Dekoration und Speise in einem

Die Artischocke hat heilende Kraft

Haben Sie schon einmal einen Blumenstrauß aus Gemüse überreicht bekommen? Vermutlich hat der eine oder andere vegetarisch orientierte Zeitgenosse schon eine derartige Aufmerksamkeit erhalten. Ich kann mir auch denken, dass in unserer Landesberufsschule für Floristen in Geras das Entwerfen derartiger Gebinde gelehrt wird, ohne jedoch wirklich den dafür ausschlaggebenden Lehrplan zu kennen. So manches Gartengemüse eignet sich ja durchaus dafür, mithilfe seiner Blüte jemandem eine Freude zu bereiten. Die Artischocke (Cynara cardunculus) lässt sich auf jeden Fall dafür heranziehen, denn sie zählt zu den Korbblütlern. Wenn sie zum Blühen kommt, sieht man ihr die Verwandtschaft mit den Disteln bereits an. Auf den Märkten gibt es die Artischocken ohnehin frisch zu kaufen und es ist allein schon eine Freude, die dicken knackigen Kelchblätter mit dem Auge zu betrachten. Artischocken stammen ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet und fanden bereits in antiken Dokumenten Erwähnung. Über italienische Handelsleute trat diese delikate Grünkost ab dem 16. Jahrhundert seine kulinarische Werbetour über Frankreich und Großbritannien in restliche Europa an und eroberte von dort aus auch den Rest der Welt in den Überseeländern. König Heinrich VIII. von England hatte ein Faible für die Artischocke. Die essbaren Teile dieses Gemüses sind vor allem die fleischigen Schuppenblätter rund um die werdende Blüte und der Blütenboden. Es gibt aber auch einige kleinwüchsige Sorten der Artischocke, die als Ganzes verarbeitet und genossen werden können. In einschlägigen Kochbüchern findet man zahlreiche Anregungen, um dieses gehaltvolle Gewächs mundgerecht und appetitlich für die Lieben am Tisch zubereiten zu können.

Artischockensaft:

Wer Probleme mit der Leber oder der Galle hat, ist sicher nicht schlecht beraten, die Artischocke des Öfteren in den Speiseplan aufzunehmen. Man kann die grünen Blätter aber auch auspressen. Der gewonnene Saft wird in der Menge von 1 Esslöffel 3-mal täglich zu sich genommen, um mitzuhelfen, den Cholesterinspiegel zu senken. Als Kur mindestens 3 Wochen lang durchführen. Im Handel sind ebenfalls haltbare Produkte dieser Art erhältlich.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein guter Kern

Die Walnuss hat aber auch eine dicke Haut

Wenn man am Morgen das Schlafzimmer lüftet oder zur Arbeit vor die Haustür tritt, kann man die jeweilige Jahreszeit riechen. Über die Luft wird der jeweilige Aggregatszustand des Wassers an uns vermittelt. Schneefall hat eben einen anderen Geruch als Regenwetter. Jetzt im Herbst kommt in den ländlichen Gebieten der Duft nach frisch bearbeitetem Ackerboden und nach abgefallenem Laub dazu. Manches Gewächs mischt dabei ganz intensiv in der momentanen Aromapalette mit. Wer z. B. einen Nussbaum im Garten oder an der Straße stehen hat, der weiß, wie es in seiner Nähe riecht. Wenn die ersten Walnüsse zu Boden fallen, dann ist es Zeit, um diese wertvollen ölhaltigen Früchte zu sammeln und an einer zugigen Stelle zum Trocknen aufzulegen, damit nicht ein Schimmelpilz die ganze Mühe zunichte macht. Was zum Herbst noch dazu zählt, das sind die braun gefärbten Hände und Fingerspitzen, die sich unweigerlich als Folge des Nuss-Klaubens ergeben. Beim Auslösen der Walnüsse muss man eben oft noch nachhelfen und die hartschaligen Köstlichkeiten aus der sie umgebenden Haut befreien. Diese dicke Schutzschicht hat ihrerseits ebenfalls wertvolle Stoffe, die man nicht verachten sollte. Dabei handelt es sich um Gerb- und Bitterstoffe genauso wie um ein scharfes ätherisches Öl. Mit ein bisschen Aufmerksamkeit kommt man mit der Zeit drauf, dass sich sehr vieles aus dem reichen Schatz der Natur für uns Menschen verwerten und nutzen lässt. Wenn also der Herbst mit seinen ihm ganz eigenen Gerüchen ins Land zieht, soll das ein Anstoß sein, um klug und weise für die gesundheitlichen Wohltaten des Körpers vorzusorgen, indem man nicht nur die gute alte Zeit beredet, sondern die vormals erzielten Erkenntnisse als kostbares Erbe hütet. Dazu zählt es eben auch, mit den eigenen Händen die Früchte zu sammeln und zu lagern.

Erntegut Walnussschale:

Walnussschalen haben aufgrund ihres Inhaltes eine zusammenziehende und stärkende Wirkung. Im Heißaufguss kann man aus ihnen einen Tee kochen, der sowohl der Haut als auch der Verdauung Nutzen bringt. Solange die Schalen noch ihre grüne Farbe besitzen, kann man sie sammeln und für die Winterlagerung zum Trocknen auflegen. Ganz dunkelbraune und bereits matschige Nussschalen sind aber hierfür nicht mehr geeignet.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Der Weizen, der keiner ist

Den Buchweizen kennenlernen

Unbeschwerte Kindertage! Erinnerungen an sonnenwarme Wiesen, wo mit viel Glück der Sauerampfer stand. Ein Blatt abgerissen und gekaut. Den typischen Geschmack bis heute noch im Mund. Warme Jahreszeit mit frischer Speise aus der Natur. Und zu Hause frischer Kuchen mit Rhabarber und viel Zucker drauf. Oder ein Kompott aus den ganz eigen schmeckenden Stängeln. – Ich hör schon auf zu träumen! – Ja, was hat das alles mit Buchweizen zu tun? Ganz einfach: Sauerampfer und Rhabarber sind Arten der Pflanzenfamilie der Knöterichgewächse (Polygonaceae). Genauso wie der Buchweizen (Fagopyrum esculentum), um den es uns heute eigentlich geht. Sehr wohl wird dieser ertragreiche Knöterich auf den Feldern angebaut und geerntet. Die reifen Samenkörner sehen in ihrer Form und in ihrer Farbe den Bucheckern im Rotbuchenwald frappant ähnlich und erklären so den Namen des außergewöhnlichen Korns. Buchweizensamen sind generell eine sehr gesunde Speise, da sie viele Mineralstoffe und Vitamine enthalten. Menschen, deren Verdauungssystem Probleme mit dem herkömmlichen Getreide hat, kennen allerlei Speisen, die mithilfe von Buchweizenmehl hergestellt werden, da sie eine gute Alternative zum glutenhaltigen Weizenmehl darstellen. Hat man sich an den eigenen Geschmack, den die Buchweizenkörner haben, einmal gewöhnt, so ist es kein Problem, auf diese wertvolle Kost umzusteigen. Ein Faktor ist im Hinblick auf diese Alternativfrucht auf unseren Äckern auch noch zu bedenken. Es sind nicht zuletzt die Bienen, die das blühende Buchweizenkraut sehr schätzen, da sie davon viel Nektar in ihre Stöcke einbringen können. In Zeiten des Rückgangs unserer Immenvölker ist das eine Tatsache, die durchaus bedenkenswert ist.

Tee aus Buchweizenkraut:

Zur Zeit der beginnenden Blüte des Buchweizens kann man das ganze Kraut ernten und trocknen. Von der zerkleinerten Droge nimmt man am besten 2 Teelöffel, um sie mit 1/2 Liter kochendem Wasser zu übergießen. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. 2-mal täglich getrunken, bewährt sich dieser Aufguss als begleitende Maßnahme bei Juckreiz, Pruritus, und Ekzemen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Der etwas andere Wermut

Die feinen Blätter der Eberraute

Um den Namen des heutigen Krautes zu erklären, müssen wir weit in die Geschichte zurückgehen. Bleiben wir einmal bei der deutschen Sprache. Die bittere Eberraute hat von ihrer Bedeutung her nichts mit dem männlichen Schwein gemein. Vielmehr weiß der Botaniker, dass es sich hier um eine falsche Raute handeln muss. Der Wortteil „Eber“ kommt also vom alten Wort „Aber“, was so viel wie falsch bedeutet. Als Beispiel sei hier der allgemein bekannte Aberglaube erwähnt, der eben auf einen falschen oder vielmehr irregeführten Glauben hinweist. Die Namensbezeichnung Eberraute kann man sehr gut mit der Eberesche vergleichen, die ja auch keine Esche ist, sondern zu den Rosengewächsen zählt. Um zur eigentlichen Verwandtschaft, den verschiedenen Wermutarten zu gelangen, ist daher der wissenschaftliche Name der Eberraute von wesentlicher Bedeutung. Er lautet: Artemisia abrotanum. Einer antiken Legende nach soll die Jagdgöttin Artemis (bei den Römern: Diana) einem Zentauren das Wermutkraut gegeben haben, der dieses wiederum ihr zu Ehren eben Artemisia benannte. Die Eberraute ist also nichts anderes als eine besondere Wermut-Art, die ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet und kleinasiatischen Raum beheimatet war. Sehr bald wurde sie aber schon in den Gärten nördlich der Alpen kultiviert und suchte sich von dort aus einen Weg in die Wildnis, so dass es durchaus vorkommen kann, die Eberraute auch in milderen Zonen Österreichs in der freien Natur anzutreffen. Das Wirkspektrum der Eberraute ist breit gefächert. Es profitieren die Verdauung und die Harnausscheidung genauso von diesem Heilkraut, wie auch die Organe der Frau und der gesamte Bewegungsapparat.

Eberraute als Luftreiniger:

Lässt man frisch gepflückte Büschel der Eberraute im Raum mit dem Kopf nach unten hängen, tragen sie auf eine sehr dezente Weise dazu bei, das Klima der vorhandenen Luft zu verbessern. Die atmosphärische Verbesserung bewährt sich nicht nur in Wohnräumen, sondern kann auch in Tierställen praktiziert werden.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Mit vollen Händen

Frisches Obst genießen

Wann ist ein Mensch so richtig reif und erwachsen? Und an welchen Indizien lässt sich das jeweils erreichte Stadium der verschiedenen Lebensalter ablesen? Rein körperliche Faktoren dürften dafür wohl nicht alleine ausschlaggebend sein. Wer jetzt in seinen Garten geht oder einfach nur durch Gottes freie Natur schlendert und im Buch der Schöpfung gleichsam blättert, darf bemerken, wie sehr Vieles heranreift. Immerhin steht der kalendermäßige Herbst vor der Tür. Der September hat sein Füllhorn bis oben hin bestückt und im Getriebe des Alltags kann es leicht sein, dass wir das allesamt übersehen. So viel Obst hängt an den Bäumen und auf den Stauden und wir gehen oft achtlos vorüber. Aus reiner Bequemlichkeit gehen wir lieber ins Geschäft und kaufen uns um das redlich verdiente Geld so manche Früchte, die eine lange Reise hinter sich haben. In weit höherer Qualität und ohne irgendwelche Kosten zu verursachen, hängen Äpfel, Birnen, Zwetschken, Ringlotten, Mirabellen und Brombeeren herum und werden höchstens von den Vögeln und anderen Wildtieren ästimiert, bevor sie zu Boden fallen und dort verderben. Also, seien wir nicht unvernünftig und greifen wir ruhig reichlich ins Angebot der Natur hinein. Bevor wir in kurzer Zeit zur politischen Wahl schreiten und uns für eine konkrete Partei entscheiden, sollten wir das Werbeangebot der verschiedenen Obstsorten in unserer unmittelbaren Umgebung annehmen, das auf jeden Fall für unsere Gesundheit etwas bewirkt und das durchaus nachhaltig.

Den Heißhunger nach Süßem natürlich stillen:

Mit ein bisschen Willen, den man zusammenkratzt, kann es gelingen. Wir erwischen uns doch tagsüber so oft beim Gusto auf Schokolade und Co. Wenn keine rechte Zeit zum Essen bleibt, ist das umso stärker zu spüren. In diesem Falle kann man sich durchaus frisches Obst in greifbare Nähe legen, um so dem Organismus, durch eine Untugend angespornt, Vitamine und Mineralstoffe zuzuführen. Für Diabetiker gelten selbstverständlich eigene Regeln.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Schöne Augen auf prächtigen Blüten

Mit Phantasie den Augentrost betrachten

Wie lange können Sie, lieber Leser dieser Zeilen, es aushalten, dem Gegenüber ins Auge zu blicken? Sie können es ja ruhig einmal zusammen mit Menschen Ihres Vertrauens austesten. Eine weit weniger anstrengende Übung ist es, in der Natur auf die Suche nach dem Augentrost (Euphrasia officinalis) zu gehen. Hat man diese äußerst schmucke Blume entdeckt, kann man an den geöffneten Blüten durchaus mit ein wenig Vorstellungskraft die Umrisse eines Auges samt Lidern entdecken. Dieses Signum (= Zeichen) des Gewächses aus der Familie der Sommerwurzgewächse nahm man in der Volksheilkunde vergangener Jahrhunderte zum Anlass, um bei den verschiedensten Erkrankungen des menschlichen Auges den Augentrost zur Linderung heranzuziehen. Es war kein Geringerer als Pfarrer Sebastian Kneipp, der eine Rückbesinnung auf das zwischenzeitlich vergessene Heilkraut herbeiführte. In der homöopathischen Medizin genoss der Augentrost ebenfalls bald einen hohen Stellenwert. Als Wirkstoffe des Krautes seien hier an dieser Stelle Gerbstoffe, ätherische Öle, Bitterstoffe, Cumarin, Rutin und die Euphrastansäure angeführt. Wer sich den Augentrost im Garten ansiedeln möchte, soll bedenken, dass der ideale Standort für diese Pflanze der Steingarten ist. Als Halbschmarotzer braucht er ebenfalls verschiedene niedrige und robuste Grassorten in seiner Nähe, um gut gedeihen zu können. So sehr die heilende Kraft des Augentrostes auch für die Sehorgane reserviert zu sein scheint, kann diese Droge mit Bedacht auch dafür verwendet werden, um die verschiedenen Schleimhäute des Körpers zu unterstützen.

Reizungen der Schleimhäute besänftigen:

Augentrost-Tee soll man bei innerer Anwendung möglichst sparsam dosieren. So nimmt man für einen Aufguss mit 1/2 Liter kochendem Wasser nur 1 1/2 Teelöffel voll des getrockneten Krautes. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und schluckweise trinken. Vor allem bei Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhäute zu empfehlen, aber ebenso bei gereizter Magenschleimhaut.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wenn die Farbe wechselt

Die Nägel geben Auskunft

Unlängst musste ich ein wenig schmunzeln. Anlässlich eines Familienfestes wurde ich ins Gasthaus eingeladen, um mit der gesamten Gesellschaft zu speisen. Da traf ich nach längerem auch ein Mädchen, das ich seit ihrer Taufe kenne. Um ihrer Umwelt zu signalisieren, dass sie Richtung Erwachsensein unterwegs ist, hat sie sich über den Augen mit einem Lidschatten geschmückt und ihre Fingernägel in einem satten Rot lackiert. Um nicht in eine Debatte über so manche Schminkkultur zu verfallen, bleibe ich bei dem natürlichen Aussehen der Nägel an unseren Händen und Füßen. Der Slogan „Erkenne dich selbst!“ ist ja nicht nur ein Imperativ der Philosophie, sondern darf ruhig auch in der Sorge um die Gesundheit unseres Körpers ernst genommen werden. Entdeckt man z. B., dass die Nägel auf den Fingern stark rot gefärbt sind, so hat das seine Ursache in einer Gefäßerweiterung der Blutbahnen im Nagelbett, die wiederum einen erhöhten Blutdruck signalisieren können. Eine bläulichrote Verfärbung der Nägel weist ziemlich eindeutig auf einen geschwächten Kreislauf unseres Organismus hin. Unser Körper sendet also ohnehin oft sehr deutliche Signale, die aber auch unserer Beachtung bedürfen. Man könnte die Skala nun noch weiterführen. Wichtig ist vor allem, die Veränderungen zu registrieren und die Hintergründe zu erforschen, die dafür verantwortlich sind. Eine Summe von Symptomen, die in ihrer Gesamtheit betrachtet werden, kann dem Leidenden genauso wie dem behandelnden Arzt sowohl einen Weg zum Herd einer Erkrankung wie auch den Weg daraus heraus erschließen. Der beste Routenplaner dafür ist aber die jeweils eigene Wahrnehmung des Betroffenen und die Fähigkeit, diese auch dem Mediziner gegenüber bei Bedarf zu artikulieren.

Abwechselnde Tees bei Kreislaufstörungen:

Es gibt eine ganze Reihe von Kräutern, die mithelfen, den Kreislauf wiederum in ein gutes Lot zu bringen. Dazu zählen u. a. Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), Thymian-Blütenspitzen (Thymus vulgaris), Lindenblüten (Tilia cordata / platyphyllos) und Weißdorn-Blüten-Blätter-Gemisch (Crataegus). Im Heißaufguss zubereiten und früh und abends je eine Tasse davon trinken.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Entspannung ohne Alkohol

Der Hopfen darf aber ruhig dabei sein

Ab und zu darf’s schon sein! Und dazu ist der erste Schluck ja so köstlich, vor allem, wenn das Gulasch bereits ein Stück weit konsumiert ist. Wer jetzt noch nicht auf die Idee kommt, was ich meine, dem sei es buchstabiert: das Bier! Österreich hat als traditionelles Brauland durchaus einige Spezialitäten aufzuweisen. Dennoch werden wir unsere nördlichen Nachbarn im Pro-Kopf-Konsum des blonden Gerstensaftes nicht übertreffen. Ist ja auch nicht unbedingt ratsam. Um ein gutes Bier brauen zu können, brauche ich immer noch eine Zutat, die auch auf wild wachsenden Pflanzen jetzt im Herbst zu finden ist: die Hopfenzapfen. Bei uns in Europa kommt der Hopfen (Humulus lupulus) an feuchten Stellen an Hecken und Bäumen in der freien Natur vor. Diese rechtswindende Pflanze kann in eine Höhe bis zu 8 Meter emporklettern. Dabei nimmt sie gerne die Stämme und Äste von Weiden, Pappeln und Erlen in Anspruch, um sich Richtung Himmel zu ranken. Als zweihäusiges Gewächs existieren vom Hopfen sowohl männliche als auch weibliche Pflanzen mitsamt ihren Staubgefäßen bzw. Blüten. Von allgemeinem Interesse sind vor allem die Zapfen, die sich auf den weiblichen Trieben befinden und die nicht unbedingt befruchtet sein müssen. Am Hopfen hat man vor langen Zeiten auch das Wetter abgelesen. Die Bauern verbrachten sehr viel Zeit in der freien Natur und konnten bei ihrer durchwegs schweren manuellen Arbeit die großen Zusammenhänge auch besser beobachten. Zwei Weisheiten, die daraus resultierten sind etwa: „Der Hopfenblüte Duft verkündet trockene, warme Luft“ und „einer reichen Hopfenernte folgt ein strenger Winter“. Das Hanfgewächs Hopfen führt, naturheilkundlich betrachtet, eine Entspannung des Allgemeinzustandes herbei. Das bedeutet eher nicht, dass unser Verlangen nach Schlaf sich vermehrt, sondern vielmehr, dass unsere überreizten Triebe eine Besänftigung erfahren und in der Folge unser Wille in die richtigen Bahnen gelenkt wird.

Hopfen für Tee kombinieren:

Zu den Hopfenblütenzapfen lassen sich durchaus auch andere Kräuter hinzuspannen, um einen wirkkräftigen Tee aufzugießen. Wer morgens mit der Müdigkeit zu kämpfen hat, kann Hopfen und Brennnessel zusammenmischen. Das ergibt einen ausgesprochenen Blutreinigungstee. Hat jemand Schwierigkeiten mit der Magenschleimhaut, so kann man ihm einen Tee aus Lindenblüten und Hopfen zu gleichen Teilen empfehlen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Kloster, ein Kraut und ein Likör

Der Ysop hilft Augen und Rachen

Das Mutterkloster des Kartäuserordens, La Grande Chartreuse, liegt abgelegen in einem Tal in der Nähe von Grenoble in Frankreich. Für Touristen ist es unmöglich, das Innere des Klosters zu besichtigen, da sonst die geistliche Ruhe an diesem Ort zerstört werden würde. So kommt es, dass dieses imposante Bauwerk genauso geheimnisumwittert ist wie der berühmte Likör Chartreuse, der fest mit den Mönchen im weißen Gewande verbunden ist. Das genaue Rezept des geschätzten Digestifs wird im Kloster gehütet und von Generation zu Generation weitergegeben. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird aber auch der Ysop für die Erzeugung des alkoholischen Kräutergetränkes herangezogen. Dieser Lippenblütler ist ein Kind der Sonne und schlug einst in Südeuropa seine Wurzeln. Sein heiteres Gemüt hat er mitgenommen, als ihn die Mönche des Mittelalters auch weiter im Norden anpflanzten, so dass er sich heute ebenso bei uns in den Gärten großer Beliebtheit erfreut. Wie die Menschen des Südens eine große Gelassenheit ausstrahlen, sorgt auch das Ysopkraut dafür, dass sich verkrampfte Zustande lösen und sich im Körper eine geregelte Harnabgabe einstellt. Die Erfahrungen der Naturheilkunde wissen zudem, dass bei trockenem Husten mithilfe des Ysops hartnäckiger Schleim besser abgehustet werden kann. Ja, die Gelassenheit ist eine Tugend, die heutzutage manchmal mit Befremden beäugt wird. Denn im Laufrad des Profits und der ständigen Änderung von Technik und Mode zählt ja schließlich nur die Leistung. Kein Wunder, dass die Menschen davon krank werden. Man muss nicht unbedingt einen Chartreuse in der Hausbar stehen haben, um das zu erkennen. Aber den Ysop darf man ruhig zur Heilung von Körper und Seele verwenden.

Ysop-Absud für Rachen und Augen:

In 1/2 Liter kaltes Wasser gibt man 30 g von einem Gemisch aus Ysopblättern und -blüten. Diesen Ansatz kocht man dann kurz auf und lässt ihn ca. 10 Minuten lang ziehen. Abschließend abseihen und zum Gurgeln verwenden. Das kann bei entzündetem Zahnfleisch genauso passieren wie bei eitrigen Mandeln. Bei übermüdeten Augen soll man den Absud zum Auswaschen derselben heranziehen, um die Sehkraft zu stärken.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Naturdenkmal ist tot

Und lebt in seinen „Kindern“ weiter

In der Ausgabe vom 21. August der bayerischen Tageszeitung Donaukurier stand es am Titelblatt in großen Lettern zu lesen: „Die Bavaria-Buche steht nicht mehr“. Aufgrund eines heftigen Gewitters wurde der letzte Seitentrieb des schon längere Zeit morschen Baumriesen zu Boden gerissen. Von seiner einstigen Pracht ist nun kaum mehr etwas übrig. Wenn auch hierzulande die Bavaria-Buche möglicherweise wenig Bekanntheit genießt, so kennen doch viele unbewusst diesen schönen Baum. Viele Male wurden an dem solitär stehenden Naturdenkmal die vier Jahreszeiten anhand der Verfärbung seines Laubes bzw. an den vom Raureif überzogenen Ästen in Fotoserien demonstriert. Irgendwann ist also sehr vielen von uns ein Bild der Bavaria-Buche untergekommen, ohne von der genauen Identität des Baumes zu wissen. Die charakteristische Buche, die zwischen 500 und 800 Jahre alt geschätzt wurde, erfuhr auch eine Art von Sterbebegleitung. Solange es ging, wurde ihre Gestalt von Baumchirurgen gefestigt, bis man sich eines Tages entschied, den natürlichen Verfallsprozess der Pflanze ihrem Lauf zu überlassen. Gleichzeitig wurden viele kleine Bäumchen, die aus den herabgefallenen Bucheckern hervorwuchsen, sorgfältig ausgegraben und an anderen Standorten eingesetzt. Vor ein paar Jahren hat mir eine liebe Freundin aus der Nähe von Ingolstadt so ein „Kind der Bavaria-Buche“ als Geschenk ins Waldviertel mitgebracht. Im großen Hof des Stiftes Geras hat der kleine Bavaria-Sprössling gut Wurzeln schlagen können und ist mittlerweile schon zu einem ansehnlichen Buchen-Mädchen (siehe Bild) herangewachsen. Künftige Generationen werden sowohl vom Schatten als auch vom Sauerstoff profitieren, den die einst erwachsene Buche in reichem Maß spenden wird.

Herbstzeit ist Pflanzzeit:

Bäume sind ganz wichtige Anhaltspunkte in unserer Landschaft. Sofern ein Garten groß genug ist, sollte auch dort die grüne Oase rund ums Haus durch Bäume strukturiert werden. Vielleicht besteht ja die Möglichkeit, die eigene Geschichte mit einem alten Baum aus der Kindheit durch das bewusste Einpflanzen seiner Nachkommen fortzuschreiben und auch den eigenen Kindern diese Geschichten zu erzählen.

ⓒ Foto: Prior Benedikt Felsinger, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya