Ein bitterer Geschmack

Mit dem Löwenzahn aufmerksamer werden

Wer zu viel um die Ohren hat, den wird so manches durch die Lappen gehen. Mit dieser Bemerkung kommt bildhaft sehr gut zum Ausdruck, dass es gar nicht so einfach ist, auf Sämtliches, was einem im Alltag begegnet, aufmerksam zu werden. Am heutigen Palmsonntag möchte ich daher bewusst auf eine Pflanze hinweisen, die wir angesichts des beginnenden Frühlings auch übersehen können, da sie noch nicht blüht. Ihr Name ist jedoch allen bekannt. Es handelt sich um den Löwenzahn (Taraxacum officinale). Vielleicht steht ja in der Speiskammer bei manchen ein Glas mit Löwenzahnhonig, der den ersten süßen Gruß des Tages am Frühstückstisch darstellt. Doch in dieser Spezialität kommen zumindest über den Gaumen die eigentlichen Wirkstoffe des Löwenzahns kaum zu tragen, die nicht nur den Geist, sondern den ganzen Organismus aufmerksamer werden lassen: die Bitterstoffe. Wer im vergangenen Sommer unter Umständen schon daran dachte, hat in weiser Voraussicht die charakteristisch gezähnten und milchigen Blätter des Löwenzahns geerntet und zum Trocknen aufgelegt. Gut aufbewahrt, ist der scheidende Winter die beste Zeit, um mit dem gallenstärkenden Löwenzahn eine Ahnung auf den Frühling hin wach werden zu lassen. In der Sorge um die Gesundheit des Körpers darf es nämlich ruhig ein Anliegen sein, alles in Fluss zu halten und einen beständigen Reinigungsprozess zu unterstützen. Die im Löwenzahn vorhandenen Bitterstoffe sorgen zudem für eine erhöhte Vitalität sämtlicher Zellen, die unseren Organismus aufbauen und am Leben erhalten. Mit gutem Recht darf daher die Vorstellung von einer mit Löwenzahnblüten übersäten Maienwiese schon jetzt zum sinnvollen Schritt führen, die Wirkung des bitteren Helfers zu nutzen.

Besser wach werden mit Löwenzahn:

Gleich am Morgen sollte man sich einige Zeit hindurch einen Tee aus getrockneten Löwenzahnblättern zubereiten. Das dient der Entschlackung des Körpers und somit gleichzeitig der Festigung und Klärung der Haut. Wer momentan keinen Löwenzahn zu Hause hat, darf ruhig im Fachhandel danach fragen. 2 Teelöffel des getrockneten und zerkleinerten Krautes werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Schluckwiese bedächtig trinken.


Löwenzahn mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Schöner sein wollen

Bei Akne ist das Zinnkraut zur Stelle

Peinliche Situationen gibt es oft häufiger, als es uns recht ist. Ganz leicht kann man bei der Achtung anderer durch den Rost fallen, wenn man den neuesten Hit nicht kennt, der permanent über den Äther verbreitet wird und den man sich mithilfe der sozialen Medien zuschickt. Oder man weiß etwas nicht, was doch schon jedes Kind ins Langzeitgedächtnis abgespeichert hat. Bei Pusteln, die wiederum Pubertierende mit sich tragen, zeichnet jedoch die Akne für ihr Dasein verantwortlich. Trotzdem empfinden ihre Träger sie als peinlich. Das Zinnkraut (Equisetum arvense), auch Acker-Schachtelhalm genannt, kann durchaus zu dem Bestreben, schöner sein zu wollen, etwas beitragen. Da es die Wirkstoffe wie Kalzium, Magnesium und Kieselsäure in sich birgt, geht man am besten daran, nach Möglichkeiten zu suchen, diese durch den Gebrauch des Krautes zu heben und für die Stärkung der Haut effektiv einzusetzen. Gewiss bietet der Drogeriefachhandel genug Mittel an, die einem die Zeit der Pusteln, die pubertätsbedingt auftreten, verkürzen bzw. erträglicher werden lassen. Arzt und Apotheker sind ebenfalls die richtigen Adressen in all den Fragen rund um diese Problematik. Dennoch ist dies noch kein Grund, um auf die begleitenden Kräfte der Naturheilkunde zu verzichten, die uns in Kräutern wie dem Zinnkraut zur Verfügung stehen. Wenn sich der Körper eines heranwachsenden jungen Menschen nicht nur durch vermehrtes Wachstum, sondern auch durch erhöhte Hormonausschüttungen verändert, nimmt es nicht Wunder, dass in der Folge ebenfalls die Beschaffenheit der Haut vorübergehend aus ihrer gewohnten Balance gerät. Eine eifrigere Pflege derselben ist daher sicher nicht das Schlechteste, was man in diesem Fall tun kann. Heutzutage ist es Gott sei Dank nicht mehr „un-cool“, wenn man hierbei auf pflanzliche Hauskosmetika zurückgreift.

Hautwasser selbst ansetzen:

Die wichtigste Zutat ist getrocknetes und zerkleinertes Kraut des Acker-Schachtelhalms (= Zinnkraut). 4 Esslöffel gibt man in 1/8 Liter kaltes Wasser. 3 Stunden ziehen lassen. Danach mit 1/4 Liter Obst- oder Kornbrand übergießen und 14 Tage in einem verschlossenen Glasgefäß stehen lassen. Hernach abseihen, filtrieren und 1/8 Liter Apfelessig beigeben. Erneut 8 Tage bei Zimmertemperatur verschlossen stehen lassen, um das fertige Hautwasser endgültig in dunkle Fläschchen abfüllen. Kühl und lichtgeschützt lagern. Bei fetter und unreiner Haut reibt man sich am besten morgens und abends die Gesichtshaut damit ein.


Ackerschachtelhalm oder Zinnkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Auf den Bäumen Nachschau halten

Die Äste der Eichen sind nun erntereif

In der praktisch betriebenen Landwirtschaft und im intensiv gestalteten Gartenbau gibt es eine Reihe von technischen Hilfsmaßnahmen, die aus dem Arbeitsalltag der damit Beschäftigten nicht mehr wegzudenken sind. In dieser Hinsicht leben wir in einer Zeit, die sehr viele Erleichterungen mit sich bringt. Dies würde sich jedoch als negativ erweisen, wenn die direkte und gute Beziehung zwischen Landwirt, Gärtner und der kultivierten Pflanze dadurch flöten ginge. Die Eiche (Quercus) lädt uns momentan ein, ein gutes Verhältnis zu ihr aufrecht zu erhalten. Ich meine natürlich nicht, einige Monate zu spät nach den Früchten, die noch unter den mächtigen Bäumen liegen, zu suchen und diese zu sammeln. Es gibt eine andere Ernteware, die momentan von aktuellem Interesse ist. Die jungen und dünnen Zweige und Ästchen der Eiche, die bei uns in Österreich am meisten in Form der Stieleiche (Quercus robur) vorkommt, sind von einer Rinde umhüllt, die sich sehr gut zum Heranziehen naturheilkundlicher Maßnahmen eignet. Man sollte beim Abschälen derselben darauf achten, dass die Schutzschicht der Eichenzweige noch eher glatt ist und nicht bereits eine borkige Struktur aufweist. In kleinen Streifen legt man die Rinde dann zum Trocknen auf und verwahrt sie anschließend so, dass weder Feuchtigkeit noch Lichteinstrahlung die Droge verderben könnte. Eichenrinde enthält einen hohen Gehalt an Gerbstoff und an Eichengerbsäure. Dies wiederum unterstützt auf ideale Weise Heilungsprozesse, die auf der menschlichen Haut zu einem positiven Resultat führen sollen. Ja, es zahlt sich also gewiss aus, nun auf den Bäumen Nachschau zu halten. Denn, obwohl der Frühling einzieht, ist bereits jetzt Erntezeit. Die Eichenrinde erweist sich jeweils am Beginn der alljährlichen Vegetationsphase als reif.

Brühe aus Eichenrinde:

Getrocknete und zerkleinerte Rinde der Eichenzweige wird in einem Ausmaß von 30 g in 1 Liter kaltem Wasser 2 Stunden lang angesetzt. Dann das Ganze 10 Minuten kochen lassen. Hernach abseihen. Die derart gewonnene Eichenrinden-Brühe lässt sich gut für Waschungen und ebenso für Auflagen verwenden, wenn man damit Geschwüre an den Unterschenkeln, ein offenes Bein oder nässende Ekzeme in einer begleitenden Maßnahme beim Abheilen unterstützen möchte.


Eichenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mit dem Frühling Schritt halten

Das Veilchen tut dem ganzen Körper gut

Wenn über einen viel geredet wird, hat das immer zwei Seiten. Ein hoher Bekanntheitsgrad kann durchaus dienlich sein, um z. B. für zahlreiche Menschen etwas Gutes zu erwirken, Hilfestellung anzubieten oder einfach durch eine Kunstfertigkeit Freude zu bereiten. Die andere Facette ist jedoch der schlechte Ruf, der sich oft wie ein Lauffeuer ausbreitet und trotz fehlender tatsächlicher Gründe über lange Zeitspannen nicht einzudämmen ist. Wenn wir uns diesmal erneut über das Wohlriechende Veilchen (Viola odorata) Gedanken machen, dann brauchen wir wohl kaum die Sorge haben, dass jemand schlecht über diesen Frühlingsboten spricht. In unzähligen Gedichten wurde es schon seit vielen Generationen als Glück besungen, dem Veilchen zu begegnen und es in ein kleines Sträußchen gebunden als Zeichen der Zuneigung und der Wertschätzung einem lieben Mitmenschen überreichen zu dürfen. Jetzt beginnt bald die Zeit, da sich das Märzveilchen zur Stelle meldet und oft ganze Flächen mit seinen Blüten in ein herrliches Blauviolett hüllt. Und so ist es sicher gut, nicht an dieser Pracht vorüberzugehen, sondern diese in seiner jahreszeitlichen Aktualität zu genießen und zu nutzen. Wenn wir all die positiven Wirkungen bedenken, die in den Pflanzenteilen des Veilchens stecken, so kommen wir zusätzlich ins Staunen. Es lindert z. B. Schmerzen bei Kopfweh oder schubweise auftretender Migräne. Auf das Herz hat dieser Künder des Frühjahrs eine beruhigende Wirkung. Daher trägt das Veilchen auch einen wertvollen Teil dazu bei, damit der Schlaf eine gesundheitsfördernde Tiefe erlangt. Was ebenfalls momentan gefragt ist: die Reinigung der Atemwege und eine Stärkung der Nieren, all das steht mit dem Veilchen in Zusammenhang. Mit dem Frühling Schritt zu halten, heißt im Falle des Veilchens, dass wir die frische Pflanzenware, die uns das Angebot der Natur liefert, auch einbringen, solange der Vorrat reicht. Im Sommer ist es dafür zu spät.

Verwendungsmöglichkeiten des Veilchens:

Am augenfälligsten sind die Blüten des Veilchens. Diese helfen mit, ein Dessert ansprechend zu garnieren. Man isst ja bekanntlich ebenfalls mit den Sehorganen. Die Blätter, die direkt am Boden aus der Wurzel wachsen, sind auch wertvoll. So kann man diese grünen Pflanzenteile sorgfältig abzupfen und zum Trocknen auflegen. In späteren Monaten lässt sich damit ein Tee aufgießen. Nicht übersehen sollte man die Möglichkeit, das frische Grün der Veilchen als Anreicherung eines Frühlings- oder Blattsalates zu verwenden. Beim Genuss dieser Zuspeise hat man quasi einen direkten Zutritt zu den Wirkstoffen des Veilchens.


Veilchenstock ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vom Boden und vom Baum

Spitzwegerich mit Lindenblüten kombinieren

Die vorösterliche Zeit bringt sehr viel an Vorbereitungen im Haushalt und nicht zuletzt auch in den Kirchen mit sich. Immerhin sollen die Fenster geputzt sein, der Garten vor dem Haus von so mancher winterlichen Tristesse befreit werden, und für die Feiertage ist es in den Gotteshäusern ebenfalls notwendig, die Räumlichkeiten für die heiligen Tage zu rüsten. Was alle von uns nun am wenigsten gebrauchen können, ist eine schwerwiegende Erkältung oder gar einen grippalen Infekt. Im Hinblick auf das Osterfest möchte ich daher zwei Hilfen empfehlen, wie wir sie in Spitzwegerich-Blättern und in Lindenblüten entdecken dürfen. Diese beiden Kräuterschätze scheinen zwar nach außen hin nichts mit der erwachenden Natur rund um die Tage des Leidens und der Auferstehung Christi zu tun zu haben. Da denkt man doch eher an Frühlingskräuter wie Gänseblümchen, Brennnessel oder die in vollem Saft stehenden Birken. Und doch hat es seine Berechtigung, die Kombination aus Spitzwegerich und Lindenblüten gerade jetzt für eine begleitende Maßnahme heranzuziehen. Denn viele haben dieser Tage wieder einmal mit einem entzündeten Atembereich zu kämpfen, der es einem schwer macht, sich den tagtäglich anfallenden Arbeiten zu stellen. Vom Spitzwegerich wissen wir, dass er physische Heilungsprozesse sehr gut fördern kann. Die ihm inneliegenden Schleimstoffe verstärken zudem die Möglichkeit, den festsitzenden Schleim in den Bronchien wiederum von sich zu geben und abhusten zu können. Und vom Baum, der in unserer Sprache Linde heißt, kennen wir durchaus die Kraft, die so manche Beschwerden im wahrsten Sinne des Wortes zu lindern weiß, um ein wenig mit dem Klang der jeweiligen Begriffe zu spielen. Was direkt als Effekt von den Lindenblüten bekannt ist, nennen wir ein gesundes Schwitzen. Dieser Prozess ist ja unbedingt für eine vermehrte Reinigung des Organismus notwendig. Also, wer nun vor Ostern als erstes seinen Bruder Leib im Abklingen einer Bronchitis einsatzfähig werden lassen möchte, ist gut beraten, das eine Kraut vom Boden und die heilende Gabe vom Baum zusammenzuführen.

Tee aus Lindenblüten und Spitzwegerich:

Um kurmäßig die Lunge nach einem Erkältungsinfekt wiederum frei zu bekommen, kann sich mit einem Tee behelfen. Getrocknete Lindenblüten und ebenso beschaffene zerkleinerte Blätter des Spitzwegerichs, die im vergangenen Sommer geerntet wurden, werden zu gleichen Teilen gemischt. 2 Teelöffel gießt man davon mit 1/4 Liter kochendem Wasser auf. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 3-mal am Tag trinken. Und so gut als möglich den Körper schonen und das Haus hüten.


Spitzwegerich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Lindenblüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine kleine Prise reicht

Der Zimt kann das ganze Jahr verwendet werden

Vielleicht erweckt es den Anschein, dass ich mich in der Jahreszeit geirrt hätte. Während schon längst die Osterhasen aus Schokolade, Marzipan oder andere zuckerreiche Naschereien die Regale in den Supermärkten gestürmt haben, möchte ich heute fast dreist ein Gewürz erörtern, das vielmehr mit dem Weihnachtsfest in Verbindung steht. Es ist der Zimt, der doch bereits wesentlich zum Wohlgeschmack der adventlichen Köstlichkeiten etwas beigetragen hat. Doch schauen wir einmal auf seine Herkunft. Er kommt aus dem Fernen Osten und wird vom Zimtbaum (Cinnamomum aromaticum) gewonnen. Diese Pflanze kann bis zu 10 Meter hoch werden und ist eine Verwandte des Lorbeerbaumes. Die Zimtrinde wird nicht nur als geschmackliche Beigabe, sondern auch als heilendes Hausmittel verwendet. In ihr sind ätherische Öle enthalten, darüber hinaus noch Gerb- und Schleimstoffe. Zimt hat eine natürliche antibakterielle Wirkung. Wer nach einem Tonikum für den Magenmuskel sucht, der ist mit der Verwendung von Zimt gut beraten. In der Geschichte der Naturheilkunde nennt z. B. schon der kundige Dioskurides die Zimtrinde als heilkräftig bei Husten und Katarrhen. Die im Handel erhältlichen Zimtstangen sind nichts anderes als getrocknete Rindenstücke, die zuvor von Schösslingen des Zimtbaumes abgeschnitten wurden. Unser Organismus reagiert zwar auf die jeweiligen Jahreszeiten und alle äußerlichen Veränderungen, wie z. B. Temperatur oder Tageslichtdauer, doch die Grundvollzüge sind permanent von ihm gefordert. Atmung und Herzschlag sind in diesem Sinne stets wichtig. Indirekt wirkt selbst der Zimt positiv auf diese lebenserhaltenden Funktionen.

Beständig verwenden:

Wenn man den Zimt in ganz kleinen Mengen dazu heranzieht, um das ganze Jahr über im Würzen der Speisen damit zu variieren und geschmackliche Akzente zu setzen, hilft das mit, den Körper gesund und vital zu erhalten. Denn der Zimt stimuliert die Magennerven äußerst positiv. Überdies wirkt sich die Verwendung des Gewürzes stärkend auf das vegetative Nervensystem aus, das all jene Tätigkeiten unserer Organe steuert, die ohne unsere stetige mentale Kontrolle ablaufen.


Zimtrinde ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zwei reichen einander die Hände

Apfel und Himbeere ergeben ein hilfreiches Duo

Bei einem feierlichen Staatsbesuch oder im Zuge eines kurzfristig anberaumten Krisentreffens steht es fast immer auf dem Programm, dass sich die höchstrangigen teilnehmenden Repräsentanten zum Abschluss des Ereignisses den Fotografen stellen, damit der obligate Handshake medial verbreitet werden kann. Diese Geste muss nicht immer mit einer überschwänglichen Sympathie, die beide Politiker füreinander hegen, einhergehen. Die Unterschiede der Meinungen sind da oft zu groß. Bei den Früchten, die wir aus dem Garten ernten, gibt es ebenso sehr unterschiedliche Arten wie z. B. Äpfel und Himbeeren, die noch dazu ihre ganz eigenen Reife- und Erntezeiten haben. Jedes Obst ist für sich allein betrachtet sehr wertvoll. Bei den Äpfeln schätzen wir u. a. den Vitaminreichtum, der ihnen eigen ist. Sie enthalten Pektine, Ballaststoffe und Fruchtsäuren, die dem Magen und dem Darm wohl tun und daher unsere Vitalität steigern. Die Himbeeren wiederum zählen zu den Freuden des Sommers. Sie dürfen genauso in reichem Maße genossen werden, sobald die Sonne sie zu ihrer vollen Entfaltung gebracht hat. Diese bergen ebenfalls Vitamine und Spurenelemente in sich. Ihr Verzehr trägt zudem dazu bei, dass der weibliche Hormonhaushalt seine ideale Balance bewahren kann. Da das Kern- und Beerenobst wie selbstverständlich zum Schatz zählt, den man vor der eigenen Haustür stehen hat und seit vielen Generationen mannigfaltig verarbeitet, bildete sich aus dieser Praxis so manche Erkenntnis heraus, die wir allesamt unter dem Begriff Hausmittel subsumieren. Eines davon zielt auf eine gute Funktion der Verdauung ab, die gerade in fortgeschrittenem Alter einiges zu wünschen übrig lässt. Dabei reichen im übertragenen Sinne Äpfel und Himbeeren einander die Hand.

Mischung bei Altersdurchfall:

Vergorener Apfelmost, der mancherorts auch Apfelwein genannt wird, kann in einem Verhältnis 1 : 4 mit reinem Himbeersaft gemischt werden. Um den Darm bei der Festigung des Stuhles zu unterstützen, ist es angeraten, von diesem konzentrierten Most-Himbeersaft-Gemisch ca. 5- bis 6-mal pro Tag einen Schluck zu nehmen.


Apfelhälfte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Himbeere Fruchtzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Stärkung für ganz oben

Die Schafgarbe und der Haarwuchs

Wie kommt in der Bibel die Tatsache zum Ausdruck, dass Gott die Menschen mit seiner Umsicht und Wertschätzung begleitet? Im Matthäusevangelium finden wir eine Aussage dazu: „Bei euch aber sind selbst die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch also nicht!“ (vgl. Mt. 10,30 f). Das kann also nichts anderes heißen, als dass wir bis ins kleinste Detail dem Schöpfer am Herzen liegen. Eine Aussage, die nicht nur den Aposteln damals, sondern auch uns heute auf jeden Fall Mut machen soll. Lenken wir den Blick jedoch auf die Schafgarbe (Achillea millefolium). Bei genauerem Hinsehen wird dem Betrachter klar, dass es an diesem Kraut einiges an Aufmerksamkeit bedarf, um alle Details ihrer grünen oberirdischen Pflanzenteile zu erfassen. Der wissenschaftliche Name der Schafgarbe nennt ja als Attribut „millefolium“, was ins Deutsche übersetzt so viel wie tausendblättrig heißt. Neben vielen anderen Heileffekten birgt der allseits bekannte Korbblütler auch die Fähigkeit in sich, auf die Haut adstringierend und entzündungshemmend zu wirken. Indirekt hilft das ebenfalls der schützenden Behaarung auf der Schädeldecke. Nun, Details an unserem Körper, wie die Haare auf dem Kopf es nun einmal sind, werden zu bestimmten Zeiten geflissentlich übergangen. Gewiss sind gerade Pubertierende damit beschäftigt, ihre Frisuren so zu stylen, dass man sich durchaus sehen lassen kann. Oder man trimmt die Haare für ein Fest oder gar für ein Casting. In dieses Thema möchte ich mich auf keinen Fall versteigen. Damit ich als Kräuterpfarrer gleich dem Schuster bei meinem Leisten bleibe, gilt mein Anliegen dem Festigen der Kopfhaut und somit dem Fundament des wie auch immer gearteten Haarwuchses. Mit dem Schafgarbenkraut lässt es sich nämlich ganz gut mit Umsicht ins Detail gehen und die einzelnen Haare wiederum auf Vordermann bringen.

Mit Schafgarbe die Kopfhaut massieren:

Vorerst braucht man einen Absud aus Schafgarbenkraut. Hierfür nimmt man 50 g frische oder getrocknete Blüten und Blätter der Schafgarbe und kocht diese in 1 Liter Wasser 10 Minuten lang auf. Dann abseihen und täglich mit dem lauwarmen Tee die Kopfhaut einreiben und zusätzlich auch noch den Haarboden direkt einmassieren. Diese Maßnahme übt eine stärkende Wirkung auf die Haarwurzeln aus und hat daher positive Folgen auf den Wuchs der vorhandenen Kopffrisur.


Schafgarbe mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Einfach für die Katz’!?

Mit der Königskerze den Vierbeinern helfen

Im Laufe meiner Vorträge als Kräuterpfarrer landauf und landab trage ich nicht selten zur Erheiterung bei, wenn ich den häuslichen Küchenchefs weiblichen Geschlechts rate, mit diplomatischen Tricks die Wirkkraft so mancher Kräuter an oder besser in den Mann zu bringen. Konkret meine ich damit, verschiedene Kräuter beim Essen einfach mit zu garen oder in Suppen aufzubrühen und diese wiederum vor dem Kredenzen herauszufischen und in der Küche zu lassen. Heute dürfen wir uns einmal fragen, wie wir z. B. die Königskerzen und deren heilende Wirkung den Haustieren wie etwa Hunden oder Katzen zu Diensten stellen können. Es ist ja gar nicht so einfach, sich als Krankenpfleger den Tieren gegenüber zu verhalten. Das wissen alle, die sich in einer derartigen Weise sorgend zu betätigen versuchten. Die Blüten der Königskerze selbst enthalten große Mengen an pflanzlichem Schleim, die gelben Farbstoffe Crocetin und Xanthophyll und ein wenig ätherisches Öl. Daher sind sie prädestiniert, um als schleimlösende Hilfe all jenen beizustehen, deren Atemwege durch eine Entzündung verlegt sind. Das gilt eben nicht nur für den Menschen, sondern in ähnlicher Weise auch für die uns allen ans Herzen gewachsenen Hausgenossen in Form einer schnurrenden Katze oder eines ebenfalls liebebedürftigen Hundes. Die „Diplomatie“, also die Aufbereitung der pflanzlichen Hilfe für einen erkälteten Vierbeiner besteht ganz praktisch darin, indem ich einen Absud aus getrockneten Blüten der Königskerze mit etwas Milch vermische und dann zum Trank reiche. Wenn das Tier eine Weile braucht, um dem Neuartigen zu trauen, soll man ihm auch die nötige Zeit dafür lassen.

Wundheilung beschleunigen:

Hunde und Katzen verletzen sich ab und zu bei unliebsamen Auseinandersetzungen mit Artgenossen. Die mit nach Hause gebrachten Wunden kann man in ihrem Abheilen unterstützen, indem man Umschläge mit stark eingekochtem Tee aus Königskerzenblüten anlegt oder einfach die Wunde damit beträufelt. Dazu kocht man ca. 50 g getrockneter Blüten der Königskerze in 1 Liter Wasser mehrere Minuten lang auf, ehe man das Ganze abseiht und abkühlen lässt. Bei gröberen Blessuren unbedingt die Veterinärmedizinerin oder den Tierarzt aufsuchen.


Königskerze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein stiller Helfer in der Küche

Sein Name ist Anis

Um ein Fest in einer Gemeinde kommunaler oder kirchlicher Natur zu organisieren, braucht es im Vorfeld eine Besprechung mit all den daran aktiv Beteiligten. Wenn dieses dann stattfindet, ist es wichtig, dass alle verlässlich auf ihrem Posten sind und die anstehenden Arbeiten erledigen. Sonst könnte es sein, dass sich der Event zu einem Chaos oder zumindest zu einem Flop entwickelt. In meinen Pfarren habe ich das Glück, auf zahlreiche verlässliche Personen vertrauen zu dürfen, die sich mit Treue und Hausverstand immer wieder zur Verfügung stellen, um ein Fest gelingen zu lassen. Der Anis (Pimpinella anisum) weckt in mir ähnliche Assoziationen. Botanisch betrachtet zählt der Gewürzlieferant zu den Doldenblütlern. Um in die Heimat der Anispflanze zu gelangen, muss man das östliche Mittelmeergebiet bzw. das westliche Asien ansteuern. Schon seit langem wird sie natürlich auch von Menschenhand in anderen Ländern wie etwa in Südeuropa, in Indien, Ägypten oder im südlichen Russland angebaut, geerntet und exportiert. Durch seine Wirkstoffe vermag der Anis einerseits dem Organismus positiv belebende Akzente zu vermitteln, wie etwa den Appetit anzuregen und andererseits hält er manches in Schach, was uns weniger angenehm erscheint. Hierzu zählen an erster Stelle Blähungen und ihnen vorausgehende Gärungsprozesse im Darm. Um auf das oben besprochene Bild einzugehen, steht auf jeden Fall außer Frage, dass der Anis seine guten Fähigkeiten zur Verfügung stellt, sobald man ihn in der Küche durch das Verwenden desselben mitwirken lässt.

Beigabe von Speisen:

Um sich der generell gesundheitsfördernden Wirkungen des Anises zu bedienen, sollte er in geringer Menge immer wieder zum Würzen und Abschmecken herangezogen werden. Zerquetschte Aniskörner etwa können dem Rotkraut, aber auch Gurken und Karotten beigefügt werden. Beim Zubereiten von Aufläufen darf der Anis ebenfalls eine Rolle als „Nebendarsteller“ übernehmen. Er passt überdies auch hervorragend zu gedünsteten Äpfeln.


Anis ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya