Nur ruhig Blut!

Mit dem Lavendel besonnen werden

Beim letzten Vollmond war es wiederum soweit. Eigentlich hätte ich es wissen müssen. Und dann war es zu spät. Es genügt bekanntlich ja ein einziger Tropfen, um das emotionale Häferl einer Person übergehen zu lassen. Auch wenn Zorn manchmal ganz gut ist, zahlen meist die Unschuldigen in nächster Nähe drauf. Aber es gibt Gott sei Dank in der Apotheke Gottes heilende Gewächse, die uns dabei behilflich sein können, physisch und psychisch ausgewogener zu werden. In diesem Sinne möchte ich den Lavendel (Lavandula angustifolia) heute ganz bewusst als Bruder bezeichnen, der uns das ganze Jahr über zur Seite steht. Gewiss ist es schön und angenehm, im Sommer in den Garten zu gehen, um mithilfe der Nase das herrliche Aroma des Lippenblütlers aufzusaugen und in seiner Duftaura zu verweilen. Nach einem derartigen Sinneserlebnis sucht man nun vor der Haustür vergeblich, da der Lavendel in seiner wohlverdienten Winterruhe bis zum nächsten Frühling ausharrt. Aber es gibt immer noch die Gelegenheit, jetzt nach den in den warmen Monaten geernteten Büscherln zu greifen, die immer noch ganz anständig duften. Durch die ätherischen Öle, die auch in den getrockneten Triebspitzen und Blüten des mediterranen Blumenfreundes gespeichert bleiben, wirkt der Lavendel bei seinem Gebrauch auf den ganzen Organismus ausgleichend und beruhigend. Es kann sich wohl jeder denken, dass dies in weiterer Folge eine positive Animation für die psychische Seite unserer reellen Existenz bedeutet. In diesem Sinne darf man sich bewusst eine selbst organisierte Wellness gönnen.

Lavendel in Essig aufbereiten:

Von einem im letzten Sommer geernteten und getrockneten Lavendelbüscherl nimmt man 5 bis 7 mit Blüten bestückte Triebe heraus und gibt sie in eine Falsche, die mit 1 Liter gutem Apfelessig gefüllt ist. 8 Tage lang in einem geheizten Raum stehen und ausziehen lassen. Danach ist der Lavendelessig auch für äußerliche Anwendungen geeignet. Um ein beruhigendes Bad in der Wanne zu nehmen, genügt z. B. 1/8 Liter des aromatischen Essigs als Badezusatz. Das kann ich vor allem bei Aufregungszuständen und bei nervösen Herzbeschwerden empfehlen.


Lavendel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Den Appetit einrenken

Bei Klein und Groß mit Wacholder operieren

Trau keinen Statistiken, die du nicht selbst gefälscht hast! Kennen Sie diesen Zuruf? Ja, mit exakten Zahlen ist das so eine Sache. Um festzustellen, dass viele unserer Zivilisationsbürger oft schon von klein auf mehr Gewicht auf die Waage bringen als nötig, genügt jedoch ein Spaziergang durch die Geschäftsmeilen und Fußgängerzonen vorweihnachtlich erleuchteter Ballungsräume. Ungeachtet dessen führen mannigfache Gründe zu Appetitlosigkeit. Im Gemeinen Wacholder (Juniperus communis) haben wir neben vielen anderen Heilgewächsen eine Hilfe, die es uns möglich macht, die rechte Motivation für ein geregeltes und gleichzeitig maßvolles Essen wiederum zu finden. Generell ist zu sagen, dass all jene, die auf Beeren des Wacholders zurückgreifen, um damit das Zubereiten der Speisen bzw. das Einlagern von verschiedenen Gemüsearten wie z. B. Kraut zu ergänzen, einen nicht unerheblichen Beitrag
leisten, der die Aktivität des körperlichen Immunsystems unterstützt. Gewiss ist bei all jenen Vorsicht geboten, deren Nieren durch eine Erkrankung beeinträchtigt sind, Wacholderbeeren auf welche Art auch immer zu sich zu nehmen. In diesen Fällen sollte man darauf verzichten, um diese sensiblen Organe nicht übermäßig zu reizen. Ansonsten ist es aber durchaus ratsam, sich dieser gesundheitsfördernden Reserven aus Gottes freier Natur zu bedienen. Heute möchte ich aus dem reichen Erfahrungsschatz der althergebrachten Hausmittel eine ganz konkrete Zubereitung zur Kenntnis bringen, die gezielt den Appetit unterstützen kann.

Sirup aus Wacholderbeeren:

Von reifen Zapfenbeeren des Wacholders setzt man 150 Gramm in 1 Liter kaltem Wasser über Nacht an. Am Morgen weichkochen, die Beeren andrücken und mit Ergänzung des zuvor verdampften Wassers noch einmal kräftig aufwallen lassen. Dann durch ein Sieb passieren und auskühlen lassen. Mit Bienenhonig anschließend so lange verrühren, bis eine sirupartige Masse entsteht. Zu guter Letzt in Gläser füllen und kühl lagern. Kindern kann man davon 3-mal täglich 1 Teelöffel vor den Mahlzeiten verabreichen, um den Appetit beispielsweise nach Grippeinfektionen zu fördern. Erwachsene können das doppelte Quantum zu sich nehmen.


Wacholder ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Behutsame Extraktion

Die Engelwurz untertauchen lassen

Viele in unseren Breiten bekannte und verwendete Heilkräuter hatten einst ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet in den Landstrichen rund um das Mittelmeer. Im Lauf der Jahrhunderte gewannen sie jedoch durch das bewusste Kultivieren in den mittelalterlichen Klostergärten an Popularität und Beliebtheit, so dass sie ebenso in den liebevoll gehüteten Bauerngärten Einzug hielten, um forthin als gesundheitliche Unterstützung oder als Gewürz den Menschen zu dienen. Die Echte Engelwurz (Angelica archangelica) bildet hierin eine gewisse Ausnahme. Denn sie war eher im Norden beheimatet, bevor sie ihren Zug gen Süden, also nach Mitteleuropa, antrat. Seitdem stellt sie eine nicht mehr zu missen wollende Bereicherung in der gärtnerischen Flora dar, die vor allem auf heilende Zwecke ausgerichtet ist. Die Inhaltsstoffe der Engelwurz wirken sich wohltuend auf den Verdauungstrakt aus und unterstützen in guter Weise den Atembereich unseres Körpers. Daher trägt sie auch mancherorts den bezeichnenden Namen Brustwurz. Um kurz zu einem ganz anderen Thema zu schweifen, möchte ich auf den mittlerweile sehr verbreiteten Brauch Bezug nehmen, der sich in vielen Wohnungen und in Büros finden lässt. Es geht hierbei um die Steigerung der Qualität des Trinkwassers. Gerne wird dazu in einen Glaskrug, der mit trinkbarem Leitungswasser gefüllt ist, ein Sortiment an Halbedelsteinen dazugegeben. Zu den auf diese Weise beabsichtigten Wirkungen gibt es mehr als genug Literatur, dessen Beurteilung ich gerne den einzelnen selbst überlasse. Was sich jedoch gewiss mindestens ebenso nutzbringend umsetzen lässt, ist das Anreichern des kostbaren Nasses mit der Engelwurz.

Trinkwasser plus Engelwurz:

Um die magenstärkenden und tonisierenden Heilkräfte der Echten Engelwurz zu nutzen, kann man von der im Keller eingelagerten oder frisch aus der Erde gegrabenen Wurzel der Echten Engelwurz nach gründlicher Säuberung einige Scheiben herunterschneiden und über Nacht in ein Gefäß mit Trinkwasser geben. Am nächsten Tag dann das so angereicherte Wasser über den Tag verteilt trinken. Dies tut gerade im Winter dem ganzen Organismus gut.


Echte Engelwurz ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Vorbeugend sich wappnen

Der Thymian bietet dem Körper Schutz

Gott geb’s, dass sich immer mehr Menschen auf Erden immer weniger mit Kriegen oder möglichen Anschlägen auseinandersetzen müssen. Die Schlagzeilen und Nachrichten zeigen uns lediglich zur Zeit anscheinend die Kehrseite dieses Wunsches. Abwehr und Schutz ist bestimmt gut, vor allem dann, wenn es um unsere Gesundheit geht. Jeder Apotheker, jeder Arzt sowie jede Packungsbeilage mahnt uns jedoch, verantwortungsvoll mit Medikamenten umzugehen. Es kommt natürlich auf die Dosis an. Das gilt ebenso für die Anwendungen der Naturheilkunde. In der kalten Jahreszeit werden Unzählige mit Erkältungsinfekten konfrontiert. Leicht kann es dann viele dazu verleiten, die oft harmlosen Leiden mit medikamentösen „Bomben“ zunichte zu machen. Allein schon die Vernunft rät uns, sanftere Methoden zu verwirklichen. Diesmal ist es der Thymian (Thymus vulgaris), der mit seinen Inhaltsstoffen einen behutsameren gangbaren Weg anbieten kann. Seine ursprüngliche Heimat liegt wie viele seiner aromatischen Kräuter-Kollegen rund um das Mittelmeer. Bereits die alten Ägypter bedienten sich des Thymians, um damit Konservierungsessenzen zu parfümieren. Man erntet von diesem immergrünen Halbstrauch die Blüten und die Blätter. Diese bergen unter anderem ätherisches Öl in sich, dazu Gerb- und Bitterstoffe. All das wirkt sich vor allem auf die Atemwege, den Verdauungstrakt und die Galle als auswurfsfördernd, schleimlösend und aktivierend aus. In der Küche wiederum wird der Thymian als beliebtes Gewürz verwendet. Gerade durch das Würzen erhält der Körper durch den Genuss der Speisen manch sanfte und heilsame Unterstützung. Diesmal aber darf der duftende Lippenblütler bei unseren Füßen landen.

Abendliches Fußbad:

Im Vorausblick auf mögliche erkältete und entzündete Atemwege ist es ratsam, mit dem Thymian schon rechtzeitig dagegen vorzugehen. Das kann man ganz einfach mithilfe eines Fußbades tun, für das man sich am besten am Abend nach getaner Arbeit Zeit nimmt. Dafür sollte man ca. 1/2 Liter Thymiantee im Heißaufguss anrichten, um ihn nach dem Abseihen dem warmen Wasser im Fußschaffel hinzuzufügen. Ca. 15 Minuten die Füße darin baden.


Thymian ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Entspannender Trunk

Schluckweise den Advent genießen

Im kirchlichen Jahreskreis gibt es zwei besonders geprägte Zeiten der Vorbereitung auf ein hohes Fest. Vor Ostern beginnt am Aschermittwoch die 40-tägige Fasten- und Bußzeit. Am nächsten Sonntag wiederum nimmt der heurige Advent als liturgischer und gesellschaftlicher Vorspann des Weihnachtsfestes seinen Lauf. Vier Wochen sind bald wieder um. Da gilt es noch vieles zu erledigen, zu kaufen und zu absolvieren. Zeit bleibt da kaum mehr für sich selbst und die anderen. Für einen Advent-Tee, der heute im Mittelpunkt meiner Betrachtung stehen soll, darf gewiss ein Stündchen oder zumindest ein Teil davon übrig bleiben. In der Mischung, die bewusst den Namen „Besinnlicher Advent“ hat, tragen getrocknete Früchte wie Äpfel und Hagebutten, Gewürzkörner von Anis und Koriander sowie die getrockneten Pflanzenteile von Heidekraut, Lavendel, Melisse, Ringelblume, Salbei und Ysop dazu bei, dass der aufgebrühte Trunk sehr angenehm mundet. Dieser sinnliche Aspekt ist ja schließlich und endlich nicht zu verachten. Darüber hinaus entspannen die Inhaltsstoffe der verwendeten Ingredienzien die Nerven und stärken vor allem die körpereigenen Abwehrkräfte. Dies ist gerade in einer hektischen Zeit, wie es nun einmal der Advent – Gott sei’s geklagt – in der Realität für die meisten ist, von eminenter Bedeutung. Wer in dem alltäglichen Getriebe ganz bewusst Pausen einlegt, die er oder sie mit Teetrinken verbringt, der gibt auch der eigenen nervlichen und körperlichen Konstitution eine Chance, besser bestehen zu können. Gemäß der Redewendung „Abwarten und Tee trinken“ möchte ich einen sinnvolleren Slogan ausgeben: Im Advent Christus erwarten und deswegen zur Ruhe kommen und eben Tee trinken.

Kräutertee „Besinnlicher Advent“:

Um die Zeit vor Weihnachten auch gesundheitsorientiert zu gestalten, kann man von der geschilderten Teemischung je eine Tasse am Morgen zum Frühstück oder am Abend eine Stunde vor dem Schafengehen trinken. Der Tee selbst wird im üblichen Heißaufguss zubereitet. Am besten vor dem Abseihen 15 Minuten ziehen lassen. Die fertige Mischung ist im Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein erhältlich (100 g zu € 7,50) unter bestellung@kraeuterpfarrer.at oder 02844/7070 DW 11 od. 31. Übrigens: Unser Team steht Ihnen beim Geraser Advent in Wien Meidling gern mit Beratung und Produkten zur Verfügung: 27. und 28. November von 10.00 bis 18.00 Uhr (Schönbrunner Str. 259, 1120 Wien).


Apfelschale ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Hagebutte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Das Jahr der Zwiebel geht zu Ende

Sie dient auch zukünftig als Kosmetikum

Das Bestreben, seiner Zeit voraus zu sein, hat viele schon dazu gebracht, das Leben effektiver und erfolgreicher zu gestalten als in den sprichwörtlich eingefahrenen Geleisen. Manch Erfindergeist lieferte dafür ein gutes Beispiel. Doch angesichts der Schnelllebigkeit unserer Tage, die auf jeden Fall vielfach unbemerkt einen immensen Verlust der Lebensqualität mit sich bringt, ist es, denke ich, besser, die Gegenwart vermehrt wahrzunehmen und zu versuchen, dieselbe nicht ungenützt verstreichen zu lassen. Die Zwiebel (Allium cepa) hat als Heilpflanze des laufenden Kalenderjahres 2015 längst ihren designierten Nachfolger in Form des Kubeben-Pfeffers (Piper cubeba). Das ist aber noch lange kein Grund, um dieses allseits bekannte Lauchgemüse gering zu schätzen. Wer die Zwiebel vermehrt als Zusatz beim Bereiten der täglichen Speisen verwendet, baut so in seinen Alltag einen nicht unbeträchtlichen Mosaikstein im Rahmen einer bewussten Krebsprophylaxe ein, wie das einschlägige medizinische Studienergebnisse zu Tage gebracht haben. Dasselbe gilt natürlich in ähnlicher Weise für den Knoblauch, den Kohlrabi oder die Radieschen, um nur wenige zu nennen. So sehr aber die Zwiebel auch bei jenen, die ihren Geschmack schätzen, dem Gaumen und in der Folge dem Magen Freude und Wohltat bereiten, so gut kann man sie ebenfalls äußerlich verwenden. Ich denke diesmal jedoch nicht so sehr an die Nachbehandlung von schmerzhaften Insektenstichen, sondern heute eher an so genannten Besenreiser. Dabei handelt es sich um kleine fächerartige verzweigte Venenäderchen, die vor allem an den Beinen direkt unter der Oberhaut liegen und daher sichtbar sind.

Beine mit Zwiebel einreiben:

Beim Auftreten von Besenreisern sollte man oftmaliges Baden in der Wanne oder zu langes Sonnenbaden eher meiden. Stattdessen sind kaltes Nachduschen und Kaltabreibungen förderlicher für die Betroffenen. Unsere Altvorderen empfahlen in diesem Falle, die betroffenen Zonen öfters mit einer Zwiebelscheibe zu bestreichen bzw. einzureiben. Diese Empfehlung hat sicher nichts an Wert und Gültigkeit verloren.


Zwiebel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Mit genügend Grips den Tag gestalten

Beifußkraut unterstützt den Kopf

Es gibt gar viele Heilkräuter, die geben sich durchaus mit sehr kargen Lebensbedingungen zufrieden. Gott sei Dank warten nicht alle Gewächse auf einen tiefschwarzen Humusboden, der ihnen mehr als genug Nährstoffe zur Verfügung stellen kann, bevor sie sich entschließen, Wurzeln zu treiben. Da sähe die Erde ziemlich kahl und triste aus. Pflanzen sind in dieser Hinsicht viel stärker und anpassungsfähiger, als wir ihnen das oft zutrauen. Der Wilde Wermut, der besser unter dem Namen Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris) bekannt ist, zählt zu den flexiblen Vegetationspionieren unter den heimischen Heilkräutern. An allen möglichen Stellen siedelt er sich an, sei es auf sandigen Halden, entlang von Wegen und Zäunen oder auf stillgelegten Kulturflächen. Der Echte Wermut als sein Verwandter ist durchaus für seine intensive Bitternis bekannt. Die findet sich beim Beifuß in abgeschwächter Form vor, was dieses Würz- und Heilkraut dafür prädestiniert, es besser für naturheilkundliche Belange verwenden zu können. Jene Kräuter, die Bitterstoffe enthalten, wirken in erster Linie unterstützend auf alle Organe, die in irgendeiner Weise etwas mit der Verdauung zu tun haben. Darüber hinaus tragen sie im gesamten Körper dazu bei, die einzelnen Zellen im übertragenen Sinne wach und aktiv zu halten. Das trifft ebenso auf das Gehirn zu, das unser Nervensystem dirigiert und das menschliche Denken ermöglicht. Und ich werde, so meine ich, eine überwiegende Zustimmung finden, wenn ich dafür plädiere, auch mit Kräutern die geistige Zentrale unserer Persönlichkeit in unserem Kopf zu unterstützen.

Das Denken fördern:

Der Gemeine Beifuß ist ein Kraut, das in positiver Weise auf unseren Kopf abzielt. Daher ist es nur ratsam, ab und zu aus dem getrockneten Kraut dieses Korbblütlers eine Tasse Tee zu trinken. Entweder verwendet man die Kräuterdroge pur oder in Mischung mit einem anderen Kraut nach Belieben. Am besten nimmt man eine Zeitlang 1 Schale voll davon gleich nach dem Aufstehen zu sich. Dies kann man auch tun, wenn man öfter an Schwindelanfällen leidet.


Beifuss ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Den Körper von unten stärken

Die Himbeerblätter sind immer noch aktuell

Sich von der Erde zu distanzieren und alle persönlichen Nöte und Ängste aus einer gewissen Entfernung zu betrachten, ist prinzipiell heilsam und gut. Reinhard Mey hat das ohnehin schon vor langem in einem Lied zusammengefasst, das die grenzenlose Freiheit über den Wolken besingt. Andererseits ist es im selben Maße für eine seriöse Lebensführung von größter Bedeutung, sich am Boden der gegenwärtigen Realitäten zu bewegen und vor allem dort zu bleiben. Mit den Blättern der Himbeersträucher (Rubus idaeus) gelingt dies durchaus, ihn auf physische Weise umzumünzen. Genau meine ich damit, mit gesundheitsfördernden Maßnahmen von unten her zu beginnen und konkret bei den Füßen anzufangen. Einen derartigen Ansatz verfolgte ja ebenfalls der legendäre Pfarrer Sebastian Kneipp mit seinen Anleitungen zur Methode des Wassertretens. Man kann, um sich nach Anstrengungen und bei Ermüdungserscheinungen wiederum sachte aufzurappeln, durchaus die sensible Zone der Fußsohlen und der Zehen mit den heilsamen Wirkstoffen von Heilkräutern, wie z. B. den Himbeerblättern innewohnenden Gerbstoffen, in Berührung bringen und damit belebende Impulse an den ganzen Körper weitergeben. Wenn es draußen kalt und unwirtlich ist, haben wahrscheinlich wenige dazu Lust, in einem eiskalten Bach spazieren zu gehen. Vielmehr ist ein wohlig warmes Fußbad angesagt, bei dem man einfach still dasitzen muss, um so schlicht und ergreifend zumindest zur physischen Ruhe zu kommen. Wenn sich auch noch die Himbeerblätter dazugesellen, dann ermöglicht diese Kombination ein neues Kräftesammeln für den nächsten Tag, der oft schneller da ist, als wir uns das wünschen.

Fußbad zur Kräftigung:

Eine Handvoll getrockneter Himbeerblätter reicht, um sie ins heiße Fußbadewasser zu geben und die Füße darin eine Zeitlang zu baden. Währenddessen ist es ratsam, die Zehen kräftig zusammenzuziehen und wiederum auszustrecken bzw. die Füße aneinander zu reiben. Die getrockneten Pflanzenteile können durchaus lose ins Wasser gegeben werden. Wem das nicht behagt, nimmt einfach ein Stück Gazestoff, in das die Himbeerblätter vor dem Eintauchen gewickelt werden.


Himbeere ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Besinnliche Vorfreude

Ein Likör aus Wildfrüchten für den Advent

Manchmal habe ich den Eindruck, dass es nicht schnell genug gehen kann, um in Geschäften und entlang der Einkaufsstraßen auf Weihnachten hinzuweisen. Viele Veranstaltungen, die unter dem Titel Advent laufen, haben zudem schon längst begonnen. Trotz des schnellen Laufes der Zeit möchte ich in dieser Hinsicht ganz bewusst bremsen. Heute ist erst der Christkönigssonntag, also der letzte Sonntag im Kirchenjahr. An den Sträuchern in der freien Natur hängen noch die Früchte des Herbstes. Da können wir die Schlehen, die Hagebutten und die Ebereschen samt den Weißdornbeeren ganz gut entdecken, da das Laub rundherum bereits am Boden liegt und die Sicht freigegeben hat. Bei einem gesundheitsfördernden Spaziergang können wir sie also ohne Anstrengung erkennen. Um die Vorfreude auf das Weihnachtsfest jedoch positiv zu akzentuieren, gibt es durchaus die Möglichkeit, einen köstlichen Schluck in den oft hektischen Alltag einzubauen, der mir all die Schätze vom Waldrand zusammenfasst und zugänglich macht. Wenn überdies noch Holunderbeeren und Heidelbeeren dazukommen, wissen wir, dass unser Immunsystem dadurch wohltuend und ohne Nebenfolgen stimuliert wird. Unsere Verdauung braucht ja zusätzlich oft eine Streicheleinheit, die u. a. dadurch zustande kommt, indem wir ihr auch die Wirkkräfte der Wildfrüchte in aufbereiteter und wohldosierter Form zukommen lassen. Übrigens: Statt Tee mit Rum ist es vielmehr angebracht, einer dampfenden Kräutertasse ein kleinwenig vom Früchte-Likör beizufügen, um einen ähnlichen Effekt zu erzielen. Besinnlichkeit kann durchaus so gestaltet werden, indem man sich selbst als Erstes etwas Gutes gönnt. Und warum nicht in Form veredelter Früchte?

Wildfrucht-Likör als Unterstützung:

Manche Wirkstoffe, die in Pflanzen und Früchten enthalten sind, können in Verbindung mit den dafür nötigen Volumenprozenten an Alkohol haltbar und genießbar gemacht werden. Aus dem Erfahrungsschatz des Vereines Freunde der Heilkräuter stammt eben auch ein Produkt, das den Namen „Wildfrucht-Likör“ trägt. Von dieser rubinroten Kräuterpfarrer-Kreation kann man 2 bis 3 Esslöffel am Tag einnehmen, um die gesundheitsfördernden und entspannenden Effekte zu erzielen. 1 Flasche (500 ml) kann man um € 16,90 erwerben (E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at; Tel. 02844/7070 – DW 11 od. 31). Übrigens: Unser Team steht Ihnen beim Geraser Advent in Wien Meidling gern mit Rat und Produkten zur Verfügung: Fr. 27. und Sa. 28. November von 10.00 bis 18.00 Uhr. (Schönbrunner Str. 259, 1120 Wien)


Wildfruchtkraft ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya



Kaum Zeit zum Loslassen

Das Gänsefingerkraut fördert die Lockerung

Ganz bewusst möchte ich heute die Frage stellen, ob jene, die sich vor Verantwortung und Arbeit mit Absicht drücken, wirklich zu beneiden sind? Gewiss ist durch eine derartige Lebenseinstellung das eigene Ränzlein womöglich gut geschnürt und versorgt. Doch sind solche Leute nicht gleichzeitig irrsinnig arm und inhaltsleer? Das totale Gegenteil wiederum führt dazu, dass man am Tun-und-Machen-Müssen krampfhaft zu hängen droht. In der Folge wird man betriebsblind. Das Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) hilft uns, zwischen diesen beiden Polen der Gestaltung unserer irdischen Tage das Rechte zu entdecken und herauszufiltern. Wenn man dieses eher bescheidene Pflänzlein im Sommer auf der Wiese entdeckt, meint man kaum, dass es sich hierbei um ein Familienmitglied der Rosengewächse handelt. Durch seine Inhalte wie Bitter-, Schleim- und Gerbstoffe ist es auf vielfältige Weise für unseren Körper hilfreich und wirksam. Zusätzlich birgt sich im Gänsefingerkraut noch eine zusammenziehende Wirkung, die in weiterer Folge schmerzlindernd helfen kann. Durch verschiedene Umstände können sich in unserem Muskelapparat und in den einzelnen Organen krampfhafte Zustände vereinzelt und leider ebenso in regelmäßigen Abständen bemerkbar machen. Geht man derart gepeinigt auf die Suche nach einer Unterstützung, um lokal und allgemein wiederum lockerer werden zu können, so steht uns das Gänsefingerkraut, das auch Anserine genannt wird, zur Verfügung. In den Erfahrungen der angewandten Naturheilkunde weiß man schon seit Generationen um eine derartige Hilfe.

Krämpfe sachte lösen:

Manchmal kann Milch als Transportmittel von heilsamen Inhaltsstoffen mancher Pflanzendrogen dienen. Bei Krämpfen aller Art sollte man daher 2 Teelöffel voll getrocknetes und zerkleinertes Kraut des Gänsefingerkrautes samt 1 Esslöffel Fenchelsamen in 1/2 Liter Milch aufkochen. Danach gleich abseihen und das Ergebnis einnehmen, sobald es die dementsprechende Trinktemperatur erreicht hat. Durchaus ein paar Tage hintereinander wiederholen.


Gänsefingerkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya