Der Geist aus der Flasche

Spezieller Kamillenansatz

Was tun mit der Zeit, die man größtenteils zu Hause verbringt? Das ist nach wie vor die Frage für viele, die sich in Rücksicht auf sich selbst und auf andere einschränken und das Zuhause so richtig auskosten. Keine Frage, dass die schützende Isolation auch für etliche die Erfahrung von Einsamkeit und von einer gedrückten Stimmung aufgrund der fehlenden persönlichen Begegnungen mit Freunden inkludieren kann. Kräuter sind ebenfalls so etwas wie liebenswerte Zeitgenossen, die mit uns ganz still und unaufgeregt das Leben teilen. Meine Zeilen an dieser Stelle haben unter anderem den Sinn, auf diese Lebewesen hinzuweisen, damit wir nicht bloß unsere Gesundheit stärken, sondern zudem einfach Freude an ihnen wecken. Die Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ist heute an der Reihe. Dieser Korbblütler, den wir ohnehin in Gärten und in unserer Kulturlandschaft antreffen können, ist reich an ätherischem Öl, Flavonoiden und Cumarin. Aus der praktizierten Anwendung im durchschnittlichen Haushalt weiß man wahrscheinlich aus eigener Erfahrung, dass eine Tasse Tee von diesem Gewächs eine Erleichterung mit sich bringen kann, wenn man ein flaues Gefühl im Bauch durch einen angeschlagenen Magen hat. Generell schreibt man der Kamille eine entzündungshemmende und verdauungsfördernde Wirkung zu. Der Geruch bzw. der Geschmack der Kamille ist sehr angenehm. Diesmal möchte ich einladen, auf den Genuss nicht zu vergessen, der mit der praktischen Beschäftigung durch das Aufarbeiten und Veredeln der vorhandenen Pflanzendrogen in Verbindung stehen kann. Die eingangs aufgeworfene Frage nach der Zeit, die dem Ausharren gewidmet ist, mag u. a. mit dem Ansetzen eines Kräuterlikörs beantwortet werden. Immerhin hat man dann ein eigenhändiges Produkt zur Hand, das man selbst auskosten und auch anderen als Überraschung schenken kann, wenn man sich nach langer Zeit wiederum einmal trifft.

Alkoholischer Kamillen-Ansatz

Von getrockneten Kamillenblüten nimmt man die Menge von 50 g. In einem Gefäß aus weißem Glas übergießt man die Blütendroge mit 1 Liter gutem Obstbrand. Danach verschließen und 3 Wochen lang an einem sonnigen Fensterplatz stehen lassen. Während dieser Zeit schüttelt man das Ganze öfters gut durch. Danach noch einmal 3 Wochen in einen dunklen, mäßig warmen Raum stellen. Zuletzt filtrieren und für den in dunkle Flaschen Gebrauch abfüllen. Bei einem verstimmten Magen kann man jeweils 1 Stamperl voll nach dem Essen zu sich nehmen. Oder man wartet den Ansatz Gästen als Aperitif auf. www.kraeuterpfarrer.at

Echte Kamille (Matricaria chamomilla) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Erleichterung und Entspannung

Mit der Weißen Taubnessel

Wenn sich Zeitgenossen, die mit uns leben, ständig in den Vordergrund drängen und unübersehbar bzw. unüberhörbar nach Aufmerksamkeit heischen, dann wird man wohl denen gegenüber skeptisch. In der Folge wird man diese auffälligen Typen eher meiden. Im Pflanzenreich gibt es Vergleichbares. Gerade im Frühling hofft man auf pralle Blüten bei eigens gezogenen und gezüchteten Gartensträuchern. Der späte Frost kann dabei jedoch der Pracht ein jähes Ende bereiten. Ganz anders ist dagegen die Weiße Taubnessel (Lamium album) verfasst. Als sogenannte Ruderalpflanze besiedelt sie eher die Areale, die meist gar nicht von einer gärtnerischen Pflege betroffen sind, wie Wegränder, Waldlichtungen und Schuttplätze. Sie liebt zwar besonders nährstoffreichen und stickstoffhaltigen Boden, der aber auch dort abschnittweise zu finden ist. Die Weiße Taubnessel ist reich an Mineralstoffen, Flavonoiden sowie Gerb- und Schleimstoffen. In der Tradition der Naturheilkunde wurde sie in vergangenen Zeiten vor allem dafür verwendet, um die auftretenden Beschwerden rund um die monatliche Menstruation der Frauen zu begleiten. Aber es gibt noch mehr Anlässe, um dieses Heilkraut auch heute noch zu gebrauchen. Der Lippenblütler wirkt sich z. B. förderlich auf eine gute Verdauung aus. Bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich wiederum kann man dieses Gewächs zur Linderung der Symptome heranziehen. Was in Zeiten wie diesen ebenso nicht zu verachten ist, das betrifft die Ergänzung in der Küche bei herzhaften Salaten, die man mit der Weißen Taubnessel zuwege bringen kann. Die verhaltene Schönheit vom Wegesrand ist übrigens eine ideale Möglichkeit, um mit ihr den Tag zu beginnen. Am besten bittet man sie dazu gleich an den Frühstückstisch.

Taubnesselblüten aufgießen

Von den frischen weißen Blüten zupft man eine genügende Menge ab. Davon nimmt man 2 bis 3 Teelöffel voll (oder 2 TL getrocknete Blüten) und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Dann 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, abseihen und schluckweise trinken. Wer mag, kann den Tee mit etwas Honig oder Zitronensaft ergänzen. Dieser Tee tut der Verdauung, Niere und Blase sowie den Atemwegen gleichermaßen gut. Er hilft mit, dass man zudem entspannt, entkrampft und zuversichtlich den neuen Tag beginnt. www.kraeuterpfarrer.at

Weiße Taubnessel (Lamium album) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wurzelsaft zur Linderung

Die Klette steht zur Verfügung

Um eine Pflanze ganz zu erfassen, genügt es meiner Meinung nach nicht nur, sie aus der Ferne zu erblicken und es dabei bewenden zu lassen. So wird man sie schließlich nie besser kennenlernen können. Ich weiß schon: momentan sind wir alle angehalten, den nötigen Sicherheitsabstand zu jenen zu wahren, mit denen wir nicht familiär zusammenwohnen. Aber von unseren heimischen Gewächsen geht gewiss keine Bedrohung durch das Corona-Virus aus. Das gilt sicherlich auch für die Große Klette (Arctium lappa). Wenn sie nach und nach ihre Blätter zum Vorschein bringt, dann ist es oft schwer, sie zu erkennen und zu bestimmen. Da tut man sich schon leichter, wenn sie blüht und erst recht im Ausbilden ihres Samenstandes, der mit den berühmten Widerhaken ausgestattet ist. Gehen wir aber um eine oder zwei Etagen tiefer. Immerhin hält dieser Korbblütler unter der Erde seine Wurzel bereit, die momentan noch ausgegraben und zum Nutzen unserer Gesundheit verwertet werden kann. Dort sind u. a. ätherische Öle gespeichert, die der Haut und den Haaren guttun. Daher kennt man die verschieden gestaltete Aufbereitung der Klettenwurzeln für äußerliche Anwendungen. Was aber ebenso von Nutzen sein kann, das ist ihr Saft, den man auch verwenden kann. In der Tradition der Kräuterpfarrer ist uns ein Hausmittel überliefert, das man bei Beschwerden rund um Rheuma und Gicht begleitend zum Einsatz bringen kann. Wie gesagt: hierfür ist die frisch ausgegrabene Wurzel der Großen Klette vonnöten. Übrigens: in der Flüssigkeit befindet sich auch ein hoher Anteil an Inulin (nicht zu verwechseln mit Insulin!). Gerade für jene, die unter Diabetes leiden, ist daher der Klettenwurzelsaft gut, weil er den Zuckerstoffwechsel nicht belastet.

Herstellung von Klettenwurzelsaft

Eine frisch gegrabene und penibel gesäuberte Klettenwurzel wird zerkleinert und noch zusätzlich in einem Mörser zerstoßen. Dann in einem Gefäß so viel kaltes Wasser dazugießen, dass alle Wurzelteile bedeckt sind. 10 Stunden ziehen lassen. Hernach den Saft durch ein Stück Leinenstoff auspressen. Gut verschlossen ist er im Kühlschrank zwei Tage haltbar. Mehrmals am Tag kann man davon 1 Esslöffel voll zu sich nehmen, um u. a. Beschwerden von Gicht und Rheuma zu begleiten. www.kraeuterpfarrer.at

Große Klette mit Blüten und Wurzel (Arctium lappa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Gunst der Zeit

Wildrosen und ihre Blüten

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Das Crescendo des Wachstums wird jäh beschleunigt durch unerwartet viel Menge an Sonnenschein und der damit verbundenen Wärme. Dass ebenso die Trockenheit zu einem Problem für Wald und Feld wird, steht wohl außer Frage. Aber ich möchte heute auf eine Pflanze verweisen, die eher im Abseits etwaiger agrar- und forstwirtschaftlicher Überlegungen steht, obwohl ihre Anwesenheit gerade in unserer Kulturlandschaft gesichert werden sollte. Unter den verschiedenen Arten der Wildrosen ist wohl die Hundsrose (Rosa canina) die häufigste und am weitesten verbreitete. Hohlwege, Feldraine und Waldränder sind ihre bevorzugten Standorte. Sie erfüllt für die Tierwelt – und hier wiederum speziell für die Vogelwelt – eine wichtige Schutzfunktion. Die Hundsrose bietet dabei sowohl einen gesicherten Rückzug, eine Brutstätte und zudem einen Futterplatz für die gefiederten Freunde. Wer offenen Auges durch die Landschaft geht, kann dies alles entdecken. Sobald die wilden Rosen blühen, kann man sich der Blütenblätter bedienen, sie abzupfen und zu Hause an einem sauberen Ort gründlich trocknen. Die Inhaltsstoffe dieser Droge setzen sich vor allem aus Gerbstoffen, ätherischem Öl und Pektin zusammen. Das heißt, man kann sie zum Nutzen unserer Gesundheit aufbereiten. Jetzt in der beginnenden warmen Wetterperiode kann es leicht vorkommen, dass manche wiederholt von leichten Schwindelgefühlen heimgesucht werden. Oder man muss sich mit Kopfweh herumschlagen, das einen daran hindert, voll aktiv und wahrnehmungsfähig zu bleiben. Überdies kann die Hundsrose auch einen Beitrag liefern, um die Tätigkeit der Leber und der Galle positiv zu beeinflussen. Alles in allem sollte man also an den blühenden Rosensträuchern in der freien Natur nicht achtlos vorübergehen. Immerhin ist dieses Angebot eine Möglichkeit, um für uns selbst etwas Gutes zu tun.

Blütenblätter-Tee

Von voll aufgeblühten Hundsrosenblüten pflückt man die rosa Kronblätter und trocknet sie gründlich durch. Um einen Tee damit aufzugießen, nimmt man davon 2 Teelöffel voll für 1/4 Liter kochendes Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen. Bei Schwindelgefühlen, Kopfschmerzen und auch bei übermäßigen Monatsblutungen kann man davon jeweils in der Früh und am Abend 1 Tasse als begleitende Maßnahme zu den Beschwerden trinken. www.kraeuterpfarrer.at

Heckenrose oder Hundsrose (Rosa canina) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Elan für die Gesundheit

Mit sieben Kräutern verschaffen

Eine gute Strecke des Weges seit Ostern liegt bereits hinter uns. Ich möchte alle einladen, mit Hoffnung und Zuversicht nach vorne zu blicken, um jetzt nach all dem, was uns bewegt und auch sehr eingeschränkt hat, das Leben bewusster und verantwortungsvoller zu gestalten. Der Blick auf die eigene Gesundheit und die der anderen ist dabei sicher ein wichtiger Teil unserer Überlegungen. Die Osterzeit, die ja in der Liturgie der Kirche bis Pfingsten währt, ist dazu angetan, um sich in den Garten aufzumachen und nach Geschenken zu suchen. Die bestehen nicht so sehr aus gekochten Eiern und Schokohasen, sondern setzen sich aus den Heilkräutern zusammen, die bereits ihre Saison haben. Brennnessel, Gänseblümchen und Gundelrebe gehören zu diesen wertvollen pflanzlichen Schätzen. Der Löwenzahn sei auch nicht vergessen. Und Schafgarbe, Schlüsselblume und das Wohlriechende Veilchen runden die Zusammenstellung in heiliger Zahl ab. Jedes Heilgewächs ist für sich allein gesehen kostbar. Das Veilchen etwa unterstützt die Nerven und kann mithelfen, dass man besser schläft. Die Schlüsselblume stärkt durch ihren Gehalt an pflanzlichen Schleimstoffen die Atemwege. Gänseblümchen und Löwenzahn halten mit ihren Bitterstoffen die Bauchspeicheldrüse, die Leber und die Galle fit. Mit ihrer harntreibenden Wirkung reinigt die Brennnessel die Körpersäfte. Die Gundelrebe, die reich an Flavonoiden ist, unterstützt hervorragend den Gesamtstoffwechsel unserer Physis. Wenn man sich dessen bewusst ist, was die Kräuter zu forcieren imstande sind, kann man kaum mehr gleichgültig an ihnen vorübergehen. In der Tradition der Kräuterpfarrer gibt es eine bewährte Teemischung, die all die aufgezählten Vorteile quasi vereint. Und die Zeit, um diese sieben Osterkräuter ad acta zu legen, ist noch lange nicht gekommen. Auch für unsere Vitalität und unser Wohlbefinden darf Ostern ruhig noch andauern.

Sieben Osterkräuter-Tee:

Eine Mischung aus sieben getrockneten und zerkleinerten Kräutern setzt sich zusammen aus Brennnessel, Gundelrebe, Löwenzahn, Gänseblümchen, Wohlriechendem Veilchen, Schafgarbe und Schlüsselblume. Davon nimmt man 2 Teelöffel und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen. Am besten ungesüßt schluckweise trinken. 2 bis 3 Tassen pro Tag. Das unterstützt die Verdauung, hilft mit, die Abwehrkräfte zu stärken und verleiht ein gesteigertes Wohlbefinden. Am besten 3 Wochen lang durchführen. Die fertige Teemischung „Sieben Osterkräuter“ erhalten Sie im Kräuterpfarrer-Zentrum: Tel. 02844/7070, E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at und im Webshop: www.kraeuterpfarrer.at

Sieben Osterkräuter-Teemischung ⓒ Reinhard Podolsky/mediadesign





Für besseres Atmen

Die Zwiebel kann helfen

Die momentanen Schlagzeilen werden nach wie vor von dem einen Thema bestimmt, das uns als Menschen weltweit betroffen macht und die einzelnen Regierungen veranlasst, durch verantwortbare Reglements Maßnahmen zu setzen, die eine mögliche Ansteckung mit dem so genannten Coronavirus in überschaubaren Grenzen halten sollen. In unserem Heimatland haben wir gottlob dahingehend wohl schon den einen oder anderen Erfolg zu verzeichnen. Ab und zu tauchten Nachrichten auf, die von angeblichen wundersamen Maßnahmen berichteten und so genannte Wundermittel anpriesen. Darunter war auch die Zwiebel (Allium cepa) zu finden. Ich darf in meinen Vorträgen und Publikationen je neu darauf verweisen, dass mit dem Begriff „Wunderpflanze“ mehr als vorsichtig umzugehen ist. Im Gegensatz dazu soll das jedoch nicht die tatsächlich wirkenden Kräfte der naturgegebenen Gaben in Abrede stellen. Bei der Zwiebel lauten die Inhaltsstoffe ätherisches Öl, Lauch- und Senföl, verschiedene Schwefelverbindungen und darüber hinaus Vitamin C. In der Küche wird hierzulande ja ohnehin häufig von diesem Knollengemüse Gebrauch gemacht, was übrigens auch mithilft, um die Abwehrzellen des Körpers zu stärken und überdies einen erhöhten Blutdruck zu senken. Worin sich die Zwiebeln aber zusätzlich bewähren, das ist die Nachsorge von grippalen Infekten und dazu vergleichbare Krankheiten, die u. a. die Lunge in Beschlag nehmen. Das freie Atmen ist ein ganz wichtiger lebenserhaltender Vollzug, den wir meist erst dann zu schätzen beginnen, wenn dies nur eingeschränkt der Fall ist. Und somit möchte ich heute ein Hausmittel als Tipp weitergeben, der vor allem den Bronchien zugutekommen soll. Und Zwiebeln hat man wohl in fast allen Haushalten vorhanden, wo täglich gekocht wird. Also, wozu in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Bleiben Sie allesamt gesund!

Zwiebel-Honig

Von vorhandenen Zwiebeln presst man 3 Esslöffel voll des in der Knolle gespeicherten Saftes aus. In einem Gals vermischt man den gewonnenen Saft mit ebenso viel (= 3 Esslöffel voll) Honig. Dann verschließen und in den Kühlschrank stellen. Leidet man im Zuge einer starken Erkältung oder eines grippalen Infektes unter Atembeklemmung, so nimmt man von dem Zwiebelhonig stündlich 1 Teelöffel voll zu sich. Noch vor dem Hinterschlucken eine Weile im Mund behalten, um die erleichternde Wirkung zum Tragen kommen zu lassen. www.kraeuterpfarrer.at

Einzelne Zwiebel (Allium cepa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Augenpflege mit Blüten

Die Kornblume nutzen

Das Frühjahr hat sehr viele schöne Seiten. Wir freuen uns über das frische Grün, das nun Tag für Tag mehr wird, auch wenn der nötige Nachschub an genug Regen auf sich warten lässt. Immerhin hat die Natur Strategien entwickelt, um sich soweit als möglich das Überleben auch in längeren Trockenphasen zu sichern. Der Wind, der über die Landschaft streicht, stellt jedoch auch für den Menschen ein Problem dar. Bei nicht wenigen beginnen die Augen zu tränen oder gar sich zu entzünden. Die in der Luft vorhandenen Pollen verstärken zusätzlich diese Symptome. Eine Weile müssen wir noch warten, bis die Kornblumen (Centaurea cyanus) sich zeigen und die naturbelassenen Feldränder schmücken. Für mich bedeuten diese wunderschönen Korbblütler immer auch, dass sich der Umgang mit unserer Schöpfung zum Guten wendet, da für solche Individuen wieder Platz ist. In den Blütenblättern sind die Wirkinhalte wie etwa der blaue Farbstoff Cyanin, der Bitterstoff Centaurein, Gerbstoff und pflanzlicher Schleimstoff eingelagert. In der Naturheilkunde greift man auf diese Droge gerne zurück, um sie als schmückende und färbende Beigabe verschiedenster Teemischungen heranzuziehen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass von der Kornblume appetitanregende, verdauungsfördernde und auch leicht harntreibende Effekte ausgehen, sofern man sie für innerliche Anwendungen verwendet. Für geplagte Augen haben darüber hinaus die blauen Schönheiten auch noch etwas übrig. Gerade jetzt, wo man schwerlich auf fremde Hilfe zurückgreifen kann, ist es sinnvoll, sich mit Pflanzen ein Stück weit das Leben zu erleichtern und für nicht gravierende Leiden eine Linderung zu verschaffen. Und das geht eigentlich ganz einfach. Ich wünsche Ihnen prinzipiell wieder bessere Aussichten!

Kompressen für gerötete Augen

Von getrockneten (oder wenn später vorhanden, auch frischen) Blütenblättern der Kornblume nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen, danach abseihen. Nun tränkt man Wattebauschen mit dem Tee und hüllt sie ihrerseits zusätzlich in ein Stück Leinenstoff. Diese Kompressen legt man zwei- bis dreimal am Tag auf die geschlossenen Augen auf, etwa 10 bis 15 Minuten lang. Das bewährt sich als lindernde und zugleich stärkende Maßnahme für gerötete und auch übermüdete Augen. www.kraeuterpfarrer.at

Kornblume (Centaurea cyanus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Guten Appetit

Tausendguldenkraut und der Magen

Wenn von den Freuden des Gaumens und somit auch des Magens die Rede ist, dann lässt einem der Gedanke an einen knusprigen Braten, an eine cremige Torte oder an ein gutes Achterl Wein das Wasser im Mund zusammenfließen. Es gibt zurzeit auch genug Cartoons und Witze darüber, dass das Corona-Virus bedingte Daheimbleiben die Körperfülle aufgrund des regelmäßigen guten Essens um ein Vielfaches zulegen lässt. Mein Tipp soll heute auch in Richtung des guten Appetites gehen, doch habe ich dafür bloß ein äußerst bitteres Kraut anzubieten, das den Speichelfluss gefühlt eine Vollbremsung vollziehen lässt. Dabei handelt es sich um eine äußerst liebenswerte und dazu noch überaus schützenswerte Heilpflanze. Ihr Name ist Tausendguldenkraut (Centaurium erythraea od. C. umbellatum), das außerhalb von Österreich unter der Bezeichnung Tausendgüldenkraut bekannt ist. Als Mitglied der botanischen Familie der Enziangewächse verwundert es wohl nicht, dass sich das Heilkraut durch einen hohen Gehalt an Bitterstoffen auszeichnet. Flavonoide, Xanthone und Glykoside finden sich ebenso in den Wuchsteilen. Die Naturheilkunde schätzt seit eh und je diesen Vorteil. Die Tradition der Verwendung des Tausendguldenkrautes behält bis heute seine Berechtigung, wenn es darum geht, den Magen in seiner Funktion und in seiner guten Verfasstheit zu unterstützen. Und dafür ist es unbedingt notwendig, auf Bitterstoffe nicht zu verzichten. Über die Palette der Möglichkeiten, wie man das Tausendguldenkraut auf vielfache Weise nutzbringend für den Erhalt unserer Gesundheit und die Stärkung der physischen und psychischen Agilität zum Einsatz bringen kann, steht das Team der Beratung im Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein telefonisch zur Verfügung (Kräutertelefon: 02844/7070). Und nehmen Sie sich Zeit, um sich demnächst eventuell ein Magenelixier selbst zuzubereiten. Dafür habe ich einen konkreten Vorschlag.

Tausendguldenkraut-Wein

Die Zutaten setzen sich folgendermaßen zusammen: 60 g getrocknetes und zerkleinertes Tausendguldenkraut, 40 g Kamillenblüten, 40 g zerschnittene Schalen von biologisch gezogenen Orangen und der gepresste Saft von 2 Orangen. Alles miteinander abmischen, in ein Gefäß mit weißem Gals geben und mit 2 Liter gutem Weißwein übergießen. Verschließen und 3 Wochen lang an einem Fensterplatz stehen lassen. Danach abseihen, in dunkle Flaschen abfüllen und kühl stellen. Bei Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit und bei Sodbrennen jeweils 1 Stamperl voll 1 Stunde vor der Mahlzeit zu sich nehmen. www.kraeuterpfarrer.at

Tausendguldenkraut (Centaurium erythraea) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Pflanzen lieben Gelb

Der Steinklee ist ein gutes Beispiel

In der Modebranche ist man stets darauf bedacht, das Design von Kleidung je neu zu definieren und somit die Trends für bestimmte Saisonen vorzugeben. Alle, die schon ein paar Lebensjahrzehnte am Buckel haben, wissen wohl um die wechselnden Geschmäcker und Vorlieben in Bezug auf das Gewand und die Haartracht. Die Natur draußen vor der Haustür hat da eine größere Beständigkeit. Und eine Farbe kehrt immer wieder: das Gelb. Obwohl er noch Zeit hat, sich zu entwickeln und bis zum Sommer dann zu seiner vollen Größe heranzuwachsen, ist der Gelbe Steinklee (Melilotus officinalis) auch schon gegenwärtig ein Heilkraut, das der Beachtung würdig ist. Als Inhaltsstoffe überwiegen in den blühenden Wuchsteilen Flavonoide und Schleimstoffe. Darüber hinaus befinden sich Cumarine im Gewächs, die vor allem beim Trocknen der Pflanzendroge zutage treten und von unserem Geruchssinn durch den charakteristischen Duft des Steinklees wahrgenommen werden. Daher eignen sich die Blütentriebe auch zur Mottenabwehr, wenn man sie mit einem durchlässigen Stoff umhüllt in den Kleiderkasten hängt. Für unsere Gesundheit hat das gelb blühende Kraut aber ebenfalls genug zu bieten. Wer dieses Heilkraut innerlich verwendet, kann mithelfen, die Blutgefäße zu stärken und sie für einen klaglosen Durchfluss des roten Lebenssaftes frei und offen zu halten. Das zeigt sich besonders auch bei Stauungen wie z. B. Hämorrhoiden als vorteilhaft. Mit den getrockneten Triebspitzen lässt sich ganz einfach ein Tee im herkömmlichen Heißaufguss zubereiten, den man dann regelmäßig über einige Zeit hinweg trinkt. Und nun möchte ich noch einen kulinarischen Tipp geben. Über den Gaumen kann man sich nämlich die Wirkstoffe des Steinklees ebenso zugänglich machen.

Speisen aufbessern

Hat man Zeit für eine kleine Mahlzeit zwischendurch, dann kann dabei der Gelbe Steinklee ebenfalls eine Rolle spielen. Die getrockneten Blüten, die man zuvor von den Trieben abgerebelt hat, mischt man u. a. unter einen Streichkäse, der dadurch auch geschmacklich aufgebessert wird. Oder man nimmt 2 Teelöffel voll und rührt sie in ein Glas Sauer- bzw. Buttermilch. Eine Weile noch stehen lassen und dann erst trinken. Das tut den Blutgefäßen gut und kann zudem mithelfen, dass das Lymphsystem in unserem Körper besser funktioniert. www.kraeuterpfarrer.at

Gelber Steinklee (Melilotus officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Nieren unterstützen

Die Dornige Hauhechel verwenden

Wenn man in der heimischen Pflanzenwelt nach Besonderheiten sucht, dann sollte man bedenken, dass es viele bedrohte Arten gibt, die in den letzten Jahren unter vermehrtem Stress stehen. In den Gegenden des Flach- und Hügellandes fehlt es an regelmäßigen Niederschlägen. Somit gilt es für die Gewächse, sich vermehrten Trocken- und Hitzeperioden auszusetzen, die letzten Endes auch deren künftige Existenz in Frage stellen. Eine Spezies scheint dieser Tatsache gut trotzen zu können. Ich meine die Dornige Hauhechel (Ononis spinosa), die ihre Äste auch mit Sprossdornen wehrhaft ausstattet. Sie liebt magere Böden auf Trockenrasen-Arealen. Die Hauhechel blüht sehr schön. Man kann an ihr förmlich ablesen, dass sie zur Familie der Schmetterlingsblütler zählt. Unsere Vorfahren wussten bereits um die Heilkraft dieser Pflanze. Selbst aus der Antike gibt es prominente Zeugnisse von deren Verwendung, wie z. B. von Theophrast und Dioskurides. Die Heilwirkung ruft man aber an ihr nicht von den Blüten, den Blättern oder den Stängeln ab, sondern man findet sie in der Wurzel unter der Erde. Als Hauptwirkstoff gilt das ätherische Öl mit seiner harntreibenden Eigenschaft. Und somit landen wir mit der Hauhechel bei den Nieren, die eine ganz wertvolle Aufgabe in unserem Organismus innehaben. Sie produzieren den Harn und tragen wesentlich zum Flüssigkeits- bzw. Elektrolythaushalt des Körpers bei. Leider bleiben die Nieren nicht von Beeinträchtigungen gefeit, die sich in Form einer Entzündung oder im Vorliegen von Nierengrieß oder gar Nierensteinen manifestieren können. In allen Fällen ist es notwendig, diese Zustände durch eine ärztliche Diagnose samt der damit verbundenen Therapie einer Besserung und hoffentlich auch Heilung einer positiven Wende zuzuführen. Als begleitende Unterstützung kann, wenn nichts dagegen spricht, auch ein Tee getrunken werden.

Die Nieren durchspülen

Von der getrockneten und zerkleinerten Wurzel der Dornigen Hauhechel nimmt man 2 volle Esslöffel. Über Nacht in 1/2 Liter kaltem Wasser ansetzen. Am Morgen gut anwärmen und abseihen. Gleichzeitig brüht man 1/2 Liter Fencheltee auf, den man mit dem Hauhechelansatz zusammenmischt und dann in eine Thermosflasche füllt. Als Tagesgetränk zu sich nehmen, um die Nieren durch das Treiben des Harns bei Nierengrieß, Nierensteinen und Entzündungen zu unterstützen. www.kraeuterpfarrer.at

Dornige Hauhechel (Ononis spinosa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya