Eine Unsitte anwenden

Natürlichen Kaugummi kauen

Viele Faktoren bestimmen unseren Alltag von außen her. Wer heute erfolgreich sein will, der muss vor allem flexibel, dynamisch, gut ausgebildet, attraktiv und wendig sein. So kann man auch in schlechteren Zeiten überleben, wenn ein Betrieb nach dem anderen schließt und Arbeitsplätze massenweise abgebaut werden. Die nächstbeste Gelegenheit muss wohl oder übel wieder ergriffen werden, um einen Job zu bekommen. Eine Garantie auf Dauer gibt es aber dann auch nicht. Was haben solche Lebensumstände zur Folge? Es ist eine neue Zivilisationskrankheit mit Namen Entwurzelung. Wer einmal sein Fundament aufgegeben oder nie eines besessen hat, verfällt entweder in eine psychische Trägheit oder in eine Hyperaktivität, die ein Nachdenken gar nicht mehr zulässt. Vielleicht sind wir Erdenbürger mit den Pflanzen näher verwandt, als wir meinen. Denn so wie ein Gewächs ohne Wurzel keine Frucht bringen kann, so hinterlässt auch der rein oberflächlich lebende Mensch kaum eine Spur, die es gilt, später einmal zu beschreiten. In unserem Kräutergarten vor dem Stift Geras wächst in einem Beet der Alant. Er wird mehr als mannshoch und streckt seine sonnengleichen Blüten gen Himmel. An einer Alantpflanze kann ich mich aufrichten. Ich darf in deren Nähe meine Selbstachtung stärken und meinen Blick auf die von innen her bestimmte Existenz meiner Tage lenken. Denn alles Äußere hat einmal ein Ende. Das, was über den Tod hinausführt, ist meine unsterbliche Seele, die auf Gott hin programmiert ist. Der Alant hat eine kräftige Wurzel. Sie kann mir vielleicht helfen, erneut in einer von Schnelllebigkeit verzerrten Sicht der Dinge den Glauben wiederum zu entdecken, der mich in Wahrheit leben lässt.

Alantwurzel kauen:

Ich mag weder Kaugummi noch Leute, die damit, an eine Kuh erinnernd, mit ständigen Kieferbewegungen selbst an heiligen Orten herumlaufen. Menschen jedoch, die unter Magenbeschwerden oder einer schlechten Verdauung leiden, können vor dem Essen ein kleines Stück von der getrockneten Alantwurzel kauen, um dieses abschließend wiederum auszuspucken. Gegen diesen pflanzlichen Kaugummi ist nichts einzuwenden.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein bleibendes Geschenk

Die Felsenbirne vor dem Pfarrhof

Nun ist es schon wieder eine Weile her, dass ich Geburtstag hatte. Die Glückwünsche und Aufmerksamkeiten zu diesem Anlass haben mir auf jeden Fall Freude bereitet. Im Kloster wird aber nach altem christlichen Brauch der Namenstag mehr beachtet und gefeiert als der Geburtstag. Ein mir sehr lieber Mensch hat mir zum Wiegenfest dieses Jahr ein paar Pflanzen vor die Tür gestellt, die ich dann im großen Garten des Pfarrhofes zu Harth einsetzen konnte. Unter anderem fand ich darunter ein Gewächs, das ich bislang nur aus Büchern kannte. Es ist eine Felsenbirne (Amelanchier). Dieser strauchartige Kleinbaum kommt vor allem in Gebieten mit kalkigem Gestein vor und zählt zu den Kernobstgewächsen. Im Frühjahr ist er mit zahlreichen weißen Blüten übersät und bietet den Bienen an sonnigen Hängen eine begehrte Nahrungsquelle. Die kleinen Früchte der Felsenbirne reifen erst im frühen Herbst und sind in geringen Mengen auch roh genießbar. Trägt ein Strauch mit den Jahren die entsprechende Fruchtmenge, kann man daraus ebenso Kompott oder eine Marmelade herstellen, auch in Kombination mit anderen Früchten wie z.B. Äpfeln.
Als ich schon ein Jahr alt war, hat man 1966 die Lebensgeschichte des heiligen Thomas Morus verfilmt. Der Streifen trägt den bezeichnenden Titel: Ein Mann zu jeder Jahreszeit. Diese Überschrift ist durchaus auf die Felsenbirne zu übertragen. Denn zieren vor dem Blattaustrieb im Frühling die Blüten die feinen Zweige und lassen sich im Herbst die kleinen Früchte ernten, so zeigt diese Pflanze vor dem Winter noch einmal, was sie kann. Bevor sie das Laub verliert, färben sich die Blätter leuchtend orange bis rot. Diese farbliche Bereicherung ist weder im Garten noch in der Landschaft zu verachten.

Heimische Pflanzen setzen:

Vielleicht ist dieser Artikel ein Anstoß, um die Felsenbirne in einer nahe gelegenen Baumschule kennenzulernen. Es empfiehlt sich, dieses Rosengewächs an Böschungen in Hecken zu integrieren oder sie solitär als Blickfang zu pflanzen. Die Felsenbirne ist überdies eine Wirtspflanze für die Raupen seltener Schmetterlingsarten.

ⓒ Foto: Flickr, Roberto Verzo

Ein Hund ist auch nur ein …

… Hund natürlich!

Es grassiert die Behauptung, dass die Physiognomie bei enger Beziehung zwischen dem Menschen und den gezüchteten Nachkommen der Wölfe namens Hund einander im Laufe der Jahre immer ähnlicher wird. Die Beweise hierfür können nur zahlreiche Studien via Fotoapparat liefern. In Wahrheit ist das Verhältnis zwischen Herrl bzw. Frauerl und Vierbeiner ein äußerst intensives. Ich spreche da aus eigener Erfahrung, wenn ich auch zugeben muss, dass ich vor fremden Hunden seit meiner Kindheit an hohen Respekt habe. Bei uns im Kloster hat unser Förster eine junge bayrische Gebirgsschweißhündin, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist. Dem Benehmen dieses Jagdhundes nach zu schließen dürfte das auf Gegenseitigkeit beruhen. Leider fehlt mir oft die Zeit zu einem Spaziergang, aber während der Arbeit hat die junge Dame ohnehin genug Auslauf. Wer einen Hund besitzt und mit ihm den Tagesablauf teilt, der kommt zudem intensiver mit der Natur in Kontakt. So wie der wachsame Hausgenosse alles mit seiner Nase untersucht und die Ohren spitzt, werden auch wir aufmerksamer für das, was die Wegränder säumt und jetzt wächst und blüht. In den reifenden Kornfeldern z. B. leuchten immer noch die Kornblumen himmelblau auf und sorgen für einen herrlichen Farbakzent in unseren Fluren. Wer weiß, wie lange der Sommer heuer dauern wird? Eh wir uns versehen, hält der Herbst wiederum Einzug. Ein Hund kann uns durchaus helfen, den jeweiligen Augenblick mehr zu achten und die kleinen Dinge als wertvoll zu erkennen. So gesehen ist jeder Hund auch ein kleiner Therapeut.

Hilfe für die Hundeblase:

Leider sind unsere geliebten Vierbeiner ebenso wie wir Menschen nicht vor Krankheiten gefeit. Hat ein Hund Probleme im Nieren- und Blasenbereich, so kann ihm ein aus Kornblumenblüten im Heißaufguss hergestellter Tee Linderung verschaffen. Diesen Tee verabreicht man als Tagesgetränk. Zusätzlich soll man den Bauch 2mal am Tag mit Kornblumenblüten-Öl einreiben. (Nähere Informationen dazu: Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya)


ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den Duft der Rosen speichern

Die Haut damit erfreuen

Schau ich auf das Display meines Mobiltelefons, finde ich dort eine Abteilung mit der Bezeichnung „Favoriten“. Damit ist in diesem Falle sicher nicht ein Destinationsziel im 10. Wiener Gemeindebezirk gemeint. Im Reich der Blumen kennen wir ebenfalls bevorzugte Arten, unter denen wiederum die Rose wohl mit Abstand die erste Stelle einnimmt. Die anderen blühenden Mitgeschöpfe sind natürlich auch von einer beeindruckenden Schönheit, jedoch sind die Rosen dem Menschen seit jeher ans Herz gewachsen. Sie stehen stellvertretend für Freundschaft, Liebe, Zuneigung und Dankbarkeit. Überall dort, wo Worte nicht ausreichen, um etwas äußerst Positives zum Ausdruck zu bringen, springen die Rosen als Dolmetscher der inneren Empfindungen ein. Die vielen gezüchteten Sorten der Gartenrosen werden auch nimmer müde mit dem Blühen und Duften. Obwohl der Rosensommer durch nichts ersetzt werden kann, lohnt sich eine Verarbeitung der Blütenblätter unserer Blumenfavoriten. Immerhin kann man dadurch einen Bruchteil der Wohltaten, die eine Rose in sich birgt, für die Stärkung und Besänftigung der Haut heranziehen. Selbst im Rosenbeet ist daher Erntezeit!

Rosenblüten-Gesichtswasser:

Am besten nimmt man um die Mittagszeit von frisch geöffneten Blütenköpfen der roten Rosen die Blütenblätter ab und gibt 50 g von der gesammelten Menge in ein Gefäß aus weißem Glas, um sie mit 1/2 Liter 96%igem Alkohol zu übergießen. Verschlossen 14 Tage lang ans Fenster stellen, den Ansatz täglich einmal durchschütteln und zum Schluss abseihen. Der Rückstand aus dem Glas wird mit einem 3/4 Liter abgekochten und ausgekühlten Wassers ausgewaschen. Danach filtrieren und zur ersten Flüssigkeit hinzufügen. Das fertige Hautwasser füllt man in kleine Fläschchen ab, um diese kühl und dunkel zu lagern. Dieses natürliche Kosmetikum kann auch nach der Rasur oder nach der Morgenwäsche verwendet werden.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Licht und Schatten

Beides ist am Nussbaum zu finden

Am Brunnen vor der Haustür – Franz Schubert und Wilhelm Müller mögen es mir nicht übel nehmen – da steht leider kein Lindenbaum. Vor dem Ostausgang meines Klosters Geras, durch den man in den Konventgarten tritt, pflanzte ich vor Jahren einen Walnussbaum, der mittlerweile eine stattliche Größe erreicht hat. Er ersetzte eine Trauerweide, die lange Zeit diesen Flecken dominierte und schließlich abstarb. Ohne es zu ahnen, dürfte ich damals den richtigen Platz für den Baum erwählt haben, denn es gibt kaum ein Jahr, in dem er nur wenige Nüsse abwirft. In der Sommerszeit versammelt sich die Brüderschar des Stiftes gerne zur Rekreation (= gemütliches Beisammensein) in der Nähe des Pflanzenriesen, um bei wohligen Temperaturen den Sonntag ausklingen zu lassen. Einer alten Empfehlung gemäß passt zum Nussbaum ganz gut ein Glaserl Wein und das stimmt auch! ;-) Momentan heißt es noch auf die köstlichen Nüsse zu warten. Gottlob fielen die späten Frosteinbrüche so, dass die Nussblüte keinen Schaden mehr nehmen konnte. Mein Walnussbaum verströmt nun sein charakteristisches Aroma, wofür seine Blätter verantwortlich sind. Als positiver Nebeneffekt fällt dabei auf, dass die lästigen Gelsen nicht unbedingt die Ausdünstung meines holzigen Freundes schätzen. Und das ist auch gut! In den Tagen rund um die Sonnenwende sollte man daran denken, die grünen Nussblätter für den Rest des Jahres zu sammeln und zu trocknen. Immerhin gibt es eine breite Anwendungspalette, für die sie zur Verfügung stehen können. Im Heißaufguss als Tee zubereitet, gelten Nussblätter als entzündungshemmend, appetitanregend und blutreinigend.

Walnussblätter-Tee für das Haupt:

Oft tauchen in der visuellen Werbung alle möglichen Shampoos für schönes und kräftiges Kopfhaar auf. Wer unterm Nussbaum sitzt, braucht dafür keine Erinnerung via Bildschirm. Denn eine Abkochung aus den Nussblättern reicht, um damit häufig die Kopfhaut einzumassieren und somit den Haarboden zu festigen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Auf der Wiese Ernte halten

Den Rotklee dabei nicht übersehen

Mit dem Rückgang der Vieh- und Weidewirtschaft in den agrarischen Betrieben österreichweit finden sich ebenso auf den Feldern immer weniger Futterpflanzen, die als Nahrung für die Milchkühe und Mastrinder dienten. Dennoch ist es möglich, sich auf den eigenen Gartenflächen einige Arten davon zu ziehen, um damit unter anderem auch verschiedene Flächen durch das Blühen zu zieren. Unter diesen Betrachtungsaspekt fällt sicherlich der Rotklee, der schon seit alters her für die Naturheilkunde herangezogen wurde. So verwendete man die abgeernteten Blüten des Rotklees (Trifolium pratense), um damit den Darm bei Verstopfung zu entlasten oder die Funktion der Leber anzukurbeln, was wiederum die Blutreinigung begünstigt. Der Rotklee ist in seinem Erscheinungsbild schön anzusehen und kann ganz leicht ausgesät werden. Die Kleesamen sind sehr lange keimfähig und daher noch nach jahrelanger Lagerung verwendbar. In der Natur hat alles einen Zusammenhang. So sorgen vor allem Hummeln dafür, dass die Blüten auch bestäubt werden. Gehen die Populationen der kleinen bepelzten Insekten zurück, leidet darunter wiederum die Fruchtbarkeit des Klees. Wenn man jetzt in der warmen Jahreszeit einen Spaziergang durch die freie Natur unternimmt, sollte man dabei gleichzeitig Nachschau halten nach dem, was man für sich ernten und für spätere Anwendungen einlagern kann. Vielleicht sind diese Zeilen auch ein Anstoß dafür, ebenso auf die Blüten des Rotklees nicht zu vergessen.

Rotkleeblüten-Bad:

Von Standorten, die mit 100%iger Sicherheit nicht gedüngt wurden, kann man ohne Bedenken die Blütenköpfe des Rot- oder Wiesenklees abpflücken und an einem schattigen Ort trocknen. Vom Ergebnis füllt man ca. 150 g davon in ein Leinensäckchen und hängt dieses beim Füllen der Badewanne so hinein, dass das heiße Wasser darüberläuft. Dann das Säckchen ausdrücken und ca. 15 Minuten in der Wanne bleiben. Über die Haut wird somit die Leber entgiftet und das Gemüt beruhigt.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Sich seelisch wappnen

Und den Körper stärken

Was ist Stärke? Blicken wir auf den Stamm eines altes Baumes, der vielleicht sogar schon mehrere hundert Jahre gewachsen ist, so ist das ein mögliches Sinnbild dafür. Es gibt aber noch andere Dimensionen, die zählen. Stark ist auch jemand, der sich durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen lässt. Zudem ist für mich auch ein Mensch bewundernswert, der aufgrund einer begnadeten Sensibilität mehr als seine Zeitgenossen in für ihn spürbare Spannungen hineingerät und diese auch erträgt. Fein verästelt und mit scheinbar zartgelben Blütenwölkchen bekrönt wächst das Gelbe Labkraut auf den Wiesen und sucht sich zwischen den hochgeschossenen Grashalmen einen Weg zum Licht. Wenn wir dieses Rötegewächs betrachten, finden wir nichts Grobes oder Klobiges an ihm. Ganz fein verästelt steht es da, seine Blätter muten fast wie Nadeln an, ohne aber zu stechen. Wer also vor dem Labkraut innehält, wird automatisch dazu animiert, nach innen zu blicken, wo Leib und Seele zusammenwirken. Ein gutes Zusammenspiel der Physis und der Psyche haben eine Harmonie zur Folge, die einen zur Ruhe kommen lässt und daher ruhig bleiben lässt, auch wenn äußere Einflüsse das anscheinend unmöglich machen. Mit seinen Inhaltsstoffen wendet sich das Gelbe Labkraut, das auch unter dem Namen Echtes Labkraut (Galium verum) bekannt ist, der Verdauung und den Nieren zu. Trinkt man ab und zu einen aus Labkraut aufgebrühten Tee, fördert man die Tätigkeit des gesamten Lymphdrüsensystems und stärkt auf eine milde und gleichzeitig effektive Weise die Pfortadern.

Gesunde Erfrischung:

1 Teelöffel voll zerkleinerter Labkrautblüten, frisch oder getrocknet, wird in ein Glas Sauermilch durch Umrühren hineingemischt und anschließend zugedeckt. 15 Minuten ziehen lassen und dann trinken. Der gute Geschmack verbindet sich dabei mit einer sinnvollen Unterstützung unserer Gesundheit.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die alten Föhren und die Hubertuskapelle

Verweilen und Gedenken

Selten genug habe ich die Gelegenheit, mich nach getaner Arbeit ins Auto zu setzen, um für kurze Zeit meine Heimat aufzusuchen und rund um das romantische Städtchen Drosendorf spazieren zu gehen. Unlängst war es wieder so weit. Die Sonne meinte es gar gut mit dem Land an der Thaya, und das Thermometer schaffte es selbst im Waldviertel, jenseits der 30°C-Marke zu klettern. Doch unter dem Schatten der Bäume war es ganz angenehm und ein Verweilen darin ein echter Genuss. So stellte ich mein Auto in den Schatten und ging eine Zeit lang durch den regengetränkten Wald. Am Rückweg machte ich noch einen Abstecher zur Hubertuskapelle, die einst 1960 unter der Mitwirkung meines verewigten Vaters errichtet wurde und zwischen zwei alten Waldkiefern an der Straße nach Unterthürnau steht. Ausruhen und zurückschauen. Dankbar werden und wiederum in die Zukunft blicken. Auf die eigene Lebensgeschichte stolz sein. Atem schöpfen und dabei bemerken, wie die alten Föhren seit Generationen mithelfen, dass uns Menschen Sauerstoff zur Verfügung steht. Die beiden alten Bäume haben ihren Standort nie geändert, weil sie keine Mobilität brauchen. Umso mehr trieben sie ihre starken Wurzeln in den Untergrund und finden damit bis heute Halt. Ohne es zu wollen und ohne es entschieden zu haben, stehen diese alten Bäume da und tragen mittlerweile das Schild „Naturdenkmal“ an ihrer Rinde. Heiliger Hubertus, bitte nicht nur für die Jäger! Bitte für alle Menschen, damit sie die Schätze der Natur als großartiges Geschenk für ihr oft beschwerliches Leben entdecken können!

Zapfensalbe selbst gemacht:

4 frische grüne Kiefernzapfen werden zerkleinert und in 100 g Schweinefett, das zuvor erhitzt und geschmolzen wurde, hineingemengt. 1 bis 2 Stunden ausziehen lassen, abschließend nochmals erwärmen, abseihen und in ein dunkles Glasgefäß füllen, das man nach dem Auskühlen verschließt und kühl lagert. Diese Salbe kann bei Erkältungen, bei Rheuma- und Gichtschmerzen verwendet werden.

ⓒ Hubertuskapelle mit Kiefern bei Unterthürnau, Foto Benedikt Felsinger, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Kraut macht seinem Namen Ehre

Schon ist die Sonnenwende vorüber

In der arbeitsreichen Zeit habe ich heuer fast ein Kraut übersehen. Ein paar Tage ist es schon wieder her, dass wir am 24. Juni den Geburtstag Johannes des Täufers feierten. In diesem Zusammenhang steht auch ein ganz wertvolles Kraut, das die Böschungen am Wegrand säumt und zum Leuchten bringt: das Johanniskraut (Hypericum perforatum). Selbst bei den extremen Temperaturschwankungen der vergangenen Zeit hat es sich nicht davon abbringen lassen, den oft hinter den Wolken verborgenen Sonnenschein einzufangen und ihn – dem menschlichen Auge angenehm aufbereitet – in den gelben Blüten weiterzugeben. Das Johanniskraut symbolisiert ein stetiges Streben nach oben, das auch uns Menschen eigen sein darf. In der Heiligen Schrift und in der Liturgie der katholischen Kirche wird immer wieder erwähnt, dass wir den Geist von oben empfangen haben, der uns zu Söhnen und Töchtern Gottes, zu seinen Kindern und daher auch zu Erben alles Guten macht, das der Schöpfer für uns bereithält. In den Pflanzenteilen des Johanniskrautes wird sichtbar, dass ein Wesen auch durchlässig sein kann für das Licht von oben. Die in den grünen Blättern und in den Blüten enthaltenen Öldrüschen erwecken nämlich den Anschein, als wäre das Johanniskraut perforiert. Das ist auch der Grund für das Attribut seines wissenschaftlichen Namens. Mit ihren Inhaltsstoffen regt diese Heilpflanze den Kreislauf und die Verdauung an und hilft daher mit, dass alles in unserem Organismus im Fluss bleibt. Jegliche seelische und körperliche Stauung führt zu einem Unwohlsein und zur Depression. Wenn ich die unübersehbare Heiterkeit des Johanniskrautes betrachte, das aus dem Straßengraben hervorlugt, kann viel leichter das Positive meiner Tage zum Tragen kommen.

Johanniskrautöl einnehmen:

Bei schwermütiger Stimmung kann man selbst hergestelltes oder erworbenes Johanniskrautöl in der Menge einiger Tropfen mit einem Teelöffel Honig vermischt gleich in aller Frühe nach dem Aufstehen ein paar Tage hintereinander einnehmen, um das eigene Gemüt fröhlicher zu stimmen. Achtung: Johnniskrautöl macht die Haut gegenüber Sonneneinstrahlung empfindlich!

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Himbeeren pflücken

Dabei die ganze Pflanze schätzen

Haben Sie schon einmal den Ausdruck „Früchtetraum“ gehört? Verschiedenste Rezepte für Süßspeisen oder Eisbecher führen zu einem dementsprechenden Ergebnis, das dann in Wahrheit diesen Namen verdient. Gottlob müssen die Zutaten dafür jetzt nicht mehr aus den Glashäusern oder aus südlichen Ländern bezogen werden. Es genügt ein wenig Zeit, um die frischen Beeren aus dem eigenen Garten oder aus dem nahen Wald zu holen und mit ein paar Handgriffen zuzubereiten. Das Lob an den Gastgeber samt seiner Küche ist dann so gut wie sicher. Momentan hat die Himbeersaison voll eingesetzt. Je nach gezüchteter Art können diese schmackhaften Früchte fast den ganzen Sommer über geerntet und verarbeitet werden. In der Volksheilkunde greift man überdies seit vielen Generationen auf die grünen Pflanzenteile der Beerenstauden zurück. Von der Waldhimbeere können in den Monaten Juni und Juli die Sprossen und die zarten Blätter abgezupft und getrocknet werden. Wie vor kurzem schon von den Schwarzen Johannisbeeren berichtet wurde, kann man auch aus Himbeerblättern einen Tee zubereiten, der eine breite Anwendungsskala vorzuweisen hat. Zu allererst kann dieser Absud bei Magen- und Darmbeschwerden hilfreich sein. Hat jemand vorübergehend Durchfall oder unangenehmes Bauchgrimmen, geht er nicht fehl, wenn er auf den Himbeerblättertee zurückgreift und ihn als Tagesgetränk zu sich nimmt. Ja, oft übersieht man gar heilvolle Gewächse, denen man nur das eine oder andere zutraut. Aber passiert uns das nicht auch bei der Einschätzung anderer Menschen, die zu allererst mit der Brille unserer Vorurteile betrachtet werden?

„Waschmittel“ Himbeere:

Frische oder getrocknete Himbeerblätter können im Heißaufguss so aufbereitet werden, dass der gewonnene Tee auch für Waschungen der Haut herangezogen werden kann. Diese Anwendung ist vor allem dann sinnvoll, wenn der eine oder andere unter Flechten, Hautunreinheiten oder Geschwüren verschiedenster Art leidet. In diesen Fällen kann man sich damit ebenfalls Umschläge machen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya