Eine Pflanze mit Geduld

Der Spitzwegerich hat’s in sich

Es ist schon erstaunlich, was manche Leute aushalten. In den Schlagzeilen der täglich aktuellen Medien findet sich ohnehin genug Anschauungsmaterial dieser Art. Die Rettungsaktion eines Höhlenforschers ist nur ein relativ junges Beispiel dafür. Wie oft kommt es vor, dass nach Unglücken verschiedener Art immer noch Menschen lebend geborgen werden, obwohl kein Grund zur Hoffnung mehr bestand. Ein kleines und unscheinbares Gewächs, das im Grünland zu finden ist, heißt Spitzwegerich (Plantago lanceolata). Ich persönlich verbinde mit diesem Kraut die Tugenden der Ausdauer und der Stärke. Mehrfaches Mähen, das Vorbei- und manchmal auch das Darüberfahren von PKWs und landwirtschaftlichen Maschinen bringen den Spitzwegerich kaum zur Verzweiflung. Und bleibt einmal für längere Zeit der Regen aus, dann ist es für ihn noch lange kein Grund, durch Verdorren gleichsam für immer das Weite zu suchen. Selbst die Tatsache, dass der Mensch ihn das Jahr über kaum beachtet, mindert nicht seinen Wert, den er in sich trägt. Ganz bestimmt steigert sich seine Beliebtheit, wenn Husten und Heiserkeit zur Volkskrankheit Nr. 1 wird. Aber dazu muss erst der späte Herbst wiederum die meteorologischen Voraussetzungen schaffen. Wie gesagt, jetzt steht das Lungenblattl – wie der Spitzwegerich auch genannt wird – da und harrt der besseren Zeiten. Wir würden aber jener Pflanze nicht gerecht, würden wir seine Bestimmung nur darauf reduzieren, seine Inhaltsstoffe bloß für die Produzenten von Hustenzuckerln bereitzustellen. In unserem Körper gibt es außer den Atemwegen noch andere Bereiche, die sich entzünden können. Dann ist es ebenso gut, den Spitzwegerich herbeizurufen, der geduldig für uns etwas bereithält.

Mundspülungen bei Entzündungen:

Haben sich das Zahnfleisch oder andere Bereiche der Mundhöhle entzündet, kann man darangehen, um mit sehr warmem Tee aus Spitzwegerichblättern mehrmals am Tag Mundspülungen durchzuführen. Dieser Tee kann auch für Waschungen verwendet werden, um eine Behandlung von entzündeten Augen zu begleiten.

Spitzwegerich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das Gute in Erinnerung behalten

Die Holunderblüten in Essig aufbewahren

Tut dies zu meinem Gedächtnis! – so schließt der Einsetzungsbericht, der bei jeder Heiligen Messe die Gaben von Brot und Wein in Christi Leib und Blut verwandelt. Aus diesem Grund wird daher jener heilige Moment der Eucharistiefeier auch landläufig als „Wandlung“ bezeichnet. Der christliche Glaube hat im Wesentlichen etwas mit Erinnerung zu tun. Wenn daher die römisch-katholischen Christen am heutigen Tag die Monstranz mit dem Herrenleib durch die Straßen tragen, dann geschieht genau das. Am Wegrand der Prozessionen stehen womöglich da und dort Holundersträucher, deren Blüten sich nun schon langsam in die im Herbst dunklen Beeren umformen. Sicherlich können sie nicht mit den üblichen Birken konkurrieren, welche die Hausaltäre und die Routen säumen. Dennoch möchte ich den Holunder nicht übersehen. Meines Erachtens trugen dieses Jahr die Hollersträucher besonders viele weiße Blütenschirme. Wer um die Heilkraft und die erfrischende Wirkung der Holunderblüten weiß, der war bestimmt schon emsig am Werk, um mit ihrer Hilfe Saft, Sirup oder einfach nur eine getrocknete Kräuterdroge für spätere Zeiten herzustellen. Es ist sicherlich ganz gut, zur rechten Zeit zur Ernte zu schreiten. Andernfalls heißt es wiederum ein Jahr warten. In der Überlieferung der Generationen vor uns wusste man, dass der Holunderstrauch Anlass gibt, den Hut vom Haupt eines Mannes zu ziehen. Vergessen wir nicht, dass die Beschaffenheit der Holunderblüten auch in der Lage sind, der menschlichen Haut ihre Dienste zu erweisen. Der eben erwähnte Respekt vor dem Lebewesen Holunder hat daher durchaus seinen guten Grund. Heute zu Fronleichnam werden ja zusammen mit den Menschen auch die Fluren gesegnet, die uns durch den Willen Gottes viel Gutes wachsen lassen.

Hautkrankheiten abschwächen:

Hat man einen Essig zur Hand, der mit Blüten des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) angesetzt wurde, kann man ihn auch zur Behandlung von geschwächten Hautpartien heranziehen. In ein Glas mit 1/8 Liter lauwarmem Wasser rührt man 2 Esslöffel des besagten Essigs zusammen mit 1 Teelöffel Honig ein. Mit dieser Mischung reibt man mehrmals am Tag die betroffenen Stellen der Haut ein, um die Heilung zu beschleunigen.

Holunder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Mit den Hirten umherziehen

Eine Pflanze weckt romantisches Flair

Wie sich doch die Zeiten ändern! – Würden heute noch so viele Herden an Schafen und Rindern zur Weide getrieben, dann hätte das beträchtliche Folgen für den Straßenverkehr. Denn das Vieh hält sich – bei allem Respekt – eher wenig an Vorrangregeln oder Ampelfarben. Das war halt früher kein Problem, als höchstens die Eisenbahn die Landschaft mit ihrem Schienenverlauf in zwei Hälften teilte. Abgesehen von den Bildern des Biedermeier und der Epoche der Romantik wächst da in der Nähe der Bahntrassen ein weißer Kreuzblütler, der mit seinen Fruchtschoten eine nostalgische Stimmung auszulösen vermag. Es ist das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris). Botanisch zugeordnet wird es den so genannten Kreuzblütengewächsen (Brassicaceae), zu denen unter anderem auch der Raps, der Senf oder der Kren zählen. Das Hirtentäschel liebt einen sonnigen Platz und rund um seine Wurzeln einen stickstoffreichen Boden. Man kann es praktisch überall in Europa antreffen. Unter den vielen Heilgewächsen kam das Hirtentäschel historisch gesehen zu relativ späten Ehren. Erst im 18. Jahrhundert wird es ausführlich beschrieben und in den damals populären Abhandlungen über Kräuter den Interessierten vorgeführt. Dennoch gibt es da und dort schon im Mittelalter Berichte über die Verwendung der Pflanze. Bei uns Menschen sind die Wechseljahre immer eine besondere Herausforderung. Die Veränderungen des Körpers bleiben auch für die seelische Verfassung nicht ohne Folgen. Vielleicht denkt der eine oder andere an die Jugend zurück, die ein für alle Mal dahin ist. Sich also in romantischen Luftschlössern aufzuhalten, die niemals Wirklichkeit waren, ist sicher ein Holzweg. Das Hier und Heute ist doch viel wichtiger. Die Gegenwart anzunehmen, bedeutet oft eine große Herausforderung. Das Hirtentäschel möchte aber Erleichterung bringen. Und es ist nobel: es lässt den Frauen den Vortritt.

Die Wechseljahre begleiten:

Frauen, die unter Wallungen leiden und denen die Wechseljahre zu schaffen machen, sei hier eine mögliche Hilfe angeboten. 1 Handvoll zerkleinertes Hirtentäschelkraut mit 1 Liter kochendem Wasser überbrühen. Nach dem Abkühlen ein Fuß- oder ein Handbad damit nehmen, um Erleichterung zu erzielen.

Hirtentäschel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Rohkost vor dem Haus nutzen

Die Kirschbäume tragen mehr als notwendig

Je nach dem vorherrschenden regionalen Klima gibt es folglich auch unterschiedliche Reifezonen. Das kann man z. B. sehr gut beim Getreide beobachten. Natürlich helfen die jeweils im Einsatz stehenden Mähdrescher dabei mit, um zur Erntezeit darauf aufmerksam zu machen. Bei den Kirschen ist das nicht anders. Hier kommen noch die unterschiedlichen Sorten hinzu, die entweder früher oder später die roten Früchte feilbieten. Wer mit wachen Augen durch die Gegend geht oder fährt, dem fällt unter Umständen auf, das gefräßige Schnäbel von Staren, Drosseln oder Rabenvögeln sehr wohl um den Genuss des herrlichen Obstes wissen und sich nicht zweimal bitten lassen, um eine kulinarisch ertragreiche Rast an einem Kirschbaum einzulegen. Vielleicht ist es ja angesichts der reifenden oder bereits von den Ästen fallenden Kirschen angebracht, erneut Erziehungsarbeit an Jung und Alt anzuregen. Denn der Wohlstand sorgt leider immer noch dafür, dass Tonnen von frischen Früchten oft neben den Häusern verderben, weil der Wert einer natürlich gewachsenen Frucht sich kaum mehr in unseren Köpfen etablieren lässt. Gewiss gibt es eine hohe Anzahl an Zeitgenossen, die ein Umdenken in dieser Hinsicht fördern bzw. in sich selbst vollzogen haben. Aber das Gegenteil ist ebenso der Fall. Wozu also in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
Im eigenen Garten oder in verkehrsberuhigten Fluren lässt es sich nun gut Kirschen essen.
Diese Zeit sollte man sich unter allen Umständen gönnen. Das hat nämlich auch gesundheitlicher Folgen.

Kirschen für den Magen:

Die voll reifen Süßkirschen sind sehr verträglich für einen schwächlichen Magen. Sie können durchaus in größeren Mengen genossen werden und wirken dabei stuhltreibend. Direkt nach dem Kirschengenuss soll man niemals Wasser nachtrinken. Süßkirschen helfen zudem mit, einen „harten“ Bauch wieder zu lockern.

Kirschen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Über Berg und Tal

Sich über die Arnika freuen

Mit den sommerlichen Wetterbedingungen steigt vermehrt das Aufkommen der Wanderer im bergigen Gelände. Leider haben auch die Unfälle derer, die von den markierten Routen abkommen, traurige Schlagzeilen in den Medien zur Folge. Die Mutter Vorsicht sollte gerade im Gebirge mit von der Partie sein, um ein Unglück zu vermeiden. Dennoch dürfen die Augen auf den Rand der Wege schweifen, um dort vielleicht das eine oder andere wertvolle Gewächs zu entdecken. Wissen Sie in diesem Zusammenhang, was mit dem Begriff „Bergwohlverleih“ gemeint ist? Sebastian Kneipp lobte einst sehr die Arnika, die damit betitelt wurde, und schrieb: „Die Tinktur von Arnika (Tinctura Arnicae) halte ich für das erste Heilmittel bei Verwundungen und kann es deshalb nicht genug empfehlen!“ Ich denke, dass diese Erfahrung alle unterstreichen können, die mit der goldgelben Blume und ihrer Wirkung schon die besten Erfahrungen gemacht haben. Sofern eine Wiese, egal ob in alpinen Regionen oder im Hügelland, nicht gedüngt und naturbelassen ist, hat man die Chance, die Arnika (Arnica montana) anzutreffen. Die Echte Arnika zählt zusammen mit ihren verwandten Arten zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Wuchshöhe der Pflanze kann bis zu einem halben Meter betragen. Ihre Blütezeit sind vor allem die Monate Juni, Juli und August. Als heilende Stoffe enthält die Arnika das namensgebende Arnicin, ferner ätherisches Öl, Gerbsäure und Harze. Die Volksheilkunde kennt zahlreiche Anwendungen der beliebten Heilpflanze. So als Wundheilmittel bei Blutergüssen und Verletzungen, ja sogar bei offenen Wunden. Die heilkräftigen Pflanzenteile sind vor allem die Blüten und das blühende Kraut, manchmal auch die Wurzel der Arnika.

Den Kreislauf unterstützen:

Da es sich bei der Arnika um eine geschützte Pflanze handelt, soll man nur auf gezüchtete Individuen zurückgreifen, die im eigenen Garten wachsen. Von diesen kann man ein paar Blütenblätter abzupfen, um damit ganz sparsam Salate zu garnieren. Das trägt dazu bei, um den Kreislauf zu fördern. Bei negativen Reaktionen des Körpers soll man davon aber umgehend Abstand nehmen.

Arnika ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Dem Schmetterling folgen

An den Rotklee-Blüten innehalten

Die Christen feiern an jedem Sonntag die Auferstehung des Herrn. So wird zumindest in den liturgischen Texten der Sonntag als der erste Tag der Woche bezeichnet. In den nach Möglichkeit arbeitsfreien Stunden zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang ist es uns nach vollbrachter Wochenarbeit zuweilen vergönnt, das Werk der Schöpfung in der freien Natur zu genießen. Eine Wiese voller Blumen genügt oft schon, um einigermaßen zu relaxen und durchzuatmen. Vermehrt blüht nun dort auch der Rotklee (Trifolium pratense), der seine kugeligen Blütenköpfe zum Himmel reckt, um sich einigermaßen neben den benachbarten Pflanzen behaupten zu können. Wahrscheinlich ist er sich selbst bewusst, dass er einiges zu bieten hat. Natürlich ist es in erster Linie der Nektar, der für unzählige Insekten von Interesse ist. Bienen und Hummeln strömen herbei, um sich am Klee zu laben. Gleichsam in ein Feiertagsgewand gehüllt, das an Schönheit kaum zu überbieten ist, sind es aber immer noch die Schmetterlinge, die unsere Augen am meisten beeindrucken können. Sie werden ja in ihren Entwicklungsstadien von der Eiablage über die Raupe bis hin zum fertigen und fortpflanzungsfähigen Insekt zum Symbol für die Auferstehung. Aus dem Niedrigen und Hässlichen entpuppt sich eine Anmut, die durch ihre Ästhetik zum Lobpreis des Schöpfers wird. Der Schmetterling, der uns mit seiner Anwesenheit ein Lächeln auf die Lippen zaubert, wird uns, indem er den Rotklee ansteuert, zum zweifachen Wegweiser: Der Leib profitiert von den Inhaltsstoffen des üblicherweise als Futterpflanze bezeichneten Gewächses, und die Seele bekommt Lust, ein wenig zwischen Himmel und Erde zu baumeln.

Tee aus Rotkleeblüten:

Im Heißaufguss kann man aus den getrockneten Blüten des Rotklees einen Tee zubereiten. Dazu nimmt man 2 Teelöffel der Droge und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und hernach abseihen. Bei chronischer Stuhlverstopfung und beeinträchtigter Leberfunktion trinkt man am besten morgens und abends eine Tasse davon. Man kann diesen Tee auch bei Husten und Katarrhen verwenden.

Rotklee ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein altes Hausmittel entdecken

Die Lilien sind mehr als reine Zierde

Mein weißes Ordenskleid reicht bis zu den Knöcheln. Vor Pfingsten streifte ich damit ein prächtiges Blumengesteck in unserer Stiftskirche, das noch von einer Hochzeitsdekoration am Boden stand. Da es hauptsächlich aus Lilien gesteckt war, hinterließen die Staubgefäße der weißen Kelchblüten ihre unübersehbaren Spuren am Prämonstratenserhabit. Sollte ich mich ärgern? Nein, beileibe nicht, denn die Lilien sind einfach schön! Kaum etwas anderes kann man beim Anblick der edlen Blüten der Madonnenlilie (Lilium candidum) feststellen. Ihre ursprüngliche Heimat, wo sie auch noch heute wild vorkommt, lässt uns ganz stark an die ersten Gemeinden der Christen in Makedonien, Griechenland, Kreta und Palästina denken. Doch erst seit der Renaissancezeit bediente man sich der Lilie als Symbol für die Gottesmutter Maria. Zuvor war diese Blume mit heidnischen Vergleichen besetzt. Die Heilkraft der Lilien liegt sowohl in deren anmutiger Blüte als auch in ihrer unter der Erde verborgenen Wurzelknolle. Alle Heilkräfte der Pflanze wenden sich der Haut zu, die durch das schöne Gewächs Stärkung und Heilung erfahren kann. Unsere äußere Hülle ist eben mehr als nur eine bloße Abgrenzung zur Außenwelt. Sie verleiht uns nicht nur Wohlbefinden, sondern schenkt uns zudem Selbstsicherheit. In der naturheilkundlichen Überlieferung hat die Lilie seit jeher einen hohen Stellenwert eingenommen. Und zur Einleitung zurück: es gibt Gott sei Dank eine Waschmaschine, die mit dem Blütenstaub der edlen Blumen zurechtkommt! ;-)

Lilien-Öl selber ansetzen:

Es geht ganz einfach: Von den weißen Madonnenlilien zupft man die Blütenblätter ohne die Staubgefäße ab und legt diese in ein Glasgefäß mit kaltgepresstem Olivenöl. 6 Wochen lang am Fenster stehen lassen. Dann wird das Öl abgegossen und kühl im Dunkeln gelagert. Die Haut damit einreiben, um Venenentzündungen vorzubeugen. Immer von unten nach oben in Richtung des Herzens einmassieren. Das hat auch positive Auswirkungen auf das Gemüt.

Weiße Lilie – Madonnenlilie ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Schmerz, lass nach!

Dem Huflattich etwas zutrauen

Die Zeit des Barfußgehens ist längst angebrochen. Die Freiheit für die Füße kann jetzt Gott sei Dank schon ausgekostet werden. Natürlich hat das manchmal auch seinen Preis. Geht man auf einem Waldweg oder einer angrenzenden Wiese spazieren und tritt man unabsichtlich auf ein stachelbewehrtes Insekt, bekommt man diese stechende Begegnung in Sekundenschnelle zu spüren. Das kühle Wasser im nahen Bach bringt dann oft etwas Erleichterung. Dort am Ufer wächst ja auch der Huflattich (Tussilago farfara). Die gelben Blüten sind schon längst Geschichte. Jetzt ist er nur mehr an den breiten Blättern zu erkennen, die manchmal auch leicht mit der Pestwurz verwechselt werden. Die Folgen eines Bienen- oder Wespenstiches gehen meist bald wieder vorüber. Ein viel klingenderes Lied aber wissen jene anzustimmen, deren Nerven aus verschiedensten Gründen das Schmerzempfinden zu einer Höchstform treiben können. In diesen Fällen sprechen wir dann von Neuralgien oder Nervenschmerzen. Allein schon die Intensität dieser Pein treibt die Betroffenen dazu, eine Diagnose nicht auf die lange Bank zu schieben. Um aber nun nicht zu sehr die Dimension des Erleidens beschreiben zu müssen, kehre ich im Geiste wieder zurück in die romantisch anmutende Landschaft eines Waldtales, wie ich diese auch in meiner Heimat rund um das Thayatal vorfinde. Denn dort steht immer noch der Huflattich und wartet darauf, gepflückt zu werden. Immerhin gibt es einen Weg, die schmerzenden Nerven begleitend zu beruhigen. In der äußerlichen Anwendung sind nämlich Huflattichblätter durchaus zu gebrauchen. Wie heißt es so schön: Probieren geht über Studieren. All jenen, denen der Nerv weh tut, wünsche ich aus ganzem Herzen: Schmerz, lass nach!

Brei aus Huflattich:

Bei Neuralgien und Nervenschmerzen kann man folgendes versuchen: Huflattichblätter zerstampfen und etwa fingerdick auf die zu behandelnde Stelle auflegen. Mit einem Stück Stoff, am besten Leinen, abdecken und ca. 1/2 Stunde einwirken lassen. Je nach Bedarf mehrmals täglich wiederholen.

Huflattich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Schlafen können ist viel wert

Auch ohne medikamentöse Unterstützung

Nach vollbrachter Arbeit ist es gut, den Feierabend genießen zu dürfen. Hoffentlich können sich das auch viele gönnen. Das ist leider aber oft leichter gesagt als getan. Dringende Erledigungen im Haushalt und plötzlich auftauchende Sorgen rauben einem im Handumdrehen die ersehnte Ruhe. Das hat natürlich in der Folge Auswirkungen auf den nötigen Schlaf. Es ist dann gar nicht so einfach, die Lider zu schließen. Andere wiederum haben eine schwere Krankheit zu tragen und können aufgrund dessen kaum ins Reich der Träume hinuntertauchen. So ist es unter Umständen nötig, den Schlaf durch Medikamente zu unterstützen, die in der Verantwortung des jeweiligen Arztes verschrieben und eingenommen werden. Nimmt man die Schlaftabletten aber auf eigene Faust ein, kann sich dadurch eine Gewohnheit entwickeln, von der man nur mehr schwer loskommt. Generell ist es gut, seine gesamten Lebensumstände unter die Lupe zu nehmen, will man die Ruhe in sich erneut verankern. Auch das ist wiederum leichter gesagt als getan. Doch ist die Furcht davor, etwas zu ändern, immer noch eine schlechte Lehrmeisterin gewesen. Viele Medikamente bringen eine gewisse Belastung für den Verdauungstrakt bzw. für die blutentgiftenden Organe mit sich. Daher gilt es auf die Reinigung des gesamten Organismus zu achten. Eine ganze Palette von Kräutern steht uns in diesem Ansinnen zur Verfügung. Zudem kann man auf einen guten Rat zurückgreifen, den einst Hermann-Josef Weidinger schriftlich festgehalten hat.

Von übermäßigem Tablettenkonsum loskommen:

Die reinigende Kraft des Hafers (Avena sativa) soll nicht unterschätzt werden. 1 voller Esslöffel Haferflocken wird mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. Danach legt man einen Faden Safran hinein. Beides zusammen 15 Minuten lang ziehen lassen, dann abseihen und schluckweise einnehmen. Eine Zeit lang anwenden.

Hafer ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Er tut einfach gut

Den Quendeltee nicht vergessen

Unter all den vielfältigen Statistiken scheint in den Medien immer öfter die Skala mit den jeweils vorhandenen Glücksgefühlen der Bevölkerung auf. Wie sehr das Erfüllende des Lebens messbar ist, bleibt meiner Meinung nach dahingestellt. Für mich besteht Glück darin, jetzt bereits bei einem Streifzug durch die frühsommerlich gewärmten Fluren den Feldthymian zu entdecken. Häufiger wird dieser als Quendel (Thymus serpyllum) bezeichnet. Er ist ein Halbstrauch, der eine Höhe von 15 cm erreicht und in verschiedener Gestalt ausgebildet sein kann. Er liebt vor allem trockene Wiesen am Waldrand und vermag auch auf Felsen und Mauern zu wachsen. Um dem Quendel auf die Spur zu kommen, möge man aber durchaus auch den Geruchssinn einsetzen, denn sein angenehmer Duft deutet schon auf seine Anwesenheit hin. Vom Feldthymian sammelt man vor allem das blühende Kraut und trocknet es sogleich an der Luft im Schatten. Für mich persönlich ist der Quendel ein enger Verbündeter, wenn es gilt, eine Grippe oder einen ähnlich kräftezehrenden Zustand zu bekämpfen. So kann ich nur jedem wärmstens empfehlen, in der eigenen Natur- und Hausapotheke immer ein gerüttelt Maß an getrocknetem Quendelkraut zur Hand zu haben, um dieses Heilkraut mit einer irrsinnigen Breitbandwirkung sofort und oft einsetzen zu können. Ist das nicht wirklich ein Glück, dass uns der Herrgott in so mancher kleinen Pflanze seine wohltuende Freundschaft anbieten möchte? Lassen wir uns doch je neu die Gaben der Natur schenken und werden wir einfach dadurch zu glücklichen und beschenkten Menschen.

In der Früh und am Abend Quendeltee:

Um die Lebensenergie wiederum zu steigern, darf man ruhig mit Quendeltee nachhelfen. Das frische oder getrocknete zerkleinerte Kraut in der Menge von 2 Teelöffeln voll wird mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen. Nach dem Abseihen mit Honig süßen und genussvoll trinken. Den Nerven tut das übrigens auch gut.

Quendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya