Eine Litanei anstimmen

Zur Abwechslung einmal mit Kräutern

In der warmen Jahreszeit kommen gerne die Touristen zu uns ins schöne Waldviertel. Anziehungspunkte sind neben einer oftmals natürlichen Landschaft die vielen historischen Bauten, die schon allein durch ihre Erscheinung einen aufwertenden Akzent für ihre Umgebung darstellen. Gerne führe ich z. B. unsere Gäste durch die schöne Stiftskirche von Geras, an deren Plafond sich seit dem Jahr 1771 ein Freskenzyklus befindet, der das Gebet der Lauretanischen Litanei in die Bildsprache des ausgehenden Barocks fasst. Eine Litanei ist quasi ein Meditationsgebet mit sich immer wiederholenden Phrasen, das sowohl einzeln als auch in Gemeinschaft verrichtet werden kann. Darin stehen – leider oft unbekannterweise – die christlichen Gebetspraktiken den Formen der fernöstlichen religiösen Andachtskultur um nichts nach. Heute möchte ich daher, durch das erwähnte Deckengemälde des Trogerschülers Franz Zoller animiert, eine ganze Liste von Heilkräutern meinen werten Lesern vor Augen führen, die allesamt die Wirkkraft in sich bergen, unser Blut zu reinigen. Vielleicht kann ja die eine oder der andere etwas darunter entdecken, das mithelfen kann, den Frühling für die eigene Gesundheit zu nutzen. Denn so manche Krankheit stellt eine Sackgasse dar, aus der wir scheinbar nur schwer wieder herauskommen. Dennoch sind viele Pflanzen durchaus in der Lage, uns dabei zu helfen, den Retourgang einzulegen, um unseren Organismus Richtung Heilwerden zu steuern.

Blutreinigende Kräuter:

Acker-Stiefmütterchen, Birkenblätter, Brennnesseltriebe, Brunnenkresse, Gänseblümchenblätter und -blüten, Gundelrebenkraut, Knoblauch, Löwenzahnblätter und -wurzeln, Ringelblumenblüten, Rosmarintriebe, Schafgarbenkraut, Schlüsselblumenblätter, blühendes Tauendguldenkraut, Veilchenblätter Wacholderbeeren, Walnussblätter, Weiße Taubnessel, Wermutkraut, Zinnkraut und Zwiebel.


Stiefmütterchen-Zweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Brunnenkresse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Grundrebenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den Schlüssel nicht vergessen

Vor allem, wenn er vom Himmel kommt

Welche Symbole kennen wir im Zusammenhang mit der Hoffnung? Die Tugend der „spes“, wie die Hoffnung in der lateinischen Sprache benannt wird, bringt die darstellende Kunst meist durch einen Anker zum Ausdruck. Meines Erachtens kann aber durchaus auch ein Schlüssel diese bezeichnende Funktion übernehmen. Im Auf und Ab unseres Lebens brauchen wir regelmäßig die Zeiten, in denen wir zu verheißungsvollen Aus- und Ansichten fähig sind. Etwas eröffnet sich uns, wenn Schranken und Grenzen fallen oder Türen und Tore aufgehen. Um auf der Suche danach nicht zu sehr imaginäre Luftschlösser aufzusuchen, reicht ein aufmerksamer Blick auf den Boden der immer grüneren Natur. Dort dürfen wir mit etwas Glück die Himmelschlüssel entdecken, die nun bereits ihre Blüten geöffnet haben. Neben anderen saisonalen Kräutern bietet eben gerade die Echte Schlüsselblume (Primula veris) einen Grund zur Hoffnung inmitten einer neu aufbrechenden Zeit. Das wusste auch schon die heilige Äbtissin und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen und empfahl daher allen jenen, die unter Schwermut litten, einen Tee aus Schlüsselblumen zu trinken. In der Blühfolge der verschiedenen Waldblumen gehen die Himmelschlüssel sozusagen mit gutem Beispiel voran. Sie fangen die wärmenden Sonnenstrahlen nach den jeweils abgelaufenen Wintern ein und vermögen die dadurch erhaltene Energie auf eine ganz sanfte Weise auch weiterzuschenken. Kann das nicht ebenso ein Bild sein, von dem unsere oft auf das eigene Ich eingekrümmte Lebensführung wiederum an Wärme und Sympathie gewinnen könnte? Ja, die Himmelschlüssel sprechen in meinen Augen eine ganz eindeutige Einladung aus, sich diese Einsicht schenken zu lassen.

Hustentee mit gutem Aroma:

Von der Echten Schlüsselblume werden jeweils nur die Blüten abgezupft und getrocknet. 2 Teelöffel davon übergießt man mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Etwas Honig und Zitronensaft dazugeben. Dieser wohlschmeckende Tee hat eine schweißtreibende und schleimlösende Wirkung.

Schlüsselblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Gleich dem Düngen der Erde

Die Kopfhaut kräftigen

Vor kurzem noch hat es auf den Äckern im Flachland Österreichs ganz kräftig gestaubt. Eigentlich fühlte man sich bei einer derartigen Wolkenbildung aufgrund der anhaltenden Trockenheit an mediterrane Verhältnisse erinnert, als die Traktoren auf und ab fuhren, um die Felder neu zu bestellen. Aber es ist doch eigentlich ganz logisch, jetzt den Boden für die kommende Wachstumsperiode gleichsam arbeitstauglich zu machen. Abgesehen von einigen unverbesserlichen Kappenträgern ist es nun eher angesagt, mit unbedecktem Haupt seines Weges zu gehen. Die Kopfhaut bekommt dadurch mehr Luft und muss sich aber gleichzeitig vermehrt den Gegebenheiten wie Sonnenlicht und einer urban bedingten schlechten Luftqualität stellen. Kaum jemand bedenkt, dass auch der Haarboden dafür dankbar ist, wenn er sozusagen sommerfit gemacht wird. Unabhängig von dem Ausmaß der auf ihm gedeihenden Haarpracht hat er eine liebevolle Pflege auf jeden Fall verdient. Ein Haarwasser herzustellen, bedarf nicht unbedingt eines großen Geschicks. Auch wenn man ohne dementsprechende Schulung nicht fähig sein wird, das eine oder andere Wässerchen der verschiedenen Angebote einer Drogerie zu übertrumpfen, sollte doch der Versuch nicht unterbleiben, bei Mutter Natur anzuklopfen und zu fragen, ob nicht sie mindestens genauso entsprechende Zutaten liefern könnte. Die eigene Eitelkeit kann zwar einen Impuls für derartige Unterfangen liefern, doch sollte uns allen, egal welchen Geschlechts wir sind, die Gesundheit der zuoberst liegenden Hautpartie am Herzen liegen. Immerhin leistet sie das ganze Jahr über enorm viel, ohne dass wir das womöglich mit den direkt darunter sitzenden Windungen unseres Gehirns gebührend in Erwägung ziehen. Eine Möglichkeit besteht zum Beispiel, den Quendel für die Kopfhaut zu nützen.

Ein Wässerchen für ganz oben:

50 g des frischen oder getrockneten Krautes vom Feldthymian (Thymus serpyllum) werden in 1/2 Liter hochprozentigem Alkohol 14 Tage lang angesetzt. Täglich durchschütteln und am Ende abseihen. Den Rückstand lässt man dann noch ca. 1 Stunde in 3/4 Liter abgekochtem und ausgekühltem Wasser stehen. Danach abseihen, beide gewonnenen Flüssigkeiten zusammengeben, in Fläschchen füllen und lichtgeschützt kühl lagern. Täglich am Abend die Kopfhaut damit einmassieren.

Quendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wenn der Husten nicht aufhört

Sich auf die Gerste besinnen

Auftakt mit vollem Orchester – so würde man am liebsten den Beginn der neuen Jahreszeit mit einem akustischen Vergleich beschreiben. Es tut uns doch allen gut, die vielen Sonnenstunden zu genießen. Auf den Äckern waren bereits die Traktoren unterwegs, um all das, was zu säen ist, unter die Erde zu bringen. Und diesmal hat die Gerste, die schon im Herbst angebaut wurde, dem Winter keinen Tribut zahlen müssen. Womöglich gab es gar bei manchen schon die Gelegenheit, in einem Schanigarten ein kühles blondes Bier genussvoll zu „verinnerlichen“. Das geht natürlich nur, wenn der Hals auch mitspielt. Bei Erkältungskrankheiten wird es daher schwer möglich sein, diesem Vergnügen nachzugehen. Bevor es gar den Anschein erweckt, dass ich hier den übermäßigen Biergenuss bewerben wollte, kehre ich zurück zur Gerste, die im Normalfall einen wesentlichen Beitrag zum Brauen liefert. Dieses Korn hat darüber hinaus noch andere Inhalte, die wir uns gerade dann, wenn kalte Getränke die Grenzlinie unserer Lippen nicht überschreiten sollen, zu Hilfe nehmen dürfen. Denn so sehr das Wetter uns seine schönen Zeiten gezeigt hat, kann es doch auch sein, dass die Lunge noch immer unter den Folgeerscheinungen einer Erkrankung leidet.
Es dauert halt dennoch eine Zeit, bis sich auch schattige Orte und Räume ohne Heizung aufgrund der höheren Außentemperaturen erwärmen, was für viele von uns bedeutet, zwischen kalt und warm hin und her zu wechseln. Da verwundert es nicht, wenn sich, ohne es zu wollen, der Husten beständig zurückmeldet und unangenehm auf sich aufmerksam macht. Dafür gibt es aber einen Gerstensaft ganz eigener Art, der weder den Geist beeinträchtigt noch die Leibesmitte an Umfang zunehmen lässt.

Linderung bei Hustenanfällen:

In diesen Fällen ist es ratsam, in 1 Liter Wasser eine Menge von 50 g Gerstenkörnern weichzukochen. Nach dem Abseihen lässt man das Gerstenwasser sich trinkbar temperieren und mischt noch 1 Esslöffel guten Bienenhonig dazu. Über den Tag verteilt öfter trinken, um den lästigen Husten zu vermindern.

Gerste ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Auch wenn die Schneeschmelze fehlt

Dennoch Wasser aus dem Körper leiten

Hier schreibt einer, der im Norden Österreichs daheim ist. Sehr wohl denke ich an die Niederschläge des vergangenen Winters, die südlich des Alpenhauptkamms bedrohliche Folgen zeitigten. Mein Mitgefühl gilt selbstverständlich allen davon Betroffenen. Mit ein wenig Runzeln auf der Stirn blicke ich jedoch auf die staubigen Äcker im nordöstlichen Flachland unseres Landes. Der niedrige Wasserstand der Flüsse bedarf daher keiner weiteren Erklärung. Es fehlt die vielerwähnte Winterfeuchte. Viele von uns haben aber weniger mit den Jahreszeiten und dem gefallenen Schnee Probleme. Weil Herz oder Nieren in ihrer Leistung beeinträchtigt sind, gibt es vermehrte Wasseransammlungen im Gewebe. Der Frühling und die Fastenzeit können aber einen Anstoß dazu geben, um Methoden in Betracht zu ziehen, die begleitend mithelfen können, den Organismus neben der Blutreinigung zusätzlich auch zu entwässern. Dabei gilt die Regel, dass in diesen Fällen die medizinische Begleitung durch den zuständigen Arzt eine Grundvoraussetzung ist. Immerhin muss man aufpassen, inwieweit die geschwächten Organe nicht noch zusätzlich belastet werden. Eine Abwechslung in der Ernährung kann daher ein Weg sein, um den Körper an Flüssigkeit zu erleichtern. Das, was auf den hoffentlich bald mit Regen gesegneten Äckern wachsen soll, kann dafür verwendet werden. Ab und zu darf daher ein Erdäpfeltag eingeschoben werden. Konkret heißt dies, dass ca. 200 g Erdäpfel mit der Schale gekocht und anschließend ohne Salz verzehrt werden. Da in den unterirdischen Kostbarkeiten viel Kalium gespeichert ist, wird durch den Genuss der Kartoffel die Entwässerung gefördert. Natürlich soll bei derlei Art zu fasten nicht auf das Trinken vergessen werden. Es darf auf keinen Fall zu einer schädigenden Dehydrierung des Körpers kommen.

Rohkosttage einplanen:

Dann, wenn weniger Leistung von den Berufstätigen gefordert wird, also vornehmlich an den freien Tagen des Wochenendes, können Rohkosttage eingeschoben werden, die einen entwässernden Effekt haben. Rohes Obst und Gemüse, Salate und Nüsse dürfen dann auf dem Speiseplan stehen und ein gesundes Naschen ausmachen.

Erdäpfelstaude ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Sterne vom Himmel holen

Die Vogelmiere öffnet ihre Blüten

Wer eine Alternative zu Schnittlauch oder Bärlauch sucht, um damit einen Topfenaufstrich oder eine Suppe zu komponieren, darf sich ruhig genauer im Reich der Pflanzen außerhalb der aufwendig gehegten und gepflegten Gartenbeete umsehen. Jetzt beginnt z.B. wiederum die Vogelmiere (Stellaria media) zu wachsen, deren Blüten in einem die Erinnerung an den nächtlichen Himmel wecken. Ich meine damit die Blüten dieses bescheidenen Nelkengewächses, die bei günstigen Bedingungen das ganze Jahr über an den Trieben der Pflanze zu entdecken sind. Die Blütenblätter der Vogelmiere sind schneeweiß gefärbt, die Staubgefäße heben sich jedoch in einem noblen Purpur davon ab. In ihrem Gehabe gibt sich dieses Kraut eher bescheiden. Es wächst vor allem auf Schuttplätzen und Wegrändern, gern auch auf Äckern sowie im Wald und in den Gärten, sofern man ihm Platz lässt. Als Inhaltsstoffe finden wir im Hühnerdarm, wie die Vogelmiere auch genannt wird, einen hohen Anteil an Kalium und an Saponinen. Kaum zu glauben, dass in der Vogelmiere selbst Vitamin C enthalten ist. So kann man zwischen den Monaten März und Oktober darangehen, das Gewächs frisch zu ernten und zu verarbeiten. Die Pflanzenteile sind, obwohl sie leicht bitter schmecken, eher geruchlos. In den Erfahrungen der Naturheilkunde finden sich Berichte darüber, dass sich die Vogelmiere bei Gelenksentzündungen, bei Muskelrheumatismus sowie bei Augen- und Lungenschwäche jeweils gut bewährt hat. Darüber hinaus kann dieses Heilkraut dem Gedächtnis wiederum auf die Sprünge helfen, wenn es womöglich durch Überanstrengung die eine oder andere kleine Lücke aufweist.

Vogelmiere als Salatbeigabe:

Der Frühling eröffnet die Saison sehr vieler Wildkräuter, die sich hervorragend dazu eignen, einen schmackhaften Salat unter ihrer Zuhilfenahme anzurichten. Bestehen dabei die Zutaten vorwiegend aus Bitterkräutern, so bringt die Vogelmiere einen mildernden Effekt in diese gesunde Rohkost ein.

Vogelmiere ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Wer weiß noch, wo die Wurzeln sind?

Naturheilmittel Seifenkraut

Wer meint, nur Pflanzen hätten Wurzeln, der irrt. Eine Person wird nur zu einem geringen Teil von dem definiert, was sie konsumiert und was ihr zukommt. Herkunft, Vorfahren und Erziehung sind vielmehr die formenden Faktoren des Menschen. Die Frage nach den Wurzeln stellt sich aber auch vor allem in der pflanzlichen Natur. Das Seifenkraut (Saponaria officinalis) säumte in der zurückliegenden Vegetationsperiode so manch feuchte Stelle an den Ufern der verschiedenen Gewässer. Dort bedeckt nun womöglich das dürre Schilf und das trockene Gras des Vorjahres den Boden. Wer nicht genau die Stelle weiß, wo das Seifenkraut exakt gestanden hat, wird sich beim Suchen der Wurzeln eher schwer tun. Viele Gartenliebhaber schätzen seit langem jenes hübsche Nelkengewächs als schmückendes und duftendes Element rund um das eigene Haus. Dort ist es logischerweise viel einfacher, den Schatz der unterirdischen Kraftspeicher dieser Pflanze zu heben. Von März bis April ist die ideale Zeit, um das zu tun. Das so gesammelte Erntegut muss relativ rasch getrocknet werden, damit es nicht verdirbt. Wer momentan keinen zugigen und schattigen Ort dafür zur Verfügung hat, kann die gereinigten und mehrmals aufgespaltenen Wurzelteile des Seifenkrautes in einem Backofen bei ca. 45° C in einen trockenen und haltbaren Zustand versetzen. Durch seine Inhaltsstoffe vermag das duftende „Waschmittel“ vergangener Zeiten die Drüsen positiv zu stimulieren. Überdies ist seine auswurffördernde Wirkung bei verschleimten Atemwegen seit langem bekannt. Nach längerer Zeit darf ich daher die Art und Weise, wie aus der Wurzeldroge des Seifenkrautes ein wirkkräftiger Tee zubereitet wird, in Erinnerung rufen.

Tee aus der Wurzel des Seifenkrautes:

Von der getrockneten und zerkleinerten Seifenkraut-Wurzel nimmt man 1 1/2 Teelöffel voll und gibt sie in 1/4 Liter kaltes Wasser, am besten abends. Am nächsten Morgen wird das Ganze erwärmt, aber nicht gekocht. 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Am Morgen schluckweise eine Tasse davon und am Abend die zweite trinken. Der Tee löst die innere Verschleimung. Wer einen empfindlichen Magen hat, der kann den Seifenkrauttee zu gleichen Teilen mit Kamille mischen.

Seifenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Den Druck senken

Im Blut und im Leben

Fasten ist kein Leistungssport. Es ist sicherlich gut, im Laufe der Zeit eine gewisse Konsequenz in Sachen Mäßigung und körperlicher Ertüchtigung aufzubauen. Dennoch wäre es gefehlt, sich selbst und vor allem andere unter Druck zu setzen. Wir dürfen uns ruhig dabei ertappen, wenn wir z. B. über andere nörgeln und eher ungenießbar sind und uns gleichzeitig eingestehen, dass wir uns selbst gar nicht richtig mögen. Schauen wir doch einmal auf die Misteln (Viscum album), die als Baumschmarotzer hoch oben in den Zweigen ihrer Wirte hausen und für eine schnelle Ernte zwischendurch kaum erreichbar sind. Die haben es anscheinend geschafft. Fühlen wir uns etwa zu niedrig angesichts einer derartig erhöhten Position? Erst, wenn wir uns etwas beweisen können, stimmt das Selbstwertgefühl wiederum. Würde sich diese Behauptung als wahr erweisen, müsste sich die Welt mitsamt den Menschen ja schon dreimal gebessert haben. Aber nichts von alledem ist zu bemerken. Für den Bluthochdruck kann es viele Ursachen geben. Diese können körper- und veranlagungsbedingt zur Last werden. Aber es gibt keinen menschlichen Leib auf Erden, an dem sich nicht auch gleichzeitig der seelische Zustand seines „Besitzers“ ablesen lassen könnte. In der „normalen“ Arbeits- und Lebenswelt sind überhöhte Erwartungen jeweils an der Tagesordnung. Ohne Rücksicht auf den tätigen Erdenbürger bleiben der Profit und der wirtschaftliche Erfolg das Maß aller Dinge. Abgesehen davon, dass hierin eine unmoralische und sündhafte Komponente des marktwirtschaftlichen Denkens zum Vorschein kommt, attestiert ein hoher Blutdruck bei vielen von uns, dass mit unserer Zeit etwas nicht stimmt. Um auf die Mistel zurückzukommen, brauchen wir nicht beim Neid bleiben, da sie hoch über unseren Köpfen lebt. Vielmehr kann sie zusammen mit anderen Kräutern mithelfen, den Blutdruck auszugleichen.

Misteltee zubereiten:

2 Teelöffel voll der getrockneten und zerkleinerten Pflanzenteile (aber ohne Beeren und 1 Jahr gut abgelagert!) werden in 1/4 Liter kaltem Wasser am Abend angesetzt und am Morgen abgesiehen und aufgewärmt. Gleich nach dem Aufstehen eine Schale davon trinken und die nächste dann am späten Nachmittag. 3 Wochen lang durchführen, ehe man 1 Woche pausiert.

Mistel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Qualitätsprodukt der Natur

Die Ringelblume hilft heilen

Von Schmerzen spricht man nicht gerne. Schon gar nicht, wenn Stellen betroffen sind, deren Nennung einem womöglich die Schamröte ins Gesicht treibt. Wie viele Witze werden doch mit diesen sensiblen Zonen unseres Leibes oft ganz unbedacht gemacht. Den Pflanzen, wie z.B. der Ringelblume, würde nicht im Traume einfallen, mit abschätzigen Worten die Würde eines Menschen herabzusetzen. Vielmehr steht sie als Ganze uns allen mit ihren heilsamen Kräften zu Diensten. So kann man ihr ruhig trauen, wenn es gilt, die eine oder andere Infektion der Haut in Angriff zu nehmen. Dazu zählt eben auch das Gesäß mitsamt dem After, der ganz elementar die Aufgabe der geregelten Entsorgung all unserer festen verdaulichen Stoffe im wunderbaren Zusammenspiel der Muskel und Organe unsers Leibes übertragen bekommen hat. Alle, die schon einmal Probleme an diesem neuralgischen Punkt erleben mussten, wissen ein Lied davon zu singen, wie unangenehm sich eine Beeinträchtigung der Afterzone auswirken kann. Dazu zählen u. a. auch Fisteln, die einem die Tage zur Qual machen. Auf verschiedene Weise kann die Heildroge Ringelblume aufbereitet werden, damit wir in solchen Fällen davon profitieren. So kann man sich auf alle Fälle für eine indirekte Behandlung dieses Phänomens entscheiden, indem man aus getrockneten Ringelblumen-Blüten einen Tee im Heißaufguss-Verfahren herstellt, den man in der Früh und am Abend schluckweise trinkt. Denn über die Verdauung gelangen allemal die wirkkräftigen Inhalte des Korbblütlers Ringelblume an ihr Ziel, das womöglich an einer manuell schlecht erreichbaren Stelle liegt. Die Tatsache, dass unser Blut in diesen Fällen den Transport übernimmt, kommt ja auch dann zum Tragen, wenn wir Medikamente einnehmen müssen.

Ringelblume für Afterbeschwerden:

Der eben angesprochene Tee aus Ringelblumen-Blüten eignet sich ebenfalls als Zusatz für Sitzbäder, die man im Falle von Fisteln und Afterschmerzen am besten abends durchführt. Danach alles gut abtrocknen und vor dem Schlafengehen den Aftereingang noch mit Ringelblumensalbe einreiben.

RIngelblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das Schuhwerk wird leichter

Huflattich hilft den Schweiß mindern

Das ganze Leben müssen sie uns tragen. Von früh bis spät gilt es für sie, unser gesamtes Gewicht abzufedern und zu balancieren. Solange wir des Gehens fähig sind, gibt‘s quasi kein Pardon für unsere Füße. Jetzt im Frühling, da bereits die Huflattichblüten die Straßenränder und Bachufer säumen, kann man sich wiederum leichteres Schuhwerk an unsere Treter schnallen. Somit darf nicht nur unsere Lunge durchatmen, auch unsere Füße bekommen erneut mehr Luft. Oder doch nicht? Es wäre natürlich leichtsinnig, durch zu langes Stehen auf winterkalten Böden die Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Denn bekanntlich tut Übermut selten gut. Dennoch sollten wir darauf achten, langfristig ein gesundes Klima für unsere Füße zu ermöglichen. Ganz leicht kann es vorkommen, dass diese – gut zugeschnürt und womöglich noch in künstlichen Stoffen verstaut – ins Schwitzen kommen. Die Folgeerscheinung lässt dann so manchen die Nase rümpfen, der uns zu nahe kommt. Dagegen ist man in den seltensten Fällen machtlos. Daher zurück zum Huflattich. Nachdem die Blühphase dieses Korbblütlers vorbei ist, beginnen dessen Blätter auszutreiben. Zur vollen Größe gelangt, dürfen diese bereits geerntet und getrocknet werden. Man sollte sich aber, um sicher zu gehen, den Standort der kleinen sonnenähnlichen Blüten merken, da es leicht vorkommen kann, dass man die Weiße Pestwurz mit dem Huflattich verwechselt. Erstere übertrumpfen jedoch ihre anscheinenden Doppelgänger an Blattgröße. Zur äußerlichen Anwendung eignen sich auf jeden Fall die schirmartigen Blätter des bekannten Frühlingsboten.

Fußbäder bei übermäßigem Schwitzen:

Eine Menge von 50 g getrockneter Blätter des Huflattichs (Tussilago farfara) wird mit 1 Liter kochendem Wasser übergossen. Das Ganze ca. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen und ins Fußbadewasser gießen. Hinzu kommen noch 2 Esslöffel voll Apfelessig, bevor man die Füße ziemlich heiß darin badet. Durch diese Anwendung vermindert sich die hohe Schweißabsonderung des Gehwerks.

Huflattich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya