Bevor die Augenlider ermüden

Mit dem Salbei wach bleiben

„Augen auf! Ohren auf! Helmi ist da!“ – kaum zu glauben, dass diese beliebte Puppenfigur der Verkehrserziehung schon 32 Jahre lang zum Einsatz kommt. Schön, dass es immer neue pädagogische Ideen gibt, um die Kinder in einem sicheren Verhalten entlang der Verkehrswege in unseren Städten und Dörfern zu schulen. Wie notwendig das ist, lehren uns leider je neu die schrecklichen Schlagzeilen von Unfällen am Schulweg oder in der Freizeit. Es geht generell um eine erhöhte Aufmerksamkeit, damit es gar nicht zu einem tragischen Schicksal kommt. Schaut man vom Gehsteig über einen Gartenzaun, kann man dahinter vielleicht gar ein Stöckerl Salbei entdecken. Durch seine in ihm enthaltenen Gerb- und Bitterstoffe ist es dieser Heilpflanze möglich, uns Menschen in der nötigen Aufmerksamkeit zu stärken. Aber kehren wir wiederum zurück auf die Straße. So sehr wahrscheinlich Helmi seine Verdienste hat, dass Kinder mit Autos und Straßenbahnen zurechtkommen, so wenig lernen oft die Erwachsenen dazu. Die Herausforderungen werden gerade in der kalten und tageslichtarmen Jahreszeit immer mehr. Und dabei wird besonders das Auge der Damen und Herren hinter dem Lenkrad immens beansprucht. Denken wir dabei nur an eine regennasse Fahrbahn. Die Scheinwerfer des Gegenverkehrs werden vom feuchten Asphalt zurückgespiegelt, und die Bodenmarkierungen verlieren zudem bei Schnee und Matsch ihre Wirkung. Da muss sich unser Sehorgan schon recht anstrengen, gilt es doch konsequent die Spur zu halten. Mit dem Auge ermüdet aber gleichzeitig unser Körper. Die Reaktionsfähigkeit schwindet auf ein Minimum, und im Handumdrehen kann es zu einem folgenschweren Unfall kommen. Ja, Helmi ist auch für die großen und erwachsenen Autofahrer vonnöten. Und Mutter Vorsicht darf auch ruhig mit an Bord sein.

Augenbad mit Salbeitee:

In einer Thermosflasche lässt sich Salbeitee, den man im Heißaufguss zubereitet hat und nur 5 Minuten lang vor dem Abseihen ziehen ließ, ganz leicht im Auto transportieren. Bei längeren Touren oder widrigen Fahrverhältnissen kann man bei einer kurzen Rast die Augen damit auswaschen. Das schärft das Augenlicht und schützt vor Müdigkeit. Beides ist der Verkehrssicherheit äußerst dienlich!

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Hatschi und Gesundheit!

Den Körper und die Höflichkeit beachten

Manchmal gleicht es einer kleineren Explosion, wenn jemand den Niesreiz nicht mehr zurückhalten kann und der gestauten Luft – hoffentlich unter Zuhilfenahme eines Taschentuches – freien Lauf lässt. In der freien Natur ist es weniger tragisch, in dementsprechendem Abstand zu den Mitmenschen das Niesen zu vollziehen. In geschlossenen Räumen jedoch gibt es eindeutige Regeln des Anstandes und der Contenance. Aber so eindeutig ist das auch wiederum nicht. Ich frage mich relativ oft, ob es heutzutage noch nötig ist, jemandem „Gesundheit!“ zu wünschen, wenn er oder sie niesen muss. In einer Gruppe enthalte ich mich meist in diesem Falle eines Kommentars, weil meiner Meinung nach der niesende Mitbürger dann förmlich dazu gedrängt wird, sich bedanken zu müssen. Ganz schlau bin ich bei den Nachforschungen im Internet bezüglich des richtigen Verhaltens beim Niesen nicht geworden. Getrost und gelassen darf ich hier auf einschlägige und gute Literatur verweisen, die durch die Angabe von Autoren wie Elmayer oder Knigge sicher zu finden ist. Angeblich hat man sich ganz früher, als es noch Pest und ähnliche zu Recht furchterregende Krankheiten gab, selber die Gesundheit zugesagt und gewünscht, damit man eine etwaige Epidemie gut überstehen möge. Wie auch immer, die Regeln des guten Benehmens darf man sich stets neu in Erinnerung rufen, damit es nicht zu einer Verrohung im allgemeinen gesellschaftlichen Umgang kommt. Der Schnupfen, der das Niesen als häufige Begleiterscheinung aufweist, sollte separat ernst genommen werden. Eine gesunde Lebensweise mit einem Quäntchen Abhärtung kann dazu beitragen, dass die an vielen Ecken lauernden Ursachen der Entzündung der Nasenschleimhäute gar keine Chance haben. Oder man greift einfach zur Zitrone.

Zitrone gegen Schnupfen:

Um die Atemwege für den Winter zu trimmen, gibt man täglich morgens und abends jeweils ca. 1 Esslöffel voll frisch gepressten Zitronensaft in ein Glas mit lauwarmem Wasser und gurgelt damit. Gerade im Spätherbst erweist sich diese Anwendung als äußerst wirkungsvoll.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Tee für die Füße?

Mit einem warmen Bad kombinieren

Ein jeder von uns spürt, wann er beginnt, krank zu werden. Angeblich soll es vor allem zu einer der schlechten Eigenschaften des männlichen Geschlechts gehören, so manche Signale des Körpers geflissentlich zu übergehen. Beim Phänomen Herzinfarkt gibt es das eine oder andere Beispiel dafür. Aber wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen. Bleiben wir lieber bei den Erkältungskrankheiten, die angesichts des herbstlichen Wetters wieder vermehrt auf der Tagesordnung stehen. Da ist es oft üblich, dass davon Betroffene – egal ob Frau oder Mann – beginnen zu frösteln. Um Schlimmeres abzufangen, heißt es unbedingt rasch handeln. Ein ansteigendes Fußbad kann eine adäquate Methode sein, um die fortschreitende Erkältung noch aufzuhalten. Dazu macht man lediglich die Beine frei und lässt den Körper im geheizten Bad oder Zimmer bekleidet. Das Wasser soll ungefähr 36° C haben und bis zur Wadenmitte reichen. Das Fußbad soll eine Dauer von 20 Minuten nicht überschreiten. Nach und nach gießt man im Laufe dessen heißes Wasser hinzu, so dass die Temperatur am Ende um die 40° bis höchstens 42° C erreicht. Ganz zum Schluss trocknet man die Füße und Beine ab und schlüpft gleich hernach ins Bett. Leute, die Probleme mit dem Herzen oder dem Kreislauf haben, mögen erhöhte Vorsicht walten lassen. Denn es kann sein, dass dadurch plötzlich ein überhöhtes Herzklopfen, ein Schweißausbruch oder ein Schwächegefühl auftreten. In diesem Falle ist es angezeigt, das Fußbad abzubrechen. Jeder Mensch hat eben eine ganz eigene Konstitution und sollte das bei jeglicher Art von naturheilkundlichen Anwendungen bedenken. Bei Erkältungskrankheiten kann aber die eine oder andere Maßnahme unsere rasche Gesundung unterstützen, wenn wir nur ein wenig Zeit und Umsicht investieren.

Fußbad mit Thymian anreichern:

Das oben beschriebene Abbremsen einer drohenden Erkältung kann man noch unterstützen, indem man dem Fußbad einen Absud von Thymiankraut beigibt. 5 Esslöffel der getrockneten Pflanzenteile werden mit 1 Liter kochendem Wasser überbrüht. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und gleich zu Beginn des Fußbades dem warmen Wasser hinzufügen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Gelassenheit fördern

Mit der Weinraute den Tag beginnen

Ein eher im Sprachgebrauch antiquiertes Wort für die innere Ausgewogenheit lautet Gleichmut. Ich bin doch stets von neuem überrascht, wie viel feine Schattierungen und Nuancen unsere Muttersprache zu umschreiben weiß. Normalerweise kennen wir diese Stärke von anderen Sprachen. Dennoch sollten wir das Eigene ruhig schätzen. Immer gleichen Mut haben: das kann nur bedeuten, in den verschiedenen emotionalen Regungen und Lagen das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren. Gefühle und die daraus resultierenden Schwankungen kommen und gehen. In unserem Inneren befindet sich aber ein nicht sichtbarer Grund, in den hinein wir nach Bedarf unseren seelischen Anker werfen dürfen. Schon Kaiser Karl der Große hat gewusst, dass es Pflanzen gibt, denen man, um den Menschen in ihren Beschwerden zu helfen, ein besonderes Augenmerk zuerkennen soll. So ließ er z. B. die Weinraute, die ursprünglich nur in mediterranen Gefilden ihre Wurzeln schlug, in den Klöstern nördlich der Alpen anbauen. Von dort aus gelangte dieses duftende Gewächs in die Bauerngärten und wurde so in der Naturheilkunde durchaus wirksam eingesetzt. Aber kehren wir zurück zu unserer jeweils unterschiedlichen Verfasstheit. Sehr oft stehen wir in einer Spannung zwischen unserem Denken und Wollen. Wie oft planen und sinnen wir herum. Ach, es wäre doch vieles so schön, wenn das liebe Wörtchen „wenn“ nicht wäre! Und es geht doch eigentlich nur darum, das momentan Mögliche und Realistische zu verwirklichen. Ein Zuviel an Erwartungen kann sich dabei als Hemmschuh herausstellen. Zudem übersehen wir, dass oft viel mehr möglich ist, als wir uns selbst und anderen zutrauen. Ja, mit dem Gleichmut stellt sich schließlich auch ein Gleichgewicht zwischen unserem geistigen und materiellen Streben ein. Und das ist immerhin nicht gerade das Schlechteste, um das Leben zu bewältigen.

Weinrauten-Tee am Morgen:

Von frischem oder getrocknetem und zerkleinertem Weinrauten-Kraut (Ruta graveolens) nimmt man 2 schwache Teelöffel voll und übergießt diese mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Trinkt man am Morgen eine Tasse voll Weinrautentee, kann man auch noch 5 Tropfen Baldriantinktur hinzufügen, um das Gefühl zu fördern, schwierigen Herausforderungen gewachsen zu sein.


ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Alternative zum Teehäferl

Das Badewasser mit Schafgarbe anreichern

Eine neue Küche soll möglichst praktisch sein. Das bedeutet, dass in diesem Falle die einzelnen Bereiche so angeordnet sind, damit die jeweiligen Arbeitsvorgänge zum Herzaubern sämtlicher Gerichte ohne lange Wege und Barrieren durchgeführt werden können. In den Regalen und Laden soll man zudem rasch zu den Zutaten oder Gewürzen Zugriff haben können. Und schließlich hat der eine oder die andere auch einmal Lust auf ein Häferl Tee. Nur stellt sich damit sofort die Frage nach der momentan gewünschten Sorte. Die Schafgarbe darf auf jeden Fall unter den Reserven der womöglich im vergangenen Sommer gepflückten und eigens getrockneten Kräuter in der eigenen Küche bzw. der angrenzenden Speisekammer zu finden sein. An einem kalt-nebeligen Herbstabend kann es auch passieren, dass man anstatt sich an den Küchentisch zu setzen auf die Idee kommt, in der Badewanne den Tag ausklingen zu lassen. Selbst bei diesem Plan kann man noch auf die Teelade in der Küche zurückgreifen. Wenn eben der Gaumen nicht unbedingt geneigt ist, ungesüßten Schafgarbentee zu trinken, so steht gleichsam unsere Haut parat, um die guten Inhaltsstoffe der weithin bekannten Wiesenblume aufzunehmen. Und Gründe dafür kann es genug geben.
Wenn’s z. B. überall juckt oder gar Hämorrhoidenschmerzen einem die Stunde vermiesen, ist man bei der Schafgarbe gut aufgehoben. Oder es ist gerade jemand dabei, Hautflechten oder Akne zu behandeln. Auch bei Frostbeulen und Quetschungen kann sich ein Bad mit Schafgarbenzusatz als heilend und lindernd erweisen. Und schließlich kann man eine derartige Behandlung ebenso Kindern empfehlen, die mit ihrer Pubertät beginnen. In ihren feingefiederten Blättern weist die Schafgarbe ja ohnedies auf ihre große Bandbreite der in ihr enthaltenen Wirkkraft hin.

Schafgarben-Bad:

Eine Menge von ca. 150 g Schafgarben-Blüten-Blätter-Gemisch wird in 3 Liter Wasser gegeben, das bereits kocht. Das Ganze noch ein wenig aufwallen lassen und dann vom Herd nehmen. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen, anschließend abseihen. Hernach gießt man den Schafgarbenabsud in die gefüllte Badewanne und bleibt am besten 15 Minuten drinnen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Für innen und außen gleichermaßen

Odermennig hat viel Gutes parat

Der Mensch ist eine Einheit. In dem Ausmaß, wie beklagt wird, dass der Mensch früher eine Schwarz-Weiß-Malerei betrieb und anscheinend exakt zwischen Gut und Böse trennen konnte, so sehr wird heute unbemerkt ein ähnlicher Fehler begangen. Es wird zwischen alltäglichem Leben und Pflege der Seele genau getrennt. Oder besser gesagt: die Seele wird generell vernachlässigt. In der westlichen Kultur ist es ja zudem anscheinend verpönt, vom Glauben zu reden, womöglich gar vom christlichen, der konstitutiv zur Identität derer dazugehört, die sich zum Herrn und Erlöser Jesus Christus bekennen. Es scheint en vogue zu sein, dass sich ein bekennender Christ mittlerweile in der Gesellschaft zu schämen habe. Interessanterweise kann mir persönlich letztlich kaum einer die Gründe dafür derart erklären, dass sie schlüssig und einsichtig wären. Wenn ich so meine Wege durch die Natur ziehe, freu ich mich jedes Mal, wenn ich den Odermennig erblicken darf. Diese herrliche und zugleich milde Pflanze erinnert mich daran, dass Leib und Seele eine Einheit sind und dass ein und dasselbe Kraut mithelfen kann, damit meine innere und äußere Dimension einen Profit vom Odermennig erheischen kann. Normalerweise kennen die Kräuterexperten dieses sanfte Rosengewächs unter der Heilwirkung für Leber und Darm. In gleichem Maße möchte dieses Heilgewächs der Haut und ihrer Stärkung bzw. ihrer Heilung dienlich sein. Ja, innen und außen dürfen ruhig übereinstimmen. Ohne mich der Illusion hinzugeben, dass ich Zeit meines Lebens diese Harmonie voll erreichen könnte, möchte ich doch Tag für Tag daran arbeiten, ein im wahrsten Sinne des Wortes ganzer Mensch zu sein. All das, was mir in diesem Bestreben nicht gelingt, darf ohnehin die Gnade Gottes ergänzen, die mich immer von neuem beschenkt.

Odermennig für die Körperpflege:

Manchmal fühlen sich einige nicht wohl in ihrer eigenen Haut. Das kann an unreiner Haut oder unangenehmen Ausschlägen liegen. In diesem Falle hat es sich bewährt, Tee aus Odermennigkraut innerlich anzuwenden und zu trinken und gleichzeitig den verdünnten Aufguss dieser Art für Waschungen zu verwenden.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Mit Geduld besser leben

Der Spitzwegerich ist Sinnbild dafür

Jetzt; und zwar sofort! Das will ich haben! Das muss doch zu machen sein! – Wie schön wäre das?! Ganz gern hätten wir einen Flaschengeist alias bezaubernder Jeannie griffbereit, um so manchen Wunsch möglichst rasch verwirklicht zu sehen. Ich denke, das bleibt aufgrund unser aller bisherigen Lebenserfahrungen doch auch in Zukunft eine Illusion. Die angesprochene Filmfigur ist eine fiktive Person, die überaus brillant dargestellt wurde. Zusammen mit Tony, verkörpert durch Larry Hagman, haben die beiden immerhin Generationen unterhalten. Auf dem Weg in die Zukunft aber stehe ich gedanklich auf einmal auf einer Wiese und lenke meine Blicke zu Boden. Nichts von einer Flasche samt Geist ist dort zu entdecken. Nein, es ist der Spitzwegerich, der mitsamt seinen kugeligen Fruchtständen zwischen den Grashalmen hervorlugt und mir etwas sagen möchte. Erstens einmal: Bleib am Boden und spür dich selbst. Und nimm jede kleine Gelegenheit wahr, um als Mensch zu reifen! Das Glück wird doch niemals erarbeitet, sondern jeweils geschenkt! Weit haben wir uns heute vom echten und wahren Wissen unserer Altvorderen entfernt. Wir entdecken bei den vielen Lebewesen unserer Schöpfung oft nur mehr ihren äußeren Schein oder ihre Wirksamkeit und übersehen doch allzu oft ihr innerstes Sein und ihr Wesen. Der Spitzwegerich steht geduldig auf schlechtem Grund am Wegrand. Er hält es sogar auf ausgebrannten Wiesen und Weiden aus. Selbst in der bedrängenden Enge am Rande von Zäunen hält er es noch aus. Er kann warten und bleibt bescheiden. Er überdauert sogar ein Übergangen-Werden im wahrsten Sinne des Wortes. Davon sprechen weder Schlagzeilen noch Reklameschilder. Das dürfen wir entdecken. Und es uns schenken lassen.

Bis zur Wurzel wertvoll:

Spitzwegerich-Wurzeln kann man im Herbst ausgraben. Diese werden hernach unter fließendem Wasser gereinigt. In einem geheizten Zimmer auflegen und trocknen lassen. Kleingeschnitten wird die fertige Droge dann sorgfältig aufbewahrt. Im Kaltansatz kann man daraus einen Tee zubereiten, den man vor der Anwendung erwärmt. Bei Wechselfieber und starkem Husten kann dieser Tee Erleichterung verschaffen. Und er ist auch als Mundwasser für frischen Atem zu gebrauchen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Herbstzeit ist Bastelzeit

Die Erle kann was beitragen

Unsere Blicke sind ständiger Verfolgung ausgesetzt. Tausende von Bildern laufen tagtäglich vor unseren Augen ab. Sämtliche medialen Hilfen der Arbeit und der Freizeit sind voll davon. Viele möchten das logischerweise nutzen, und eine gute Werbung führt meist auch zum gewünschten Erfolg. Viel harmloser verhält es sich da mit sämtlichen Formen der Dekoration im eigenen Heim oder in einer liebevoll gestalteten Auslage. Übrigens: es gibt sogar eigene Kurse, um ein stilvolles Dekorieren zu erlernen. Die Natur macht auch auf ganz eigene Weise auf sich aufmerksam. Unlängst fuhr ich an einem Bach vorbei, wo an dessen Ufer gerade frisch gefällte Erlenstämme auf der Wiese lagen. Ihre Schnittstellen leuchteten derart in einem intensiven Orangerot, so dass ich automatisch dort hinschauen musste. Keine Angst, ich bin deswegen nicht von der Straße abgekommen ;-) . Die Farben der Natur sollte man doch auf irgendeine Art und Weise einfangen können. Nun, unsere Altvorderen haben sehr wohl gewusst, wie man mit den Farbstoffen, die in den Pflanzen und in den Materialien enthalten sind, Großartiges an Farbe an einen Plafond oder auf eine Leinwand zaubern konnte. Bis heute erstrahlen z. B. die zahlreichen Fresken und Seccomalereien unserer oft hunderte Jahre alten Kirchen in ungebrochener Strahlkraft. Wenn aber schon äußerst wenige von uns die Gabe haben, zu einem akademischen Künstler aufzusteigen, so kann man dennoch darangehen, beim Färben von Naturstoffen und Wolle auf den Farbenkasten der Pflanzen zurückzugreifen. Auch hierin gibt es durchaus kundige Zeitgenossen, an die wir uns wenden können. Wer aber solche Berater nicht in unmittelbarer Nähe hat, soll sich ermutigen lassen, selbst zu experimentieren. Die Schwarzerlen am Flussufer können dabei ein wenig mithelfen.

Naturfarben gewinnen:

Nicht nur natürliche Stoffe, auch andere Fasern oder Gegenstände aus Holz können mithilfe der natürlichen Pflanzenfarben im Aussehen verändert werden. Von der Schwarzerle (Alnus glutinosa) kann man die Rinde nehmen und sie in ein Alkoholbad legen. Dadurch löst sich ein starkbrauner Farbstoff, der zum Einfärben des oben Erwähnten geeignet ist.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Kraft der Seele finden

Mit dem Dost einen Weg bahnen

Der heilige Papst Gregor der Große prägte einmal eine sehr tiefgründige Aussage: „Wer den wahren Gleichmut der Seele errungen hat, ist wie ein viereckiger Stein. Man kann ihn wälzen auf welche Seite man will, er ruht überall und immer gleich fest auf dem Boden.“ Als früher die Straßen noch überwiegend mit Kopfsteinpflaster geebnet waren, war dieses Bild Bestand des Alltags. Aber auch heute kann man Quadersteine an vielen historischen Plätzen und Gassen vorfinden. Um unsere Seele zudem mithilfe der Gaben der Natur zu unterstützen, müssen wir die festen Wege verlassen und im Wald nach einem duftenden Kraut Ausschau halten, das sonst keine Beachtung erfährt. Nimmt man von dem mir angesprochenen Dost (Origanum vulgare) einen Trieb in die Hand und zerreibt man vorsichtig die Blätter, breitet sich der würzige Geschmack des Gewächses über die Luft in die Umgebung aus, so dass auch die Nase eine angenehme Prise aufnehmen kann. Mit unserer psychischen Konstitution dürfen wir Zeit unseres Lebens ruhig Geduld haben. Die Kraft unserer Seele ist größer als wir oft meinen. Das Getriebe der anscheinend zwischen den Fingern zerrinnenden Zeit und die damit verbundenen Sorgen überdecken häufig die Pflege und die Aufmerksamkeit für unser Inneres. Ähnlich wie man ein botanisch geschultes Auge braucht, um den Dost inmitten anderer Pflanzen zu entdecken, so bedarf es auch einer Festigung unseres Willens, damit wir uns nicht zu gering einschätzen. Erst jene, die zur Ruhe kommen, werden den Weg zur inneren Burg, wie die heilige Theresa von Avilla den Sitz Gottes in der eigenen Seele bezeichnete, gehen können. Ein erster Schritt kann es sein, dem eigenen Wesen etwas zuzutrauen, indem man sich bewusst wird, dass man nicht tiefer als in Gottes barmherzige Arme fallen kann.

Dost-Tee zur inneren Festigung:

Um sowohl das Blut „schlanker“ zu machen – sprich den Cholesterinspiegel zu senken – als auch sein Inneres zu stärken, trinke man am Tag nach dem Vollmond 3 Wochen lang 3-mal täglich eine Schale voll Dost-Tee, den man im Heißaufguss herstellt. Beim nächsten abnehmenden Mond wird dann die Kur wiederholt.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Festtagsschmaus für Gänse

Die Federlieferanten sind vorwiegend Vegetarier

Oft und oft habe ich seit meiner Kindheit den Dienst als Ministrant in der Kirche vollzogen. Die Stadtkirche in meiner Heimat Drosendorf ist dem heiligen Martin geweiht. Am Hochaltar konnte ich bei den Hl. Messen also immer wieder auf die Statue des heutigen Tagesheiligen blicken, zu dessen Füßen eine Gans steht. Anscheinend wird die Martinslegende bis heute zum Vorwand genommen, um einen knusprigen Braten samt Rotkraut und Knödel auf unzähligen Tellern erscheinen zu lassen. Drehen wir doch den Spieß einmal um. Wer erkundigend in ornithologischen Büchern blättert, der stößt bei der Ernährung der verschiedenen Wildgansarten häufig auf Begriffe wie Samen, Getreide, Gräser und Wasserpflanzen. Im Unterschied zu uns Menschen, die momentan eher nach einem Martinigansl samt dem fertigen Jungwein des heurigen Jahres Ausschau halten, sind Gänse eben vegetarisch orientiert. Aus diesem Anlass und um der Gerechtigkeit willen den watschelnden Freunden gegenüber möchte ich daher auf so manches Wertvolle hinweisen, das im Pflanzenreich auch uns intelligenzbewaffneten Zweibeinern zur Verfügung steht. Da wächst zu Hauf z. B. das Gänseblümchen auf den Wiesen herum, das immer noch zu wenig Beachtung findet. Und doch hat es wertvolle Kräfte in sich gespeichert, die bei Hautleiden oder Beschwerden der Leber und des Gallentraktes zum Einsatz kommen können. In Erinnerung sei auch wieder einmal das Gänsefingerkraut gerufen. Nicht zu Unrecht wird es Krampfkraut genannt, denn in den Pflanzenteilen dieses anmutigen Rosengewächsen birgt sich so manches, was dem Körper bei Durchfallerkrankungen und bei krampfartigen Zuständen im Unterleib zu Hilfe kommt. Meine Hausgänse im Pfarrhofgarten sind wählerisch. Doch wissen sie bestimmt, was in der Vielfalt des pflanzlichen Angebots köstlich und heilsam ist. Und meine Gänse haben schon etliche Martinstage ungeschlachtet überlebt!

Gänsefingerkraut für die Zähne:

Gänse weiden gern dort, wo die Anserine (= Gänsefingerkraut) wächst. Dieses Kraut enthält den für das Federkleid notwendigen Kalk. Ein Tee aus getrocknetem Pflanzenteilen hilft auch mit, dass unsere Zähne gestärkt werden. Gelegentlich also ein paar Tassen trinken. Tee aus Gänsefingerkraut wird im Heißaufguss-Verfahren zubereitet.

ⓒ Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya