Voller Sonnenschein und Wirkkraft

Die Königskerze eröffnet heilsame Perspektiven

Wir müssen keine Wahrsager sein, um einen Blick in die Zukunft tun zu können. Denn so ungewiss auch vieles sein mag, was auf uns zukommt, so wissen wir doch gleichzeitig alle nur zu gut, dass wir in nahen sowie in fernen Tagen die Früchte unseres gegenwärtigen Agierens und Denkens ernten werden. Und wie sehr klaffen immer noch offene Wunden aus vergangenen Jahrzehnten rund um den Globus? Die Königskerze (Verbascum densiflorum) ist für mich persönlich eine sehr hoffnungsvolle Pflanze. Gerade jetzt in der winterlichen Gegenwart darf sie durchaus einen gewissen Vorzug genießen. All jene, die über eine entzündete und verschleimte physische Atemregion klagen, finden wahrlich einen ganz konkreten Ausweg, indem sie sich einen Tee aus getrockneten Blüten der Großblütigen Königskerze aufgießen und ihn als Trunk oder als Gurgelmittel heranziehen. Zu beachten ist dabei der Umstand, dass es für manche angebracht scheint, den Tee nach dem Ziehen-Lassen nicht nur abzuseihen, sondern auch zu filtern. Denn die feinen Härchen, die sich auf allen Pflanzenteilen des beliebten Sommerkrautes befinden, könnten ihrerseits einen Hustenreiz auslösen, der so jedoch abgefangen werden kann. Die Wirkkräfte der Königskerze helfen überdies mit, sämtliche Heilungsprozesse im Körper zu unterstützen und zu einem guten Abschluss zu führen. Es ist wohl für uns alle erstaunlich, wenn wir bedenken, dass sich die aufrecht wachsende Königskerze ganz bewusst der Sonne aussetzt und auf diese Weise als Speicher fungiert, den man gerade durch das Verarbeiten der getrockneten Blütendroge für Leib und Seele anzapfen und nutzen kann. Mit der Königskerze gelingt es einfach besser, einen hoffnungsvollen Blick in das Kommende zu wagen.

Wenn sich die Seele verkrampft:

Wir kennen die sogenannte Lichttherapie, die vor allem bei Menschen mit depressiven Zuständen als eine von mehreren Möglichkeiten angewandt wird. All jenen, die unter einer seelisch innerlichen Verkrampfung leiden und empfinden, so manche schwierige Lebenssituation nicht bewältigen zu können, rate ich, ebenso den lichtreichen Effekt des Trinkens von Königskerzentee, der im herkömmlichen Heißaufguss angerichtet wird, für sich selbst zunutze zu machen und eine Zeitlang öfters am Tag durchzuführen.


Königskerze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Von innen und von außen

Die Birke macht die Haut geschmeidig

Ein Staat versteht sich als gesellschaftliches Gebilde, das auf einer Landkarte eindeutig aufgrund seiner territorialen Grenzen identifiziert werden kann. Dies ist für all jene, die diesem kommunalen Zusammenhang angehören genauso von Bedeutung als ebenso für jene, die sich außerhalb dieses Gebietes aufhalten. Der Leib kann im übertragenen Sinn durchaus damit verglichen werden. Jedoch das, was diesen zusammenhält und gegenüber seiner Umwelt abgrenzt, ist die Haut. Bei einem Baum wie der Birke (Betula pendula) ist es am Stamm und an den Zweigen die Rinde, die als eine ähnliche Schutzzone fungiert. Im Gegenzug liefert meiner Meinung nach gerade dieser häufige Baum mit seinen des Sommers raschelnden Blättern einen guten Vergleich zur Haut des Menschen. Damit ist in diesem Fall nicht die helle Farbe gemeint, die das Äußere der Birke so unverwechselbar auszeichnet. Vielmehr meine ich die Tatsache, dass es auch hier ganz feine Schichten gibt, die man wie ein feines Blatt Papier in Streifen abziehen kann. Bei der menschlichen Haut gibt es ganz verschiedene Typen. Ist die Haut äußerst trocken, so beginnt sie an mehreren Stellen zu schuppen. Die davon Betroffenen werden auch eher über einen Juckreiz klagen als jene mit einer fettigeren Leibesoberfläche. Die Hängebirke, die u. a. ebenfalls als Weißbirke bezeichnet wird, liefert alljährlich eine grüne Blätterpracht, die man seit alters gerne für Heilzwecke verwendet. Ein Tee aus diesen Pflanzenteilen erweist sich beim Konsumieren als harntreibend und somit als reinigend für Blut und Nieren. Weniger bekannt ist da schon die Tatsache, dass dieser Trunk die Absonderung des Gallensekretes fördert und somit eine gute Verdauung unterstützt. Und heute ist es mir wichtig, die gute Unterstützung der Birke für die Haut hervorzuheben.

Trinkkur und Waschung mit Birkenblättern:

All jene von uns, die unter einer sehr trockenen und daher gleichzeitig gesteigert empfindlichen Haut zu leiden haben, sei eine Maßnahme aufgezeigt, die ganz einfach umzusetzen ist. Aus getrockneten und zerkleinerten Blättern der Birke kann man einen Aufguss herstellen. Für 2 Esslöffel der Blattdroge verwendet man 1/2 Liter kochendes Wasser zum Überbrühen. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Einen Teil davon trinkt man über den Tag verteilt ungesüßt als Tee, der verbleibende Rest wird für Waschungen der Haut herangezogen.


Birkenblätter und -blüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine Prise aus einem Kraut

Basilikum bewährt sich bei Schnupfen

Den letzten Schnupfen hatte ich persönlich noch im alten Jahr. Seitdem rinnt meine Nase nur, wenn’s gar recht kalt um sie herum wird. Da ist es gut, wenn ein Taschentuch griffbereit steht, um das berühmte Tröpferl unter der Nasenspitze wegwischen zu können. Komme ich von einem winterlichen Spaziergang ins warme Zimmer heim, dann gehört es ebenfalls zum Ritus des Heimkommens, mich einmal kurz zu schnäuzen. Der Vorteil dessen ist die dadurch verbesserte Qualität des Geruchsinnes. Vom Basilikum (Ocimum basilicum) geht z. B. ein wunderbares Aroma aus, um das es schade wäre, es nicht auch über die eingeatmete Luft wahrnehmen zu können. Und welcher Koch oder welche Meisterin am familiären Herd würde nicht ein Lächeln auf den Lippen tragen, wenn man den Namen des bekannten Gewürzkrautes hört? Gerade dann, wenn die zubereitete Speise eindeutig eine mediterrane Provenienz aufweisen soll, ist die Verwendung des Basilikums fast unumgänglich. Es schmeckt nicht nur gut; es tut gleichzeitig dem ganzen Organismus wohl, wenn seine stärkenden Inhaltsstoffe über die Verdauung aufgenommen werden. Was an Aroma des Basilikums dem menschlichen Gaumen schmeichelt, das meiden wiederum lästige Fliegen, die ohnehin in den Küchen nichts verloren haben. Daher stellt man das Gewürzkraut sehr gerne in einem Blumentopf ans Fenster, um ebenfalls diesen Effekt nutzbringend einsetzen zu können. Für den eingangs erwähnten Schnupfen fällt übrigens auch etwas ab vom sonnenliebenden Lippenblütler königlicher Würde (im Wort Basilikum steckt der altgriechische Begriff des Königs „Basileus“ drinnen). Dazu sollte man aber eher auf die Blattdroge zurückgreifen, die ganz einfach herzustellen ist.

Basilikum-Pulver aufschnupfen:

Die Blätter des Basilikums samt dessen Blüten kann man trocknen, um sie u. a. auch als Teil einer Teemischung zu verwenden. Bei Schnupfen hingegen sollte man darangehen, die getrocknete Droge mittels eines Mörsers zu pulverisieren. Zur Erleichterung der gereizten Nasenschleimhäute kann man ein paar Mal am Tag eine kleine Prise des Basilikum-Pulvers in die Nase aufziehen, um so die heilende Wirkung des Krautes direkt an den Herd der Entzündung heranzubringen.


Basilikum ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kurz einmal untertauchen

Die Haut mit Spitzwegerich und Kornblumen konfrontieren

Erde, tu dich auf! – Hat es für jeden von uns schon einmal eine peinliche oder überfordernde Situation gegeben, in der wir uns nichts anderes wünschten, als einfach abzuhauen? Wir kennen dieses Phänomen meist jedoch nur von der Aufklärung krimineller Tatbestände, dass Verdächtige kurzerhand nicht mehr aufzufinden sind. Beim Aufspüren viel angenehmerer Zeitgenossen aus dem Pflanzenreich hingegen stoßen wir auf den Spitzwegerich (Plantago lanceolata) und auf die Kornblume (Centaurea cyanus). Die beiden haben nichts angestellt. Im Gegenteil: sie stellen sich gern an die sommerlichen Wegränder oder direkt darauf, damit sie nicht übersehen werden. Bei der Kornblume sind es die tiefblauen Blütenblätter, die uns je von neuem beeindrucken und erfreuen. Und beim Spitzwegerich wissen wir, dass er mit sehr kargem Boden zurechtkommt und sich ebenfalls zwischen die Grasbüschel auf einer Wiese hineinzudrängen weiß, weil er auch dort noch genügend Platz zum Existieren findet. In ihren Wirkstoffen können die beiden genannten Heilkräuter ein kongeniales Duo bilden. Gewiss darf man sich dieses durch einen Aufguss in Form eines Tees zunutze machen. Aber vergessen wir in der Sorge um unsere Gesundheit die Haut nicht, die als flächenmäßig größtes Organ unseres Leibes sehr wohl in der Lage ist, Heilsames aufzunehmen und weiterzuleiten. Dafür muss man eben nur einmal untertauchen. Jeder wird sich schon denken können, dass dafür nun das Wasser zur Verfügung stehen muss. Und genau das ist gemeint. Also, es sei allen gegönnt, sich zur Erholung kurz in die hauseigene Badewanne zurückziehen zu dürfen. Immerhin gibt es dann einen gesundheitsfördernden Profit und eine Zeit des Verschnaufens.

Badezusatz in Grippezeiten:

Eine Menge von 100 g getrockneter und zerkleinerter Spitzwegerichblätter werden mitsamt 50 g Kornblumenblüten mit 2 Liter kochendem Wasser übergossen und 20 Minuten zugedeckt ziehen gelassen. Danach abseihen und in die bereits gefüllte Wanne gießen. Ca. 15 Minuten darin baden. Die Beifügung dieses Absudes hat eine leicht zusammenziehende und antibakterielle Wirkung. Das tut gerade in den Zeiten gut, in denen der Körper mehr Widerstandskraft aufzubringen hat. Dann fällt es leichter, sich ansteckende Krankheiten wie Grippe oder Erkältungen vom Leibe zu halten.


Spitzwegerich ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Kornblumenblüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya3





Die Balance wiederherstellen

Bei Schwindel zur Dille greifen

Ein jedes Kleinkind weiß es: das Aufrechtstehen ist gar nicht so einfach, wie das die Großen oft meinen. Und dann noch das Gehen! Da muss man doch aufpassen, damit man nicht stolpert! Ja, wie leicht gerät dieser Lernprozess in Vergessenheit, wenn man einmal gut zu Fuß unterwegs ist. Oder erinnern wir uns doch nur daran, wie stolz wir waren, als wir endlich das Radfahren beherrschten und sogar dann noch die Balance halten konnten, als wir die Hände von den Lenkgriffen losließen. Das Dillkraut (Anethum graveolens) weist uns allein schon durch seine Wuchsgestalt auf ein sensibles und luftig leichtes Austarieren eines aufrecht stehenden Lebewesens hin. Der kräftige Stängel wird von einer Blüten- bzw. Samendolde bekrönt und seitwärts bilden sich die Blätter, die fiedrig fein anscheinend der irdischen Schwerkraft trotzen. Dieses Aufwärtsstreben wohnt uns Menschen ebenfalls inne, selbst wenn wir keine Wurzeln als Verankerung in der Erde aufweisen können. Umso staunenswerter ist da schon die Leistung unserer Füße, die mit einer relativ geringen Kontaktfläche zum Boden auskommen und immer im richtigen Moment den Druck des Körpergewichtes abfedern. Als Küchengemüse oder als Gewürz bewirkt das verwendete Dillkraut nicht nur den unverwechselbaren Geschmack als Beitrag für Soßen oder eingelegtes Gemüse. Es verhilft gleichzeitig zu einem inneren Ausgleich in den oft aufgewühlten Gemütern, die ein geschäftiger Alltag mit sich bringt. Mit dem Dillkraut dürfen wir aber von den eben bewunderten Gehwerkzeugen ans andere Ende des Körpers schwenken. Im Kopf wird so vieles gesteuert und dirigiert. Wir kommen ganz schlecht vorwärts, wenn dieser schmerzt oder gar mit Schwindel erfüllt ist. Eine gute Weise, um das angestrebte Gleichgewicht und ein Nachlassen der Pein herbeizuführen, kann der Griff nach der Dille sein. Nicht nur ihr Kraut ist von hohem Wert. Auch die Samenkörner bergen heilsame Stoffe.

Dillsamen aufbrühen:

Bei Kopfschmerzen oder bei Schwindelgefühlen kann man zu einem alterprobten Hausmittel greifen. 1 Teelöffel voll Dillsamen wird mit 1/4 Liter siedendem Wasser übergossen. Ca. 15 Minuten lang ziehen lassen und dann sehr warm und ungesüßt trinken. Das führt zu einer inneren Beruhigung des gesamten Organismus und zu einer Unterstützung des Gleichgewichtssinnes. Generell sollte man sich selbst aber auf jeden Fall genügend Zeit gönnen, die für diese Art der Regeneration vonnöten ist.


Dill ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine Winterkur für die Blase

Frauen profitieren von der Schwarzen Johannisbeere

Erinnerungen an den Sommer – so könnte durchaus ein emotionsbeladener Roman überschrieben sein. Seit 2012 trägt übrigens ein deutscher Kurzfilm von Friedrich Tiedtke genau diesen Titel. Mich inspiriert jene Formulierung jedoch, in den vorhandenen Speicher an getrockneten Blüten und Blättern der eigenen Hausapotheke zu blicken. Allein der Duft, der von diesen vorhandenen Drogen ausgeht, belohnt einen nostalgischen Blick in die Kräuterreserven. Beim Namen „Schwarze Ribisel“ gehen meine Gedanken zu den prallrunden Früchten, die nun in Form von Marmelade oder als erfrischender Saft nicht nur den Gaumen erfreuen, sondern zugleich immens dem leiblichen Wohlbefinden dienen. Vor allem der Fruchtsaft dieser Beeren zählt letztendlich zu den Klassikern eines gesundheitsbewussten Trinkens. Was einmal über die Nahrungsaufnahme in den Körper gelangt, wird dort nach Möglichkeit genützt und verwertet. Letztendlich wird alles im wahrsten Sinne Überflüssige wiederum ausgeschieden. Dieser Prozess verläuft in der Regel kontrolliert und geordnet. Jede Beeinträchtigung dieses in der Körpermitte angesiedelten Bereiches ist verständlicherweise den Betroffenen zuwider und äußerst unangenehm. Um bei der eben erwähnten Schwarzen Johannisbeere zu bleiben, möchte ich den Blick auf die Blätter der im Garten befindlichen Sträucher lenken. Ja, so gesehen darf es ruhig gute Erinnerungen an den vergangenen Sommer geben. Und vielleicht haben ja Vorausblickende nicht nur die Ribiseln abgepflückt, sondern auch die Blätter und sie getrocknet. Diese erweisen sich nun als wahrer Schatz.

Den Schließmuskel der Blase stärken:

Wenn vor allem Frauen unter einem geschwächten Schließmuskel ihrer Blase und dessen Folgen leiden, dann können sie zu einer bewährten begleitenden Maßnahme greifen. Mit einer Kur, die 6 Wochen lang durchgeführt werden kann, gießt man sich allmorgendlich und ebenso jeden Abend eine Tasse voll Tee mit getrockneten und zerkleinerten Blättern der Schwarzen Johannisbeere auf und trinkt diese nach dem Abseihen schluckweise, ohne sie mit Honig oder gar mit Zucker zu süßen. Diese Anwendung kommt dem Blasenbereich stärkend zugute.


Schwarze Ribisel ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Alternative Methoden ausprobieren

Die Kamille hat z.B. beruhigende Wirkung

Die Zeit zerrinnt uns offensichtlich zwischen den Fingern. Haben Sie schon gemerkt, dass das neue Jahr bereits ein kleines Stück weit hinter uns liegt? Und wie steht es um den Erhalt der Gesundheit? Welche Vorsätze haben da schon gegriffen? Am liebsten würden wir doch alle im Handumdrehen pumperlgesund sein und sämtliche Wehwehchen von uns weisen. Manchmal suggerieren uns Medikamente diesen Effekt. Aber beim Gesundwerden handelt es sich meistens um einen Prozess, der durchaus die oft rare Zeit benötigt. Die Kamille (Matricaria chamomilla) soll deswegen einmal mehr unsere Aufmerksamkeit erhalten. Sie ist eine wahre Helferin, wenn es um milde und naturkonforme Anwendungen geht, die vielen Organen und somit auch dem gesamten Leib zugute kommen. Sowohl äußerlich als auch innerlich können die Wirkstoffe des bekannten Heilkrautes dementsprechende Veränderungen bewirken. Kamillendrogen helfen mit, wenn man einen entzündungshemmenden, wundheilenden krampflösenden oder einen magenstärkenden Effekt anstrebt. Einen Aspekt sollte man dabei ebenfalls in Betracht ziehen: das ist die beruhigende Wirkung dieses Korbblütlers. In der Sorge um das Wohlergehen des ganzen Menschen sollte eben nicht nur der Leib isoliert behandelt und beobachtet werden. Die seelisch-geistige Festigkeit ist mindestens gleichwertig, da wir doch alle nicht nur gesund, sondern auch heil sein wollen. Und hier dürfen wir bei einem ganz wichtigen Kapitel beginnen, das unser Leben maßgeblich bestimmt: der gute Schlaf. Um diesen zu fördern, steht uns neben vielen anderen ausgleichenden und beruhigenden Kräutern die Kamille zur Verfügung. Deshalb muss nicht zu allererst gleich mit Tabletten vorgegangen werden, obwohl es auch bei Heilpflanzen gilt, sie mit Maß und Ziel anzuwenden.

Tee als Betthupferl:

Fühlt man sich nervlich ein wenig gereizt und hat dies unangenehme Folgen für das Einschlafen, so kann man darangehen, sich ca. 1 Stunde vor dem Zubettgehen eine Tasse Kamillentee aufzugießen und diese genüsslich zu trinken. Dies wirkt sich auf ganz natürliche Weise beruhigend und somit auch schlaffördernd aus. Nach 3 Wochen sollte man aber auf jeden Fall mit dieser Anwendung pausieren. Bei Kräutern gibt es ebenfalls Gewöhnungseffekte, die man durch achtsames Benützen vermeiden kann.


Kamille ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Der Wert einer Dekoration

Latschenkiefern besitzen heilkräftige Nadeln

Stellen wir uns einmal vor, auf der Erde würde alles uns Bekannte existieren mit Ausnahme der Pflanzen. Diese Fiktion ergibt auf der Leinwand unserer Phantasie ein recht trauriges Bild. Unsere grünen Mitbewohner sind nicht nur lebensnotwendig, sie kleiden den ganzen Planeten in ein stetig sich erneuerndes Gewand. Zur Weihnachtszeit dürfen überdies die Nadelgehölze mit ihren Zweigen im Dekorieren der humanen Lebens- bzw. Arbeitsbereiche den Ton angeben. Gewiss wird dabei die Latschenkiefer (Pinus mugo) nicht so sehr herangezogen wie etwa die Tanne oder die Fichte. Aber dennoch finden sich hin und wieder Türgestecke und das eine oder andere Schaufensterdesign, die mithilfe von Kiefernästen auf sich aufmerksam machen und ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Latsche wird auch Bergkiefer genannt, weil sie eben gerade mit den unwirtlichen Wetterbedingungen an der Baumgrenze besser zurechtkommt als ihre hochaufstrebenden Kollegen wie Rot- und Schwarzkiefer in seehöhenmäßig tieferen Lagen. Jetzt nach den Feiertagen werden nicht nur die Christbäume nach und nach entsorgt, es wird auch alles andere bereits für den kurzen diesjährigen Fasching gerüstet. So darf man sich angesichts dessen nach dem heilenden Wert der verschiedenen Nadelbäume mitsamt ihrem namensgebenden Grün fragen. Bei Tanne und Fichte fallen uns bestimmt gleich die Vorteile ein, die ihre Wipferln für unsere Atemwege mit sich bringen. Bei der Latschenkiefer kommt noch eine andere Wirkkraft hinzu. Diese bezieht sich auf den Magen, der sicherlich nach den vielen Feiertagen, an denen er ein üppiges Mahl nach dem anderen zu verarbeiten hatte, für eine stärkende Wohltat dankbar sein wird.

Latschen-Wein ansetzen:

Von der Latschen-Kiefer, die man in freier Natur vorfindet oder die als Ziergehölz im eigenen Garten gepflanzt wurde, nimmt man von ein paar Zweiglein die Nadeln herunter und trocknet diese. Nach jenem Vorgang gibt man 30 g der getrockneten und zerkleinerten Nadeln in 1 Liter naturbelassenen Wein, wobei dem Rotwein der Vorzug gegeben werden sollte. 10 Tage lang stehen lassen und dann abfiltrieren. Von dem derart angereicherten Wein kann man täglich bis zu 5 Esslöffel voll zu sich nehmen, um den Magen damit zu stärken.


Latschenkiefer ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Einen Aufwärtstrend bewirken

Der Ehrenpreis gibt dafür den Anstoß

Das Leben verläuft nicht immer so, wie man es vorausplant und sich ausmalt. Und meistens schon gar nicht geradlinig. Das ist und bleibt ein Wunschtraum. Damit will ich weniger auf einschneidende Schicksalsschläge verweisen, die ohnehin ein eigenes Kraftreservoire benötigen, um bewältigt zu werden. Vielmehr möchte ich den Blick auf unsere kurzfristige Verfassung lenken, die allein schon durch einen grippalen Infekt oder infolge einer stärkeren Erkältung eine Verschiebung des bereits auf überschaubare Gleise gelegten Tagesgeschehens bewirken kann. Im Echten Ehrenpreis (Veronica officinalis) begegnet uns eine Pflanze, die uns in vielen Belangen sehr nahe stehen kann. Sie ist nicht ein besonderer Exot, der für sich allein schon viel Pflege und Sorge in Anspruch nehmen und gerne im Rampenlicht einer vom Menschen angelegten Parkfläche die Aufmerksamkeit der Vorübergehenden auf sich ziehen würde. Der Ehrenpreis mischt sich unter die vorhandene einheimische Vegetation und kommt mit geringen Standortbedingungen zurecht. Einen weiteren Hinweis verschafft uns ebenso die Tatsache, dass dieses krautige Gewächs botanisch gesehen zur Familie der Wegerichgewächse gehört und somit eine Verwandtschaft aufweisen kann, die ebenfalls in der Naturheilkunde ein sehr hohes Ansehen aufgrund ihrer heilenden Wirkkräfte genießt. Die aufbereitete Droge des Ehrenpreiskrautes zählt zu den stärkenden und anregenden Hausmitteln, die auch schon von den Kräuterkundigen der anbrechenden Neuzeit den Leidenden empfohlen wurde. Beim momentanen meteorologischen Wechsel von äußerst niedrigen Temperaturen und erneutem Tauwetter kann es leicht passieren, dass sich die vor einiger Zeit erkältete Lunge nur schwer von den Folgen des Infekts erholen kann und sich der innenliegende Schleim quasi an den Bronchien festzuklammern scheint. Ja, wenn das so empfunden wird, ist es sicher klug, auf den Ehrenpreis zurückzugreifen, der sozusagen als Spezialist diesem Umstand eine Abhilfe zu verschaffen weiß.

Ehrenpreis-Tee für die Lunge:

Getrocknetes und zerkleinertes Kraut des Echten Ehrenpreises kann man für sich allein oder in Mischung mit anderen Kräutern im Heißaufguss zur Bereitung eines Tees heranziehen. 2 Teelöffel davon werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt stehen lassen und dann abseihen. Bei langwierigem Husten oder anhaltendem Lungenkatarrh mit zäher Verschleimung trinkt man am besten eine Zeitlang 3 Tassen täglich davon. Diese können Sie nach Bedarf mit etwas Honig süßen. Tut ebenfalls dem Verdauungstrakt gut.


Ehrenpreis ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Kraut als Überbrückung

Die Schafgarbe lässt sich gut in den Lebensfluss stellen

Die Welt ist zum Dorf geworden. X-beliebige Destinationen können heutzutage mühelos mit einem Flug zwischen den einzelnen Kontinenten angesteuert werden. Kaum jemand wird mehr wegen eines Urlaubs in Übersee bewundert, denn manchen nötigt allein schon der Beruf das Zurücklegen weiter Strecken auf. Um hingegen einen Bach oder einen Fluss zu überqueren, sollte eine Brücke zur Verfügung stehen, selbst wenn die Distanz zwischen den Ufern nicht groß ist. Die Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium) ist auf den ersten Blick eher wenig dafür geeignet, um mithilfe ihrer Stängel oder ihrer fein ziselierten Blätter eine Brücke zu bauen. Gewiss werden diesen Umstand kleine Insekten wie etwa Ameisen anders beurteilen, aber wir sind nun eben einmal Menschen, die eine größere Tragkraft unter den Füßen benötigen als jene. Im Hinblick auf unsere Gesundheit gibt es durchaus Situationen, die einem Weg oder einer Strecke, die zurückzulegen sind, sehr ähneln. Da geben vorerst einmal die so genannten Symptome ein Signal, dass es im Inneren des Leibes zu einer Veränderung gekommen ist. Meist geht dann ein Unwohlsein mit einher, das unsere Leistungsfähigkeit mindert. Und manchmal kommt es zu fiebrigen Reaktionen oder einfach zu Schmerzen, deren Ursachen man ergründen will. Der Darm ist ganz konkret eine äußerst wichtige und zugleich sehr sensible Zone unseres Bauches. Von eben diesem Teil des Verdauungstraktes können die vorhin geschilderten Signale ausgehen. Bis es zu einer eindeutigen Diagnose der Gravität dieses Missstandes kommt, braucht es Zeit. Als erstes kann die Schafgarbe mithelfen, um dem Darm eine Stärkung zuteil werden zu lassen und sodann die Zeit zu überbrücken, die es ermöglicht, Klarheit über den tatsächlichen Gesundheitszustand zu erlangen.

Schafgarben-Tee für die Verdauung:

Wenn es im Bauch zu leichten Schmerzzuständen kommt, die keine akute Entzündung wie etwa eine Appendizitis (Blinddarmentzündung) vermuten lassen, so sollte man dennoch diesen Umstand nicht auf die leichte Schulter und daher eine ärztliche Diagnose in Anspruch nehmen. Als erste begleitende Maßnahme bis zur Durchführung einer Untersuchung kann es sich jedoch als günstig erweisen, eine Tasse voll frisch aufgebrühten Tee aus getrocknetem und zerkleinertem Schafgarbenkraut langsam und schluckweise zu trinken, um dem Darm auf jeden Fall etwas Stärkendes zukommen zu lassen.


Schafgarbe ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya