt sich letztendlich von selbst. Dabei gilt es eben auch auf das zu achten, was außer so manchem Fruchtgenuss sonst noch anfällt. Auf den Schwarzen Ribiselsträuchern wachsen Jahr für Jahr im späten Frühjahr die Blätter zur vollen Größe heran und können dann bereits abgepflückt und sorgsam getrocknet werden. Sie enthalten wertvolle Gerbstoffe, Mineralien und Spurenelemente, die es bedarf, um ein gesundes Leben des Körpers zu ergänzen – so komme ich noch einmal auf das eingangs formulierte Motto zurück. Jetzt im Winter sollte man danach trachten, die Immunkraft zu fördern und in weiterer Folge abzusichern. In den Blättern der Schwarzen Johannisbeere liegen genau die richtigen Reserven dafür parat. Diese können in getrocknetem und zerkleinertem Zustand separat oder kombiniert mit verschiedenen Blüten, wie etwa der Ringelblume, des Lavendels oder der Goldmelisse aufgebrüht und getrunken werden.

Ein Tee für die ganze Familie

2-mal pro Woche ist es in den kalten Monaten sinnvoll, sich einen Tee mit getrockneten und zerkleinerten Blättern der Schwarzen Johannisbeere oder einer persönlichen Teemischung, in denen diese Blätter enthalten sind, im Heißaufguss zuzubereiten. Am besten trinkt man sowohl am Morgen als auch am frühen Abend je 1 Tasse davon, die mit etwas Honig oder Zitronensaft ergänzt werden kann. An dieser die körpereigenen Abwehrkräfte fördernden Maßnahme kann man ruhig alle im eigenen Haushalt Wohnenden partizipieren lassen.

Schwarze Johannisbeeren oder Ribisel (Ribes nigrum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Nicht zu verachten

Der Spargel für die Gesundheit

Wollte man in den Reihen der Heilkräuter ein so genanntes Ranking durchführen, dann käme es in erster Linie auf die Kriterien an, die man für die Bewertung aufstellen müsste. Je nachdem, wie sehr die Tradition der Verwendung dabei Gewicht hätte oder der Bekanntheitsgrad eines Gewächses bzw. die wissenschaftlich nachgewiesene Wirkkraft: es würde zu unterschiedlichen Ergebnissen bzw. Statistiken kommen. Der Spargel (Asparagus officinalis) hat aufs Erste betrachtet bei solchen Überlegungen keinen Platz. Denn immerhin zählt man ihn zum Gemüse und darüber hinaus zu den Delikatessen, die viel eher in der Küche angesiedelt werden können als in den pflanzlichen Hausapotheken. Und doch kann und will ich ihm die heilenden Eigenschaften nicht absprechen. Vorrangig dürfen wir in diesem Zusammenhang an die Nieren denken, die für so manche positive Motivation dankbar sind. Denn wenn die Wasserausscheidung des Körpers erhöht wird, dann bedeutet das eine Herausforderung für die reinigenden Organe, die sich auf eine gute Konstitution und Funktion gleichermaßen steigernd auswirkt. Vorsicht ist lediglich bei einer Entzündung der Nieren geboten, wo man den Konsum von Spargel eindeutig meiden sollte. Ein zweiter Aspekt kommt zusätzlich zum Tragen, wenn wir uns Gedanken über die Triebsprossen aus hoffentlich heimischer Produktion machen. Dadurch, dass man mit dem Verzehr von Spargel sehr viel an Ballaststoffen zu sich nimmt, profitiert wiederum der Dickdarm davon. Dieses wichtige abschließende Stück unserer physischen Verdauungskette sollte ebenso nicht vernachlässigt werden. Besorgniserregende Diagnosen gibt es schließlich genug, die uns aufmerksam machen, dass es nur klug sein kann, über eine vernünftige Ernährung den ganzen Körper fit zu halten. Und der Spargel kann dabei mit von der Partie sein.

Ergänzung am Tisch

Auch wenn die Saison für frischen Spargel im späten Frühjahr ihre angemessene Zeit hat, kann man im Winter auf die Sprossen zurückgreifen, die es z. B. in Einmachgläsern zu erwerben gibt. Vom Weinviertel bis hin nach Kärnten bürgen kompetente landwirtschaftliche Betriebe für eine hervorragende Qualität des heimischen Spargels. Ab und zu also das Gemüse roh oder gekocht zu sich nehmen, um so die Nieren und den Dickdarm zu unterstützen.

Spargel (Asparagus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Alternative Beigabe

Brennnessel auch an Wintertagen

Wer jetzt ins Freie geht, darf sich nicht allzu viel an Vegetation und schon gar keine Blumen oder duftende Wiesen erwarten. Vielmehr riecht es nach Feuchtigkeit, nach bloßer umgeackerter Erde oder eben nach Schnee, sollte dieser wider alle Erwartung heranziehen. Es ist nun einmal die Zeit, wo die pflanzliche Natur ruht und frische Kräfte sammelt, um beim erneuten Ansteigen des Sonnenlaufes und der damit verbundenen höheren Temperaturen durchstarten zu können. Das heißt jedoch nicht, die Kräuter samt ihren Vorzügen auch im Haushalt ad acta legen zu müssen. Ganz im Gegenteil! Die Große Brennnessel (Urtica dioica) kann mir helfen, das zu demonstrieren. Ich denke, dass wir uns um dieses äußerst wertvolle Gewächs keine Sorgen machen müssen, was ihren Bestand in der Zukunft betrifft. Denn als so genannte Kulturfolgerin hat sie es im Laufe der Menschheitsgeschichte gelernt, sich auf brache Flächen in der Nähe von Häusern und Siedlungen zu spezialisieren und sie binnen kürzester Zeit für sich als Standort zu erobern. Ein erhöhter Stickstoffgehalt des Bodens animiert sie dabei noch. Nun wurde schon seit Langem die Erkenntnis gewonnen, dass die Brennnessel sich besonders gut auf die Gesundheit auszuwirken vermag. Das kann u. a. dadurch geschehen, indem man die Blätter des starken Krautes trocknet und dafür verwendet, einen Tee aufzugießen, der mithilft, das Blut zu reinigen und die Gefäße offen und durchlässig zu halten. Selbst den Haaren tut der Absud gut, wenn man ihn äußerlich zur Anwendung bringt. In den Brennnesseln finden sich wertvolle Spurenelemente und Mineralstoffe wie etwa Kalium, Kalzium, Magnesium und Eisen. Und kaum jemand vermutet die tatsächliche Präsenz von Vitaminen in den Wuchsteilen derselben. Im Winter ist es also klug, in kleinen Mengen die Vorzüge der Brennnessel in Anspruch zu nehmen.

Blattpulver als Würze

Die getrockneten und zerkleinerten Blätter der Brennnessel gibt man am besten in einen Mörser und reibt sie darin so lange, bis ein Pulver daraus entsteht. Mit diesem kann man dann Suppen, Speisen und Gerichte würzen. Ein Glas Joghurt oder Sauermilch lässt sich damit anreichern, indem man 1 Teelöffel voll Brennnessel-Pulver darin verrührt, bevor man es zu sich nimmt. Das hilft mit, die Gesundheit zu fördern und das eigene Wohlbefinden zu steigern.

Brennnesselzweig (Urtica dioica) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya