Es braucht auch Nebendarsteller

Sowohl im Film als auch in der Botanik

Das heutige Österreich ist historisch betrachtet ein Rumpfstaat. Spätestens mit dem Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie sind die Einwohner unseres kleinen Binnenlandes damit beschäftigt, ihren Stolz nicht mit zig Quadratkilometern an Staatsgebiet zu bedienen, sondern auf andere Weise dem Rest der Welt zu zeigen, dass es ganz schön ist, rund um die Alpen und dem Donaustrom geboren worden zu sein. So fügt es sich gerade gut, dass ein gebürtiger Österreicher, nämlich Christoph Waltz, den Golden Globe Award für die brillante Darstellung der besten Nebenrolle erhalten hat.

In der Botanik ist es in gleicher Weise wichtig, die ganze Fülle der pflanzlichen Individuen zu beachten. Immerhin sorgen sie nur in einer entsprechend großen Zahl und Artenvielfalt für ein gesundes Gleichgewicht in der Natur unseres Planeten. So möchte ich heute eine eher unscheinbare Blume vor den Vorhang bitten. Es ist die Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), die als ganz bescheidener Korbblütler in weiten Teilen Europas vorkommt. Auf trockenem Boden findet sie gut zurecht und wächst gerne in lichten Kiefernwäldern. Sie eignet sich in getrocknetem Zustand auch zum Dekorieren, da die Blüten durch ihre strohige Beschaffenheit die hellgelbe Farbe bewahren. Dennoch sollte man von einem Abrupfen dieses schmucken Krautes Abstand nehmen, da es in unserer Heimat nur wenig Standorte der Sand-Strohblume gibt.

Magen, Darm und Galle:

Wer die Möglichkeit hat, im Handel das getrocknete Kraut zu erwerben, kann sich aus der Droge im Heißaufguss einen Tee zubereiten, von dem man morgens und abends je eine Tasse voll trinkt, um der Verdauung und den damit verbundenen Organen einen guten Dienst zu erweisen.

Fruchtbar bleiben

Mit Pflanze und Tier auf Weihnachten zu

Im Psalm 85 des Alten Testamentes der Bibel finden wir den Vers: „Der Herr spendet seinen Segen, und die Erde bringt ihre Frucht hervor.“ Für uns heutige Mitteleuropäer sind darin zwei wichtige Begriffe enthalten, die wir einerseits kaum in Frage stellen, die andererseits aber oft vermisst oder in weite Ferne gerückt scheinen. Wenn wir den Segen einmal näher betrachten, so bedeutet er so viel wie eine bedingungslose Zusage Gottes zu uns Menschen. Das lateinische Wort benedicere (= segnen) heißt wörtlich übersetzt „Gutes sagen“. Wenn also Gott hinter mir steht, liegt gleichzeitig die Zukunft vor mir. Das lässt mich persönlich auch fruchtbar und für andere dienstbereit werden. Unser Kontinent braucht meiner Meinung nichts dringender als physische und geistige Fruchtbarkeit. Die Schafgarbe (Achillea millefolium) am Wegesrand und mitten auf der Wiese bildet einen Blütenschirm aus, der mit seinen weiß bis hell rosa gefärbten Blüten froh nach der Sonne Ausschau hält und nach unten hin den Schutz Gottes verkörpert. Die feinnervig geformten Blätter wiederum sind ein Symbol für die oft so notwendige Sensibilität, die uns denkenden Zweibeinern das Richtige zur rechten Zeit tun oder lassen hilft. Schwester Schaftgarbe, hilf uns allen, zum Leben in allumfassender Weise in diesem Advent „Ja“ zu sagen.

Schafgarbe als Gewürz:

Gesundheitsförderndes lässt sich auch beim Genießen einbringen. Die Schafgarbe, die sich u. a. positiv auf alle Bereiche der menschlichen Fortpflanzung auswirkt, kann man ebenso als Gewürz verwenden. Besonders bei fetten Speisen, wie z. B. Gänsebraten, Wurstwaren oder Eintopfgerichten, sollte der bittere Korbblütler „mit an Bord sein“. Die Schafgarbe verbreitet dabei nicht nur ihr feinherbes Aroma, sondern fördert gleichzeitig die Verdauung.

Schafgarbe

Mehr Infos zum Verein Freunde der Heilkräuter, Rezepten und Produkten finden Sie auf www.kraeuterpfarrer.at.

Angenehme Bettgenossen

Getrocknete Kräuter im Kissen

Haben Sie heute Nacht gut geträumt? Oder war’s einfach nur furchtbar? Wir alle wissen um die Wichtigkeit des Schlafes. Unser Leib kann sich ausruhen und unsere Seele wird nicht noch zusätzlich in diesen wertvollen Stunden mit den verschiedensten emotionalen Regungen konfrontiert. Im Gegenteil: das Träumen reinigt unser Inneres. In der hektischen Betriebsamkeit der Wochen vor Weihnachten brauchen wir alle ganz dringend einen guten und ruhigen Schlaf. Heilkräuter in getrockneter Form haben eine sehr große Wirkkraft. Man kann ihre Stoffe nicht nur durch das Kochen eines Tees aus den einzelnen Teilen herauslösen. Oft genügt es schon, die duftenden Kräuter in seiner Nähe zu haben, um mit der Nase das Aroma und über die Haut die gute Ausstrahlung, die ihnen eigen ist, aufzunehmen. Über Nacht geschieht das automatisch, ohne dass wir viel dazu beitragen müssen. Das Bett ist daher der ideale Ort, um sich selbst etwas Gutes zu tun. Unsere Nerven brauchen allemal täglich eine Stärkung mittels der wertvollen Substanzen aus dem Pflanzenreich. Bei Magenbeschwerden oder Hautproblemen tut der Duft der Kamillenblüten dem ganzen Organismus gut. Der Dost wiederum lockert seelische Verkrampfungen und verhilft mir zu einer versöhnlichen Einstellung meiner Umwelt gegenüber. Der Lavendel hebt die Stimmung und beruhigt den Verdauungsprozess. Ja, warum nicht für längere Zeit die Heilkräuter mit ins Bett nehmen, die nichts fordern von uns, sondern vielmehr ihre guten Gaben auf recht sanfte Weise für uns alle hergeben.

Kräuterkissen als Geschenk:

Das Wort „UND“ ist ein sehr wichtiger Wegweiser. Das christliche Hauptgebot weist uns an, Gott über alles zu lieben UND den Mitmenschen UND mich selbst. Jetzt vor Weihnachten denken wir an die Lieben, die wir beschenken wollen. Ein praktischer Tipp: Besorgen Sie sich ein Kräuterkissen für sich und Ihre Lieben. Und danken Sie dem Herrgott täglich für den guten Schlaf der vergangenen Nacht, der ja nicht selbstverständlich stattfinden muss. Kräuterkissen gibt’s bei den „Freunden der Heilkräuter“ (Tel.: 02844/7070-11 oder mehr Infos unter www.kraeuterpfarrer.at). Heute und morgen sind wir zu Gast im Amtshaus des Wiener Bezirkes Meidling in der Schönbrunner-Straße 259.

Kräuterkissen

Mehr Infos zum Verein Freunde der Heilkräuter, Rezepten und Produkten finden Sie auf www.kraeuterpfarrer.at.

Nicht alles, was sticht

Ist gefährlich

Auch wenn es so scheint. In der Familie der Korbblütler (Asteraceae) gibt es so manch stechenden Gesellen. Die Rede ist natürlich von den Disteln mit ihren spitzstacheligen Blättern und Blüten. Obwohl diese Gewächse so unnahbar scheinen, besitzen sie ihren Wert allein schon darin, dass sie mit ihrer Existenz zum gottgewollten Gleichgewicht in der Schöpfung einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten. Darüber hinaus tragen sie in ihren Pflanzenteilen wertvolle Stoffe, die wir für unsere Gesundheit nützen dürfen. Eine Vertreterin davon ist die Benediktendistel (Cnicus benedictus oder auch Centaurea benedicta). Wie so manches wertvolle Heilkraut wurde diese Distel im Laufe des Mittelalters von ihrer ursprünglich asiatischen Heimat in den Westen ans Mittelmeer gebracht, wo sie heute auch wild wächst. In unseren gemäßigten Breiten ist sie eher nur als Kulturpflanze in den Gärten anzutreffen, wo sie aber an manchen Stellen wiederum von alleine aufgehen kann. Im Prinzip ist die Benediktendistel eine einjährige Pflanze. Besonders wohl fühlt sie sich auf sonnigen Lagen. An den Boden stellt sie keine besonderen Ansprüche. Im Sommer hat sie ihre Blütezeit etwa ab dem Monat Juli. Ab dann können ihre jungen Blätter, die blühenden Sprossspitzen und das frische blühende Kraut geerntet werden. Die Verdauungssäfte unseres Körpers erhalten durch die Inhaltsstoffe der Benediktendistel – vor allem durch den Bitterstoff Cnicin – eine wertvolle Unterstützung. So sei darauf hingewiesen, dass man dieses Kraut im rechten Maß bei träger Verdauung, bei Leber- und Gallenleiden sowie bei Verschleimung des Magens nutzen kann.

Den Tieren zuliebe:

Unsere vierbeinigen Lebensgefährten leiden unter ungünstigen Umständen ebenfalls an Blähungen, Verdauungsstörungen und Verstopfung. In diesem Fall kann man auf einen Tee, der aus getrocknetem Kraut der Benediktendistel gekocht wird, zurückgreifen.

Benediktendistel

Einerseits gefährlich, andererseits heilsam

Dem richtigen Bärenklau begegnen

Nicht alles, was imposant erscheint, muss auch unbedingt ein wertvolles Inneres besitzen. Hinter einer blendenden Fassade steckt oft genau das Gegenteil von dem, was wir vermuten. Wir dürfen nicht selten zu Recht staunen, wenn sich so manche als Messias aufspielen und ihre durchaus narzisstischen Ideen vielen Menschen aufdrücken. Der Aufschrei kann dann oft sehr laut sein, wenn all das, was man sich erhofft und eingebildet hat, wie ein Kartenhaus zusammenbricht. Beispiele hat jeder von uns genug. Hoffentlich sind aber die Wunden derartiger Erfahrungen nicht zu groß. Gehen wir jetzt jedoch ins Pflanzenreich. Da ist auch einer, der nach außen hin „viel hermacht“. Die Rede ist vom Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum), der eigentlich in der Kaukasusregion seine Heimat hat. Zunehmend verbreitet er sich nun auch in Europa und ist durch die schon oben besprochene stattliche Gestalt schön anzusehen. Aber Vorsicht: Jeder Hautkontakt mit allen Teilen dieses Doldenblütlers führt zu entzündlichen Veränderungen unserer äußersten Schicht. Viel ungefährlicher ist daher die Freundschaft mit dem in unseren Breiten wachsenden Wiesenbärenklau (Heracleum sphondylium). Auch er kann bis zu 1,50 m hoch wachsen, bleibt aber meistens darunter. Diese Heilpflanze verströmt einen eher unangenehmen Geruch und enthält im Inneren ätherische Öle. Von Interesse ist vor allem die Wurzel des heimischen Bärenklaus.

Verdauung fördern und Blutdruck senken:

Im Spätherbst wird die Wurzel des Wiesenbärenklaus ausgegraben, gereinigt und getrocknet. In zerkleinertem Zustand kann man sie gut verschlossen aufbewahren. Will man einen Tee anrichten, so nimmt man 3 volle Esslöffel davon, um sie über Nacht in einem 3/4 Liter kaltem Wasser anzusetzen. Am Morgen kurz aufkochen und 5 Minuten ziehen lassen. Nach dem Abseihen in eine Thermosflasche füllen und tagsüber trinken.

Wiesenbärenklau von Adolf Blaim

Auf Leistung schauen

Der Verdauung keinen Stress machen

Wie lautet die Diagnose bei vielen Menschen, die in immer kürzerer Zeit ihre Arbeit erledigen müssen? Ganz klar dürfen wir leider bei immer mehr Betroffenen eine Überforderung konstatieren. Es geht hier natürlich nicht darum, die Schwächen der einzelnen Arbeitnehmer hervorzukehren, sondern es sollte sich vielmehr die Erkenntnis durchsetzen, dass vieles einfach nicht machbar ist und wir als zeitliche Erdenbürger unsere Grenzen haben. Und wie gehen wir z. B. mit unserem Magen um? In den gegenwärtig gottlob noch andauernden Jahren des Wohlstandes muten wir unserem Verdauungsmuskel auch bei vielen Gelegenheiten mehr zu als er erledigen kann. Manches geht dann eben unverdaut in die nächste Station des Darmes und gibt diesem wiederum mehr Aufgaben als notwendig. So ist es also angezeigt, mehr auf den eigenen Bauch zu hören und dem Magen schon einiges an Arbeit durch die Auswahl der Speisen und durch gutes Kauen abzunehmen. Dieses konsequente Verhalten entlastet in direkter Folge das Herz, die Galle und die Leber. Und sind wir uns doch ehrlich: ein gesunder und entlasteter Magen sorgt im Handumdrehen für ein viel besseres Wohlbefinden. Es sollte uns auf jeden Fall etwas wert sein, gerade dafür im alltäglichen Verhalten einiges zu ändern, sofern es an unserem eigenen Willen liegt. Nicht auf morgen verschieben, sondern schon heute damit beginnen!

Magensäuremangel beheben:

Zu allererst hilft viel Bewegung an der frischen Luft. Eine weitere Hilfe kann es sein, wenn man von pulverisierten Fenchelsamen täglich 3-mal einen Teelöffel voll einnimmt und ein paar Schluck Schwarzen Johannisbeer-Saft nachtrinkt.

Fenchel