Gute Ware von draußen

Spitzwegerich und Kornblumen aufbrühen

Beim Stichwort Erntezeit fällt einem meist das Getreide ein, das bereits größtenteils zum Lagern aufgeschüttet wurde, da die Mähdrescher das Ihre erledigt haben. Golden liegen jetzt die Felder da und erinnern im Sonnenschein an eine blonde Stoppelfrisur. Wenn es nun auf Maria Himmelfahrt zugeht, tritt ebenfalls ein anderes Einbringen und Aufbewahren in den Vordergrund: die Kräuter sollten in ihrer Fülle dankbar von Mutter Natur entgegengenommen werden. Dabei handelt es sich genauso wie bei Korn und Sonderfrucht um eine gute Qualität, die Gesundheitsbewusste verwenden dürfen. Im Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und in der Kornblume (Centaurea cyanus) begegnen uns immerhin zwei Vertreter aus dem Reich der Heilpflanzen, die einerseits sehr üppig auf den Fluren wachsen und die andererseits einen hohen Bekanntheitsgrad genießen. Sie stellen durchaus so etwas wie ein wertvolles Produkt dar, um das sich der Mensch jedoch keine große Mühe zu machen braucht, weil sie recht unkompliziert und anspruchslos dort keimen und wachsen, wo der Plan des Schöpfers ihnen den Platz zugewiesen hat. Dieser Sachverhalt spiegelt sich auch in der Heilwirkung wider, die wir als Profit für die Festigung unserer physischen Konstitution lokal betrachtet von draußen in unser Heim transferieren dürfen. Von der Kornblumen-Blüte, die in Teemischungen häufig als Schmuckdroge Verwendung findet, kennen wir den straffenden und stärkenden Effekt für unsere Haut. Jene, die übrigens auf der Kopfhaut mit Schuppen ihre liebe Not haben, können sich die Haare durchaus des Öfteren mit einem Absud der blauen Kronblätter waschen. Beim Spitzwegrich wissen wir, dass er die körpereigene Kunst des Heilens unterstützt, da er wiederum seine immunstärkende und sogar antibakterielle Wirkung für uns Menschen nicht für sich behält. Diese gute Ware, die wir also in den beiden wegbegleitenden Pflanzen quasi direkt vor der Haustür stehen haben, sollten wir wertschätzend aufbewahren und von Zeit zu Zeit nutzbringend aufbereiten.

Spitzwegerich und Kornblumen als Bad

Von den getrockneten Blättern des Spitzwegerichs, die wohlweislich in zerkleinerter Form zur Verfügung stehen sollten, nimmt man 100 g und von den getrockneten Blütenblättern der Kornblume lediglich 50 g. Beides abmischen und mit 2 Liter kochendem Wasser übergießen. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen, ehe man den Absud abseiht und in die gefüllte Badewanne gießt. Ca. 15 Minuten darin baden. Mit dieser Anwendung wappnet man den ganzen Körper gegenüber krankheitserregenden Keimen und erhöht so seine Widerstandskraft, die er besonders in meteorologischen Übergangszeiten verstärkt benötigt.


Spitzwegerich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Insekten auf Abstand halten

Sich ätherischer Öle bedienen

Sommer, Sonne, Sonnenschein sind nicht nur einprägsame Worte eines Songtextes, sondern Realitäten, die hierzulande so manches an Annehmlichkeiten nach sich ziehen. Wer im eigenen Land den Urlaub verbringt, weiß diese Umstände besonders zu schätzen. Gott geb’s, dass ebenso die heurige Getreideernte davon profitiert und in höheren und klimatisch raueren Lagen gut zu Ende geführt werden kann. Doch so sehr uns die Wärme in verträglichem Ausmaß gut tut, fühlen sich auch andere Lebewesen dieser unserer schönen Welt dabei sichtlich wohl. Die Insekten verschiedenster Art nützen die höheren Temperaturen, um auf energiesparende Weise ihre Population zu erhalten bzw. zu vermehren. Dabei machen sie verständlicherweise nicht vor geöffneten Fenstern und Türen halt. In Bezug auf die ätherischen Öle, die sich in manchen Pflanzen und Kräutern befinden, haben sie durchaus eine andere Meinung als wir Zweibeiner. Es kann daher von Vorteil sein, wenn man diesen Sachverhalt bereits vor einem Spaziergang über Felder und Wiesen oder durch ein Stück Wald bedenkt. Der Duft des Lavendels schmeichelt zwar der menschlichen Nase, hilft aber gleichzeitig mit, Fliegen, Gelsen und sogar Zecken auf Distanz zu halten. Mithilfe eines Lavendel-Ölauszuges kann man sich dieser Wirkung bedienen, indem man vor dem Fortgehen in Gottes freie Natur sich Pulsstellen, Achseln, Hand- und Kniebeugen damit einreibt. Hat man jedoch eine unliebsame Begegnung mit fliegenden Plagegeistern in Form von Einstichen hinter sich, so behilft man sich am besten mit einem Arnika-Hautwasser, das man auf den betroffenen Stellen als abheilende Einreibung verwendet. Im eigenen Heim wiederum sorgen so genannte Fliegengitter für eine verlässliche Barriere gegenüber den fliegenden und surrenden Heerscharen. Dort, wo diese nicht angebracht werden können, wirken sich ätherische Öle als Ausladung auf die Insekten aus.

Ätherischer Insektenschutz

Diese Mischung hat sich schon oft bewährt, wenn es gilt, eine duftende Abwehr gegenüber Mücken, Fliegen und Co aufzubauen. Darin sind folgende Öle ätherischer Konsistenz enthalten: Lavendelöl, Nelkenöl, Citronellöl und Geraniumöl. Diese Zusammenstellung verbreitet einen angenehmen Geruch, den eindringende Insekten jedoch entgegengesetzt empfinden. In einer Duftschale am Fensterbrett beträufelt man einen Wattebauschen von Zeit zu Zeit, um die erwünschte Wirkung aufrecht zu erhalten. Zu finden und zu bestellen unter www.kraeuterpfarrer.at oder telefonische Beratung unter 02844/7070 – DW 11 od. 31.


Lavendel grüner Buschen mit Blüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Katzen auf die Sprünge helfen

Arnikatinktur nach der Kastration

Die Tierliebe wurde mir gleichsam in die Wiege gelegt. Am Land aufgewachsen, war alles, was da kreucht und fleucht, sehr bald Gegenstand meines alltäglichen Interesses. Im elterlichen Garten, bei Onkel und Tante am Bauernhof oder als Begleiter einer waffenlosen Pirsch mit meinem Vater, der Waidmann war, bot sich mir ein je neu faszinierender Kontakt mit Gottes schöner Schöpfung. Das Haustier Katze, dem der heutige Weltkatzentag gewidmet ist, teilt mit mir ebenfalls eine Vorliebe dieser Art, nämlich die Ornithologie. ;-) Vorerst einmal soll jedoch die Arnikapflanze (Arnica montana) im Vordergrund stehen. Sie zählt zu den ausdauernden Korbblütlern. Obwohl sie einen hohen Bekanntheitsgrad genießt, kann sie in freier Natur ganz leicht mit anderen ähnlich aussehenden Blumen wie etwa manchen Gemswurz- oder Alantarten sowie dem Wiesenbocksbart verwechselt werden. Ihre Blüten sind orangegelb gefärbt und in der Erscheinung außen zungenförmig und innen röhrenförmig. Die gesamte Pflanze erreicht eine Wuchshöhe zwischen 20 und 50 cm. In ihrer Heilwirkung gibt sie sowohl heilungsfördernde und entzündungshemmende als auch kreislaufanregende und nervenstärkende Kräfte weiter, sobald diese therapeutisch oder begleitend zum Einsatz kommt. Unser Tagesregent Katze ist eine wahre Bereicherung für die engere private Lebenswelt derer, die eine entsprechende Verantwortung für das schnurrende Haustier übernehmen. In den meisten Fällen gehört es ebenfalls dazu, dass eine Kastration vorgenommen wird. Dieser Eingriff, den unsere Tierärzte professionell und kompetent durchführen, bedeutet jedoch für die vierbeinigen Krallenträger eine große Herausforderung, nach der sie sich wiederum neu orientieren und auch physisch zurechtkommen müssen. Das Heilgewächs Arnika ist hierbei eine pflanzliche Hilfe, welche die Katzen wiederum in eine bessere Zukunft blicken lässt.

Arnikatinktur nach Kastrationen:

Bereits zubereitete Arnikatinkturen kann man im Fachhandel erwerben. In Eigenregie herstellen bedeutet, dass man lediglich von Gartenpflanzen die abgezupften Blütenblätter 14 Tage in sehr hochprozentigem Alkohol ansetzt und dann verdünnt, da die wildwachsenden Arnikabestände unter Naturschutz stehen. Nach der Kastration einer Katze sollte man 5 Tage lang bloß 3 bis 5 Tropfen der Tinktur ins Trinkwasser oder unter das Futter mischen, um die Tiere dadurch beim Überwinden des Operationsschocks bzw. beim Heilungsprozess zu unterstützen.


Arnika ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Sachte den Tag eröffnen

Mit Melisse den Sonntag einläuten

Pausen tun prinzipiell gut. Wenn auch die Woche über stets Erwartungen uns von einem Arbeitsvorgang zum nächsten drängen und eins nach dem anderen abgehakt werden kann, so darf dieser Rhythmus durchaus eine wohltuende Unterbrechung erfahren. Das ganze sollte sich aber nicht nur im Kopf abspielen, sondern der Leib muss in gleicher Weise davon etwas zu spüren bekommen. Es ist die Melisse (Melissa officinalis), die vielen von uns wohlbekannt ist. Sie lockt nicht nur Menschen, sondern auch nektarhungrige Bienen an, die sich von den Blüten des duftenden Krautes den erhofften Nährstoff abholen. Das Aroma des Lippenblütlers tut uns ebenso gut. Es reicht oft schon, das gewöhnliche Trinkwasser mit den Trieben des Gewächses anzureichern, um eine zwischenzeitliche Erfrischung zur Hand zu haben. Ihre Wirkkraft zielt vor allem auf eine ausgewogene Balance unserer Nerven und unserer kognitiven Vorgänge ab, wofür wir uns gerade an einem freien Tag ruhig Zeit nehmen dürfen. Gewiss wollen nur allzu viele auf einen muntermachenden Kaffee des Morgens nicht verzichten, um gleich von aller Früh weg voll da zu sein. Dennoch darf man es ebenso ausprobieren, einmal ein Heilkraut gleichsam zum Frühstück einzuladen, um mit diesem die erste Zeit des Tages zu verbringen. Die Melisse eignet sich für diese sachte Weise, den Tag zu eröffnen, ganz hervorragend. Übersehen wir dabei ebenfalls nicht den Umstand, dass unser Körper oft zusätzlich herausgefordert wird, da wir uns mit den diesjährigen sommerlichen Wetterbedingungen vergleichsweise in einer meteorologischen Hochschaubahn zwischen Hochs und Tiefs durchmanövrieren müssen. Hierfür sollten wir auch ein Kraut zu Hilfe nehmen, das uns eine innere Festigung und eine stärkende Ausgeglichenheit zu erlangen hilft.

Melissentee am Morgen

Ein strapaziertes Gehirn und angespannte Nerven brauchen ebenso wie wir als Ganze Erholung, Ruhe und Entspannung. Zur Abwechslung darf daher statt des allmorgendlichen Kaffees eine Schale Melissentee mithelfen, die physische und psychische Tüchtigkeit zu stabilisieren. Im herkömmlichen Heißaufguss zubereitet, sollte der Tee bei entsprechenden Trinktemperatur schluckweise getrunken werden, damit die ausgleichende Wirkung des Melissenkrautes bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen werden kann.


Melisse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Auf zur fröhlichen Jagd

Wermut und die Blattläuse

Es besteht immer noch die Möglichkeit, das allgemeine Bewusstsein und das Umdenken vieler dahingehend zu fördern, dass sie uns insgesamt dazu anleiten, möglichst behutsam mit der den Erdenbürgern anvertrauten Schöpfung umzugehen. Das betrifft natürlich in erster Linie unsere Weise, wie wir die Pflege der Pflanzen im eigenen Garten oder in der Landwirtschaft handhaben. Da ist es nun einmal nicht egal, wie viel Chemie den Boden oder das Blattwerk bzw. die Früchte berührt! Bitterkräuter, wie der Echte Wermut (Artemisia absinthium) eines ist, tragen ebenso etwas dazu bei, dass unser Geist wacher und aufmerksamer wird. Grund dafür ist die Reaktion der Zellen, die mit der durchaus auch sinnlich wahrnehmbaren Bitterkeit, die allen Pflanzenteilen des Wermuts innewohnt, in Verbindung steht. Die Sorge um den eigenen Körper wollen wir jedoch für heute einmal dahingestellt lassen. Wenn es den Gartenliebhabern ein Anliegen ist, ihre Beete möglichst naturnah zu bearbeiten und vielmehr zu behandeln, dann stellt sich spätestens beim Auftreten der oftmals geschmähten Schädlinge die Frage, wie man ihnen beikommen kann. Welche Kräuter eignen sich also, damit sie dahingehend aufbereitet werden können, um ein Rausschmeißer für Blattläuse & Co zu werden? Um diese Frage zu beantworten, brauchen wir uns gar nicht vom Wermut zu entfernen. Jener Korbblütler stellt ja ohnehin als Wegumrandung oder als Teil eines bunten Kräuterbeetes ein schmuckes Element im grünen Paradies vor der Haustür dar. Das beste ist es in diesem Fall also, gleich die vorhandene Ware zum Einsatz kommen zu lassen, wenn uns ein von chemischen Pestiziden freier Garten am Herzen liegt.

Wermut-Tee für die Gießkanne

Um im Garten gegen Blattläuse erfolgreich vorzugehen, kann man das Wermutkraut aufbereiten. Als Richtlinie gilt dabei, dass man für eine Menge von 10 Liter Wasser jeweils 300 g frisches oder 50 g getrocknetes Kraut benötigt. Für die tatsächlich vorgesehene Menge an derartiger Flüssigkeit braucht man dieses Verhältnis lediglich umrechnen. Einen Tee im Heißaufguss herstellen und abkühlen lassen. Als Schädlingsbekämpfung kann man ihn nun in Form einer unverdünnten Wurzelgießung zur Anwendung bringen oder ihn leicht verdünnt auf das oberirdische Blattwerk sprühen.


Wermut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bring Farbe ins Leben

Der Blutweiderich steht zur Verfügung

Im Freien draußen bestimmt der Herrgott die Farbenlehre. Das kann ohne Umschweife behauptet werden, wenn man einfach offenen Auges einen Spaziergang macht und dabei auf die naturbelassenen Flächen blickt, die von einer Vielfalt an Gewächsen bevölkert wird. Das bunte Spektrum an Blüten beeindruckt ja nicht lediglich allein die Menschen, sondern sendet ebenfalls an die Insektenwelt werbende Signale aus. Auf dieser floralen Palette vermag man aufgrund seiner intensiv purpur-violett prangenden Blütenkerzen den Blutweiderich (Lythrum salicaria) leicht zu entdecken. In der Nähe von Gewässern und feuchten Gräben kann die oft hoch wachsende Heilpflanze angetroffen werden. Das Heilgewächs enthält wertvolle Inhaltsstoffe, die unserer Gesundheit zuträglich sind. Durch den hohen Anteil an Gerbstoff verwendete man früher die Blüten sogar dafür, um Leder in einen gebrauchsfähigen Zustand zu bringen. Der Name dieser Uferpflanze rührt vor allem von den blutstillenden Eigenschaften der einzelnen Pflanzenteile, deren sich unsere Vorfahren schon vor Jahrhunderten in Ermangelung chemisch-pharmazeutischer Hilfsmittel bedienten. In der angewandten Naturheilkunde geht es in erster Linie darum, unserem Körper in kleinen Mengen unterstützende Wirkstoffe zukommen zu lassen, die so die Gesundheit stabilisieren und festigen können. Auf Heilkräuter zurückzugreifen, wenn die imaginäre physische Ampel bereits auf Rot steht, ist reichlich spät und meist auch nicht mehr wirksam. Mit den Blüten des Blutweiderichs darf man hinsichtlich einer bewusst natürlichen Lebensgestaltung zweierlei verbinden: man kann im wahrsten Sinne der Wortes Farbe ins Leben bringen, die direkt mit guten gesundheitsfördernden Inhalten einer Wildpflanze gekoppelt sind.

Blutweiderichblüten als Schmuckdroge

Wer mit pflanzlichen Farbstoffen experimentieren möchte, sollte sich dabei nicht nur auf das Färben von Wolle oder Flachs beschränken. So manche Speise verträgt desgleichen einen bunten Akzent. Bereitet man z. B. Marmeladen, Gelees oder Kompotte aus den Früchten des Sommers zu, können in diesen Prozess ebenfalls frisch abgezupfte Blüten des Blutweiderichs eingebracht werden. Das zeitigt dann auch Folgen, die das Auge ansprechen. Gleichzeitig erfährt das körpereigene Immunsystem eine Unterstützung, wenn man mit dem Konsum der erwähnten Köstlichkeiten den Körper mit den Wirkstoffen des Blutweiderichs beschickt.


Blutweiderich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Frische aus dem Wald

Das Sanikelkraut stärkt die Haut

Fragen wir die Bibel nach dem eigentlichen Reichtum, so werden wir sicher nicht auf Geld, Wertanlagen oder Ländereien verwiesen. Ganz im Gegenteil wird uns das Unvergängliche, das Gott wirkt und schenkt, als erstrebenswert vor Augen gestellt. Dennoch besitzt auch die belebte Natur in ihrer Schönheit und Komplexität einen hohen Wert in der jüdisch-christlichen Weltanschauung. Immer stellt sie ebenfalls einen Fingerzeig des Schöpfers dar. Ich bezeichne gerne den Wald als Schatzkiste, die vielerlei in sich birgt, das uns hilft, das Leben zu meistern. Den Sanikel (Sanicula europaea) kann man durchaus als wichtigen Mosaikstein dieser Fülle ansehen. Zur Familie der Doldenblütler zählend, genoss er schon zur Zeit Hildegards von Bingen ein hohes Ansehen. Die kräuterkundige Benediktinerin empfahl das Sanikelkraut für das Ausheilen von Verdauungsbeschwerden. Aufgrund seiner Inhaltsstoffe wurde es darüber hinaus gerne zur Stärkung geschwächter Atemwege verwendet. Nicht minder lässt sich das Waldgewächs dazu heranziehen, um äußerlich dem Körper eine gesundheitsfördernde Unterstützung zukommen zu lassen, so z. B. im Falle von Blutergüssen, Quetschungen, Verstauchungen oder eitrigen Wunden. Eine Anwendung in Form eines Umschlags hat sich hierbei noch allemal als wohltuend erwiesen. Generell sollte man gerade in Sommerszeiten mehr Bedacht auf die Stärkung der Haut mithilfe natürlicher Mittel nehmen, die uns alljährlich durch den Reichtum der sich stets erneuernden Natur zur Verfügung stehen. Da unsere äußere Hülle mit Abstand das flächenmäßig größte Organ des Körpers darstellt, profitiert gleichzeitig alles, was darunter liegt, von einer sorgenden und vorbeugenden Zuwendung unsererseits.

Badezusatz mit Sanikel

Die beste Erntezeit der Sanikelpflanze ist ihre Blütezeit. Das abgeschnittene Kraut wird sorgfältig getrocknet, indem man es bündelweise an einem schattigen Ort kopfüber aufhängt. Von den hernach zerkleinerten Blättern und Trieben nimmt man 75 g und übergießt diese mit 2 Liter kochendem Wasser. Dann 30 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen, abseihen und den Tee ins Badewasser leeren. Um die Haut in einem schönen Outfit erscheinen zu lassen bzw. den Heilungsprozess derselben bei Hauterkrankungen zu fördern, genügt es einmal pro Woche ein Bad dieser Art zu nehmen.


Sanikel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Grüße aus Amerika

Ananas zum Magen schicken

So sehr die Medienwelt binnen kürzester Zeit revolutioniert wurde und somit per Tastendruck die Welt gleichsam zum Dorf verwandelt, haben hoffentlich traditionelle Weisen der Kommunikation dennoch nicht ausgedient. Vom Urlaub schicken viele von uns daher trotzdem immer noch gerne eine Ansichtskarte, um die Daheimgebliebenen ihres Gedenkens zu vergewissern. Die Ananas-Frucht (Ananas sativus) von Übersee als Mitbringsel bei der Rückreise im Gepäck zu haben, hat sich nicht nur aufgrund der verschärften Einfuhrgenehmigungen, sondern auch ob ihres täglich frischen Angebotes in den Einkaufsmärkten hierzulande erübrigt. Wer sich in Mittel- und Südamerika aufhält, ist sicherlich gut beraten, dort vor Ort möglichst viel frisches oder verarbeitetes Obst zu essen und zu trinken, wie es die einheimische und angestammte Bevölkerung zu tun pflegt. Das ist ein wertvoller Beitrag zu einer ausgewogenen und fettarmen Kost. Dem Genuss der Ananas kann man gleichzeitig hierzulande etwas Positives abgewinnen. Kaum einer wird das saftige und schmackhafte Fruchtfleisch verschmähen, das zur Aufbesserung so manchen Desserts dient oder darüber hinaus sogar auf der einen oder anderen Pizza wiederzufinden ist. Egal, um was es sich schließlich dabei handelt: es landet alles im Magen, um dort zur endgültigen Verdauung aufbereitet und weitergeleitet zu werden. Der menschliche Verdauungsmuskel stellt eine sensible Zone unserer Physis dar. Wir alle wissen nur zu gut, dass belastende und angespannte Situationen sich nicht nur auf das Herz, die Nerven oder die Schweißdrüsen auswirken, sondern dass gleichzeitig der Appetit dadurch eine Beeinträchtigung erfährt. Im Magen sollte ebenfalls der Verdauungssaft eine ausgewogene Konsistenz aufweisen. Da dies nicht immer der Fall ist, kann man mit der Ananas-Frucht in dieser Hinsicht ein wenig Nachhilfe leisten.

Den Magensaft verbessern

Wird im Magen zu wenig oder zu säurearmer Saft von den dafür zuständigen Drüsen abgegeben, so können die davon Betroffenen die nötige Balance dahingehend unterstützen, indem sie eine Zeitlang jeweils vor den Mahlzeiten eine Scheibe einer frisch aufgeschnittenen Ananasfrucht zu sich nehmen. Desgleichen ist es auch günstig, den reinen Presssaft in kleinen Mengen zu trinken.


Ananas ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Schlaf über die Haut unterstützen

Die Ringelblume einfach aufbrühen

Auch wenn manche unter der Hitze stöhnen oder viele von uns berechtigterweise die Gewitter fürchten, die nach einem heiß-schwülen Tag recht heftig ausfallen können: wir brauchen für unser Leben die Sonne. Und es werden auch wiederum dunklere und kältere Zeiten kommen, wo wir uns nach ihren Strahlen sehnen werden. Ein Kraut, das offenkundig eine gute Korrespondenz mit dem wärmenden Stern pflegt, ist die Ringelblume (Calendula officinalis). So nannte der Universalgelehrte und Dominikanerbichof Albertus Magnus sie bereits sponsa solis, das ins Deutsche übersetzt einfach Sonnenbraut heißt. Wer nun meint, dass wir als vernunftbegabte Erdenbürger in der Freundschaft zwischen der Ringelblume und dem Himmelskörper außen vor gelassen werden, der irrt. Denn es gehört, denke ich, zum naturheilkundlichen Allgemeingut, dass die tiefgelbe Blüte dieses Heilgewächses mannigfaltige heilsame Wirkungen zeitigt. Viele von den Kräuterfans kennen und schwören auf die Ringelblumen-Salbe. Dort, wo gerade der Körper zu Gange ist, um einen Verwundungszustand oder einen entzündeten Herd auszuheilen, wird sehr gerne die Sonnenbraut als Hilfe und Unterstützung herangezogen. Und somit sind wir einmal mehr an der Haut angelangt, die von Mensch zu Mensch eine unterschiedliche Konsistenz aufweist. Das betrifft nicht nur den Teint, sondern z. B. auch den jeweiligen Fettgehalt der äußersten Schutzschicht. Ist dieser Anteil recht hoch, kommt es auch leichter zu Verunreinigungen der Haut. In der Sorge um sein eigenes Äußeres kann es sogar der Fall sein, dass dies den Schlaf nur sehr seicht ausfallen lässt, weil eben das Selbstwertgefühl eine Verunsicherung erfährt. Daher rate ich, in diesem Fall ganz einfach zur Ringelblume zu greifen. Sie gibt gerne die Kraft der Sonne an jene weiter, die meinen, im Schatten der anderen zu stehen.

Körperabreibung am Abend

1 voller Esslöffel getrockneter Ringelblumen-Blütenblätter wird mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergossen. Beides zusammen 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Dann abseihen, den Tee temperieren lassen, einen Waschlappen darin tränken und den ganzen Körper damit abreiben. Das vermittelt gerade jenen, die unter einer fettigen Haut leiden, ein Wohlgefühl und fördert zudem einen tiefen und erholsamen Schlaf.


Ringelblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Rachenputzer sonniger Art

Den Ysop zum Gurgeln heranziehen

Eben noch ging ich in den Kräuter-Schaugarten in unserem Zentrum in Karlstein, um zu sehen, wie die Pflanzen den Hagelsturm, der nun bereits 11 Tage zurückliegt, überstanden haben. So sehr auch die meisten für das heurige Jahr entstellt und dadurch unbrauchbar wurden: einige haben es geschafft, mit mehr oder weniger Blättern und Blüten zu überleben. Zu den Lebenskünstlern dieser Art zählt gewiss der Ysop (Hyssopus officinalis). Dieser Lippenblütler ist ein Kind der Sonne, denn der mediterrane Raum ist sein eigentliches Zuhause. Sein heiteres Gemüt hat er von dort mitgenommen, als ihn die Mönche des Mittelalters auch weiter im Norden anpflanzten, so dass er heute ebenso bei uns in den Gärten zu finden ist. Die naturheilkundlichen Erfahrungen zeigen, dass bei trockenem Husten mithilfe des Ysops hartnäckiger Schleim besser abgehustet werden kann. Außerdem ist er ein Wärmespeicher, der diese Energie im übertragenen Sinne auch wieder abgibt, wenn man ihn als Gewürz oder als Heilpflanze verwendet. Vielleicht denkt in diesem Zusammenhang jemand gleich ans Schwitzen anlässlich des feucht-schwülen Wetters der letzten Wochen. Nun, der Ysop kann des weiteren einen Beitrag dazu leisten, dass sich auf unserer Haut die Schweißabsonderung in einem ausgewogenen Maß reguliert. So sehr aber das Äußere im Sommer Beachtung findet, darf doch auch der Rest unseres Körpers nicht vernachlässigt werden. Der Mund- und Rachenraum sollte in dieser Hinsicht ab und zu eine vermehrte Zuwendung erhalten, die über das Maß des Zähneputzens hinausgeht. Für diese Zwecke ist es nur recht und billig, den Ysop in greifbarer Nähe zu haben. Ohne viel Aufwand gelingt es damit, so manches kleinere Übel in Schach zu halten.

Ysop-Aufguss als Hausmittel

In 1/2 Liter kaltem Wasser stellt man 30 g von einem Ysop-Blätter-Blüten-Gemisch zu. Nun kocht man das Ganze kurz auf und lässt es ca. 10 Minuten lang zugedeckt ziehen. Abschließend abseihen. Wenn sich unangenehme Bläschen im Rachenbereich bilden bzw. das Zahnfleisch eine schwächliche Konstitution aufweist oder die Mandeln und der Hals entzündet sind, dann eignet sich diese Abkochung vorzüglich zum Gurgeln.


Ysop ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya