Beerige Naturkraft

Der Weißdorn im Winter

Vor kurzem machte eine Schlagzeile die Runde, die mit dem Aufwachen der Bären Aufsehen erregte. Meister Petz hat anscheinend genug von der ausgekosteten Winterruhe und versucht nun, sich durch die Ernährung für den kommenden Frühling fit zu machen. Im Reich der Kräuter müssen wir momentan niemanden aufwecken oder verköstigen. Noch ruht die Vegetation und wartet auf weit wärmere Zeiten. Doch bis in die schneeliefernden Monate November und Dezember hinein war es möglich, die Früchte von den Weißdornhecken (Crataegus) zu ernten. Selbst entdecke ich diese roten Gaben noch da und dort an den Zweigen der Sträucher, wenn ich einen Gang durch die Natur mache. Der Weißdorn zählt zu den Rosengewächsen und ist in unseren Breiten relativ häufig an Waldrändern und entlang von Hohlwegen und Böschungen zu entdecken. Er bietet den Vögeln und Kleintieren einen idealen Unterschlupf und liefert für diese eben auch ein kulinarisches Angebot in Form der Beeren. Im Weißdorn steckt durchaus eine Kraft, und zwar in allen seinen nutzbaren Teilen, zu denen ebenso die Blüten und die Blätter zählen. Die Praxis der ländlich gepflogenen Naturheilkunde hat im Laufe der Jahrhunderte heurausgefunden, dass sich die Inhaltsstoffe für den Bereich Herz und Kreislauf als unterstützend und aufbauend erweisen. Daher ist es nur folgerichtig, wenn es auch gut aufbereitete pharmazeutische Produkte vom Weißdorn gibt. Hier möchte ich einmal mehr darauf hinweisen, dass man sich in Sachen Herz ohnehin einer guten und regelmäßig erstellten ärztlichen Diagnose unterziehen sollte. Und wenn es dann passt und angebracht erscheint, steht einem die Möglichkeit offen, auch die begleitende Hilfe der Natur in Anspruch zu nehmen. Der Weißdorn bietet eben seine Früchte feil, um uns darin zu unterstützen.

Tee aus Beeren

Von gut ausgereiften und bis nach den ersten Frösten zu erntende Früchte des Weißdorns bedient man sich der gut durchgetrockneten Ware. Eine Menge von 2 Teelöffeln voll zerstößt man zuerst, bevor man sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießt. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Am Tag 2 Tassen Weißdorntee trinken, um so einen schwachen Kreislauf zu unterstützen und das Herz vor allem im fortgeschrittenen Alter zu stärken.

Weiߟdornzweig mit Früchten (Crataegus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Verwerten statt wegschmeißen

Gilt auch für Hagebutten

Die Problematik mit den Abfallprodukten menschlicher Zivilisation ist nichts Neues. Immer wieder hat man sich darüber den Kopf zerbrochen, wie man vor allem Ballungszentren und Städte von dem frei bekommt, was Leute nun einmal tagtäglich entsorgen. Darüber gibt uns schon die antike Literatur der alten Römer Auskunft. Und es wird immer schwieriger und kostenintensiver, Müll zu lagern, zu verbrennen oder bestenfalls zu recyceln. Im Umgang mit Kräutern und Früchten hat es sich seit jeher bewährt, damit sparsam und sinnvoll umzugehen. In den Hagebutten finden wir ein besonders gutes Beispiel dafür. Die Früchte der Hundsrosen sind ja ohnehin vielen bekannt. Den meisten steht dabei wohl die Verwendung als Tee vor Augen, den ich durchaus wärmstens empfehlen kann. Gewiss sind die darin enthaltenen Fruchtsäuren nicht jedermanns Geschmack, aber dennoch benötigen wir gerade im Winter die Vitamine, die eben auch in den Hagebutten gespeichert sind. Was der Mehrheit wahrscheinlich mehr mundet, das ist die Marmelade, die aus den roten Gaben der Rosenstauden eingekocht wird. Und manchmal nimmt man lediglich das Fruchtfleisch der Hagebutten her, um etwa ein Mark herzustellen, das man ebenfalls kulinarisch sehr gut zum Einsatz bringen kann. Dabei bleiben jedoch Rückstände übrig, die für gewöhnlich im Eimer für den Biomüll oder auf dem Komposthaufen im eigenen Garten landen. Konkret meine ich die Haut und die Kerne, die sich als gewinnbringend für den Organismus erweisen können, wenn man sie dementsprechend aufbereitet. Das ist dann in gewissem Sinn ein Recycling auf natürliche Art.

Unterstützung für die Nieren

Wenn beim Verarbeiten von Hagebutten Kerne und Hautstücke von der Frucht übrigbleiben, werden diese vor dem Aufbewahren getrocknet. Für einen Tee nimmt man dann 2 Teelöffel davon, die man mit 1/4 Liter kochendem Wasser aufgießt. 15 Minuten ziehen lassen und hernach abseihen. Etwas Zitronensaft beigeben und schluckweise trinken. Der hohe Anteil an Kieselsäure, der sich in diesem Absud befindet, kann sich förderlich auf schwache Nieren auswirken. Außerdem enthalten die Hagebuttenkerne noch natürliches Vanillin.

Hagebuttenfrüchte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vom Rachen bis zum Darm

Der Heilziest als Hilfe

Kräuterwanderungen sind etwas Wunderbares. Für mich persönlich ist es immer schön und bereichernd, sich zusammen mit einer Schar von Interessierten auf den Weg zu machen, um bei schönem Wetter die Wiesen, Wälder und Ufer entlang der Thaya aufzusuchen, deren Lauf nach unüberschaubarer Zeit das nördliche Waldviertel mit einem lieblich anmutenden Tal beschenkt hat. Dort herrschen auch wesentlich geschütztere mikroklimatische Bedingungen als etwa auf den umliegenden Hochplateaus. Und genau das mag der Heilziest (Betonica officinalis). Da diese Pflanze nicht so bekannt ist, soll sie hier ein wenig beschrieben werden. Der Lippenblütler Heilziest – auch Echte Betonie genannt – ist auf trockenen Wiesen, auf Waldlichtungen und an sonnigen Hängen anzutreffen. Das ausdauernde Kraut wird ca. 50 cm hoch und besitzt einen aufrechten, kaum verzweigten und kantigen Stängel, der ganz oben einen ährenartigen lila bis rosa gefärbten Blütenstand trägt. In den Monaten Juli und August kommt er zu seiner vollen Entfaltung. Das ist dann auch die Zeit, in der man das blühende Kraut etwa handbreit über dem Boden abschneidet, zu kleinen Bündeln vereint und kopfüber an einem luftigen und zugleich schattigen Ort zum Trocknen aufhängt. Seit jeher wurde der Heilziest zur Unterstützung der Gesundheit herangezogen, scheint in unserer Zeit jedoch eher in Vergessenheit geraten zu sein. Die Heilwirkung des Ziests lässt sich jedoch durchaus heute noch zum Einsatz bringen, indem man das getrocknete Kraut dazu verwendet, um einen Tee damit aufzugießen. Dieser eignet sich vor allem als Spül- und Gurgelmittel bei infektiösen Herden im Mund- und Rachenbereich. Zugleich kann er auch als Trank dienen, wenn man unter Durchfall leidet.

Heilziest-Tee zubereiten

Vom getrockneten und zerkleinerten blühenden Kraut des Heilziests nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Danach durchaus länger als üblich – also 20 bis 25 Minuten – zugedeckt ziehen lassen, damit sich die Inhaltsstoffe der Pflanze gut herauslösen können. Nach dem Abseihen ist der Tee gebrauchsfertig. Bei Entzündungen auf der Mundschleimhaut und am Zahnfleisch regelmäßig damit gurgeln. Bei Durchfall den Tee schluckweise trinken, am besten 1- bis 3-mal am Tag.

Echter Heilziest oder Betonie (Betonica officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mit neuem Schwung

Rosmarin macht munter

Eine Woche hat nur sieben Tage. Das ist durchaus gut so, denn alles, was länger wäre, würde nur wieder dazu verwendet werden, um noch mehr Leistung aus uns herauszuholen und das sogar in der Popmusik einst besungene Bruttosozialprodukt zu steigern. Und ein Tag dauert eben nur 24 Stunden lang. Nichtsdestotrotz kennen wir alle das Phänomen der Müdigkeit aufgrund unseres ohnehin möglichen Einsatzes in Beruf und häuslicher Arbeit. Im Rosmarin (Rosmarinus officinalis) begegnen wir einem Heilkraut, das uns durchaus dabei helfen kann, uns wiederum neuen Schwung zu verschaffen, wenn man sich nach getaner Arbeit eher niedergeschlagen und antriebslos fühlt. Aber manchmal kann es ja vorkommen, dass man gerade am Abend noch einmal in wachem und vor allem ausgeglichenem Zustand sein sollte, egal ob es für eine gemütliche Zusammenkunft oder eine Besprechung in einem Verein oder dergleichen ist. Der Rosmarin, der zu den Lippenblütlern zählt, hat quasi die Fröhlichkeit für sich gepachtet. Denn Dunkelheit und Kälte meidet er. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet, das sich ursprünglich eher in der westlichen Hälfte des Mittelmeerraumes erstreckte, kann man davon ausgehen, sich mit den negativen Folgen eines langen und schneereichen Winters nicht auseinandersetzen zu müssen. Vielmehr regieren dort Sonne und Wärme das Wettergeschehen der meisten Monate. Und das wirkt sich folglich auch positiv auf das Gemüt aus. Der Rosmarin birgt in seinen Blättern eine reiche Zahl an ätherischen Ölen und weiters noch Gerbstoff, Flavonoide und Saponine. Insgesamt kann man von diesem heiteren Lippenblütler durchaus behaupten, dass er die Durchblutung in unserem Körper zu forcieren weiß. Und das bewährt sich gerade dann, wenn man sich eher schlaff und abgespannt fühlt. Also, man kann es einmal probieren, einen Teeaufguss äußerlich anzuwenden, um erneut auf Touren zu kommen.

Tee als Waschung

Von den getrockneten Blättern des Rosmarins nimmt man 2 Esslöffel voll und übergießt sie mit 1/2 Liter kochendem Wasser. Danach 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, ehe man den Aufguss abseiht. Bei Schwächezuständen wäscht man mit dem so gewonnenen Tee das Gesicht, die Hände und die Füße kräftig ab, um wieder wacher und besser gestimmt zu werden. Diese Maßnahme bewährt sich auch bei niedrigem Blutdruck und bei Wetterfühligkeit. Schwangere sollten den Rosmarin jedoch meiden.

Rosmarin mit Blütendetails (Rosmarinus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mit sanfter Wirkung

Ein Kräuteröl mit Goldrute

Auf freiem Markt herrscht eine ständige Abwechslung. Immer dann, wenn z. B. auf speziellen Messen in den gutbesuchten Hallen die aktuellsten Produkte vorgestellt werden, dann ist das jedes Mal eine neue Sensation, die logischerweise medial ausgeschlachtet wird. Das bringt aber einen immensen Druck für Entwickler und Verkäufer mit sich, die ja stets bei diesem Wettlauf vorne mit dabei sein wollen. Ganz im Gegensatz dazu steht das Altbewährte. Die heimische Goldrute (Solidago virgaurea) hat sich z. B. seit Jahrtausenden wohl kaum verändert. Dieser schöne und wertvolle Korbblütler hat höchstens seinen Standort an von Menschenhand umgestaltete Landstriche angepasst. Die Gewöhnliche oder Echte Goldrute liebt die Nähe des Waldes und gleichzeitig einen mageren Boden als Untergrund. Dadurch, dass sie eben Jahr für Jahr emporwuchs und dann den Sommer über griffbereit zum Ernten dastand, sammelten unsere Altvorderen auch reichlich einen Erfahrungsschatz im Zusammenhang mit der Goldrute. Diese Tatsache gilt natürlich ebenso für praktisch alle hierzulande angestammten Heilpflanzen. Die Wirkstoffe eines Gewächses, die in den einzelnen Pflanzenteilen in höherer oder geringerer Konzentration vorkommen, lassen sich nicht bloß durch einen Aufguss oder eine Abkochung herauslösen. Manchmal kann es ebenso dienlich sein, ein qualitätsvolles pflanzliches Öl als Träger einer Heilwirkung herzustellen und zu verwenden. Das darf übrigens ohne Bedenken jetzt im Winter vollzogen werden, da man auf die getrocknete Ware der Goldrute zurückgreifen kann. Anlässe dafür können Entzündungen im Halsbereich oder Beschwerden in der Blasengegend sein.

Goldrutenöl äußerlich verwenden

Von den getrockneten und zerkleinerten Blütentrieben der Echten Goldrute nimmt man eine Menge von 100 g. Diese wird in einem weithalsigen weißen Glasgefäß mit 1 Liter kaltgepresstem Olivenöl übergossen. Danach verschließen und 14 Tage lang auf einer Fensterbank mit Sonnenlicht stehen lassen. Dann abseihen, den Rückstand noch auspressen und das fertige Öl in braune Fläschchen abfüllen. Diese dunkel und kühl lagern. Das Goldrutenöl bei Bedarf wie etwa Halsschmerzen, Blasen- und Nierenleiden für begleitende äußerliche Einreibungen heranziehen.

Echte Goldrute (Solidago virgaurea) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Morgentee für die Gesundheit

Lediglich mit Löwenzahn

Die vegetationsarme Zeit lässt einerseits die Seele zur Ruhe kommen, weil man nicht nur das alltägliche Leben vermehrt in die geheizte Innenwelt der Häuser verlegt. Das lichtarme und meteorologisch kalte Ambiente regt auch dazu an, besinnlicher und ruhiger zu werden. Andererseits wächst zudem die Sehnsucht nach Wärme und Sonne, nach blühenden Wiesen und duftenden Gärten. Um dieses Streben gleich sinnvoll zu nutzen, sollte man einmal mehr an die Kräuter denken, die jeder wiederkehrende Frühling samt dem anschließenden Sommer feilbietet. Da fällt mir als erstes der Löwenzahn (Taraxacum) ein, dessen leuchtende Blüten ganze grüne Breiten im Handumdrehen gleichsam vergolden können. Wenn das in ein paar Monaten der Fall sein wird, gibt es z. B. für die Bienen kein Halten mehr, weil die Löwenzahnpracht auch etliches an Nahrhaftem für die Waben abwirft. Doch kehren wir vom gedanklichen Schwärmen wieder in die Gegenwart zurück, die dafür genutzt werden kann, um den Körper fit zu halten und die inneren Organe mit all den guten Inhaltsstoffen, die Kräuter parat haben, zu ertüchtigen. Wenn vom Löwenzahn die Rede ist, so sind Bitterstoffe das Naheliegende, das man dabei in Erwägung zieht. Es gilt durchaus als wissenschaftlich erwiesen, dass die Verwendung des Korbblütlers einen äußerst positiven Einfluss auf die Tätigkeit und die Beschaffenheit der Leber mit sich bringt. In Zeiten nach den Feiertagen rund um Weihnachten, Silvester und dem Epiphaniefest (im Volksmund als Dreikönigsfest bezeichnet) hat man es sowieso oft nötig, den Organismus zu entschlacken und die Immunkraft erneut auf Vordermann zu bringen. Da bietet es sich förmlich an, den Löwenzahn in seiner nun habhaften getrockneten Form herzunehmen. Am besten tut man das gleich nach dem Aufstehen, um gut in den Tag zu starten.

Noch vor dem Frühstück

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Löwenzahns nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Bleibt genug Zeit, so trinkt man den Tee ungesüßt vor dem Frühstück, ansonsten eben während der ersten Mahlzeit des Tages. Dies unterstützt das Entschlacken des Körpers und wirkt sich auch klärend auf die Haut aus. Durchaus bis zu 3 Wochen lang praktizieren.

Löwenzahn mit Wurzel (Taraxacum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für den Magen

Ananasfrüchte für die Verdauung

Ohne die alten Zeiten über Gebühr verherrlichen zu wollen, war es doch etwas ganz Besonderes, wenn man gerade während der Winterszeit ganz bewusst so manches exotische Obst kredenzt bekam. Vor allem Orangen und Mandarinen waren der Hit im Obstkorb. Datteln und getrocknete Feigen ergänzten das Angebot. Hat Vater oder Mutter gar eine Ananasfrucht (Ananas comosus) aus der Familie der amerikanischen Bromeliengewächse mit nach Hause gebracht, dann hat man geschaut, dass man auf jeden Fall ein Stück von dem saftigen Fruchtfleisch abbekam, um so den rasch vorübergehenden Genuss wirklich auskosten zu können. Aber wie gesagt, die Zeiten haben sich geändert. Es ist nicht zuletzt dem allgemein vorherrschenden Wohlstand zu verdanken, dass wir praktisch das ganze Jahr auf ausländisches Obst zurückgreifen können, ohne auf die Idee zu kommen, dass dies fast eine Sensation ist. Auch wenn sich in diesem Zusammenhang viele Fragen auftun, die sowohl die Produktion als auch den Transport betreffen, so möchte ich an dieser Stelle auf die Vorzüge hinweisen, die wir dem Verzehr von Ananasfrüchten entnehmen können. Dabei fällt der heutige gesundheitliche Fokus auf den Magen, der eine wichtige Funktion innerhalb unserer physischen Lebensvollzüge einnimmt. Denn wenn dieser nicht in geregelten Bahnen seinen Dienst vollzieht, kann in der Folge die Kraft, die in der konsumierten Nahrung steckt, ganz schlecht an den Organismus weitergeleitet werden. Im Magen werden die Säfte produziert, die dazu dienen, die Speisen so zu zerlegen, dass hernach im Durchlaufen des Darmes alles verarbeitet und in Verwertbares und wieder Auszuscheidendes getrennt werden kann. Die Ananas enthält selbst Säuren und Enzyme, die sich förderlich auf die Bildung der nötigen Säure im Magen auswirken. All jene, die eine schwache Verdauung aufweisen, können also die Unterstützung aus Übersee in Anspruch nehmen.

Frischer Genuss

Oft werden in Konserven eingelegte Ananasscheiben angeboten. Um den Magen in seinem Ausscheiden an nötigen Verdauungssäften zu unterstützen, sollte man jedoch auf frisch aufgeschnittene Ananasstücke zurückgreifen. Am besten nimmt man ein wenig davon schon vor den Mahlzeiten zu sich und greift erneut als Dessert auf die Ananas zurück. Generell sollte man aber bei länger anhaltenden Problemen mit dem Magen eine gründliche medizinische Untersuchung durchführen lassen.

Ananas (Ananas comosus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beruhigung für das Herz

Baldrian hat sich bewährt

Vieles spielt im menschlichen Leib zusammen und hält so das physische Leben aufrecht. Es wäre daher schade, ein Organ oder einen ganzen Teilbereich der Physis für sich alleine zu betrachten. Denn immerhin sind wir als Menschen keine bloße Maschine, die man beliebig oft zerlegen und dann wieder zusammensetzen könnte. Eine Komponente darf zusätzlich nicht außer Acht gelassen werden: die Psyche bzw. die emotionalen Regungen, die ihren Niederschlag am Körper finden. Der Baldrian (Valeriana officinalis) veranlasst mich heute, dieses Vernetzt-Sein einmal mehr aufzuzeigen und in Erinnerung zu rufen. Verschiedenste Umstände können bekannter Weise dazu führen, dass wir mit den Nerven in einen angespannten Zustand gelangen. Was vor allem darauf reagiert, das ist unser Herz mit seiner schnelleren Tätigkeit, die wir ganz einfach auch an unserem Puls ablesen können. Jedoch ist es nicht bloß damit getan. Immer wieder mahnen die Ärzte eine gründliche Untersuchung des Herzens ein, die dazu führt, dass wir über die tatsächliche Beschaffenheit des stetig pumpenden Muskels Bescheid wissen. Umso vorausschauender ist es, gesund zu leben. Das betrifft die Ernährung gleichermaßen wie auch die täglich durchgeführte Bewegung bei einem Spaziergang oder einer nicht allzu herausfordernden sportlichen Aktivität. Im Baldrian haben wir zusätzlich einen pflanzlichen Partner, der uns hilft, die Nerven zu unterstützen, wenn es gilt, sich gegen eine allzu hohe Anspannung derselben zu wappnen. Unsere älteren Generationen wussten, dass in der Natur einiges zu finden ist, das sich beruhigend auf den Leib und ebenso auf das psychische Grundgerüst auswirkt, u. a. auch der Baldrian.

Hausmittel für die Nerven

Von getrockneten und zerkleinerten Wurzeln der Baldrianpflanze nimmt man ca. 30 g und übergießt sie mit 1 Liter Weißwein. Danach gut verschlossen 2 Wochen lang stehen lassen. Zuletzt abseihen, in dunkle Flaschen abfüllen und kühl lagern, am besten in einem Kühlschrank. Bei Verträglichkeit von Alkohol nimmt man von diesem Bladrianwein bei Bedarf täglich 2 Likörgläser voll zu sich, um die Nerven zu stärken und gleichzeitig die Tätigkeit des Herzens zu unterstützen.

Baldrian (Valeriana officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Heilsame Würze

Estragon auch in Teeform

Manchmal genügt es nicht, das alltägliche Einerlei zu konsumieren. Dann und wann braucht es den richtigen Pep, um etwas interessant und außergewöhnlich zu machen. Dieser Drang besteht nicht etwa bloß bei jungen Menschen, die erst ihren richtigen Geschmack oder ihren individuellen Stil finden wollen. Seit jeher gibt es das Bestreben bei Alt und bei Jung, sich mit dem Einfachen nicht zufrieden zu geben. Auf dem Gebiet des Gaumens kommt es daher oft darauf an, wie man eine Speise würzt. Im Estragon (Artemisia dracunculus) begegnet uns ein seit jeher beliebtes Küchenkraut, das durchaus fähig ist, das eine oder andere Gericht noch besser schmecken zu lassen. Am ehesten ist uns dieser Korbblütler wahrscheinlich noch in Verbindung mit einer gewissen scharfen Note eines Senfs bekannt. Doch schauen wir einmal auf die Pflanze selbst. Die buschige weit verzweigte Staude wird bis zu 1,5 Meter hoch. Im Garten baut man den Estragon an einem geschützten sonnigen Platz an, der einen humusreichen und zugleich durchlässigen Boden aufweist. Das regelmäßige Gießen trägt dann zusätzlich zu einem guten Gedeihen des Küchengewürzes bei. In der Regel schneidet man eben im Sommer die voll entwickelten Triebe ab, um sie im Halbschatten bei zugiger Luft zu trocknen. Damit erhält man eine gute Reserve für die kalte Jahreszeit. Man braucht jedoch die Verwendung des Estragons nicht bloß auf die Küche oder die Speisekammer beschränken, wenn es z. B. gilt, Suppen abzuschmecken oder Gurken einzumachen. Seine gesundheitsfördernde Wirkung kann darüber hinaus dienlich sein, um den Appetit anzuregen und die Tätigkeit der Nieren zu unterstützen. Vor allem bei älteren Menschen kommt es vermehrt zu überschüssigen Wasseransammlungen, die nach Möglichkeit wieder verringert werden sollten.

Tee aus Estragon

Vom getrockneten und zerkleinerten Kraut des Estragons nimmt man bloß 1 Teelöffel voll und übergießt ihn mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Am Tag kann man 2 Tassen davon ungesüßt trinken. Bei schwachen Nieren oder bei Wassersucht ist es möglich, dies als begleitende Maßnahme durchzuführen. Dazu ist es aber notwendig, zuvor den ärztlichen Rat einzuholen, um nicht etwa die Nieren über Gebühr zu beanspruchen.

Estragon (Artemisia dracunculus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vorbeugung und Begleitung

Gurgelmittel aus Erlenrinde

Es geht eindeutig bergauf! Zumindest mit der Ausbeute des vorhandenen Tageslichtes. Dieses steht uns nun wieder in je größerem Umfang zu Verfügung, je höher die Anzahl der Kalendertage für das neue Jahr steigt. Und das wirkt sich nicht bloß auf das humane Gemüt aus. Wer noch viel intensiver mit dem Lauf der Gestirne und den Gegebenheiten der direkten meteorologisch beschaffenen Umgebung korrespondiert, sind die Pflanzen in der freien Natur. Mit dem Blick auf das Frühjahr rüsten sich z. B. auch die Schwarzerlen (Alnus glutinosa) für ihr erneutes Blühen und Anlegen des notwendigen Blätterkleides. Dieser Prozess ist zwar von außen nicht sichtbar, beginnt aber nun bereits unter der Rinde vonstatten zu gehen. Und genau diese Veränderung macht es interessant, sich die äußerste Schicht auf fingerdicken – also jungen – Ästen nutzbar zu machen. Wenn man die Rinde erntet, so schält man diese in Streifen von den Zweigen, um sie zu Hause bei guter Wärme gründlich zu trocknen. Hernach bewahrt man sie am besten in einem verschlossenen Gefäß auf, damit die Ware nicht noch einmal feucht wird und sie sodann für den weiteren Gebrauch untauglich wäre. Die Rinde der Erlen birgt ebenfalls wie manch andere Baumarten viele Gerbstoffe in sich. Somit besitzt sie einen zusammenziehenden Effekt, der sich gerade auf die sensiblen Zonen unserer Haut bzw. auf den Schleimhäuten im Mund- und Rachenbereich positiv auswirken kann. Also sollte man es durchaus ausprobieren, die Erlenrinde anzusetzen und danach für die weitere Verwendung aufzubereiten. Da sich Erlen sehr gut von Natur aus verjüngen und sich gern vermehren, ist deren Bestand bei uns nicht gefährdet. Es versteht sich wohl von selbst, dass man die Rinde nur von dünnen Zweigen großer und älterer Exemplare abnimmt.

Rinde aufkochen

2 Esslöffel voll zerkleinerter getrockneter Erlenrinde werden in 1/2 Liter kaltem Wasser 1 Stunde lang angesetzt. Danach kurz aufkochen und ca. 15 Minuten ziehen lassen. Letztlich abseihen und bei Erkältung, Halsschmerzen und Heiserkeit damit gurgeln. Übrigens erweist sich diese Abkochung auch als hilfreich in Form einer Hautabreibung, wenn man eine gute Ausheilung von Narben fördern möchte.

Schwarzerle (Alnus glutinosa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya