Tropisches Flair

Die Ananas tut dem Magen gut

Es war gegen Ende des 17. Jahrhunderts, da wurde dem König Charles II. von England eine Sensation präsentiert: Eine kaum bekannte Pflanze trug das erste Mal außerhalb ihrer karibischen Heimat erfolgreich Frucht. Es war aber schon Christoph Columbus, der sie auf einer seiner Entdeckungsreisen im Jahre 1493 kennengelernt hatte. Die indigene Bevölkerung brachte sie ihm auf Guadeloupe als Gastgeschenk entgegen: die Ananas (Ananas comosus). Dieses interessante und äußerst schmackhafte Obst reift auf einem Gewächs, das seinerseits zur Pflanzenfamilie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae) zählt. Verwandte Arten sind beliebte Zimmerpflanzen, die mit ihren großen Blütenköpfen unsere Augen beeindrucken. Heutzutage ist es kein Luxus mehr, wenn so manches Dessert oder eine süße Torte mit dem faserigen Fruchtfleisch der Ananas aufgewertet wird. Trotzdem ist es immer noch schön anzusehen, wenn ein Buffet mit ganzen Ananasfrüchten bestückt und verziert wird. Wir dürfen uns durchaus der gesundheitlichen Aspekte des Verzehrs von Importobst bewusst werden. Seit Jahrzehnten ist die kalte Jahreszeit die große Saison von Zitrusfrüchten, Bananen, Feigen und Datteln. Wenn man darauf achtet, dass all diese Naturprodukte unter menschenwürdigen Verhältnissen geerntet, verarbeitet und transportiert werden, soll man dieses außereuropäische Obst hin und wieder in den Speisezettel des Alltags integrieren. Immerhin hat eben die Ananas einige Vorzüge, die wir durchaus schätzen dürfen. Sie ist saftig, basisch und bringt dem Darm die täglich nötigen und wertvollen Ballaststoffe ein, die unsere Verdauung in Schwung halten. Gerade dann, wenn das Arbeitsjahr in vollem Gange ist, kann sich so manche Stresssituation auf den Magen schlagen und in der Folge die Verarbeitung der Nahrung beschleunigen oder verlangsamen. Beides wirkt sich auf unseren Organismus schwächend und verstimmend aus.

Die Ananas enthält viel Flüssigkeit:

Wer das tropische Obst der Ananas isst, schont damit die Magenschleimhaut. Dennoch wird dadurch die Sekretion an Magensaft und Magensäure angekurbelt, wodurch wiederum die aufgenommene Speise besser verdaut werden kann. Der Saft der Ananas kann auch getrunken werden. Er hat eine wassertreibende und entschlackende Wirkung.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Kastanien sind reif!

Beide Arten unterscheiden

Jetzt fällt viel zu Boden. Beim Obst verdirbt Jahr für Jahr eine große Menge, weil anscheinend nicht genug Leute da sind, die genug Interesse aufbringen, um die köstlichen Früchte zu ernten, zu verarbeiten oder zu lagern. Zum Herbst gehören aber auf jeden Fall auch die Kastanien. Bei diesen schaligen Früchten denken wohl die meisten gleich an die Gemeinen Rosskastanien (Aesculum hippocastanum). Botanisch gesehen, zählen diese zur Gattung der Rosskastanien innerhalb der Familie der Seifenbaumgewächse. Im Frühjahr schmücken sich diese beliebten Parkbäume mit den weißen Blütenkerzen und locken neben unseren Blicken auch unzählige Bienen an, die sich an ihrem Nektar laben. In meiner Kolumne habe ich schon manches Mal die heilenden Kräfte sowohl der Blüten als auch der Früchte beschrieben. Mit der kalten Jahreszeit haben aber ebenso die Maronibrater erneut ihre Saison. Ein Stanitzel voller gebratener Maroni ist eine begehrte Zwischenmahlzeit für unterwegs. Dennoch haben diese mehligen Früchte nur in ihrem Namen etwas mit den Rosskastanien gemein. In Wahrheit zählen die wärmeliebenden Edelkastanien (Castanea sativa) zu den Buchengewächsen und haben somit auch die Rotbuchen und Eichen als nähere Verwandte. Generell fühlen sich diese fruchttragenden Bäume in der südlichen Hälfte Europas ganz wohl. Sie sind zwischen Spanien und Kleinasien anzutreffen. Charakteristisch sind deren lanzettförmigen Blätter, die zudem auch einen gezähnten Rand aufweisen.

Edelkastanien für die kalte Jahreszeit:

Geröstete Maronen (also Edelkastanien) können roh genossen werden. Man kann sie des weiteren zu einer wohlschmeckenden Pastete verarbeiten. Diese dient unter anderem als Brotaufstrich. Edelkastanien sind reich an Basen und können vor allem Gicht- und Rheumaleidenden im wahrsten Sinne des Wortes wärmstens empfohlen werden.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Der Echte Kerbel

Gewürz und Kosmetikum

Jetzt im Herbst tut eine warme Suppe dem ganzen Körper gut, vor allem dann, wenn sie gut gewürzt ist. Die Zutaten aus Mutter Natur sind da für unsere Gesundheit an die erste Stelle zu reihen. Ein oft wenig beachtetes Suppenkraut stellt der Echte Kerbel (Anthriscus cerefolium) dar. Sein Verwandter, der Wiesenkerbel, begegnet uns sehr häufig auf den heimischen Fluren.
Der Gartenkerbel, wie er auch genannt wird, zählt zur großen Familie der Doldenblütler. Er ist eine einjährige Pflanze, die eine Wuchshöhe von einem halben Meter kaum überschreitet. Der Kerbel gehört zu den Gewächsen, die im Frühjahr sehr zeitig geerntet werden können und so gerne bei traditionellen Ostergerichten Verwendung findet. Zwischen Mai und August wird das Kerbelkraut geerntet und getrocknet. Zerkleinert dient es dann dafür, um entweder zu einem Badezusatz oder zu einem Tee verarbeitet zu werden. Beide helfen, den Fettgehalt der Haut zu regulieren und gleichzeitig lästigen Juckreiz derselben zu beseitigen. Kerbelwaschungen machen zudem die Haut geschmeidig und glatt. Das kann vor allem nun von Vorteil sein, da der Körper wiederum mit mehr Wäsche vor den kalten Außentemperaturen geschützt wird. Gleichzeitig vermindert sich durch das schlechtere Wetter meist auch die tägliche Bewegung, die in wärmeren Zeiten leichter durch einen Spaziergang oder eine Wanderung in den Tagesablauf integriert werden kann. Schließlich ist die regelmäßige Bewegung die beste Therapie für das Herz und die vernünftigste Vorbeugung, um nicht zu viel Gewicht anzusetzen.

Kerbel-Bad:

Für diese wohltuende Anwendung verwendet man am besten das frische blühende oder das getrocknete Kraut des Gartenkerbels. Im Heißaufgussverfahren kann man einen Liter Tee aus der Droge zubereiten, den man in das Badewasser gibt, um ca. 20 Minuten in der mit warmem Wasser gefüllten Wanne zu bleiben.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Eine Ampelkoalition

Die Färberdistel bringt sie zusammen

Egal, ob Hausfassade oder politische Partei: für irgendeine Farbe müssen wir uns entscheiden. Für die Regierung unseres schönen Bundeslandes liegt dieser Prozess bereits hinter uns. Der Auftrag zur Bildung einer neuen arbeitsfähigen Mannschaft ist vom Herrn Bundespräsidenten erteilt worden. In vielen Gesprächen wird nun eine hoffentlich tragfähige Gemeinschaft an Ministern und Staatssekretären zusammengestellt und angelobt werden, die in nicht ganz einfachen Zeiten wie den gegenwärtigen die Verantwortung übernehmen werden. Auf diesem Wege Gottes Segen für die Verhandlungen und auch für deren Ergebnis! Aber was hat das mit den Pflanzen zu tun? Als ich vorhin ein Bild von der Färberdistel (Carthamus tinctorius) betrachtete, sind mir diese Gedanken einfach eingeschossen. Denn grün sind deren Blattwerk und der Stängel, rot und gelb treten im Sommer wiederum die Blüten zum Vorschein. In vergangenen Jahrhunderten war es gar nicht so einfach, eine Farbe zu finden und die Stoffe bzw. das Gesicht (!) einzufärben. Denn der des Saflors oder Falschen Safrans, wie die Färberdistel auch genannt wird, wurde selbst zum Schminken herangezogen. Welch ein Vergleich zur Gegenwart, wo wir fertige Kosmetikprodukte en masse in den Regalen lagern haben und wo wir nur in die Baumärkte zu fahren brauchen, um einen Kübel Farbe für die Hausfassade zu kaufen. Es ist und bleibt ein für viele umwittertes Geheimnis, wie die herrlichen Farben der Fresken und Stoffe anno dazumal zusammengemischt wurden. Um diese Frage zu erhellen, können wir z. B. die Spur aufnehmen, indem wir die Färberdistel näher erforschen. Literatur darüber gibt es im Internet und in den Bibliotheken.

Distelöl und Cholesterinspiegel:

Die Folge der Blüte der Färberdistel kann nun in Form ihres Samens im Oktober geerntet werden. Aus diesem Samen, den man auspresst, wird das so genannte Safloröl gewonnen. Dieses Öl darf ruhig für die Diätküche bei jenen Verwendung finden, die wegen eines überhohen Cholesterinspiegels beim Essen Maß halten müssen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das Gewürz der Götter

Wo wächst eigentlich der Sesam?

Auf den Tontafeln des alten Babylon finden sich schon Hinweise auf ein Korn, das heute auch wortwörtlich in aller Munde ist: der Sesam. Egal, ob am Weckerl oder in der Panier, so oft begegnen wir den glänzenden Körnern, dass es uns vielleicht gar nicht in den Sinn kommt, uns danach zu fragen, wo denn die Sesampflanzen wirklich zu Hause sind. Es handelt sich hier nicht etwa um eine Alternativfrucht, die auf entlegenen Ackerflächen des Waldviertels kultiviert würden. Da gibt es andere erfolgreiche Beispiele dafür. Noch ist der Klimawandel nicht so weit fortgeschritten, dass Sesam in Österreich geerntet werden könnte. Die Länder mit tropischem und subtropischem Klima sind hierfür eindeutig besser geeignet. Das schmählicherweise als Vogelfutter bezeichnete Sesamkorn ist also ein beliebtes Importprodukt, dessen Genuss durchaus zu empfehlen ist. Immerhin erinnert der feine nussartige Geschmack daran, dass auch diese Zutat die Kraft hat, die Denkfunktion unseres Gehirns zu stärken und zu fördern. Man kann die Körner ebenso ein wenig anrösten, um ein einfach zubereitetes Gewürz zu erhalten. Das Sesamgewächs (Sesamum indicum) war ursprünglich in Indien und in Afrika beheimatet, von wo aus es in alle Welt gebracht wurde. Dieser Lippenblütler lieferte mit seinen Samen eine Frucht, aus der man schon vor urdenklichen Zeiten ein wohlschmeckendes und gut verwertbares Speiseöl gewann. Auch heute noch wird in den Küchen diese kulinarische Zutat sehr geschätzt. Sesamöl ist hellgelb und geruchlos.

Produkte überprüfen:

Eine Weise, um den Lifestyle konkret zu gestalten, kann es sein, beim Einkaufen vermehrt das Kleingedruckte zu lesen. Da wird man dann auf die verschiedenen Inhaltsstoffe von Speisen aufmerksam. Unter anderem wird man dabei ebenfalls über die Herkunft der jeweiligen Ware unterrichtet. Das Sesamkorn, dessen Herkunftsland dann aufscheint, kann man auf jeden Fall in den Speiseplan integrieren, um der Verdauung und dem Hirn etwas Gutes zu tun.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Einen Verteidigungswall anlegen

Die wilden Früchte darin einbauen

Ein sonniger Herbsttag bot unlängst die Gelegenheit, zusammen mit Freunden einen kurzen Ausflug ins nahegelegene Tschechien zu unternehmen. Immerhin liegt unser Stift Geras unweit der Staatsgrenze zu unserem nördlichen Nachbarland. Vom einstigen Eisernen Vorhang ist faktisch nichts mehr spürbar. Dennoch entdeckt man da und dort noch die fest zementierten Bunker, die unverwüstlich in der Erde ruhen und ein bleibendes Andenken an die Zeiten des Kalten Krieges sind. Ja, es galt sich zu verteidigen. In der Natur finden wir eher vergängliche Schutzeinrichtungen für unseren Organismus, die dafür aber Jahr für Jahr aufs Neue heranreifen. Mit ihren blauen und roten Beeren machen sie seit dem Sommer auf sich aufmerksam. Und wenn jetzt bald der Winter seinen unaufhaltsamen Einzug in Stadt und Land vollziehen wird, können wir uns momentan noch darauf vorbereiten, um nicht unvernünftig den Folgeerscheinungen des kalten Wetters einfach das Feld zu überlassen. In den wärmsten Monaten begannen die Heidelbeeren mit ihrem Angebot. Sie sind reich an Vitamin C und verbessern das Blutbild. Dann setzten die Holunderbeeren den wirkkräftigen Staffellauf fort. Die Vögel wissen anscheinend besser darüber Bescheid als der Mensch. Und nun steht uns noch ein Vierklang an Früchten zur Verfügung, deren Akkord von Ebereschen, Hagebutten, Schlehen und Weißdornbeeren aufgebaut wird. Bleiben wir beim Vergleich mit der Musik, so gibt es bei diesen Früchten ebenfalls eine Komposition, die all die angesprochenen Schätze auf eine genießbare Weise vereint und unserem Immunsystem zur Aufmunterung und zur Erbauung dient.

Kräuterlikör „Wildfrucht-Kraft“:

Man muss nicht alles neu erfinden. In Karlstein an der Thaya wird ein Elixier nach alter Tradition hergestellt, das die positiven Eigenschaften der oben angeführten Früchte wunderbar zur Geltung bringt. Dieser Likör wirkt beruhigend auf den Magen und stärkt die Abwehrkräfte. Das Team des Vereines Freunde der Heilkräuter hält sich am 16. und 17.10. im Foyer des Raiffeisen-Hauses (Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Platz 1, 1020 Wien) auf, um auch dort direkt die Kraft der Waldviertler Naturheilkunst anzubieten.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Der Herbst schreitet voran

Der Durst bleibt

Manche empfinden es zeitweise als Terror: Du musst viel trinken! – Ziele dieser Aufforderung sind oft betagte Menschen, Männer höheren Alters und Sportler, die hohen Anforderungen ausgesetzt sind. Mittlerweile hat sich auch bei jüngeren Semestern eine ganz gute und vernünftige Trinkkultur herausgebildet. Dafür sei an dieser Stelle einmal ein wohltuendes Lob ausgesprochen! Und in der Tat danken es uns der Stoffwechsel mitsamt den mit ihm verbundenen Organen, wenn die Flüssigkeitszufuhr den Tag über verteilt eher hoch ist. Es muss aber nicht immer nur Wasser sein, das unsere Kehle passiert; man darf ruhig auch an den einen oder anderen Kräutertee denken. Vor allem jetzt, wo die Außentemperaturen immer mehr sinken und die Heizungen in den Büros und in den Wohnungen bereits in Betrieb sind, wird unser Körper über längere Zeit einem Klima mit geringer Luftfeuchtigkeit ausgesetzt. Die Folge davon ist das vermehrte Austrocknen unserer Haut, was sich wiederum auf den Organismus niederschlägt. Um aber den Körper nicht einfach blindlings mit Wasser volllaufen zu lassen, ohne Rücksicht auf Verluste, kann man das Trinken ganz bewusst und gezielt gestalten. So sehr die Quantität der Flüssigkeit von Bedeutung ist, darf ruhig auch die Qualität des Aufgenommenen beachtet werden. Im Blick auf die Heilkräfte der Natur dürfen in dieser Hinsicht wieder vermehrt die Pflanzenteile und Früchte der einzelnen Gewächse an Bedeutung gewinnen, die in der vergangenen Vegetationsperiode herangewachsen und gereift sind. Obwohl z. B. die Wegwarte (Cichorium intybus) bereits abgeblüht ist und an den Straßenrändern oft schon abgemäht wurde, gibt es da immer noch ihre Wurzel, deren Angebot jetzt genutzt werden kann.

Tee aus Wegwarte-Wurzel:

Von der getrockneten und zerkleinerten Wurzel der Wegwarte nimmt man 2 Teelöffel voll und gibt sie in 1/2 Liter kaltes Wasser, das man anschließend kurz aufkochen lässt. Dann vom Herd nehmen und noch 5 Minuten ziehen lassen. Als Tagesmenge dieses Tees empfehlen sich 2 Tassen. So wird der Leberstoffwechsel unterstützt und die Durchblutung gefördert. Bei Migräne können damit im besten Falle auch schmerzvolle Nebenerscheinungen gelindert werden.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Vögel sind ausgeflogen

Die Kinder zu Hause auch

Der Herbst ist eine wunderschöne Jahreszeit. Von meinem Empfinden her meine ich alljährlich, dass ab Ende August die Landschaft rund um mein altehrwürdiges Waldviertler Kloster beginnt, auszuatmen. Die Sonnenstrahlen legen sich flacher über die Fluren und in ihrem Schein fällt ein um das andere goldgelb gefärbte Blatt zu Boden. Der Nebel in der Frühe trägt ab Oktober das Seine dazu bei, um dem ganzen Schaupiel der Übergangszeit noch einen geheimnisvollen Touch zu verleihen. Übergangszeiten gibt es auch in unseren Lebensabschnitten. Für Frau und Mann stellen sich ganz neue Herausforderungen, sobald die Kinder „flügge“ geworden sind und das Haus die ganze Woche über stiller und leerer wird. So sehr es selbstverständlich ist, beim weiblichen Geschlecht von Wechseljahren zu sprechen, so gering ist gleichzeitig der Wortschatz rund um die Veränderung bei den Männern, die sich rund um das fünfzigste Lebensjahr einstellen. In Zeiten wie diesen darf sich ja auch nichts ändern, denn würde ein Mannsbild eingestehen, etwas müder, gereizter oder gar depressiv zu sein, müsste derselbe um den Abbau seiner Person als Arbeitskraft in den allesamt unter Wettbewerbsdruck stehenden Unternehmen bangen. Vielleicht ist es daher nicht das Schlechteste, an einem arbeitsfreien Tag wie dem heutigen Sonntag über den Wechsel des Mannes nachzusinnen. Das sollte sich das angeblich stärkere Geschlecht heute ruhig leisten können. Mutter Natur stellt das Ihre zur Verfügung, um auch in sich ändernden physischen Verfassungen gut voranzukommen.

Arnikatinktur und Rosmarinwein:

Unterstützung tut dem Körper in Wechselzeiten auf jeden Fall gut. So ist es angebracht, die Haut ab und zu mit verdünnter Arnikatinktur abzuwaschen. Von innen heraus stärken zwei Gläschen Rosmarinwein den ganzen Organismus. Somit wird der Umlauf des Blutes in Schwung gehalten, was einem guten Allgemeinbefinden durchaus zuträglich ist. Nähere Ratschläge erteilt gern die Beratung der Freunde der Heilkräuter in Karlstein (wiederum ab Montag). Tel.: 02844 / 70 70 DW 11

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Da spricht man nicht so gerne darüber

Doch ständig sitzt man drauf

Einfach ist das nicht! Eine Gratwanderung für einen Pfarrer. Und dennoch trau ich mich drüber. Denn beim besten Willen lässt sich dieser Teil des Körpers nicht einfach so rausschneiden oder gar wegdenken. Schließlich sitzen wir alle oft stundenlang darauf und würden ohne unser Gesäß nur ganz schlecht zurechtkommen. So soll heute der bodenwärts gerichteten Rückseite unserer Körpermitte die Aufmerksamkeit gelten. Das Heidekraut (Calluna vulgaris) hilft mir bei diesem heiklen Unterfangen. Da gibt es einmal die Hilfestellung des Zur-Ruhe-Kommens. In vielen Berufszweigen müssen die Arbeitnehmer ihren Dienst sitzend vollziehen. Hier tut es schon gut, zwischendurch ein bisschen Bewegung einzubauen, damit die Körperhaltung dementsprechend entlastet wird. Dennoch ist es auch notwendig, sich ganz bewusst außerhalb jeder nutzungs- und gewinnorientierten Tätigkeit einfach auf seine zwei Backen zu setzen, um sich zu sammeln, nachzudenken oder auch ein Gebet zu sprechen. Dankbar dürfen wir dann dieses Verweilen genießen. Und zum Schluss sei noch ein anderes Service bedacht, das ich einfach mit dem Wort „Müllabfuhr“ umschreiben möchte. Ohne die Ausscheidung würde unser Körper über kurze Zeit vergiftet werden und zugrunde gehen. Der Ausgang des Afters ist, sofern der Mastdarm intakt ist, durchaus lebensnotwendig. Schon in aller Frühe kann man daher für den Grundvollzug der Ausscheidung dankbar sein. Ja, das Geringe ist nicht unbedingt das Schlechteste. Aber diese Weisheit lässt sich auch durchaus in allen Lebensbereichen und -vollzügen finden.

Sitzbad für den After:

Im Herbst und im Winter wird der Bereich des Gesäßes wiederum mehr mit Kleidung „eingepackt“. Zur Pflege des Darmausganges darf man das Heidekraut heranziehen. 50 g getrocknete Triebspitzen dieses Gewächses werden mit 2 Liter kochendem Wasser überbrüht. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Dem vorbereiteten Sitzbad beifügen, das man ca. 1/4 Stunde lang durchführt. Nach dem Abtrocknen die Aftergegend am besten mit Rosskastanienöl einreiben.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Baum mit Sinn und heilenden Kräften

Am Wegrand steht die Eberesche

Leuchtend rot grüßen die Früchte des Ebereschenbaums, der auch Vogelbeerbaum genannt wird, von dessen Zweigen herab und verleihen den Weg- und Straßenrändern herbstlichen Schmuck. So dürfen wir, dadurch angeregt, gleichzeitig die heilsame Wirkung der Vogelbeeren zusammen mit deren Denkanstößen betrachten, die von diesem Rosengewächs ausgehen. Durch seine leichte und luftige Konstitution lädt mich der Baum ein, von den oft das Leben erschwerenden Sorgen den Blick nach oben zu erheben. Im Geäst der Ebereschen tummeln sich sommers wie winters viele Vögel und Insekten. Sie sind genauso wie wir auf der Suche nach Nahrung, Schutz und Ruhe. Aber sie nehmen die Gelegenheiten wahr, die ihnen die Natur erwachsen lässt und bilden sich nicht ein, alles von Grund auf selber schaffen, konstruieren oder bewerkstelligen zu müssen. Das soll jetzt aber nicht im Entferntesten eine Einladung dafür sein, dem Leben gleichgültig gegenüberzustehen, so nach dem Motto: Gelingt es, ist es gut; gelingt es nicht, kann man auch nichts machen. Hinter mir die Sintflut! – Viel eher wird mein Blick durch die Eberesche auf die Weisheit gelenkt, die sich im Laufe des Lebens in mein Wesen einnistet und auch jedes Jahr gute Gedanken und aufrechtes Handeln hervorbringt, sofern ich mich von ihr leiten lasse. Nicht umsonst haben schon unsere Ahnen die Vogelbeerbäume entlang von Straßen gepflanzt, damit das tägliche Hin und Her nicht allein von der erdrückenden Leistungserwartung an uns alle bestimmt wird, sondern dass zwischendurch die Weisheit es ist, die uns den Wert der geschenkten Tage auf dieser Welt erkennen lässt.

Getrocknete Vogelbeerfrüchte:

Voll ausgereifte Beeren der Eberesche (Sorbus aucuparia) können getrocknet und für den Winter haltbar gemacht werden. Man kann sie auch kochen. Ihre Wirkung ist durchfallhemmend und harntreibend. So kann man bei vorübergehendem Durchfall täglich 3mal je 10 getrocknete Vogelbeeren roh und gut gekaut zu sich nehmen.


ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya