Produkt vom Obstbaum

Apfelessig für die Haut

Jedes Jahr stellt sich im Herbst ein wahrer Segen ein. Dabei handelt es sich weder um einen Lotteriegewinn, der eine hohe Geldsumme ausschüttet noch um eine Reise zu einem fernen Ziel, die man geschenkt bekommt. In der reich gefüllten Kammer der Natur ist dagegen vieles vorhanden, was abholbereit auf den Nutzer Mensch wartet. Die Tiere haben ohnehin den natürlichen Instinkt, sich durch Sammeln und reichliche Futteraufnahme für den Winter zu rüsten. Wir hingegen bedürfen stets neu der Erinnerung an das Gute, das den Sommer über herangereift ist. Dazu zählt sicher auch der Ertrag, der sich auf den Apfelbäumen (Malus domestica) einstellt. Dieses Obst benötigt keine langen Transportwege, sondern ist im wahrsten Sinne zum Greifen nahe. Man braucht sich nur im eigenen Garten oder im gut sortierten Regal der Einkaufshäuser dazu entschließen, diese heimische Ware zu konsumieren. In der Tat bringt das Genießen der Äpfel nicht nur Vitamine in den Körper ein, sondern zudem noch Mineral- und Ballaststoffe sowie wertvolle Spurenelemente. Das tut dem Stoffwechsel gut und stärkt die uns innewohnende Immunkraft. Dies sind Vorzüge, die wir nicht verachten sollten. Aus Äpfeln lassen sich jedoch auch andere Produkte herstellen wie z. B. ein guter Most. Und darüber hinaus kennen wir den wohlbekannten Apfelessig, der nicht nur dazu dient, um Speisen anzurichten. Die Körperpflege ist ein weiterer Aspekt dieser vergorenen Flüssigkeit. Äußerlich lässt sich der Apfelessig sehr wohl zum Einsatz bringen. Nach einer längeren Wanderung leiden oft die Füße, die beim Ausruhen dann zu schmerzen beginnen. Vergessen wir auch die Probleme nicht, die sich rund um sich bildende und leider verbleibende Krampfadern einstellen. Der Apfelessig ist hier genau richtig, um ihn als Hausmittel heranzuziehen. Verachten wir also das Einfache und dennoch Kostbare nicht!

Einreibung mit Essig

Bei müden und schmerzenden Füßen kann man darangehen, ein beliebiges Quantum an Apfelessig leicht anzuwärmen und sodann die Füße damit einzureiben und gleichzeitig zu massieren. Bei schmerzenden Krampfadern ist es ebenso möglich, durch Einreiben mit Apfelessig an der Hautoberfläche eine Linderung herbeizuführen. Anschließend sollte man zusätzlich ein wenig Johanniskraut-Öl auftragen.

Äpfel auf Zweig (Malus domestica) ⓒ Pixabay/stux





Für den Magen

Hopfen und Lindenblüten einspannen

Die Art, wie man sich auf unserer Welt fortbewegt, ist wohl nicht erst seit der Erfindung des Rades ein Thema. Unsere menschlichen Ahnen in lang zurückliegender Vorzeit wussten wohl schon sehr bald das Tier als Transportmöglichkeit zu nutzen, seit Rind, Pferd und Esel domestiziert wurden. Heute möchte ich dieses Bild aufgreifen und zwei Kräuter vor einen gedanklichen Wagen spannen. Dabei geht es vor allem darum, eine gute Zukunft in gesundheitlicher Sicht anzusteuern. Hopfen (Humulus lupulus) und Linden (Tilia) sind in diesem Fall die Angesprochenen. Beide finden sich als heimische Gewächse in der freien Natur. Gewiss wurden sie ebenfalls seit Jahrhunderten auch dazu verwendet, dem Menschen zu Diensten zu stehen. Und bei beiden hat man es hauptsächlich auf die Blüten abgesehen. In den weiblichen Zapfen des Hopfens, die man ja auch als Zutat eines Brauprozesses beim Bier kennt, bergen sich wertvolle Gerbstoffe. Sie erweisen sich vor allem auch für den Verdauungstrakt als wertvoll. Die Lindeblüten wiederum sind bekannt, weil sie den Schweiß treiben, sobald man einen Aufguss dieser Pflanzendroge trinkt. Doch steckt noch mehr in ihnen. Sie zeichnen sich durch einen gewissen Anteil an Schleimstoffen aus, sind gleichzeitig krampflösend, schmerzstillend und wundheilend. Und genau diese Vorzüge kann man auch Richtung Köperinneres schicken, wo sich die Schleimhaut des Magens als äußerst sensible Zone der Physis befindet. Stellen sich dort Probleme ein, so heißt es natürlich, die ärztliche Praxis aufzusuchen um sich Gewissheit über den tatsächlichen Zustand des Verdauungsmuskels zu verschaffen. Auf dem Weg in eine heilsamere Zukunft kann man dann zusätzlich Hopfen und Lindenblüten vor den Wagen spannen.

Tee für den Magen

Von getrockneten und zerkleinerten Blüten des Hopfens und der Linden stellt man zu gleichen Teilen eine Mischung her. Davon nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und hernach abseihen. Bei Problemen mit der Magenschleimhaut 3 Wochen lang jeweils in der Früh und am Abend 1 Tasse davon trinken, um eine Besserung zu unterstützen.

Hopfen (Humulus lupulus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zu jeder Jahreszeit

Eine Kur mit Schafgarbe

Von Antonio Vivaldi (1678 – 1741), dem berühmten Barockmusiker, gibt es ein Werk, das man als äußerst bekannt und bis in die heutigen Tage durchaus populär bezeichnen kann. Es ist ein Kompositionszyklus, der die vier Jahreszeiten orchestral durchwandert. Das Wetter und der Stand des Sonnenlaufes zeigen uns eindeutig auf, dass nun der Herbst Einzug hält. Die Ernte ist zum größten Teil eingebracht und die beginnende Lese der Weintrauben verheißt wieder einen guten Jahrgang in den Fässern. Kräuter haben ebenfalls ihre jeweilige Saison. Was Blüten und Blätter betrifft, so sind diese bereits im Frühling und dem anschließenden Sommer gewachsen. Die Schafgarbe (Achillea millefolium) ist wohl jenes Gewächs, das darunter einer besonderen Aufmerksamkeit bedarf. Nicht, dass ich den Wert der anderen wohltuenden und wirksamen Pflanzen mindern wollte. Doch dürfen wir mit Recht behaupten, von diesem Korbblütler auf der Wiese ganz besonders viel profitieren zu können. Inhaltsmäßig ist dieses Kraut mit ätherischen Ölsubstanzen, mit Gerb- und Bitterstoffen, Flavonen und nicht zuletzt mit antibiotisch wirkenden Effekten ausgestattet, wie gerade die jüngste Forschung rund um die traditionelle Klostermedizin herausgefunden hat. Um die Gesundheit unseres Leibes zu stärken, kann man daher gerade auf die Schafgarbe vertrauen. In sanfter Weise unterstützt sie z. B. den Stoffwechsel, der unbedingt gut funktionieren muss, wollen wir einen wachen Geist besitzen. Aber auch rund um das Thema eines ausgewogenen Blutdrucks ist es nur klug, die Vorteile der Schafgarbe abzurufen. Und das kann man zu jeder Jahreszeit tun. Voraussetzung ist bloß, dass man die Blüten und Blätter in ausreichendem Maß und in hoher Qualität zur Verfügung hat. Wer also etwas auf sich hält, sollte dieses Heilkraut in der eigenen pflanzlichen Gesundheitskammer parat haben.

Unterstützung durch Tee

Von einem Gemisch aus getrockneten und zerkleinerten Blüten und Blättern der Schafgarbe nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter siedendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und ungesüßt trinken, 3 Wochen lang jeweils 3-mal am Tag eine Tasse davon. Das kann mithelfen, einen erhöhten Blutdruck zu senken und die Leber zu stärken. Hat auch positiven Einfluss auf den Unterleib der Frau und die Hoden des Mannes.

Schafgarbe mit Wurzel (Achillea millefolium) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Tea-Time am Abend

Ein Stelldichein mit der Goldmelisse

Es gibt verschiedene Schwerpunkte, die man für gewöhnlich zu den jeweiligen Tagzeiten setzt. In den Vormittagsstunden nutzt man die Wachheit des Geistes in Schule und Beruf, der Mittag lädt zu einer Pause ein, um dann am Nachmittag wiederum vieles Notwendige zu erledigen. Gespräche und Sitzungen werden über den Tag verteilt, sportliche Aktivitäten wiederum sind auch ab der zeitigen Frühe schon möglich. Der Abend gehört, wenn es denn möglich ist, der Gemütlichkeit. Im Idealfall sind Freunde da und man lässt den Tag mit einem guten Getränk ausklingen. Dort möchte ich einhaken. Die Goldmelisse (Monarda didyma), auch als Indianernessel oder einfach Monarde bekannt, ist vielen sehr vertraut, die einen Garten pflegen oder dafür sorgen, dass blütenreiche Beete so manchen Straßenlauf zieren. Ja, es steht überhaupt nichts dagegen, eine Pflanze als Freund zu bezeichnen. Sie tut einiges dafür, um sympathisch zu erscheinen. Die Goldmelisse zählt zu den eher anspruchslosen Pflanzen, die in der eigenen grünen Oase rund ums Haus wachsen können. Sie braucht bloß viel Sonne und selbstverständlich ebenso das regelmäßige Gegossen-Werden. In ihren Blüten und Blättern sind wertvolle ätherische Öle, zudem Thymol und Gerbstoffe wie auch Bittersäuren enthalten. Was ich selbst bei einer Führung durch die verschiedensten Kräutergärten empfehle, ist der Versuch, die schönen länglichen Lippenblüten von den Goldmelissen abzuzupfen und im Mund zu zerkauen. Dabei tritt am Gaumen ein erfrischender und angenehm mundender Geschmack zutage, den man ruhig ab und zu auskosten darf. Genau diese Wuchsteile sind es, die gleichzeitig eine wertvolle Droge darstellen, die man rechtzeitig ernten und behutsam im Schatten trocknen sollte. Somit hat man sie dann für die weitere Verwendung parat. Gerade am Abend ist es angezeigt, sich noch ein Stelldichein mit der Monarde zu gönnen.

Angenehmer Trunk

Von den getrockneten Blüten der Goldmelisse nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen und ruhig mit etwas Honig süßen, wenn man diesen verträgt. Das schluckweise Trinken des wohlschmeckenden und schön gefärbten Tees wirkt beruhigend und ausgleichend. Das tut sowohl dem Herzen als auch den Nerven in gleicher Weise gut. Ideal zum Tagesabschluss.

Goldmelisse (Monarda didyma) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Das Frühstück ergänzen

Löwenzahn aufgießen und trinken

Tag für Tag dürfen wir unseren Blick für das Wesentliche schärfen. Das kann gleich nach dem Aufstehen beginnen. Wir müssen dabei nicht Getriebene unserer selbst sein, sondern sollten für alles Notwendige genug Zeit einräumen. Das gehört zu einer reifen Lebenskultur meiner Meinung nach unbedingt dazu. Zwei Orte sind daher am Tagesbeginn von nicht zu geringer Bedeutung: das Bad und der Frühstückstisch. Bei letzterem möchte ich ein wenig verweilen. Leben mehrere Menschen zusammen, so kann man sehr leicht die unterschiedlichen Vorlieben erkennen, die sich schon beim Genießen der ersten Mahlzeit des Tages zeigen. Was dabei der Löwenzahn (Taraxacum officinale) zu suchen hat, werden sich wohl manche fragen. Nun gut, sicher läuft der Kaffee und ein knuspriges Weckerl oder ähnliches dem Heilkraut den Rang der Beliebtheit ab. Aber gerade deswegen soll von einer bewussten und zielgerichteten Gestaltung des Frühstücks die Rede sein. Der Löwenzahn, der zu den Korbblütlern zählt, ist ein sehr wertvoller Bitterstoffträger. Somit unterstützen seine Wirkstoffe den gesamten Stoffwechsel. Da Körper und Seele samt unserem Geist eine Einheit bilden, liegt es wohl auf der Hand, warum ich wieder einmal empfehle, an dem nur allzu oft gering eingeschätzten Kraut nicht vorüberzugehen. Immerhin ist es gut, wenn die Leber und die eng damit verbundene Gallenblase stets gut gerüstet sind. Gleichzeitig sollte man darauf gefasst sein, dass sich nur allzu schnell aus irgendeinem Grund ein Ärger einstellen und im schlechten Falle festsetzen kann. Auch hier vermag der Löwenzahn mitzuhelfen, diesen wieder eher als gedacht abflauen lassen zu können. Und da gibt es noch ein Thema: den erhöhten Blutdruck. Dieser lässt sich ebenfalls mit den Vorteilen des Löwenzahns senken.

Tee am Morgen

Innerhalb des Frühstücks ist es nicht schlecht, ab und zu eine Tasse Löwenzahntee zu trinken. Von den getrockneten und zerkleinerten Blättern der Wiesenblume nimmt man dafür 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Am besten ungesüßt schluckweise trinken. Das hat gute Auswirkungen auf die Verdauung, auf das Gemüt und somit auf die seelische Verfassung in aller Frühe.

Löwenzahn mit Wurzel (Taraxacum officinale) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bei Zahnschmerzen

Mundspülung mit Kräutern

Kräuter sind eine wertvolle Gabe der Natur. Der Schöpfer hat eben gewollt, dass wir zeit unseres Erdenlebens nicht alles selbst herstellen und erfinden müssen, was uns in vielen Belangen weiterhilft, sondern dass wir auf das zugreifen, was seine Vorsehung für uns bereitgestellt hat. Das Wissen um die Heilkraft der Natur war einst groß. Heute wird es wiederum entdeckt und geschätzt. Wenn ich diesmal das Thema Zähne und die damit verbundenen Schwierigkeiten und Leiden anspreche, möchte ich darauf aufmerksam machen, dass die Heilpflanzen in jenen Belangen keine Wunder wirken. Schön wär’s natürlich. Aber Kamille (Matricaria chamomilla), Majoran (Majorana hortensis), Melisse (Melissa officinalis) und Pfefferminze (Mentha piperita) sind immerhin imstande, positiv auf die Zähne und die darunter liegenden Nerven einzuwirken. Denn sie alle haben Inhaltsstoffe, die sich als entspannend, wundheilend und schmerzlindernd erweisen können. Im gleichen Atemzug ist es mir ein Bedürfnis zu betonen, dass wir gerade im Hinblick auf die Gesunderhaltung von Zähnen und Mundhöhle die Fachkompetenz der Dentalmedizin in Anspruch nehmen sollten. Das darf man durchaus schon von klein auf praktizieren, wo hoffentlich Eltern und Erziehungsberechtigte ihre Pflicht dahingehend wahrnehmen. Meist liegt die Ursache eines Zahnschmerzes im Vorliegen von Karies. Jedoch hängen in unserem Leib mehrere Bereiche zusammen, so dass sich ein derartiges Symptom auch als indirekter Erweis eines ganz anderswo verorteten Krankheitsherdes herausstellen kann. Es liegen z. B. Berichte von Rheumatikern vor, bei denen sich Zahnweh in Verbindung mit den Rheumabeschwerden eingestellt hat. Aber es gibt ebenso andere Gründe. Um die Zeit bis zum diagnostizierenden Besuch in der Zahnarztpraxis zu überbrücken, können Mundspülungen mit Tee durchgeführt werden.

Schmerzlindernder Aufguss

Mithilfe der Kräuter Kamille, Majoran, Melisse oder Pfefferminze kann man im Heißaufguss einen Tee aufgießen. Man sollte dies jeweils separat mit einem der genannten Gewächsdrogen tun. Die Mundspülung lauwarm durchführen. Im Zuge dessen darauf achten, die in den Mund aufgenommene Teemenge längere Zeit über der schmerzenden Stelle zu halten, bevor man sie wieder ausspuckt.

Melissenzweiglein (Melissa officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Kamillenzweiglein (Matricaria chamomilla) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kräuter in Öl

Goldrute als Beispiel

Die wissenschaftliche Forschung hat seit Jahrhunderten schon vieles entdeckt und entschlüsselt. Angesichts immer besserer technischer Hilfsmittel ist es viel leichter möglich, zu Verhaltensweisen und natürlichen Gegebenheiten vorzudringen, als dies noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Und dennoch kommt man noch lange nicht ans Ende. Zu vielfältig sind die Geheimnisse der Schöpfung Gottes, als dass der Mensch die gesamte Einsicht darüber erlangen könnte. Verborgenes lässt sich jedoch durchaus ins Wirkkräftige hineinheben. Anhand der Echten Goldrute (Solidago virgaurea) darf ich das heute demonstrieren. Diese zu den Korbblütlern zählende Pflanze ist mit einigen Varianten an Arten in ganz Europa heimisch. Sie liebt vor allem lichte Wälder in mittleren und höheren Lagen und ist auch auf Almwiesen zu finden. Schon seit Jahrhunderten wird sie in der Heilkunde eingesetzt und für spezielle Anliegen verwendet. Das liegt vor allem an den Inhaltsstoffen wie etwa ätherisches Öl, Bitterstoffe und Flavonoide. Diese sind in den Blüten und Blättern des Gewächses verborgen. Um sie zum Wohle der Physis aus den Wuchsteilen zu lösen und an den Organismus zu bringen, kann man verschiedene Wege beschreiten. Der herkömmlichste ist wohl, das getrocknete Kraut mit heißem Wasser zu übergießen und somit einen Tee aufzubrühen. Vor allem bei Nieren- und Blasenleiden ist dies keine schlechte begleitende Vorgehensweise. Doch lässt sich die Goldrute darüber hinaus auch für Beschwerden heranziehen, die mit einer Halsentzündung in Verbindung stehen können. Da ist es von Vorteil, pflanzliches Öl als Träger der Wirkstoffe zum Zug kommen zu lassen. Im Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein hat man damit schon gute Erfahrungen gemacht. Und darauf möchte ich eben einmal mehr hinweisen.

Goldruten-Öl

100 g von getrockneten und zerkleinerten blühenden Triebspitzen der Echten Goldrute werden mit 1 Liter kaltgepresstem Olivenöl 14 Tage lang in einem weithalsigen verschlossenen Glasgefäß an einem sonnigen Fensterplatz im Zimmer stehen gelassen. Danach abseihen, den pflanzlichen Rückstand extra auspressen und dem übrigen gewonnenen Öl hinzufügen. Dann in dunkelglasige Fläschchen abfüllen und kühl lagern. Äußerlich als Einreibung anwendbar bei Halsentzündungen, Blasenleiden und Nierenschwäche.

Echte Goldrute (Solidago virgaurea) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kraft vom Blatt

Hainbuchen vertreiben Müdigkeit

Es ist kirchliche Schöpfungszeit. Zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober wird in ökumenischer Gemeinsamkeit der christlichen Kirchen für die Schöpfung gebetet und gleichzeitig werden viele Veranstaltungen durchgeführt, die den Wert der natürlichen Umwelt wieder mehr ins Bewusstsein heben. Die Ressourcen, die in der Natur vorhanden sind, ermöglichen uns ja schließlich seit Menschengedenken unser Überleben bis auf den heutigen Tag. Dabei spielen Bäume eine große Rolle. Voll Dankbarkeit will ich daher heute auf die Hainbuche (Carpinus betula) verweisen, die wohl zu den angestammtesten Gewächsen in unserer Heimat zählt. Der Name mag ein wenig irreführen, denn in Wahrheit rechnet man die Hainbuchen unter die Familie der Birkengewächse. Aber die Rinde und die Form der Blätter können gerade im frühen Wuchsalter nur bei genauerem Hinsehen von denen der Rotbuchen unterschieden werden. Die Hainbuche hat in der Forstwirtschaft keine große Bedeutung. Doch für eine gute Waldgemeinschaft ist sie letztendlich gerade im Flach- und Hügelland unentbehrlich. Ihr Blattwerk enthält wertvolle Gerb- und Bitterstoffe. Die kann man sich auch für die Pflege des Wohlbefindens zunutze machen. Ein Thema, das gar nicht so wenige beschäftigt, ist das sich mehr oder weniger häufig einstellende Gefühl der Abgespanntheit bzw. der Müdigkeit. In so einem Fall ist es u. a. gut, sich aus frischen und zerkleinerten Blättern der Hainbuche einen Badezusatz anzurichten. Dafür füllt man ein halbes Litergefäß mit frischen kleingeschnittenen Hainbuchenblättern. Stellt dies mit 2 l kaltem Wasser zu und kocht das Ganze 5 Minuten auf. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und in das Badewasser leeren. In der Wanne bleibt man bloß 5 Minuten lang. Um anschließend noch die Kraft der Hainbuchenblätter weiter zu nutzen, bedient man sich eines alkoholischen Auszuges.

Hainbuchenauszug herstellen

5 volle Esslöffel frischer kleingeschnittener Blätter der Hainbuche übergießt man mit 1/2 Liter gutem Obstbrand. In einem verschlossenen Glasgefäß 14 Tage lang stehen lassen. Danach mit 1/4 Liter destilliertem Wasser verdünnen, wiederum verschließen und erneut 14 Tage lang ins Fenster stellen. Zum Schluss abseihen und lichtgeschützt im Kühlen lagern. Nach Kräuterbädern den ganzen Körper damit einreiben. Oder zwischendurch bei Müdigkeit die Stirn damit abtupfen.

Hainbuchenzweig mit Früchten und Blütenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wurzel und Körner

Den Kümmel nutzen

Um die körperliche Größe von unsereins zu bemessen, benötigen wir das Maß zwischen Kopf und Fuß. Diese Randzonen verwenden wir auch in Redewendungen, wenn wir eine Auswirkung beschreiben wollen, die das Ganze unserer Physis umfasst. Bei einer Pflanze müssen wir andere Begriffe verwenden. Je mehr der Herbst ins Land zieht, desto zahlreicher sind auch die vorhandenen Möglichkeiten, um im eigenen Garten oder in der freien Natur etwas zu ernten und für den täglichen Bedarf einzulagern. Dazu zählt wohl auch der Gemeine Kümmel (Carum carvi), der sehr oft als Wiesenkümmel bezeichnet wird. Obwohl er mittlerweile auf großen Feldern als agrarisches Alternativprodukt kultiviert wird, kann man ihn genauso in den Gärten und ebenso auf Wegrändern und trockenen Brachflächen entdecken. Im gewöhnlichen Haushalt wiederum ist der Kümmel als Gewürz nicht mehr wegzudenken. Ich erinnere mich noch mit ein wenig Beschämung an meine Kindertage, wo ich keinerlei Verständnis aufbringen konnte, wie man Kümmel nur ansatzweise genießen könnte. Das hat sich bei mir Gott sei Dank grundlegend geändert. Nun gut, die Samenkörner des Doldenblütlers haben eben auch einen intensiven Geschmack, was wiederum am Vorhandensein der ätherischen Öle liegt. Diese wirken sich sehr gut auf unsere Verdauung aus und helfen mit, unangenehme Gärprozesse im Magen und vielmehr noch im Darm hintanzuhalten. Blicken wir auf die wuchsmäßige Physiognomie des Kümmels, so brauchen wir uns aber nicht bloß auf die zuoberst liegende fruchttragende Dolde beschränken, aus der wir die Kümmelkörner nach der Reife ausklopfen können. Zuunterst liegt nämlich die Wurzel des Gewächses verborgen. Auch sie lässt sich nutzbringend verwerten.

Kümmelwurzel und -körner

Nach der erfolgten Ernte der Samenkörner des Kümmels kann man die Wurzel derselben ausgraben und sorgfältig waschen. Sie ist essbar und kann auch bei einem herkömmlichen Gemüsegericht mitgedünstet werden. Ihr Verzehr tut dem Magen gut. Das Kauen einiger Kümmelkörner zu Beginn des Tages wirkt über die Mundschleimhaut auf die Nerven ein, die dadurch gestärkt und gefestigt werden können.

Kümmelpflanze (Carum Carvi) ⓒ commons.wikimedia/Jerzy Opioła





Positiv beginnen

Mit ein wenig Ysop

Wie wichtig die Vorzeichen auf den Notenzeilen musikalischer Kompositionen sind, wird wohl jede Person wissen, die ihr Talent darin besitzt, mit einem Instrument oder der eigenen Stimme die gesetzten Töne zum Klingen zu bringen. Wir stehen am Beginn des neuen Arbeitsjahres und daher möchte ich dieses Bild aus der Musik aufgreifen und auf den vor uns liegenden Alltag übertragen. Gerade hier ist es meiner Meinung nach notwendig, ebenfalls mit Optimismus und Vertrauen – sprich: mit positiven Vorzeichen – jeden neuen Tag anzugehen. Im Ysop (Hyssopus officinalis) finden wir dabei einen guten Partner. Dieser heitere Geselle aus dem Mittelmeerraum hat ohnehin in vielen Küchen- und Kräutergärten seinen angestammten Platz, so dass wir nicht weit gehen müssen, um ihn zu finden. Bei Hildegard von Bingen stand der Ysop bereits hoch im Kurs. Sie meint in dem ihr zugeschriebenen Werk „Physica“, dass, wenn die Leber von der Traurigkeit des Menschen geschwächt wird, der Ysop wieder mehr Schwung und vor allem Wärme in das Gemüt der Betroffenen bringen kann. Diese Beobachtung hat bis heute Gültigkeit. In den Pflanzenteilen des Lippenblütlers sind hauptsächlich wertvolle ätherische Öle enthalten, darüber hinaus Flavonoide, Gerbstoff und Apfelsäure. Aufgrund seines charakteristischen Geschmacks findet das Ysopkraut bevorzugt in der Küche als Gewürz eine häufige Verwendung. So lange dieses heilsame Gewächs im Garten blüht, kann man aber auch ein ganz einfaches Hausmittel zur Anwendung bringen, das sich vor allem auf die Verdauung förderlich auswirkt. Diesbezüglich ist die Zeit am Tagesbeginn eine wichtige Phase, die man zum allgemeinen Wohlbefinden gut nutzen kann. Man benötigt dazu bloß Wasser und frischen Ysop. Mit der Umsetzung kann man gleich heute am Abend und dann in weiterer Folge morgen in der Früh, also am ersten Arbeitstag im September beginnen. Gott schenke ihnen allen eine gute Zeit!

Frischer Morgentrunk

In ein Glas mit kaltem Leitungs- oder Mineralwasser gibt man über Nacht ein kleines frisch gepflücktes Sträußchen aus Blüten und Blättern des Ysops. Am Morgen entfernt man die pflanzliche Beigabe und trinkt das Getränk, das mittlerweile einen leicht aromatisch-bitteren Geschmack angenommen hat, auf nüchternen Magen. Das regt die Magennerven an, fördert auf sanfte Weise die Darmentleerung und verhilft somit zu einem gut gestimmten Beginn des Tagwerkes.

Ysop (Hyssopus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya