Ein sanftes Fasten

Den Körper mit Löwenzahn entgiften

Ohne Auto wäre ich aufgeschmissen. Sicherlich könnte ich den einen oder anderen zu fahrenden Kilometer auf andere Weise zuwege bringen. Es stehen mir jedoch am Land kaum Alternativen zur Verfügung, die mich zeitgerecht an die einzelnen Ziele bringen würden. Am Straßenrand wird bald der Löwenzahn die ersten Blätter wachsen lassen. Das fiele mir nicht auf, wenn ich mit meinem Gefährt nicht anhalten und aussteigen würde. Manchmal geht das gar nicht anders, wie etwa im Falle eines Staus. Nun, bei uns am Land komme ich gottlob selten in den Genuss des erliegenden Verkehrs. Das ist auf den massiv befahrenen Autobahnen in den und rund um die Ballungszentren schon ganz etwas anderes. Worauf möchte ich hinaus? Vieles in unserem Körper ist im Fluss. Ein ständiger Austausch ist auch im Großteil der Fälle ein Zeichen von gesundem Leben. Überall dort, wo diese Prozesse verlangsamt oder behindert werden, entsteht für unseren Organismus eine Gefahr, die über kurz oder lang die Existenz bedroht. Ganz eindeutig sichtbar wird das, wenn wir unser Augenmerk auf den Stoffwechsel lenken. Im Normalfall läuft dort alles seine geregelten Bahnen. Ein Zu-Schnell oder ein Zu-Langsam hat daher negative Auswirkungen. Bei Letzterem nimmt der Körper zu viele Giftstoffe auf, die eigentlich daraus abgeführt werden sollen. Das Fasten im Frühling hat einen positiven Effekt. Dem womöglich überlasteten Darm wird durch eine bewusste Ernährung geholfen, damit er seine eigentliche Funktion wiederum ausführen kann. Der Löwenzahn unterstützt ihn dabei und hilft obendrein der Leber, dem Blut erneut ein schönes Gesicht zu verleihen. Bleibt das Gift zu sehr in den verschiedenen Kreisläufen des Leibes, hat das Kopfschmerzen, überhöhte Reizbarkeit, Leistungsschwäche und Schwindelgefühle zur Folge.

Die Müllabfuhr Löwenzahn bereitstellen:

Folgende Kur hilft, das Blut zu reinigen und zu entgiften: täglich 3 Schalen Löwenzahnblätter-Tee zubereiten und trinken. Vorerst 3 Wochen lang. Nach einer Woche Pause wiederum 3 Wochen fortsetzen. Zusätzlich empfehle ich auch, jeweils 1 Esslöffel Selleriesaft dazu einzunehmen.

Löwenzahn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Kräuter als „Autostopper“

Die Königskerze darf ruhig „mitfahren“

Wie reagieren Sie, wenn am Straßenrand jemand steht und eindeutig signalisiert, mitgenommen werden zu wollen? Aufgrund negativer Erfahrungen ist es auf jeden Fall ratsam, sehr vorsichtig zu sein. Ich selbst hatte jeweils nur angenehme Zeitgenossen mit an Bord meines Autos, wenn es mir möglich war, einen Autostopper ein Stück weiter zu bringen. Nun, Heilkräuter sind da schon viel weniger bedenklich. Mit der ihr innewohnenden Heilkraft steht aber auch z. B. die Königskerze während des Sommers am Straßenrand und wartet darauf, mitgenommen zu werden. Obwohl es noch eine Zeit lang braucht, bis die frischen Blüten geerntet werden können, haben wir momentan ohnehin noch das getrocknete Erntegut des vergangenen Jahres zur Verfügung. Wir bezeichnen diese haltbaren Pflanzenteile auch gerne als „Droge“, die, richtig verwendet, keine körperschädigenden Folgen hat, sondern vielmehr den einen oder anderen Ausweg zu weisen vermag, der wieder in eine gesunde und heile Lebensführung einmündet. Nun kann sich der Mensch aber für verschiedene Weisen entscheiden, wie die positiven Kräfte der Heilkräuter an und in den Körper gelangen können. Es gibt da die unterschiedlichsten Transportmöglichkeiten, deren wir uns bedienen dürfen, um die Pflanzendrogen auch wirklich sinnvoll und effektiv zu nutzen. Von daher ist mir heute das Bild des Autostoppens in den Sinn gekommen. Vielleicht denken ja viele beim Stichwort „Königskerze“ nur an die Möglichkeit, die Atemwege in Folge einer Infektion wieder frei zu bekommen. Die Wollblume, wie das aufrecht wachsende Kraut auch genannt wird, vermag aber ebenso unser Gemüt zu festigen, wenn wir nach einer Krankheit erneut unsere Kräfte sammeln wollen.

Braten und Suppe anreichern:

Nach langwierigen Krankheiten oder einem Spitalsaufenthalt kann man das Essen beim Zubereiten mit Königskerzenblüten ergänzen. Pro Person gibt man eine Menge von 1 Esslöffel dieser getrockneten Droge in den Fleisch- oder Suppentopf. Das tägliche Essen wird so zu einer „Mitfahrgelegenheit“ der aufbauenden und gemütserhellenden Inhaltsstoffe der Königskerze.

Königskerze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Gute Vorzeichen setzen

Mit sinnvollen Gedanken in den Tag

Die Fastenzeit hat mit dem Aschermittwoch begonnen. Die christlichen Kirchen bereiten sich damit auf das Osterfest vor. Dabei soll es mehr um konkrete Schritte der Lebensführung gehen als um salbungsvolle Worte, die sich in der Luft des Alltags auflösen. Wenn da und dort nun die Heilkräuter zu wachsen beginnen, dann helfen sie dir und mir, dem Leib etwas Gutes zu tun. Und was ist mit dem Geist, was mit der Seele? Für mich persönlich artikulieren sich die pflanzlichen Lebewesen in meiner Umgebung durch die Sprache der Sinnbilder. Das heißt, dass ihr Erscheinungsbild mich anregt, über die verschiedenen Seiten des Lebens nachzudenken. Ich bleibe somit mit meinem Denken nicht an der Oberfläche, sondern nehme die Gelegenheiten wahr, die mir die Natur anbietet, um in die Tiefe des Sinns und des Seins nach meinen Möglichkeiten vorzudringen. In einem Gewächs steckt eben mehr als nur eine gewisse Anzahl an wie auch immer gearteten Inhaltsstoffen. In der vorösterlichen Bußzeit ist viel von Umkehr die Rede. Das alte griechische Wort „metanoia“ hierfür meint wörtlich ein Um-Denken, ein Anders-Denken. Erst, wenn sich mein Geist ändert, bekommt auch das Leben eine neue Richtung. Tagtäglich dringen ungezählte Eindrücke und Bilder auf mich ein. Ich kann kaum ein Medium öffnen, ohne dass nicht irgendeine Werbung mein Inneres zu erobern versucht. Ich kann aber den vom beinharten Markt begehrten Platz meiner Sehnsüchte schon besetzt halten. Gleich am Morgen etwas Sinnvolles lesen und einen ganz praktischen Kräutertipp aufgreifen, den ich bei Gelegenheit ausprobieren und umsetzen kann. Länger als die Fastenzeit dauert eine Hilfe, die einst Hermann-Josef Weidinger in mühevoller Arbeit zusammengetragen hat. Darin erweist sich die Einsicht, dass gute Gedanken und Heilkräuter ein durchaus gesundheitsförderndes Zusammenspiel ergeben können. Und das ist heilsam für Leib und Seele.

Guter Morgentipp als Buch:

Wir müssen nicht unser Hirn auspressen wie eine Zitrone, um einen sinnvollen Gedanken zu fassen. Im Buch „Guter Morgentipp vom Kräuterpfarrer“ ist dieses Frühstück schon angerichtet. Man braucht nur noch die Seiten aufschlagen und zu lesen. Und das jeden Tag des Jahres. Erhältlich im Kräuterzentrum in Karlstein/Thaya (448 Seiten zum Sonderpreis von nur € 19,90) unter Tel.-Nr. 02844/7070-11 oder E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at

Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Lange Nächte aufarbeiten

Unter anderem mit Dill

Im zurückliegenden Fasching hat man wohl oder übel die eine oder andere Einladung angenommen, obwohl man schon im Vorhinein wusste, dass beim Heimgehen bereits der Morgen grauen wird. Doch vielleicht kann man sich dessen gar nicht mehr entsinnen?!
Wenn ich mich viel weiter zurückerinnere, so zählt der Geschmack des Dillkrautes zu den selbstverständlichen sinnlichen Eindrücken meiner Kinderzeit. Nicht nur, dass die Gemüsebeete mit dem Dill (Anethum graveolens) bepflanzt waren, sondern auch, dass das „Dillkräutl“ beim Kochen und Einmachen sehr oft Verwendung fand. Bis heute liebe ich die Kombination der Düfte von frischen kleinen Gurken, Essig und eben Dill. Auf der Landkarte müssen wir in den Vorderen Orient gehen, wollen wir die Heimat der Dillpflanze finden. Dieses Doldengewächs hat einen runden hohlen Stängel, der dunkelgrün und weißlich gestreift ist und zarte bläuliche Flecken aufweist. Die kleinen Blüten sind dottergelb gefärbt und die Blätter des Dills mehrfach gefiedert. Steht das Gurkenkraut, wie der Dill auch genannt wird, einmal als stattliche Pflanze von einer Höhe bis über einem Meter da, kann man es aufgrund des charakteristischen Aromas leicht von anderen verwandten Pflanzen unterscheiden. Wer nicht schon vom Lesen einen wässrigen Mund bekommen hat, soll wissen, dass es auch zu den Wirkkräften des Dills zählt, den Appetit anzuregen.
Doch so richtig schmeckt es einem erst, wenn der Organismus seinen geregelten Tagesrhythmus haben darf. Wer sich also zu wenig Schlaf gönnt, aus welchen Gründen auch immer, der verlangt seinem Körper zu viel Energie ab. Unbemerkt schlägt sich das dann aufs Herz und unvermeidlich auf das äußere Erscheinungsbild des Gesichts. Dagegen ist man aber in der Regel nicht machtlos. Hier ein kleiner Tipp dazu.

Guter Schlaf für gutes Aussehen:

Dabei kann ein Tee aus Dillsamen helfen. Dazu setzt man 1 1/2 Teelöffel Samenkörner in 1/4 Liter Wasser 1 Stunde lang kalt an, lässt es anschließend kurz aufkochen und 10 Minuten ziehen. Nach dem Abseihen trinkt man am besten den warmen Tee schluckweise 1 Stunde vor dem Schlafengehen. Dillsamentee dient aber auch als Badezusatz mit einer beruhigenden Wirkung.

Dill ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Der natürliche Kopfschutz

Haare pflegen, solange sie da sind

Mit dem Hut in der Hand kommst du durch das ganze Land! – eine Weisheit, die einst Hermann-Josef Weidinger in sein Leben mitbekommen hat. Die Fragen und Antworten rund um die Kopfbedeckung des Menschen haben sich wie alles in unserer Gesellschaft stark verändert. Dennoch lädt das wärmere Wetter, wenn es denn so stattfindet, ein, so manche Kappe oder manches Tuch wiederum in den Schrank wandern zu lassen. Immerhin hat der Herrgott uns Haare auf dem Kopf wachsen lassen, die es einem danken, werden sie in den Zeiten ihrer Präsenz dementsprechend gepflegt und gehegt. Eigentlich ist das ein Thema, wo ich nur bedingt mitreden kann. Somit können alle Rückschlüsse über den Verbleib der Frisur zwischen meinen Ohren ziehen. Aber darum soll es heute sicher nicht gehen. Vielmehr möchte ich die Frage in den Raum stellen, was denn unsere Altvorderen wohl gemacht haben, als es noch nicht möglich war, große Drogeriemärkte zu stürmen, um bei sich daheim das Lager an Shampoos und Wässerchen aller Art nicht schrumpfen zu lassen? Es muss also logischerweise in der pflanzlichen Natur Hilfen geben, die es fertig bringen, das Haar zu reinigen, zu stärken und frisch werden zu lassen. So manches aus dem Erfahrungsschatz ist längst in Vergessenheit geraten. Andererseits kommt auf den ersten Blick das eine oder andere Hausmittel einer Mutprobe gleich. Zudem ist es ja so bequem, einfach auf eine Tube zu drücken, um ein wie auch immer gefertigtes Produkt zur Pflege der Haare heranzuziehen. Dennoch ist es einen Versuch wert, sich die Zeit zu nehmen, um die Vorteile der Natur zu nutzen.

Blondes Haar waschen:

Naturblondes Haar verträgt durchaus etwas Zwiebel. Konkret heißt das: eine große Zwiebel wird geschält, fein geschnitten und in 1/2 Liter kochendes Wasser gegeben. Kurz aufwallen und zugedeckt ca. 20 Minuten ziehen lassen. Abseihen und den Zwiebeltee dem bereits vorbereiteten warmen Waschwasser beifügen. Der Kopf wird damit gründlich gewaschen. Vor dem Abspülen die Kopfhaut mit stark verdünntem Obstessig einreiben.

Zwiebel und Thymian ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Solange die Lilien nicht blühen

Ihre Wurzelkraft bedenken

Oft sind in unseren Gärten die verschiedensten Arten der Schwertlilien als nobler Schmuck zu entdecken. Wer diese einmal ausgegraben hat, weiß um die kräftigen Wurzeln, aus denen Jahr für Jahr die Blätter und die Blütenstängel treiben. Jetzt im Frühjahr ist die große Zeit der Wurzeln. Bevor sie ihre Kraft in die oberirdischen Pflanzenteile weitergeben, können sie auch für uns Menschen genutzt werden. Von der Schwertlilie (Iris germanica) nimmt man z. B. einzelne Wurzelstücke, reinigt diese, um sie schließlich zu spalten und zu trocknen. Sie dienen dann zu mancher praktischen Anwendung, die unserem ganzen Körper gut tut. Um ebenso unsere Seele davon profitieren zu lassen, dürfen wir darangehen, an die Talente zu denken, die in uns oft verborgen sind. Meist brauchen wir unsere Mitmenschen, die in uns so manche Fähigkeiten entdecken, die uns etwas zutrauen und die zu uns stehen. Es mag da und dort eine falsche Bescheidenheit sein, die uns daran hindert, zu unserer Entfaltung zu kommen. In meiner Funktion als Seelsorger muss ich immer wieder darum ringen, dass der eine oder andere sich in die Gemeinschaft einer Pfarrgemeinde einbringt. Wenn niemand für andere in die Presche springt, läuft sich eine menschliche Gemeinschaft, egal welcher Art, tot.
Und diejenigen, die einen Dienst und eine Verantwortung übernehmen, brauchen oft eine starke und dicke Haut mitsamt einer guten Verdauung. So gesehen ist die Schwertlilie durchaus eine Partnerin, die uns mit ihrer inneren Kraft beizustehen vermag. Mit dem beginnenden Frühling steigt wiederum die Hoffnung. Nicht nur auf wärmere Temperaturen, sondern auch auf reife Menschen, die ihr Herz und ihr Hirn quasi in die Hand nehmen und es ihrer konkreten menschlichen Umwelt mitsamt ihren Begabungen hinhalten.

Schwertlilienwurzel-Bad:

Um einen Badezusatz herzustellen, nimmt man 100 g der gewonnenen und zerkleinerten Substanz und setzt diese 2 Stunden lang in 2 Liter kaltem Wasser an. Dann kurz aufkochen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und den Tee ins Badewasser gießen. Dadurch wird auch der veilchenartige Geruch der getrockneten Schwertlilienwurzel spürbar. Ein derart angewendetes Bad fördert die Tätigkeit der Bauchspeicheldrüse und verleiht der Haut gleichsam einen Schutzschild gegen Entzündungen.

Schwertlilie – Wurzel und Blüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Richtig fasten

Ballast abwerfen und Raum schaffen

Bedenk, o Mensch, du bist von Staub und wirst wieder zum Staub zurückkehren! – ein Ausruf, der jedem ein wenig sensiblen Hörer dieser Feststellung für kurze Zeit das Blut in den Adern stocken lässt. Der Tod ist für uns alle unabänderlich. Man kann sich zwar ein Leben lang eher schlecht als recht daran vorbeischwindeln, aber helfen tut das alles nichts. Und noch eine ganz banale Bemerkung obendrauf: Mitnehmen können wir uns eh nichts, wenn der letzte Atemzug vorüber ist. Fasten heißt für mich, sich in einem ersten Schritt bewusst zu machen, dass meine Tage von Gott gezählt sind. Auf die letzte Reise brauche ich nichts anderes mit als nur mich selbst, mit Leib und Seele. Mag zwar der Tod einen Prellbock auf den Gleisen unserer Erdentage darstellen, so ist das Land dahinter aber immer noch das gelobte Land der Verheißung, die von Gott, dem Unendlichen kommt. Mit meinem Körper darf ich mich darauf schon konkret ein Stück weit Richtung Lebensende aufmachen. Wenn heute für die Christgläubigen das Fasten ganz besonders angesagt ist, so schafft man eben an jedem Aschermittwoch und in den darauffolgenden vierzig Tagen Raum in seinem eigenen Innern. Durch den Wohlstand sind wir ja, Hand aufs Herz, ohnehin die meiste Zeit abgefüllt bis zum Rand. Unsere Verdauung steht unter Dauerstress, und verantwortlich dafür zeichnet lediglich die Chefität Hirn, die sich ihrer Unvernunft anscheinend noch nicht entledigt hat. Da kann fürs Erste der Darm mit gutem Beispiel vorangehen und den Windungen „an oberer Stelle“ vielleicht vormachen, wie das geht.

Verdauung entlasten:

Bei seelischen Problemen und bei schlechter Ernährung zeigt die Bauchgegend oft recht bald an, was Sache ist. In leichten und nicht chronischen Fällen kann daher ein Fasttag, der mit bitterem Wermuttee gestaltet wird, Abhilfe schaffen. Das Trinken, auch anderer Kräutertees, ist in solchen Zeiten unbedingt zu pflegen.

Wermut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Was alles der Leber schadet

Und was ihr gut tut

Komisch: manchmal kommt es mir vor, dass von der Sünde heutzutage viel häufiger die Rede ist als früher. Gewiss mag eine Verschiebung des Wortgebrauches stattgefunden haben. Früher schallte es oft von der Kanzel und heute hört man es meist am Stammtisch und im Kaffeehaus. Zielobjekt dieses Vokabels ist schon lange nicht mehr die Seele, sondern vielmehr die Leber. „Herr Pfarrer, schauen’s weg, denn heute sündige ich wieder!“, sagt mir lachend eine Pensionistin, die frohen Mutes ein Stück Malakofftorte mit dem Mehlspeisgaberl balanciert. Und an der Theke wiederum steht das frisch gezapfte Bier mit dem lässigen Kommentar des Genießers: „Na ja, das wird mir der Herrgott sicher nicht übel nehmen, oder?!“ Unsere Leber ist natürlich nicht nur dazu da, um die angesprochenen Köstlichkeiten wohl oder übel im wahrsten Sinne des Wortes über sich ergehen zu lassen. Sie erfüllt neben ihrer entgiftenden Reinigungsaufgabe auch einen wertvollen Dienst für unsere seelische Verfassung. Und heute, ja, gerade heute möchte ich keineswegs allen ausgelassen Feiernden die Laune vermiesen. Der moralische Zeigefinger bleibt sicher eingepackt. Deswegen schlage ich keine Diät vor, die einem vielleicht gar die Lust am Leben mindern würde. Es gibt ein anderes Heilmittel, das der Leber dient. Dazu muss niemand in die Apotheke gehen. Selbst der Kräuterpfarrer hat es nicht in seinen gut bestückten Regalen. Nein, Du darfst es selbst wie eine Jause in der Tasche auspacken und zur Geltung bringen. Es kostet nichts, denn die Grundvoraussetzungen hat uns der Schöpfer schon vor unserer Geburt hier auf Erden weitergegeben. Und heute noch sollte es zur Anwendung kommen.

Ein Lächeln auf dem Mund:

Das macht die Leber gesund! Ein wenig Lächeln, das vom Herzen kommt und wieder zu den Herzen findet, hilft unserem Organismus ganz unbemerkt. Es unterstützt die Erneuerung des Blutes und belebt dieses auf recht sanfte Weise. Davon profitiert also in erster Linie die Leber, die gerade heute noch so einiges zu leisten hat. Frohen Fasching Euch allen!

ⓒ Foto: Flickr, Obstschale

Katerstimmung am Morgen

Trotzdem das Leben mit Honig versüßen

Der Fasching ist in vollem Gange. Es gibt daher keinen äußerlich ersichtlichen Grund, auf den einen oder anderen guten Tropfen zu verzichten. Wen wundert’s dann, wenn so manch fröhliche Runde zu sehr bei Sekt und Rebensaft verweilt und das Heimgehen gar spät angetreten wird. Der nächste Tag bringt dann die Rechnung. Man wacht nicht alleine auf, sondern zusammen mit einem sogenannten Kater. Den kann man sehr wohl aber zähmen. Da es schwer ist, in diesem Falle eine Apotheke aufzusuchen, darf man ruhig die verbliebenen denkfähigen Hirnzellen zusammennehmen, um sich daran zu erinnern, wo denn zu Hause ein Glas Honig steht. Die Bienen haben in all ihrer Emsigkeit nicht nur für Ihresgleichen die notwendige Stärkung gesammelt, sondern immerhin auch für den „geplagten“ Menschen etwas parat. Zudem halten sie sich bei ihren Flügen in der frischen Luft auf, die ja unbedingt notwendig ist, um den Faschingskater am nächsten Morgen zur Ruhe zu bringen. Wer kann, geht am besten ein wenig spazieren. Das macht den Kopf wieder klarer. Leichte Kost zu sich genommen, ersetzt den durch Alkohol verbrauchten Blutzucker. Die Kräutertees sollten im eben beschriebenen Zustand ihr Mitspracherecht behalten, um den Flüssigkeitsverlust wieder wett zu machen. So ist es ratsam, hierbei auf Lavendel, Melisse, Kamille oder Engelwurz zurückzugreifen. Schwarzer Bohnenkaffee wird an der Situation eher wenig ändern. Am besten ist es aber, rechtzeitig mit den Achterln aufzuhören und immer Wasser nachzutrinken. Oder man besinnt sich der Wiener Manier, den edlen Wein zu „beißen“. Weniger ist auf jeden Fall mehr! Ich wünsche allen ein frohes und klares Erwachen!

Mit Honig aus dem Kopfweh:

Vor Imkern sollte man immer Respekt haben, denn sie hüten so manche Weisheit, die unseren Wehwehchen zugute kommen. Wer am Abend zu tief in Glas geguckt hat, nehme ein paar Löfferl Honig pur oder in Wasser aufgelöst ein. Dieser geht direkt ins Blut, hebt den Blutzuckerspiegel und lindert in der Folge das Kopfweh. Für die von Diabetes Betroffenen gelten in diesem Fall andere Regeln.

Honigbienen ⓒ Foto: Flickr, k_millo

Ochsenzung’ und Natternkopf

Otto von Brunfels wortwörtlich zitiert

Der berühmte Theologe und Mediziner Otto von Brunfels starb am 25. November 1534 in Bern, wo er zuvor zwei Jahre lang als Stadtarzt gewirkt hatte. Der gebürtige Hesse hinterließ sein erworbenes Wissen über die Heilkräfte der Pflanzen in schriftlicher und folglich gedruckter Form, so dass wir einen guten Einblick über so manche naturheilkundlichen Anwendungen aus der Lebenszeit des Gelehrten bekommen. Im übertragenen Sinne trugen damals etliche Pflanzen eine „Maske“ in Form eines Namens, der heute nicht mehr gebräuchlich ist. So hieß das heute als Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare) bekannte Kraut im 16. Jahrhundert einfach nur „Ochsenzung“. Gemeint ist ein Gewächs, das zur Familie der Raublattgewächse zählt und somit u. a. mit dem Borretsch, dem Lungenkraut und dem Beinwell verwandt ist. Das ist auch gut zu wissen, wenn man den Originaltext vor sich hat, der so manche Verwechslung kritisch artikuliert: „Es haltent alle newe Ärzt / das Buglossa (die yehenige / so wir für Ochsenzung nennen) sey die ware und rechte Borrago / das ist / Burrestch / und das so wir Burretsch nennen / sey eben die Ochsenzung. Es sollen auch die Apothecker / so man ynen Buglossam schreibet / Borraginem nemen / und für die geschribene Borrago / Ochsenzung / sye wöllen dann mit Gewalt auff irem alten Yrrthumb bleiben / wie man on Zweiffel ettlich würt finden / so sprechen werden / wers uns geleert habe / und ob wir etwas Newes wöllen uffbringen. Deren Frevel und böße Zungen wöllen wir also gern dulden / bitz das sye mit der Zeit selber verstendiger werden.“ Ich denke, das reicht vorerst für den Faschingssonntag! Ich wünsche allen noch frohe und närrische Stunden!

Natternkopf als Badezusatz:

Viele Pflanzen dürfen ruhig an die Haut ran! Der eben erörterte Gewöhnliche Natternkopf, der an und für sich heute kaum mehr für therapeutische Zwecke verwendet wird, kann mit seinen Blütentrieben als Tee, der im herkömmlichen Heißaufguss zubereitet wird, dem warmem Badewasser in der gefüllten Wanne hinzugegeben werden. Das hat auf unsere oft geforderte Haut eine erweichende und entspannende Wirkung.

Natternkopf ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya