Eine botanische Kalkzufuhr suchen

Im Eichenlaub fündig werden

Es ist eine Freude, nun durch die Landschaft zu gehen oder zu fahren. Bei allen Arten dieser Fortbewegung präsentiert sich der frischen Pflanzen Grün in unzähligen Varianten und Nuancen. Junges Eichenlaub hat eine ganz besondere Farbe. Es scheint mir, als hätte der verantwortliche Künstler für die Farbenpracht der Natur bei den Eichen eine Prise Rot ins frische Grün gemengt. Allein das ist für mich schon Grund genug, um meine Aufmerksamkeit den Eichen zuzuwenden. In der Pflanzenfamilie der Buchengewächse (Fagaceae) sind sie zusammen mit ihren Verwandten wie z.B. der Edelkastanie oder der Rotbuche äußerst wertvolle Holzlieferanten. Doch die Eichen, in unseren Breiten – vor allem die beiden Arten Stiel- und Traubeneiche (Quercus robur bzw. Quercus petraea) – haben auch Inhaltsstoffe, die unserer Gesundheit einen guten Dienst erweisen. Innerhalb der begleitenden Anwendungen der Naturheilkunde ist wohl die Aufbereitung der Rinde junger Eichenzweige am meisten bekannt. Diese gewinnt man, indem man sie bereits im Frühling von den Ästen streifenweise abschabt und zum Trocknen auflegt. Später kann daraus ein Tee aufbereitet werden, der aufgrund seiner Gerbstoffe dem Magen und den Darmschleimhäuten zugute kommt, wenn diese unter einer Entzündung leiden. Wenige nur wissen jedoch, dass gerade die jungen Blätter der Eiche ebenfalls für das Wohl des Leibes etwas aufzubieten haben. Unser Körper erhält seine Form vor allem durch das Knochengerüst, das der Stärkung bedarf. Dazu ist es notwendig, dem Organismus regelmäßig Kalk in von Pflanzen aufbereiteter Form zuzuführen. Und genau diese Eigenschaft steckt im jungen Eichenlaub. Ab dem Monat Mai sollte man darangehen, dieses für die Festigkeit der eigenen Knochen zu sammeln und zu nutzen.

Tee aus Eichenblättern:

Junge Eichenblätter kann man durchaus frisch verwenden und im Heißaufguss einen Tee damit zubereiten. Um sie für später haltbar zu machen, ist es angeraten, sie nach dem Abpflücken zuerst im zugigen Schatten vorzutrocknen und danach den Rest der verbliebenen Feuchtigkeit mittels Dörrgerät oder Backrohr bei 40 °C aus den Blättern zu holen. Dann das Trockengut zerrebeln und in einem verschließbaren Glas aufbewahren. Eine Zeitlang täglich 3 Tassen vom Eichenblätter-Tee getrunken, versorgt den Organismus gut mit Calcium.


Eichenblätter ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Geballte Hoffnung aus der Natur

Die Blütenknospen der Hundsrose ernten

Die Angst ist eine schlechte Lehrmeisterin – so hören wir es immer wieder, wenn sich womöglich eine negative Prognose an die andere reiht und unsere Stirn in Falten legt. Schnell kann sie um sich greifen und dazu führen, dass wir uns verstärkt absichern, ja, im schlimmsten Falle sogar abkapseln. Eine Tugend, die der Angst diametral entgegensteht, ist die Hoffnung. Wenn nun im Frühling die Bäume und Sträucher kurz vor ihrer vollen Entfaltung stehen, so wissen wir, dass vor allem in den Knospen sehr viele zukünftige Blüten bzw. Blätter drinnen stecken. Das ist auch bei der Hundsrose oder Heckenrose der Fall. Gerade dann, wenn die Knospen vor dem Aufbrechen beginnen, anzuschwellen, weiß jeder, dass ein Prozess in Gang gesetzt wurde, der keine Umkehr mehr kennt. In vielen Knospen steckt eine Menge an Nähr- und Mineralstoffen, sowie Vitamine und noch vieles andere. Zu längst zurückliegenden Winterszeiten machten sich viele Tiere und Vögel diese Kraftreserven zunutze, um sie als Stärkung zu sich zu nehmen. Die Blütenknospen der Hundsrose (Rosa canina), deren Früchte im Herbst als gesundheitsfördernde Hagebutten geerntet werden können, geben ihre Wirkkraft vor allem an den Magen und zudem an das vegetative Nervensystem weiter. Sie besitzen darüber hinaus heilende und sogar antibakterielle Effekte. Da die stacheligen Sträucher ohnehin eine Fülle an Blüten aufweisen, entsteht keine bedrohliche Beeinträchtigung ihrer Fruchtbarkeit, wenn man einen Teil davon schon abpflückt, bevor sie aufspringen und zur vollen Entfaltung kommen. Nicht nur im Frühling ist es angezeigt, sowohl geistig als auch körperlich einen Aufbruch zu wagen. In so manchen Knospen steckt eine geballte Hoffnung, die uns genau dazu ermutigt.

Blütenknospen-Tee:

Um die Knospen der Hundsrose zu ernten, sollte man sie abpflücken, wenn sie schon aufgebrochen sind und kurz vor dem Erblühen stehen. Im Schatten trocknet man dann das Erntegut, um es hernach in gut verschließbaren Gefäßen aufzubewahren. Für einen Tee nimmt man davon 2 Teelöffel voll, übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser und lässt sie 1/4 Stunde zugedeckt ziehen. Dann abseihen und schluckweise trinken. Bei Magen- und Darmentzündungen oder bei einer Schwächung des vegetativen Nervensystems kann man 2 bis 3 Tassen dieses Tees pro Tag zu sich nehmen.


Heckenrosenblüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Damit nichts ins Stocken gerät

Der Leinsamen und die Verdauung

Die Verwendung von Erdölprodukten als Kraftstoff hat verglichen mit der gesamten Entwicklungsgeschichte der Menschheit eine relativ junge und kurze Tradition. Im 19. Jahrhundert noch konnte man sich nicht vorstellen, dass dieses fossile Grundmaterial einst den Welthandel bestimmen würde. Wer weiß, wie lange die Ressourcen des Erdöls noch reichen werden? Hoffentlich übernehmen bald erneuerbare Energiequellen den Staffellauf in dieser Hinsicht. Im Gegensatz dazu begleitet ein pflanzlicher Öllieferant den Menschen seit Jahrtausenden. In der Feldkultur wird der Lein (Linum usitatissimum) in Sorten angebaut und geerntet, die uns Erdenbürgern einerseits zur Gewinnung von textilem Grundmaterial und andererseits eben als Öl- und Samenlieferant zur Verfügung stehen sollen. Leinsamen ist als Speisenzugabe sehr zu empfehlen, denn er kann durchaus mithelfen, die Fettverdauung unseres Organismus zu regeln und die Cholesterinwerte im Blut auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Nicht zuletzt trägt der Samen des Gemeinen Leins dazu bei, dass Magen und Darm sich nicht im Müßiggang ergehen, sondern durch die Ballaststoffe rege und tätig bleiben. Ein Päckchen voller Leinsamen sollte also nicht nur bei Magenkranken in der Speisekammer stehen, sondern auch immer wieder von Gesunden in die Nahrung integriert werden. Einerseits ist das Leinöl der Verdauung im Gesamten sehr zuträglich, anderseits ist es aber auch der Schleimgehalt der Oberfläche des Leinkorns, der sich eindeutig positiv auf die Tätigkeit des Darmes auswirkt. Dessen Schleimhaut kann unter Umständen Schwierigkeiten haben, ihre gleitfähige Konsistenz zu bewahren. In diesem Falle ist es sicher ganz gut, auf ein natürlich gewachsenes und gereiftes Hilfsmittel zurückzugreifen, das uns seit Menschengedenken im Leinsamen zur Verfügung steht.

Dem Darm weiterhelfen:

Damit die Wände des Darmes gleitfähig bleiben und somit die Verdauung ihren geregelten Ablauf bewahren kann, unterstützt ein einfaches Hausmittel dieses Ziel. Hierfür nimmt man 2 Esslöffel voll geschroteter Leinsamenkörner und mischt sie in eine angewärmte Buttermilch, die man danach langsam auslöffelt. Am besten 1 Woche lang in der Früh und am zeitigen Abend durchführen. Nach 2 Wochen Pause wiederholen.


Leinpflanze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Frage nach dem „Wie“

Der Hafer und die Raucherentwöhnung

Unlängst ging es wiederum durch alle Medien: die Packungen von Zigaretten sollen mit schockierenden Bildern versehen werden, um auf die möglichen zum Tode führenden Spätfolgen des Rauchens aufmerksam zu machen. Die Frage stellt sich sogleich, ob damit wirklich der erwünschte Effekt erzielt wird. Es steht mir nicht zu, darüber ein Urteil abzugeben und noch weniger, den moralischen Zeigefinger zu erheben. Ich denke hingegen, dass der freie Wille, der uns Menschen auszeichnet, viel mehr an Gutem vermag, als wir das selbst oft meinen. Mit dem Hafer (Avena sativa) darf ich heute auf eine pflanzliche Gabe der Schöpfung hinweisen, die voller Power steckt. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen könnte ich darauf verweisen, dass das wertvolle Korn nicht umsonst den Pferden als Kraftnahrung gereicht wird, damit sie Wägen, Pflüge und selbst Baumstämme ziehen können. Aber im Hinblick auf die humane Verwendungsform des Getreides sei einmal mehr darauf aufmerksam gemacht, wie gesundheitsfördernd der Verzehr des aufbereiteten Hafers für uns alle sein kann. Nicht umsonst kann man die Haferflocken in jedem Alter zu sich nehmen, um einerseits den Magen zu schonen und gleichzeitig die ganze Physis zu stärken. Wenn nun jemand wirklich darangeht, sich sämtlicher Zigaretten zu entledigen und endgültig mit dem Rauchen aufzuhören, dann braucht er oder sie ganz starke Nerven. Und einen festen Willen noch dazu. Ich kenne Gott sei Dank etliche Bekannte, die meine volle Hochachtung verdienen, weil sie wirklich konsequent NEIN zum Nikotin sagen. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass damit gleichzeitig nicht nur sie selbst, sondern auch ihre ganze Umwelt aufzuatmen beginnt. Der Hafer stärkt nicht bloß den Leib, er festigt auch die Nerven. Eben ein Korn, das Entwöhnende eine Zeitlang begleiten kann.

Abkochung von Haferkörnern:

3 volle Esslöffel von nicht entspelzten und leicht angequetschten Haferkörnern werden über Nacht in 3/4 Liter kaltem Wasser angesetzt. Morgens kurz aufkochen, 5 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. In eine Thermosflasche füllen. Über den Tag verteilt sollte man davon 3-mal je 1/4 Liter schluckweise trinken, um Geist und Leib beim Abgewöhnen des Rauchens zu unterstützen.


Hafer ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Meer voller Blüten

An den Schlehensträuchern daraus schöpfen

Immer dann, wenn es große Erdbewegungen gab, neue Straßen, Trassen und Ebenen geschaffen wurden, muss der Mensch dafür Sorge tragen, dass die so entstandene Oberfläche nicht der fortschreitenden Erosion preisgegeben wird, sondern alles so bald als möglich befestigt wird. Am besten bepflanzt man den offenen Boden mit Gewächsen, deren Wurzeln automatisch allem Darunterliegenden die nötige Festigkeit verleihen. Entlang der alten Hohlwege, die leider immer rarer werden, erledigt dies seit Jahrhunderten der Schlehdorn (Prunus spinosa), der sich gleichsam dafür verantwortlich fühlt, die Waldränder und so manche Böschung zu stabilisieren. Dieser dornenbesetzte Strauch ist darüber hinaus eine Zufluchtsstätte für viele Vögel und Kleintiere, die im Schutzdickicht des Schwarzdorns, wie die Schlehe auch bezeichnet wird, gerne ihre Kinderstuben errichten und sich darunter vor Greifvögeln sicher wähnen. Im letzten Herbst noch waren die Sträucher übersät mit ihren stahlblauen Früchten. Momentan zieht der Schlehdorn aber alle Register und ist in der Landschaft durch seine unzähligen weißen Blüten gar nicht zu übersehen. Nach den kalten Monaten laben sich nun die ausgehungerten Bienen daran, um wiederum zu wertvollen Kräften zu kommen. Für uns Zweibeiner sind die Schlehenblüten ebenfalls von Nutzen. Die daraus aufbereitete Droge kann dafür verwendet werden, um konkret dem Blut einen guten Dienst zu erweisen oder verkrampfte physische Zustände zu lockern. Um dessen habhaft zu werden, genügt es nicht, die Schlehensträucher in ihrer Pracht nur zu bestaunen. Mit Fingerspitzengefühl kann man darangehen, um die voll entfalteten Blüten von den Zweigen zu zupfen und sie behutsam im Schatten zu trocknen. Gut gelagert, können sie uns dann bis zum nächsten Frühjahr als natürliches Hilfsmittel zur Verfügung stehen.

Tee aus Schlehenblüten:

Von den getrockneten Blüten des Schlehdorns übergießt man 2 Teelöffel voll mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Hernach abseihen und schluckweise trinken. Am besten nimmt man den Tee ungesüßt zu sich, um damit u. a. den Stuhlgang zu fördern, das Blut zu reinigen oder seine krampflösende Wirkung in Anspruch zu nehmen.


Schlehdorn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vom Gin zur Haarpflege

Beides darf man dem Wacholder zutrauen

Als Liebhaber der lebendigen Natur in meiner direkten Umgebung ist es für mich ganz einfach, einen Grund zur Freude zu finden. Das passiert immer dann, wenn ich auf das eine oder andere Individuum treffe oder seine Ankunft miterlebe. So war es am Ostersonntag die erste Rauchschwalbe, die ich erblicken durfte und die mir Anlass zur Hoffnung gab. Und hie und da entdecke ich beim Wandern einen Wacholder, der von einem naturliebenden Waldbesitzer beim Säubern des Forstes sein Bleiberecht behielt. In meinem an die Pfarrkirche angrenzenden Hof steht auch ein solches Zypressengewächs, das ich als kleines Pflänzchen von meinem elterlichen Garten hierher übertrug und das nun nach Jahren schon eine stattliche Größe aufweist. Am Boden liegen bereits die überreifen Beeren vom letzten Winter. Was soll ich nun damit anfangen? Um mit den blauen Fruchtzapfen erfolgreich Gin zu produzieren, wofür Wacholder benötigt wird, und diesen zu Markte zu tragen, fehlen mir sowohl der Wille als auch die Zeit. Das bringen andere besser zustande. Doch etwas anderes kann ich sehr wohl probieren. Die Wacholderbeeren enthalten neben ätherischem Öl auch Terpene, Flavonoide und Gerbstoffe. Das gibt Grund zur Annahme, dass diese kleinen Früchte nicht nur dazu verwendet werden können, um das Sauerkraut oder verschiedene Wildgerichte damit zu würzen. Sie dienen ebenso gut für äußerliche Anwendungen, um z. B. die Kopfhaut und den darauf sattfindenden Haarwuchs zu festigen und zu unterstützen. Man kann sich also durchaus darübertrauen, einmal ein selbstgemachtes Produkt dieser Art für die Körper- und im Speziellen für die Haarpflege zu verwenden. Die Kopfhaut signalisiert ohnehin, ob sie mit dieser Methode „einverstanden“ ist.

Wacholderbeeren-Wasser herstellen:

75 g reife blaue Wacholderbeeren werden im Mörser zerdrückt und über Nacht in einem 3/4 Liter Wasser kalt angesetzt. Am darauffolgenden Morgen 10 Minuten lang aufkochen. Dann abkühlen lassen, abseihen und in eine Literflasche füllen. Zuletzt mit Ansatzalkohol den restlichen Inhaltsraum auf das Volumen von 1 Liter auffüllen. Damit ist eine Lotion gewonnen worden, mit der man täglich die Kopfhaut einmassieren und die Durchblutung fördern kann.


Wacholder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn sich die Haut rötet

Was der Feldahorn dazu beitragen kann

Wenn mir bei einem Wien-Besuch etwas Zeit übrig bleibt, dann schlendere ich gern durch die Innenstadt und bleibe bei den Auslagen der Antiquitätenhändler stehen, um mich an dem einen oder anderen Exponat aus der Barockzeit oder gar aus der Gotik zumindest visuell zu erfreuen. Bei einem Spaziergang durch den heimischen Wald wiederum geht es mir ganz ähnlich. Unlängst stand ich einmal mehr staunend vor ganz alten Exemplaren des Feldahorns (Acer campestre), die man im Thayatal nahe der Grenze zu Tschechien Gott sei Dank noch bewundern kann. In vielfältigen Wuchsformen begegnet man der kleinsten heimischen Ahornart in der freien Natur. Die Tatsache, dass er auch den Rückschnitt gut verträgt, hat ihn seit langem ebenfalls zum beliebten gärtnerischen Element gemacht. Jetzt im Frühjahr sollte nicht übersehen werden, wie der Feldahorn durch seine unscheinbaren, aber nektarreichen Blüten dafür sorgt, dass die futterhungrigen Bienen nicht leer zu ihren Stöcken zurückkehren müssen. In der Naturheilkunde spielt der Maßholder, wie man den oft knorrig gestalteten Waldrandbaum zudem nennen kann, eher eine untergeordnete Rolle. Dennoch wirft er für diesen Zweck durchaus einen Gewinn ab, der vor allem in den feinen adstringierenden Gerbstoffen zu finden ist. Das Erntegut besteht in diesem Fall aus der Rinde des Baumes. Von den jungen Zweigen, die noch keine korkigen Leisten aufweisen, kann diese zwischen April und Mai abgelöst werden. Ganz praktisch funktioniert das so, dass man mit dem Messer zwei kreisrunde Schnitte über eine gewisse Distanz und danach dazwischen ein Längsschnitt gezogen werden. Mit der Messerspitze hebt man dann die Rinde vom Untergrund ab. Am besten nimmt man die Schutzschicht von dünnen Ästen, die ohnehin beim Rückschnitt anfallen. Die abgeschälte Ware soll in der Sonne vor dem Lagern gut getrocknet werden.

Gerötete Haut „besänftigen“:

Manchmal kann es durch äußere Einflüsse wie chemische oder pflanzliche Erregerstoffe zu Irritationen der Haut kommen. In diesem Fall kann man eine Abkochung aus Feldahorn-Rinde verwenden, um Kompressen für eine Auflage damit zu tränken. 2 Teelöffel der zerkleinerten getrockneten Rinde werden mit 1/4 Liter kaltem Wasser aufgegossen und kurz aufgekocht. Danach ca. 10 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Feldahorn-Rinde eignet sich überdies als Badezusatz bei empfindlicher oder spröder Haut.


Feldahorn ⓒ wikimedia.commons





Für ein gesundes Wachstum

Mit Kamillenblüten die Beete stärken

Die Empfehlung, tagsüber genügend viel zu trinken, um das nötige Quantum an Flüssigkeit zu sich zu nehmen, sollten wir alle miteinander ernst nehmen. Immerhin hilft dies mit, dass nicht nur der Kreislauf stabil bleibt, sondern auch der Geist seine Frische bewahrt. In der Reihe der empfohlenen Getränke wird man sehr bald bei den Kräutertees landen. Diese erweisen sich dann auch oft als vorbeugend. Ist jedoch von der Kamille die Rede, so denkt man dabei eher an eine Erkältung oder an einen verstimmten Magen. Aber kann ein Tee, der aus Kamillenblüten aufgegossen wird, auch vorbeugend zur Verfügung stehen? Nun, wir kennen die lindernde Wirkung, die von diesem Kraut in allen möglichen menschlichen Lebenslagen ausgeht. Daher sind die Teefächer in der Küche auch bei nicht unbedingt enthusiastischen Kräuterfans mit diesem Gewächs bestückt. Momentan lenken wir jedoch unsere Blicke mit gutem Recht mehr in den Garten. Dort besteht gemäß der Jahreszeit und dem günstigen Wetter nun ein Handlungsbedarf, der meines Erachtens keinen Aufschub duldet. Denn immerhin drängt das keimende und wachsende Leben der Blumen und des zukünftigen Gemüses quasi aus allen Poren und Ritzen. Somit ist es nötig, dem zierenden und einst fruchtenden Grün seinen vorgesehenen Platz im Erdreich zuzuweisen. Irgendwie behandeln Garten-Amateure und ebenso die Profis dieser Provenienz die Stecklinge und die Jungpflanzen wie eigene Kinder, die sie gesund und vital heranwachsen sehen wollen. Und genau diesem Ansinnen dient die Kamille. Pflanzen helfen eben auch Pflanzen und stellen einander im wunderbaren Kreislauf der Natur ihre Kräfte zur Verfügung.

Vor Wurzelkrankheiten schützen:

Von der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) nimmt man eine Handvoll frischer oder getrockneter Blüten und setzt sie 24 Stunden lang zugedeckt in 1 Liter lauwarmem Wasser an. Danach seiht man den Ansatz ab, presst zudem die Blüten aus und verdünnt das Ganze im Verhältnis 1 : 5. Diesen Kamillen-Ansatz kann man sowohl über die Pflanzen mit einem Zerstäuber sprühen oder einfach auf den Boden oder schon den Kompost gießen, um damit ein gesundes Wachstum der Jungpflanzen jeglicher Art zu fördern. Diese Maßnahme schützt auch vor möglichen Wurzelkrankheiten oder Fäulnis.


Kamille ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Sich ums Aussehen kümmern

Goldmelisse anstatt Schminke verwenden

Wenn wir mit jemandem sprechen möchten, so tun wir uns leichter, wenn wir in sein oder ihr Gesicht blicken können. Darauf ist meist ohnehin die momentane seelische oder gesundheitliche Verfassung abzulesen, auf die wir uns beim Gespräch dann auch einstellen können, ohne dass das Gegenüber es artikulieren muss. Es schmeichelt aber durchwegs allen von uns, wenn wir den Zuspruch erhalten: „Du siehst heute aber wirklich gut aus!“. Ein Lippenblütler mit Namen Goldmelisse (Monarda didyma) hat dieses Kompliment auf jeden Fall verdient. Die einst auf dem nordamerikanischen Subkontinent beheimatete Heilpflanze wurde schon vor den europäischen Entdeckern von der dort angestammten indigenen Bevölkerung geschätzt und genutzt. Doch bald hat man sie auch in unseren Breiten in den Gärten als Ziergewächs ausgesät und kultiviert, ehe man daranging, ihre positiven Wirkungen für Leib und Seele zur Anwendung zu bringen. Die Goldmelisse, die aufgrund ihrer Herkunft auch Indianernessel genannt wird, besitzt eine wohlig-warme Ausstrahlung, die sie imstande ist, an unsere Physis weiterzugeben. Das hat durchaus Folgen für die Nerven, die im Normalfall eine Menge zu regeln haben. Wer angespannt ist, dem kann man das in den meisten Fällen auch am Gesicht ablesen. Um sich daher um sein eigenes Aussehen zu kümmern, wird es nicht das Beste sein, mit Spachtel und Tapete den Ist-Zustand zu überdecken. Da ist es doch viel sinnvoller, sich selbst etwas Gutes zu tun. In der Blütendroge der Goldmelisse steht uns jedenfalls ein Begleiter zur Seite, der dafür sorgen kann, dass man das eingangs zitierte Kompliment vielleicht wieder öfter zu hören bekommt. Und das sogar gleich in der Früh?!

Gesichtspflege mit Goldmelisse:

Am Abend 1 Stunde vor dem Schlafengehen Folgendes durchführen: Von getrockneten Blüten der Goldmelisse nimmt man 2 Esslöffel voll und übergießt sie mit 1/2 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Davon trinkt man 1 Tasse, nachdem man sie mit etwas Honig gesüßt hat. Den Rest verwendet man dafür, um damit das Gesicht langsam und gründlich abzuwaschen und gleichzeitig auf Seife zu verzichten. Von selbst trocknen lassen. Das verleiht am nächsten Morgen ein entspanntes und frisches Gesicht.


Goldmelisse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Kraft der Sonne und der Erde

In der Alantwurzel gespeichert

Anlässlich erneuter Bedenken, die meiner Meinung nach berechtigt durch den Betrieb der Atomkraftwerke unweit der Grenzen Österreichs ausgelöst werden, besinnt man sich wiederum mehr auf den Energiegewinn natürlich erneuerbarer Quellen. Mit Stolz dürfen wir darauf blicken, was in dieser Hinsicht die Forschung und die daraus resultierende Praxis gerade in unserem Heimatland bereits zuwege gebracht hat. Nichtsdestotrotz werden jene Lebewesen im Umwandeln der Sonnen- und der Erdenergie wohl kaum je übertroffen werden: die Pflanzen. Als Beispiel möge hier heute ganz konkret der Alant (Inula helenium) dienen. Dieser Korbblütler war wohl einst im asiatischen Kontinentalraum verbreitet, hat aber schon lange auch in unseren Gärten das Wohnrecht. Sehr vielseitig sind seine Wirkungen, die durch die Naturheilkunde der zurückliegenden Jahrhunderte immer wieder gehoben und zur Anwendung gebracht wurden. So kommt der aufbereitete Alant besonders der Haut, den Atemwegen und nicht zuletzt auch den Verdauungsorganen zugute. Grund dafür bieten die in den einzelnen Pflanzenteilen vorhandenen ätherischen Öle, die Bitterstoffe sowie ebenfalls Kampfer, Harze und Pektin. Es ist jedes Mal von Neuem staunenswert, wenn man bedenkt, dass die Alantpflanze all das und noch vieles mehr aufbereiten kann, indem sie sich schutzlos dem Sonnenlicht ausliefert und mit ihrem Untergrund aus Erde und Steinen zurechtkommt, in den sie ihre mächtige Wurzel treibt. Letztere ist es auch, auf die sich der Alant im Herbst zurückzieht und nun im Frühjahr mit voller Kraft voraus erneut dem Himmel entgegenwächst. Die aus Erde und Sonne gleichermaßen aufbereitete Energie kommt u. a. dem Magen zugute. Jetzt bleibt noch ein wenig Zeit, um die Wurzel zu ernten.

Alantwurzel vor den Mahlzeiten:

Die Wurzel des Alants kann man bis Mitte April ausgraben und zum Trocknen aufschneiden. Bei empfindlichem Magen, bei schlechter Verdauung oder einem Blähbauch sollte man darangehen, jeweils ein kleines Stück getrockneter Alantwurzel zu kauen. Über den Speichel, der daraufhin vermehrt zu fließen beginnt und der geschluckt wird, gelangen die gelösten Stoffe des Alants an ihren Adressaten. Das gekaute Wurzelstück selbst sollte wiederum ausgespuckt werden.


Alant ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya