Ein Dessert kreieren

Selbst Rotklee ist dafür geeignet

Was könnte es Besseres geben, als den berühmten „Nachschlag“ in Form eines cremig-eisigen oder süßen schlagobersbedeckten Backwerkes? Voraussetzung dafür ist lediglich, dass der Magen noch Platz dafür hat. Die Frage nach einer ausgewogenen Ernährung müssen wir dabei wohl oder übel beiseite lassen. Oder doch nicht? Blicken wir kurz einmal auf das, was die Beschaffenheit des Bodens aufbessert. Der Rot- oder Wiesenklee (Trifolium pratense) hat hier eine besondere Bedeutung wie auch praktisch alle seine Verwandten, die gerne zur Gründüngung herangezogen werden. Wie der Name seiner Pflanzenfamilie bereits verrät, erkennt man den Rotklee an den purpurroten Schmetterlingsblüten, die sich auf kleinen Köpfchen vereinigt befinden. Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis September. Als Futter trägt der Klee bei den Tieren dazu bei, dass diese zu gesteigerten Kräften und zu mehr Leistung kommen. In der Naturheilkunde dürfen wir ebenfalls auf eine gute Erfahrung mit dem Rotklee zurückschauen. Heute wird er vor allem dazu eingesetzt, um mittels pharmazeutischer Präparate, die aus dieser Wiesenpflanze hergestellt werden, den Frauen in der Menopause zu helfen, die damit verbundenen Symptome wiederum abzuschwächen. Generell wirkt der Rotklee auch entgiftend und beruhigend. Und abseits jeder gezielten medizinischen Verwendung möchte ich einladen, doch einmal einen durchaus gesundheitsfördernden „Nachschlag“ in Form eines Desserts auszuprobieren, solange der Rotklee noch in der Blüte steht. Und eigentlich geht es ganz einfach, dieses zuzubereiten.

Nachspeise aus Rotklee

In eine Schüssel gibt man eine Handvoll frisch abgezupfter Rotklee-Blüten. Dazu reibt man ein Stück einer jungen zarten Karotte. Einen Teelöffel Honig als Draufgabe und zum Verfeinern des Ganzen einen vollen Esslöffel Fruchtmus oder Marmelade beifügen. Dies kann aus Äpfeln, Brombeeren, Preiselbeeren oder Schwarzen Johannisbeeren gemacht worden sein. Nun alles miteinander gut abrühren und mit einer Blüte des Rotklees oder einer anderen essbaren Blüte der eigenen Wahl ansprechend garnieren. Dieses Dessert belastet die Verdauungsorgane nicht, sondern bietet im Gegenteil dazu der Leber, der Galle und der Milz eine natürliche Unterstützung.


Rotklee ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein duftendes Erlebnis

Der Wilde Majoran und eine fettige Haut

Eintauchen in eine andere Welt! – Das ist es, was viele Reisebüros ihren potenziellen Kunden zu suggerieren versuchen, wenn ihre Angebote mit den dementsprechenden Bildern von weißen Stränden und blauem Meer, das ein ebenso blauer Himmel überwölbt, angereichert werden. In der Sorge um die eigene Haut möchte ich aber ein ganz anderes und zudem kerosinsparendes Szenario aufwerfen. Wir brauchen dafür nicht weit zu gehen. Dort, wo man den Pflanzen in der Natur quasi freien Lauf lässt, hat auch der Wilde Majoran (Origanum vulgare), der des weiteren Dost genannt wird, eine Chance, zu überleben und vielmehr noch zu seiner Entfaltung zu kommen. Die Böschungen und Wegränder des heurigen Sommers waren in meiner unmittelbaren Heimat ganz besonders reich bestückt mit dem fein aromatischen Gewürzkraut, das so manchen von der Liste der notwendigen Zutaten für eine schmackhafte Pizza bekannt sein dürfte. Mit dem Dost ist aber ebenso ein wohltuender naturheilkundlicher Gewinn verbunden, der über die Haut und auf ihr selbst abgerufen werden kann. So sind in seinen Blüten und Blättern durchaus antiseptische Kräfte enthalten. Darüber hinaus wirkt sich die Anwendung des Gewächses stärkend auf die Leber aus. Und schlussendlich erweist sich der Wilde Majoran auf Leib und Seele krampflösend und beruhigend. Auf eine eher fettige Haut wiederum hat es reinigende und straffende Folgen, wenn sie mit den Wirkungen des besagten Heilkrautes in Berührung kommt. Also sollte man, solange der Dost noch in Reichweite ist und dort grünt und blüht, in eine gesundheitsfördernde Wirklichkeit eintauchen. Voraussetzung dafür ist bloß eine Badewanne und genügend Zeit, um sich eine Wohltat für Haut, Leib und Seele zu gönnen.

Baden samt Aroma

150 g vom frischen oder getrockneten blühenden Kraut des Wilden Majorans werden mit 2 Liter kochendem Wasser übergossen. 1/2 Stunde zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Den Pflanzenrückstand nochmals mit 1 Liter heißem Wasser überbrühen, umrühren erneut abseihen und das Kraut zusätzlich auspressen. Dann gemeinsam mit dem ersten Aufguss in die vorbereitete Wanne gießen. 20 Minuten darin baden.


Dost oder Oregano ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Je nach Vorliebe

Die Schafgarbe in Form eines Auszuges

Der Hohe Frauentag, das Fest Mariä Himmelfahrt also, ist schon wiederum Geschichte. Und damit auch der Brauch, die Kräuterbüscherl zu segnen und zu verteilen. In meiner Pfarre Harth waren in den Tagen zuvor zahlreiche emsige Hände zugange, um genügend Gebinde duftender Art bereitzustellen. Ich staunte nur so, mit welchem Enthusiasmus sich die Damen dabei ins Zeug legten. Dabei wurde auch das eine oder andere Gewächs eingebracht, das vielen neu war. Ein Kraut, das hingegen einen hohen Bekanntheitsgrad genießen darf, ist die Schafgarbe (Achillea millefolium). Und das nicht zu Unrecht. Sie kann dem menschlichen Organismus an vielen Stellen ihre heilvollen Dienste anbieten. Geht man über eine Wiese, erblickt man gar nicht selten den weißen Blütenschirm einer Schafgarbe. Dabei handelt es sich um ein Mitglied der großen Pflanzenfamilie der Korbblütler (Asteraceae). Jetzt ist immer noch eine gute Zeit, das Kraut mitsamt den Blüten zu ernten. Die Pflanzenteile der Schafgarbe beinhalten Mineral-, Bitter- und Gerbstoffe und haben daher eine entzündungsmindernde und keimtötende Wirkung. Mit ihren Mineralstoffen wiederum stärken sie den Leib, und das ätherische Öl der Schafgarbe lockert so manche Krämpfe. Wer also selbst darangehen möchte, um sich die Schafgarbe für den Hausgebrauch aufzubereiten, kann dies mittels eines Auszuges tun, der auf zweierlei Art hergestellt werden kann. Gelegenheit der Anwendung sind dann nicht nur Hautkrankheiten oder Venenentzündung, sondern ebenso Leiden wie Kopf- oder Muskelschmerzen. Vielleicht lugt ja bei manchen der getrocknete Blütenkopf einer Schafgarbe aus einem gesegneten Kräutersträußchen heraus. Grund genug, um sich daran erinnern zu lassen, mit dem Kraut etwas anzufangen.

Schafgarben-Auszug

Mithilfe des frisches oder getrockneten Krautes der Schafgarbe lässt sich ein Auszug zubereiten, der entweder fetter – oder besser gesagt: öliger – Natur sein kann oder mithilfe eines alkoholischen Obstbrandes hergestellt werden kann. In beiden Fällen setzt man die Pflanzenteile 14 Tage lang in einem Verhältnis 1 : 4 (= Olivenöl oder Alkohol) darin an, seiht es schlussendlich ab, um es extra abgefüllt aufzubewahren. Dann hat man es beim Auftreten oben geschilderter Leiden bereits zur Hand.


Schafgarbe ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mit leichtem Druck

Brennnessel als Verbesserer der Haut

Es gibt zwei Möglichkeiten, einem Gewächs, das mit dem kaum je gerechtfertigten Titel Unkraut bedacht wird, zu begegnen: entweder wir ärgern uns über dessen Präsenz und suchen diese zu vernichten oder wir entdecken dessen Wert, der uns in manchem weiterhelfen kann. Gewiss ist die Große Brennnessel (Urtica dioica) eine äußerst starke Pflanze, die sich sehr wohl an ihrem Standort zu behaupten weiß. Beim Umgraben des Gartenbodens, das im Herbst oder im nächsten Frühjahr wiederum angesagt sein kann, wird man zweifelsohne an den verzweigten und starken Wurzeln der Brennnesseln ablesen können, dass es sich hier nicht unbedingt um einen floralen Duckmäuser handelt. In der Heilwirkung erweist sich das bewaffnete Kraut ebenfalls als stärkend und reinigend, als blutreinigend und stoffwechselanregend. So kann man also in diesen Anliegen getrost auf die Brennnessel zurückgreifen und ihre getrockneten Blätter in Form eines Tees aufbereiten und innerlich zur Anwendung bringen. Mit unserer Haut begegnen wir ja der Brennnessel nur ungern, da sie sich bei der Berührung ihrer oberirdischen Wuchsteile spürbar zur Wehr setzt. Dennoch können wir auch diesem Heilkraut etwas Positives in Bezug auf unsere äußere Schutzschicht abgewinnen. Es erweist sich nun einmal nicht jeder von uns als Dickhäuter, an dem das Negative, das von außen an ihn herantritt, einfach wie ein Becher Wasser abrinnt, ohne Spuren zu hinterlassen. In ihrer rein physischen Beschaffenheit tragen gar nicht so Wenige eine eher empfindliche und gleichzeitig trockene Haut am Körper, die ab und zu der Unterstützung und der vermehrten Zuwendung bedarf. Also, schauen wir einmal, was wir in diesen Fällen mit der Brennnessel machen können.

Kompressen am Abend

Zuerst pflückt man eine kleine Menge von frischer Brennnessel-Triebspitzen und zerkleinert dieselben mithilfe eines Messers. Dann nimmt man 2 Esslöffel davon, um sie in 1/2 Liter Wasser kurz aufzukochen. Danach abkühlen lassen und abseihen. Mithilfe der Brennnessel-Abkochung bringt man am besten abends vor dem Schlafengehen Kompressen auf der Haut an, um diese zu festigen und zu stärken.


Brennnessel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Haltung bewahren

Die Königskerze stärkt Seele und Leib

Wenn man eine bestimmte Haltung einnimmt, so meint man in der Regel damit ein aufrechtes Stehen, ein anbetendes Knien oder ein gemütliches Kauern auf einer Couch. Gleichzeitig wird damit ebenfalls eine geistige Position benannt, von der aus man so manches beurteilt und sich demgemäß entsprechend gegenüber Menschen oder politischen Anschauungen verhält. In der Königskerze (Verbascum densiflorum) begegnet uns auf jeden Fall ein pflanzliches Mitgeschöpf, das ein beispielgebendes Gewächs in mehrerlei Hinsicht sein kann. In erster Linie weist ihr aufwärtsstrebender Wuchs eindeutig Richtung Himmel. Von dorther bezieht sie auch ihre Kraft, denn ohne Wärme und Licht, die seitens der Sonne auf die Erde treffen, würde sie kümmern und kaum zur Entfaltung kommen. Mittels ihrer Wirkkräfte transformiert sie dann gleichsam die vorhandene sommerliche Energie und speichert sie, damit wir uns zeitweise ihrer bedienen. So sehr die Wollblume, wie dieses Kraut auch gerne bezeichnet wird, für das Ausheilen entzündeter oder verschleimter Atemwege herangezogen wird, sollte man dennoch die Bandbreite ihrer heilsamen Effekte nicht unterschätzen. Generell sprechen wir von einer blutreinigenden, harntreibenden, auswurfsfördernden und beruhigenden Wirkung, wenn wir über die Königskerze sprechen. Darüber hinaus erweist sich diese Heilpflanze als erweichend auf die Haut, die Muskeln und das Gemüt. Auf physischer Ebene können nun Muskelkrämpfe verschiedenster Art oder schwer ausheilende Wunden schmerzende Schwierigkeiten bereiten. Gleichzeitig wirken sich schwer zu bewältigende Lebenssituationen einengend und verkrampfend auf unsere Psyche aus. In beiden Fällen erweist sich eine Verwendung der Königskerze als hilfreich, die sich eindeutig zur Lichtquelle der Sonne bekennt und unbeugsam ihr zustrebt.

Tee aus Königskerzenblüten

Die getrockneten Blüten der Königskerze werden im herkömmlichen Heißaufguss aufgebrüht und nach 15 Minuten nicht nur abgeseiht, sondern zusätzlich filtriert, da sie mit kleinsten Flimmerhärchen bestückt sind, die ihrerseits die Atemwege reizen können. Um sich körperlich und seelisch zu entkrampfen, kann man eine Zeitlang den Tee morgens und abends nicht nur trinken, sondern ihn ebenfalls für Körperwaschungen verwenden und die Heilkraft auch über die Haut wirken lassen.


Königskerze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Nerven zu Diensten

Hopfen als gute Unterstützung

Im Leben musst du es unbedingt zu etwas bringen! – Klingt uns dieser Apell nicht noch immer nach, wenn wir uns so mancher Ermahnung seitens unserer Eltern, Großeltern sowie unserer Pädagogen entsinnen? Gewiss haben wir dann mit zunehmendem Alter den nötigen Abstand samt einem gesunden Selbstbewusstsein errungen, selbst wenn sich die Vorstellung unserer Erzieher nicht erfüllt hat. Der Hopfen (Humulus lupulus) würde da schon eher dem geschilderten Wunschdenken entsprechen. Denn er bleibt nicht niedrig am Boden, sondern sein Wuchs strebt hoch hinaus. Das können wir ganz besonders an den eigens dafür geschaffenen Kulturen beobachten, deren Ertrag vor allem für das Brauen eines köstlichen Bieres benötigt wird. Nicht minder werden jedoch die weiblichen Blütenzapfen des Hanfgewächses für die pharmazeutische und vor allem für die naturheilkundliche Verwendung herangezogen. Als Hauptwirkstoffe, die in den Pflanzenteilen des kletternden grünen Artisten enthalten sind, gelten die beiden stickstoffreichen Säuren mit Namen Humulon und Lupulon. Hier erübrigt sich wohl der Hinweis auf den wissenschaftlichen Namen des Heilgewächses. Generell kann man sagen, dass sich die Verwendung des Hopfens nervenberuhigend, schmerzstillend, zusammenziehend, darmstärkend und auch harntreibend auswirkt. Um wiederum an den Eingang dieser Kolumne anzuknüpfen, bedeutet es durchaus eine Strapaz für unsere Nerven, wenn allzu hohe Erwartungen an uns herangetragen werden. Sollten wir diesen aus welchen Gründen auch immer nicht entsprechen können, geraten wir unweigerlich in einen Stress, der, je länger er andauert, auch negative physische Folgen zeitigen kann. Daher ist es sicher nicht schlecht, unser neurologisches Korsett zu stützen und zu festigen. Der Hopfen hilft uns dabei, so weit zu kommen.

Nerventee mit drei Kräutern

Von der getrockneten Kräuterware benötigen wir zu einer beruhigenden Teemischung folgende Anteile: Hopfenzapfen 3 Teile, Lavendelblüten 2 Teile und Schlüsselblumen-Blüten 1 Teil. Nach deren Abmengen nimmt man davon 2 Teelöffel, übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser und lässt den Aufguss zugedeckt 15 Minuten lang ziehen. Dann abseihen und ein wenig mit Honig süßen. Um die Nerven zu stärken, trinkt man diesen Tee am besten kurmäßig 3 Wochen lang, jeweils morgens und abends 1 Tasse.


Hopfen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





In Dankbarkeit zurückblicken

Mit der Engelwurz die Verdauung fördern

Gott sei Dank ist alles gut gegangen! Das können wir je neu sagen, wenn ein bestimmter Zeitabschnitt in Form eines Tages, einer Woche oder gar eines Jahres ohne gröbere Zwischenfälle vorüber gegangen ist. Wenn nun im Hinblick auf den Großen Frauen-Tag, den 15. August, bereits die Kräuterbüscherl zum Segnen vorbereitet wurden, so darf diese Dankbarkeit ebenfalls mitschwingen. Ein Kraut, nach dem in diesem Zusammenhang jedoch weniger gegriffen werden wird, ist die Echte Engelwurz (Angelica archangelica). Sie steht nun bereits majestätisch im Kräutergarten, da sie ebenfalls eine gute Zeit des Wachsens und des Reifens hinter sich hat. Damit wurden auch die gesundheitsfördernden Kräfte angesammelt, die uns in diesem Doldenblütler zur Verfügung stehen. Wir dürfen also dankbar zurückblicken, dass es in der Natur immer wieder wunderbar gefügte Zusammenhänge gibt, wo Menschen und Pflanzen nicht nur einander ergänzen, sondern jeweils einen hilfreichen Nutzen von einer gut gepflogenen Beziehung in Empfang nehmen können. So ist im Rückblick auch gleichzeitig ein Ausblick in die Zukunft möglich. Denn die Zeit des Spätherbstes lässt noch eine Weile auf sich warten. Dann erst wird es gut und ratsam sein, die Wurzel der anmutigen Heilpflanze auszugraben, zu reinigen und sorgfältig zu trocknen. Die Verdauung ist es und alles rundherum, was die Engelwurz auf gute Weise zu unterstützen weiß. Hat man also eine bereits aufbereitete Droge der unterirdischen Pflanzenteile der Heilpflanze parat, kann man sogleich darangehen, ein Hausmittel für den Magen und den Darm auf ganz einfache Art zuzubereiten. Dessen Verwendung hilft dann sicher mit, die Dankbarkeit besser zu pflegen und mit einem Kraut praktisch zu formulieren.

Hilfe für die Verdauung

Nach jeder guten Mahlzeit darf man ebenfalls zufrieden zurückblicken. Um jedoch deren Verarbeitung im Körper zu unterstützen, kann man die Engelwurz aufbereiten. Dazu werden 60 g der getrockneten und fein zerkleinerten Wurzel der Echten Engelwurz in 1 Liter trockenen Weißweines 14 Tage lang angesetzt. Danach abseihen, filtrieren und kühl stellen. Nach dem Essen lediglich 1 Esslöffel davon zu sich nehmen.


Echte Engelwurz ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine Wurzel kauen

Die Nelkenwurz stärkt den Mundbereich

Wer große Vorsätze schmiedet, der läuft leicht Gefahr, diese kaum oder gar nicht in die Wirklichkeit umzusetzen. Nach einem alten Sinnspruch soll der Weg zur Hölle damit gepflastert sein. Ich denke, wir haben alle eine einschlägige Erfahrung mit dem, was man tun könnte und was geschehen sollte und ebenso mit dem, was dann tatsächlich passiert. Das verhält sich genauso mit dem, was man sich im Zusammenhang mit Kräutern und einem gesünderen Lebensstil vornimmt. In der Echten Nelkenwurz (Geum urbanum) hat uns der Schöpfer ein Gewächs geschenkt, das wir nicht erst lange suchen müssen. In seiner bescheidenen Art wächst es gerne an den Wegrändern in lichten Wäldern zwischen anderen Pflanzen. Die Nelkenwurz zählt zur großen Familie der Rosengewächse. Schon Hildegard von Bingen nannte sie „benedicta“, also eine Gesegnete, und empfahl vor allem niedergeschlagenen Gemütern, des Öfteren einen Tee, der mit ihren Wurzeln aufgekocht wird, zu trinken. Heute wollen wir uns jedoch einer körperlichen Zone zuwenden, die ebenfalls unsere stete Fürsorge braucht. Denn der Mund beherbergt nicht nur für kürzer oder länger unsere Zähne, sondern ist mit seinen Schleimhäuten und Muskelpartien ein neuralgischer Bereich, der schon allein durch die Nahrungsaufnahme vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt ist. Und auch in Bezug auf dessen Gesund- und Reinerhaltung dürfen ruhig ganz kleine, aber regelmäßige Schritte umgesetzt werden, die nicht erst eine lange Planung benötigen. Da reicht es bereits, wenn man die getrocknete Wurzel der Nelkenwurz in greifbarer Nähe hat.

Mundpflege zwischendurch

Zwischen den Randzeiten unserer Wachphasen, die dem Zähneputzen gewidmet sind, kann man darüber hinaus noch dem Mund etwas Unterstützendes zukommen lassen. Von der getrockneten Wurzel der Nelkenwurz kaut man am besten kleine Stücke mehrmals am Tag. Das stärkt das Zahnfleisch und verbessert den Atem. Somit wird ebenfalls die Mundflora auf natürliche Weise in ihrem Aufbau gefördert, damit sie z. B. das Eindringen von schädlichen Bakterien vermehrt abfangen kann.


Nelkenwurz ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Epizentrum in der Seele

Mit dem Dill die Unruhe abfangen

Welche zerstörerische Kraft ein Erdbeben besitzt, zeigen uns je neu die Bilder, die postwendend über die Medien vor unsere Augen geliefert werden. Von zerstörten Städten bis hin zu unaufhaltsamen Tsunamiwalzen reicht die traurige Erfahrungsgeschichte der Menschheit, die solche tektonischen Bewegungen zurücklassen. Wir wissen leider genauso gut, dass es auch in unserem Inneren zu Erschütterungen kommen kann, die ihre Folgen zeitigen. Von Heilkräutern hingegen kennen wir beruhigende Wirkkräfte. Der Doldenblütler Dill (Anethum graveolens) ist mit Sicherheit ein Gewächs, dem seitens des Menschen schon seit Jahrhunderten viel zugebilligt wurde. So gibt es aus dem Mittelalter Überlieferungen, in denen das Dillkraut als abwehrender Schutz gegen Hexen und Zauberer beschrieben wird. Dazu hat man einfach ein Bündel des Gewürzkrautes über die Türen gehängt, um nicht Opfer einer bösen magischen Formel zu werden. Die tatsächliche naturheilkundliche Heilwirkung, die bei der Verwendung des Dills zu Tage tritt, lässt sich als appetitanregend, magenstärkend, schlaffördernd und krampfstillend beschreiben. Daher dürfen wir den Blick auf unsere Seele lenken, die nicht so sehr unter einem mirakulösen Zauber leidet, als vielmehr unter manchen Lebensumständen, die eine bittere Realität in der gegenwärtigen Lebensgeschichte vieler auf dieser Welt darstellen. In diesem Zusammenhang möchte ich darauf hinweisen, dass Heilgewächse durchaus in der Lage sind, uns kognitiv geprägte Wesen der Spezies Homo sapiens dahingehend zu unterstützen, damit wir das Leben mit seinen Schattenseiten nicht nur annehmen, sondern vielmehr auch meistern können. Einen kleinen Beitrag dazu vermag der Dill im Verbund mit anderen Kräutern zu liefern.

Die seelische Festigkeit unterstützen:

Die Mischung für einen beruhigenden Tee ist leicht hergestellt. Von Dillsamen nimmt man 2 Teile, ebenso von Anissamen und fügt noch 1 Teil getrockneter Kamillenblüten hinzu. Davon übergießt man 1 1/2 Teelöffel voll mit 1/4 l kochendem Wasser. Noch 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Bei einer inneren Unruhe, die sich auch nachteilig auf den Schlaf auswirken kann, trinkt man am besten am Morgen und am Abend je 1 Tasse dieses Tees, nachdem man sie mit etwas Honig gesüßt hat.


Dill ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Jugend in den Adern erhalten

Alternativkost mit Buchweizen

Nur ruhig Blut! – Erhitzte Gemüter sind oft schwer zu besänftigen, wenn einmal das sprichwörtliche Häferl übergegangen ist. Natürlich gibt es viele Gründe, warum der rote Lebenssaft ins Kochen geraten kann. Doch den Besonnenen gelingt es meist besser, gute und friedliche Wege zu beschreiten. Agilen und Unternehmungsfreudigen sagt man wiederum nach, dass sie junges Blut in den Adern fließen hätten. In diesem Zusammenhang fällt mir der Buchweizen (Fagopyrum esculentum) ein. Ursprünglich im östlichen Asien daheim, kam er bereits im Mittelalter nach Europa. Als Früchte trägt die einjährige Pflanze 4 bis 6 mm lange Nüsschen, die in ihrer Gestalt den Früchten der Rotbuche ähneln. Sie sind bestückt mit Phosphor, Kalzium, Eisen und Kupfer sowie mit Vitaminen. Buchweizen ist glutenfrei und daher gut verträglich für Menschen, die an Zöliakie leiden. Wenn es nun darum geht, eine gewisse Jugend in den Adern zu erhalten, dann dürfen die Blutgefäße an und für sich auch nicht übersehen werden. Und für beide Ziele kann man den Buchweizen ins gesundheitsunterstützende Blickfeld rücken. Denn es wirkt sich nun einmal positiv auf den gesamten Organismus aus, wenn die tägliche Ernährung möglichst abwechslungsreich gestaltet wird. Eine übermäßige Belastung der Verdauung an zu viel an Fleisch, Fett und Kohlehydraten ist niemals von Vorteil. Und so ist es recht, ab und zu den Buchweizen heranzuziehen, um mit ihm das tagtägliche Einerlei am Tisch aufzulockern. Indirekt wird durch dessen Verwendung die Zellstruktur der Blutgefäße verstärkt und somit bildlich gesprochen in ihrem Jungbleiben unterstützt. Das Gegenteil davon ist uns von zahlreichen Krankheitsbildern durchaus bekannt. Also, geben wir unserem Herzen einen Stoß und trachten wir nicht nur danach, in unserem Geist einen Alterungsprozess möglichst zu bremsen, sondern liefern wir auch dem Körper einen Anlass zu einer verbesserten und frischeren Konstitution.

Mit Buchweizen kochen

In der Zubereitung geht man mit dem Buchweizen wie mit dem Reis um und kann abwechselnd zu diesem auf dem Tisch landen. Er lässt sich ebenfalls mit Salaten und Topfenkäse kombinieren und so manche Zwischenmahlzeit anreichern. Nicht zu vergessen sind weiters Gemüsesuppen, wo dieses Alternativkorn mit von der Partie sein darf. Übrigens profitieren jene, die unter einem erhöhten Blutdruck leiden, ganz besonders vom Konsum des Buchweizens.


Buchweizen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya