Ein weiteres Licht aufstecken

Mit der Königskerze guten Mutes sein

Das Dekorieren von Auslagen, Versammlungsräumen oder des eigenen vertrauten Heimes verlangt gerade in der Advents- und Weihnachtszeit viel an Phantasie, Gespür und Intuition. Gewiss werden hierfür den Ausführenden genügende im Handel erhältliche Utensilien angeboten. Dennoch soll es am Ende auch dem Auge gefallen und dem Anlass entsprechen. Den Leib und die Seele sollten wir bei diesen Überlegungen auf keinen Fall ausklammern. Und daher plädiere ich für eine pflanzliche Beigabe ganz eigener Natur, die im übertragenen Sinn Licht in die Vorweihnacht bringt. Ich denke hier an die Große Königskerze (Verbascum thapsiforme). Wir finden sie in ihrer wilden Form auf Schuttplätzen und Erdaufschüttungen, ebenso auf Kahlschlägen. Ihr Verbreitungsgebiet zieht sich über das gesamte Europa. Die Königskerze zählt zu den so genannten Rachenblütlern und wächst zweijährig. Im ersten Jahr treibt sie eine spindelförmige Wurzel samt einer Rosette grundständiger Blätter, aus der sich im zweiten Jahr ein graugrüner, wolliger Stängel erhebt, aus dem dann die goldgelben Blüten aufbrechen. Ab Juli erntet man die Blumenkronen samt den Staubblättern und lässt diese behutsam im zugigen Schatten trocknen. Die geerntete Droge wird hernach lichtgeschützt aufbewahrt. Nun ist es an der Zeit, diese Ressourcen zu nutzen. Bei hartnäckigem Husten, die mit einer Verschleimung der Bronchien einhergeht, kann es durchaus empfehlenswert sein, sich des Öfteren eine Tasse Tee aus den Blüten aufzubrühen. Die Königskerze steht aber auch dem Gemüt und dem damit eng in Verbindung stehenden persönlichen Wohlbefinden zu Diensten. Wenn die Tage nun ganz kurz sind und vielleicht so manch hartnäckiger Nebel den Frohsinn außen vor lässt, ist es womöglich sehr ratsam, sein Inneres mit einem Heilkraut gleichsam zu dekorieren und im übertragenen Sinne die Königskerze als Lichtbringer aufzustecken.

Tinktur mit Königskerzen

Eigentlich benötigt man dazu nur zwei Zutaten: 25 g getrocknete und zusätzlich zwischen den Fingern zerkrümelte Blüten der Großen Königskerze und 1/4 Liter 70%igen Ansatzalkohol. Beides zusammen lässt man 14 Tage lang in einem verschließbaren Glasgefäß ziehen. Danach gut filtrieren, abfüllen und kühl lagern. Von dieser Tinktur kann man 3-mal täglich ein paar Tropfen (15 bis max. 20) zusammen mit 1 Esslöffel voll Wasser zu sich nehmen, um so das Gemüt zu erhellen.


Königskerze ⓒ wikimedia.commons





Blass und dennoch gesund

Chicorée stärkt die Leber

Die Frage, die nun im Hinblick auf die Kräuter vermehrt gestellt wird, ist jene, was man denn speziell im Winter für seine Gesundheit tun könnte. Darauf gibt es in erster Linie Antworten, die sich auf den Bereich der Atemwege bzw. auf den Schutz vor grippalen Infekten beziehen. Es versteht sich wohl von selbst, dass hierbei noch viel mehr Aspekte Berücksichtigung finden dürfen. Mir schwebt daher heute ein Gemüse vor, das gerade in der kalten Jahreszeit einen wertvollen Beitrag zu leisten vermag. Sein Name ist Chicorée und verweist somit auf seine ursprüngliche Form in Gestalt der Gemeinen Wegwarte (Cichorium intybus). Diese Zuchtform ist womöglich eine Hilfe auf dem Weg zu einer gesünderen und leichteren Ernährung. Wer damit noch keine Bekanntschaft gemacht hat, sollte sich durch eine geschmackliche Herausforderung nicht davon abschrecken lassen, es einmal auszuprobieren. Die Bitterstoffe, die in den Blättern enthalten sind, motivieren nicht unbedingt den Gaumen, Chicorée tagtäglich auf den Tisch zu stellen. Dennoch zahlt es sich aus. Mitte des 19. Jahrhunderts züchteten einige Gärtner eher durch Zufall aus eingelagerten Wurzeln der Wegwarte (Cichorium intybus) das heute durchaus gebräuchliche Gemüse. Wer schon Erfahrung damit hat, der weiß, dass man die Wurzeln ähnlich wie die Karotten in einem Keller im Sandbeet einlagert. Aus den verbleibenden Herzblättern über der Wurzel treibt dann ein salatähnlicher Kopf, der aufgrund des Lichtmangels ziemlich blass aussieht. Das gibt einen Verweis auf uns Menschen, die wir in unseren Breiten ja auch nicht unbedingt im Winter von der Sonne verwöhnt werden. Gerade dann, wenn wir dadurch eine hellere Haut tragen, kommt uns das Chicorée-Gemüse zu Hilfe. Unter der wie auch immer beschaffenen physischen Schutzhülle warten genügend Bereiche und Organe, die sich auf eine wirkungsvolle Unterstützung freuen.

Die Bitterkeit auskosten

Den Bitterstoffgehalt von Chicorée herabzusetzen, wie etwa deren Stangenenden abzuschneiden und auszuhöhlen, bedeutet, die Wirkkraft des gesunden Wintergemüses zu vermindern. Wer die Tätigkeit der Leber positiv stimulieren und den Gallenfluss anregen möchte, sollte durchaus dem vorerst befremdenden Geschmack etwas abgewinnen. Daher sollte man das bittere Gemüse „ungeschminkt“ in bewältigbaren Rationen zu sich nehmen, um den ganzen Organismus in seiner Vitalität zu unterstützen.


Chicorée ⓒ wikimedia.commons





Reparaturarbeiten im Bauch

Mit dem Kalmus vorankommen

Das verantwortungsvolle Umgehen mit dem wertvollen Rohstoff Wasser zeigt sich hierzulande u. a. in einer flächendeckenden Errichtung und Betreibung von Kläranlagen. Der gewiss hohe finanzielle Aufwand macht sich letztendlich in einer stetigen Steigerung der Qualität unserer stehenden und fließenden Gewässer bemerkbar. Das Kanalsystem der Siedlungen ermöglicht dies. Ohne Kontrolle und gelegentliche Reparatur kommt dort allerdings manches ins Stocken. In unserem Bauch spielt sich das auf ähnliche Weise ab. Der Kalmus (Acorus calamus) ist jedenfalls ein Gewächs, an dem schon viele Generationen vor uns erkannt haben, dass er für die Gesundheit und das Wohlbefinden einen nicht zu geringen Wert besitzt. Über die Handelswege gelangte der Kalmus aus dem Fernen Osten bereits im 16. Jahrhundert westwärts, so dass er ebenfalls in Europa gepflanzt und genutzt wurde. Eine Umfrage nach der anderen bestätigt je neu, dass wir Europäer – und im Speziellen die Österreicher – die Ernährung nicht unbedingt nach den vernünftigsten Maßstäben zu gestalten pflegen. Das System unserer Verdauung wird in der Folge naturgemäß mehr als notwendig strapaziert. Generell sind wir in dieser Beziehung meist übersäuert. Einen Überschuss an Magensäure kennen wohl auch viele unserer Mitbürger. Im Darm wiederum können sich darüber hinaus Gärprozesse entwickeln, die ihrerseits zu einem Unwohlsein und zu unangenehmen Blähungen führen. In der Apotheke der Natur steht sehr wohl auch dafür etwas bereit. So gesehen dürfen wir uns erneut auf den Kalmus und seine Wurzeln besinnen und ihn samt seinen Bitterstoffen für ein Austarieren der Verdauung heranziehen. In Verbindung mit diesem gottgeschenkten Gewächs hebt sich dann erneut die Qualität unseres Befindens und somit unseres Daseins inmitten einer adventlich hektischen Zeit.

Kalmuswurzeln aufbereiten

2 Teelöffel voll getrockneter und zerkleinerter Wurzeln des Kalmus aus der Apotheke werden in ¼ Liter kaltem Wasser 1 Stunde lang angesetzt. Beides zusammen anschließend kurz aufkochen und 5 Minuten ziehen lassen, bevor man den Tee abseiht. Bei einem Überschuss an Magensäure und einem „gärenden“ Darm empfiehlt es sich ganz besonders, diese Abkochung schluckweise zu trinken. Das geschieht am besten vor den Mahlzeiten.


Kalmus ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Linderung unter dem Wasserspiegel

Beifuß und Eibisch machen es möglich

Unter dem Begriff „Wellness“ lässt sich vieles subsumieren. Im Grunde genommen kann es nur recht sein, wenn es dahingehende Angebote touristischer und gesundheitsfördernder Einrichtungen gibt, die vielen im wahrsten Sinne des Wortes zugute kommen. Irgendwo schwingt aber dabei auch ein wenig der Beigeschmack von Luxus mit, der in Verbindung mit hohen Geldsummen steht, die sich jedoch immer weniger leisten können. Lasst uns daher nach dem Ausschau halten, was in den eigenen vier Wänden möglich ist. Dort hinein sollten wir auch dem Beifuß (Artemisia vulgaris) und dem Eibisch (Althaea officinalis) Einlass gewähren, die zu den wertvollen Heilkräutern zählen. Der Gemeine Beifuß gehört zu den Korbblütlern und ist ein Bitterstoffträger, weil er mit dem Echten Wermut eng verwandt ist. Der Eibisch wiederum nennt die Malven seine Verwandten und ist bekannt als schleimstoffhaltiges Gewächs. Nun gibt es sehr viele Möglichkeiten der Anwendung, zu denen man beide heranziehen kann. Jedoch lassen sich diese Pflanzen ebenso in Kombination gut gebrauchen, um sich mit ihrer Hilfe etwas Gutes zu tun, wenn Schmerzen aufgrund diverser Ursachen im Leib den Ton angeben. Die Gelenke und Glieder machen sich auf diese Weise nach einer anstrengenden Tätigkeit bemerkbar. Oder es ist eine Abnützung derselben, die sich vermehrt zu Wort meldet. Nicht zuletzt tragen Rheuma und Gicht das Ihre bei, dass die Betroffenen von Wellness gar nicht zu träumen vermögen. So gesehen ist es ratsam, etwas zu unternehmen, um das Empfinden der Schmerzen zu reduzieren und den Bruder Leib auf seine Rechnung kommen zu lassen. Aus diesem Grund möchte ich den Leidenden wieder einmal ein Bad zur Linderung der Beschwerden ans Herz legen.

Bad mit Beifuß und Eibisch

Vom getrockneten und zerkleinerten Kraut des Beifußes nimmt man eine Menge von 75 g und ebenso viel von einem Gemisch aus Blättern und Blüten des Eibischs. Beides zusammen wird in 2 bis 3 Liter kaltem Wasser zugestellt und gut erwärmt, jedoch nicht zum Kochen gebracht. Dann zugedeckt 1/2 Stunde ziehen lassen und hernach erst abseihen. Den Kräuterrückstand extra noch auspressen und das Resultat all dessen dem Badewasser in der Wanne beimengen. 20 Minuten über die Haut badender Weise einwirken lassen. Das tut dem ganzen Organismus gut und lindert allfällige Schmerzen der Gelenke und Glieder.


Eibischblütenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Beifußzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Händen dienen

Kamille für die strapazierte Haut

Angesichts einer stetig voranschreitenden Automatisierung der Herstellung verschiedenster Güter und Waren bleibt bei allem Respekt vor einer gewinnsteigernden Rationalisierung doch so manches auf der Strecke. Dazu möchte ich darauf verweisen, dass der Schöpfer den Geist des Lebens in erster Linie den pflanzlichen und tierischen Wesen eingehaucht hat und nicht zuletzt seinem persönlichen Ebenbild, dem Menschen. Das lässt sich unmöglich auf noch so ausgeklügelte technische Einrichtungen übertragen. Die Hände vieler Talentierter sind es, die letztendlich die gewünschte Qualität bei vielem liefern. Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist übrigens auch ein Kunstwerk Gottes, das sich gut in die Schar der heilsam wirkenden Kräuter einreiht. Die meisten von uns haben ja diese Pflanze in Form einer aufbereiteten Droge in ihrer Hausapotheke eingelagert und denken dabei vor allem zu Recht an ihre beruhigende und verdauungsanregende Wirkung. Wenn es einem schlecht geht, soll eben die Kamille ein Scherflein dazu beitragen, dass sich so manche missliche Situation wiederum zum Besseren wendet. Heute möchte ich jedoch sozusagen außen vor bleiben und einmal auf die Hände schauen, deren Wert bereits eingangs bedacht wurde. Die Haut, die unsere Greiforgane überzieht, ist wohl am meisten von allen Partien unserer äußeren Schutzschicht sich stets verändernden Milieus ausgesetzt. Da wechselt man schnell vom Trockenen ins Nasse, wenn es gilt, die Hände zu waschen und zusätzlich noch zu desinfizieren. So könnte man eine ganze Litanei an Verrichtungen aufzählen, die unmittelbar die befingerten Arm-Enden betreffen. Im Zuge der abendlichen Körperpflege kann man daher ruhig noch eins draufsetzen, um eben bewusst den Händen einen Dienst zu erweisen.

Hände mit aufgesprungener Haut

Ein Kamillentee lässt sich sehr leicht zubereiten und bedarf hier keiner detaillierten Beschreibung. Mit diesem Absud kann man eine geeignete Menge dafür verwenden, um vor dem Schlafengehen darin in aller Ruhe die Hände zu baden, vor allem dann, wenn diese eine rissige und aufgesprungene Haut aufweisen. Diese Maßnahme kann man eine Zeitlang durchführen, um einen spürbaren Erfolg zu erzielen.


Kamille ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Erinnerung an den Himmel

Der Sternanis unterstützt die Gesundheit

Viele Texte der Lieder, die sich über die Liebe auslassen, strapazieren dieses Bild: jemandem die Sterne vom Himmel holen zu wollen. Das mag wohl ein frommer Wunsch bleiben, denn viel besser scheint es mir, dass sich die leuchtenden Gebilde des Alls auf ihrem Platz befinden und sich bloß in Schlager-Zeilen auf unsere Erde zubewegen. Immerhin haben wir doch in der Pflanzenwelt etliche Symbole, die auf die Lichter am klaren Nachthimmel verweisen. So will ich diesmal aus einer derartigen Sammlung den Sternanis (Illicium verum) herausgreifen, der es von seiner Bezeichnung her nahelegt, eine besondere Form des Anis (Pimpinella anisum) zu sein. Das täuscht jedoch. In Wirklichkeit existiert eine eigene botanische Baumfamilie, eben die so genannten Sternanisgewächse, deren Vertreter vor allem in tropischen Zonen des Ostens angesiedelt sind. Die Früchte des Echten Sternanis sind es, die wir im Handel vorfinden und deren wir uns ruhig bedienen dürfen, um auch so manche weihnachtliche Köstlichkeit als Backware oder als Dessert auf dem Tisch geschmacklich aufzubessern. Die anscheinend einander widersprechenden Wirkkräfte dieses Gewürzes, das mit seinem Aroma dem Fenchel und eben dem namensgebenden Anis sehr nahe kommt, sind einerseits anregend und andererseits beruhigend. Das Erstgenannte betrifft u. a. die Sekretion des Magensaftes, der für eine gründliche und gute Verdauung verantwortlich ist. Zudem wird die Abgabe des Harns gesteigert, was wiederum eine gründlichere Abfuhr von schädlichen Stoffen aus dem Körper mit sich bringt. Und andererseits wirkt der Sternanis kalmierend auf die Nerven. Das ist in den Zeiten des Advents sicher mehr von Nöten, als uns das in unserem Innersten lieb und recht sein kann. Im Geheimen darf man sich ja denken, wenn man das asiatische Gewürz verwendet: heute hole ich mir, einem ans Herz gewachsenen Menschen oder einfach meinem Leib die Sterne vom Himmel! Immerhin ist doch auch der Sternanis eine Gabe des Schöpfers.

Gesundheitsfördernde Beigabe

Hier ein kleiner Tipp, der womöglich beim Sinnieren über das passende Würzen einer Speise hilfreich sein kann. Die Sternanis-Samen eignen sich durchaus als Beigabe zu Wurzelgemüse, Pflaumenmus oder im Ansatz von verschiedenen Likören. Bei Süßspeisen und dem saisonell vermehrt produzierten Backwerk kann der Sternanis ebenso mit von der Partie sein. Es kommt auch hierbei nach den Weisungen des Paracelsus auf die Dosis an, die durchaus keine hohe sein muss, um den Magen zu unterstützen und die Nerven zu stärken.


Sternanis ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beschränktes Sprechen

Heiserkeit und die Vogelbeeren

Mehr Menschen als erwartet haben sich bei der letzten Wahl, bei der es um unser künftiges Staatsoberhaupt ging, beteiligt. Entgegen aller Prognosen ging ein hoher Prozentsatz der Stimmberechtigten zur Urne, um aktiv mitzuentscheiden. Jetzt im Winter kann es jedoch aus einem ganz anderen Grund vermehrt vorkommen, dass jemand seine Stimme abgibt. Das Wechseln zwischen kalter und warmer Luft fordert manchmal ganz schnell seinen Zoll und ein Kratzen im Hals verrät sofort, was Sache ist. Die Ebereschen (Sorbus aucuparia) sind in dieser Hinsicht eine wertvolle Hilfe. Normalerweise schätzen wir diese Bäume als Alleeexemplare entlang der Straßen und Wege. Sie sind ebenso beliebte Gartenbäume. Da doch ihre korallenroten Früchte ab dem Reifestadium einen schönen Blickfang darstellen und zudem nach dem Abwerfen des Laubes und dem Eintreffen von Väterchen Frost vermehrt von hungrigen Vogelschnäbeln heimgesucht werden, zumal der Tisch anderswo immer kärglicher gedeckt ist. Die Menschen hingegen haben schon seit vielen Generationen die Vogelbeeren, wie die Ebereschen auch gerne bezeichnet werden, zu verarbeiten gesucht. Von Marmelade über Mus landet man schlussendlich beim klaren Brand, der bei besonderen Anlässen gerne kredenzt wird. Heute jedoch sind wir auf der Suche nach einem probaten Mittel, das uns hilft, unsere Stimme und somit das ungestörte Sprechen und Singen wiederzuerlangen, weil eben durch die Heiserkeit sich all das nur ziemlich eingeschränkt vollziehen lässt. Gewiss ist das vermehrte Schweigen in diesem Falle durchaus angebracht. Dennoch gibt es immerhin die Ebereschen, die gerade dann sehr dienlich sein können.

Früchtetee zum Gurgeln

Bei Heiserkeit ist es gut, von der letzten Vogelbeerernte noch genügend Reserven zu besitzen. 2 Handvoll der entstielten, getrockneten Beeren werden in 1 Liter kaltem Wasser angesetzt, um sie darin auf Sparflamme ca. 1 Stunde lang kochen zu lassen. Danach einfach abseihen und den Vogelbeeren-Tee in eine Thermosflasche füllen. Über den Tag verteilt kann man jeweils einen Mundvoll entnehmen, um damit kräftig und ausgiebig zu gurgeln. Danach den Tee wiederum ausspucken und nicht trinken. Das kann einer heiseren Stimme erneut auf die Sprünge helfen.


Eberesche oder Vogelbeere ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Deftiges für den Magen

Mit Kräutern gut abfangen

Manchmal kommt es mir vor wie ein spannendes Bühnenstück oder ein aufregender Film, wenn die Erzählungen von einem Treffen von Freunden memorierend referiert werden, die des Abends begonnen haben und dann aufgrund der guten Stimmung einige Stunden in den neuen Tag hineinragten. Die Schauspieler sind in diesen Erinnerungen nicht bloß die einzelnen Personen, sondern auch der unweigerlich kredenzte gute Schluck und die vorzüglichen Speisen. Gar nicht so selten tritt dabei zu vorgerückter Stunde die legendäre Eierspeis’ auf, die schnell zubereitet werden kann. Gewürze sollten dabei auf keinen Fall fehlen. Den Kräutern darf ebenfalls eine Rolle zukommen, die durchaus tragend werden kann. Die Liste der hierbei Mitspielenden ist mit fünf Akteuren leicht aufgezählt. Es sind dies der Quendel, der Beifuß, der Ysop, der Rosmarin und der Salbei. Und es tut übrigens bei ihrer Präsenz nichts zur Sache, zu welcher Tages- oder Abendzeit die Eierspeise konsumiert wird. Generell gilt es, bei der täglichen Ernährung darauf zu achten, den Magen, die Bauchspeicheldrüse, die Leber, die Galle und schließlich den Darm nicht alleine zu lassen. Und oft wird ihnen mehr als genug zugemutet. Das manifestiert sich in der Folge keineswegs bloß in der Zunahme des eigenen Körpergewichts samt dessen Umfang, sondern auch in Leiden und Symptomen, die signalisieren, dass man sich zu einseitig und eben zu deftig ernährt. Im Quendel finden wir nicht nur ein Gewürz vor, sondern vielmehr einen Unterstützer der Immunkraft. Die Bitterstoffe des Beifußes trimmen Galle und Leber. Der Rosmarin tut dem Blut gut, das als Transportmittel im Organismus unerlässlich ist. Der Ysop und der Salbei wiederum tragen die im Garten aufgefangene Sonne ins Innere des Leibes. Alles in allem ein brauchbares und gesundes Zutun beim Essen wohlschmeckender Speisen.

Eierspeis-Gewürz

Von den getrockneten, zerkleinerten und letztendlich zerriebenen Kräutern nimmt man folgende Mengen: 5 g Quendel, jeweils 3 g von Beifuß und Ysopkraut, schließlich noch je 2 g Rosmarin und Salbei. Durch das Beigeben dieser Gewürzmischung wird die Freigabe der Verdauungssekrete ab der Mundhöhle bis zum Darm auf eine natürliche Weise angeregt und somit der Körper unterstützt, um so manches schwere Gericht besser zu verarbeiten. Dieses Gewürz kann auch bei anderen Speisen zum Einsatz kommen.


Beifußzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Quendelzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Ysopzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine weitere Tür öffnen

Schlüsselblumen machen Heilung zugänglich

Es ist nun schon etwas spät, um danach zu fragen, ob Sie zu Hause einen Adventkalender hängen oder stehen haben. Der Countdown in Richtung des Heiligen Abend läuft ja bereits und die Zeit, um Vorbereitungen für das Fest des Schenkens und der Freude zu treffen, wird immer weniger. Vielleicht wachsen manchen die Angelegenheiten, die noch zu erledigen sind, ein wenig über den Kopf. Die Duftende Schlüsselblume (Primula veris) schaut bei ihrem alljährlichen Austreiben aus der Erde darauf, dass sie den Überblick behält und hat allein schon in ihrer Wuchsgestalt gegenüber den anderen Frühkeimern einen höhenmäßigen Vorrang. Und womöglich sollen wir genau darin einen Verweis entdecken, den wir im Advent für unsere Gesundheit nutzbringend umsetzen dürfen. In zweierlei Hinsicht kann dies mit Erfolg gekrönt sein. Aufgrund der in den Schlüsselblumen enthaltenen Schleimstoffe wissen wir, dass es bei entzündeten Atemwegen ganz gut tut, diesen Effekt für die Lockerung des innensitzenden Schleimes anzuwenden. Und dann sind es noch die Nerven, die vor allem bei Stress jeglicher Art am meisten beansprucht werden. Ihnen kommt ebenfalls eine Unterstützung zugute, die in den gelben Blüten der Himmelschlüssel drinnen steckt. Es liegt wohl auf der Hand, dass man nun, da der Frühling noch Monate auf sich warten lässt, selbstverständlich die getrocknete Kräuterdroge der Blüten der Schlüsselblumen heranzieht. Diese sollten in keiner pflanzlich gestalteten Hausapotheke fehlen. Andernfalls kann man ja auf das Angebot zurückgreifen, das in den Apotheken und im einschlägigen Fachhandel zur Verfügung steht.

Tee in Stresszeiten

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern und Blüten der Duftenden Schlüsselblume nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/Liter kochendem Wasser. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. In den Abendstunden vor dem Schlafengehen getrunken, hilft das bei angespannten Nerven, bei Schlafstörungen und selbst bei Migräne. Ebenso wirkt der Himmelschlüssel-Tee lindernd bei Blähungen und starkem Husten. Übrigens kann man die Blütendroge auch mit anderen getrockneten Kräutern der eigenen Wahl zu einer Mischung zusammenstellen.


Schlüsselblume mit Details ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Entweder im Vorübergehen

Oder Maronen im eigenen Heim genießen

Seiner Zeit voraus zu sein, ist sicher da und dort erstrebenswert. In wirtschaftlich angespannten Phasen kann dies durchaus von Nutzen sein. Das belegen unzählige Beispiele von innovativen Erfindungen und Projekten, die ökonomisch gesehen oft reiche Frucht abwarfen. Doch im Hinblick auf das laufende Jahr plädiere ich eher, mit dem Fortschreiten der Wochen und Monate konform zu gehen, weil das viel mehr unserer physischen Natur entspricht. Die Maroni (Castanea sativa) und ihre Aufbereiter in Form von beherzten die Bratkessel bedienenden Zeitgenossen gehören zumindest im städtischen Ambiente zum voll im Gange sich befindlichen Advent dazu. Die Rede ist natürlich von den Edelkastanien, die im Gegensatz zur Rosskastanie zu der Baumfamilie der Buchengewächse zählen. Den Schatten dieser im Alter sehr groß wachsenden Individuen kann man hierzulande aber nur in klimatisch sehr milden Zonen in der östlichen Steiermark oder im Burgenland bzw. in Niederösterreich genießen. Andernorts wird sich der Maroni-Baum angesichts rauerer Temperaturen nicht wohl fühlen, da er eindeutig ein mediterraner Geselle ist. Wer vielleicht meint, dass die mehligen Früchte aus den handwärmenden Stanitzeln auf den Christkindlmärkten womöglich zu sehr der eigenen Gewichtszunahme auf die Sprünge helfen würden, den kann ich beruhigen. Da gibt es viel gefährlichere Kalorienbomben als die Edelkastanien. Nein, im Gegenteil: wenn nun schon ihre Saison läuft und wir ohnehin viel zu oft den Organismus durch unsachgerechte Ernährung übersäuern, sollten wir die Gelegenheit nicht missen, zeitbedingt in die Gegenrichtung zu steuern. Tu dir also was Gutes und greife öfters zu Maroni!

Mit Edelkastanien entsäuern

Geröstete Maronen (also Edelkastanien) können direkt unterwegs bei einem Gang durch die Stadt genossen werden. Sie lassen sich aber auch zu einer wohlschmeckenden Pastete verarbeiten. Diese dient unter anderem als Brotaufstrich. Edelkastanien sind reich an Basen und können vor allem Gicht- und Rheumaleidenden im wahrsten Sinne des Wortes wärmstens empfohlen werden. Leicht umzusetzende Rezepte für Gerichte aus Maroni wie eben die Pastete gibt es zuhauf in Buchform oder sind ganz schnell im Internet abrufbar.


Edelkastanie oder Maroni ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya