Gute Gedanken aussenden

Durch Walnüsse die Voraussetzung schaffen

Wer einen Bau plant, muss zuerst dem zur Verfügung stehenden Grund hierfür die nötige Aufmerksamkeit schenken. Sonst könnte es gleich zu Beginn der Umsetzung zu Komplikationen kommen. Es ist einfach wichtig zu wissen, wohin man das Fundament setzt und wie es beschaffen ist, damit alles seinen notwendigen Halt bekommt. Die Pflanzen brauchen Derartiges nicht. Denn sie sorgen mit ihrem Wurzelgeflecht selbst dafür, ihre notwendige Standfestigkeit zu erlangen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Walnussbaum (Juglans regia), dessen Gestalt uns recht vertraut ist. Er kann durchaus im Vergleich zur Tierwelt als sogenannter Kulturfolger bezeichnet werden. Das meint, dass dieser Fruchtbringer vor allem in von Menschenhand kultiviertem Areal gedeiht, sofern auch die klimatischen Verhältnisse hierfür geeignet sind. Die Blätter des Nussbaums enthalten sehr viel Gerbstoffe und dienen dem Schutz der Haut und der Haare, wenn sie dafür adäquat aufbereitet werden. Und jetzt, da es jahreszeitlich schon wiederum dem Advent zugeht, sind bereits die guten Nüsse eingelagert, nachdem sie sorgfältig getrocknet wurden. Wer meint, diese seien nur als Zutat für so manches wohlmundende Backwerk ausersehen, der irrt. Denn in der Nuss, wie wir sie kennen, steckt eine ganze Reihe von Wirkstoffen, die vor allem dem Inhalt unseres Kopfes – sprich: Gehirn – sehr zuträglich sind. Und darüber hinaus kann eine Walnuss den Nerven ganz gut unter die Arme greifen. Womit wir wiederum beim Thema wären, das ich eingangs strapaziert habe. Doch nun geht es mir nicht um Mauern, die in ihrer Standhaftigkeit gefestigt sein sollen. In den Tag für Tag anfallenden Problemen bedarf es eines anderen Unterbaus, den vor allem reife Charaktere zum Tragen kommen lassen können: die Nerven, die doch im Laufe der Zeit sich derart bewährten, dass sie nun imstande sind, dem jeweiligen Menschen die nötige Ruhe und Besonnenheit zu gewähren, um so manches durchzustehen. Aber auch die Nerven bedürfen einer Unterstützung. Die Walnuss ist geradezu darauf spezialisiert.

Nervennahrung Walnuss

Um für die Nerven etwas Förderndes zu unternehmen, ist es durchaus sinnvoll, ab und zu ein paar Walnüsse zu schnabulieren. Die Kerne der hartschaligen Nüsse können entweder ganz oder gerieben eingenommen und gut gekaut werden. Dabei ist vor allem die erste Tageshälfte die richtige. Am Abend soll man eher Abstand vom Verzehr der Walnüsse nehmen, da sie doch die Verdauung sehr herausfordern. Leute, die ihre Stimme als Sänger oder Sprecher wie ein Kapital einsetzen, sollten die Walnüsse nur mäßig knabbern, da dies eben die Stimmbänder nachteilig beeinflusst.


Walnuss ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Gespeicherte Sonnenenergie

Aus dem getrockneten Ysop abrufen

Wer heute Morgen aufgewacht ist und einen Blick auf das Handy, den Computer oder auf einen schlichten Kalender aus Papier geworfen hat, durfte sich davon überzeugen, dass Sonntag ist. Gott sei im wahrsten Sinne des Wortes Dank, dass wir leben und diesen Tag als Geschenk entgegennehmen dürfen. Der wärmende Stern, der unserem Planetensystem den Namen verleiht, dominiert anscheinend die heutigen 24 Stunden (= Sonntag!). Der Ysop (Hyssopus officinalis) ist unter den Heilkräutern ein besonderes Sonnenkind. Seine ursprüngliche Heimat liegt in Südeuropa und in den niederschlagsarmen Gegenden Westasiens. Von dem ist schon lange keine Rede mehr, da er recht oft zum alljährlichen Repertoire eines genutzten Kräutergartens zählt. Auch dort steht er gerne auf einem Fleckerl Erde, das gar nicht oder kaum während des Tages mit Schattenflächen bedeckt ist. Der Ysop möchte anscheinend möglichst viele Sonnenstrahlen einfangen, um sie auf verwandelte Weise zu speichern. Wenn jemand das bedenkt, so kann man folgenden Schluss daraus ziehen: Gerade dann, wenn einem die Energiezufuhr mangels der Absenz der Sonne fehlt, sollte man also auf den Ysop zurückgreifen. Übrigens ergänzt sich das gut mit der Tatsache, dass der im Ysop enthaltene Kampfer eine erwärmende und aktivierende Wirkung zeitigt. Alles in allem ergibt dies ein Paket, das sowohl dem Leib als auch der Seele von Nutzen sein kann. Wir sollten daher zwei Gaben, die wir vom Ysop entgegennehmen dürfen, durchaus schätzen: erstens die Vorteile, die es für den Magen und die Atemwege mit sich bringt, wenn der Lippenblütler aufbereitet wird und zweitens das Partizipieren am Wesen der Pflanze im Falle eines niedergeschlagenen Gemüts.

Tee als Aufheller

Getrocknetes und zerkleinertes Ysop-Kraut wird in einer Menge von 2 Teelöffeln mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen, danach abseihen. 3 Wochen lang jeweils eine Tasse morgens nüchtern und die zweite abends vor dem Schlafengehen trinken. Eine Woche lang aussetzen und bei Bedarf wiederholen. Das trägt dezent dazu bei, die Verdauung zu stärken und vor allem ein trübes Allgemeinbefinden wiederum aufzuhellen.


Ysop ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Bis in den Magen hinunter

Der Kümmel als Förderer der Verdauung

Unterstützung ist prinzipiell etwas Gutes. Ein Blick auf die Hilfen, die uns z. B. eine kontinentüberschreitende Fortbewegung in Form eines Flugzeuges ermöglichen, genügt, um dies bestätigt zu finden. In weit geringeren Distanzen muss die Nahrung, die wir tagtäglich zu uns nehmen, ebenfalls gut vorankommen. Dann erst erfüllt sie ihren stärkenden und aufbauenden Dienst für unseren Organismus. Es bedarf jedoch ab und zu wirkungsvoller Hilfen, die regelnd und ordnend auf den „Verkehr“ zwischen Mundhöhle und Darmende einwirken. Das kann u. a. durch eine Würze passieren, die das Leben schmackhafter macht. Gehen wir in die Küchen und Speiskammern, finden wir dort durchaus Ähnliches. Nehmen wir als Beispiel den Kümmel (Carum carvi) aus der Palette der Zutaten heraus, die einem Gericht durch ihren charakteristischen Geschmack eine besondere Note verleihen. Die Früchte dieses Doldenblütlers sind schon seit vorantiken Zeiten als Beigabe zum Essen und gleichzeitig als Heilmittel bekannt. Alle Drüsen des Organismus, die mit der Verdauung zu tun haben, werden durch den Kümmel positiv beeinflusst. Darüber hinaus wirkt das Gewürzkorn leicht krampflösend und entzündungshemmend. Im Zuge der Einnahme unserer Speisen muss sich natürlich der Magen- und Darmtrakt mit all dem Aufgenommenen verarbeitend und verwertend auseinandersetzen. In diesem Prozess kann es ebenfalls zur Bildung von Gasen kommen, die sich zu guter Letzt durch unangenehme Blähungen bemerkbar machen. Der Kümmel schafft im Bauch einfach eine gute Atmosphäre, die in der Folge in die Speiseröhre rückwirkt. Es gibt ja auch Alternativen zur Verwendung der Samen als Gewürz. Konzentrierter ist ein Tee, den man damit aufgießt.

Tee mit Kümmelkörnern

Um einen Tee mit Kümmel aufzugießen, nimmt man 2 Teelöffel Kümmelkörner, die man mithilfe eines Mörsers leicht anstößt. Dann mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Eine Stunde nach den Mahlzeiten trinken, um so die Verdauung zu fördern und ebenfalls gegen einen etwaigen lästigen Mundgeruch vorzugehen, der vom Magen herrührt.


Kümmel ⓒ wikimedia.commons





Ein Beitrag zur Verschönerung

Mit der Goldrute ins Bad steigen

Das Leben auf dem Land ist nicht immer so romantisch, wie es manche Heimatfilme oder ähnliches Unterhaltungsmaterial wiedergeben. Je dünner die vorhandene Infrastruktur gesät ist, desto beschwerlicher gestaltet sich der Alltag, um die ganz normalen Bedürfnisse abdecken zu können. Umso staunenswerter erweisen sich daher beherzte Initiativen, die dem Erhalt des Ortsbildes oder des Vereinswesens gewidmet sind. So genannte Verschönerungs-Vereine stellen ein gutes Exempel dafür dar. Am Land wächst auch die Gewöhnliche Goldrute (Solidago virgaurea), wo sie vor allem lichte Wälder, Wegränder und trockene Lichtungen als Standort bevorzugt. Sie ist also anscheinend ein Spezialist, wenn es gilt, mit kargen Gegebenheiten einigermaßen gut zurechtzukommen. Als Heilkraut hat sie seit jeher den Ruf, den Harn zu treiben und somit mitzuhelfen, ein vorliegendes Übermaß an Harnsäure im Organismus zu reduzieren. Dafür nimmt man in erster Linie mit einem Tee aus Goldrutenkraut vorlieb. Äußerlich angewandt, kann der Absud auch für eine Auflage verwendet werden, um Wunden beim Abheilen zu unterstützen. Unsere Haut ist generell erfreut, wenn sie mit der Goldrute in Berührung kommen darf. Eine Ausnahme besteht lediglich in allergischen Reaktionen diesem Gewächs gegenüber. Liegt jener Grund jedoch nicht vor, so kann man getrost darangehen, sich in der Sorge um seine Haut und deren ansehnliche Beschaffenheit den wertvollen Korbblütler auf eine eigene Weise zu Gemüte zu führen. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, für eine gewisse Dauer der Goldrute einmal pro Woche einen Tag zu reservieren, um sich für die Verschönerung unserer äußeren Schutzschicht ein Stelldichein mit der Goldrute in der Badewanne zu geben.

Goldruten-Bad

Hat man ein getrocknetes Goldruten-Blütenkraut zur Hand, so werden 2 bis 3 Händevoll zerkleinert und in ein Leinensäckchen gegeben, das man über den Heißwasserhahn der Badewanne bindet und langsam das heiße Wasser darüberfließen lässt. Danach das Wasser annehmlich temperieren, das Leinensäckchen auspressen und in der Wanne liegen lassen. 15 Minuten das Goldruten-Bad genießen, ehe man wieder heraussteigt. Das unterstützt die Gesunderhaltung und die Strukturverbesserung der Haut auf eine ganz natürliche Weise.


Echte Goldrute ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Körperpflege von außen

Die Engelwurz bewährt sich dabei

Die Sonne steht nun schon ganz schön tief, wenn sie mit ihren Strahlen die abendliche Landschaft streichelt. Golden flammen die Blätter auf den Bäumen auf, ehe ihre Pracht vom Wind zu Boden gerissen wird. Und im wechselnden Hin und Her fordert uns das herbstliche Wetter heraus. Zu lange waren wir die Wärme gewohnt, von der wir uns nur ungern verabschiedet haben. Die Echte Engelwurz (Angelica archangelica) hat den Sommer genutzt, um sich als Pflanze gut zu entwickeln. Nun, da sie sich in ihre Wurzel zurückzieht, ist sie bereit, ihre gespeicherte Energie an Bedürftige weiterzugeben. Und sie macht ihrem Namen alle Ehre, denn in den einzelnen Teilen des Gewächses befinden sich u. a. ätherische Öle sowie Bitterstoffe, Pektin und Stärke. Innerlich verwendet, kann die Arznei-Engelwurz den Magen stärken, die Verdauung ausgleichen, das Blut reinigen und die Nerven nach einer großen Beanspruchung gleich der Sehne eines Bogens wieder straffen. Von der Engelwurz kann man sowohl die frischen Blätter und Blattstiele während der Frühjahrs- und Sommerszeit ernten. Die Wurzelstöcke hingegen gräbt man am besten erst jetzt im Herbst oder im kommenden Frühjahr aus. Vor allem bei Beschwerden, die im Zusammenhang mit Rheuma auftreten, mag es ganz klug sein, die Präsenz der Engelwurz sinnvoll zum Einsatz kommen zu lassen. Schon Hermann-Josef Weidinger wusste dazu einen guten Rat, der sich auch heute noch leicht in die Tat umsetzen lässt. Bei der Suche nach einer wertvollen Empfehlung seinerseits bin ich auf einen Tipp gestoßen, der sich auf Fuß-, Hand- und Vollbäder bezieht.

Bäder bei Rheuma:

Für ein Teil- oder ein Vollbad nimmt man pro 20 Liter Wasser 1 Handvoll zerkleinerte Wurzel der Echten Engelwurz und fügt, falls vorhanden, noch die gleiche Menge an Samenkörnern des Gewächses hinzu. Das Ganze gibt man in einen Topf, bedeckt es gut mit Wasser, kocht kurz auf, lässt dies noch 15 Minuten zugedeckt ziehen und seiht den Tee ins Badewasser. Es genügt, täglich einmal für eine Dauer von 3 bis 5 Minuten darin zu baden. Das zeitigt bereits eine lindernde Wirkung, wenn die Schmerzen einem das Leben schwer machen, die mit Rheuma in Verbindung stehen.


Echte Engelwurz ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Folgen des Sports

Mit Katzenpfötchen lindern

Der Körper ist durchaus dafür dankbar, wenn man ihn durch eine sportliche Betätigung herausfordert. Vernünftigerweise sollte jedoch auf das Alter geachtet werden, in dem das nicht nur sinnvoll, sondern vor allem auch möglich erscheint. Ganz schnell kann es beim Laufen, Fußballspielen oder Schifahren dazu kommen, dass ein Sturz, ein Verknöcheln und ähnliches dem Vergnügen ein jähes Ende bereitet. Wenn man dann in der Bewegung mehr oder weniger gehindert das Haus hüten muss, setzt sich womöglich die Katze daneben, um mitleidsvoll zu schnurren. Das führt mich auf eine kräutermäßige Spur. Es gibt ein Gewächs mit der Bezeichnung Gewöhnliches Katzenpfötchen (Antennaria dioica), das man zwar selten, aber immer wieder in weiten Teilen Österreichs vorfinden kann. Das Pflänzchen wächst eher bescheiden und unscheinbar. Daher fällt es oft gar nicht auf. Dessen im ersten Jahr ausgebildete Blattrosette hat filzig behaarte Blätter. Ab dem zweiten Vegetationsjahr wachsen daraus die langen Stängel, auf denen sich die charakteristischen Blüten bilden, die für die Namensgebung des Katzenpfötchens verantwortlich sind. Dieses Heilkraut enthält u. a. Bitterstoffe, Gerbstoffe, Harze und in geringen Mengen ätherische Öle. Im Allgemeinen hat man früher den Korbblütler herangezogen, um damit bei Keuchhusten, Bronchitis und verschleimten Atemwegen eine Besserung herbeizuführen. Aber ebenso hat man bei Gallen- und Leberbeschwerden und bei einer schlechten Verdauung einen Tee aus dessen Pflanzenteilen aufgebrüht. Wenn jedoch jemand aufgrund einer sportlichen Betätigung eine Verletzung bzw. eine Prellung oder eine Verstauchung mit nach Hause bringt, so darf er oder sie ruhig ebenfalls bildlich gesprochen mit dem Katzenpfötchen „drüberstreicheln“. Diese Heilpflanze erhält man übrigens im einschlägigen Fachhandel und kann sie so im eigenen Garten kultivieren, ohne ihre wildwachsenden Bestände zu minimieren.

Katzenpfötchen als heilsame Auflage

Bevor sich im Sommer das Gemeine Katzenpfötchen daranmacht, voll aufzublühen, schneidet man deren Stängel ab, um die Triebe im Schatten sorgfältig zu trocknen. Davon nimmt man dann einen Teil, um das Erntegut zu zerkleinern oder man besorgt sich die Kräuterdroge aus der Apotheke. Damit wird im Heißaufguss ein Tee aufgebrüht. Mit diesem tränkt man ein Stück Stoff und bringt damit eine Auflage bei Sportverletzungen, Geschwüren oder bei schlecht heilenden Wunden an. Zumindest alle 5 Stunden erneuern.


Katzenpfötchen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Kopf besänftigen

Ein Hausmittel mit Roggenmehl einsetzen

Bekanntlich beginnt der Fisch am Kopf zu stinken. So behauptet es zumindest eine häufig gebrauchte Redewendung, um damit ein vernachlässigtes Handeln oder gar eine moralische Schieflage an Vorgesetzten und Verantwortlichen zu kritisieren. Woher dieses Sprichwort stammt, entzieht sich meiner Kenntnis. Schauen wir unseren Körper an, so wissen wir, dass sein Funktionieren ebenfalls maßgeblich vom Wohlbefinden des darauf ruhenden Kopfes abhängt. Dass dies nicht selbstverständlich ist, merken wir spätestens dann, wenn der Schädel – wodurch auch immer – zu schmerzen beginnt. Im Roggen (Secale cereale) begegnet uns ein von Gott geschenktes Gewächs, das durchaus in den Zusammenhang mit unserer anthropologischen Physis gebracht werden kann. Denn nicht nur der Landwirt, sondern wir alle erwarten uns, dass sich aus dem gesäten Korn ein kräftiger Halm entwickelt, der quasi dem Kopf zustrebt, von dem dann mit der vermehrten Frucht viel Gutes abfällt. In erster Linie bezieht sich das Interesse dabei auf das Brot, das mithilfe des gemahlenen Roggens gebacken werden kann und uns im Alltag bei Kräften bleiben lässt. Doch dürfen wir durchaus der Erfahrung unserer Altvorderen vertrauen, die im oftmaligen Gebrauch des Roggenmehls auch die Entdeckung machen durften, dass dieses eine ableitende und scherzlindernde Auswirkung mit sich bringt. So ist es vielleicht gar nicht schlecht, bei Kopfschmerzen vorerst einmal auf den Einsatz von Medikamenten zu verzichten. Der Körper möchte dadurch womöglich signalisieren, dass Zeiten der Ruhe und des Ausspannens angesagt wären. Nun gut, das schließt ja eine begleitende Anwendung mit Roggenmehl nicht aus.

Kopfweh lindern

Plagen einen hartnäckige Kopfschmerzen, deren Ursache weder gravierend noch unbekannt ist und somit keiner akuten ärztlichen Betreuung bedarf, so kann man auf ein altes Hausmittel zurückgreifen. Dazu vermischt man ein qualitätsvolles Roggenmehl mit Apfelessig zu einem Brei. Diesen streicht man dann auf ein Tuch und legt es sowohl auf den Nacken als auch auf die Schultern des Gepeinigten auf. Nach 2 Stunden erneuern. Gleichzeitig sollten die Füße möglichst warm gehalten werden.


Apfelessig und Roggenmehl ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Einen Schutz aufbauen

Mit Labkraut dem Winter entgegengehen

Militärische Verteidigungsstrategien gibt es zuhauf, die dazu angelegt sind, einen vorhersehbaren Angriff feindlicher Mächte nach Möglichkeit zu zerschlagen oder schon im Vorfeld abzufangen. Leider ist dies nicht bloße Theorie. Es wird uns öfter als uns lieb ist ein mit Bildern ausgestatteter Bericht von Kriegsereignissen medial ins Haus geliefert. Unbemerkt ereignet sich durchaus Vergleichbares direkt an und um uns herum. Unser eigener Körper ist nämlich Angriffsziel für unzählige Keime, Viren und Bakterien, denen vor allem der Winter ein besseres Voranschreiten ermöglicht. Das Echte oder Gelbe Labkraut (Galium verum) scheint auf den ersten Blick weder mit kampftaktischen Winkelzügen noch mit einem schützenden Panzer für den Organismus etwas zu tun zu haben. Denn zierlich und luftig ist seine Wuchsstruktur anzusehen, wenn es im Sommer oft über und über die Feldraine, Waldränder und trockenen Böschungen mit seinem gelben Blütenhauch überzieht. Dieses Kraut ist aber nicht einfach nur schön anzusehen wie eine bloße Kulisse. Erkundet man nämlich dessen Heilwirkungen, ist es eine ganze Liste an starken Eigenschaften, die auf einmal zu Tage tritt. So enthält das Gelbe Labkraut nicht nur krampflösende, wundheilende entzündungshemmende und nervenberuhigende Kräfte. Es fördert zudem die Ableitung überflüssigen Wassers aus dem Körper und somit die Abgabe des Harns. Das Labkraut hilft weiters mit, dass sich angelagerte Steine aus der Niere lösen und es darf ihm auch die Fähigkeit zugedacht werden, schädliche Strahlungen uns z. T. vom Leibe zu halten. Bedenkt man dies alles, ändert sich eine gleichgültige Haltung unsererseits gegenüber diesem wertvollen Geschenk des Schöpfers. Wenn man derzeit bereits den einen oder anderen Bericht über eine Erkältung oder einen grippalen Infekt eines Bekannten oder Verwandten hört, sollte man schon klugerweise einen Schutz für sich selbst u. a. mit Labkraut aufbauen.

Ein Bad für die Immunkraft

Gerade zur Herbstzeit ist es klug, die Abwehrkräfte des Körpers zu stärken. Für ein darauf ausgerichtetes Bad nimmt man ca. 70 g getrocknete und zerkleinerte Blütenstände des Gelben Labkrautes und übergießt diese mit 3 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen und dem Badewasser beifügen. Ca. 20 Minuten in der Wanne bleiben. Mit einer harntreibenden Wirkung ist im Zuge dieser Anwendung ebenfalls zu rechnen.


Gelbes Labkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Abwechslung auf dem Tisch

Mit Kartoffeln den Körper schonen

Wie geht es dir? – so fragen wir gerne, wenn wir eines lieben befreundeten Menschen ansichtig werden, den wir länger nicht gesehen haben. Die Antwort fällt dann oft mannigfaltig oder eventuell sogar sehr wortkarg und kurz aus. Im Hinblick auf das Genießen der herrlichen kulinarischen Gaben, die uns gar nicht so selten zuteil werden, dürfen wir einmal unseren Bruder Leib fragen: Und wie geht es dir? Sein Erwidern wird jedoch nicht in Form der Sprache erfolgen, sondern in der jeweils fühlbaren Verfassung unserer selbst. Die Kartoffeln oder Erdäpfel (Solanum tuberosum) sind eine Speise, die uns durchaus dabei helfen kann, dass wir uns um einen guten Zustand unseres Organismus ganz konkret kümmern, soweit das in unserer Macht liegt. Denn so mancher gute Bissen und der dazugehörige feine Tropfen sind zwar momentan ein schönes Erleben des Daseins auf dieser Welt, stellen aber gleichzeitig die Verdauung und ihre damit befassten Organe vor oft gar nicht geringe Herausforderungen. Und schließlich kommt es zur Übersäuerung des Körpers und den mittel- und langfristigen Folgen, die sich daraus ergeben. Die Kartoffel zählt zu den zahlreichen Möglichkeiten, sich basisch zu ernähren und einen Ausgleich zu manch üppiger und somit nicht unbedingt gesundheitsfördernder Art sich zu ernähren. Wenn an einem arbeitsfreien Tag wie dem heutigen Sonntag also Zeit bleibt, sich selbst etwas Gutes zu tun, darf man ruhig darangehen, in der Küche mit der Kartoffel etwas in diese Richtung auszuprobieren. Vielleicht sagt ja dann unser Bruder Leib nach dem Genuss eines Gerichtes mit Erdäpfeln: Mir geht’s schon besser!

Erdäpfellaibchen und Apfelmus

Heute möchte ich einmal dazu einladen, folgendes Rezept zu versuchen: Dazu benötigt man 500 g (am besten schon am Vorabend gekochte) kalte, mehlige Kartoffeln, die man schält und hernach fein reibt. Mit 2 Eiern, einer Prise Salz samt etwas Honig und Muskatnuss und ein wenig Wasser verkneten. Daraus Knödel formen und sachte flach drücken. Zum Abschluss in Vollkornbröseln wälzen und in einer Pfanne backen. Den Boden vorher mit Pflanzenfett bestreichen. Zu den noch warmen Laibchen kredenzt man am besten kaltes Apfelmus. Guten Appetit!


Erdäpfelstaude ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ernte für Keller und Körper

Das Kraut und sein äußerlicher Gebrauch

Mithilfe der Kräuter ist es möglich, zahllose Menschen anzusprechen, weil dahingehend durchaus eine große Offenheit und ein weiterhin ungebrochenes Interesse bestehen. Wenn ich also bei Führungen und Vorträgen das eine oder andere Gewächs den Zuhörern vorstellen darf, so weise ich darauf hin, dass als erster Schritt der Annäherung an die Pflanze vor allem das Staunen über ein wunderbares Geschöpf Gottes zugelassen und möglich gemacht werden sollte. Und das gilt z. B. ebenfalls für ein Allerweltsgemüse, wie wir es im Kraut, das präziser als Weißkohl (Brassica capitata) bezeichnet wird, vorfinden. Die Ernte des Gartens hat ja auch in diesem Jahr wiederum einiges davon eingebracht, was darauf wartet, sachgerecht eingelagert oder gleich frisch aufgearbeitet und genossen zu werden. In vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten, als die Palette an Zutaten für das tägliche Essen noch nicht so reich wie heutzutage bestückt war, landete das Kraut viel öfter auf dem Tisch. Da in diesen besagten Zeiten auch die Heilmittel nicht sofort in der Apotheke ums Eck gekauft werden konnten, hat man eben mit dem, was vorhanden war, das eine oder andere Leid zu lindern versucht. Gott sei Dank ist dieses Wissen nicht ganz verloren gegangen. Denn das Kraut ist nicht nur eine Wohltat für den Magen, sondern besitzt darüber hinaus sogar heilende Kräfte, die uns durchaus ins Staunen versetzen dürfen. Nutznießer all dessen ist vor allem die äußerste Schicht unseres Leibes. Und die ist dankbar, wenn sie während einer Beeinträchtigung mit dem Kraut in direkte Berührung kommen darf.

Krautblatt-Auflage praktisch durchgeführt

Vom Krauthäuptel werden die einzelnen und schön ausgebildeten Blätter abgelöst und gewaschen. Nachdem man sie abtropfen hat lassen, schneidet man die festen und harten Rippen heraus und walzt die Blätter auf einer harten Unterlage aus. Dann einfach hernehmen und auf der Haut direkt durch Festbinden fixieren. Das unterstützt vor allem das Ausreifen und Ableiten von Geschwüren, Bläschen, Pusteln und entzündeter Haut. Selbst tiefer liegende Eiterherde können durch diese Methode erfasst und im Heilungsprozess unterstützt werden.


Kraut oder Weißkohl ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya