Für Nerven und Herz

Ein erfrischendes Bad

Wenn wir im Sommer nach einer Abkühlung suchen, dann ist sicher eine der einfachsten Möglichkeiten, das frische Nass aufzusuchen und sich in einem der zahlreichen Bäder, an einem dafür vorgesehenen Flussufer oder in einem der schönen kleinen oder großen Seen der Heimat vom Wasser umspülen und tragen zu lassen. Wir dürfen uns hierzulande glücklich schätzen, dieses kostbare Gut meist noch in reicher Menge und in hoher Qualität zur Verfügung zu haben. Wasser kann aber auch zum Träger und Vermittler für Heilendes werden. Solange der Borretsch (Borago officinalis) noch blüht und die Bienen mit seinen schönen kopfüber hängenden Blüten anzieht, ist es ebenfalls für uns die rechte Zeit, um ihn für das eigene Wohlbefinden zu nutzen. Dieses Raublattgewächs wird aufgrund seines charakteristischen Geruchs als Gurkenkraut bezeichnet. Dieser Begriff führt uns gleichzeitig auf eine Spur, auf der wir erkennen dürfen, dass man den Borretsch vor allem auch für äußerliche Anwendungen heranziehen kann, wie dies eben auch bei Salatgurken der Fall ist. Im Borretsch befinden sich nicht nur ätherische Öle, sondern zudem Harze und Kieselsäure als Wirkstoffe. Wenn diese auf unserer Haut landen, so können sie auch weiter nach innen in unsere Physis hinein so manch positiven Akzent weitergeben. Da eingangs von den Erfrischungen mittels Wasser die Rede war, soll diesmal der Borretsch auf ganz erquickliche und durchaus nasse Art zum Tragen kommen. Immerhin reicht es oft schon, bei deren Vorhandensein in einer Badewanne innerhalb der eigenen vier Wände auszuspannen und gleichzeitig eine Stärkung für die Nerven und das Herz bereitzustellen. Steht der Borretsch ohnehin im eigenen Garten auf den Beeten, dann sollte man nicht lange zögern, um den folgenden Tipp noch vor dem Eintreffen meteorologisch kühlerer Wochen und Monate durchzuführen.

Baden mit Borretsch

Vorerst schneidet man genügend Triebe der blühenden Borretschpflanzen im Garten ab und zerstampft dieselben solange, bis daraus eine breiartige Masse wird. Dann nimmt man die Menge von ca. 150 g und übergießt sie mit 2 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und hernach abseihen. Den Rückstand zusätzlich auspressen. Die so gewonnene Flüssigkeit leert man in eine bereits gefüllte Badewanne und badet 15 bis 20 Minuten lang darin. Erweist sich besonders im Sommer als herzerfrischende und nervenstärkende Wohltat.

Borretsch oder Gurkenkraut (Borago officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Haare festigen

Mit dem Blutweiderich

Was bedeutet Lebenskraft? – Eine Antwort darauf könnte sein: dann noch durchhalten, wenn andere schon längst aufgegeben haben. Um ein Beispiel dafür zu entdecken, braucht man nur die Aufmerksamkeit in der Natur etwas schärfen und die Augen auftun. Da gibt es Bäume, die trotz Trockenheit und geringem Niederschlag zu überleben wissen. Oder es sind einfach jene blühenden Gewächse, die dann noch blühen, wenn es dem Herbst zugeht. Das kann natürlich auf einem feuchten Standort besser stattfinden als auf einem kargen und ausgedorrten Boden. Anscheinend weiß darum der Blutweiderich (Lythrum salicaria). Spaziert man die Ufer von Teichen und wasserbeschickten Gräben entlang, so hat man die Chance, ihn ganz leicht zu entdecken. Die violetten Blütenstände des Heilkrautes heben sich farblich markant von ihrer Umgebung ab und fallen daher ohnehin auf. Somit wird er ebenfalls zu einem Sinnbild einer gebündelten Lebensenergie. Die Inhaltsstoffe des Blutweiderichs können sich ebenfalls sehen lassen: Gerbstoffe, Pektin, das namensgebende Salicarin (siehe wissenschaftliche Bezeichnung), ätherische Öle, Farb- und Schleimstoffe finden sich in dem Gewächs vor. Wird diese Heilpflanze innerlich angewendet, so unterstützt sie unter anderem die Reinigung der Schleimhäute des Verdauungstraktes. Doch auch äußerlich lässt sich der Blutweiderich nutzen. Im Hinblick auf die Haarpflege sollte man den Blutweiderich nicht ad acta legen. Denn das Bewusstsein wird immer stärker, gerade auch in der häufig durchgeführten Kosmetik und Körperpflege nicht so sehr synthetisch hergestellte Hilfsmittel zu verwenden, als vielmehr die Natur und ihre körperfreundlich wirkenden Möglichkeiten auszuschöpfen. Gerade dann, wenn es ums Haupthaar geht, kann man den Blutweiderich dabei „ein Wörtchen mitreden lassen“.

Waschung mit Blutweiderich

Nach dem Duschen oder der herkömmlichen Haarwäsche kann man folgendermaßen vorgehen: 2 Handvoll frisch abgeschnittener Blütentriebe des Blutweiderichs werden in 2 Liter heißem, aber nicht kochendem Wasser 3 Stunden lang angesetzt. Danach abseihen und die Haare damit gründlich durchwaschen. Entweder von alleine trocknen lassen oder föhnen. Diese Maßnahme festigt die Haare und wirkt sich vor allem auch verschönernd auf einen hellblonden Ton derselben aus.

Blutweiderich (Lythrum salicaria) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gerbstoffe für den Darm

In den Brombeerblättern enthalten

Bei einem Streifzug durch Mutter Natur darf man sehr viel Schönes entdecken. Landschaften, Tiere und Pflanzen erfreuen nicht bloß das Auge, sondern auch Herz und Gemüt. In Zuge dessen erhalten wir als in der technisch ausgefeilten Zivilisation Lebende bei gutem Glück die Einsicht, dass wir als Menschen Teil der Schöpfung sind. Somit dürfen wir uns auch dessen bedienen, was an Kräften und lebensfördernden Vorzügen für uns unter Gottes freiem Himmel bereit liegt. Doch es bedarf schon einer erhöhten Aufmerksamkeit, um Wertvolles nicht zu übersehen. Am Waldboden und auf Feldrainen trifft man oft auf die Brombeeren. Diese rankenden Stauden gibt es natürlich auch in gezüchteten Formen in unseren Gärten, wo man Jahr für Jahr einen meist reichen Ertrag an Beeren entgegennehmen kann. Der Genuss dieser Früchte ist nur wärmstens zu empfehlen. Den Drang nach etwas Naschbaren kann man ebenfalls auf diese gesunde Nahrungsergänzung hinlenken, vor allem bei Kindern. Die Blätter der wilden Brombeeren sind überdies von gutem Nutzen. Sie zeichnen sich durch einen beträchtlichen Anteil an Gerbstoffen aus, der auch gleichzeitig der Pflege unserer Gesundheit zugute kommen kann. Einerseits ist es sinnvoll, die Haut damit zu unterstützen und andererseits wissen wir, dass es auch im Verdauungstrakt angezeigt ist, diesen Wirkstoff in Anspruch zu nehmen. Denn dann und wann stellt sich ein unangenehmer Durchfall ein, den es wieder zu stoppen gilt. Um die Tätigkeit des Darmes in geregelte Bahnen zu lenken, dürfen wir uns daher der Blätter der Waldbrombeeren bedienen. Diese sollten vor allem in getrockneter Form verwendet werden.

Tee bei Durchfall

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Waldbrombeeren nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Bei Durchfall sollte man 3 Tassen über den Tag verteilt trinken. Übrigens eignet sich der Tee auch, um die Widerstandskraft des Organismus zu steigern. Das ist gerade im ausklingenden Sommer von Vorteil.

Brombeerranken mit Blüten und Früchten (Rubus fructicosus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gerste und Öl

Erweicht raue Haut

Es gibt im Alten Testament die Erzählungen über den Propheten Elia, der einst zu einer Witwe kam, um während einer Hungersnot ein gebackenes Brot von ihr zu erbitten. Aus den letzten Resten von Mehl und Öl buk sie das gewünschte und siehe: Mehl und Öl versiegten von da an nicht, und sie hatte mit ihrem Sohn das Auskommen. Wenn nun die heurige Getreideernte wieder zum größten Teil eingebracht ist, so liegt es nahe, sich dem Korn zuzuwenden, das natürlich in erster Linie als Nahrung für den Menschen und als Futter für die Tiere dient. Ich möchte daraus die Gerste (Hordeum vulgare) herausgreifen. Die verschiedenen Arten der Gerste bilden in der botanischen Klassifizierung eine eigene Artengruppe innerhalb der Familie der Süßgräser. Schon seit Menschengedenken wird diese Getreideart kultiviert und genutzt. Viel Gutes befindet sich in den Früchten, die im Sommer in den Ähren heranreifen und schließlich gedroschen und verwertet werden. Ganz klar, dass sich darin Eiweiß, Stärke und verschiedene Mineralien vorfinden. Eine Reihe von Aminosäuren ist ebenfalls in diesem Korn enthalten. Und sofern man auch die Schale miteinberechnet, bekommen die Ballaststoffe ihre Bedeutung für den Organismus. Die Liste wäre lang, mit der man die Aufbereitung der Gerste als Zugabe für verschiedenste Speisen und Backwaren aufzählen könnte. Heute möchte ich aber bloß einen Tipp geben, bei dem man das Resultat der Ernte äußerlich zum Einsatz bringen kann. Die Haut vermag davon nämlich ganz gut zu profitieren. Immer wieder kommt es zu Tätigkeiten im eigenen Haushalt oder im Beruf, bei denen man die Hände stark beansprucht. Und somit werden diese in der Folge rau und manchmal gar rissig. Für diesen Umstand gibt es ein altes Hausmittel, das keines besonderen Aufwandes bedarf. Die Gerste ist dabei vonnöten und ein wenig pflanzliches Öl.

Waschung aufgesprungener Haut

Man nimmt 3 Esslöffel voll Gerstenkörner und kocht sie in 1 Liter Wasser einigermaßen weich. Nach dem Temperieren das Wasser abseihen und darin einige Zeit lang die Hände baden. Währenddessen die Finger und die Handflächen gut durchreiben. Nach dem Abtrocknen die Hände mit ein wenig angewärmtem kaltgepressten Olivenöl oder einem anderen pflanzlichen Öl seiner Wahl einreiben. Das erweicht und stärkt eine raue und rissige Haut.

Gerste (Hordeum vulgare) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Drei Zutaten für die Nerven

Quendel als Grundlage

Die Rahmenbedingungen für das Wohlbefinden verdienen durchaus unsere Beachtung. Denn immerhin vermissen wir dieselben, wenn wir nicht gut drauf sind und uns schlecht fühlen. Meist können wir den Grund dafür nennen. So z. B. ein fröhlicher Abend mit einem guten Tropfen, der gar lang bis in die Nacht dauerte. Nun gut, da darf man schon Verständnis dafür haben, solange es keine häufigen Wiederholungen in nur kurzen Abständen gibt. Für gewöhnlich sind wir bei den Kräutern und anderen gesunden Gaben der Natur besser aufgehoben. Gerne weise ich daher wiederholte Male auf den Quendel (Thymus serpyllum) hin, den ich u. a. voller Stolz bei den Kräuterwanderungen durch das Thayatal als wahren Schatz der Schöpfung präsentieren kann. Dieser Lippenblütler breitet sich auf trockenen Wiesen und Hängen in polsterförmigem Wuchs aus. Da er nur eine geringe Höhe erreicht, muss man manchmal schon genau schauen, um ihn zu entdecken, gerade dann, wenn hohes Gras in seiner Nähe steht. Aber meist weist ohnehin sein gutes Aroma unsere Nase auf die Anwesenheit des Quendels hin. In ihm bergen sich viele gute Substanzen wie etwa ätherisches Öl, das mit dem keimwidrigen und reinigenden Stoff Thymol angereichert ist. Wie alle verwandten Arten des Thymians erweist sich also die Wildform des Krautes für die Atemwege als stärkend und förderlich. Was aber mit der Atmung in engem physischen und auch psychischen Zusammenhang steht, das sind die Nerven. Wir benötigen diese Vermittler von Bewegungen und Vorgängen, damit die Kommunikation zwischen dem Gehirn und dem übrigen Körper direkt und klaglos funktioniert. Zudem sollen wir selbst als Personen gefestigt sein, damit wir uns den Anforderungen jedes neuen Tages stellen können. Meine Empfehlung ist es, die Nerven auf ganz natürliche Weise zu stärken.

Quendel, Honig und Zitronensaft

Von getrocknetem und zerkleinertem blühenden Kraut des Quendels nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser überbrühen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Mit Honig süßen und mit Zitronensaft ergänzen. Gut abschmecken, damit der Tee nicht zu sauer mundet. Morgens und abends trinken und damit die Nerven stärken.

Quendel oder Wilder Thymian (Thymus serpyllum) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Haut straffen

Eine sanfte Methode mit Ysop

Heiterkeit bringt Licht in unser Leben. Oft werden wir niedergedrückt von Ängsten und Sorgen. Und dafür gibt es leider in der Tat berechtigte Gründe. Das ist aber letztendlich kein Argument, sich all den Herausforderungen der Gegenwart zu entziehen, sondern vielmehr das Menschenmögliche zu unternehmen, um die Welt wenigstens in der eigenen unmittelbaren Umgebung zum Besseren zu verändern. Daher sollten wir all jene Hilfen in Anspruch nehmen, die uns leiblich und geistig aufrichten und aufmuntern. Bei den Heilkräutern ist es vor allem der Ysop (Hyssopus officinalis), der dazu imstande ist. Als typisches Pflanzenkind Südeuropas erweist er sich als ausgezeichnetes Anregungsmittel für die Drüsen des gesamten Verdauungstraktes. Zudem trägt er eine starke krampflösende Wirkung in sich, was uns daran denken lässt, selbst eine gesunde Gelassenheit anzustreben, die darum weiß, dass zum Gelingen des eigenen Lebens nicht bloß das eigene Streben und Können notwendig ist, sondern es mindestens genauso viel des Segens und des Glücks von Gott bedarf. In der Sorge um die eigene Haut wird man wohl die Tatsache kaum übersehen, die sich im Nachlassen der Spannkraft der äußeren Schutzschicht unseres Körpers offenbart. Falten und Runzeln bereiten manchen unserer Zeitgenossen gar nicht selten Kopfzerbrechen, weil es ja gilt, möglichst jung und vital auszuschauen. Nun, in dieser Hinsicht wirkt der Ysop wahrscheinlich keine Wunder. Aber er kann zumindest einen Beitrag leisten, um das Gewebe der Haut zu stärken und ihr wieder mehr Spannung zu verleihen. Dazu muss man die Wirkkraft des Heilgewächses auch an sie heranlassen.

Hautstärkendes Bad

Von einem Gemisch aus getrockneten Blüten und Blättern des Ysops nimm man 100 g und stellt sie in 2 Liter kochendem Wasser zu. Dann kurz aufkochen und noch 10 Minuten ziehen lassen. Abseihen und als Badezusatz verwenden. Übrigens kann man den derart aufbereiteten Ysop auch als Gurgelmittel verwenden, wenn es gilt, das Zahnfleisch zu festigen, die Mundhöhle bei vorhandenen Bläschen auszuspülen und auch bei entzündeten Mandeln Linderung herbeizuführen.

Ysop (Hyssopus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zum hohen Fest der Kräuter

Lavendel in der Hauskosmetik

Mariä Himmelfahrt ruft heute viele Gläubige in die schönen Kirchen unserer Heimat. Wir feiern die Aufnahme der Gottesmutter und somit die Vollendung ihres Lebens in der dreifaltigen Liebe des Schöpfers. Nach einer Schilderung des Kirchenvaters Johannes von Damaskus (*um 650) fanden sich im leeren Grab Mariens duftende Blumen und Kräuter. Diese Legende bildet bis heute den Hintergrund für die Segnung der Kräuterbüscherl an diesem hohen Ehrentag der Mutter Jesu. Selbstverständlich findet dieser Brauch auch in meiner Pfarrkirche Harth bei Geras statt. Aus den vielen wohlriechenden Kräutern möchte ich aber heute die Heilpflanze des Jahres 2019, den Lavendel (Lavandula angustifolia) herausgreifen, der wohl allen etwas bedeutet. Momentan erlebe ich es Tag für Tag, dass vor allem hungrige Hummeln in Scharen zu den noch offenen Blüten des Lavendels strömen, um dort den vorhandenen Nektar für sich und ihre Brut zu sammeln. Immerhin zeigt uns der Lauf der Sonne, dass es dem Herbst zugeht und daher für Mensch und Tier Reserven im Hinblick auf die vegetationsfreie Zeit anzulegen sind. Im Lavendel, der zu den Lippenblütlern zählt, befinden sich wertvolle ätherische Öle. Das prädestiniert ihn, einerseits ein gutes Aroma zu verbreiten und andererseits ebenso, die Nerven zu stärken und sogar die Verdauung zu unterstützen. Für die äußerliche Anwendung der Lavendelblüten eignet sich ein Öl-Auszug, mit dem wir in der Tradition der Kräuterpfarrer in Karlstein schon sehr gute Erfahrungen gemacht haben. Dieser Lavendel-Ölauszug eignet sich ebenso gut für Massagen. Ein Lavendel-Badeöl steht übrigens auch im Sortiment zur Verfügung. Mein konkreter Tipp, den ich heute geben darf, bezieht sich auf die Verwendung von Essig. Die Herstellung desselben ist ganz einfach.

Lavendelblüten ansetzen

In 1 Liter qualitätsvollem Apfelessig setzt man 5 bis 7 frische oder getrocknete blühende Lavendelzweige an. 8 Tage lang in einer verschlossenen Flasche bei Zimmertemperatur stehen lassen und dann abseihen. 1/4 Liter genügt davon, um diese Menge als Badezusatz zu verwenden und damit die Haut zu stärken. Und in einem Verhältnis von 1 : 10 verdünnt, ist es möglich, diesen Ansatz als Deodorant an jenen Stellen des Körpers aufzutragen, wo man übermäßig transpiriert.

Lavendel (Lavandula angustifolia) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Kraut bei Hühneraugen

Die Felsen-Fetthenne hilft aufweichen

Der Küchenhof unseres Klosters in Geras ist ein Ort des Rückzugs und der Ruhe. Umgeben von den Gängen, die einst als offene Arkaden das Geviert umrahmten und seit dem 18. Jahrhundert vermauert und mit Fenstern versehen wurden, verweilen dort gerne auch die Gruppen der Touristen, die durch unsere alte Abtei geführt werden. Es sind nicht nur Rosen und Lavendel, die entlang der gepflasterten Wege des geschützten Innenbereichs gepflanzt sind. In den Bereichen der Drainagen, die wiederum mit Kieselsteinen gefüllt sind, sitzt ein ganz besonderes Gewächs. Es ist die Felsen-Fetthenne (Sedum rupestre), die eben auch zwischen Geröll und Steinen ihr Auslangen zu finden vermag. In der Familie der Dickblattgewächse gibt es eine eigene Artengruppe mit Namen Sedum. Am bekanntesten unter ihnen ist wohl der Scharfe Mauerpfeffer (Sedum acre), ein naher Verwandter der Felsen-Fetthenne. Für gewöhnlich siedeln sich diese Pflanzen in felsigen Hängen des Gebirges oder entlang von Flusstälern an, wie dies u.a. für das Waldviertel für Kamp und Thaya charakteristisch ist. Doch findet man die äußerst hitze- und trockenbeständigen Gewächse genauso an Ruinen und sogar am Rande von geschotterten und gekiesten Wegen. Warum die Tripmadam, wie die Felsen-Fetthenne auch gerne landläufig benannt wird, gerade bei uns in der Nähe der klösterlichen Küche gesetzt wurde, kann ich mir nur so erklären, dass man in früheren Zeiten die Blätter des Sukkulenten dazu verwendete, um kalte Speisen und Salate zu würzen. Man kann in den Wuchsteilen des Krautes und da vor allem in den Blättern einen Anteil an Vitamin C entdecken. Gerbstoffe und Flavonoide sind ebenso dort zu finden. In ganz bescheidenen Mengen ist es sicherlich auch heute noch möglich, dieses eher selten zu findende Kraut zu verwenden. Doch möchte ich dazu raten, die Felsen-Fetthenne äußerlich zu gebrauchen. Ein Thema dafür sind Hühneraugen.

Aufweichende Wirkung

Bei Hühneraugen an den Zehen kann man in folgender Weise vorgehen, um diese aufzuweichen: von den Blättern der Felsen-Fetthenne zieht man die äußere Schicht in Form von winzigen Lappen ab und legt sie auf das Hühnerauge auf. Die Haut rund um die verhornte Druckstelle reibt man zuvor mit Schweineschmalz ein. Man kann auch eine Mullbinde darüber geben.

Tripmadam oder Fetthenne (Sedum rupestre) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bei den Füßen beginnen

Birkenrinde für ein Bad

Der Schatten der Bäume gewinnt immer mehr an Wert. Überhaupt ist es angesichts dramatischer klimatischer Veränderungen wichtig, dass gerade auch städtische und dörfliche Wohnbereiche mit genügend Grünzonen versehen werden, wo eben so mancher Hitzestau abgefedert werden kann. Aber Bäume sind mehr als nur Schattenspender oder Holzlieferanten. Sie zählen zu den großen Heilkräutern, die ebenso ihre Wirkstoffe besitzen und somit gerade den Menschen helfend zur Seite stehen, wenn sie ihr Wohlbefinden stärken möchten. Die Birke (Betula) ist wohl eine Art, die kaum aus unserer Heimat wegzudenken ist. Egal ob in Bergwäldern als auch entlang der Straßen des milden Flachlandes: überall ist sie anzutreffen. Gerade dann, wenn der Wind ein wenig durch ihre Krone fährt, dann rauscht es angenehm aus dem sich bewegenden Blattwerk. Und das kommt gleichsam einer akustischen Erfrischung gleich. Doch gibt es auch noch eine andere Möglichkeit, die Birke für die sommerliche Zeit zu nutzen. Unser Augenmerk soll dabei auf den Zweigen liegen, die sich ab einer gewissen Länge ohnehin zu uns herabbiegen. An ihnen die schützende Rinde, die in sich Gerbstoffe birgt. An unserer Haut befinden sich eine hohe Anzahl an Schweißdrüsen, die gerade bei hohen Temperaturen äußerst aktiv sind, um zur Kühlung des Organismus ihren Beitrag zu liefern. Das fühlt sich dann meist nicht unbedingt angenehm an, vor allem nicht an den Füßen, die uns durch den ganzen Tag tragen müssen. Mit dem heutigen Tipp möchte ich daher auf die unterste Etage des Körpers blicken, wo die Wirkkraft der Birke gewinnbringend landen soll. Übrigens erweist es sich als sinnvoll, den Tag damit zu beginnen, sich etwas Gutes zu tun. Vielleicht ist der anschließende Vorschlag ja eine konkrete Möglichkeit, dies auch wirklich umzusetzen.

Fußbad zur Schweißregulierung

Von fingerdicken Ästen der Birke schält man die Rinde und zerkleinert sie. 75 g davon reichen, um sie in 1 Liter kaltem Wasser über Nacht anzusetzen. Am Morgen nach dem Aufstehen aufkochen und einem angerichteten Fußbad beigeben. Dann 10 Minuten die Füße darin baden. Gut abtrocknen. Das hilft mit, um eine übermäßige Schweißproduktion zu regulieren und ist eine gute Möglichkeit, das gesamte Wohlbefinden zu steigern.

Birkenzweige mit Blättern und Blüten (Betula pendula) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wider den Krampf

Auf die Anserine nicht vergessen

So oft ich mit Interessierten eine Kräuterwanderung unternehmen darf, bin ich je neu herausgefordert, nicht nur die Gruppe vorne anzuführen, sondern auch mit den Augen den anderen einen Schritt voraus zu sein. Denn immerhin möchte ich ja auf die einzelnen Pflanzen einen Hinweis geben und sie der Gruppe vorstellen. Das ist oft gar nicht so einfach, wie manche glauben. Immerhin kann es passieren, dass man ein spezielles botanisches Individuum dabei übersieht. Das Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) ist sicherlich nicht so auffällig, dass man es gleich von Weitem erkennen könnte. Vielmehr breitet es sich auf Wiesen und Wegrändern so aus, dass es allein schon farblich mit seiner pflanzlichen Umgebung verschmilzt. Die schönen gelben Blüten des zur Familie der Rosengewächse zählenden Krautes sind auch eher klein und zeigen sich nur vorübergehend. Zu den Wirksubstanzen zählen Gerb-, Bitter- und Schleimstoffe sowie auch Flavonoide und andere gesundheitsfördernde Substanzen. Nun gilt es aber Gott sei Dank nicht, die Droge der Anserine (wie das Gänsefingerkraut landläufig gerne bezeichnet wird) ganz neu zu analysieren und somit zu entdecken. Wir dürfen ruhig denen Vertrauen schenken, die vor uns wertvolle Erfahrungen im Zusammenhang mit diesem Wiesengewächs gemacht haben. Dort dürfen wir einen Vorteil erkennen, der gerade im Sommer genutzt werden kann. Denn da ist es üblich, die Gelenke im Zusammenhang mit Sport und Freizeit mehr zu bewegen als in den kalten Monaten. Schwimmen und Wandern, Radfahren und Joggen stehen nun hoch im Kurs. Doch kann es dann auch leicht passieren, dass die Muskeln sehr beansprucht werden und sich dann ein äußerst unangenehmer Krampf einstellen kann, der infolge die Sehnen in Mitleidenschaft zieht. Mit der Anserine kann hier etwas Abhilfe geschaffen werden.

Entspannender Tee

Von getrocknetem und zerkleinertem blühenden Kraut der Anserine nimmt man 2 Teelöffel voll. 1/4 Liter kochendes Wasser darübergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen. Bei Krampfanfällen im Zuge sportlicher Aktivitäten oder auch bei nächtlichen Wadenkrämpfen trinkt man 3 Wochen lang jeweils früh und abends 1 Tasse dieses Aufgusses, um ein Abklingen der Beschwerden zu unterstützen.

Gänsefingerkraut oder Anserine (Potentilla anserina) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya