Sich behütet wissen

Gleichsam den Frauenmantel ausbreiten

Was tun, wenn einem die Decke auf den Kopf fällt? Das in dieser Frage enthaltene Sprichwort meint eigentlich, dass es jemand in seinen eigenen Räumlichkeiten nur mehr schwer aushält. Dahinter steckt meistens Langeweile. Dennoch entdecke ich zudem eine andere Aussage in diesem Wort. Es ist ja letztlich sehr vielen meiner Zeitgenossen bekannt, wie uns einengende Gegebenheiten des Lebens durchaus gefangen nehmen können. Und ich denke, ich ziehe damit nichts Abstraktes an den Haaren herbei. Gar viel Verdruss gibt es da oft hinter schönen Fassaden und vermeintlich harmonischen Verhältnissen! Sorgen und Nöte bohren sich wie ein unbändigbarer Wurm in unser Herz hinein. Wir können es drehen und wenden: es gibt kaum einen sichtbaren Ausweg aus so vielen Schicksalen. Auf sommerlichen Wiesen wächst der Gewöhnliche Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), der in seinen Blättern symbolisiert, dass darunter viel Platz hat, auch unsere Bedenken. Gewiss, wem alles ohnehin egal ist, der wird sicher keine Schwierigkeiten haben, des Abends zu Bett zu gehen und die Augen zu schließen. Der Großteil der sich Sorgenden nimmt alles Schmerzhafte mit ins Bett und kann in der Folge schlecht einschlafen. Selbstverständlich gibt es auch durchaus organisch bedingte Ursachen, die einen bis spät nach Mitternacht wach liegen lassen. Meine Wenigkeit, die meist mit einem guten Schlaf gesegnet ist, leidet furchtbar darunter, wenn eben das beschriebene Gegenteil eintritt. Können Sie sich noch daran erinnern, wie wir als Kind schlafen gelegt wurden? Da haben uns entweder Mutter oder Vater die Bettdecke oder die Tuchent drübergelegt und bis zum Hals hochgezogen. Es war ein sehr wohliges Gefühl der Geborgenheit, weil man wusste: jemand ist da, der für uns sorgt. Der Schöpfer tut dies ebenso, und seine Kinder bleiben wir bis zum letzten Atemzug. Das zeigen uns doch die Gaben der Natur!

Teemischung zur Schlaffestigung:

Eine Stunde vor dem Schlafengehen trinke man eine Schale voll Tee, der sich aus folgenden getrockneten Kräutern und Fruchtteilen zusammensetzt: Frauenmantel 3 Teile, Schlüsselblumen 2 Teile und Apfelschalen 1 Teil. Gut abmischen und 2 Teelöffel davon mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen, 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Ich wünsche allen einen ruhigen und sorgenfreien Schlaf!

Frauenmantel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Sich besser fühlen

Pickel und Mitesser natürlich behandeln

Das Fest der Weihnacht rückt näher. Termine drängen sich noch davor und stehen im Kalender, auf dem Handy oder im Outlook-Programm gleichsam Schlange. Der Stress wird größer und leicht kann es sein, dass einige dabei ins Schwitzen kommen. Im Sommer ist das weniger ein Problem. Leichtere Kleidung und so manche freie Körperpartie ermöglichen Transpiration und Verdunstung zugleich. Bei kalten Temperaturen aber staut es sich eben unter der schützenden Schicht an Wäsche. Hat es die Haut zusätzlich noch schwer, weil der Fetthaushalt aus dem Gleichgewicht geraten ist, entstehen an manchen Stellen Mitesser und Pickel, die gleichzeitig mit ihrem Auftreten ein Unwohlgefühl mit sich bringen. Gewiss ist die prädestinierte Gruppe der Betroffenen die heranwachsende Jugend. Es kann jedoch auch bei Erwachsenen vorkommen, dass die Poren den produzierten Talg nicht mehr absondern können und eben daher verstopft werden. Aber zu den Feiertagen möchte Mann und Frau sich doch sehen lassen können. Es lohnt sich daher, ein wenig Zeit aufzuwenden, um an seiner eigenen Fassade zu arbeiten. Neben den im Fachhandel angebotenen Pflegeprodukten für eine saubere Haut ist es durchaus ratsam, die in freier Natur herangewachsenen Kräuter in diesem Anliegen gleichsam ein Wörtchen mitreden zu lassen. Schließlich bedarf es keines großen Aufwandes, um die einzelnen Inhaltsstoffe zur Wirkung zu bringen. An dieser Stelle habe ich schon einmal das Zinnkraut, also den Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) erwähnt, aus dessen getrockneten Pflanzenteilen ein Tee sowohl innerlich als auch äußerlich verwendet werden kann. Dazu setzt man 4 Esslöffel voll getrocknetes und zerkleinertes Zinnkraut in 1 l kaltem Wasser 3 Stunden lang an, um es hernach kurz aufzukochen. 5 Minuten ziehen lassen, abseihen und den Tee am besten in eine Thermosflasche füllen. Die befallene Haut damit abreiben und ab und zu eine Schale voll davon trinken.

Gurken und Ringelblumen nicht vergessen:

Neben der oben genannten Maßnahme kann man ebenso zu frisch gepresstem Gurkensaft greifen, mit dem man die pickelige Haut abwäscht. Zur Gewinnung eignen sich auch aufgetaute Gurkenscheiben aus dem Gefrierschrank. Des Abends unterstützt man ob des beruhigenden Effekts mit Ringelblumensalbe die betroffenen Hautpartien. Nach dem Aufstehen und dem Gang ins Bad tupft man die Hautstellen noch mit ein wenig Arnikatinktur ab.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein anderer heiliger Baum

Der Holunder stärkt die Abwehrkräfte

„Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum!“ erschallt es jetzt aus so manch gut versteckten musikalischen Konserven. In den Einkaufszentren wird auf diese Weise versucht, jene Stimmung herzuführen, die dann spätestens am Heiligen Abend präsent sein soll. Doch es gibt neben dem Christbaum, der sooft besungen wird, noch andere „heilige Bäume“, zumindest wenn man es an den Lippen des Volksmundes abliest. Da rangiert an erster Stelle sicherlich der Holunder. In ihm findet sich allemal ein guter Freund, der einem gerade auch in der Winterszeit zur Seite steht. Im vergangenen Frühherbst waren noch die Beeren dieses seit jeher bewunderten Strauches zu ernten. Sie sind für uns Menschen in rohem Zustand aber ungenießbar. Da haben uns eben die Stare und Amseln etwas voraus. Doch kocht man die schwarzen Früchte, dann lässt sich aus ihnen ein wertvoller Saft gewinnen. Holunderbeer-Marmelade wiederum enthält viele Vitamine und wertvolle Mineralstoffe. Wer in seinem Kräuterlager zu Hause getrocknete Blüten vom Holunderstrauch eingelagert hat, kann diese gerade jetzt zum Aufbrühen eines Tees heranziehen, der vielfältige Wirkung in sich birgt. Er hilft uns unter anderem, wenn wir unter Hautunreinheiten sowie dem daraus folgenden üblen Körpergeruch leiden. Und einige Zeit hindurch getrunken, bildet der Hollerblüten-Tee ein Bollwerk, wenn die Erkältungen angesichts idealer Bedingungen zum Angriff übergehen.

Vorbeugen mit Holunderblüten:

Vier gehäufte Teelöffel getrockneter und zerkleinerter Blüten des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) werden mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Der fertige Tee soll sehr warm und rasch getrunken werden. 3 Wochen lang eher am Abend angewandt, hilft das unserem Immunsystem, einen wirksamen Schild gegen anrückende Infektionskrankheiten aufzubauen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das Zusammenspiel verschiedener Kräuter

In Pulverform mithilfe der Suppe transportieren

Wie wird wohl der diesjährige Winter ausfallen? Die Prognosen für Weihnachten sind längst gestellt. Aber 100%ig wird es sich wohl erst am Heiligen Abend weisen, wann und wo die meteorologischen Wünsche den emotionalen Erwartungen entsprechen werden. Ich persönlich wünsche mir immer noch einen strengen Winter mit viel Schnee und tiefen Temperaturen, da ich der Ansicht bin, dass dies der Natur am besten tut. Freilich kann und will ich nicht außer Acht lassen, dass in diesem Fall auch die von Armut und Hilflosigkeit betroffenen Menschen ganz besonders viel zu leiden haben. Und somit relativiert sich mein Begehr im Handumdrehen. Eine warme Suppe tut aber allen gut, egal ob sie wohlhabend oder gesellschaftlich an den Rand gedrängt sind. In dieser Speise kann man via Zubereitung bzw. über das Würzen so einiges in den Körper transportieren, was letztendlich zur Stärkung unserer Gesundheit dient. Unter diesem Aspekt möchte ich erneut daran erinnern, dass es ja nicht nur gilt, den Organismus mit möglichst kräftigender Nahrung zu versorgen und die Flüssigkeitszufuhr aufrecht zu erhalten. Zusätzlich bedarf es der Reinigung unseres Stoffwechsels. Da verhält es sich ebenso wie bei den öffentlichen und privaten Gebäuden, in denen sich unser Tagesablauf abspielt. Diese werden nur dadurch in Schuss gehalten, indem man sie reinigt und putzt. Andernfalls würden wir uns binnen kürzester Zeit äußerst unbehaglich, ja, sogar in unseren Arbeitsvollzügen behindert fühlen. Drum ist es wichtig, auf unseren Körper zu schauen, dem sicherlich so manche Hilfe aus dem Pflanzenreich sehr willkommen ist. Es gibt sozusagen einen ganz kompetenten Putztrupp, der, regelmäßig herbeigerufen, die entsprechende Wirkung zeigt.

Kräuterpulver selbst herstellen:

Als Zutat brauchen wir folgende Kräuter in getrockneter Form: Brennnessel, Löwenzahn, Salbei und Spitzwegerich. Unter Zuhilfenahme eines Mörsers kann man diese zu gleichen Teilen abgemischte Menge solange stampfen und reiben, bis daraus ein Pulver entsteht. Zu guter Letzt fügt man dann noch ein wenig von ebenfalls pulverisierten Wermutblättern hinzu. – Regelmäßig 1/2 Teelöffel voll in die Suppe geben. Das hat reinigende Eigenschaften.

Nockerlsuppe, Foto: Dieter Dorner ⓒ Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Tage zählen

Nicht nur vor Weihnachten

In der Betrachtung der Heilkräuter werde ich immer wieder auf mich selbst zurückgeworfen. Denn, stimmt es, dass ich der Adressat all der guten Wirkungen bin, der von den unzähligen Halmen, Blättern, Blüten, Früchten, Rinden und Wurzeln ausgeht? Wenn nun bei allen möglichen Gelegenheiten von Besinnlichkeit die Rede ist, dann will ich das gleich beim Schopf packen und wirklich bei tiefgehenden Gedanken verweilen. Dankbar lese ich dazu einen Text, verfasst von Hermann-Josef Weidinger: „In Anbetracht meines Geburtstages. Tollpatschig wie ein kleines Kind stand ich da. Wenig klug kam ich mir vor. 27.412 Tage. 657.888 Stunden. Und da drinnen liegt mein Leben. In einer Zeitfassung von 75 Jahren. Was habe ich aus all diesen Stunden gemacht? Wem bin Dank dafür schuldig?“ Und in einer geradezu mystischen Schau schildert er den Weg seiner Reifung, indem er fortsetzt: „ Ein Endlos-Wasser, das sich vor meinen Augen ausbreitet, offen vor mir liegt. Versandete Uferstrecken zeigt, wo der Wind eingreift und Dünen aufbläst. Alles nur in Braungelb flirrt, kein Halm ergrünt. Dann wieder der Schilfgürtel, vermoort und verfilzt. Er geht in die Breite. Wassertümpel sind eingestreut, unsichtbar dem ungeübten Auge. Erst wenn man hineinpatscht und es weithin aufspritzt, kommt die Erkenntnis. Für diesen Tritt schon zu spät. Doch rechtzeitig genug, um den nächsten Fehltritt zu vermeiden.“ Ja, die Zeit ist ein Geschenk. Wie viel Zellophan- bzw. weihnachtliches Geschenkpapier auch noch so kostbare und liebevoll verpackte Präsente umhüllen mag: das Maß der mir zugedachten Monate, Wochen und Jahre ist irrsinnig kostbar. Selbst geschenkt bekommen, um es wiederum zu nutzen und zu verschenken.

Das Leben reicher machen

Nach diesen tiefschürfenden Gedanken sei heute ein ganz praktischer Rat mit schier unabsehbaren Folgen weitergegeben: Setzen Sie sich hin und rechnen Sie im Gegensatz zu den Jahren seit Ihrer Geburt einmal die Summe der Tage, die darin enthalten ist. Das Beispiel dazu hat Kräuterpfarrer Weidinger im obigen Text anlässlich seines 75. Geburtstages gegeben. Dadurch wird auf jeden Fall der Schatz, der in der möglichen Lebenszeit drinnen liegt, viel deutlicher sichtbar.

Regenbogen über Klosterteich Geras ⓒ Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Die Zeit der Freude

Der 3. Adventsonntag setzt einen Akzent

In der gegenwärtigen Feier der Liturgie nach dem römischen Ritus geht der Eröffnungsvers, der für jede Hl. Messe vorgesehen ist, meistens unter. Und doch gibt das erste Wort dieses Textes, der dem Philipperbrief des Neuen Testamentes entlehnt ist, dem ganzen heutigen Sonntag seinen Namen: Gaudete! Das heißt übersetzt: Freuet euch! Die Adventszeit ist schon wieder fast vorüber. Trotzdem dürfen wir innehalten und auf die Adventwurzel der Pfarre Harth im Waldviertel blicken (siehe Bild). Eine Kerze tritt in der Farbe Rosa hervor und möchte uns etwas fragen: Mensch, woran hast Du Freude? Wo wohnt sie? Oder hast du sie gar verloren? Macht, Besitz und Reichtum können den Verlust der inneren Freude nicht wettmachen und schon gar nicht überdecken. Der Glaube sagt uns einen ganz konkreten Grund für unser Froh-Sein im Herzen: es ist der Herr, der nahe ist. Wer eine Schale heißen Tee trinkt und sich ein wenig Zeit nimmt, merkt, dass dieses Getränk keinen Schaden und keinen Kater herbeiführt. Vielmehr steigt die Wärme, die der Magen vom genossenen Tee erhält, mithilfe des Blutes in all meine Glieder und Gelenke. Schließlich nimmt man das jetzt womöglich eher wahr, als es das stetige Getriebe während der vergangenen Woche gar nicht zuließ. Und ich kann mich freuen über das, was mir in der Gegenwart zu Eigen ist. Wie leicht jammern wir doch über das, was schon seit Langem verloren ging oder über das, was kaum erreicht oder besessen werden kann! Braucht es das überhaupt, um das Leben reich und wertvoll zu machen? Zu Weihnachten werden wir in der Geburt Christi den größten Reichtum feiern, der für Menschen durchaus im wahrsten Sinne des Wortes annehmbar ist: Gott selbst hat durch den neugeborenen Christus gesagt: ich bin da für dich. Und immerhin hat das bis heute Gültigkeit!

Kräutertee „Lebensfreude“:

Das Zusammenspiel der verschiedenen Wirkkräfte der Heilkräuter kann unseren Organismus darin unterstützen, um die Basis für ein ausgeglichenes und zufriedenes Wesen unserer selbst zu legen. Hermann-Josef Weidinger entwarf einst ein solches Zusammenspiel der Pflanzen in der Teemischung „Lebensfreude“. In Karlstein kann man diese in Packungen zu je 100 g um nur € 6,90 erwerben. Für alle Menschen, die bewusster und froher ihre Zeit verbringen möchten. Zudem ein ideales Weihnachtsgeschenk. Kontakt unter: bestellung@kraeuterpfarrer.at oder Tel.: 02844 / 70 70 DW 11.

Adventwurzel mit 3 brennenden Kerzen der Pfarre Harth ⓒ Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Lange Sitzungen

Der Trägheit des Darmes entgegenwirken

Kennen Sie das Phänomen? Begabte und stets hilfreiche Menschen werden gerne in Gremien hinein berufen, um an der Verantwortung für einen Verein, für einen Club oder vielleicht auch für die eine oder andere Pfarre mitzuwirken. In Gegenden, die nicht unbedingt mit enormem Bevölkerungszuwachs gesegnet sind, kann es leicht passieren, dass die wenigen, die bereit sind, etwas vorwärts zu bringen, mit der Zeit jeweils zu einem wahren Tausendsassa werden. Die Folge davon ist unter anderem, ziemlich häufig an Sitzungen und Besprechungen teilzunehmen. Die Bewegung wird sehr eingeschränkt. Unser Körper ist ja auch nicht gerade dazu geschaffen worden, die längere Zeit seines Daseins in Ruhepositionen zu verbringen! Daher nimmt es keineswegs Wunder, wenn die Verdauung dementsprechend reagiert, indem sie träger und langsamer wird. Es gibt mehr Menschen als man denkt, die häufig unter Verstopfung bzw. im Zusammenhang damit unter Blähungen und Völlegefühl leiden. Die erste Maßnahme, die man in diesem Falle ergreifen kann, ist es, die Möglichkeiten zu nutzen, um nach langem Sitzen oder Stehen mit kleinen Übungen die Glieder und Gelenke zu dehnen und zu strecken. Dadurch lässt sich die Blutzirkulation verbessern und die Entspannung des gesamten Muskelapparates anregen. Dem Inneren unseres Bauches bleibt natürlich eine veränderte Körperhaltung und -aktivität genauso wenig verborgen. Fragt man die Schatzkammer der Natur um ihren Rat, wird sie wahrscheinlich auf eine ganz konkrete Teemischung hinweisen, die auch schon Hermann-Josef Weidinger empfohlen hat.

Anwendung bei hartem Stuhl und Blähungen:

Um einen geregelten und normalen Stuhlgang zu fördern, kann man auf folgende Teemischung zurückgreifen: 40 g Erdbeerblätter, 25 g Faulbaumrinde, 20 g Kümmelfrüchte, 10 g Kalmuswurzel und 5 g Tausendguldenkraut. 2 Teelöffel der Mischung werden mit 1/4 Liter kaltem Wasser übergossen und 12 Stunden lang darin angesetzt. Am Abend kurz erwärmen (nicht kochen!) und vor dem Zubettgehen schluckweise trinken.

Faulbaum

Faulbaum ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Das dürre Land birgt Hoffnung

Das Johanniskraut und der Advent

Der Prophet Johannes der Täufer hat in der vorweihnachtlichen Zeit viel zu sagen. Interessanterweise verkündet er laut den Aufzeichnungen der Heiligen Schrift seine Botschaft nicht unbedingt dort, wohin der antike und gleichermaßen der heutige Trend die Massen zieht. Das sind eindeutig die urban geprägten Gegenden. Hier pulsiert das Leben in einem Ausmaß, wo selbst die Nacht kaum zur Ruhe kommt. Um wie viel mehr schwindet damit aber gleichzeitig die Möglichkeit des Menschen, in sich ruhig und offen für Gott zu werden?
Das Johanniskraut (Hypericum perforatum) entspricht ganz und gar nicht diesem Trend. Es zählt zu den so genannten Pioniergewächsen, was bedeutet, dass dieses Gewächs dort Wurzeln fasst, wo gerade nichts gedeiht und wo die Bedingungen alles andere als gerichtet und aufgeschlossen sind, um ein Bild von Bauplätzen zu nehmen. Das trifft vor allem auf Brachflächen, Schotterhalden, Kahlschläge, Wegränder und Bahndämme zu. Es weist allein schon der Name des angesprochenen Heilkrautes darauf hin, dass man in seinem Zusammenhang mit brachen Flächen rechnen muss. Denn der heilige Johannes der Täufer lebt und predigt in der Wüste, um die Menschen auf Gott aufmerksam zu machen, abseits vom lauten Getriebe der Marktplätze, Basare und Häfen. Das öde Land ist immer auch Land der Reinigung. Blicken wir nur auf die biblische Erzählung, in der wir den Zug der Israeliten mit verfolgen dürfen, ehe sie in das gelobte Land einziehen können. Das Johanniskraut besitzt für mich in diesen Tagen eine starke Aussagekraft.

Das Leben und seine Seiten:

Der lange naturheilkundliche Gebrauch des Johanniskrautes hing und hängt immer mit einer Schieflage des psychischen Gleichgewichts der jeweils betroffenen Menschen zusammen. Betrachten wir daher mithilfe dieser Seelenhelferin unser Leben. Lassen wir uns nicht einlullen von der Devise: „Dir darf es niemals schlecht gehen!“, sondern nehmen wir unsere derzeitige Existenz ernst, ohne uns ablenken zu lassen. Das Johanniskraut ist da schon einen gesundheitsfördernden Schritt voraus. Und diesen darf man ruhig selbst tun.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Sich im Bett nochmals umdrehen

Mit Kamillentee im Magen

Kräuterkunde leicht gemacht! Das könnte ein Motto sein, um sich erneut oder ein erstes Mal mit der Wirkung der Heilkräuter auseinanderzusetzen. Um dabei aber nicht gleich die ersten Erfolgserlebnisse zunichte zu machen, greift man am besten zu den Pflanzendrogen, die einem geläufig und bekannt sind. Dazu zählt bei fast hundert Prozent der Interessierten die Kamille. In der Natur finden wir die wilde Form der Hundskamille öfter vor als die Echte Kamille (Matricaria chamomilla). Von der ersteren unterscheidet sich die für naturheilkundliche Anwendungen geeignete Pflanze durch den Geruch, den hohlen Blütenboden und die Spreuschuppen. Zwischen den Monaten Juli und August liegt die beste Zeit, um die offenen Blüten bzw. die Blütenknospen abzuernten und vorsichtig an einem schattigen Platz zu trocknen. Hat man diese herrlich duftenden Pflanzenteile der Kamille nun eingelagert und griffbereit, so kann man sich auch deren Wirkung bedienen, die sich durchaus sehen (oder vielleicht besser gesagt: lesen) lassen kann. Die Echte Kamille wird seit vielen Generationen verwendet, weil sie sich eben als antiseptisch, beruhigend, krampflösend, kräftigend, verdauungsanregend und wundheilend erweist. Viele sprechen gern von der Weise, aus den getrockneten Kamillenblüten einen Tee zu kochen. Doch es kommt bei bestimmten Leiden zusätzlich darauf an, wie man dieses Heilgetränk zum Einsatz bringt.

Rollkur bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren:

In diesem Fall kann die Tagesmenge von Kamillentee ruhig bis zu 1 1/2 Liter betragen. Die erste Tasse, also ca. 1/4 Liter, trinkt man morgens ungesüßt am besten im Bett. Der Magen ist noch leer und so kann die Wirkkraft der Kamille stärker greifen. Man bleibt zuerst 5 Minuten lang am Rücken liegen, dreht sich hernach jeweils 5 Minuten auf die rechte Seite, auf die Bauchseite und zuletzt in die Linkslage. Tagsüber kann die restliche Menge verteilt getrunken werden, am besten dann, wenn der Magen möglichst leer ist.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Kontrapunkt zum Weihnachtsbaum

Die Birke im Winter

Keine Angst, ich will Ihnen nicht die Sehnsucht nach Harmonie und Wohligkeit nehmen, wenn ich heute ein wenig unsere Art der äußerlichen Gestaltung des Advents in Frage stelle. Aber dennoch möchte ich zaghaft anfragen, warum denn schon vor dem Weihnachtsfest unzählige Christbäume die Plätze und Straßen schmücken müssen? Nun gut, als katholischer Geistlicher darf ich in diesem Fall ganz nüchtern feststellen, dass Christbäume nicht im Geringsten eine liturgische Funktion besitzen. Dennoch hat der Brauch des Weihnachtsbaumes durchaus einen Sinn und eine Aussage. Es hat aber noch ein paar Tage Zeit, um das näher zu erklären. So mache ich mich im Geiste zu einem Spaziergang auf und bleibe am Rande des Waldes vor einer blätterleeren Birke stehen. Die scheint so gar nichts Adventliches und erst recht nichts Weihnachtliches an sich zu haben. An ihren Ästen hängen die Zweige eher traurig herunter, als würden sie noch immer den Sommer schmerzlich vermissen. Doch die weiße Rinde am Stamm tritt nun deutlich hervor. Es ist, als ob dieser Baum extra ein festliches Gewand angelegt hätte, wie wenn er einen hohen Gast erwarten würde. Na ja, und im Handumdrehen sind wir damit wieder beim Advent. Obwohl die Kaufkraft in dieser Zeit für viele Segen oder eher einen Gewinn bringen möge, so sind die Wochen vor Weihnachten im ursprünglichen Sinn nichts anderes als eine Phase der bewussten Einkehr und der Verinnerlichung. Momentan ruht die Birke, vor der ich im Geiste stehe, aber bald schon wird ihr Saft wieder Leben nach oben bringen. Nach innen zu gehen und zu blicken: dazu möchte ich heute mitten im Advent noch einmal einladen. Die Birke stiehlt dabei sicher nicht dem Christbaum die Show, sondern hilft uns vielleicht, selbst zur Ruhe zu kommen.

Entwässern mit Birkenblätter-Tee:

Sofern der Arzt seines Vertrauens es gestattet, kann man bei Wasseransammlungen im Körper die Hilfe der Birke in Anspruch nehmen. Von getrockneten Birkenblättern werden in diesem Falle 2 Teelöffel voll mit 1/4 Liter Wasser übergossen und nach 15 Minuten abgeseiht. Eine Woche lang kann man je 3 Tassen pro Tag davon trinken, um hernach wieder eine Pause in der gleichen Länge einzulegen.

ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya