Innehalten und ausatmen

Die Schöpfung hilft uns dabei

Eine der eminent wichtigsten Vollzüge unseres Körpers ist das Atmen. Wir tun dies nicht nur, indem die Luft unsere Nasen passiert und die Lunge sich dehnt und wieder kleiner wird. Der ganze Leib ist quasi beteiligt, wenn es darum geht, die Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten. Eine gute Übung ist es, sich gleich am Morgen aufrecht hinzustellen, die Augen zu schließen und beide Hände seitlich über die Beckenknochen zu legen. Dann braucht man nur mehr zu atmen, um das eben Beschriebene zu spüren. Wer diesen Versuch nicht hektisch durchführt, der lässt sich nach dem Einatmen Zeit, um ein wenig zu verharren. Erst dann strömt die „schlechte“ Luft wieder aus den Lungen heraus. Jeder Karsamstag ist der Grabesruhe Christi gewidmet. Die Passio Christi erreicht ihren Höhe-, oder besser gesagt, ihren Tiefpunkt, nimmt man die Perspektive eines Grabes ins Visier. Das aus dem Lateinischen abgeleitete Wort „Passiv“ heißt ja auch nichts anderes, als eben nichts zu tun. Es wird einmal für uns alle der Zeitpunkt kommen, wo wir nichts mehr tun können, weil der letzte Atemzug bereits Geschichte sein wird. Warum meinen wir je neu, davor davonlaufen zu können? Warum haben wir eigentlich Angst davor? Wer immer nur permanent aktiv ist, dessen Nerven dürften nicht unbedingt die gesündesten sein. Zur Ruhe kommen kann auch bedeuten, sich auf das letzte Ausatmen und auf die Phase danach ganz bewusst einzustellen. Die Pflanzen haben z.B. oft nur ein Jahr, um ihr Leben auszukosten. Die Kraft, die sie in dieser Spanne gesammelt haben, bleibt über ihr Vergehen hinaus noch da, damit andere davon profitieren. Ein schönes Bild, finde ich.

Tee bei starker Nervosität:

Baldrianwurzel, Hopfenblüten und Melissenkraut werden zu gleichen Teilen vermischt. 2 Teelöffel davon mit 1/4 Liter kochendem Wasser überbrühen und ca. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen. Zum Schluss abseihen. Am besten nachmittags und dann am Abend eine 3/4 Stunde vor dem Zubettgehen je eine Schale davon langsam und schluckweise trinken. Das entspannt den ganzen Organismus und hilft uns, besser zur Ruhe zu kommen.

Grabkreuz aus Schmiedeeisen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das Leiden Christi betrachten

Die Passionsblume symbolisiert es

Die Dramatik der Lebensgeschichte Jesu spitzt sich heute auf ihren Höhepunkt hin zu: dieser Tag ist dem Sterben des Sohnes Gottes am Kreuz geweiht. Im Stundengebet der Kirche wurden wir schon seit dem Passionssonntag (= 5. Fastensonntag) darauf eingestimmt. Im Pflanzenreich gibt es ein Gewächs, das aufgrund seiner Blütengestalt ganz gut zu diesem Lebensumstand Christi zu passen scheint: die Passionsblume (Passiflora incarnata). Die ursprünglich auf dem nordamerikanischen Kontinent beheimatete Pflanze wurde schon von der dort angestammten Bevölkerung geschätzt. Es blieb aufgrund der Entdeckung des Kontinents nicht aus, dass die Passionsblume ihre Reise nach Europa antrat und ebenfalls für naturheilkundliche Zwecke bis heute verwendet wird. Blicken wir auf ihre schöne Blüte, so lässt sich folgende Symbolik ablesen: über ihren Kelch- und Kronblättern erscheint eine Nebenkrone in Form eines Strahlenkranzes, der mit der Dornenkrone Christi in Verbindung gebracht wird. Die fünf Staubbeutel der Passionsblume weisen auf die fünf Wundmale Christi hin. Die drei Griffel wiederum erinnern an die Kreuzesnägel, die durch die Hände und Füße des Herrn drangen. Und der Fruchtknoten steht für den essiggetränkten Schwamm, der Jesus gereicht wurde, nachdem er rief: „Mich dürstet!“. Ein Hymnus, der zum Morgengebet der Karwoche gebetet wird, besingt in folgenden Worten das Geheimnis der Kreuzes: „Heilig’ Kreuz, du Baum der Treue, edler Baum, dem keiner gleich, keiner so an Laub und Blüte, keiner so an Früchten reich: süßes Holz, o süße Nägel, welche süße Last an euch.“ Dank sei dem Herrn, der uns selbst im Leiden und im Tod nicht alleine lässt!

Passionsblumen-Tee:

Um mit Angstzuständen besser zurechtzukommen, kann man morgens eine Schale Tee folgendermaßen aufgießen: 2 Teelöffel voll Passionsblumenkraut werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und schluckwiese trinken. Das erweist sich auch bei nervlich bedingten Magenkrämpfen als wirkungsvoll.

Passionsblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Kontakt zur Erde

Die Himmelschlüssel treiben aus der Wurzel

Wenn wir den Begriff „Erdung“ hernehmen, fällt uns womöglich eine Sicherungsmaßnahme für elektrische Installationen ein. Mir liegt es jedoch ferne, an dieser Stelle das technische Wissen der Leser aufzubessern. Die Füße sind es, die uns von Geburt an den Kontakt zur Erde ermöglichen. Jemand, der mit beiden Beinen im Leben steht, dem kann man so leicht nichts vormachen. Der Gründonnerstag schenkt den erdnahen Körpergliedern selbst in den christlichen Liturgien höchste Beachtung. Seit Papst Franziskus im vergangenen Jahr in einem römischen Jugendstrafgefängnis den Häftlingen dieses ergreifende Symbol angedeihen ließ, weiß die ganze Welt über die Medien darüber Bescheid. Zur Zeit Jesu war es selbstverständlich, sich den Staub der Straße im Haus herunterzuwaschen. Oft verrichteten Sklaven diesen Dienst an ihren Vorgesetzten. Der heutige Gedenktag erinnert uns daran, im wahrsten Sinne des Wortes wieder einmal „herunterzukommen“. Wie oft leben wir ausschließlich in unseren Sorgen und Gedanken, die organisch betrachtet doch einige Stockwerke über dem Erdboden liegen, wenn wir in diesem Zusammenhang das Hirn oder das Herz ansprechen. Die Füße sind für unsere Fortbewegung ganz wichtig. Aber sie tasten auch. Durch das gute Schuhwerk haben wir in den Breiten des gemäßigten Klimas Beheimatete kaum die Chance, wirklich Kontakt zur Erde zu halten. Doch in den eigenen vier Wänden ist es uns durchaus möglich, den Füßen ihre Freiheit zu lassen. Ja, wir dürfen uns ruhig körperlich und geistig mithilfe der Fersen, Sohlen und Zehen erden lassen. Daher ist es wichtig, gerade auch diese Zonen zu achten und zu pflegen.

Entzündungen und Schwielen lindern:

Haben sich die Füße aus oft verschiedenen Gründen entzündet oder haben sich an ihnen Schwielen gebildet, nimmt man ein Gemisch von ca. 30 g Blüten und Blättern des Eibischs. Dieses wird mit 1 Liter kochendem Wasser überbrüht. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und ins vorbereitete Fußbadewasser gießen. Noch ein Stamperl hochprozentigen Branntweins dazugeben und dann 10 Minuten die Füße darin baden.

Eibischblütenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Was nach dem Pflücken übrig bleibt

Die Himmelschlüssel treiben aus der Wurzel

Es gibt verschiedene Mitbringsel, die man von einem Spaziergang als kleine Aufmerksamkeit nach Hause tragen kann. Vielleicht sticht einem ja das eine oder andere Schnäppchen, das man vor einem Geschäft oder im Schaufenster erspäht hat, ins Auge. Wenn schon nicht anderen, so will man sich selbst eventuell einmal etwas gönnen. Zahlreich stehen zurzeit die Himmelschlüssel in klimatisch raueren Gegenden noch am Wegrand. Im Handumdrehen ist da ein wohlduftender kleiner Strauß beisammen, der gar schön anzusehen ist und als liebevoller Gruß sicher geschätzt wird. Mit ein bisschen Phantasie kann man auch noch andere wilde Blumen hinzufügen, sofern diese nicht unter Naturschutz stehen. Für eine rücksichtsvolle Nutzung des Angebots an Kräutern und Blumen in der freien Natur gilt ohnehin der Grundsatz: bevor ich auf meinen eigenen Profit schaue, muss ich danach trachten, das begehrte Gewächs zu bewahren. Andernfalls könnte es sein, dass ein unbedachtes Agieren existenzbedrohende Folgen für so manche schützenswerte Pflanzenart nach sich ziehen würde. Die eben benannte Vorsicht gilt vor allem dann, wenn man vorhat, den Gewächsen an die Wurzel zu gehen. Immerhin stellen die unterirdischen Pflanzenteile ein Refugium dar, aus dem sich das Gewächs wiederum regenerieren kann. In der Naturheilkunde sind die Wurzeln bei vielen Kräutern begehrt und geschätzt. Daher kann man die Schatzkammer der natürlichen Gaben jeweils um einiges aufstocken, wenn man weiß, wie man die Wurzeln auch dementsprechend einsetzen kann. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man generell dafür sorgen, dass sich Wildkräuter im eigenen Garten ansiedeln, die dann sehr wohl für den persönlichen Gebrauch verwendet werden können. Das gilt auch für die Schlüsselblumen.

Blasensteintreibender Nierentee:

Aus dem eigenen Garten gegrabene Wurzeln der Duftenden oder der Hohen Schlüsselblume reinigen und zerkleinern. 2 Esslöffel davon mit 1/2 l kaltem Wasser zustellen und kurz aufkochen lassen. Abseihen und mit etwas Honig vermengen. Gleich am Morgen getrunken, spült das die Nieren so richtig durch.

Schlüsselblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den Abfall verwenden

Durch Mulchen ein Kleinklima schaffen

Tagtäglich fallen in Österreich etliche Tonnen an Müll an. Viele Arbeitsplätze wurden geschaffen, um dieses Problem zeitgerecht und effizient in den Griff zu bekommen. Wer das Glück hat, einen Garten besitzen zu dürfen, weiß auch um die viele Arbeit, die damit in Verbindung stehen kann. Aber diese trägt auf verschiedene Weise Frucht für Leib und Seele. Wohin nun mit dem Abfall, der im Grünen entsteht? Die Biotonne hat sicher nur begrenzte Kapazitäten. Den Begriff Mulchen kennt man vielleicht aus der Forstkultur oder von den Parkanlagen im Städtischen. Haben Sie schon daran gedacht, damit im eigenen Garten zu arbeiten? In vielen Gebieten Österreichs klagen wir über den fehlenden Niederschlag in den letzten Monaten. Zu allererst leiden natürlich die unbedeckten Erdflächen darunter, da keine Schutzschicht vorhanden ist, um die vorhandene Feuchtigkeit vor Sonne und Wind zu bewahren. Daher kann man darangehen, unter Bäumen und Sträuchern eine schützende Lage aufzubringen, die einerseits das Wasser speichert und andererseits dennoch atmungsaktiv ist. Dafür eignet sich ein auf verschiedene Weise hergestellter Mulch. Ist er einmal aufgebracht, haben es zudem die oft unerwünschten Beipflanzen, landläufig auch als Unkraut bezeichnet, schwerer, das Tageslicht zu erblicken und somit eine Konkurrenz zum fruchtbringenden Obst und Gemüse darzustellen. Wer jetzt weiterdenkt, weiß also, wie eine Antwort auf die Frage nach der Entsorgung des Gartenabfalls lauten kann: Mulch erzeugen mit den eigenen Ressourcen, die bei den verschiedenen Tätigkeiten in der grünen Oase rund ums Haus anfallen. So kann man auch mithelfen, den andernfalls anfallenden Biomüll zu verringern. Dadurch können wir sozusagen einen kleinen natürlichen Kreislauf im eigenen Garten starten, zu dem man auch noch einen eigenen Komposthaufen benötigt.

Materialien für die Mulcherzeugung:

Wenn der Rasen gemäht wird, kann man das kleingehäckselte Gras trocknen lassen und dann als Mulch aufbringen. Das sogenannte „Unkraut“ kann nach dem Jäten, das vor der Samenbildung desselben durchgeführt werden soll, auf die gleiche Weise verwendet werden. Brennnessel- und Beinwellblätter sind vorzügliche Grundstoffe zum Mulchen. Sie enthalten auch wertvolle Mineralstoffe, die so den Nutzpflanzen zugute kommen.

Mulchen ⓒ Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den Blüten nachtrauern

Und die Blätter am Schlehenstrauch ernten

Im Handumdrehen zauberte Mutter Natur im wahrsten Sinne des Wortes weiße Blütenschleier über die Hecken der Feldraine und der Waldsäume unserer Fluren, wofür die Schlehensträuche die Statisten abgeben. Man hätte fast den Eindruck gewinnen können, die Pflanzen kämen der Geschwindigkeit des Wachstums gar nicht nach, wozu das wüstenähnliche Wetter des beginnenden Frühjahrs den Ausschlag gab. Mit den zurückgehenden Temperaturen bremst sich der ganze Prozess wiederum auf ein sozusagen normales Maß ein. Für den Kräuterkundigen bedeuten alle Pflanzenteile eines Gewächses einen wertvollen Schatz, der auf verschiedene Weise in der Naturheilkunde seine Anwendung finden kann. Selbst die Blüten der Schlehen können uns zur Verfügung stehen, wenn es gilt, die Haut zu reinigen oder lediglich einer vorübergehenden Verstopfung Herr zu werden.
Natürlich bedarf es einiger Geduld, um die zarten weißen Blumen von den dornigen Ästen des Schwarzdorns abzuernten. Aber muss denn Zeit nur dafür da sein, um daraus Geld zu machen? Das Leben hat durchaus noch andere Aspekte, die nicht zu kurz kommen sollen. Denn alles hat eben seine bestimmte Zeit. Ist einmal die Blühphase der buschartigen Befestigung am Wegrand vorbei, dann dürfen wir ruhig ein wenig trauern darum. Erheben wir daraufhin aber wieder unseren Blick, fallen uns womöglich die neuen Blätter in den Blick, die sich aus den engen Knospen befreien, um sich dem Licht der Sonne auszusetzen. Somit besteht auch eine neue Chance, für den Hausbedarf ein brauchbares Erntegut von den Schlehen einzubringen.

Mit Schlehdorn-Blättern der Niere helfen:

Junge Blätter vom Schlehdornstrauch werden abgezupft und vorsichtig im Schatten getrocknet. Eine Menge von 2 Teelöffeln davon zerkleinern und mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Bei unreiner Haut sowie bei Erkrankungen der Niere und der Blase 3-mal täglich eine Tasse voll vor den Mahlzeiten trinken. Am besten 3 Wochen lang durchführen, sofern der Arzt keine andere begleitende Maßnahme empfiehlt.

Schlehdorn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Hosanna dem Sohne Davids!

Buchsbaum als Palmenersatz

Wo jetzt ein frisches Grün hernehmen? Diese Frage stellt sich alljährlich, wenn man darangeht, die Vorbereitungen für den Palmsonntag zu überdenken. Und heute ist es bereits soweit: die Weidenzweige mitsamt den Kätzchen werden gesegnet, um ihren würdigen Platz in der Wohnung einzunehmen. Mancherorts gibt es die Form eines großen und aufwendigen Palm- bzw. Osterbuschens. Wie auch immer, es wird auf jeden Fall auch etwas Grünes benötigt, um den adäquaten Schmuck abzugeben. Die Fichten- bzw. die Tannenzweige versahen zu Weihnachten ihren guten Dienst. Jetzt hat der Buchsbaum (Buxus sempervirens) die Chance, ganz groß auf den Plan zu treten. Botanisch betrachtet, zählt der immergrüne Gartenfreund zur eigenen Familie der Buchsbaumgewächse (Buxaceae). Es gibt durchaus auch heute noch wilde Bestände in den klimatisch milden Regionen Mitteleuropas wie etwa dem Rheintal. Dennoch begegnen wir viel häufiger der „domestizierten“ Form dieses Großstrauches. Nicht selten kommt er in Gartenanlagen zum Einsatz, da er als Hecke gepflanzt leicht zu jeder beliebigen Form geschnitten werden kann. So bildet er gerade in historischen Ensembles ein architektonisches Element, das kaum mehr wegzudenken ist. Kehren wir jetzt zurück zu den Palmbuschen des heutigen Festtages. Der Buchsbaum hat den ganzen Winter über beharrlich seine grünen Blätter auf den Zweigen behalten und stellt sie uns Menschen nun zur Verfügung. Haben auch die Palmkätzchen den ihnen gebührenden Vorrang, so kann doch das satte und beständige Grün des immergrünen Heckengewächses mithelfen, aus der Not gleichsam eine Tugend zu machen. Denn in den mediterranen Breiten stehen allemal richtige Palmen zur Verfügung, deren riesige Blätter einst auch mithalfen, den Herrn Jesus Christus bei seinem Einzug in Jerusalem zu begrüßen. Noch hat sich gottlob das Klima bei uns nicht derartig geändert, dass auch in unseren Gefilden die Palmen im Freien heranwachsen können. So ist es nur gut und recht, den Buchsbaum als Schmuck zur Hand zu haben.

Symbolik des Buchsbaums:

Heutzutage wird der Buchsbaum in der Naturheilkunde vorzüglich äußerlich angewandt, um z. B. den Haarwuchs zu unterstützen. Er selbst aber ist ein Zeichen für das unsterbliche und unzerstörbare Leben. Schafft es der Buchsbaum zu einem kleinen Baum heranzuwachsen, so dient sein hartes und beständiges Holz seit alters her als begehrtes Material für Drechselarbeiten. Heute am Palmsonntag verweist der Buchsbaum auf das Leben in Fülle, das mit Jesus bei uns Einzug hält.

Buchsbaumzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Frühling für Tiere

Der Löwenzahn stärkt unsere Lieblinge

Viele Leute fragen mich um Rat. Da darf ich das eine und andere Mal zum Wegweiser werden. Einen Zugang zum Wesen der Pflanzen eröffnen, eben nach dem Motto: Hinschauen und folglich gesund leben. Wenn jetzt im Frühjahr alles sprießt und keimt, dann ist es sehr wohl wie in einem Buch, das jeder von uns erneut durchblättern kann. Ganz massiv tritt z. B. der Löwenzahn auf einer Seite dieses fiktiven Werkes in Erscheinung. Mit seinen strahlend gelben Blüten ist er ja auch nicht zu übersehen. Und er ist keineswegs ein Unkraut, wie viele meinen. Im Sinne einer Wegwerfgesellschaft kann man lediglich darangehen, diesen lebenswilligen Eindringling in unsere Gärten auszustechen und eben zu entsorgen. Schade, wenn jemand nicht mehr für den hübschen Korbblütler übrighat. Mit seiner Wurzel symbolisiert uns der Löwenzahn, dass er stark ist. In seiner Heilwirkung sollen wir ihn daher nicht unterschätzen. So ist er imstande, den Appetit anzuregen und den Blutdruck zu regeln. Er regt den Stoffwechsel an und hilft mit, dass die Gallensekretion vermehrt wird. Gerade im Frühjahr tut uns das gut, wenn wir vorhaben, den Körper zu entschlacken. Aber bleiben wir in diesen Überlegungen nicht allein bei uns Menschen stehen, die ohnehin oft mehr als genug zum Leben haben, so dass der Überfluss folglich der Gesundheit zu schaffen macht. Der Frühling ist ebenso die große Saison der Tiere. Sowohl in der freien Natur als auch im eigenen Garten sorgen sie für ein abwechslungsreiches Programm für all jene, die ein liebevolles Auge für die Mit-Lebewesen haben. Alles ist nun darauf programmiert, das Leben weiterzugeben und für Nachwuchs zu sorgen. Der Löwenzahn steht auch all jenen zur Verfügung, die Verantwortung für ein Haustier übernommen haben. Warum also nicht zugreifen, wenn das Angebot auf der Wiese ein äußerst großes ist?

Ein Kraut für Tiere:

Sowohl die Blätter als auch die Wurzeln des Löwenzahns können an die Haustiere verfüttert werden, egal, ob es sich dabei um Rinder, Pferde oder Schweine oder um Kleinvieh wie Kaninchen oder Geflügel handelt. Bei Hühnern fördert der Löwenzahn die Eierproduktion und stärkt die heranwachsenden Küken. Selbst Hunden kann man zerkleinerte und zerquetschte Löwenzahnwurzeln ab und zu unter das Futter mischen, damit sie kräftig bleiben.

Löwenzahn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den Ein- und Ausgang überprüfen

Verdauung und Nerven hängen zusammen

Vor Ostern wird nach Möglichkeit noch einmal alles gründlich durchgeputzt. Die Fenster haben nicht nur durch den in der letzten Zeit vorhandenen Saharastaub gelitten, sondern müssen logischerweise nach jedem Winter wiederum gereinigt werden. Endlich sind die Straßen von Splitt und Salz befreit. Die Eingänge der Häuser und Höfe werden nun besonders dekoriert. Da fühlen sich die Gäste gleich viel willkommener. Im Körper dürfen aber auch die Ein- und Ausgänge ihre adäquate Beachtung finden. Ganz konkret meine ich die Verdauung mit allem, was der Körper aufnimmt und in der Folge wiederum ausscheidet. So gesehen gibt es keine schlechten oder minderwertigen Körperteile. Gewiss schauen wir dabei automatisch intensiver auf den Mund und die Zähne, die sich uns jeden Morgen allein schon beim ersten Blick in den Spiegel präsentieren. Dort ist gleichsam auch die Wachzentrale für unsere Nahrung angesiedelt, die aber sehr wohl der Steuerung durch unser Hirn und vor allem durch unsere Vernunft bedürfen. Viel weniger scheint der Ausgang des Verdauungstraktes an Achtsamkeit abzubekommen. Logischerweise entzieht sich derselbe allein schon von seiner Lage her unserem Blickfeld. Meist rührt sich aber das Gesäß, wenn unsere Nerven höchsten Anspannungen ausgesetzt sind. Es entstehen dann als Reaktion des Organismus bei manchen die unangenehmen Hämorrhoiden, die einem den Alltag ziemlich vermiesen können. Diesen Indikator gilt es auf jeden Fall zu beachten und als Fingerzeig wahrzunehmen, damit man an seiner Lebenssituation nach Möglichkeit etwas ändert. Ein erster Schritt kann es sein, auf den Organismus Rücksicht zu nehmen und dem Darm durch eine konkrete Beihilfe quasi unter die Arme zu greifen. Und so ist es wiederum notwendig, den Eingang bewusst zu aktivieren und gezielt die Nahrungsaufnahme zu steuern.

Hämorrhoiden behandeln:

Neben der dabei notwendigen Diagnose durch den Arzt kann folgende begleitende Maßnahme gesetzt werden: am Abend soll regelmäßig 1 Esslöffel voll grober Weizenkleie eingenommen werden. Anschließend 1 Esslöffel Marmelade essen und ein Glas voll Sauermilch trinken, untertags viel Wasser oder Tee. Das hält den Stuhl weich und erleichtert so den Abgang. Es hilft überdies auch mit, manch belastende Angst abzubauen.

Weizenkleie ⓒ mills.kampffmeyer.com

Alle Knospen springen auf

Ebenfalls auf den Birken

Wahnsinn! Was in konzentrierter und äußerst verdichteter Form monatelang dahin geschlummert hat, bricht nun auf und entfaltet sich zusehends. Unlängst saß am helllichten Tag vor meinen Füßen ein durch die Sonne wachgeküsstes Nachtpfauenauge und ich staunte nicht schlecht über den herrlichen Anblick dieses Nachtfalters. Die Birkenblätter müssen erst den Prozess durchmachen, den dieser Schmetterling schon im vergangenen Jahr vollzogen hat, als er verwandelt seiner Verpuppung entstieg. Die Knospen an den Bäumen ließen uns ja niemals ahnen, was in ihnen steckt, würden wir nicht schon viele Male den Prozess des Grünens und Wachsens miterlebt und mit unserer Freude mitvollzogen haben. Jetzt, wo so vieles mit neuem Schwung gleichsam aus dem Inneren unzähliger Pflanzen hervorkommt, darf jeder von uns die Gelegenheit nutzen, um betrachtend bei sich Einkehr zu halten. Ich möchte jedoch nicht zu einer narzisstischen Nabelschau animieren, sondern vielmehr anregen, eine Entdeckungsreise zu den eigenen Talenten und Charaktereigenheiten anzutreten. Und vielleicht kann das ein Anlass sein, um die Dankbarkeit all jenen gegenüber zu erneuern, die mit einer langmütigen Geduld die Phase unserer Erziehung von Kindesbeinen an bis hin zu unserem Erwachsensein im wahrsten Sinne des Wortes durchgestanden haben. Immerhin waren es oft Eltern und Lehrer, die für unsere Eigenständigkeit so manches grundgelegt haben, was uns heute selbstverständlich erscheinen mag. Der Birkenbaum ist ein heiteres Gewächs. Er gilt als pflanzlicher Pionier, der leicht überall Wurzeln zu schlagen vermag. Und er hilft mir, meinen Körper zu reinigen und so für die Herausforderungen des Alltags fit zu halten.

Frühjahrsküche bereichern:

Aufspringende Birkenblatt-Knospen und zarte Blätter können durchaus als Ergänzung in der Küche verwendet werden. Zusammen mit jungen Löwenzahn-Blättern, Brunnenkresse und Feldsalat erweisen sie sich in ihrer reinigenden Wirkung als aktuelle und erntefrische Alternativen zu den herkömmlich im Handel erhältlichen Rohkost- und Salatangeboten.

Birkenblätter ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya