Große Blätter

Beschleunigende Wirkung

Im Rundfunk werden immer wieder die Verkehrsmeldungen durchgegeben. Staus lassen sich aufgrund der hohen Autodichte in Ballungszentren kaum vermeiden. Gerade dann, wenn es ins Wochenende geht, wollen alle auf einmal nach Hause. Die logische Folge ist die Überlastung selbst gut ausgebauter Autobahnen und Schnellstraßen. Passiert dann noch ein Unfall, geht gar nichts mehr. Ich bewundere oft die Pendler, denen, insofern sie einen fahrbaren Untersatz benutzen müssen, oft gar nichts übrig bleibt, als täglich mit dem Risiko eines Staus zu rechnen. In unserem Organismus gibt es auch viele wichtige Verbindungen. Sie sorgen dafür, dass alles reibungslos funktioniert. Denken wir nur an die Blut- und Nervenbahnen. Die Atemwege sind genauso lebensnotwendig wie der gesamte Ernährungstrakt. Bei letzterem kommt es vor allem auf die Geschwindigkeit an, mit der die aufgenommene Nahrung unseren Körper gleichsam durchwandert. Um gut verwandelt, verbrannt und verwertet zu werden, braucht es da ebenfalls ein richtiges Zeitmaß bzw. ein gutes Vorankommen. In viele Gärten stand früher der Rhabarber (Rheum rhabarbarum), dessen Stängel oft zu einem guten Kompott verarbeitet wurden. Ohne es bedenken zu müssen, wurde dadurch eine Maßnahme in die Ernährung integriert, die dafür sorgte, dass im Darm nichts Unrechtes zu lange verweilte. Das hat genauso heute noch Gültigkeit, wenn auch da und dort der Rhabarber in Vergessenheit zu geraten scheint.

Die Jahreszeit nutzen:

Die Blattstängel des Rhabarbers können ab dem Frühjahr bis in den Sommer hinein geschnitten und verwertet werden. In Kuchen und Kompott kommen diese gekochten Pflanzenteile des großblättrigen Knöterichgewächses am besten zur Wirkung. Menschen mit Nieren- oder Gallenbeschwerden sollten den Rhabarber wegen seines hohen Gehaltes an Oxalsäuren eher meiden. Die Blätter und Blütentriebe enthalten große Mengen dieses Stoffes und sind daher nicht zum Verzehr geeignet! Die Blattstängel zur kurzen Lagerung keinesfalls in Alufolie wickeln, sondern in ein feuchtes Tuch einschlagen.

Den Geburtstag nicht vergessen

Einen Strauß Vergissmeinnicht pflücken

Alles Gute zum Geburtstag! Happy birthday to you! Gesundheit und Prost! Aber auf wen stoßen wir heute eigentlich an? Ohne all jene, die heute wirklich den Jahrestag ihres Erdenlebens begehen, übersehen zu wollen, gibt es für mich eine vorrangige Antwort: die Kirche! Mit der Herabkunft des Heiligen Geistes sind all jene, die Christus nachfolgen, befähigt worden, das Evangelium allen Geschöpfen auf der Erde zu verkünden. Denn der Geist Gottes ist es, der lebendig macht und Leben ermöglicht. In dieser Weise feiern die gläubigen Christen den Geburtstag in angemessener Form. Es ist dabei nicht so wichtig, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und feiern zu lassen. Vielmehr zählen der Ursprung und die Herkunft. Das darf uns immer wieder neu ins Gedächtnis gerufen werden. Über den Heiligen Geist zu reden, ist ein schwieriges Unterfangen. Eine Hilfe kann es sein, aufgrund seiner Auswirkungen, die in der Heiligen Schrift und in der Kirchengeschichte ganz deutlich dokumentiert sind, auf Spurensuche zu gehen. Wir werden dabei gleich in der Schöpfungsgeschichte fündig, wenn dort geschrieben steht, dass der Geist des Lebens allem Geschaffenen von Gott eingehaucht wurde. Oder erinnern wir uns an die frohe Botschaft, die der Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria brachte, als sie verkündet bekam, Mutter Jesu zu werden. Bitten wir gerade heute um den Heiligen Geist, der sowohl dafür verantwortlich ist, dass wir das Leben haben und der uns je persönlich befähigt, unsere Existenz nicht für uns alleine zu behalten, sondern sie mit anderen zu teilen und zu gestalten.

Vergissmeinnicht betrachten:

Die bekannte Wiesenblume ist einfach schön anzuschauen. In der botanischen Einteilung zählt das Vergissmeinnicht (Myosotis) mit seinen vielen Unterarten zu den Raublattgewächsen (Boraginaceae). In der Naturheilkunde findet es kaum Verwendung, wenn auch das Dekorieren von Speisen mithilfe ihrer blauen Blüten durchaus vorgenommen werden kann. Jeder, der ein Vergissmeinnicht im Garten entdeckt, darf sich daran erinnert wissen, das eigene Leben am Schopf zu packen, um es als einmalige Chance zu erkennen.

Popeye the Sailor würde staunen

Das Tonikum der Kleinkinder

Ach, was waren das noch Zeiten! Immerhin saßen wir in jungen Jahren – selbst erblickte ich Mitter der 1960er-Jahre das Licht der Welt – auch schon vor dem Fernseher. Als die Geräte hierfür noch nicht den ganzen Tag in irgendeiner Ecke liefen und für visuelle samt akustischer Berieslung sorgten, sondern noch Minuten brauchten, um vorgeglüht die ersten Schwarz-Weiß-Bilder zu liefern, gab man sich mit so manchen Zeichentrick-Sequenzen zufrieden. Auch wenn ich der englischen Sprache kaum noch mächtig war, erheiterten einfach die Szenen, in denen Popeye the Sailor die Hauptrolle spielte, das Gemüt. Und wer würde in diesem Zusammenhang nicht die legendäre Spinatdose kennen, deren Inhalt, einmal genossen, dem Titelhelden übermenschliche Kräfte verlieh? Was die gedankliche Imagination ein wenig überzeichnet, steckt doch verborgen und gleichzeitig wirksam in den Gaben der grünenden Natur. Ich bezeichne sämtliche Pflanzen gerne als kleine Transformatoren, die uns die Kräfte der Sonne und der Erde so umwandeln, dass wir sie mit unserem Organismus aufnehmen und nützen können. Letztlich behalten die Kräuter keine Kraft für sich, sondern geben sie immer an ihre Umgebung weiter. Wenn uns also aus irgendeinem Grund diese Energie fehlt, dürfen wir ruhig auf die Gewächse in unserer unmittelbaren Umgebung zurückgreifen. Mit ein wenig Geduld werden wir dann Schritt für Schritt mehr darüber lernen, was unserer Gesundheit gut tut.

Spitzwegerich-Saft für Kleinkinder:

Sobald die grünen Blätter des Spitzwegerichs gut ausgebildet sind, kann man diese am besten vormittags bei Sonnenschein abpflücken. Die sauberen Blätter werden mit ein wenig Wasser übersprüht. 3 Stunden lang stehen lassen und dann zu einem Brei zerkleinern. Mithilfe einer Saftzentrifuge oder einem Leinentüchlein dann den Saft aus den Blättern pressen. Täglich 1 Esslöffel davon mit ein wenig Honig vermischt, hilft Kleinkindern, aber auch Jugendlichen, wenn diese unter einer Entwicklungsstörung leiden.

Der Baum der Erkenntnis

Auf den Spuren ins Paradies

Jedes kleine Kind wusste früher zumindest, für wen die Namen Adam und Eva stehen. In der Gegenwart getraue ich mich jedoch nicht, die Hand für dieses allgemeine Wissen ins Feuer zu legen. Vielleicht kann das eine Anregung für manchen mikrophonbewaffneten Radiojournalisten sein, einmal bei Kindern nachzufragen, wie denn die Stammeltern des Menschengeschlechts wirklich heißen. Ich kann mir vorstellen, dass einige haarsträubende Antworten das Ergebnis sein könnten. Mit Adam und Eva ist gleichzeitig die Schilderung des Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse verbunden, von dem zu essen schlicht und einfach verboten war. Wer nun weiß, wie die Namen der ersten Menschen in der Bibel lauten, kennt auch den weiteren Verlauf der Geschichte mit dem Paradiesesbaum. In der Heiligen Schrift ist jedoch nicht definiert, welche Art von Baum nun in der Mitte des Gartens Eden stand. Erst die religiöse Kunst hat sich dann in der Ikonographie mit einigen Varianten beholfen. Am geläufigsten und populärsten kristallisierte sich im Laufe der Jahrhunderte die Annahme heraus, dass es ein Apfelbaum war, der beim Sündenfall Adams und Evas die wichtigste Nebenrolle spielte. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wer vor kurzem bei einem Spaziergang oder beim Blick aus dem Fenster in den eigenen Garten die blühenden Apfelbäume bewundert hat, der wähnte sich wenigstens einige Augenblicke lang im Paradies. Wenn wir uns aber aufgrund unserer alltäglichen Erfahrungen nicht wirklich darin befinden, so kann uns der Apfelbaum helfen, aufmerksamer auf das zu schauen, was uns gut tut bzw. was uns schadet.

Apfelblätter verwerten:

Nachdem die Apfelbäume verblüht sind, kann man die frisch ausgetriebenen grünen Blätter am frühen Morgen taufrisch von den Zweigen sammeln. Es ist durchaus möglich, diese unter Salate zu mischen oder fein geschnitten in die Suppe zu geben. Gerade, weil sie ein wenig bitter munden, zeigt das, dass sie der Leber und deren entgiftenden Arbeit gut tun.

Oben und unten

Mit der Brennnessel einen Bogen spannen

Bis wir Menschen einmal umdenken, braucht es oft eine lange Zeit. Nichts ist träger als eine vorgefasste und versteinerte Meinung über Sachverhalte, die vordergründig nicht der Mühe wert sind, geändert zu werden. Auch wenn noch so viele unserer Zeitgenossen mittlerweile einen gesunden und bewussten Lebensstil für als gut erachten, sehen wenige die großen Zusammenhänge in der Natur, die unsere volle Rücksicht verdienen. Immer wieder weise ich darauf hin, dass es z. B. mit dem Begriff „Unkraut“ äußerst sparsam umzugehen gilt. Denn wo setzen wir eine Grenze? Was zählt denn alles zum unnützen Kraut? Und was sind die Maßstäbe für eine derartige Kategorisierung der Pflanzen? Gerade jetzt, wo alles wächst und aufgrund der fast subtropischen Witterung im Wuchern noch einmal einen Zahn zulegt, haben wir botanische „Gewaltausdrücke“ schnell zur Hand. So stört uns da und dort die Ausbreitung der Brennnesseln. Natürlich ist es nicht verboten, ihrem Keimen und Wachsen im eigenen Garten Einhalt zu gebieten, solange man nicht mit chemischen Pestiziden arbeitet, die das Grundwasser und den Boden vergiften. Andererseits sollte man aber versuchen, die Hilfe anzunehmen, die durch die Präsenz der Brennnessel dem verantwortungsvollen Gärtner zur Verfügung steht. So lassen sich unter anderem große Mengen an Brennnesselkraut gleichzeitig zu einer schädlingsbekämpfenden Jauche und zu einem biologischen Dünger für das Gemüse und die Blumen auf den Beeten verarbeiten. In der Hausapotheke darf die Brennnessel zudem ein fixer Bestandteil sein.

Drüsenentzündung unter der Achsel behandeln:

Hierfür nimmt man getrocknete und feingeschnittene Blätter der Brennnessel und überbrüht 2 Esslöffel davon mit 1/8 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und einen Wattebauschen damit tränken, den man mit Leinen umhüllt und über Nacht an der betroffenen Stelle fixiert. Den Blätterrückstand wiederum gießt man mit heißem Wasser auf, um die Füße als ableitende Maßnahme darin zu baden.

Gesundheit und Freude

Das bringt der Waldmeister mit sich

Ein weißer Schleier breitet sich über den Auenboden. Das muss nicht unbedingt bedeuten, der Winter habe noch einmal ein Andenken an ihn schaffen wollen. Im Mai ist dafür meist ein Rötegewächs verantwortlich, das mit seinen vielen weißen Blütendolden den Waldboden ziert. Die Rede ist vom Waldmeister (Asperula odorata). Unter anderem kennt man dieses Heilgewächs auch unter den Volksnamen Herzensfreude oder Leberkraut (nicht zu verwechseln mit dem Leberblümchen). Der Waldmeister hat nämlich einen guten Einfluss auf nervöse Herzbeschwerden und kann bei Funktionsstörungen von Galle und Leber Linderung herbeiführen. Generell wirkt sich dieses Auenblümlein beruhigend und ausgleichend auf den ganzen Organismus aus. Das gilt ebenso für Schlafstörungen, Koliken und Krampfzustände.
Den Waldmeister kann man sich auch im Garten ziehen. Hat er dort Lauberde oder Rindenhumus, wo er seine Wurzeln treiben kann, vermehrt er sich im idealen Fall so gut, dass er ganze Bereiche einnehmen und den vorhandenen Boden abdecken kann. Zum Pflanzen des Waldmeisters ist jedoch das zeitige Frühjahr oder der Herbst die beste Zeit. Jetzt können wir darangehen, den beliebten Pflanzenfreund in verschiedener Weise zu verarbeiten, damit Leib und Seele davon profitieren.

Einen Maientrunk ansetzen:

Manchmal darf auch Alkohol mit im Spiel sein, um eine Erfrischung anzurichten. So kann man den blühenden Waldmeister pflücken und kurz anwelken lassen. Dann bindet man das Kraut zu einem Sträßchen und hängt es in ein Glasgefäß, in das man einen guten Weißwein und 1 Liter Sekt gießt. 1/2 Stunde lang kalt stellen. Danach das Sträußchen wieder entfernen und den gewonnenen Trunk nach Belieben süßen.

In voller Blüte

Und gleichzeitig Schattenspender

In verschiedenen Situationen des Lebens suchen wir die Nähe uns lieber und vertrauter Menschen. Wir fühlen uns dort wohl und müssen meist nicht fürchten, von diesen enttäuscht oder gar verletzt zu werden, obwohl auch hierin manche Ausnahmen die Regel bestätigen. Oft genügt es dann nur, von den Freunden angehört zu werden oder mit ihnen ein Gläschen Wein zu trinken. Interessanterweise finden wir aus der gesamtem dokumentierten Geschichte der Erdenbürger immer auch den einen oder anderen Verweis, dass die geistbegabten Zweibeiner ebenfalls zu den Bäumen ähnliche Beziehungen aufbauten, wie dies untereinander schon der Fall war. Der Baum ist eben nicht nur ein gestalterisches Element in der Landschaft, sondern in ihm spiegelt sich gleichsam die Seele wider. Versuche, bei denen Kinder und Jugendliche aus meinem Umkreis eingeladen waren, Bäume zu malen oder zu zeichnen, belegen das. Im Sinne des heiligen Franziskus von Assisi ist es durchaus angebracht, den Baum unseren Bruder zu nennen. Blicken wir beispielsweise auf die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), die so sehr zu unserer Lebenskultur dazugehört. Wie viele Geschichten, Erinnerungen und Erlebnisse sind mit diesem Schattenspender verbunden. Die Zeiten, in denen man massenweise Maikäfer von den Blättern einer Kastanie schüttelte, sind schon lange vorüber. Doch sind die Schanigärten, die Bahnhofsareale und so manche Alleen immer noch geprägt vom jahreszeitlich wechselnden Bild der Rosskastanie. Hoffentlich gehört dabei die seit Jahren eingeschobene „fünfte Jahreszeit“ durch die negativen Folgen des Miniermottenbefalls bald wieder einmal der Vergangenheit an. Jetzt erregen viele Kastanienbäume durch ihr prächtiges Blühen unsere Aufmerksamkeit.

Die Sinnsprache des Kastanienbaumes:

Bäume haben Menschen etwas zu sagen. Es gibt vergleichbare Charakterzüge, die man nach langer Betrachtung entdecken kann. Über „Kastanien-Menschen“ (geboren zwischen 15. u. 24. Mai) weiß man, dass sie gut zwischen Tugend und Laster unterscheiden können. Sie versuchen immer, ersteres zur Entfaltung zu bringen. Unter mächtigen Kastanienbäumen findet sich in der Natur auch kein so genannter Wildwuchs.

Wer Ohren hat, der achte sie

Die Natur hilft mit

Eine große Dienstleitung ist vollbracht! Die Weiden an den feuchten Standorten unserer Fluren haben ihr Blühen hinter sich gebracht. Die Zweige, die nicht vor dem Palmsonntag für den kirchlichen Segen reserviert wurden, konnten bei den warmen Temperaturen ihre Kätzchen ausbilden und so den Bienen ihre heißbegehrte Nahrung liefern. Selbst in klimatisch rauen Zonen setzen aber nun die Weiden in ihren verschiedenen Arten die frischen Blätter an den Ästen an, um in immer grünerem Kleid der Umgebung den Sauerstoff zu schenken. Kräuterpfarrer Hermann-Josef Weidinger hinterließ in seinen Schriften ein großes Lob auf die Uferbäume: „Weiden haben eine unfassbar starke Lebenskraft. Aus geköpften Baumstrünken schießen immer wieder Triebe empor. Auch aus den Baumscheiben gefällter Weiden drängt es heraus, und bald entsteht ein Weidengestrüpp. Der alte Körper eines vermodernden Baumes wird zum Nährboden für neue Bäume. Aus einem hohlen Baumstrunk einer Weide erhält man die beste Blumentopferde.“ In seinem Holz und in den Zweigen ist dieser Baum meiner Meinung nach ein Sinnbild für Milde und Toleranz. Nichts Hartes oder Versteinertes ist an dem Wasserwächter zu finden. Die heilenden Kräfte eines Weidenbaumes waren unseren Vorfahren wohl bekannt. Doch dieses Wissen ist umso mehr verlorengegangen, je mehr die Technisierung und die damit verbundene pharmazeutische Entwicklung ihre Fortschritte machte und der Naturheilkunde nur wenig Raum bot. Heutzutage besinnt man sich aber gottlob wieder auf die Sympathie des Schöpfers, der uns in den wertvollen Inhaltsstoffen so vieler Gewächse nahe ist. Der ehrfürchtige und aufmerksame Mensch kann diese Gaben entdecken, entschlüsseln und dankbar in Anspruch nehmen.

Ohrenschmerzen behandeln:

Von jungen und dünnen Weidenzweigen kann man die frisch entwickelten Blätter ernten und ihren Saft auspressen. Die gewonnene Flüssigkeit wird auf einen Wattebausch geträufelt, den man vor dem Schlafengehen ins Ohr steckt und erst am nächsten Morgen nach dem Erwachen wieder entfernt.

Gegebenheiten und Freiheit

Die Korkenzieherhasel und die Linde

Manchmal berühren mich Bilder, die ich spontan am Wegrand erblicke, derart, dass die logische Folge davon das Sinnieren über Gott und die Welt ist. Konkret handelt es sich diesmal um ein Motiv, das ich auf dem Weg zur Garage aufschnappte. In einer schattigen Ecke steht da seit Jahren ein mittlerweile stattlicher Korkenzieherhaselstrauch. Den Sommer über bildet sein Laubgewand einen Schirm über dem darunter liegenden Boden, sodass kaum eine andere Pflanze mangels Sonnenlichtes hochkommen kann. Doch vor ein paar Tagen entdeckte ich, dass eine kleine Sommerlinde bereits ganz keck ihre Blätter austreiben ließ und dem Haselstrauch darin um eine Nasenlänge voraus war. Dieses Bild (siehe Foto) ist bereits Geschichte. Spontan entschloss ich mich, die kleine Linde an einen anderen Ort zu verpflanzen, damit sie eventuell die Chance erlangt, einmal so groß und alt zu werden wie die in einiger Entfernung stehende Mutter des kleinen Baumsprösslings. Die Korkenzieherhasel wurde mit menschlichem Einfluss gezüchtet und durch die Hand meines Mitbruders Ansgar einst an ihren heutigen Platz gesetzt. Die kleine Linde hingegen ging dort auf, wo eben der Same hinfiel und zumindest für das Wurzeln und Austreiben ideale Bedingungen vorfand. Beiden Gewächsen ist in irgendeiner Weise eine Bestimmung mit auf den Weg gegeben worden. Und beide können gar nicht anders, als eben im Rhythmus der Jahreszeiten zu wachsen, zu blühen und ihr Laub wiederum fallen zu lassen. Sie müssen aber auch nicht anders sein. Warum bilden wir Menschen uns das unentwegt ein? Unzufrieden mit uns selbst, machen wir andere ebenso unglücklich, weil wir meinen, unsere Gegebenheiten gering achten zu müssen. Wer hat uns nur diesen Wurm ins Herz gesetzt? Menschliche Freiheit ist immer äußerst relativ.

Echte Sinnbilder wahrnehmen:

In der gegenwärtig virtuell bestimmten Welt wird Tag für Tag eine Flut an künstlichen Bildern erzeugt, die über unser Auge das Hirn und das Herz erobern. An unseren Kindern sehen wir, dass damit zu einem hohen Prozentsatz gleichzeitig die Phantasie ausstirbt. Wie viel gesünder und wirklicher sind dagegen die Sinnbilder in freier Natur, wie eben die Korkenzieherhasel und die Linde? Lernen wir daher unseren Kindern, diese Bilder zu lesen.

Immer wieder einen Schluck

Enzian tut dem Magen gut

Eine kräftige Jause auf einer Almhütte hoch über den Tälern! Einfach herrlich! Einschneiden und genießen! Zu guter Letzt tischt vielleicht der Hausherr noch ein Brett auf, das voll mit kleinen Stamperln besetzt ist, natürlich nicht ohne Inhalt. Irgendwie möchte man ja den Schinken oder den konsumierten Braten auch „zerlegen“. Also: Prost! Wer jetzt denkt, ich würde meine Leser dazu verleiten, die Flasche mit dem Enzianbrand immer in Reichweite zu haben, den möchte ich von meiner eigentlichen Intention überzeugen. Denn der Gelbe Enzian (Gentiana lutea) kann viel mehr, als für Maische zum Schnapsbrennen zu dienen. Betrachten wir daher unser Dasein. Das Leben spielt sich ja nicht nur in kurzen und wertvollen Momenten hoch auf den Gipfeln ab. Die Augenblicke des Glücks sind oft rar. Auch wenn alle Welt uns vorgaukelt, es müsse uns immer und ausschließlich gut gehen, entspricht das nicht im Geringsten der Wirklichkeit unserer Erdentage. Vielmehr sind verworrene Lebenslagen, heikle Situationen und der Unfriede gleichsam die lauteren Instrumente im Orchester für unser Lebenslied. Ein Organ, das sich in diesem Sinne als mehr oder minder musikalisch erweist, ist unser Magen. Er nimmt die jeweiligen Harmonien und Dissonanzen direkt auf. Das merken wir daran, wie sehr uns das Essen schmeckt. Wenn einem hingegen der Appetit vergangen ist, wissen wir auch, warum. Wir dürfen uns jederzeit der Realität des Augenblicks stellen. Umso besser wird uns das gelingen, wenn der Magen so einiges aushält. Ab und zu tut da ein Schluck vom Enzian gut, aber ohne Alkohol.

Enzian-Tee für den Magen:

Die zerkleinerte Wurzel vom Gelben Enzian wird frisch oder getrocknet in der Menge eines halben Teelöffels mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. Dann 3 Stunden lang ziehen lassen und abseihen. Tagsüber soll man immer wieder einen Schluck davon nehmen, um den Magen zu stärken. Dafür darf man als Trinkgefäß ruhig auch ein Stamperl verwenden ;-)