Wenn’s nicht läuft wie geschmiert

Johanniskraut tut dem Knie gut

Eine Wunschvorstellung jedes Chefs in jeder Art von Betrieb, jeder Abteilungsleiterin oder jeder Hoteldirektorin ist es doch, dass die Angestellten harmonisch zusammenarbeiten, auf jede Veränderung mit Verständnis reagieren und zudem die Bilanzen schwarze Zahlen aufweisen. Zusammengefasst nennt man das ganz einfach: es läuft wie geschmiert. Bei unserem Körper mitsamt seinen Gelenken gilt das ebenso. Im Johanniskraut (Hypericum perforatum) begegnen wir einem Kraut, das im Allgemeinen für seine beruhigende Wirkung bekannt ist. Davon zeugt einen breite Palette von Produkten, die in den Apotheken erhältlich ist. Es ist für mich persönlich des Sommers je neu eine Freude, dem Johanniskraut begegnen zu dürfen. An den Feldrainen und an den Wegrändern steht es quasi griffbereit und streckt mir seine froh stimmenden gelben Blüten und seine ovalen Blätter entgegen, von denen ich hie und da eines abzupfe, um es gegen das Sonnenlicht zu halten. Dann erscheint vor meinen Augen ein Bild, das frappant einem Sternenhimmel ähnelt. Durch die in der Oberflächenstruktur integrierten winzigen Öldrüschen meint man, ein durchlöchertes Blatt vor sich zu haben. Aber gehen wir zurück zu dem Umstand, der vielen von uns Sorgen und auch begleitende Schmerzen bringt. Das Gehen verläuft nämlich nicht mehr wie geschmiert (s. o.), wenn vor allem das Knie nicht mehr mitspielt. Diese äußerst wichtige Beugezone unserer Beine hat ja im Laufe des Lebens viel zu erledigen und abzufedern. Im Bereich des Kniegelenkes kann es aus verschiedenen Gründen zu Entzündungen kommen, die das Gehen und Bewegen ziemlich beeinträchtigen können. Neben der ärztlich verordneten und begleitenden Therapie kann man auch das Johanniskraut heranziehen, um äußerlich den angesprochenen Krisenherd in Angriff zu nehmen.

Ein Tee für einen Umschlag:

Bei Kniegelenksentzündung ist es sinnvoll, auf verschiedene Weise Umschläge anzulegen und die Haut rund um das Knie mit abschwellenden und kühlenden Hilfen einzureiben. Ein Tee, der aus getrockneten Blüten und Triebspitzen des Johanniskrautes im Heißaufguss zubereitet wird, eignet sich in diesem Falle sehr gut, um damit einen Verbandsstoff zu tränken und ihn jeweils eine Zeitlang um das Knie zu binden. Das hilft mit, dass sich die Entzündung verringert und das Knie wiederum heiler seinen Dienst aufnehmen kann.


Johanniskraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wird auch Weihrauchbaum genannt

Der Wacholder lässt das Blut zirkulieren

In den nachweihnachtlichen Tagen haben hoffentlich viele noch den Geruch von Weihrauch in der Nase, dem sie sich entweder bei der Feier der Liturgie oder beim Räuchern der Wohnungen bzw. anderer Räumlichkeiten aussetzten. Die Sternsinger hatten ihrerseits das duftende Harz ebenfalls mit im Gepäck. In unseren Breiten gibt es einen Strauch, der den Ehrentitel Weihrauchbaum trägt. Jedoch haben unsere Vorfahren damit den Gemeinen Wacholder (Juniperus communis) bezeichnet, dessen Reisig sehr oft zum Räuchern und Selchen verwendet wurde und daher trägt der Strauch diesen vordergründig irreleitenden Namen. Mit dem Balsambaum (Boswellia sacra), dem eigentlichen Lieferanten des duftenden Weihrauchharzes, hat der Wacholder rein botanisch betrachtet, überhaupt nichts zu tun, da dieser wiederum der Familie der Zypressengewächse angehört. Eigentlich sind landläufig die Zapfenbeeren des stacheligen Gewächses von Interesse, da sie als hervorragendes Gewürz ihre guten Dienste tun. Diese kommen u. a. beim Zubereiten von Wildspezialitäten zum Tragen. Auch beim Einstampfen des angestrebten Sauerkrautes dürfen die Wacholderbeeren ein Wörtchen mitreden. Wer sich im Garten in weiser Voraussicht einen Wacholder gepflanzt hat, der kann zur Unterstützung mancher Anliegen durchaus auch auf die grünen Pflanzenteile des Kranewitts zurückgreifen. Trifft man jedoch in freier Natur Exemplare dieser Art an, sollte man sie hüten und schonen, damit in der Flora die Vielfalt aufrecht erhalten wird.

Die Durchblutung der Füße fördern:

Bei nicht wenigen kommt es vor allem im fortgeschrittenen Alter zu Stauungen in den Füßen oder zu einer verminderten Durchblutung derselben. In diesem Falle kann man hergehen und sich durch Abkochen von Nadeln und Triebspitzen des Wacholderstrauches einen Zusatz herstellen, den man regelmäßig durchgeführten Fußbädern beigibt. Dadurch kommt es einerseits zur Ableitung von angestauten Flüssigkeiten und gleichzeitig zu einer besseren Zirkulation des Blutes in der untersten Körperregion.


Wacholder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Manche können es nicht riechen

Patschuli-Öl hat nützliche Effekte

In einem altehrwürdigen Gebäude, wie es nun einmal das Kloster wie das meinige ist, gibt es nicht nur eine proportional ausgewogene Architektur und Mauern mit überdimensionalem Durchmesser, sondern auch den einen oder anderen Schlupfwinkel für lästige Untermieter. So tauchen da und dort je neu Motten auf, die sehr dankbar sind, reine Wollstoffe vorzufinden, die dem Nachwuchs als willkommene Nahrung dienen können. Die Spuren, die dieses Ungeziefer hinterlässt, sind dann unübersehbar. Im Fernen Osten wächst eine Pflanze, die Patschuli (Pogostemon) genannt wird und deren ätherisches Öl seit jeher die dort ansässige Bevölkerung sehr schätzt. Motten sind hingegen wahre Kostverächter dieses leicht verdampfenden Inhalts der exotischen Lippenblütler. Von daher kann man darangehen und das Patschuli-Öl als eindeutige humane Reviermarkierung verwenden, die den ungebetenen Kleinstschmetterlingen signalisiert, dass ihre Anwesenheit definitiv unerwünscht ist. Das vorwiegend aus dem Indischen (Pogostemon cablin) und dem Javanischen Patschuli (Pogostemon heyneanus) gewonnene ätherische Öl hat überdies eine keimtötende Wirkung, die sich als förderlich für ein psychisches Wohlbefinden erweist. Wenn wir uns also hier an dieser Stelle vorwiegend mit einheimischen Gewächsen beschäftigen, tut dies jedoch der Tatsache keinen Abbruch, auch dann und wann die Vorzüge eines Exoten unter die Lupe zu nehmen und in den Alltag zu integrieren. Der intensive Geruch des ätherischen Inhaltsstoffes von Patschulikraut darf von uns Menschen durchaus ganz bewusst über die Atmung eingesogen werden, wenn auch die Motten da ganz anderer Meinung sind.

Mit Duftschalen die Luft anreichern:

Im Wohnbereich ist es gerade zur Winterszeit angebracht, mithilfe leicht verdampfender Substanzen eine eigene Raumatmosphäre zu schaffen, die unserer Gesamtverfassung zugute kommt. Als ideal erweist sich dabei das ätherische Öl der Patschuli-Pflanze, die botanisch mit den uns bekannten Minze-Arten verwandt ist. Das Einatmen des verdampften Öles vermag so manche Unausgeglichenheit zwischen Körper, Seele und Geist wiederum zu mindern. Patschuli hilft daher auch mit, Spannungen, die der Alltag mit sich bringt, zu erden und abzuleiten.


Patschuli ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gemüse bereichert die Kost

Im Rosenkohl einen Partner für die Gesundheit finden

Gehen wir zurück in die Urgeschichte unserer Menschheit, so sprechen wir gerne vom Stadium, da unsere frühen Vorfahren als Jäger und Sammler unterwegs waren, um ihren Alltag zu bestreiten. Nach der Domestizierung der Wildtiere wurde man sesshaft und betrieb schließlich Ackerbau. In der heutigen Zeit der äußersten Zivilisation ist es anscheinend wiederum nötig, auf die Jagd zu gehen. Selbstverständlich meine ich das im übertragenen Sinne. Der Rosenkohl (Brassica oleracea var. gemmifera) ist in dieser Weise eine gute Trophäe, nach der man Ausschau halten kann, um die Ernährung möglichst gesund und abwechslungsreich zusammenzustellen bzw. zu konsumieren. Für den Rosenkohl werden auch die Bezeichnungen Sprossenkohl und Kohlsprossen verwendet. Dieses ohnehin sehr populäre Gemüse kann man vor allem im Herbst ernten. In milden Wintern ist es zudem möglich, noch bis in den Dezember hinein die grüne Ware frisch aus dem Garten zu holen und zu verarbeiten. Sinken jedoch die Temperaturen Richtung –10° C, so werden die Kohlsprossen wertlos. Da ist es sicher klüger, diese rechtzeitig vor dem Wintereinbruch einzubringen und für eine spätere Verwendung in der Gefriertruhe tiefzukühlen. Wie andere übliche Gemüsesorten sorgt auch der Rosenkohl dafür, dass dem Magen und dem Darm genügend Ballaststoffe zugeführt werden. Eine intakte Verdauung wiederum trägt ja bekannter Weise maßgeblich zu einem hohen Grad an Wohlbefinden bei. Frisches Obst und Gemüse unterstützt generell unsere Abwehrkräfte und beugt vor, damit sich nicht gravierende Krankheiten in unserem Körper breit machen.

Kohlsprossen nicht zerkochen:

Immer wieder passiert es, dass manche das Gemüse wie eben auch Rosenkohl beim Zubereiten zu sehr erhitzen. Damit darf man ruhig Maß halten. Denn gerade in den nussgroßen Sprossen birgt sich ein hoher Gehalt an Vitamin C, der möglichst unbeschadet in den Magen gelangen sollte. Beim Genuss sollte der Sprossenkohl noch knackig sein und „Biss“ haben.


Rosenkohl oder Sprossenkohl ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Im Siegeskranz eingeflochten

Mit Lorbeer den Darm stärken

Gott sei es geklagt, dass wir uns in Zeiten wie den unsrigen je neu mit kriegerischen Konflikten auf unserem blauen Planeten auseinandersetzen müssen. Die Folgen davon sind selbst in Europa mehr als spürbar. Gehen wir zurück in die Antike, so sagt uns die Geschichtsschreibung nichts Besseres. Jeder Eroberung ging ein blutiger Kampf voraus. Die Sieger trugen nicht nur den territorialen Erfolg davon, sondern zugleich auf ihrem Haupt einen Kranz aus Lorbeerzweigen. Die Blätter dieses mediterranen Gewächses waren grundsätzlich jedoch ein friedliches Symbol. Die wärmeliebende Pflanze des Lorbeerbaumes war eine der ersten Kübelpflanzen, die man auch diesseits der Alpen von der Donau aus betrachtet den Sommer über in den Garten stellte. Hildegard von Bingen schätzt den Lorbeer und weiß um seine heilende Kraft bei Verdauungsproblemen. Und den Beeren des Lorbeerbaumes schreibt die medizinisch versierte Äbtissin fiebersenkende Kraft zu. In der Küche sind getrocknete Lorbeerblätter bis heute ein wichtiges Gewürz, um Fleischspeisen schmackhafter und eingemachtes Gemüse aromatischer schmecken zu lassen. Es gehört eben zu den alten Weisheiten, dass ein kräutermäßiges Beiwerk nicht nur dem Gaumen schmeichelt, sondern dass damit auch eine gleichzeitige Wirkung Platz greifen kann, die zu unserem allgemeinen Wohlbefinden zumindest ein Scherflein beiträgt, das wir nicht zu missen brauchen. In der gottgewollten Natur greift oft beides ineinander. So gesehen würde den Klugen ein Lorbeerkranz zustehen, die versuchen, mit den Kräften der Heilpflanzen ihre Gesundheit zu verteidigen.

Blätter vom Lorbeer mitkochen:

Es gibt sehr viele Gelegenheiten, um den würzig-bitteren Geschmack der Lorbeerblätter in verschiedenste Gerichte wie Bratensoßen, Wildbeize, Fischsuppen oder Rotkraut durch bloßes Mitkochen einzubringen. Auf das Einmachen von Gemüse wurde oben schon hingewiesen. Beim Genuss der Speisen oder der eingelegten Ware unterstützt man durch die Wirkkräfte des Lorbeers die Selbstreinigungskraft der Darmschleimhäute. Somit funktioniert daher die Verdauung besser und trägt zu einem verstärkten Wohlbefinden bei.


Lorbeer ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die drei Weisen aus dem Morgenland

Hatten sie auch Quitten im Reisegepäck?

Es gibt viele Spekulationen rund um die so genannten Heiligen Drei Könige, die dem Stern folgten, um dem neugeborenen Christkind zu huldigen. Sie taten ihre Schätze hervor, als sie an ihr ersehntes Ziel gekommen waren, nämlich Gold, Weihrauch und Myrrhe. Dabei handelt es sich um keine Nahrungsmittel, die als Proviant herhalten konnten. Heute möchte ich aus diesem Anlass auf eine Frucht verweisen, die den Weisen sicherlich bereits bekannt waren: die Quitten (Cydonia oblonga). Mit dieser Frucht gehen meine persönlichen Erinnerungen zurück in meine Kindheit, als ich selbst noch Jahr für Jahr als Sternsinger in meiner Heimatpfarre Drosendorf an der Thaya unterwegs war. Denn meine Eltern hegten in unserem Garten einen Quittenstrauch, dessen Früchte nach jedem Herbst in eine Obstschale gelegt wurden, um den Räumen, wo sie aufgestellt waren, ein besonderes Aroma zu verleihen. Die Quitten waren aber in der Generation unserer Groß- und Urgroßeltern noch viel mehr verbreitet und bekannt, als dies heute der Fall ist. Berühmt ist indessen immer noch ein feines Quittengelee, das auch in unseren Tagen zu den besonderen Delikatessen zählt. Durch den hohen Schleimgehalt aller Pflanzenteile des Quittenstrauches kann man z. B. aus den frischen Quittenblüten einen Tee aufgießen, der bei Husten hilft und darüber hinaus eine leidliche Schlaflosigkeit zu lindern vermag. Gewiss sucht man nach diesen schön geformten Blühwerken momentan vergeblich. Dennoch kann man im Winter überdies auf die getrockneten Blätter der Quitten zurückgreifen, sofern man diese in weiser Voraussicht bereits im vorausgehenden Sommer gesammelt hat. Und die nächste Vegetationsphase kommt bestimmt. Ihnen allen einen schönen Dreikönigstag!

Getrocknete Quittenblätter aufkochen:

Von den Quittenbäumen und -sträuchern kann man im Frühsommer die Blätter ernten, gründlich trocknen und sie dann geschützt aufbewahren. Um ein Tagesgetränk daraus zuzubereiten, nimmt man 40 g der getrockneten und zerkleinerten Blattdroge und stellt diese in 1 Liter kaltem Wasser zu. 10 Minuten lang aufkochen lassen, hernach abseihen und in eine Thermoskanne füllen. Wenn man diesen Tee tagsüber trinkt, wirkt dies beruhigend und nervositätsmindernd.


Quitte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Körper wieder entlasten

Mit Löwenzahn den normalen Alltag ansteuern

Hoffentlich konnten Sie das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel in Ihrem Sinne verbringen! Ich wünsche es Ihnen. Am Kalender merken wir mehr als uns lieb ist, dass die Zeit auch im Neuen Jahr unerbittlich ihren Lauf nimmt und nicht stehen bleibt. Bald ist es wiederum um die freien Tage geschehen und der Alltag wird erneut einkehren. Vom zurückliegenden Fest müssen nicht nur die Christbäume entsorgt und der Weihnachtsschmuck verstaut werden; die Müllabfuhr hat ebenfalls viel zu tun. Unter der Erde hat sich schon vor dem ersten Frost der Löwenzahn (Taraxacum officinale) in seine Wurzel zurückgezogen, sofern seine grünen Blätter nicht bereits hungrigen Nagern und Äsern als Leibspeise dienten. Dieser pflanzliche Geselle ist wohl jedermann bekannt. Doch wird man ihn nun vergeblich draußen auf den Wiesen suchen. Dennoch darf man sich seiner Wirkkraft entsinnen. Der Löwenzahn birgt nämlich in all seinen Teilen u. a. den Bitterstoff Taraxacin, der ja auch im wissenschaftlichen Namen des Korbblütlers anklingt. Und somit landen wir bei den Hilfsmaßnahmen zur so genannten Entschlackung des Körpers. Konkret ist damit gemeint, dass überschüssiges Fett im Gewebe abgebaut und Giftstoffe vermehrt aus dem Körper abtransportiert werden. Trotzdem wir uns in den mitteleuropäischen Breiten in einer winterlich bedingten vegetationsruhigen Phase befinden, heißt das noch lange nicht, auf den Löwenzahn und seine Vorteile verzichten zu müssen. In getrockneter Form sind uns nun sehr wohl die Blätter zugänglich, die uns unterstützen, um nach den Feiertagen mit üppiger und süßer Kost mit dem Organismus sprichwörtlich ins Reine zu kommen. Die Briten würden es womöglich noch feiner formulieren, wie etwa so: „It’s tea-time!“

Löwenzahnblätter aufbrühen:

Wird der Körper entschlackt, so hat das in weiterer Folge gute Auswirkungen auf die Haut. Daher ist es angebracht, gerade nach dem Jahreswechsel sich über längere Zeit hindurch einen Tee aus getrockneten und zerkleinerten Löwenzahnblättern im Heißaufguss zuzubereiten. Am besten trinkt man mindestens 3 Wochen lang gleich am Morgen 1 Tasse davon, damit unser Bruder Leib wieder gut in Schwung kommt.


Löwenzahn mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Teppich voller Zuversicht

Das Immergrün als Bodendecker und Hauttonikum

Das eben hinter uns liegende 2015 wurde von den Vereinten Nationen zum Jahr der Böden deklariert. Stichworte wie Dürre, Versalzung oder Verdichtung sind nur ein paar Aspekte, die eine berechtigte Sorge um das hervorrufen, was uns zu unseren Füßen umgibt und trägt. Ohne dementsprechende Erde gäbe es auch kaum Vegetation auf unserem Planeten. Pflanzen tragen in der Hauptsache dazu bei, dass Böden intakt und fruchtbar bleiben. Im eigenen Garten sorgt oft das Große Immergrün (Vinca major) oder seine Verwandtschaft, das Kleine Immergrün (Vinca minor) dafür, dass Flächen, die sich an schattigen Stellen befinden und weder als Rasen noch als Beet genützt werden, eine Schutzschicht in Form lebendiger Pflanzentriebe erhalten. So, wie der Planet Erde überall an seiner Oberfläche, die entweder in Form von Felsen steil aufragt, durch Meere und Seen von Wasser bedeckt oder an den Polarkappen einstweilen noch mit Eis überzogen und fortwährend der Erosion ausgesetzt ist, so verhält es sich im übertragenen Sinne auch mit unserer Haut. Diese sensible und verletzbare Grenzlinie zu unserer Umwelt hat ebenfalls vielfache Herausforderungen. In erster Linie bestehen diese durch die äußerlichen Gegebenheiten wie Sonneneinstrahlung, Atmosphäre und Feuchtigkeitsgehalt der Luft. Da jedoch die Hautzellen von unserem Organismus gebildet werden, reagiert unser physischer Limes genauso auf das, was von innen an ihn herangetragen wird. Die Rede ist von Ernährung oder Keimen und Infekten. Im Immergrün finden sich stärkende und reinigende Wirkkräfte, die man sich im Hinblick auf die Stärkung der Haut zunutze machen kann. Generell rate ich dazu, dieses Kraut lediglich für äußere begleitende Maßnahmen heranzuziehen. Eine innerliche Verwendung soll unter allen Umständen vermieden werden.

Immergrün-Tee als Wasch-Mittel:

Das ganze Jahr über kann man darangehen, im Garten frische Immergrün-Blätter zu ernten. Diese reinigt man und zerkleinert sie ein wenig. Danach übergießt man 2 Esslöffel davon mit 1/2 Liter kochendem Wasser und lässt den Aufguss 15 Minuten lang zugedeckt ziehen. Dann kann man mithilfe eines Waschlappens, den man im abgekühlten Tee tränkt, die Haut abwischen und ohne ein Handtuch abtrocknen lassen. Das bewährt sich vor allem bei unreiner Haut oder für die bessere Vernarbung bereits geschlossener Wunden nach Verletzungen oder Operationen.


Kleines Immergrün ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kommandozentrale Gehirn

Der Beifuß sorgt für gute Kommunikation

Die alten Griechen wussten es bereits. Mit der Formel „panta rhei“ (altgriech. παντα ρει), zu Deutsch: alles fließt, brachten sie auf philosophische Weise zum Ausdruck, dass nichts in der Welt beim Alten bleibt und die Veränderung samt der Vergänglichkeit die bestimmenden Faktoren unserer Lebenswirklichkeit sind. Schauen wir uns die Schnelllebigkeit von heute nur ansatzweise an, so erhält der antike Aphorismus anscheinend eine noch höhere Gravität. Und wie sehr bewegt sich unser Körper? Im Beifuß (Artemisia vulgaris) begegnet uns eine Pflanze, die auf den ersten Blick hin nichts mit der Beweglichkeit zu tun hat. Als Gewächs ruht er in sich und verändert sich höchstens durch Wachstum an ein und derselben Stelle. Interessant ist jedoch, dass der Wilde Wermut, wie er auch heißt, überall dort zu finden ist, wo die Wege entlang führen und somit Bewegung stattfindet oder wo vor kurzem der Boden durch Aufschütten seine Lage verändert hat und nun als Halde vom Beifuß besiedelt wird. Damit wir von einem Ort zum anderen gelangen können, ist es notwendig, dass unsere Gliedmaßen und unsere Muskeln koordiniert zusammenspielen und das Gehen, das Laufen und das Mithelfen der Hände und Arme in präziser Weise vonstatten gehen. Eine gute Motorik ist das Um und Auf der rein physischen Fortbewegung. Dafür sitzt in unserem Kopf eine Kommandozentrale, die über die Nerven alles Nötige steuert und weiterleitet. In den zusammenziehenden Eigenschaften, die im Beifuß-Kraut gespeichert sind, steht genau diesem erhöhten Kontrollposten eine Pflanze zur Verfügung, die eben jene Vollzüge auf sachte und sensible Weise zu begleiten und darüber hinaus noch zu stärken weiß. Nicht immer muss diese Hilfe über den Magen seinen Weg zum Adressaten nehmen. Es geht auch anders.

Baden mit Beifuß:

Von getrocknetem Beifußkraut, das zuvor gut zerkleinert wurde, nimmt man die Menge von ca. 150 g und übergießt diese mit 2 Liter kochendem Wasser. Danach 30 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Bevor man in die bereits gefüllte Badewanne steigt, rührt man den fertigen Aufguss ins Wasser und badet 15 Minuten darin. Diese Anwendung unterstützt die für die Motorik zuständigen Nerven und hat überdies eine beruhigende Wirkung. Das Beifuß-Bad kann auch bei Epilepsie begleitend verwendet werden, sofern die ärztliche Zustimmung erteilt wird.


Beifuss ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Geballte Hoffnung

Die Knospen der Pappeln sind kraftvoll

Es bedarf einigen Mutes, sich einem bewussten Blick in die Zukunft zu stellen. Allein schon die Aussicht auf ein sich rasch erwärmendes Weltklima bringt doch die Konsequenz mit sich, dass wir umgehend vieles an unserem Lebensstil ändern müssen, um nicht den nachfolgenden Generationen einen kaputten Planeten zu hinterlassen. Und dennoch ist die Furcht vor Kommendem die schlechteste Lehrmeisterin. Da gehe ich doch lieber zu einer Pappel, die es – sehr menschlich formuliert – ganz schnell „zu etwas bringen kann“. Wir kennen diesen Baum, der zur Familie der Weidengewächse zählt, da er vielerorts an sogenannten Windschutzgürteln in Reih und Glied gepflanzt wurde und binnen weniger Jahre eine stattliche Höhe erreicht hat. Die eigentlich bei uns in Mitteleuropa heimische Art der Schwarzpappel (Populus nigra) ist hingegen nur selten ausfindig zu machen. Sie wird eher noch in Form einer Säulenpappel (Populus nigra Italica) als Alleebaum entlang von Straßen und Wegen oder am Rand von Sportflächen gesetzt. Sonst hat im Allgemeinen die Kanadische Pappel, die ihrerseits eine Kreuzung verschiedener Pappeln darstellt, den angestammten Individuen den Rang abgelaufen. Im Winter ist uns lediglich ein ganz kleiner und unscheinbarer Teil der Schwarzpappel zugänglich. Gerade in tristen Zeiten ist es aber von Vorteil, genug Hoffnung zu schöpfen. In den Knospen der Pappeln ist diese sehr gut dargestellt. Diese Form der Hoffnung darf aber ruhig bis an unsere Haut vordringen. Sie braucht nicht bloße Imagination zu bleiben. Denn vor allem dann, wenn die Haut durch irgendeinen Umstand wie etwa Wunden, Verbrennungen oder Abszesse in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist es sicher recht, ihr mithilfe der Pappelknospen eine bessere Zukunft in Aussicht zu stellen.

Pappel-Knospen in Öl ansetzen:

Von einer Schwarz-Pappel in Natur- oder Säulenform kann man die winterlichen Knospen pflücken und sie danach getrocknet verwenden. 5 Esslöffel davon übergießt man mit 1/4 Liter kaltgepresstem Olivenöl und lässt beides zusammen in einem verschlossenen Glasgefäß an einem sonnigen Fensterplatz stehen. Danach abseihen, abfüllen und kühl im Dunkeln lagern. Als Einreibung bei den oben genannten Hautleiden zu verwenden. Kann auch zur äußerlichen Behandlung bei Hämorrhoiden-Jucken eingesetzt werden.


Pappel ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya