Ein Tipp für die Fastenzeit

Fenchel-Tee für Erwachsene

Ist ein Kind einmal gut und heil geboren worden, gilt die volle Sorge dem sonnigen Geschenk des Himmels. Natürlich soll es kräftig heranwachsen, was letztendlich nur durch eine gesunde Ernährung gewährleistet werden kann. Zum diesbezüglichen Tagesprogramm gehört dann nicht nur das Stillen bzw. das trinkwarme Fläschchen, sondern auch ab und zu etwas Fencheltee, damit sich die „Gewitterzonen“ in den Windeln wiederum verziehen. Unverhohlen bringen die Babys durch Schreien und Weinen zum Ausdruck, dass die vorhandenen Blähungen ganz unangenehm im Gedärme zwicken. Ja, aus dieser Warte betrachtet freuen sich Mama oder Papa, dass die Zeit, in der das Aroma des Fenchels die Gegend rund um die Küche bestimmt, ein absehbares Ende haben wird. Gelangen wir aber in die Jahre, dann ist das mit dem Heranwachsen schon ganz anders. Abgesehen von den leidgeprüften Menschen, denen eine schwerwiegende Krankheit ganz schnell das Körpergewicht senken kann, klagen viele andere, dass sie ein gutes Stück Fleisch oder eine verführerische Mehlspeise nur anzuschauen brauchen, um gleich wieder die Anzahl der Dekagramme auf der Waage steigen zu lassen. Ein gesunder Appetit und eine zu geringe Bewegung der Muskulatur machen das Halten des eigenen Körpergewichtes zur Qual. Doch ist es nie zu spät, die Kapitulation vor der eigenen Körperdisziplin zu revidieren. Es zahlt sich auf jeden Fall aus, die Vernunft wiederum Oberhand gewinnen zu lassen. In der reichen Kammer der Natur findet sich zudem der Fenchel, der uns zuletzt womöglich gar in unseren Kindheitstagen begegnet ist und dessen Wert erneut entdeckt werden darf.

Die Leber stärken:

Um die Verdauung durch die Leber zu unterstützen, ist es ratsam, ab und zu auf den Fencheltee zurückzugreifen. Dazu werden 2 Teelöffel frisch gestampfter Fenchelkörner mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und danach abseihen. Am besten vormittags trinken. Dies hilft auch mit, das eigene Körpergewicht besser kontrollieren zu können.

Fenchel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wenn die Glieder schmerzen

Die Schlüsselblumen pflücken

Schlagzeilen können unseren Geist ganz schön verunsichern. Wenn auf den Konsumenten dieser Nachrichten derart viele Hiobsbotschaften einstürmen, liegt der Gedanke nahe, dass man selbst bald von irgendeinem Unheil bedroht sein kann. Nun gut, es gibt sicher keine Garantie, dass man rundherum glücklich und pumperlgesund sterben wird. Dennoch setzt z.B. die Natur jedes Jahr Zeichen der Hoffnung, die unter anderem im Erblühen der Schlüsselblumen zu finden sind. Gerade dann, wenn die Sonne wieder merkbar einen größeren Tagesbogen über den Himmel zieht, schöpfen die meisten von uns Hoffnung, dass zumindest die Phase der Vegetation erneut zum Blühen und Fruchten führen wird. Die Himmelschlüssel holen dafür gleichsam die Sonne an den noch schattenkühlen Boden und lassen inmitten des alten Grases vom Vorjahr ein Lächeln des Schöpfers aufscheinen. Die Hoffnung ist eine Grundtugend, die vor allem den Leidgeplagten zugutekommt. Solange man noch jung ist, verläuft das Leben relativ unbekümmert. In Hinblick auf die körperliche Tüchtigkeit läuft alles bestens und wenn ab und zu ein Muskelkater ein Ziehen ins Fleisch bringt, dann ist das noch lange kein Grund, um zu verzweifeln. Ganz anders sieht die Verfasstheit bei Menschen aus, die bereits mehrere Dezennien auf dem Buckel haben. Nach und nach stellen sich Verschleiß- und Überanstrengungsfolgen ein, die sich durch verschieden geartete Schmerzen bemerkbar machen. Aber auch das soll die Betroffenen nicht dazu veranlassen, die Hoffnung sinken zu lassen. Ein Sträußchen frischer Schlüsselblumen hilft dann auf jeden Fall.

Auflagen bei Gliederschmerzen:

Sowohl die Blüten als auch die Blätter der Duftenden Schlüsselblume werden fein zerhackt und mit kaltgepresstem Olivenöl zu einem Brei verrührt. Diesen auf ein Stück Leinen streichen und ca. 8 Stunden lang auf die betroffene Stelle auflegen. Am besten geschieht dies während der nächtlichen Ruhe. Am Morgen darauf nach Abnahme der Auflage die schmerzende Stelle mit Obstessigwasser abwaschen. Mehrere Tage hintereinander durchführen.

Schlüsselblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Alltäglichkeiten schätzen

Für den Schnittlauch Friseur spielen

Sonne über Sonne! Der Frühling hat sich bisher von seiner äußerst strahlenden Seite gezeigt. Das blieb nicht ohne Folgen. Viele Kräuter fühlten sich angespornt, ihre grünen Teile in Richtung der wärmenden Quelle nach oben treiben zu lassen. Ob in der nächsten Zeit auch das nötige Wasser vom Himmel dazukommt, bleibt noch abzuwarten. Ein Gartenkraut namens Schnittlauch zählt wohl zu den Favoriten der bekannten Küchenkräuter. Obwohl jedermann bekannt, gerät er gerade deswegen in Gefahr, unterschätzt zu werden. Um seine Ehre etwas zu heben, sei darauf hingewiesen, dass er in der botanischen Kategorisierung zur Verwandtschaft der edlen Lilien zählt. Mit seinem würzigen Geschmack trägt er nicht nur dazu bei, dass so manche Suppe einen besseren Geschmack erhält. In seinem Inneren verbirgt sich unter anderem ein hohes Maß an Vitamin C, zudem auch Vitamin B2. Und weil der Mensch immer wieder einen Nachschub an Mineralstoffen benötigt, liefert ihm der Schnittlauch Natrium, Kalzium, Kalium, Phosphor und Eisen. Zu alldem kommt noch hinzu, dass der Genuss des kleinen Lauchgewächses eine verdauungsfördernde und blutdrucksenkende Wirkung auf den Organismus hat. Natürlich können wir dem Schnittlauch ähnlich wie dem Gras beim Wachsen zusehen. Besser ist es jedoch, nach dem Ausschau zu halten, wo und wie der Schnittlauch täglich unter das Essen gemischt bzw. auf den Tisch gestellt werden kann. In der neuen Jahreszeit sollte man nun darangehen, den womöglich in einem Blumenkisterl überwinterten Büscheln einen festen Standort im Freien zuzubilligen. Denn es ist immer noch am besten, den Schnittlauch ganz frisch zu ernten und ihn auf die eine oder andere Weise zu verwerten.

Als Gewürz verwenden:

Nicht nur die Europäer schätzen den Schnittlauch. Von China bis hin nach Nordamerika findet das beliebte Liliengewächs seine Fans in den jeweiligen Küchen. Fein gehackt kann man den Schnittlauch über eine große Anzahl von Speisen streuen. Hier sei in Erinnerung gerufen, dass sich das lauchige Grün überall dort verwenden lässt, wo man auf irgendeine Art die Zwiebel zum Kochen heranzieht. In der Fastenzeit stehen ohnehin Erdäpfel und Topfenkäse wiederum hoch im Kurs. Selbstverständlich darf der Schnittlauch auch hier mit von der Partie sein.

Schnittlauch ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den andern eine Nasenlänge voraus

Der Bärlauch bietet uns bereits die Blätter an

In letzter Zeit werde ich sehr oft nach den jahreszeitlich aktuellen Kräutern befragt. Dabei empfehle ich manchmal, die Nase zum Aufspüren derselben zu verwenden. Selbst, wenn jemand mit dem Auto fährt, kann es passieren, dass er in der Nähe einer Au einen knoblauchartigen Geruch ins Innere des Fahrzeugs transportiert bekommt. Das ereignet sich jedes Jahr, wenn der Bärlauch von Neuem seine grünen Blätter aus dem alten Laub schiebt und eben auch unsere Nase von seiner Anwesenheit überzeugt. Kaum zu glauben, dass der Bärlauch (Allium ursinum) zu den Liliengewächsen zählt, obwohl doch alle Merkmale seiner Pflanzenteile bei genauerem Hinsehen dafür sprechen. Mit seinen Inhaltsstoffen dürfen wir diese Frühjahrspflanze zu den stärksten natürlichen Arzneien rechnen, die beitragen, den Magen, den Darm und das Blut zu reinigen und den Stoffwechsel anzukurbeln. Die besondere Stärke dieses Lauchgewächses ist es, der Arterienverkalkung entgegenzuwirken und das Gedächtnis zu kräftigen. Gerade jetzt sollte man die Gelegenheit nicht verpassen, den Bärlauch frisch zu ernten und entweder feingeschnitten unter Topfenkäse oder grünen Salat zu mischen oder ihn einfach als Beigabe für die Suppe zu verwenden. Im Handumdrehen ist die Saison des „Wilden Knoblauchs“ wieder vorbei. Doch gibt es auch eine Möglichkeit, um längerfristig von den guten Eigenschaften des Auengewächses zu profitieren. Wie das geht, darüber hat sich schon Hermann-Josef Weidinger seine Gedanken gemacht. Bis heute dürfen wir daher auf etwas zurückgreifen, das nun ganz aktuell im Sinne des alten und des neuen Kräuterpfarrers zur Verfügung steht.

Bärlauch-Auszug:

Mit Hilfe von Alkohol wird der wertvolle Inhalt der Bärlauchblätter angesetzt und haltbar gemacht. Zur Bekämpfung von Arteriosklerose empfiehlt es sich, eine Kur damit durchzuführen. Dazu nimmt man täglich 2- bis 3-mal einen Teelöffel Bärlauch-Auszug 3 Wochen lang ein. Dann eine Woche aussetzen und 3 Wochen wiederholen. Erhältlich ist dieses Hausmittel beim Verein Freunde der Heilkräuter (Tel. 02844 / 7070-11 oder E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at; ab Montag telefonische Beratung).

Bärlauch ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Frühjahrsmüdigkeit

Gesprächsthema oder Ausrede?

Die Annehmlichkeiten der Zivilisation machen es uns möglich, bei Wind und Wetter das Leben zu gestalten. In den Großstädten führt das dann dazu, dass die Jahreszeiten kaum mehr bewusst erlebt werden. Dennoch dürfen wir uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass unser Organismus sehr wohl den Lauf der verschiedenen meteorologischen Phasen gespeichert hat. Die Müdigkeit im Frühling ist zum Beispiel so ein Indiz dafür. Der Körper stellt sich auf die wärmeren Temperaturen um, und der Stoffwechsel kommt vermehrt in Gang. Ein gutes Mittel, um den Kreislauf anzukurbeln, ist nun viel Bewegung im Freien. Als Heilpflanzen gegen die Müdigkeit steht uns z. B. die Birke zur Verfügung, deren Saft vor dem Blattaustrieb von den Stämmen gezapft und gleich frisch getrunken werden kann. Ein wertvolles Kraut ist jetzt auch die Brennnessel. Ihre frischen Triebe und Blätter können geerntet, zerkleinert und ausgepresst werden. Brennnesselsaft kann über mehrere Wochen in einer Menge von 3 Esslöffeln pro Tag eingenommen werden. Dem Gaumen darf man durchaus eine Herausforderung gönnen, wenn mithilfe der verschiedenen Frühlingsgewächse ein Salat kreiert und auf den Tisch gestellt wird. Sind Gänseblümchen und junge Löwenzahnblätter darin enthalten, so freut sich nicht nur die Leber über diese natürliche Unterstützung. Ja, am Einfallsreichtum soll es nicht scheitern, wenn die Schatzkammer der Natur wiederum Tür und Tor öffnet. Natürlich werden es manche schwer haben, auf Ideen zu kommen, wenn sie endlich einmal beginnen wollen, Kräuter für ihre eigene Gesundheit zu nützen. Der persönliche Austauch über die vielen Anwendungsmöglichkeiten der Naturheilkunde lässt dagegen so manche mehr Mut fassen, um das eine oder andere einmal auszuprobieren. Die Mundpropaganda ist immer noch die beste Möglichkeit, um Werbung für die reichen Angebote aus dem Pflanzenreich zu machen.

Fit in den Frühling:

Neben den verschiedenen Fitness-Studios, die von vielen in Anspruch genommen werden, um nicht einzurosten, gibt es heute ein verlockendes Angebot im Kräuterpfarrer-Weidinger-Zentrum in Karlstein an der Thaya: Informationen und Verkostungen rund um die Frühlingskräuter. Um 14.00 erfolgt die Präsentation des neuen Buches „Für Leib und Seele“, in dem 77 Kolumnen der Kronenzeitung aus meiner Feder zusammengefasst sind. Herzliche Einladung, selbst zu kommen oder zumindest unsere Homepage zu besuchen! www.kraeuterpfarrer.at

Keimlinge und Frühjahrsaufstriche ⓒ Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Haut sommerfit machen

Mit dem Duft des Lavendels

Sie müssen nicht gleich die eigene Haut zu Markte tragen. Hinter dieser Redewendung steht die jahrhundertelange Erfahrung des Handels mit gegerbten Häuten verschiedener Haustierrassen. Wenn man dann sogar schon sein eigenes Hemd hergeben musste, blieb einem nichts anderes übrig, als eben die eigene nackte Hülle. Im übertragenen Sinn meint das eingangs zitierte Sprichwort eigentlich, dass jemand bei irgendeinem Unterfangen das volle Risiko selbst zu tragen hat. Der Lavendel stimmt uns da gleich ganz anders. Das herrliche Aroma wirkt beruhigend auf unseren Leib und unsere Seele. Auch wenn die ankommenden Störche und Schwalben noch keinen Sommer machen können, wird die warme Jahreszeit nicht ausbleiben. Je höher die Temperaturen steigen, desto weniger ist es für jedermann notwendig, den Leib mit der dementsprechenden Kleiderhülle vor dem Auskühlen zu schützen. Die Haut kommt dann mehr und mehr in direkten Kontakt mit Luft und Sonne. Diese Herausforderung darf jedoch unsererseits durchaus begleitet und unterstützt werden. Denn immerhin soll die Verpackung unseres Leibes so lang als möglich halten und zudem auch ein dementsprechend ansehnliches Erscheinungsbild aufweisen können. Mit ein wenig Aufmerksamkeit und Fürsorge kann man seinen Teil dazu beisteuern. Wenn die Lavendelblüten einen dezenten Hinweis auf den kommenden Sommer liefern, so ist es naheliegend, dass sie ebenso die Inhaltsstoffe in sich bergen, die unserer Haut zugutekommen.
Es bedeutet nur einen geringen Aufwand, diese Wirkkräfte effizient unter die Haut zu bringen. Wer sich also dafür Zeit nimmt, wird auch den entsprechenden Erfolg dabei haben.

Lavendel-Öl-Bad:

Für jeden Hauttyp hat der Lavendel etwas zu bieten. Mit seiner Hilfe wird die äußerste Schutzschicht gefestigt und verjüngt. Vom ätherischen Lavendel-Öl nimmt man 6 bis 10 Tropfen und mischst sie mit 1 Esslöffel Milch oder Obers, die in diesem Fall als Emulgator fungieren. Beides zusammen ins Badewasser geben und ca. 10 Minuten lang in der Wanne bleiben. Nach dem Heraussteigen nur die faltigen Körperteile abtrocknen. Sonst einfach einziehen lassen.

Lavendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Alternative zum Nagellack

Auch für Männer geeignet

Der Fasching ist längst vorüber. Abgesehen davon, dass die so genannten geprägten Zeiten ohnehin aufgrund einer indifferenten Lebenskultur zusehends eingeebnet werden, kann man sein äußeres Erscheinungsbild heutzutage viel eher nach eigenem Gutdünken gestalten, ohne gleichzeitig einem gesellschaftlichen Druck zu unterliegen. Dazu zählt auch das Gestalten der Nageloberfläche an Fingern und Zehen. Selbstverständlich werde ich an dieser Stelle keineswegs die neuen Trends dazu verkünden. Dazu fehlen mir sowohl die Kompetenz als auch der Wille. Dennoch darf ich wieder einmal daran erinnern, dass die detaillierte Körperpflege nicht unbedingt etwas mit Eitelkeit und Geltungssucht zu tun haben muss. Immerhin dürfen wir ruhig die sparsam gesäte Zeit eines einzelnen Tages auch für uns verwenden. In der Kommunikation mit den Mitmenschen ist ein gepflegtes Äußeres hilfreich und einladend. Gewiss stellen die Nagelpartien nur ein kleines Detail unseres Körpers dar. Werden diese aber vernachlässigt, sind sie durchaus imstande, durch unangenehme Folgeerscheinungen auf sich aufmerksam zu machen. Jeder kann z. B. ein gar schmerzvolles Lied davon singen, wenn einmal ein Nagel beginnt, ins benachbarte Fleisch einzuwachsen. Hartnäckig und zäh erweist sich überdies ein Pilz, der es einmal geschafft hat, die hornigen Zonen an Zehen und Fingern zu befallen. Für die Haut nehmen wir wie selbstverständlich verschiedene Lotionen in Anspruch, damit diese nicht austrocknet und für längere Zeit geschmeidig bleibt. Es ist aber auch ganz einfach, ein Pflege-Öl für unsere Nägel anzusetzen und zu verwenden. So geht’s:

Pfefferminze für die Nägel:

Eine Menge von 25 g getrockneten und zerkleinerten Pfefferminz-Blättern (Mentha piperita) wird 14 Tage lang in 1/4 Liter kaltgepresstem Olivenöl angesetzt. Das Gefäß hierfür kann dabei ruhig in einem beheizten Raum stehen. Danach abseihen, den Rückstand auspressen und das Öl in kleine Fläschchen füllen, die man kühl und dunkel lagert. Des Abends regelmäßig die Nägel damit einfetten, um diese fit zu halten.

Pfefferminze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Schmerzt auf der Haut

Aber die Brennnessel kann auch milde sein

Eine kleine Mutprobe gefällig? Na, dann Augen zu und nichts wie ran an das frisch sprießende Grün des frühlingshaften Gartens. Manchmal wächst ja etwas, wo es unserem Willen nach nichts verloren hat. Für derlei Gewächs haben wir dann ganz „liebevolle“ Bezeichnungen parat. Und manches Pflänzlein weiß sich wohl zu wehren. Was ist, so gesehen, das meistverbreitete „Unkraut“ der Welt? Ja, Sie haben recht: die Brennnessel (Urtica) wohl jedermann bekannt. In unseren Breiten sind vor allem zwei Arten daheim. Es handelt sich hierbei um die Große Brennnessel (Urtica dioica) und die Kleine Brennnessel (Urtica urens). Diese ob ihrer Nesselhärchen gefürchtete Pflanze zeigt uns an, wo sich ein stickstoffreicher Boden befindet. Denn dort wächst sie am liebsten. Seit der Antike ist aber auch die Heilwirkung der Brennnessel bekannt. Viele Menschen leiden heutzutage unter einem zu hohen Harnsäureanteil im Blut. Die Folge davon sind Gicht- und Rheumaleiden, die oft große und lang andauernde Schmerzen verursachen. So ist es bei diesen Beschwerden am besten, auf schonende Weise das Blut zu reinigen. Die Brennnessel erweist gerade dabei wertvollste Dienste. Der Schweizer Kräuterpfarrer Künzle pries vor allem den Nutzen durch die Heilkraft der Brennnessel bei Magen- und Darmgeschwüren. Sie steht Haut und Haar durch ihren hohen Gehalt an Kieselsäure ebenso hilfreich zur Seite. Viele von den Kräuterfreunden wissen auch, dass die Brennnessel am Tisch serviert durchaus schmackhaft und milde sein kann. Der Suppentopf wird dann zur Quelle für die eigene Gesundheit.

Brennnessel-Suppe hilft Blut reinigen:

Junge Brennnesselblätter werden gesammelt und gesäubert. Anschließend in Salzwasser weichkochen und grob hacken. Mit Butter ein wenig andünsten lassen, eventuell mit etwas Vollkornmehl stauben und mit einer vorbereiteten Gemüsesuppe übergießen. Weiters kann man würfelig geschnittene Erdäpfelstückchen dazugeben. Mit Dillkraut, etwas Majoran sowie ganz wenig Salz und Pfeffer würzen. Mahlzeit!

Brennnesseln Große und Kleine ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Natürlicher Kreislauf

Kräuter schätzen Kräutertees

Ein gutes Essen am Feiertag ist eine feine Sache. Wenn dann nach genossenem Mahl ein Mittagsschlaf dazukommt, erfährt das Ganze die dementsprechende Abrundung, die sehr wohl auch zur Förderung des Leibesumfangs beitragen kann. Das Fest des heiligen Josefs, des Arbeiters, und der Tag der Arbeit liefern ja wohl Grund genug dafür! Womöglich wird heute eher wenig Kräutertee getrunken. Hat man das Glück, im Freien sitzen zu können, fällt vielleicht der Blick auf die frisch bepflanzten Beete und Rabatten. Die Erde und der schon eingebrachte Naturdünger sind wichtig, damit die Wurzeln das treibende Grün mit Kraft und Nahrung versorgen können. Aber dennoch darf man sich auch Gedanken machen, wie es die restlichen Monate über weitergeht. Denn immerhin gedeiht nur alles dann prächtig und unseren Erwartungen entsprechend, wenn man selbst liebevoll Hand anlegt und für das Wohlergehen der Gewächse Sorge trägt. In der täglichen Arbeit im eigenen grünen Reich vor der Haustür fällt das ganze Jahr genügend Abfall an, um damit einen Komposthaufen anlegen zu können. Dort verrotten die verschiedenen Pflanzenteile zu wertvollem Humus. Es wäre fahrlässig, würde man diesen nicht von chemischen Giftstoffen freihalten. Denn wir wissen alle, dass die auch oft als harmlos bezeichneten Produkte zur Schädlingsbekämpfung eine überaus hohe Verfallszeit besitzen und somit noch nach Jahren im Boden und leider ebenso im Grundwasser nachzuweisen sind. Es gibt jedoch einen anderen Weg, um äußerst wertvolle und heilsame Inhalte dem künftigen Humus mitzugeben. Wer sich heute also ein Achterl oder ein kühles Blondes gönnt, der darf den Pflanzen auch einen guten Schluck zugestehen. Keine Angst! Die grünen Freunde werden damit sicher nicht zur Konkurrenz an der bereits voll besetzten Schank werden. Ein Kräutertee im Garten tut’s auch! Allen meinen Lesern ein Hoch zum 1. Mai!

Mischtee für Kompost und Beete:

Aus verschiedensten Kräutern und Pflanzenspitzen kann man willkürlich eine Mischung zusammenstellen, aus der man im Heißaufguss einen Tee kocht und auskühlen lässt. Dieser wird dann im Verhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt. Nach einem Regenguss kann man die Rabatte damit gießen und den Komposthaufen damit anfeuchten. Das hat für die Pflanzen auf kurze und lange Sicht eine heilende und abwehrende Wirkung.

Kräutergarten in Karlstein ⓒ Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Geschmäcker sind verschieden

Beim Anis scheiden sich die Geister

Unsere Geschmacksnerven haben anscheinend schon ihre naturgegebene Sensibilität eingebüßt. Denn in den käuflich zu erwerbenden Nahrungsmitteln sind öfter als uns lieb ist Verstärker enthalten, die dem Gaumen schmeicheln. Wer sich dann im Gegensatz dazu mit rein natürlichen Produkten auseinandersetzt wird merken, dass die ursprünglichen Aromen keineswegs zu verachten sind. Bei Anis jedoch wird die jeweilige persönliche Zunge zu einer Entscheidung herausgefordert. Es ist dabei egal, ob es sich um Verarbeitung der Samenkörner oder um ihre direkte Verwendung handelt. Schon Paracelsus schätzt die heilenden Eigenschaften des Doldenblütlers. Das den Anisfrüchten eigene Signum der kleinen Härchen, die selbst noch in zerriebenem Zustand nachweisbar sind, deutet darauf hin, dass in ihnen eine Hilfe für die Atemwege zu finden ist. Anis lockert den Schleim und verhindert im Darm eine übermäßige Gasbildung. Generell kann man sagen, dass diese Körner den Organismus anregen, ohne ihn aufzuregen. Selbst die seelische Komponente kommt beim Anis nicht zu kurz. Denn auch in unserem Innern kann es vorkommen, dass sich Ängste stauen und auf eine Bewältigung warten. Dann ist es gut, sich dieses Gewürzes zu bedienen. In den Forschungsgebieten der Chemie und der Physik ist es bis heute üblich, Experimente durchzuführen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. So möchte ich an dieser Stelle wieder einmal ermutigen, über den eigenen Schatten zu springen und mit heilsamen Mitteln der Natur das eine oder andere auszuprobieren und seinen Gaumen mehr auf die natürlichen Kostbarkeiten hin zu trimmen, zu denen auch der Anis zählt.

Sodbrennen vermindern:

Ein Tee kann bei unangenehmem Sodbrennen ein wenig Linderung verschaffen. Dazu werden 1 Teelöffel voll zerkleinerter Melissenblätter samt 1/2 Teelöffel zerstoßener Aniskörner mit 1/4 Liter heißem Wasser überbrüht. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und nach dem Auskühlen ungesüßt trinken.

Anis ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya