Gewürzvoll den Tag beenden

Die Dille hilft entspannen

„Bevor ich mich zur Ruh begeb, zu Dir, oh Gott, mein Herz ich heb!“ – so fängt ein Abendgebet an, das zu meiner Kinderzeit noch üblich war. Dieses Ritual hatte seinen festen Sitz im Alltag und zog eine eindeutige Grenze zu all dem, was sich in den Stunden davor abspielte. Meines Erachtens gelingt es heute immer schwerer, dieses Behütet-Sein zu vermitteln. So nimmt es nicht wunder, wenn es auch bei Kindern einen seichten und unruhigen Schlaf gibt. Das Dillkraut (Anethum graveolens) führt uns vorerst einmal auf eine andere Spur. Wer sich noch die Mühe macht, Gurken aus dem eigenen Garten oder ähnliches Gemüse einzulegen, der verzichtet wohl kaum auf dieses Gewürzkraut. Oder es gibt am Mittagstisch eine Soße, in der eben der Dill den Ton angibt und mir persönlich sehr mundet. Dieses Doldengewächs, das seine ursprüngliche Heimat im Vorderen Orient haben dürfte, besitzt einen runden hohlen Stängel der dunkelgrün und weißlich gestreift ist und zarte bläuliche Flecken aufweist. Die kleinen Blüten sind dottergelb gefärbt und die Blätter des Dills sind mehrfach gefiedert. Steht das Gurkenkraut, wie der Dill auch genannt wird, einmal als stattliche Pflanze von einer Höhe bis über einem Meter da, kann man es aufgrund des charakteristischen Aromas leicht von anderen verwandten Pflanzen unterscheiden. Wird es zeitgerecht geerntet, dann hat man es eben das ganze Jahr über zur weiteren Verwendung zur Verfügung. Am Abend ist es ratsam, nicht nur als Kind, sondern genauso als Erwachsener nach Ruhe und Entspannung Ausschau zu halten. Dazu habe ich heute einen ganz besonderen Tipp.

Den Schlaf festigen

Die getrocknete Droge des Dillkrautes lässt sich u. a. auch zu einem Tee aufgießen. Dazu nimmt man vom zerkleinerten Kraut 2 Teelöffel voll und übergießt es mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Schluckweise vor dem Zubettgehen genossen, kann diese Maßnahme mithelfen, eine vorhandene Schlaflosigkeit zu vermindern und tiefer in die Ruhephase hineinzugleiten.


Dill ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Krankheiten hinter sich lassen

Mit der Königskerze besser vorankommen

Gute Beziehungen sind sicher wichtig, will man etwas erreichen. Wenn auch die Hoffnungen, die man in den einen oder anderen Entscheidungsträger setzt, manchmal nur begrenzt oder gar nicht realisierbar sind, so lohnt sich doch allemal der Versuch, dort vorstellig zu werden, um das Machbare auszuloten. Möchte man mit Pflanzen im Hinblick auf die Gesundheit kooperieren, so kommt man meiner Meinung nach auch nicht daran vorbei, als ersten Schritt eine gute Beziehung zu ihnen aufzubauen. Die Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum) macht es einem leicht, in Kontakt zu ihr zu treten. Denn sie besitzt ein freundliches und sonniges Wesen, dem sich kaum jemand entziehen kann, hat man es einmal entdeckt. Offenen Auges kann der Kräuterinteressierte ihr durchaus begegnen, erstreckt sich doch ihr Verbreitungsgebiet nahezu über ganz Europa. Die Königskerze wächst zweijährig. Im ersten Jahr treibt sie eine spindelförmige Wurzel samt einer Rosette grundständiger Blätter, aus der sich im zweiten Jahr ein graugrüner, wolliger Stängel erhebt, aus dem dann die goldgelben Blüten aufbrechen. Im Hochsommer erntet man die Blumenkronen samt den Staubblättern und lässt diese im Schatten trocknen. Die geerntete Droge wird am besten lichtgeschützt aufbewahrt. So sehr die Königskerze eine gute Begleiterin für Phasen eines grippalen Infektes oder einer starken Erkältung ist, so sehr bleibt sie einem auch danach treu, um ihren hilfreichen Dienst anzubieten. Denn dann ist es umso wichtiger, wiederum ins „normale“ Leben einzusteigen und zu Kräften zu kommen. Die Sonnenenergie, die unsere gelbblühende Freundin mit ihren Blüten gleichsam in der warmen Zeit eingefangen und gespeichert hat, ist mittels einer Anwendung auch später noch abrufbar.

Königskerzen-Tinktur

25 g getrocknete und zusätzlich zerkrümelte Blüten der Großen Königskerze lässt man 14 Tage lang zusammen mit 1/4 Liter 70%igen Ansatzalkohol in einem verschließbaren Glasgefäß ziehen. Danach gut filtrieren und abfüllen. Kühl lagern. Von dieser Tinktur kann man 3-mal täglich ein paar Tropfen (15 bis max. 20) zusammen mit 1 Esslöffel voll Wasser zu sich nehmen, um so das Gemüt zu erhellen und die Rekonvaleszenz nach Krankheiten und Spitalsaufenthalten stärkend zu begleiten.


Königskerze mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Starke Entfaltungschancen

In Pappelknospen steckt viel Kraft

Ein Thema, das nicht nur die Politik, die Wirtschaft und große Kommunen betrifft, sind so genannte Sparmaßnahmen. Wir verbinden damit wohl kaum hehre und frohe Empfindungen, umso mehr es im ganz persönlichen Kampf um die eigene Existenz im Haus oder in der Firma geht. Stattdessen träumen wir von Projekten und Gestaltungsmöglichkeiten, denen jedoch der Rechenstift jäh eine unbarmherzige Grenze ziehen kann. Dem Ganzen möchte ich heute auf pflanzlicher Ebene etwas entgegenstellen. Pappeln sind uns sehr wohl vertraut, da sie zahlreich als gestaltendes Element in die Landschaft bzw. in die Städte gepflanzt wurden. Die eigentlich bei uns in Mitteleuropa heimische Art der Schwarzpappel (Populus nigra) ist hingegen nur selten ausfindig zu machen. Man kann sie eher noch in Form einer Säulenpappel (Populus nigra Italica) als Alleebaum entlang von Straßen und Wegen oder so mancher Fußballplätze entdecken. Sonst hat im Allgemeinen die Kanadische Pappel, die ihrerseits eine Kreuzung verschiedener Pappeln darstellt, den angestammten Individuen den Rang abgelaufen. Im Winter ist uns lediglich ein ganz kleiner und unscheinbarer Teil der Schwarzpappel zugänglich. Gerade in der abflauenden Frostzeit wäre es sicherlich gut, genug Hoffnung zu schöpfen. In den Knospen der Pappeln ist diese Tugend anschaulich symbolisiert. Unsere seelische Verfasstheit sollten wir nie von unserer körperlichen Konstitution trennen wollen. Beides ergänzt einander und korrespondiert in einem steten Austausch. Daher kann man versuchen, die Zeichenhaftigkeit und die Wirkstoffe eines Heilgewächses durch eine bewusste Verwendung in eins zu bringen. Nach einem langen Winter dürfen wir ruhig auf diese Weise die Hoffnung ankurbeln.

Pappel-Knospen in Teeform

Von den Zweigen der verschiedenen Formen der Schwarzpappel kann man einige noch geschlossene Knospen pflücken und sie frisch oder getrocknet verwenden. 1 Esslöffel voll wird mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen und 15 Minuten zugedeckt stehen gelassen. Dann abseihen und schluckweise trinken. Pappel-Knospen sind eisen-, kalk und gerbsäurehaltig. Darüber hinaus sind sie befähigt, uns neuen Lebensmut und frische Lebensfreude zu vermitteln.


Pappel ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Käse schließt den Magen

Der Dost begleitet diesen Prozess

Wenn der Tag zur Neige geht, dann hat man wieder einmal ein Stück Arbeit hinter sich gebracht. Stehen keine weiteren Termine an, so hat man Zeit, um alleine oder mit lieben Freunden auszuspannen, also das Leben im wahrsten Sinne wesentlich werden zu lassen und es gleichzeitig mit dem, was der Herrgott hinzugefügt hat, zu genießen und auszukosten. Und wenn’s nur ein paar Stück Käse sind, die ich mir zu Gemüte führe. Dazu gibt es einen pflanzlichen Kompagnon. Es ist der Echte Dost (Origanum vulgare), der unter anderem auch Wilder Majoran heißt und zur Pflanzenfamilie der Lippenblütler zählt. Er kann bis zu 70 cm hoch werden. Seine Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Wer den Dost einmal entdeckt hat, sollte sich unbedingt ein Blättchen abzupfen und das herrliche Aroma in sich aufnehmen. Dieses Heilgewürz schmeckt und riecht nicht nur gut, sondern es regt den Stoffwechsel an und hilft, den Körper zu entwässern. Zudem senkt sich bei öfterer Verwendung von Dost mit der Zeit der Cholesterinspiegel. Wer also den Wilden Majoran zu seinem Freund macht, der stärkt auch sein inneres Leben und wird locker. Der Dost besitzt eine kräftigende, durchwärmende und anregende Wirkung. Dies alles zielt auf die gesamte Bauchregion ab, die ja auch rein physiologisch zeichenhaft für unsere Mitte steht. Um sich aber dort nicht geistig und charakterlich festketten zu lassen, ist es wichtig, Entspannung aufkommen zu lassen. Da wiederum bewährt sich der krampflösende und verdauungsfördernde Effekt, der mit dem Dost einhergeht. Gewiss verbinden manche mit dem Käse am Abend ein gutes Tröpferl Wein. Solange es draußen noch kalt und feucht ist, kann aber ruhig ein Tee für unser Wohlbefinden sorgen.

Dost-Tee am Abend

2 Teelöffel von frischem oder getrocknetem Kraut des Wilden Majorans mit 1/4 Liter kochendem Wasser überbrühen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Dann abseihen und bei annehmbarer Temperatur schluckweise trinken. Nach der letzten Mahlzeit am Abend passt dieser Trunk besonders gut. Er trägt u. a. dazu bei, dass wir am nächsten Tag wieder besser aufstehen und ans Tagwerk gehen können.


Dost oder Oregano ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Natürliche Nervennahrung

Ganz einfach im Quendel finden

Energiereserven sind kostbar, zumal es weiterer Forschungen bedarf, die vorhandene Kraft der Sonne zu speichern. Wasser ist ebenfalls sehr kostbar, wie ich es wiederum verstärkt bei meiner Israelreise mit eigenen Augen feststellen konnte. Und im Körper brauchen wir genauso etwas, das uns die gute Kondition behalten lässt. Nun gut, allein die Nahrung sorgt schon für die nötige Zufuhr dergleichen. Beim Thema Nerven sollten wir aber nicht sofort an Psychopharmaka denken, die durchaus nach ärztlicher Maßgabe ihre Berechtigung haben können. Der Quendel (Thymus serpyllum) ist für mich ein starkes Kraut in dieser Hinsicht. Er ist ein Halbstrauch, der einen Höhe von 15 cm erreichen und in verschiedener Gestalt ausgebildet sein kann. Er liebt vor allem trockene Wiesen am Waldrand und kann auch auf Felsen und Mauern wachsen. Eigentlich ist der Quendel ein enger Verbündeter, wenn es gilt, eine Grippe oder einen Erkältungszustand zu bekämpfen. So kann ich nur jedem wärmstens empfehlen, in der eigenen Natur- und Hausapotheke immer eine ausreichende Menge an getrocknetem Quendelkraut zur Hand zu haben, um dieses Heilkraut mit seinen heilsamen Effekten einsetzen zu können. Für das Thema Nerven hat dieser gut duftende Pflanzengesell aber auch noch etwas parat. Immerhin weiß er, wie man mit kargen und entbehrungsreichen Umständen umgehen soll. Und das kann öfter als uns lieb ist auch für unsere Nerven eintreten. Die Herausforderungen sind in dieser Hinsicht reich gesät. Am besten handelt man also vorbeugend und probiert es, sich mit dem Quendel eine „Nahrung“ zu besorgen, die sich unterstützend auf unser Nervensystem auswirkt. Überwindung braucht es in diesem Falle nicht sehr viel, denn sein angenehmes Aroma wird wohl kaum jemanden vor den Kopf stoßen.

Quendeltee zur nervlichen Festigung

1 Esslöffel frisches oder getrocknetes blühendes Quendelkraut mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen. Um die gute Verfasstheit der Nerven zu unterstützen, trinkt man eine Zeit lang am Morgen und am Abend je eine Tasse voll davon. Dazu kann es nicht schaden, den Quendel-Aufguss reichlich mit Honig zu süßen und noch etwas Zitronensaft hinzuzufügen. Durch Letzteren sollte der Tee aber nicht zu sauer schmecken. Also mit Maß und Ziel!


Quendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Blumen fürs Krankenbett

Lavendel schafft eine gute Atmosphäre

Krankenhäuser sind eine segensreiche Einrichtung. Wenn ein Notfall eintritt, der dringend einer akuten Versorgung bedarf, dann folgt nach der Ersten Hilfe vor Ort der Transport in die Klinik, wo mit allen Mitteln versucht wird, das bedrohte Leben aufzufangen und mit den entsprechenden Schritten die Genesung wieder herbeizuführen. Die Patienten werden daraufhin in der Regel besucht, um ihnen Mut zuzusprechen und auch einen Beistand zuteil werden zu lassen. Der Lavendel (Lavandula angustifolia) ist ein Heilkraut, das nicht unbedingt für die Intensiv-Medizin herangezogen wird. Mit ihm verbinden wir eher die Leichtigkeit des Sommers und die Fröhlichkeit unbeschwerter Tage abseits von jedem Bett, das man krankheitshalber zu hüten hat. Deswegen müssen wir dieses duftende Heilkraut aber nicht unbedingt abhaken. Die Verwendung des Lavendels ist an und für sich breit gefächert. So sind viele bereit, sich den Lavendel aufgrund seines frischwürzigen Duftes und seiner hübschen Erscheinung in den Garten zu pflanzen oder in einem Blumentopf auf den Balkon zu stellen. In der Küche dienen die Blätter und Blüten u. a. zum Aromatisieren von Speisen aller Art. Das Lavendel-Öl wiederum findet Gebrauch bei der Herstellung kosmetischer Produkte. Die Wirkstoffe, die sich in den Blüten und Blättern des Lippenblütlers vorfinden, sind überwiegend ätherisches Öl, Gerbstoffe, Glykoside und auch ein geringer Anteil an Saponin. Der Lavendel besitzt von seiner Verfasstheit her ebenso ein aufmunterndes Wesen. Gleichzeitig kommt man durch das Einatmen seines Aromas durch ein genussvolles Atmen besser zu einer inneren Ruhe. All das sollte man bedenken, wenn man nun doch versucht, den Lavendel mit Erkrankten in Verbindung zu bringen. Dies betrifft nicht nur jene, die wohl oder übel einige Zeit im Krankenhaus verbringen müssen, sondern auch jene, die sich daheim einer häuslichen Pflege in Richtung Genesung überlassen.

Accessoire für das Krankenzimmer

Um die Atmosphäre in einem Krankenzimmer zu verbessern und den dort Verweilenden eine Freude zu bereiten, kann man als Mitbringsel bei einem Besuch ein Büscherl aus getrockneten Lavendeltrieben überreichen. Das Aroma des Lavendels trägt zu einem besseren Raumklima bei. Außerdem unterstützt er den Genesungswillen gerade bei apathischen Patienten auf eine sanfte Weise. Ähnliches bewirkt übrigens auch ein kleiner Stoffbeutel oder ein kleines Kissen, das mit getrockneten Lavendelblüten gefüllt ist.


Lavendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Gewürz für die Lunge

Im Kümmel finden

Was verleiht dem Leben Würze? Ist es ein Abenteuer, das in Form einer Expedition auf einen Gebirgszug oder in die unberührte Natur ferner Länder angestrebt wird? Oder ist es ein unbeschwertes Leben mit möglichst vielen gesellschaftlichen Events? Ich denke, das sieht für jeden von uns ganz verschieden aus. Aber ein Gewürz für ein Organ? Ist das nicht Sache des Kochs? Nun, heute geht es nicht um die Kulinarik, wiewohl der Echte Kümmel (Carum carvi) in erster Linie in der Küche herangezogen wird, um mit seinem Aroma das gewisse Etwas, das sonst fehlen würde, beizugeben. Und in der Tat kann dadurch so mancher Braten die eigentliche Vollendung finden. Die Vegetarier und Veganer sollen bei solch gedanklichen Ausflügen auch nicht zu kurz kommen. Wer weiß, was bei ihnen heute am Mittagstisch steht und ob der Kümmel mit dabei sein wird? Doch schauen wir uns das kleine halbmondförmige Korn einmal näher an. Seine Inhaltsstoffe bestehen aus Gerbstoffen, Harzen, Flavonoiden und vor allem einer Reihe von ätherischen Ölen. Sie bewirken in unserem Organismus hauptsächlich eine Unterstützung für unsere Verdauung, womit wir bei den Organen von Magen, Darm, Galle und Leber gelandet wären. Den Frauen kommt der Kümmel bei der Menstruation zugute. Und sowohl das weibliche als auch das männliche Geschlecht leidet in Zeiten des Winters unter entzündeten und verschleimten Atemwegen. Die Lunge kann also ebenfalls mit dem würzigen Korn eine wertvolle Hilfe in Empfang nehmen. Oft denkt man eben gar nicht daran, dass in so manchem, was ohnehin in Griffweite zur Verfügung steht, eine Handreichung des Schöpfers für das eigene Wohl präsent ist.

Schleimlösender Tee

Vielfach verbleibt als Relikt einer starken Erkältung in den Atemwegen festsitzender Schleim. Um diesen besser lösen und abhusten zu können, stößt man ganze Kümmelkörner in einem Mörser vorsichtig an. 2 Teelöffel davon werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 1/4 Stunde zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Über den Tag verteilt 3 Tassen schluckweise trinken.


Echter Kümmel ⓒ wikimedia.commons





Er gibt den Ton an

Der Blutweiderich in einer Teemischung

Gerne spricht man von so genannten Alpha-Tieren und parallel dazu im Bereich von unsereins als humane Wesen von Alpha-Menschen. Sie stechen aus der Gemeinschaft der sie Umgebenden dadurch heraus, weil sie z. B. durch ein richtungsweisendes Verhalten in der Hierarchie eine bevorzugte Stellung einnehmen. Sie geben den Ton an und regeln so manche Konfliktsituation durch ihr Eingreifen. Wieweit dies auch bei Pflanzen zutrifft, lässt sich sicherlich diskutieren. In der freien Natur gibt sich der Blutweiderich (Lythrum salicaria) eher bescheiden. Ihm macht es nichts aus, gleichsam nasse Füße zu bekommen, da er seinen Standort vor allem in unmittelbarer Gewässernähe sucht. Das Heilgewächs besitzt wertvolle Inhaltsstoffe, die unserer Gesundheit zuträglich sind. Durch den hohen Anteil an Gerbstoff verwendete man früher die Blüten sogar dafür, um Leder in einen gebrauchsfähigen Zustand zu bringen. Der Name dieser Uferpflanze rührt auch von den blutstillenden Eigenschaften der einzelnen Pflanzenteile. Im alltäglichen Hausgebrauch nimmt man den Blutweiderich kaum wahr. Da haben eindeutig populärere und gebräuchliche Kräuter, die man über den allgemeinen Handel schneller zur Hand hat, den Vorrang. Will man aber für das allgemeine Wohlbefinden und für die Unterstützung der körpereigenen Abwehrkräfte etwas tun, so darf man ruhig dem Blutweiderich dazu verhelfen, die Führung in einer Gruppe zusammen mit anderen Heilgewächsen zu übernehmen. In einer eigenen Mischung kann dies stattfinden, ohne jedoch die übrigen Pflanzen dabei gering zu schätzen.

Haustee für den Alltag

Hat man eine Reihe getrockneter Kräuter zur Hand, so kann man folgende Mischung zusammenstellen: 3 Teile Blutweiderich und je 1 Teil von Melisse, Pfefferminze und Ysop. Von dieser Mischung nimmt man 2 Teelöffel und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Mit ein wenig Honig und Zitronensaft ergänzt, ergibt dies einen wunderbaren Tee, von dem man am besten am Morgen und am Abend je 1 Tasse davon trinkt. Dies festigt die körperliche Konstitution.


Blutweiderich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Schmerzen in den Fingern

Mit Kartoffeln die Folgen der Gicht lindern

Das Schöne an meiner Arbeit als Kräuterpfarrer ist es, im Laufe der Zeit unzähligen Menschen begegnen zu dürfen, die dankbar auf die Gaben der Schöpfung blicken und sich gleichzeitig auch Unterstützung von den Heilwirkungen der Pflanzen erwarten. Nicht selten werde ich um einen praktischen Rat gefragt, der sich auf die Folgeerscheinungen der so genannten Gicht bezieht. Diese kann man dann meist ohnehin an der wulstigen Gestalt der Finger ablesen. Die Kartoffeln oder Erdäpfel sind nach wie vor ein Grundnahrungsmittel, das man aber auch als profundes Hausmittel verwenden kann. Das wussten schon die Generation unserer Großeltern und davor. Denn was sollte man denn vor allem auf dem agrarisch geprägten Land tun, wo die nächste Apotheke oft weit entfernt und das Angebot einer speziellen medizinischen Versorgung ebenfalls in tatsächlich weiter Ferne lag. Bei Gicht handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung, in deren Voranschreiten Harnsäurekristalle vor allem in den feinen Gelenken unserer Gliedmaßen abgelagert werden. Das wiederum kann schmerzvolle Schwellungen und Entzündungen hervorrufen. Wer Erdäpfel als Speise zu sich nimmt, sorgt schon einmal dezidiert dafür, dass der Körper sozusagen entsäuert wird. Denn bei Kartoffeln handelt es sich um eine basische Knolle aus der Erde. Aber es lässt sich ebenso eine Hilfestellung mit Erdäpfeln zubereiten, bei der ebenfalls die Weizenkleie zum Tragen kommt. Hier gibt’s die konkrete Anleitung dazu.

Lindernder Brei

Geschwollene und schmerzende Gicht-Finger kann man mit einem einfach anzurichtenden Brei bestreichen. Dazu nimmt man 3 stärkehaltige Kartoffeln und kocht sie eine Zeitlang in bloßem Wasser weich. Danach seiht man sie ab und gibt zu den heißen Erdäpfeln 2 bis 3 Esslöffel Weizenkleie dazu. Beides zusammen wird nun gut durchgedrückt. Den daraus entstandenen warmen Brei streicht man über die schmerzenden Stellen in der Art des Einseifens beim Waschen. So lange auf den Fingern lassen, bis es erkaltet, mit der Hand abwischen und neuen Brei auftragen. Ca. 15 Minuten lang durchführen. Zum Schluss lauwarm abwaschen.


Erdäpfelstaude ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Über Umwege zum Magen

Was Pfefferminz-Öl bewirken kann

Der im Weinviertler Städtchen Pulkau beheimatete Lyriker Alois Vogel (1922–2005) hat einst einen sehr bedenkenswerten Satz formuliert: „Sieh, manchmal führt eine ausholende Schleife gerade zum Ziel.“ Gewiss ist dieses Zitat wohl aus seinem ursprünglichen Kontext herausgenommen. Aber es verdeutlicht einmal mehr die Erfahrung, dass Umwege durchaus heilbringend sein können. Die Pfefferminze (Mentha piperita) kann übrigens ebenfalls etwas dazu beitragen, den sinnigen Ausspruch auf die Sorge um unseren Bruder Leib umzulegen. Für gewöhnlich hat der aromatische Tee, der den einen zusagt und anderen eher weniger behagt, Vorrang in den Vorstellungen über die Möglichkeit, das Gartenkraut aus der Gattung der Minzen und der Pflanzenfamilie der Lippenblütler zum Wohl unserer Gesundheit aufzubereiten. Dies ist durchaus berechtigt. Im Verdauungstrakt wirkt er nämlich mit, dass dort alles gut vonstatten geht. Hat jemand erhöhten Blutdruck, so vermag ein zeitweiliger Genuss von Pfefferminztee ein wenig zu dessen Senkung beizutragen. Der intensive Geruch von frisch geerntetem Kraut verrät jedoch noch einen zusätzlichen Reichtum, der in den Blättern drinnen steckt. Es ist das ätherische Öl, das über ein spezielles Verfahren aus den Pflanzenteilen gewonnen werden kann. Dieses wird vor allem äußerlich angewendet, wo es von der Haut aus auf die Nerven- und Lymphbahnen auf beeinträchtigte Bereiche wirkt. Dazu zählt u. a. der Magen, der es ja auch nicht immer leicht mit uns hat und womöglich eine nervliche Belastung widerspiegelt. Dann ist es gut, sich mit dem Pfefferminzöl über die Haut und die dort angesiedelte Sensibilität bzw. Reizempfänglichkeit behutsam an den Magen oder andere Bereiche heranzutasten.

Ätherisches Pfefferminz-Öl

Auf unserer Körperoberfläche gibt es bestimmte Bereiche wie den Oberbauch oder die Fußsohlen, die wir als so genannte Reiz- oder Reflexzonen bezeichnen. Dort ist es gut, bei Verdauungsschwierigkeiten, bei Schluckauf oder auch bei Schläfrigkeit nach dem Essen mittels einer Einreibung oder einer Massage das Pfefferminzöl aufzutragen und zur bessernden Wirkung zu bringen. Man sollte ein wenig von einem fetten pflanzlichen Öl hinzumischen, damit die Haut nicht zu sehr austrocknet. Das Pfefferminz-Öl ist samt Beratung im Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein zu erwerben.


Pfefferminze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya