Für ein schönes Gesicht

Seifenkraut als Reiniger

Bevor man an einem Abend ausgeht, um sich eine Theateraufführung, ein Konzert, eine Vernissage oder gar eine Oper zu gönnen, nimmt man sich als erstes die freie Zeit dafür. Und es gehört auch zur allseits gepflogenen Kultur, sich besser als sonst zu kleiden. Der Körper soll natürlich auch nicht zu kurz kommen. So zählt nach dem Duschen zudem eine dementsprechend kosmetische Pflege zur Vorbereitung des kulturellen bzw. gesellschaftlichen Events. Man möchte ja schließlich und endlich etwas gleichschauen. Heute will ich das Seifenkraut (Saponaria officinalis) zu all den Empfehlungen hinzufügen, die uns normalerweise in der Werbung seitens der Drogerieketten vor Augen geführt werden. Denn immerhin hat Mutter Natur schon lange vor Erfindung von Shampoo und Waschmittel dafür vorgesorgt, ohne einen von Menschenhand durchgeführten chemischen Prozess etwas Reinigendes zur Verfügung zu haben. Es verwundert daher nicht, ein Gewächs aus der Familie der Nelkengewächse vorzufinden, das eben den Namen Seifenkraut trägt. Es beinhaltet in den Blättern und vor allem in der Wurzel einen hohen Anteil an Saponinen, die ebenfalls als Seifenstoffe bezeichnet werden. Diese finden sich übrigens ebenso in vielen anderen Heilkräutern in ganz geringen Mengen. Diese Erkenntnis lässt sich also auch für den täglichen Gebrauch nutzen. Nicht allzu wenige leiden z. B. darunter, dass ihre Haut mehr als genug Fettanteil hat, was zur Folge hat, dass diese leichter zu Verunreinigungen neigt. Da ist es wichtig, auf gute Pflege- und Duschgels zu achten, die diesem Umstand entsprechen. Das Seifenkraut kann man zusätzlich aufbereiten, um sich damit etwas Gutes zu tun. In der Tradition der Kräuterpfarrer weiß man um den Vorteil eines eigenen Seifenkraut-Hautreinigers, den es auch schon fertig zu erwerben gibt.

Hautwasser ansetzen

Von der getrockneten und zerkleinerten Wurzel des Seifenkrautes nimmt man 50 g und setzt sie in 1/2 Liter gutem Obstbrand 3 Wochen lang in einem verschlossenen Glasgefäß an. Danach abseihen, mit destilliertem Wasser auf einen Anteil von 30 % Alkohol verdünnen und in braune Fläschchen abfüllen. Mit einem Wattebausch, den man mit dem Hautwasser tränkt, kann man das ganze Gesicht abreiben, um es zu reinigen und gleichzeitig die Haut darauf zu stärken. Den Seifenkraut-Hautreiniger erhalten Sie im Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein/Th. unter Tel. 02844/7070 oder per E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at bzw. im Webshop www.shop.kraeuterpfarrer.at

Seifenkraut (Saponaria officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Kraft der Blüten

Ringelblume hält fit

Es ist bewundernswert, wie so viel Gutes in unserer Welt geschieht. Wir brauchen uns nur bewusst umzusehen, da entdecken wir Menschen, die genug Pioniergeist und Durchsetzungsvermögen aufgebracht haben, damit ein Betrieb oder ein Verein gegründet wurde oder gar eine Institution aufgebaut worden ist, die über Jahrzehnte bis heute wertvolle Dienste leistet. Neben aller humanen Leistung dürfen wir jedoch auch all das nicht übergehen, was in der Schöpfung für uns bereitsteht, um uns zu erfreuen und zu stärken. Die Ringelblume (Calendula officinalis) ist wohl ein Paradebeispiel der vielfachen pflanzlichen Wunder, die eine natürliche Kraft in sich birgt. Vor allem die obersten Teile des Gewächses, die als Blüten ausgebildet sind, schaffen es, durch die Energie der Sonne und der Erde letztendlich zu etwas Aufbauendem und Heilendem heranzuwachsen. Genau dieser Vorteil kann sich gegenwärtig als nutzbringend erweisen. Bitterstoffe, Saponine, ätherisches Öl und auch ein Quäntchen an Salicylsäure sind nur einige der Inhaltsstoffe, die sich in den Blütenblättern der Ringelblume bergen. Als Attribute der Wirkung des Korbblütlers lassen sich ebenfalls aufreihen: entzündungshemmend, verdauungsfördernd, leberstärkend, wundheilend und hautfreundlich. Der ganze Organismus wird jedes Mal herausgefordert, wenn die Jahreszeiten wechseln. Gar viele bemerken vorübergehende Schwindelgefühle, Kopfschmerzen und Schwierigkeiten beim Einschlafen. Das muss niemanden stark beunruhigen. Aber diesmal ist es nicht notwendig, ganz von allein aus diesem Umstand herauszukommen. Die Ringelblume kann sich gerade da als gute Helferin erweisen. Sie ist eine sehr kostbare Gabe des „Erfinders“ der ganzen Schöpfung, nämlich Gott, der alles Lebende aufeinander zugeordnet hat.

Morgentee zu Beginn des Herbstes

Von getrockneten Blütenblättern der Ringelblume nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Am Morgen nach dem Aufstehen oder zum Frühstück anstatt des täglichen Kaffees 3 Wochen lang bloß 1 Tasse davon ungesüßt trinken. Das stärkt die Organe und den ganzen Leib beim Wechsel der Jahreszeiten.

Ringelblumenzweig mit Einzelblüte und Knospe (Calendula officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Belebung auf der Haut

Mit Rosmarin massieren

Gegenwärtig von Frühjahrsmüdigkeit zu sprechen, wäre eindeutig eine jahreszeitliche Themenverfehlung. Immerhin ist auch der kalendarische Herbst bereits angebrochen, so dass wir uns in weiser Voraussicht auf den kommenden Winter einstellen sollten. Ein allenthalben sehnsuchtsvoller Gedanke an den nächstjährigen Frühling sei dennoch niemandem verwehrt. Aber bleiben wir vorerst in der Gegenwart. Da steht uns der Rosmarin (Rosmarinus officinalis) zur Seite, denn immerhin werden jetzt bereits die Heizungen in den Räumen aktiviert. Die meteorologische Temperaturkurve wandert schließlich langsam wieder dem Kühlen zu. Daher brauchen wir eine Erwärmung von außen. Was sich jedoch wohlig anfühlt, das kann sich genauso belastend auf den Kreislauf auswirken. Da kann sich infolge dessen eine Müdigkeit einschleichen, die es einem schwer macht, konzentriert zu denken und zu arbeiten. Dem gilt es entgegenzuwirken. So lange man nicht an einer Erkältung leidet, die man auszukurieren muss, sollte man regelmäßig Bewegung im Freien machen. Das trägt dazu bei, sich nach und nach abzuhärten und auch bei einem Wettersturz Richtung Nässe und Kälte bereits gewappnet zu sein. Zusätzlich leistet der Rosmarin Beachtliches, um die Durchblutung der Hautpartien anzukurbeln. Das liegt nicht zuletzt an den ätherischen Substanzen, die in diesem Lippenblütler in reichem Maß vorhanden sind. Die erste Tageshälfte ist vor allem gut geeignet, um den Rosmarin zum Einsatz zu bringen. Im Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein hat man schon seit langem gute Erfahrungen mit einem Auszug gemacht, der mit Rosmarin angesetzt wird. Dieser steht vor allem für Massagen und Einreibungen zur Verfügung.

Rosmarin-Öl

Frische Zweige des Rosmarins werden ein wenig zerkleinert. 50 g nimmt man davon, übergießt sie mit 1/2 Liter kaltgepresstem Olivenöl und lässt beides zusammen 14 Tage lang in einem verschlossenen weißen Glasgefäß im Zimmer stehen. Danach abseihen und abfüllen. Der Ansatz lässt sich auch mit anderen fetten Pflanzenölen herstellen. Um den Kreislauf wieder besser in Schwung zu bringen, sollte man die Haut mit diesem Rosmarin-Öl einreiben oder die Füße damit massieren. Nicht am Abend durchführen, da es erfrischt und munter macht.

Rosmarinzweig (Rosmarinus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vor dem Schlafengehen

Salbei an die Augen lassen

Ein traditionelles katholisches Abendgebet für Kinder beginnt mit folgendem Vers: „Bevor ich mich zur Ruh’ begeb, zu Dir, o Gott, mein Herz ich heb!“ Vielleicht löst das Lesen dieser Worte gleich das Rezitieren des restlichen Textes aus, der in der Erinnerung an die behüteten Zeiten des Heranwachsens im Elternhaus fest verankert ist. Generell ist es ja auch für Erwachsene gut und heilsam, jeden erlebten Tag in die Hände des Schöpfers zu legen. Die Zeit vor dem Schlafengehen ist eine ganz wichtige Phase für Leib und Seele. Der Salbei (Salvia officinalis) hat zwar weder Bett noch Badezimmer zur Verfügung, die er des Abends in Anspruch nehmen müsste, denn er ist eine Pflanze, die in der Erde fest verwurzelt ist. In dem Wechsel von Sonnenlicht und nächtlicher Finsternis, von nötigem Niederschlag und trockenen und heißen Zeiten wächst er zu dem heran, was ihn so wertvoll und nützlich macht. In seinen Blättern sind nicht bloß bedeutsame ätherische Öle enthalten, die dem Heilkraut auch das charakteristische Aroma verschaffen, sondern es sind zusätzlich die Gerbstoffe, die wir zum Erhalt unserer menschlichen Gesundheit ebenso gut brauchen können. In erster Linie denkt man bei der Verwendung des Salbeis an einen Hustentee, den man auch bei Halsweh gerne trinkt oder zum Gurgeln verwendet. In diesem Gewächs liegt nämlich eine entzündungs- und keimwidrige Kraft. Überdies besitzt der Salbei noch eine trocknende Wirkung. Davon können übrigens auch die Augen profitieren. Tagsüber werden sie wohl mehr als es uns und ihnen lieb ist, in Anspruch genommen. Beim Lenken eines Fahrzeuges, beim Arbeiten vor einem Bildschirm oder beim häufigen Benutzen eines Smartphones gibt es kaum Pausen für unser Sehorgan. Das geschieht eigentlich erst beim Schlafen. Davor ist es möglich, die Augen mit Salbei zu stärken.

Tee zum Auswaschen

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Salbeis nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und bloß 5 Minuten ziehen lassen. Dann abseihen. Den noch etwas warmen Tee verwendet man, um vor dem Schlafengehen die Augen damit langsam und gründlich auszuwaschen. Das besitzt eine reinigende Kraft und tut vor allem dann gut, wenn die Augen durch Überanstrengung schmerzen.

Salbei blühend (Salvia officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zeit des Schnupfens

Zwiebeln erweisen sich als nützlich

Wetterumschwünge fordern unseren Organismus generell immer heraus. Das hängt jetzt nicht unbedingt davon ab, dass man das spürt. Aber dennoch muss sich der Körper auf die von außen an ihn herandrängenden Gegebenheiten einstellen. Und da wir in unserer zivilisierten Lebenswelt eigentlich jederzeit uns behütende Bereiche aufsuchen können, ist es mit unserer Abhärtung oft nicht weit her. Warum ich heute einmal mehr die Zwiebel (Allium cepa) aufgreife, hat weder den Grund, ein persönliches Rezept für ein Gulasch oder eine Empfehlung in Richtung Erdäpfelsalat weitergeben zu wollen. Da gibt es wohl Berufenere in unserem Lande. Aber dieses häufig gebrauchte Gemüse hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Zu den Wirkstoffen zählen vor allem schwefelhaltige Aminosäuren. Sobald sie aus den Blattschichten der Zwiebel austreten, entstehen daraus tränenreizende Schwefelverbindungen, die uns wohl allen leidlich bekannt sind. Der positive Effekt, der damit aber gleichzeitig einhergeht, ist die entzündungshemmende und antimikrobielle Wirkung, die wir auf verschiedene Weise in Anspruch nehmen können. Der Schnupfen ist in Wirklichkeit die Entzündung der Nasenschleimhaut, die sehr leicht durch eine Tröpfchen-Virusinfektion mittels Anniesen übertragen wird. Unterkühlung, Durchnässung und ein Aufenthalt in Zugluft begünstigen sehr schnell eine derartige Beeinträchtigung der Nasengegend. Ein Schnupfen kann aber auch wieder verringert und letztlich verabschiedet werden. Mit einem einfachen Hausmittel lässt sich ein gangbarer Weg beschreiten, der keines großen Aufwandes bedarf und in absehbarer Zeit eine Besserung herbeiführen kann.

Zwiebeldunst einatmen

Zuerst nimmt man eine ganze geschälte Zwiebel, die man klein hackt. In 1 Liter Wasser werden die Stückchen schließlich kurz in einem Topf aufgekocht. Dann das Gefäß von der Platte nehmen und den daraus entweichenden Dampf inhalieren. Am besten führt man diese Anwendung am Abend vor dem Schlafengehen durch, um einen festsitzenden Schnupfen zu vermindern oder auch eine beginnende Infektion dieser Art gleich abzuwenden.

Zwiebel (Allium cepa) und Thymian ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Drei Kräuter für Sensible

Melisse, Goldrute und Lavendel

Der Alltag bringt jeden Tag neue Herausforderungen mit sich. Vieles davon lässt sich planen und absehen. Manches ist jedoch eine Überraschung, mit der man nicht rechnen konnte. Leider handelt es sich hierbei selten um etwas Positives wie Erfolge, Geschenke und derlei mehr. Es ist die andere Seite, die man zu Recht beklagen kann. Da wir Menschen Gott sei dank keine Maschinen sind, die aufgezogen werden und dann wie eine Uhr ablaufen, können wir unser Gefühl einsetzen, um dem Schönen und dem Schlechten zu begegnen. Mit Kräutern lässt sich das leichter tun, weil sie uns darin unterstützen, die Nerven zu festigen. Melisse (Melissa officinalis), Goldrute (Solidago virgaurea) und Lavendel (Lavandula angustifolia) sind Heilpflanze, die für sich allein genommen schon einen hohen Wert darstellen. Die Melisse wirkt aufgrund ihrer wohltuenden ätherischen Öle beruhigend auf die Physis und auf die Psyche. Die Bitter- und Gerbstoffe, die der Echten Goldrute eigen sind, sorgen für eine Festigung der Nervenzellen und stärken übrigens auch Niere und Blase, die ebenfalls eng mit den Nerven in Verbindung stehen. Der Lavendel schließlich enthält Cumarine und ätherische Substanzen, die das Gemüt aufhellen können. Die drei beschriebenen Gewächse kann man aber auch – gleich den Pferden für ein Fuhrwerk – zusammenspannen. Denn wer ein einfühlsamer und vor allem mitfühlender Mensch ist, dem können belastende Situationen und angespannte zwischenmenschliche Phasen schnell einmal zu viel werden. Das blockiert in weiterer Folge die Lebensenergie und führt dazu, dass die zu verrichtende Arbeit im Beruf ins Stocken gerät. Als Hilfe für all jenes, was schwer zu tragen ist, sollte man die Kräuter als Ausgleich heranziehen. Sie dienen in diesem Fall dazu, sich als Person zu festigen und sich aus den negativen Gegebenheiten besser erheben zu können.

Mischtee für die Nerven

Aus den getrockneten und zerkleinerten Kräutern stellt man eine eigene Mischung zusammen: 2 Teile Melisse, 2 Teile Echte Goldrute und 1 Teil Lavendel. Davon nimmt man 2 Teelöffel voll, übergießt sie mit 1/4 Liter siedendem Wasser und lässt beides miteinander 15 Minuten zugedeckt ziehen. Abseihen und den Tee schluckweise zu sich nehmen. Um die Nerven zu stärken, trinkt man eine Zeitlang 3-mal am Tag je 1 Tasse davon.

Melissenzweiglein (Melissa officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Goldrutenzweiglein (Solidago virgaurea) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Lavendel-Blütenzweig (Lavandula angustifolia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Lunge stärken

Die Königskerze hilft dabei

Atmen ist lebensnotwendig. Um Luft holen zu können, müssen die Lungen aufnahmebereit sein. Das muss sofort nach der Geburt passieren, sobald ein Baby erfolgreich den Mutterleib verlassen hat. Und es gilt bis zum tatsächlichen letzten Atemzug. Es ist erstaunlich, was all unsere Organe ein Leben lang leisten, insbesondere aber die Lunge. Letztlich bleibt für mich ein derartiges Funktionieren trotz aller biologischen und medizinischen Erklärbarkeit ein Wunder. Leider gibt es dabei auch Beeinträchtigungen in Kauf zu nehmen. Deswegen möchte ich die Königskerze (Verbascum densiflorum) wieder einmal aus der Schatzkiste der Natur hervorkramen. Im Rückblick auf die hinter uns liegenden heißen und vielerorts zu trockenen Monate dürfen wir feststellen, dass die Königskerze ganz gut mit dem sich weiter veränderndem Klima zurechtkommt. Somit stehen uns auch die herrlich gelben Blüten als wertvolle Droge zur Verfügung, sofern diese rechtzeitig abgepflückt und gründlich getrocknet wurden. Die darin enthaltenen schleimigen, wundheilenden und stärkenden Substanzen sind geeignet, um gerade der Lunge in widrigen Phasen Beistand zu leisten. Aus einer zunächst vorübergehend zu scheinenden Bronchitis kann im schlechten Falle ein chronischer Zustand werden, mit dem man dann wohl oder übel zurechtkommen muss. Gott sein Dank gibt es von Seiten der ärztlichen Betreuung Spezialordinationen, die eine exakte Diagnose und eine daraus sich ergebende Therapie bereitstellen können. Die Kraft der Natur darf dabei aber ebenso abgerufen werden, sofern sie mit den übrigen Anwendungen kompatibel ist. Man kann es daher mit einer Tinktur versuchen, die Beschwerden zu lindern.

Blüten ansetzen

Von qualitätsvollen getrockneten Blüten der Großblütigen Königskerze nimmt man eine Menge von 20 g und setzt sie einem verschließbaren Glasgefäß zusammen mit 1/4 Liter gutem Obstbrand 14 Tage lang an. Danach abseihen und abfüllen. Bei Beschwerden der Lunge wie etwa chronischer Bronchitis kann man 3-mal pro Tag 20 Tropfen der Tinktur zu sich nehmen, indem man sie zuvor mit einem passenden Getränk wie etwa einer Schale Kräutertee oder einem Glas lauwarmem Wasser verdünnt.

GroŸßblütige Königskerze (Verbascum thapsiforme) oder Wollblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mineralstoffe und Spurenelemente

Mit dem Kohlrabi aufnehmen

Die Bedeutung einer vernünftigen Ernährung kann wohl nicht hoch genug eingeschätzt werden. Das gemeinsame Essen am Tisch erfüllt zu allererst aber eine soziale Funktion. Bei jedem Fest und im Kreise der Familie wird dies sichtbar und spürbar. Und darüber hinaus kommt es darauf an, was man aufnimmt, um sich tagsüber zu stärken. Auf einem jeden Weg, den man zur Festigung oder Wiederherstellung der Gesundheit beschreiten möchte, kommt man an dem, was an Speisen und Trank aufgenommen werden soll, nicht vorbei. Der Begriff Ausgewogenheit fasst alle verantwortbaren Schritte dorthin gut zusammen. Der Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes) ist wohl nicht das, was wir als Grundnahrungsmittel bezeichnen würden. Da nun aber der Jahreszeit entsprechend alles, was auf den Beeten im Garten abgeerntet und ins Haus bzw. in den Keller zur Lagerung gebracht wird, frisch zur Verfügung steht, möchte ich den Wert des Gemüses betonen. Beim Kohlrabi handelt es sich übrigens um einen knollenartig verdickten Stängel des Kreuzblütengewächses, was ihm den volkstümlichen Namen Stängelrübe eingebracht hat. All jene Pflanzen, die seit Menschengedenken gezüchtet wurden, damit sie auch als Kost die Nahrung ergänzen, erfüllen eine wesentliche Aufgabe. Sie bereiten Mineralstoffe so auf, dass diese bei der Verdauung von der Physis aufgenommen und verwertet werden können. Im Kohlrabi findet sich z. B. ein hoher Anteil an Magnesium vor. Mangelt es an diesem Element, so kennen wir die leidigen Folgen, die sich u. a. im Auftreten von Muskelkrämpfen bemerkbar machen. Da können sicher viele von uns ein Lied davon singen, wenn diese des Nächtens im Bett durchgestanden werden müssen. Dem kann man aber beikommen, wenn die Ernährung so angelegt wird, dass der ganze Organismus dabei nicht zu kurz kommt.

Wiederholt Rohkost essen

Fein geraspelter Kohlrabi ist eine vorzügliche Nahrungsergänzung. Mischt man frische Kräuter, die zuvor feingehakt wurden, dazu, dann ergibt sich daraus eine taugliche Vorspeise oder eine erfrischende Zwischenmahlzeit. Oder man fügt Kohlrabi einem individuell zusammengestellten Mischsalat bei. Am einfachsten ist es wohl, den Kohlrabi in Scheiben zu schneiden und diese genüsslich zu knabbern. Mineral- und Ballaststoffe werden dabei gratis mitgeliefert.

Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylodes) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Belebt das Gemüt

Anregende Wirkung der Engelwurz

Besinnlichkeit und Schwermut können meiner Meinung nach sehr eng aneinander geraten. Das passiert bei nicht wenigen gerade im Herbst, da das Land – um mit einem Bild zu sprechen – gleichsam den Sommer ausatmet. Wenn sich dann am Abend der Himmel beim Sonnenuntergang rötlich färbt, neigt man womöglich leicht zu einer romantischen Gefühlsphase, die einem aber auch gleichzeitig Gedanken nach längst Vergangenem und daher Unwiederbringlichem aufsteigen lässt. Das drückt dann auf die Seele. Die Echte Engelwurz (Angelica archangelica) ist eine Heilpflanze, die am Ende der Vegetationsphase einen Prozess der Verinnerlichung vollzieht. Die Kraft, die den Sommer über aufgewendet wurde, um Blätter, Blüten und die daraus reifenden Samenfrüchte zu ihrer vollen Entfaltung zu bringen, werden nun nach und nach in die Wurzel unter der Erde zurückgeführt, um sie für neues Leben im Frühling bereit zu halten. In diesem Wuchsteil sind auch die wertvollen ätherischen Öle, die Mineral- und Bitterstoffe eingelagert, die den Doldenblütler für die Gesundheitspflege so wertvoll machen. In vielen Kräutergärten findet sich die Engelwurz und auch im eigenen grünen Reich ums Haus ist es möglich, ein Beet mit der Heilpflanze als fixen Bestandteil der pflanzlichen Architektur vor dem Fenster zu ziehen. Dann steht dieses aufbauende Mittel gleich zur Verfügung, wenn man es verwenden möchte. Gräbt man die Wurzeln selbst aus, so ist es ratsam, dass man dabei Handschuhe trägt, weil es vorkommen kann, dass es bei Berührung mit der frischen Ware zu Hautirritationen kommt. Aber sonst ist ein Gebrauch derselben in der Regel unbedenklich. In einem erfrischenden Bad lässt sich nämlich die erleichternde Wirkung der Engelwurz-Wurzel für Leib und Seele gut abrufen und somit eine sich herbstlich bemerkbare depressive Stimmung hintanhalten.

Engelwurz-Bad

100 g der zerkleinerten Wurzel der Echten Engelwurz werden in 2 Liter kaltem Wasser 2 Stunden lang angesetzt. Danach gut aufkochen und abseihen. In die mit warmem Wasser gefüllte Badewanne gießen und 20 Minuten darin verweilen. Das bringt eine Aufbesserung des Gemütes mit sich. Bei rheumatischen Beschwerden kann man sich so ebenfalls eine Erleichterung verschaffen. Generell wird die Haut dadurch gestärkt.

Echte Engelwurz oder Angelika (Angelica archangelica) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Begleitung beim Wandern

Tee mit Blutweiderich

Jede Zeit hat ihre guten und schönen Seiten. Gottlob dürfen wir in einer gemäßigten Klimazone unseres Planeten Erde Woher nehmen wir unsere Energie, um all das zu bewältigen, was uns zugemutet wird? Antworten wir darauf oberflächlich, so werden wir die Nahrung und das Trinken ins Treffen führen. Sicherlich ist es wichtig, genügend Verbrennungsmaterial dem „Ofen“ Körper zuzuführen. Aber da ist noch mehr, was Menschen von der Geburt an zum Gedeihen und den Pflanzen zum Wachsen verhilft: die innere Lebenskraft. Hermann-Josef Weidinger hat einst im Betrachten der Heilkräuter den Blutweidrich (Lythrum salicaria) als Sinnbild für die Lebenskraft gefunden und beschrieben. Er bevölkert vor allem feuchte und wechselfeuchte Standorte und ist somit vorzüglich an den Ufern von Bächen und Flüssen, von Seen und Teichen zu finden. Darüber hinaus wächst er auch gerne in feuchten Gräben entlang der Wiesen und Äcker. Der Blutweiderich wurde schon seit alters her wegen seiner wunderschönen rötlich violetten Blüten geschätzt, die man zum Färben verschiedenster Materialien oder Speisen heranzog. Er beinhaltet Gerb- und Bitterstoffe, enthält auch ätherische Öle und das Glykosid Salicarin. Er besitzt demzufolge zusammenziehende Eigenschaften. Somit stellt sich dieses Kraut den negativen Kräften im Organismus entgegen und sammelt gleichzeitig alle positiven Strömungen. Um die Vitalität der Physis zu steigern, ist es gleichzeitig wichtig, die regelmäßige Bewegung des Leibes nicht zu vernachlässigen. Wenn nun das Wetter sich der Jahreszeit anpasst, so bleiben immer noch mehr als genug sonnige meteorologische Phasen übrig, die es zu nutzen gilt. Wanderungen und ausgedehnte Spaziergänge sind daher die einfachste Methode, um den Körper fit zu halten. Und vergessen wir nicht auf den Muskelapparat, der eines ständigen Trainings bedarf, um nicht zu verkümmern. Das muss jedoch lange nicht in einen übertriebenen Leistungssport ausarten. Bei Radtouren und Wanderungen darf jedoch der Blutweiderich mit von der Partie sein. Durch einen guten Blutumlauf werden auch die Vorteile des Gewächses in den Organismus transportiert.

Getränk für unterwegs

Von getrockneten und zerkleinerten Blütentrieben des Blutweiderichs nimmt man 2 Esslöffel voll und übergießt sie mit 1/2 Liter kochendem Wasser. 30 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Mit Honig und Zitronensaft ergänzen und in eine Thermosflasche füllen. Zu sportlichen Aktivitäten wie Radfahren und Wanderungen mitnehmen und unterwegs trinken. Das tut dem Körper gut und fördert die ihm eigene Immunkraft.

Blutweiderich (Lythrum salicaria) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya