Dem Herbst entgegenblicken

Der Thymian hilft vorbeugen

Ein routinemäßiger Blick in den Kalender tut not, um anstehende Termine koordinieren zu können. Das hilft mit, um vor überraschenden Kollisionen gleichzeitiger Verpflichtungen gefeit zu sein. Darüber hinaus wird einem klar, wie die Wochen dahinlaufen und das Jahr sich wendet. Bald wird es obsolet sein, über die Hitze zu klagen und vom Sommer zu sprechen. Der Herbst sendet bereits seine Vorboten. Da ist es angezeigt, sich auch mit dem Leib umzustellen und sich ganz einfach auf kühlere und feuchtere Zeiten auszurichten. Ein bekanntes Kraut kann uns dabei gut unterstützen. Die Rede ist vom Echten Thymian (Thymus vulgaris), der seine eigentliche Heimat rund um das Mittelmeer hatte und heute gerne als Gewürz in den grünen Oasen ums Haus gezogen wird. Frisch verwendet, harmoniert das Thymiankraut sehr gut mit Petersilie, Zwiebeln und Knoblauch, wenngleich man aber jeweils darauf achten sollte, den Anteil dieses Gewürzes gering zu halten. Blicken wir in die reiche Erfahrungsgeschichte unserer Urgroßeltern-Generation mit Hausmitteln, dann entdecken wir dort vielleicht so manchen Hinweis darauf, dass der Thymian bei Nervenschwäche, bei Krämpfen aller Art, bei Kopfschmerzen und ebenso bei Erkältungskrankheiten helfen kann. In diesen Fällen wurde und wird ein Aufguss mithilfe des frischen oder getrockneten Krautes hergestellt. Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit, um den Absud aus den Gewächsteilen des Thymians anzuwenden. Es dürfen ruhig die Füße wiederum mehr ins Visier genommen werden, die uns gut durch den Sommer getragen haben.

Fußbad als Stärkung

Die wertvollen Stoffe einer Heilpflanze über den Verdauungstrakt aufnehmen, ist eine Möglichkeit. Eine andere besteht darin, sich mithilfe eines herkömmlichen Heißaufgusses aus getrocknetem Thymiankraut ein Fußbad anzureichern, das man in den Abendstunden ca. 15 Minuten lang genießt. Damit wird der ganze Organismus gestärkt und ist somit vorbeugend gegen die mit großer Wahrscheinlichkeit anrückenden Erkältungskrankheiten besser gewappnet.

Thymian ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mehr als bloß Gras

Die Quecke dient der Gesundheit

Vor 160 Jahren wurde am 3. September der Schweizer Kräuterpfarrer Johann Künzle in der Nähe von St. Gallen geboren. Vieles von seinen Erfahrungen ist bis heute ein wertvoller Schatz der praktischen Naturheilkunde geblieben. Er hat mit Liebe auf sämtliche Gewächse geblickt, die er in seiner Heimat schon als Kind entdecken durfte. Und er hat ganz freimütig festgestellt: sämtliche Unkräuter sind Heilkräuter! Diese Einsicht darf ruhig auch im 21. Jahrhundert wie ein Refrain wiederholt werden, da oft immer noch abschätzig vom niedrigen Grün gesprochen wird. Schauen wir doch einmal aufs Gras und im Speziellen auf die Quecke (Elymus repens), die fast auf dem ganzen Planeten Erde ihre Verbreitung hat. Sie bildet dort, wo sie einmal Wurzeln gefasst hat, kleine Horste, wovon sie sich über ihre Rhizome unterirdisch verbreitet. Ihre Wuchshöhe kann bis zu einen Meter betragen. Genauso tief kann sie sich in die Erde ausbreiten und wird daher schwerer fassbar, will man sie aus dem Acker oder aus dem Beet entfernen. Doch kein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen: gerade die Wurzel birgt heilende Kräfte: Diese enthält neben Schleimstoffen und Saponinen zudem Kieselsäure, Kaliumsalze und Eisen. Aus der Queckenwurzel sollte man einen Presssaft gewinnen, der dem Organismus wieder auf die Sprünge helfen kann, wenn dieser unter Mangelerscheinungen wie Rachitis, Blutarmut oder Bleichsucht leidet. Hat man die Wurzel in getrockneter Form zur Hand, so lässt sich daraus ebenso ein hilfreiches Getränk aufgießen.

Queckenwurzel-Tee

In diesem Falle kann der Tee mittels Kaltansatz zubereitet werden. 2 Teelöffel der zerkleinerten Droge werden mit 1/4 Liter kaltem Wasser übergossen. Dann kurz aufkochen und anschließend 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen und ungesüßt schluckweise trinken. Bei allenthalben vorhandenen Hautproblemen kann man den Tee kurmäßig trinken, d. h. 3 Wochen lang jeweils in der Früh und am Abend 1 Tasse davon.

Quecke ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Stück um Stück

Beim Kümmel die Wurzel nutzen

Geduld ist eine Tugend, die einem nicht von alleine in den Schoß fällt. Im Laufe des Lebens gibt es genügend Gelegenheiten, sich in diese Haltung zu vertiefen. Und man kann nicht früh genug damit beginnen, sie aus eigenem Antrieb einzuüben. Sät man z. B. eine Pflanze ins Erdreich, so kann man diese nicht gleich am nächsten Tag fixfertig aus dem Boden ziehen. Alles braucht eben seine Zeit. Das gilt genauso für den Echten Kümmel (Carum carvi). Dieses Gewächs findet man in Form des Wiesenkümmels auch in unseren Breiten vor. Und man handelt sicher richtig, für ihn im eigenen Garten ein Beet zu reservieren. Mancherorts wird er ja ohnehin auf den Feldern gezogen und geerntet. Und es ist erfahrungsgemäß gesundheitsfördernd, die Kümmelkörner recht oft in der Küche zum Einsatz zu bringen. Ursprünglich war das bekannte Gewürz östlich des Mittelmeeres zu Hause. Eine Form des Gebrauchs, die jedoch kaum geläufig ist, möchte ich heute erneut ein wenig beleuchten. Wir dürfen uns durchaus dem unterirdischen Pflanzenteil dieses Krautes zuwenden. Man kann also im wahrsten Sinne des Wortes dieser populären Pflanze auf den Grund gehen. Irgendwie gleicht dieses Gewächs einem Menschen, der verborgene Qualitäten besitzt, die sich erst kundtun, wenn man sie z. B. als Hilfebedürftiger in Anspruch nehmen darf. So gesehen ist auch der Kümmel kein oberflächliches Wesen. Er hat eben mehr zu bieten als bloß seine Samenkörner.

Unterirdische Zugabe

Hat jemand bei sich im Garten den Kümmel den Sommer über im Beet gezogen, um von ihm eigenhändig die Samen zu ernten, der kann danach herangehen, die Wurzeln der Stauden auszugraben und zu waschen. Die Kümmelwurzeln lassen sich nämlich durchaus kochen und als spezielles Gemüse verwenden. Sie schmecken sehr fein und sind vor allem für den Magen recht bekömmlich und leicht zu verdauen.

Echter Kümmel oder Carum Carvi ⓒ wikimedia.commons





Fruchtige Nervennahrung

Brombeeren frisch genießen

Es findet gerade eine Veränderung statt. Wer die Jahreszeiten genau verfolgt, hat es bereits bemerkt. Der Sommer lehnt sich Richtung Herbst. Die Tage werden kürzer und damit die Nächte kühler, was nur von Nutzen sein kann. Zusätzlich kommt das Fruchtende mehr zum Tragen als das Blühende, schlendert man gegenwärtig durch die Fluren. Und genau das ist es, was uns nun zuträglich sein kann. Die Brombeeren sind momentan die Regenten unter den aktuellen Gaben der Natur. Mit ihren Ranken haben sie sich einen Platz verschafft, den andere verschmähten. Dort haben sie die letzten Wochen sonnenhungrig ausgeharrt, um nun mit einem nicht zu verachtenden Ergebnis aufzuwarten. Zum Teil sind die Beeren schon überreif und der erste Schub an Brombeeren ist löblicherweise im Marmeladentopf oder im Entsafter gelandet. Immer wieder weise ich darauf hin, dass man Kräuter und Früchte nicht erst dann benützen soll, wenn sich ernstliche krankheitsmäßige Symptome zeigen. Vielmehr dürfen sie Begleiter sein, auf die man regelmäßig zurückgreift. Mit dem frischen Konsum von Brombeeren werden in den Körper nicht bloß Vitamine, Spurenelemente und Ballaststoffe eingebracht. Die körpereigene Immunkraft wird ebenso gestärkt. Es ist doch jedes Jahr von neuem schön, auf ein frisches und in den meisten Fällen auch kostenloses Angebot zurückgreifen zu dürfen, das uns allen guttut. Drum: Augen auf und dankbar feststellen, dass uns die Sympathie des Schöpfers gerade in dem aufstrahlt, was am Wegrand oft gering und alltäglich zu sein scheint.

Die Nerven stärken

Brombeeren dürfen ruhig auch am Abend gegessen werden. Einige Zeit vor dem Schlafengehen kann man also zur Saison der reifen Früchte ein paar Esslöffel voll davon schnabulieren. Oder man trinkt ein wenig naturreinen Brombeersaft. Dies wiederum ist günstig, bevor man das Frühstück zu sich nimmt. In jedem Fall unterstützt man dadurch die Nerven, ohne auf zeitweilig belastende Pharmaka zurückgreifen zu müssen.

Brombeere ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Aktuelle Anfrage Halsweh

Die Käsepappel verwenden

Grad in der Früh noch fragte mich eine Bekannte, was sie denn tun könne, um ihren Hals wieder einsatzfähig zu machen. Genau genommen handelt es sich bei ihr um einen leichten Schmerz durch eine Entzündung, die sich anscheinend über Nacht eingestellt hat. Folglich klingt nun ebenso ihre Stimme rauer. Immer wieder werde ich gebeten, in verschiedensten Anliegen ein ganz konkretes Kraut zu nennen, das dem einen oder der anderen weiterhilft. So will ich heute ein Gewächs anführen und damit eine Antwort geben. Es ist die Kleine Käsepappel (Malva neglecta), die niedrig am Boden wächst. Sie beinhaltet Schleimstoffe, sogar Vitamin C und darüber hinaus Gerbstoffe und ätherisches Öl. Wie alle Malven so ist auch die Käsepappel wertvoll, wenn die Atemwege entzündet sind. Zudem kann man diese Pflanze verwenden, wenn der Magen oder der Darm nicht einwandfrei funktionieren. Das Sammelgut der Käsepappel sind die Blüten und die Blätter des frischen Krautes. Letztere werden an ganz sonnigen und trockenen Tagen geerntet und anschließend zum Trocknen aufgelegt. Damit hat man ein sehr vielseitig verwendbares Hausmittel parat, um es einsetzen zu können. Ein Umstand, der mit eher feucht-kalten meteorologischen Verhältnissen einhergeht, ist die Entzündung des Rachens bzw. des Halses. Die damit verbundenen Schmerzen sind wahrscheinlich vielen von uns mit den daraus resultierenden Schluckbeschwerden nichts Fremdes. Um dem wiederum Abhilfe zu schaffen, ist es klug, zur Käsepappel zu greifen und sie als linderndes Kraut mitsamt ihren Wirkstoffen zum Tragen kommen zu lassen. Übrigens tut das zugleich der Stimme gut, die ebenfalls von dem Kraut profitiert.

Gurgeln mit Käsepappel

Auch wenn sich ein Tee, der mit dem getrockneten Kraut der Kleinen Käsepappel zubereitet wird, als begleitendes Getränk während einer Erkältung bewährt, kann man genauso damit gurgeln. Das ist vor allem bei einem entzündeten Hals angeraten. Und so geht man vor: Man nimmt besser 2 gehäufte Teelöffel von Blättern und Blüten der Käsepappel, gibt sie in 1/4 Liter kaltes Wasser und lässt es 2 bis 10 Stunden lang stehen, wobei man öfters umrührt. Danach seiht man den Ansatz ab und erwärmt ihn auf ca. 35° C. In regelmäßigen Abständen am Tag damit gurgeln.

Käsepappel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Tiere sind Mitgeschöpfe

Ihnen mit Goldrute beistehen

Wenn ich mit Interessierten Kräuterkunde betreibe, so ist es mir je neu ein besonderes Anliegen, die Gesamtzusammenhänge dieser unserer geschaffenen Welt zu betrachten, bei dem ein einziges Individuum in Form einer Pflanze durchaus eine Rolle spielen kann. Es ist meiner Meinung einfach zu wenig, sich nur auf die Inhaltsstoffe eines Gewächses zu beschränken. Die Tiere dürfen in diese Überlegungen ruhig miteinbezogen werden. Doch bleiben wir vorerst bei einem heimischen Heilkraut. Die Echte Goldrute (Solidago virgaurea) findet sich in freier Natur in der Nähe des Waldes auf Schlägen und Wegrändern und wagt sich auch in einen lichten Bestand desselben vor. Mit ihren gelben Blüten verkörpert sie den Frohsinn und die Heiterkeit. Neben ihren schleimlösenden und entzündungshemmenden Eigenschaften ist ihr auch besonders eine wassertreibende Wirkung eigen. In vielen Gärten und rund um die Siedlungen finden wir eine Verwandte der heimischen Art vor, bei der es sich meist um die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis), seltener um die Riesen-Goldrute (Solidago gigantea) handelt. Diese Gewächse beinhalten sehr ähnliche Stoffe wie die Echte Goldrute. Dennoch sollte man der heimischen Spezies in der naturheilkundlichen Verwendung den Vorrang geben, insbesondere dann, wenn es gilt, die Funktion der Blase sowie der Niere nach einer Beeinträchtigung ins rechte Lot zu bringen. Und was eben für den Menschen von Nutzen sein kann, sollte man genauso den Tieren in unserer Obhut zugestehen. Immerhin teilen sie das Leben mit uns und können uns helfen, dem Sinn und Wert des Lebens oft ganz spontan und unverhofft auf die Spuren zu kommen.

Goldruten-Tee für Vierbeiner

Bei den felltragenden Mitbewohnern unseres Hauses kann ebenso der Fall eintreten, dass sich die Nieren und die Blase entzünden oder anderweitig erkranken. In der Regel vermag dies der Tierarzt am besten zu diagnostizieren. Um diesen Umstand wiederum zu bessern, kann es von Nutzen sein, auch mit der Goldrute dabei vorzugehen. 1 Teelöffel von einem getrockneten und zerkleinerten Gemisch aus Blättern und Blüten der Goldrute wird mit 1/8 Liter kaltem Wasser zugestellt. Kurz aufkochen und dann 5 Minuten ziehen lassen. Den lauwarmen Tee am besten mit einer nadellosen Spritze aufziehen, um es Hund oder Katze in mehreren Portionen tagsüber behutsam in den Mund einzuflößen.

Echte Goldrute ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Sinnbild für Maria

Die Weiße Taubnessel

Heute feiern wir den Großen Frauentag, der besser unter dem Namen Mariä Himmelfahrt bekannt ist. Seit jeher werden in der darstellenden Kunst Pflanzen als Sinnbilder für die Gottesmutter verwendet und der Himmelskönigin an die Seite gestellt. In diesem Zusammenhang kennen viele sicherlich die „Rose ohne Dornen“. In Anlehnung daran möchte ich an die Weiße Taubnessel (Lamium album) denken, die buchstäblich im Schatten ihrer viel häufiger benutzten und daher prominenteren Kräuterkollegen steht. Ihre Blüten erscheinen wie ein reines Gewand. Und weder bedrohlich noch groß bezeichnet schon im 13. Jahrhundert der gelehrte Bischof Albertus Magnus unsere bescheidene Freundin aus dem Pflanzenreich. Vor der Brennnessel hat man immerhin Respekt und hält den gebotenen Abstand ein, um nicht mit einem Schmerz auf der Haut des Weges zu ziehen. Doch nur das Äußere erweckt bei der Weißen Taubnessel einen gefährlichen Schein. In Wirklichkeit zählt diese Heilpflanze zur großen Familie der Lippenblütler, was man schon beim Betrachten ihrer schönen Blüten erkennen kann. Diese enthalten Gerb- und Schleimstoffe, verschiedene Säuren und Flavonoide sowie Iridoide. Wenn die Taubnesseln im Frühling frisch austreiben, kann man sie Salaten als gesunde Ergänzung beifügen und damit den Darm stärken. Interessant ist zudem, wie sich Taubnesseln verbreiten lassen. Sie nehmen die Ameisen zu Hilfe, welche die reifen Nüsschen des Heilkrauts samt einem eingebauten Öltropfen als Delikatesse schätzen und daher über weite Strecken transportieren. Doch kehren wir zurück zu unseren gesundheitlichen Anliegen und im speziellen zu unserer Haut, an der man nicht nur Leiden und Kummer, sondern vieles andere mehr ablesen kann. Nach dem Sommer hat vor allem die Sonne unsere Schutzschicht am Gesicht herausgefordert.

Frühstückstee für Gesicht und Haut

Das frische und zerkleinerte Kraut der blühenden Weißen Taubnessel kann man mit getrockneten und ebenfalls zerkleinerten Walderdbeerblättern abmischen. 2 Teelöffel davon mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Abseihen und mit etwas Honig süßen. Diesen Tee gleich morgens genießen. Das hilft mit, das Blut zu reinigen, überschüssige Harnsäure abzuführen und ebenso den Stuhlgang zu erleichtern. Man kann ruhig 3 Wochen hindurch eine derartige Kur durchführen.

Weiße Taubnessel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Klüger in die Zukunft gehen

Labkraut kann den Schweiß mindern

Nach einer Reihe von Hitzewellen tut es vielen von uns einfach gut, wieder klimatisch gemäßigtere Zeiten erleben zu dürfen. Gerade in städtischen Gebieten kommt es innerhalb der berüchtigten Sonnenperioden auch nachts kaum zu einer spürbaren Abkühlung. Verantwortlich dafür sind der aufgeheizte Beton und der warme Asphalt auf den Straßen, die mehrstöckige Bauten selbst nach Sonnenuntergang immer noch mit abstrahlender Wärme beschicken. Den Sommer schätzt hingegen alljährlich das Echte Labkraut (Galium verum). Auf den Wiesen und Feldrainen streckt es sich förmlich den gleißenden Strahlen vom wolkenlosen Himmel entgegen, nicht ohne dankbar für andere Gewächse in der nächsten Umgebung zu sein, an denen es sich abstützen und hochranken kann. Das Labkraut besitzt nämlich eine grazile Statur. Sobald ich dieses liebenswerte und honiggleich duftende Kraut in der Natur beim Spazierengehen entdecke, sinniere ich über die Tugend der Einfühlsamkeit, die gerade in ihren feinziselierten Trieben und Blüten bildlich zum Ausdruck kommt. Und in Wahrheit wirken die Inhaltsstoffe des Labkrautes stärkend und wohltuend auf sämtliche Drüsen unseres Organismus. Das kommt einem u. a. zugute, wenn man Probleme mit dem nächtlichen Schwitzen hat. Denn der für den Kreislauf so notwendige Schweiß wird nirgendwo anders produziert als eben in den dafür vom Schöpfer vorgesehenen Drüsen, die in unserer Hautschicht sitzen. In der kalten Jahreszeit kann es leider ebenso vorkommen, dass der Nachtschweiß ein Problem bleibt, vor allem dann, wenn man in geheizten Räumen die Nachtruhe verbringt. Dagegen lässt sich jedoch etwas mithilfe des Echten Labkrautes unternehmen.

Labkraut mit Salbei kombinieren

Von getrockneten Triebspitzen und Blüten, die zuvor zerkleinert wurden, nimmt man 2 Esslöffel voll und vermischt sie mit derselben Menge zubereiteter Salbeiblätter. Diese Mischung wird nun mit 1 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Kurz vor dem Schlafengehen kann man den gesamten Körper damit einreiben. Nicht nachtrocknen, sondern von selbst einziehen lassen. In der Früh nach dem Aufstehen erneut durchführen. Der hier geschilderte Aufguss wird noch um eine Spur wirksamer, indem man ihm 1 Esslöffel Wein- oder Apfelessig beifügt.

Labkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





In der Natur umschauen

Wegerich & Co bei Insektenstichen

Gerade kommen wir von einer Kräuterwanderung nach Hause. Wir, das sind die Teilnehmer eines Sommerseminars in Karlstein, das sich mit den praktischen und geistigen Dimensionen der Heilpflanzen auseinandersetzt. Der Umstand, dass sich eben ein Gewitter im Westen zusammengebraut hat, zwingt uns, die Route zu verkürzen und früher heimzugehen. Die schwüle Luft hat auch weitere unangemeldete Gäste auf den Plan treten lassen. Des Nächtens haben schon die Gelsen ihren Blutdurst zu stillen versucht. Die Wegericharten (Plantago) waren beim Rundgang ein Thema. Ihre heilsamen Kräfte werden oft bei Atemwegsbeschwerden eingesetzt. Doch Entzündungsherde können auch animalische Ursachen haben. Und so stehen direkt vor Ort der Breit- und der Spitzwegerich zur Verfügung. Der Spätsommer ist auch die Zeit der Wespen, Hornissen und Bienen, die sich im Fall einer Bedrohung durch einen Stich wehren wollen. Weiters sind es die Bremsen, Mücken und Zecken, die durch die Haut an die nächstgelegene Ader gelangen möchten. Egal, ob Biss oder Stich: beides hat schmerzhafte und juckende Folgen. Vor einem sommerlichen Spaziergang kann man also vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Der Saft von Petersilie z. B. kann als Abwehr gegen Mücken und Zecken eingesetzt werden, wenn man damit die Haut einreibt. Ein Lavendelöl-Auszug steht ebenfalls zur Verfügung, um damit unsere äußerste Schicht vor Insekten zu schützen. Eine Komposition aus verschiedenen pflanzlichen Ölen dient darüber hinaus, in den Zimmern eine Atmosphäre zu schaffen, die den beflügelten Plagegeistern einen duftenden Hinweis gibt, den Hausfrieden zu respektieren. Den „Ätherischen Insektenschutz“ und den Lavendel-Ölauszug kann man im Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein/Thaya beziehen (Tel. 02844/7070-11 od. -31; E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at oder im Webshop: www.kraeuterpfarrer.at)

Grüne Hilfe nach Stichen

Die Blätter von Breit- oder Spitzwegerich ein wenig andrücken und auf der Einstichstelle verreiben, das wirkt lindernd und hält die Entwicklung einer Entzündung von vornherein zurück. Ein Melissenblatt tut ebenso das Seine in dieser Richtung. Generell ist es vernünftig, eine Zwiebel in zwei Hälften zu schneiden und vor allem bei Bienen- und Wespenstichen gleich auf die schmerzende Einstichstelle zu legen. Allergiker hingegen, die auf Insektenstiche stark reagieren, sollten nach einer Attacke umgehend den Notarzt rufen.

Breitwegerich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Schweiß lass nach

Birkenrinde für die Füße

Über den Mangel an Wärme brauchen wir uns im heurigen Jahr gewiss nicht beklagen. Die Folgen sind vielfältig und können für ganze Regionen katastrophale Auswirkungen zeitigen, wie uns die Bilder der Medien all jenen nahebrachten, die nicht direkt von Unwettern betroffen waren und sind. Viel harmloser ist dagegen die Transpiration, mit der wir wohl oder übel zurechtkommen müssen. Verlangt z. B. der Beruf geschlossenes Schuhwerk, so leiden die Füße unter einer erhöhten Feuchtigkeit, die kaum eine Chance hat, zu entweichen. Die Birken (Betula pendula) haben unter diesem Aspekt jedoch etwas anzubieten. Deren Baumstämme stehen nun mit ihrer weißen Außenhaut oft inmitten der Wälder. Gewiss teilen sich die stramm aufstrebenden Gewächse, deren Außenzweige schleierartig von den Ästen herabhängen, ebenso den menschlich kultivierten und gestalteten dörflichen und städtischen Lebensbereich mit uns. Von den Birkenblättern wissen wir, dass sie mithelfen können, den Körper zu entgiften und zu entschlacken, sobald sie naturheilkundlich verwendet werden. Das trifft ebenso für den Birkensaft zu, der im zeitigen Frühjahr von den Stämmen der Birken direkt gezapft wird. Um jedoch den Füßen eine zeitgerechte gute Behandlung zukommen zu lassen, dürfen wir uns der Rinde bedienen, die eigentlich das ganze Jahr über von daumendicken Birkenästchen geerntet werden kann. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, das Aufstehen am Morgen mit genügend Zeit zu versehen, so dass der Tag mit einer Wohltat beginnen darf, die man sich selbst gönnt und das eigene Wohlbefinden zu steigern vermag.

Fußbad mit Rindendroge

Von frisch geernteter oder getrockneter Birkenrinde, die von dünnen Ästen geschält wurde, setzt man 75 g über Nacht in 1 Liter kaltem Wasser an. In der Früh aufkochen und dann dem Fußbad beigeben, das gleich nach dem Aufstehen durchgeführt wird. Diese Anwendung reguliert die Schweißproduktion der Füße. Wie gesagt: Genug Zeit dafür einplanen, denn im Vorübergehen wird es nicht gelingen, die Wirkstoffe der Birke an den Fuß zu bringen.

Birkenblätter ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya