Sorgenfalten und Salat

Eine alternative Verwertung der grünen Zuspeise

Der Tisch als Ort der Mahlzeit sorgt in der Regel dafür, dass sich die Familie oder der Freundeskreis dort vereint, trifft und miteinander die Zeit verbringen lässt. Genau dort scheiden sich aber auch die Geister. Jeder weiß sofort, was ich meine. Die einen mögen bestimmte Gewürze nicht, andere müssen Zucker und Alkohol meiden und wiederum andere sind so richtige Fleischtiger. Jedwedes Grün auf dem Teller erscheint ihnen zumindest überflüssig, wenn nicht sogar schädlich. Sinnbild für alles Vegetarische auf der Tafel ist und bleibt der Salat (Lactuca sativa), der etwas exakter als Garten- oder Kopfsalat bezeichnet wird. Im Wirtshaus wird nur allzu oft gebeten, diesen erst gar nicht zu servieren. Dem kann ich wiederum nichts abgewinnen. Ein gut „dressierter“ Salat schafft es bei mir meist nicht bis zum Eintreffen der Hauptspeise, wenn sich dieses aus irgendeinem Grund verzögern sollte. Zu groß ist mein Appetit auf diese herzhafte und frische Gaumenfreude. Ohne von meiner Überzeugung abweichen zu wollen, dass das Gemüse seinen unverzichtbaren Wert für unsere Gesundheit hat, möchte ich heute dennoch von allem Missionieren dieser Art Abstand nehmen und eine Alternative zum Verzehr des Salates anbieten. Was nämlich allen, egal ob essensmäßig mehr „hausmännisch“ oder vegetarisch orientiert, kaum erspart bleibt, sind die Sorgen. Die wiederum finden ihren Niederschlag auf der Gesichtshaut, die durch Nöte, Ängste und Befürchtungen vermehrt in Falten gelegt wird. Generell kommt ein Erschlaffen derselben mit fortschreitendem Alter hinzu, so dass alles Glatte und Straffe im Gesicht immer mehr schwindet. Bevor der frische Salat aus dem Garten auf dem Kompost landet, sollte man im Hinblick auf die Haut sehr wohl nach ihm greifen.

Salat und Sodawasser:

Als Hausmittel zum Hintanhalten der bleibenden Sorgenfalten dient u. a. der grüne Salat. Dazu nimmt man ein sogenanntes frisches Häuptl vom Gartenbeet und zerschneidet es ganz klein. Dann stellt man es in 1 Liter kaltem Wasser zu und kocht es kurz auf. Abseihen und damit das Gesicht gut abwaschen. Im Nachhinein greift man zusätzlich zu Sodawasser, um die Haut erneut damit nachzuwaschen. Das verleiht eine spürbare Frische und wirkt sich günstig gegen Falten aus.


Kopfsalat ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Dezente Formgebung

Weißdorn dient auch der Haut

Landschaftsarchitekten und Gartenplaner leisten einen sehr wertvollen Dienst. Wenn ein neues Haus bezugsfertig ist, gehen viele daran, der angrenzenden Fläche auf eigenem Grund und Boden ein individuelles Gepräge zu verleihen. Bevor man hierbei mit seinem Latein am Ende ist, holt man sich vernünftigerweise jemand von außen, der kompetent und einfallsreich genug ist. Die Ergebnisse sind meist sehr ansprechend und erfreulich. Leider überwiegt dabei immer noch die Verwendung von Exoten aus ferner Herren Länder, so dass heimische Hölzer, wie z. B. der Weißdorn (Crataegus), das Nachsehen haben. Dabei weist gerade das Rosengewächs Weißdorn mit seinen Blüten und Blättern sowie des Herbstens in seinen roten Früchten eine besonders schmückende Ästhetik auf, die viel besser zu unseren Landstrichen passt als etwa Thujen oder Magnolien. Einen Aspekt, den ich all jenen, die einen Garten anlegen, sehr ans Herz legen möchte, sollte man auf jeden Fall bedenken. Da frage ich ganz bewusst, inwieweit für die heimische Tierwelt, angefangen von Insekten über Vögel bis hin zu den Vierbeinern eine Möglichkeit gegeben ist, mit der angepflanzten Flora zu korrespondieren und vielleicht sogar darin zu leben. Der Weißdorn ist sicherlich ein Gehölz, das den Bienen Nektar, den Vögeln Unterschlupf und Nahrung und Nützlingen wie dem Igel einen bergenden Platz zu bieten vermag. Ja, und die Hausbewohner – sprich: Mensch – denken in Verbindung mit Weißdorn an pharmazeutische Erzeugnisse, die vor allem den Kreislauf und das Herz unterstützen. Das ist auch richtig und gut so. Wenn jetzt die Weißdornbeeren angesichts des fortschreitenden Herbstes erröten, dann darf man mit diesen ebenfalls der Haut einen Gefallen erweisen.

Badezusatz Weißdornfrüchte:

Um sich der verjüngenden Formgebung der Haut zu widmen oder eine fettige Haut zu trimmen, kann man ein Bad nehmen. Der passende Zusatz wird folgendermaßen vorbereitet: 50 g frische oder getrocknete Weißdornbeeren werden in einem Mörser zerstampft und anschließend 2 Stunden lang in 1 Liter kaltem Wasser eingeweicht. Zum Abschluss kurz aufkochen und hernach gleich abseihen. Dem Badewasser beigeben und ca. 15 bis 20 Minuten in der Wanne bleiben.


Weißdorn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Schönheit und Bescheidenheit

Das Heidekraut verbindet beides

Obwohl sich die Kleidungskultur seit den letzten Jahrzehnten sehr gewandelt hat, ist es immer noch en vogue, beim abendlichen Fortgehen ins Theater, zu einem Konzert oder zu einem feinen Dinner nicht unbedingt die Arbeitskleidung am Leibe zu tragen. Da möchte man durch ein schickes Äußeres dem Anlass seine gebührende Note verleihen und außerdem all jenen, denen man dort begegnet, ein gewisses Maß an Wertschätzung zum Ausdruck bringen. Das Heidekraut (Calluna vulgaris) verleiht ihrer Umgebung auch so etwas wie ein adrettes Kleid, wenn sich das Jahr zu seinem kalendarischen Ende hinwendet. Die Natur lässt gleichsam nach und nach von ihrem Blühen und Wachsen ab und bereitet sich irgendwie ebenfalls einen Feierabend, der anscheinend mit allerlei köstlichen Früchten begangen wird. Das Heidekraut zeigt sich zu diesem Anlass aber in keinem schreienden und knalligen Design, das auf dem Catwalk der herbstlichen Natur die Blicke des Publikums auf sich ziehen würde. Allein schon von seiner Wuchsform ist es bescheiden und seinem Standort angepasst. Und dennoch hat es einen selbstbewussten Charakter. Diesen zeigt die Pflanze allein schon durch ihre den anderen Frühlings- und Sommerblumen gegenüber verschobene Blütezeit. In unserer praktisch durchgeführten Körperpflege vollziehen wir ja auch nicht bloß eine hygienische Handlung, die das Entstehen von Entzündungen und das Einnisten von Parasiten und Keimen hintanhalten würde. Wir bringen dadurch doch gleichzeitig zum Ausdruck, dass wir uns und den anderen etwas wert sind. Wenn auch unsere mitmenschliche Umwelt uns oft alles andere als Wertschätzung und Achtung entgegenbringt, so sollten wir selbst darauf bedacht sein, unsere Existenz als Geschenk Gottes anzunehmen und uns in diesem Sinne gut pflegen. Das Heidekraut hilft uns, dabei nicht überheblich zu werden.

Heidekraut-Hautöl:

50 g zerkleinerte Blütenspitzen des Heidekrautes, das auch im Allgemeinen als Besenheide bezeichnet wird, setzt man 14 Tage lang in 1/2 Liter kaltgepressten Olivenöls an. Während dieser Zeit schüttelt man täglich das verschlossene Glasgefäß gründlich durch. Letztlich seiht man den Ansatz ab und presst noch zusätzlich den pflanzlichen Rückstand aus. In kleine Fläschchen füllen und kühl sowie lichtgeschützt lagern. Vor allem nach Kräuterbädern oder nach dem Duschen kann man damit den gesamten Körper einreiben, um der Haut eine Unterstützung in ihrer Regeneration zukommen zu lassen.


Heidekraut oder Besenheide ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Natur pur für den Kopf

Nach dem Blutweiderich ausschauen

Welche Frisur liegt gerade im Trend? Sie wissen das bestimmt! Berühmte Persönlichkeiten wie etwa Schauspieler, Sängerinnen oder Modedesigner geben allein schon durch ihr Auftreten die jeweils aktuelle Linie vor. Nun, ich kann das aus zwei Gründen mit ziemlicher Gelassenheit mitverfolgen. Erstens bin ich Ordensmann und zweitens hat mir der Lauf der Zeit doch schon einen Teil meiner Haarpracht schwinden lassen. Das ist aber nur dann zu sehen, wenn ich meinen weißen Hut, das Markenzeichen des Kräuterpfarrers, ziehe. An den Fluss- und Bachläufen unserer schönen Heimat erneuert sich jedes Jahr die Vegetation, wozu auch der schön gefärbte Blutweiderich (Lythrum salicaria) zählt. Dort ist gottlob kein hormonell oder erblich bedingter Schwund zu verzeichnen, der für das Entstehen einer männlichen Glatze verantwortlich zeichnet. Wir wissen aus den Beobachtungen der Natur, dass alles Pflanzliche entlang des Wassers eine besondere Lebenskraft in sich birgt. Schon vor langer Zeit entdeckte man in verschiedenen Gewächsen so genannte Salicylsäurederivate, die einen heilenden, schmerzlindernden und stärkenden Effekt auf die Physis von Mensch und Tier besitzen. An vorderster Stelle steht dabei die Weidenrinde. Aber auch Pappeln, Mädesüß und eben unser heutiger Favorit, der Blutweiderich, zählen dazu. Interessant ist es, festzustellen, dass die zusammenziehenden Eigenschaften, die sich ebenfalls in den violett geschmückten Blütenkerzen des Uferbewohners bergen, gerade auch der Kopfhaut und zugleich dem Haupthaar einen guten Dienst erweisen. Nur allzu oft muss sich diese oberste Hautpartie mit synthetisch hergestellten Shampoos und Waschlotionen auseinandersetzen. Warum also nicht einmal Natur pur für den Kopf?

Ansatz aus Blutweiderich:

Frische Triebspitzen des Blutweiderichs, die noch an so manchen Gewässerufern zu finden sind, schneidet man frisch ab, um sie danach zu zerkleinern. 2 Handvoll davon werden dann mit 1 Liter heißem – aber nicht kochendem – Wasser 3 Stunden lang angesetzt. Danach abseihen und mit dem Ansatz die Haare gründlich durchwaschen. Anschließend kann man den Kopf föhnen oder einfach bei Zimmertemperatur trocknen lassen. Diese Anwendung festigt die Haare und stärkt den darunter liegenden Haarboden.


Blutweiderich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Die guten alten Bräuche

Das Essen von Holunder nicht abkommen lassen

Fortschrittlich zu sein kann oftmals etwas Gutes bedeuten. Wenn wir uns z. B. die Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten ansehen, so erweist es sich in Notfällen als äußerst hilfreich, einen direkten Draht zu Einsatzkräften haben zu können, wo immer man sich auch befindet. Manches bringt des weiteren eine immense Einsparung mit sich, was den Zeit- und Energieaufwand betrifft. Doch wir kennen ebenso die Kehrseite von alldem. Die Schnelllebigkeit fordert oft einen hohen Zoll an Lebensqualität. Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) steht demgegenüber gleichsam wie ein Fels in der Brandung. Wie viele Naturinteressierte wissen, war es früher üblich, den Hut vor einem Holunderstrauch zu ziehen. Wer auf dem Land sein Leben zu bestreiten hatte, war sich einfach darüber im Klaren, welch ein hoher Stellenwert der Holunderpflanze zukommt, wenn es darum geht, die gesundheitsfördernden Kapazitäten von Mutter Natur zu nützen. Hinzu kam noch, dass es aufgrund finanzieller und materieller Nöte nicht zu umgehen war, sich der wildwachsenden Pflanzen und Früchte zu bedienen, um die Hausapotheke zu bestücken und zudem noch den hungrigen Familienangehörigen etwas auf den Tisch zu zaubern. Ich möchte in diesem Zusammenhang an den althergebrachten kulinarischen Brauch erinnern, die herrlich duftenden Schirmblüten des Hollerstrauches in Teig zu tunken und sie zu backen. Jetzt im Herbst sind es die Stare und die Drosselvögel, die sich zuhauf auf den Holunderbüschen niederlasen, um sich nicht zweimal bitten zu lassen, deren Beeren zu verzehren. Bevor wir all diese Freuden dem Federvolk überlassen, dürfen wir selbst an Bewährtes denken, das unsere Vorfahren im Verarbeiten der herbstlichen Ernte dankbar praktizierten. Unser Organismus wird es uns ebenfalls danken.

Eine Kraftspeise für das Blut:

Schwarze Holunderbeeren gibt es an vielen Stellen zu ernten. Egal, ob man sich dabei an einem sauberen Ort in der freien Natur oder auf Flächen mit gezüchteten Pflanzen bedient: die reifen Früchte sollten nie roh, sondern stets in gekochtem Zustand genossen werden. Ganz leicht lässt sich aus ihnen ein Brei oder ein Mus auf dem Herd anrichten, die man als Zuspeise oder als Zwischenmahlzeit zu sich nimmt. Als Effekt dessen kann man verzeichnen, dass vor allem das Blut dadurch gereinigt und in seiner Neubildung unterstützt wird.


Schwarzer Holunder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Sie liebt mich, sie liebt mich nicht …

Rosenblüten abzupfen und verwenden

Jeder kennt es: verschiedene Blumen am Wegrand, wie etwa Margeriten oder Gänseblümchen werden abgerupft und als Anzeiger für das eigene Schicksal bzw. dem Feststellen einer vorhandenen oder nicht vorhandenen Zuneigung verwendet. Nur so nebenbei: in der virtuellen Scheinwelt von Internet und digitaler Kommunikation ist das eher nur schwer möglich. Aber das ist eine andere Sache. Die wunderschönen Rosen kommen als wortloses Zeichen dann zum Einsatz, wenn es gilt, die damit beschenkte Dame über alle Maßen wertzuschätzen. Es ist eindeutig zu schade, anhand dieser prächtigen Blumen die eigene Bestimmung oder die jeweilige Beziehung zu „erzupfen“. In der Naturheilkunde steht die wilde Form der Rosen seit jeher in einem hohen Ansehen. Wenn im Herbst nun sicherlich die zu erntenden Hagebutten ganz besonders im Visier der Gesundheitsbewussten stehen, so dürfen wir ruhig die Erinnerung in den ausgehenden Frühling zurückschweifen lassen, wo die wilden Stammformen wie Hundsrose (Rosa canina) und Essigrose (Rosa gallica) mit ihren schutzbietenden Hecken in voller Blüte standen. Deren Blütenblätter sind sehr wohl auch geeignet, um sich daraus Hausmittel aufzubereiten, die dem Wohl des Körpers dienen. Im Blühen sind natürlich die gezüchteten Rosensorten viel ausdauernder. So ist es also durchaus jetzt noch möglich, der Blütenblätter habhaft zu werden. Sobald die Blüten aufgehen, kann man sie einzeln aus dem Kronbecher herauspflücken, um sie an einem zugigen und lichtgeschützten Ort zu trocknen. Den roten und duftenden Sorten ist dabei auf jeden Fall der Vorzug zu geben. Was bei dieser Prozedur herauskommt, ist die Gewissheit, dass mich der Schöpfer sehr gerne hat, weil er mir mit Rosen hilft, manches Übel zu mindern.

Sich einen Rosen-Tee gönnen:

Von den getrockneten Blütenblättern der roten Gartenrosen nimmt man 2 Teelöffel voll und überbrüht diese mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Wenn man sich am Morgen und 1 Stunde vor dem Schlafengehen jeweils eine Tasse davon zubereitet und genießt, hilft das mit, das Blut zu reinigen und die Galle zu stärken. Frauen können den Tee ebenfalls als Unterstützung bei übermäßigen Monatsblutungen trinken.


Rote Rose ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Der Zenit ist überschritten

Das Johanniskraut hält dennoch das Gemüt hoch

So sehr wir in diesem Jahr von der Sonne und damit vom Licht verwöhnt wurden, so verstärkter merken wir nun, dass die Tage wiederum kürzer werden. Der Höhepunkt des Sommers liegt somit eindeutig hinter uns. Dieses Phänomen spiegelt sich in jedem Leben anscheinend wider, das mit einer hohen Zahl an Jahren begnadet ist. Leistungsfähigkeit, Nervenstärke, Muskel- und Sehkraft samt Hörvermögen nehmen nach den so genannten besten Jahren ab. Damit muss man einmal zurechtkommen. Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) steht in der Symbolsprache der Kräuter für die Tugend des Neuaufbruchs. Und wenn wir die Wendungen des Lebens genauer betrachten, die ein stetiger Reifeprozess bis zum letzten Atemzug mit sich bringt, so treten mit einer veränderten Physis ja nicht nur negative Aspekte in den Vordergrund. Die Leistungsfähigkeit ist bloß ein Gesichtspunkt der vielbeschworenen Lebensqualität. Ein Mensch, der innerlich gefestigt ist, der bleibt ja einerseits bescheiden, wenn er vor Kraft, Enthusiasmus, Schönheit und Agilität nur so strotzt, und der wird gelassen, besonnen und dankbar, wenn eins ums andere wiederum wegfällt und weniger wird. Das Johanniskraut ist seit jeher das Hilfsmittel für ein ausgeglichenes Gemüt. So lade ich ein, weder über das Vergangene und damit Verlorene zu klagen noch sich von der Zukunft zu viel zu erwarten. Vielmehr dürfen wir für den heutigen Tag, den wir erleben dürfen, dem Herrgott danken und die Möglichkeiten ausschöpfen, die in dieser Zeitspanne stecken. Schon in der Frühe darf das Johanniskraut mit dabei sein und erneut wieder am Abend, wenn wir vom Tagesgeschäft loslassen dürfen.

Tropfenweise die Seele „einölen“:

Über das Herstellen von Johanniskraut-Öl wurde an dieser Stelle schon mehrmals berichtet. Dieser Öl-Auszug wird in der Regel äußerlich verwendet. Ganz wenig davon kann man auch innerlich anwenden. Gleich nach dem Aufstehen gibt man auf einen Teelöffel voll Honig lediglich 2 Tropfen Johanniskraut-Öl. Dann in den Mund nehmen und vor dem Schlucken gut mit Speichel mischen. Das stärkt das Gemüt in jeder Lage. Am Abend vor dem Zubettgehen noch einmal durchführen, um die Traumfähigkeit zu unterstützen und damit das Unterbewusstsein zu festigen.


Johanniskraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Rank und schlank

Mit Topinambur nicht aufgeben

In seiner jüngst präsentierten Biographie wird ein ehemaliger Politiker unseres Landes als ein Mensch beschrieben, dessen Devise ihn laut Buchtitel „Niemals aufgeben“ bis heute agil und wach gehalten hat. Und mit seinen Worten hat er die negativen Folgen des erreichten Wohlstandes Österreichs deutlich benannt. Bequemlichkeit und Trägheit stehen da an erster Stelle. Wir dürfen diese Äußerung durchaus zum Nachdenken verwenden. Ich persönlich erhielt noch einen pflanzlichen Anstoß in letzter Zeit. Hochgewachsen, rank und schlank sah ich die grazilen Pflanzen samt Blüten des Topinamburs (Helianthus tuberosus) an der Straße zwischen Karlstein und Geras in einem Garten stehen, die ich oftmals pro Woche passieren muss. Mit diesem der Sonnenblume ganz nahen Verwandten denke ich automatisch ans Abspecken. Denn in der Tat verleitet mich mein Appetit, eine Fülle an Speisen und Naschereien zu konsumieren, die erstens ungesund sind und zweitens den Körper in seiner Dimension schlicht und einfach breiter werden lassen. Mit dem beginnenden Arbeitsjahr ist es ohnehin angesagt, ganz bewusst den Leib dynamisch und beweglich zu halten, weil das wiederum durch ein gesteigertes Wohlbefinden nicht gering zu schätzende Folgen auf die Qualität der zu erledigenden Tätigkeiten manueller und denkerischer Natur hat. Der Herbst ist für uns Zivilisierte also durchaus eine Zeit der bewussten Gewichtsreduktion. Die Mutter Natur hilft uns zudem mit einem reichlichen Angebot an Obst und Gemüse, die Ernährung dementsprechend umzustellen. Hinzu kommt noch die Möglichkeit, die Bewegung im Freien durch Wandern und Laufen zu steigern. Also, mein Tipp: Einfach niemals aufgeben, das Gewicht zu halten und den Topinambur ganz bewusst beim Abnehmen als Hilfe einsetzen.

Topinambur-Auszug aus Karlstein:

Von dieser dafür vorbereiteten leicht alkoholischen Flüssigkeit nimmt man täglich insgesamt 4 bis 5 Teelöffel in regelmäßigen Abständen, um das Hungergefühl des Bauches hintanzuhalten und gleichzeitig den Körper mit den notwendigen Mineralstoffen zu versorgen. Den Topinambur-Auszug zum Abnehmen gibt es samt Beratung bei den Freunden der Heilkräuter im Waldviertel. (Tel-Nr. 02844/7070-DW 11 oder -31 ab Montag oder via email unter bestellung@kraeuterpfarrer.at). Topinambur-Knollen eignen sich auch als Zusatz zu Gemüse und Suppen.


Topinambur ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Zwei, die einander ergänzen

Hopfen und Lindenblüten für den Magen

Die Schule hat im Osten Österreichs bereits begonnen. Schön langsam ordnet sich der Alltag in den Bildungseinrichtungen für die Kinder und Jugendlichen unseres Landes. Dafür genügt es jedoch nicht, lediglich einen Stundenplan zusammenzustellen und die Lehrer ihren Klassen zuzuordnen. Die bereits entstandene Gruppendynamik zwischen den Schülern erfordert vielmehr die wache und kluge Aufmerksamkeit der Pädagogen, um den Unterricht gut durchführen zu können. Da heißt es z. B. Obacht haben auf die, welche nebeneinander sitzen können und welche nicht. Betrachten wir die beiden Heilgewächse des Hopfens und des Lindenbaumes, so haben diese auf den ersten Blick kaum etwas miteinander zu tun. Es könnte einem höchstens in den Sinn kommen, dass die Klettermeisterin Hopfen, die übrigens zur botanischen Familie der Hanfgewächse zählt, einen Baum wie die Linde im wahrsten Sinne des Wortes als Anhaltspunkt nimmt, um ihre langen Triebe emporzuranken. Das mag auch da und dort der Fall sein, wo beide in freier Natur nebeneinander wachsen. Jedoch hat dieses Phänomen kaum Auswirkungen auf das angestrebte Einsetzen der vorhandenen Heilwirkungen, die in beiden steckt. In Wahrheit geht es natürlich darum, die Blüten der beiden derart zu kombinieren, dass dabei etwas herausschaut. Und deshalb dürfen wir uns ruhig daran erinnern, was unsere Altvorderen schon mit Erfolg angewendet haben, um besser mit Magenproblemen zurechtzukommen. Der innere Bereich unseres Verdauungsmuskels ist von einer Schleimhaut überzogen, die vielen Anforderungen standhalten muss. Kommt es dort zu gesundheitlichen Problemen, so dürfen wir dafür dankbar sein, wenn Hopfen- und Lindenblüten Hand in Hand gleichsam wie in der Schule aufgerufen werden.

Teemischung für die Verdauung:

Zu gleichen Teilen mischt man getrocknete Hopfenblüten mit getrockneten Lindenblüten ab. Von dieser Mischung nimmt man 2 Teelöffel voll und überbrüht sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Ist der fertige Tee auf eine entsprechende Temperatur abgekühlt, trinkt man ihn langsam und schluckweise, um die Magenschleimhaut im Falle einer entzündlichen Irritation oder ähnlichen Symptomen zu stärken und zu unterstützen. Eine Zeit lang 3 Tassen pro Tag einnehmen.


Hopfen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Lindenblüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Die Heilkraft haltbar machen

Einen Sirup mit Klettenwurzel aufkochen

Die technischen Forschungen machen im Hinblick auf die Erzeugung alternativer Energiequellen aus Sonne, Wind und Wasser nach wie vor große Fortschritte. In dieser Hinsicht leben wir gerade in einer äußerst spannenden Zeit. Wer weiß, wie lange es noch dauern wird, dass fossile Brennstoffe sich derart reduzieren, dass sie nicht mehr von wirtschaftlichem Interesse sind. Eine Frage, die es außerdem für viele zu beantworten gilt, ist jene nach der Speicherbarkeit des momentan z. B. aus Solarzellen oder Windrädern gewonnenen Stroms. Gehen wir aber nun zur belebten Natur. Die Große Klette (Arctium lappa) steht sehr oft an Weg- und Straßenrändern, wo sich Fahrzeuge vorbeibewegen, die durch einen gefüllten Treibstofftank eine Kraftreserve mit sich führen. Die Klette selbst ist sicherlich zu vernachlässigen, wenn man daran denkt, brennbares Material für Maschinen zu gewinnen. Aber sie birgt heilende Stoffe und Substanzen in sich, die aus den jeweils frischen Pflanzenteilen gewonnen und genutzt werden können, egal, ob es sich dabei um das Blatt oder die Wurzel handelt. Generell findet jedoch die Wurzel der Klette mehr Abnehmer. Im Blick auf die nahe Zukunft wissen wir, dass es spätestens im Winter nicht mehr möglich sein wird, die Heilkräuter zu verwenden. Daher stellt sich auch im Hinblick auf das Bewahren und Speichern der pflanzlichen Wirkkräfte die Frage der haltbaren Verfügbarkeit zu einem späteren Zeitpunkt. Rund um die Klettenwurzel hat die Erfahrungsgeschichte der Naturheilkunde schon vor vielen Generationen konkrete Ergebnisse hervorgebracht. Eines sei hier vorgestellt.

Vorzüglicher Sirup für die Haut:

Frische Klettenwurzeln, die ausgegraben und fein säuberlich gereinigt wurden, werden zerkleinert und zerstoßen. 150 g davon gibt man in ein Gemisch von 800 g Wasser und ebenso viel Rohzucker. 3 Stunden lang miteinander ziehen lassen. Dann erst unter beständigem Umrühren so lange kochen, bis daraus eine dickflüssige Masse entsteht. Schließlich abfüllen und kühl stellen. Bei Hautunreinheiten und bei Ekzemen ist es angesagt, 2- bis 3-mal täglich 1 Esslöffel voll davon einzunehmen.


Klette mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya