Ein Stamperl in der Fastenzeit?

Erkältungen in die Schranken weisen

Ausnahmen bestätigen die Regel! – Warum soll das nicht auch in den Zeiten des freiwilligen Verzichts auf sonst im Überfluss Genossenes gelten? Nun, ich möchte mich damit nicht bei Ihnen einschmeicheln. Aber ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, zu unterscheiden und vor allem gut hinzusehen. Leider musste ich es auch oft erleben, wie manche, die stur und verbissen Ideen oder Prinzipien verfolgt haben, das sprichwörtliche Kind mit dem Bade ausgeschüttet haben. Von daher gesehen habe ich auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich Ihnen ein Stamperl anbieten darf. Doch vorerst zum Inhalt. Der Fenchel (Foeniculum vulgare), um den es heute eigentlich geht, hat eine große Palette an Wirkungsbereichen. Dazu zählen der Verdauungstrakt, der Unterleib und die weiblichen Milchdrüsen. Nicht zu vergessen seien aber vor allem auch die Atmungsorgane, die vom Fenchel profitieren. Gerade jetzt, wo viele schon ihre grippalen Infekte hinter sich haben, brauchen der Hals und die Lunge ein wenig Unterstützung, um einigermaßen ungehindert ihren Dienst leisten zu können. Da bietet sich vor allem der Fenchel an. Ein Weg kann damit beschritten werden, indem man sich aus zerdrückten Fenchelkörnern im Heißaufguss einen Tee zubereitet. Wer mehr Geduld hat, kann sich auch einen Likör herstellen.

Fenchellikör selbst gemacht:

Folgende Samenkörner zusammenmischen: 150 g Fenchel, 30 g Anis, 15 g Koriander und 5 g Kümmel. Alles zusammen in einem Mörser leicht anstoßen, in ein Glasgefäß geben und mit 1 Liter Obstbrand übergießen. 14 Tage ins Fenster stellen. Anschließend 500 g Honig in 1 Liter abgekochtem und temperiertem Wasser auflösen und mit dem Auszug vermischen. Den fertigen Likör in Flaschen abfüllen und kühl im Dunklen lagern. Bei Heiserkeit, Husten und Erkältung immer wieder ein Stamperl genießen. Gesundheit!

Die Verwandte der Rose

Die Nelkenwurz blüht ganz bescheiden am Wegrand

Immer wieder begegnen wir in unseren Landen den Darstellungen des heiligen Johannes Nepomuk. An unzähligen Brücken stehen Statuen dieses verewigten Kirchenmannes und kaum ein Dorf verzichtet darauf, ihn in künstlerischer Form – wo auch immer – zu verehren. Oft wird sein Haupt von einem Kranz aus fünf Sternen bekrönt. Darin kommt das lateinische Wort „tacui“ (= ich habe geschwiegen) zum Ausdruck. Wenn ich die Blüten eines äußerst bescheidenen Gewächses an den Wegrändern näher betrachte, dann fühle ich mich irgendwie an den böhmischen Brückenheiligen aus Pomuk erinnert. Denn die kleinen gelben Blüten der angesprochenen Nelkenwurz (Geum urbanum) nehmen sich aus wie ein kleiner gelber Kranz aus fünf kleinen Sternen, die durch ihre Blütenblätter dargestellt werden. Normalerweise steht aber dieses Rosengewächs mit dem Namenspatron unseres gegenwärtigen Papstes in Rom in Verbindung. Seit alters her fand die im Namen angesprochene Wurzel in der Naturheilkunde ihre Verwendung, was nicht zuletzt dazu führte, dass damit auch der geheimnisumwobene Benediktinerlikör hergestellt wurde und wird. Der kräuterkundige Leonhart Fuchs (1501 – 1566) wusste einst über die Wirkung der Nelkenwurz folgendes zu berichten: „Diese Wurtzel gedörrt und zu Pulver gestossen / darnach in Wein ingenommen / ist gut wider allerley Gifft.“
Heute weiß man, dass dieses Gewächs, die Fähigkeit hat, die Verdauung zu unterstützen und manche Entzündung durch seine keimtötende Wirkung hintan zu halten.

Zähne „beruhigen“:

Um mit Zahnschmerzen umgehen zu können, kann die Nelkenwurz zu Hilfe genommen werden. Dazu übergießt man von der getrockneten und pulverisierten Wurzel dieser Pflanze 2 Teelöffel voll mit 1/4 Liter kochendem Wasser und lässt sie 15 Minuten lang ziehen. Nach dem Abseihen und Abkühlen als Spülwasser für den Mund verwenden.

Ohne hohes Ansehen

Die Brennnessel hilft entschlacken

Machen wir uns nichts vor. Viele Male am Tag lassen wir uns vom äußeren Anschein mehr oder weniger beeindrucken. Die Werbung für bestimmte Marken und Produkte nimmt sich daher die oberen Zehntausend der schönen und wohlgestalteten Menschen zu Hilfe, um uns auf diese Weise beizukommen. Kaufen wir etwas, dann nehmen wir auf eine fast mythische Weise Anteil am Wesen derer, die einem unbewussten Gefühl nach auf der Sonnenseite des Lebens zu Hause sind. Und bei den Kräutern? Da stechen uns natürlich die ins Auge, die wunderschöne Blüten aufzuweisen haben. Genauso zieht uns ein aromatischer Duft in deren Bann.

Da hat es die Brennnessel schon schwer, unsere Aufmerksamkeit zu ergattern. Dabei ist sie voller guter Seiten, die wir gerade auch in der Fastenzeit für unsere Gesundheit entdecken und nutzen dürfen. Ein dauerndes Thema für unser Wohlbefinden ist die Harnsäure. Durch unbedachte Ernährungsweise steigt diese in unserem Organismus in einem Maß an, das nur mehr schwer abzubauen ist und z.B. zu Gicht samt deren Folgeerscheinungen führt. Die Harnsäure ist eine Stickstoffverbindung, die in der Leber gebildet und vor allem beim Verzehr von Fleisch und tierischem Fett ausgeschieden wird. Bei einem Überschuss derselben bilden sich in Ablagerungen die berühmten Harnsäure-Kristalle, die dann auf schmerzliche Weise wahrgenommen werden. Wer zur Brennnessel greift, profitiert von ihrem harntreibenden Effekt. Sie fördert ebenso die Gallensekretion und trägt zur Entschlackung und Reinigung des Blutes bei.

Vorsatz fassen:

Wenn bald der Frühling kommt, kann man, sobald die Brennnesseln austreiben, gerade die jungen Triebe zum Bereiten eines Tees oder eines Brennnesselspinats heranziehen. Jetzt im Winter darf man aber ruhig auf die getrocknete Droge zurückgreifen, um damit alleine oder in verschiedensten Mischungen einen Auszug zu kochen oder das Kräutersalz damit anzureichern.

Hingehen, wo nichts ist

Das Johanniskraut für die Fastenzeit

Das Waldviertel ist ein schöner Flecken Erde. Ich danke dem Herrgott, dass ich in so einem schönen Landstrich zur Welt kommen durfte. Die Versuchung aber, diese Gegend durch die sprichwörtliche „rosa Brille“ zu betrachten, wird mir in der Arbeit zusammen mit den Menschen vor Ort nur selten gewährt. Durch die global fortschreitende Urbanisierung zieht es immer mehr junge Einheimische in die Städte, wo die Möglichkeit zur Arbeit gegeben ist. Denn, wer will schon dort für seinen Unterhalt sorgen, wo sich anscheinend nichts abspielt?

Das Johanniskraut entspricht ganz und gar nicht diesem Trend. Es zählt zu den so genannten Pioniergewächsen, was so viel bedeutet, als dass dieses Gewächs dort Wurzeln fasst, wo gerade nichts gedeiht und wo die Bedingungen alles andere als gerichtet und aufgeschlossen – um ein Bild von Bauplätzen zu nehmen – sind. Das trifft vor allem auf Brachflächen, Schotterhalden, Kahlschläge, Wegränder und Bahndämme zu. Es weist allein schon der Name des angesprochenen Heilkrautes darauf hin, dass man in seinem Zusammenhang mit wüsten Gegenden rechnen muss. Denn der heilige Johannes der Täufer lebt und predigt in der Wüste, um die Menschen auf Gott aufmerksam zu machen, abseits vom lauten Getriebe der Marktplätze, Basare und Häfen. Das öde Land ist immer auch Land der Reinigung. Blicken wir nur auf die biblische Erzählung, in der wir den Zug der Israeliten mitverfolgen dürfen, ehe sie in das gelobte Land einziehen können. Das Johanniskraut hat für mich in diesen Tagen eine starke Aussagekraft. Diese möge auch bei vielen Aufmerksamen zu Wort kommen.

Das Leben hat viele Seiten:

Der lange naturheilkundliche Gebrauch des Johanniskrautes hing immer mit einer Schieflage des psychischen Gleichgewichts der jeweils betroffenen Menschen zusammen. Betrachten wir also mithilfe dieser Seelenhelferin unser Leben, wie es ist. Lassen wir uns nicht einlullen von der Devise: „Dir darf es niemals schlecht gehen!“, sondern nehmen wir unsere derzeitige Existenz ernst, ohne uns ablenken zu lassen. Das Johanniskraut ist da schon einen gesundheitsfördernden Schritt voraus.

Bitterkräuter in der Fastenzeit

Begleiter, die zum Wesentlichen führen

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler.“ (Mt. 6, 16) Für die Fassade haben wir im Fasching wohl genug getan. Ja, manche haben sich verkleidet, um sich ein anderes Aussehen zu geben. Jetzt aber sind wir durch die Kirche eingeladen, nach innen zu gehen. Dabei brauchen wir weder verbittert noch verhärmt dreinschauen. Ganz im Gegenteil.

Gerade bittere Stoffe sind es, die heilen und das Gemüt aufhellen. So schrieb Hermann-Josef Weidinger einst: „Denn Bitternis im Mund trägt Fröhlichkeit ins Herz. Macht gesund.“ Diese Worte verfasste er im Zusammenhang einer Betrachtung über den Wermut. Und weiter meint er: „Alles Bittere fördert die Lebertätigkeit. Das wiederum wirkt sich sehr günstig auf das Gemüt aus.“ Eine kleine Mutprobe gefällig? Als äußerst wertvoll und heilsam erweist sich ebenso eine andere bittere Pflanze: das Tausendguldenkraut. Leidet jemand an Magensäuremangel, so findet er in diesem Gewächs einen guten Partner. Aber Vorsicht, Tausendguldenkraut-Tee schmeckt ungewöhnlich bitter! Also, vielleicht bringt auch so mancher Gesunde den Mut auf, diesen Tee zu kosten, denn das wirkt sich allemal günstig auf unser Gedächtnis aus. Das Rezept dazu: 1 Teelöffel voll zerkleinerten und getrockneten blühenden Krautes wird in ½ l kaltem Wasser 8 Stunden lang angesetzt. Danach abseihen und zimmerwarm trinken. Nicht anwärmen.

Bei zu viel Ärger und zu wenig Gallenfluss:

Sollten wir zum Wermut greifen. Für den Tee nehmen Sie 2 Teelöffel getrocknete Wermutblätter und übergießen diese mit ½ l siedendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen. Über den Tag verteilt trinken, am besten ½ Stunde vor oder 1 Stunde nach den Mahlzeiten.

100 Prozent und weniger

Gedanken zum Aschermittwoch

Es darf doch nicht sein, dass mein Leben auch Defizite aufzuweisen hat! Zumindest wird mir das an allen Ecken und Enden einzubläuen versucht. Parolen wie: „Schau nur, dass du gut drauf bist! Lass es dir ja nicht schlecht gehen! Sei doch nicht dumm und schlage den höchsten Profit raus, egal, ob dabei jemand unter die Räder kommt oder nicht! … und, und, und …“ wollen uns weismachen, dass das Leben nur zählt, wenn jeder von uns zu den oberen Zehntausend gehört. Im Berufsleben wiederum müssen alle mit der Schnelligkeit des Internets Schritt halten; jede Chance soll genutzt werden, koste es, was es wolle. Denn die jeweilige Firma muss ja immerhin die beste sein. Heute setzt die Kirche eine Zäsur. Sie ruft zum Fasten auf und akzentuiert, dass diese Übung kein Wischiwaschi wird. Bewusst auf Fleisch verzichten, weil ich auch eins am eigenen Leibe hab. Und zu den Defiziten in meinem Leben stehen. Wer richtig fastet, betreibt damit keinen Leistungssport. Vielmehr soll dadurch eine Einheit mit Jesus Christus angestrebt werden, dem nichts in den Schoß gelegt wurde, im Gegensatz zu meiner Generation (geboren Mitte der 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts). Er hat sein Dasein auf der Welt als Pro-Existenz ausgeführt, Gott gegenüber gehorsam, ja – um mit der Drastik der Bibel zu sprechen – gehorsam bis zum Tod am Kreuz (vgl. Phil. 2,8). Seine Menschwerdung, sein Leben, sein Leiden, sein Tod und seine Auferstehung geschahen für dich und mich. Und wo-für (!) ist mein Leben da?

Schafgarben-Tee innerlich und äußerlich:

Viele Pflanzen besitzen Bitterstoffe. Diese tragen unter anderem dazu bei, dass unser Inneres gut funktioniert, sprich, dass die Verdauung „hinhaut“ und das Denken ermöglicht wird. Zum Beginn der Fastenzeit kann man Schafgarben-Tee dazu verwenden, um mit Waschungen die Gesichtshaut zu kräftigen. Bei überlastetem Darm wiederum soll der Tee aus Schafgarbenkraut warm getrunken werden.

Hopfen als Heilkraut

Bei Adamus Lonicerus

Wer sich noch nicht erkältet hat oder der Grippewelle heil entkommen ist, kann sich heute getrost ein kühles Blondes an den Mund führen und den ersten Schluck genießen. Wie sehr damit der Durst wirklich gestillt werden kann, bleibt dahingestellt. Doch ist es auch einmal gut, über die Stränge zu hauen und den Fasching zu verantwortungsvollem Übermut zu nutzen. Ja, das Bier enthält auch eine Zutat, die bis heute in der Naturheilkunde von Nutzen ist: den Hopfen. Im Kräuterbuch des Adam Lonitzer aus dem 16. Jahrhundert finden wir dazu Folgendes: „Hopffen ist zweyerley / zam und wild / welche einander doch schier gleich / trägt rauhe Blätter / gemeiniglich jedes in drei Theil / oder mehr zerspalten / vergleichet sich die Brombeerlaub / wachsen hoch an Stangen über sich / tragen liechtgelbe bittere Hopffenblumen / seyn der Bierbrauer Würtz. Die Becker brauchens auch / ist zu vielen Dingen gesund. Der zame wird in Teutschland / Polen und Böhmen mit allem Fleiß gesäet / wächst an den darzu gesteckten Stangen in die Höhe / und bekomt im Heumonat seine Blumen / die man zum Bier zu gebrauchen pflegt. Der Wilde aber wächst an den Zäunen von sich selbst.“ Es ist doch immer wieder erquicklich, nach der Mühe, die von uns abverlangt wurde, um die neue Rechtschreibung zu lernen, in die alten Texte hineinzulesen. Heute am Faschingsdienstag hilft uns der Hopfen zu mehr Gelassenheit.

“Krafft und Wirckung:

Jung Hopffenspargen / seyn auch gut zu der Speiß / reinigen das Geblüt / öffnen deß Bauchs Verstopffung / Leber und Miltz / in der Speis genossen / oder in Wein gesotten / getrunken / für alle Unreinigkeit am Leib. Ist hitziger und trockner Natur Natur im andern Grad / von Natur aufzulösen / zuzeitigen / und alle Geschwer zu eröffnen. Hopffen genützt / treibet die Melancholey / und schwere deß Geblüts / auß dem Leib.“

Kräuterkunde anno dazumal

Etwa bei Jacobus Theodorus Tabernaemontanus 1731

Heut und morgen dürfen alte gedruckte Texte der Kräuterkunde zu Wort kommen. Sie seien hier auch mit der alten Rechtschreibung wiedergegeben. Die Zeichenblume des Vereines Freunde der Heilkräuter ist die Ringelblume. Im Kräuterbuch des oben angeführten Autors finden wir folgende Beschreibung: „Die Ringelblume / so von Lobelio Chrysanthemum und Caltha Poetarum genennet wird / ist zweyerley / zahm und wild. Das zahme Geschlecht ist ein Stäudlein mit viel Nebenzweiglein / hat einen holtzechtigen Stengel zweyer Spannen hoch. Die Blätter sind lang / vornen etwas zugespitzet / gleich wie an den Leucojis, doch breiter / länger [und grüner / deren auch etliche mehr rund dann spitzig.] An den Gipfflein der Stengel wachsen erstlich grüne Knöpfflein wie grüne Flachsbollen / welche / wann sie aufgehn / kommen die schöne saffrangelbe [gestirnte] Blumen herfür / eines guten doch starcken Geruchs. Wann die Blumen verfallen / werden runde Knöpfflein an den Stengeln / welches ihr Saame ist / wann man sie von einander thut / ist ein jeder Saame zusammen gebogen / wie ein Vogelskläulein oder Scorpionenschwanz / inwendig weiß und suß. Die Wurtzel ist weiß und zafecht.“

“Von der Natur / Krafft / Würckung und Eigenschafft der Ringelblumen:

Die Ringelblumen sind warmer und truckener Natur /[warm im andern Grad / vorab wann sie dürr sind / doch sind die Blätter etwas hitziger mit einer Schärffe / wie solches aus dem starcken Geruch / und Herbe des Geschmacks abzunehmen ist /] sie eröffnen und zertheilen / ziehen auch ein wenig zusammen. … wiewohl es auch von den Welschen in der Speiß mit andern Kuchenkräutern genutzet wird / zu Bewegung des Stulgangs.“

Karneval der Pflanzen

Das ganze Jahr über

Der Fasching ist die Zeit der Masken. Je ausgefallener eine Verkleidung zustande gebracht wird, desto täuschender wirkt sie. Es ist oft ganz witzig, wer sich hinter einem modellierten Gesicht oder einem prominenten Profil verbirgt. Beschäftigt man sich ein wenig nur mit der Botanik, wird einem bald auffallen, dass es sich hier ebenso verhält. Von daher ist es auch zu verstehen, dass die Menschen verschiedene Gewächse nach ihrem Aussehen benannten. Eine Eberesche (Sorbus aucuparia) hat z. B. nichts mit dem Eschenbaum (Fraxinus excelsior) gemein. Eigentlich müsste sie Aber-Esche (= Falsche Esche) heißen, da eben nur die Form ihrer gefiederten Blätter an den großen Baum aus der Familie der Ölbaumgewächse erinnern. Das Blattkleid einer Hainbuche wiederum (Carpinus betulus) erinnert samt deren Rinde an die Rotbuche, zählt aber zu den Birkengewächsen. Und hat man erst ein Stanitzel voll heißer gebratener Maroni in der Hand, sollte man wissen, dass die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) mitsamt ihren braunglänzenden Früchten nur äußerlich vorgibt, etwas mit der Edelkastanie (Castanea sativa) zu tun zu haben. Erstere zählt nämlich zur Pflanzenfamilie der Seifenbaumgewächse. Manchmal waren unsere Vorfahren sehr erfinderisch und bezeichneten die Wilden Malven einfach als Käsepappel, obwohl die Malvengewächse niemals mit den Pappeln auch nur im Entferntesten Gemeinsamkeiten aufweisen könnten. Um hinter die pflanzlichen Kulissen zu blicken, wird es den Interessierten nicht erspart bleiben, die herrlichen Geschöpfe genauer zu studieren.

Violetter Punkt statt roter Nase:

Karotten sind uns allen bekannt. Einer der in der freien Natur wachsenden Vorfahren dieses beliebten Wurzelgemüses ist die Wilde Möhre (Daucus carota). Diese wiederum zählt zur großen Familie der Doldenblütler. Betrachtet man den weißen Blütenschirm dieses Gewächses, wird man bei näherem Hinsehen einen dunklen, meist tiefviolett gefärbten Punkt entdecken. Dabei handelt es sich um den weiblichen Blütenteil, der den Anschein erweckt, ein Insekt zu sein, das andere anziehen soll.


(Foto: Flickr, judith74)

Der Kampf der Jahreszeiten

Den Winter austreiben

Es gibt oft ganz simple Gründe, um selbst am Morgen schon dankbar zu sein. Gleich nach dem Aufstehen darf ich z. B. bemerken, dass nun die Tage wieder spürbar länger werden. Es geht dem Frühling zu, obwohl doch die Temperaturen noch etwas anderes anzeigen. Für mich ist es sehr interessant, dass sich bis heute gerade in alpinen Ländern unseres Kontinentes Bräuche erhalten haben, die auf mehr oder weniger drastische Weise darstellen, dass der Winter in den letzten Zügen liegt und mit dem stärker werdenden Sonnenlicht der Kampf eindeutig mit der Kapitulation der kalten Jahreszeit endet. Mein Körper stellt sich ebenfalls auf dieses Ringen ein.

Um gefestigt und einigermaßen heil in den Frühling zu gelangen, ist es gut, sich selber eine Sonne in den Tagesverlauf einzubauen, die unter anderem darin bestehen kann, die verborgenen Kräfte der Heilkräuter zu nutzen. Zu den Favoriten zählen dabei natürlich der Quendel, auch Sand-Thymian genannt, ferner getrocknete Hagebuttenfrüchte sowie Ringelblume und Kamille. Vor kurzem erst war an dieser Stelle von den Blättern der Schwarzen Johannisbeere die Rede, die auch nicht vergessen werden sollen. So sehr auch jedes einzelne Kraut bzw. jede einzelne Frucht für sich gesehen wertvoll ist, kann man diese ebenso im richtigen Verhältnis zueinander mischen und als Tee in sich aufnehmen. Wir müssen also beim Kampf der Jahreszeiten nicht bloß tatenlos zusehen, sondern wir dürfen unseren Organismus, gestärkt durch die Gaben der belebten Schöpfung, ruhig dem Hin und Her von Wolken und Sonne, von Schnee und Regen aussetzen und gesund in das kommende Frühjahr hineingehen.

Weidingers Mischung „Wintersonne“:

Zu jeder Tageszeit kann man von besagter Teemischung eine Tasse voll trinken. Zur Stärkung des Wohlbefindens reichen aber 3 Schalen pro Tag. Zu den oben erwähnten Kräutern kommen noch getrocknete Apfelstücke und etwas Zimtrinde hinzu, um diese Komposition zu komplettieren. Teepackungen zu je 100 g gibt’s fertig gemischt und abgefüllt bei den „Freunden der Heilkräuter“ in Karlstein (Tel. 02844/70 70 11 oder bestellung@kraeuterpfarrer.at).