Den Appetit zügeln

Hilfreiches aus dem Garten

Unsere Existenz ist ein steter Prozess von Entwicklungen und Veränderungen. Ganz schnell geht es damit voran, sobald wir nach der Geburt als Babys losstarten, um auf unsere je eigene Art die Welt zu erobern. Als Elternteil oder Verwandter staunt man darüber, wie schnell die Jungen wachsen und nach einiger Mühe und Not liebevoller Pädagogik als eigenständige Personen das Leben meistern. An uns selbst merken wir mit dem Fortschreiten der Jahre ebenso, dass wir nicht mehr die Alten sind, obwohl wir durchaus älter werden. Salbei und Majoran sind es, die ich diesmal in Bezug auf unseren Appetit in den Fokus des Interesses nehmen möchte. Denn eine Erfahrung teilen wohl viele mit uns: das Essen schmeckt nur allzu gut. Dabei muss es nicht nur ein fröhliches oder unbeschwertes Fristen unserer Tage sein, das uns aufgrund herrlicher Speisen den Körperumfang samt Gewicht steigern lässt. Oft ist es genauso gut der viel zitierte Stress, der einiges dazu beiträgt, um kaum auf eine vernünftige und ausgewogene Ernährung zu achten und die täglich notwendige Bewegung im Freien nicht zu übersehen. Der Appetit ist wie ein Tier, das man zähmen muss. Andernfalls werden wir zu seinem Diener und eben nicht zu seinem Herren. Die Kräuter im Garten tragen nicht bloß etwas dazu bei, um das, was auf dem Tisch landet, noch schmackhafter zu machen. Sie geben über den Gaumen durchaus auch Direktiven an den Köper weiter, die steuernd und regulierend eingreifen können. Bitterstoffe und ätherische Substanzen vermögen das. Oft genügt ein kleines Blatt, um sich in der Selbstdisziplin auf einen guten Weg zu begeben.

Majoran und Salbei

Bei Heißhunger auf Süßes oder Deftiges kann man von einem Majoranzweig ein Blättchen abzuzupfen und in den Mund nehmen. Eine Weile lang durchkauen, damit die Inhaltsstoffe über die Mundschleimhaut aufgenommen werden können und sodann den Appetit zügeln. Ebenso sollte man bei Vorhandensein eines Salbeistöckerls im eigenen Garten öfter ein Blatt pflücken, um es mit den Zähnen gut zu zerbeißen und hernach wieder auszuspucken. Das hat übrigens auch einen stärkenden Effekt auf unser Zahnfleisch.

Majoran-Zweiglein ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Salbeizweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bewährte Zutat in der Küche

Kräuteressig herstellen

Freude ist eine der Grundkomponenten unserer irdischen Existenz. Sie hebt den Menschen aus den sonst oft mühevollen Vollzügen des Alltags heraus und verleiht ihm sprichwörtliche Flügel. Sie ist einerseits eine Tugend, der man bewusst in seinem Herzen Platz einräumen kann. Andererseits ist sie ebenso ein Geschenk des Himmels. Das Frühjahr bietet genug Anlass, um die Freude zu pflegen. Wenn sich heute meine Worte rund um den Kräuteressig in der Küche drehen, dann sollten wir die Augen dafür öffnen, was sich alles nun auf den Beeten und in der Natur draußen in neuer Fülle zeigt und quasi abholbereit dasteht. Das frische Grün der Kräuter will jedoch nicht nur bestaunt werden, sondern drängt danach, für unsere eigene Gesundheit genutzt zu werden. Doch schauen wir uns den Essig einmal genauer an, der die Grundlage der Herstellung eines speziellen Kräuterauszugs darstellt. Er gilt als ein sogenanntes fermentativ-biologisches Versäuerungsprodukt. Essig besitzt ebenso eine Wirkung auf den Körper, die wir als desinfizierend bezeichnen können. Überdies fördert er durch seinen maßvollen Konsum die Absonderung des Magensaftes. Nicht zuletzt besitzt die Verwendung des Kräuteressigs auch eine Erleichterung des Würzens beim Anrichten von Salaten und Zubereiten von Sülzen und Soßen. Da die Geschmäcker bekanntlich verschieden sind, bedient man sich folgerichtig also der verschiedenen Kräuter, die aus dem jeweils saisonalen Angebot des Gartens geholt werden können. Es eignen sich u. a. Rosmarin, Estragon, Petersilie, Dill, Zitronenmelisse, Schnittlauch, Thymian, Ysop und Majoran dafür, zudem auch das oft am Fensterbrett in einem Blumentopf sitzende Basilikum. Spezialisten und Feinschmecker werden womöglich noch andere Gewächse empfehlen können. Nutzen wir also die grüne Palette, um die Vegetationsphase dieses Jahres wiederum gut auszuschöpfen.

Ansatz in Essig

Von den genannten Würzkräutern nimmt man einige 10 bis 12 cm lange Zweige bzw. Triebenden, die man nach dem Abschneiden in eine Flasche gibt und am besten mit einem guten Apfelessig auffüllt. 10 Tage lang verschlossen an einen sonnigen Platz stellen und täglich einmal durchschütteln. Dann kühl und dunkel lagern. Übrigens kann man Gewürznelken, Wacholderbeeren, Senfkörner oder die weichen Früchte der Kapuzinerkresse dem Ansatz beifügen. Ein Kräuteressig unterstützt als Würze unsere Gesundheit.

Rosmarin-Essig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine griffbereite Hilfe

Flieder als Heilkraut

Talente sind unheimlich wichtig! Wir profitieren sehr häufig von dem, was andere gut können. Und im Laufe des Heranwachsens kommt man schließlich selber drauf, was man gut kann. Im Idealfall wird eine Begabung wegweisend für die künftige Berufslaufbahn. Leider bleiben manche Stärken auch oft unerkannt. Man hat ja gar nicht gewusst, was der oder die imstande ist! Heute am Sonntag fällt bei einem Spaziergang der Blick womöglich auf den Gemeinen Flieder (Syringa vulgaris). Dort wo die Witterung in milden Gegenden es ermöglicht hat, konnten schon zum Muttertag große Sträuße der blühenden Gartenzierde als Zeichen der Dankbarkeit überreicht und in die Vasen gestellt werden. Kaum jemand würde jedoch vermuten, dass es auch möglich ist, den Flieder noch auf andere Weise zu verwenden, z. B. als Heilkraut. Der zu den Ölweidegewächsen zählende Strauch kann aber durchaus zu diesem Thema etwas beitragen. Sowohl die Blüten als auch die Blätter können als Hausmittel zum Einsatz kommen. Ätherische Öle und Gerbstoffe erweisen sich als Inhaltsstoffe, die auf die eine oder andere Art der Physis eine Unterstützung bieten. Die Verdauung benötigt ab und zu eine gezielte Zuwendung. Oder es sind Fieberschübe, die einem zu schaffen machen. Bei letzterem sind es vor allem die Blätter des Flieders, die dann eine lindernde Wohltat darstellen können. Um diese Gabe aus dem Garten das Jahr über zur Verfügung zu haben, ist es sicherlich sinnvoll, sowohl die Blüten- als auch die Blätterdroge zu pflücken und sorgfältig zu trocknen. Keine Zeit ist besser geeignet als die gegenwärtige! Also, einen erholsamen und mit Blüten gesegneten Sonntag allen Lesern dieser Kolumne!

Bei leichtem Fieber

2 Esslöffel voll getrockneter und zerkleinerter Blätter des Gartenflieders werden mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Über den Tag verteilt schluckweise trinken. Dies kann dazu beitragen, dass sich die Körpertemperatur wieder in Richtung der regulären Werte absenkt. Bei starkem Fieber ist jedoch von dieser Maßnahme Abstand zu nehmen und der ärztliche Rat einzuholen.

Fliederblüten (Syringa vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Etwas für die Kopfhaut

Klettenwurzelsaft für Massagen

Je wärmer die Temperaturen nach der Periode der Eisheiligen nun wieder ansteigen, desto weniger schützend muss die Kleidung sein, die wir am Leibe tragen. Das betrifft übrigens auch den Kopf, der bei starker Sonneneinstrahlung zwar im wahrsten Sinne des Wortes wohlbehütet sein sollte, der aber auf warme Hauben oder Kappen durchaus verzichten darf. Der in der physiologischen Geographie zuoberst sitzende Teil unseres Leibes ist für unsere Person von hoher Wichtigkeit. Denn immerhin verleiht er uns den individuellen Charakter des Aussehens, an dem man uns letztendlich erkennt. Die Wurzel der Großen Klette (Arctium lappa) hingegen kommt tief aus der Erde, also von dort, wo man nicht hinsehen und oberflächlich nichts wahrnehmen kann. Das tut der Tatsache aber keinen Abbruch, um gerade dort einen Schatz zu entdecken, der uns speziell in den Anliegen der Kopfpflege weiterhelfen kann. Das Haupt besteht schließlich nicht nur aus dem Gesicht, sondern zu einem großen Teil aus der Kopfhaut, auf der die mehr oder weniger vorhandene Frisur zu sitzen pflegt. Dieser Bereich ist besonders sensibel und gleichzeitig sehr vielen Strapazen ausgesetzt, wenn man Sonne, Wind und Wetter u. a. in Betracht zieht. Die Klettenwurzel enthält als Inhalte nicht nur Schleimstoffe, Gerbsäure und Inulin, sondern auch fettes pflanzliches und ätherisches Öl. Zudem bergen sich in dem unterirdischen Wuchsteil antibiotisch wirkende Substanzen, die gerade für die Haut von großem Vorteil sind. Am Kopf können sich diesbezüglich einige Probleme einstellen, die einen auf die Suche nach einer möglichen Begleitung gehen lassen. Heute möchte ich vorschlagen, es doch einmal mit der Klettenwurzel zu probieren, von der es auch Produkte im Kräuterpfarrer-Zentrum in Karlstein gibt.

Den Saft der Wurzel gewinnen

Die frisch ausgegrabene und gereinigte Wurzel der Großen Klette wird vorerst zerkleinert und zusätzlich in einem Mörser zerstoßen. Dann in einem Glas die Wurzelteile mit Wasser übergießen, so dass sie gerade damit bedeckt sind. 8 bis 10 Stunden ziehen lassen und dann durch ein Leinentuch den Saft auspressen. Dieser ist im Kühlschrank bis zu 3 Tagen haltbar. Entweder direkt die Kopfhaut mit dem zimmerwarmen Saft massieren oder den Saft mit etwas Olivenöl vermischen, um so ein Massageöl zur Hand zu haben für unreine Kopfhaut, Kopfgrind oder Haarausfall. Einen Klettenwurzel-Ölauszug erhalten Sie im Kräuterpfarrer-Zentrum: Tel. 02844/7070 oder E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at bzw. im Webshop: www.shop.kraeuterpfarrer.at

Große Klette mit Blüten und Wurzel (Arctium lappa) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Hilfe für die Atemwege

Latschenzapfen in grünem Zustand

Wir Menschen sind wundervolle Geschöpfe. Es gibt uns nur in einmaliger Ausführung auf dieser Welt, die nie mehr wiederkehrt. Gott hat es so gefügt, dass jede Person ein Unikat darstellt. Immerhin gilt diese Erkenntnis auch für Zwillinge! Das ist die eine Seite. Die andere stellt sich dergestalt dar, indem wir verletzlich und für Krankheiten anfällig sind. Manche Leiden und Beschwerden, die sich meist als nicht als so gravierend erweisen, kehren wieder. Dazu zählen sicherlich die Erkältungssymptome wie ein schmerzender Hals, Husten und Heiserkeit, den Schnupfen nicht zu vergessen. In der Latschenkiefer (Pinus mugo) gesellt sich genau bei diesen Problemen ein pflanzlicher Freund an unsere Seite. Normalerweise kennen wir diesen Baum, der auch als Legföhre oder Krüppelkiefer bezeichnet wird, in seiner Funktion als Gewächs der alpinen Baumgrenze, wo er als Lawinenschutz wertvolle Dienste leistet. Bei Wanderungen im Bergland kann man der Latschenkiefer noch vielerorts begegnen. Seit langem hat man sie aber auch in die Gärten geholt, wo sie als strukturierendes Gestaltungselement zum Einsatz kommt. Wie alle Nadelbäume sorgen auch die Kleinwüchsigen unter den Föhren für eine Verbesserung der Luft, weil sie mit ihren Zweigen quasi den Wind durchkämmen und viele Terpene und ätherische Substanzen an die Umwelt abgeben. Als besonders wertvoll erweisen sich ebenso die Fruchtstände darauf, die wir ganz einfach Zapfen nennen. Solange diese im Heranwachsen sind und sich noch nicht verholzt haben, können sie für die Atemwege genutzt werden. Sie enthalten besonders viele ölige und ätherische Substanzen, die sich besonders für die Bronchien als stärkend und festigend erweisen. Zudem besitzen sie eine keimwidrige und entzündungshemmende Kraft. Aus alten Überlieferungen ist in unserer Zeit ein Hausmittel bekannt, das sich sicherlich auch heute noch herstellen lässt und als hilfreich herausstellen kann. Viele Zutaten benötigt es dazu nicht.

Latschenzapfen-Geist

Von den Zweigen der Latschenkiefer sammelt man im Frühjahr 10 grüne Zapfen, die im Inneren noch weich sind. Man zerschneidet sie fein und gibt sie zusammen mit ein paar frisch getriebenen Nadelspitzen des Baumes in eine helle Flasche, die man mit einem herkömmlichen Obstbrand auffüllt. 8 Wochen lang an einem hellen Ort im warmen Zimmer stehen lassen, ohne es der direkten Sonneneinstrahlung auszusetzen. Danach filtrieren und noch ein paar Monate im Keller lagern. Bei Erkältungen schluckweise einnehmen. Kann auch als Beigabe zu Mundspülungen mit Kamillentee verwendet werden.

Latschenkiefer (Pinus mugo) ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Beruhigt Körper und Seele

Melisse als Möglichkeit

Die Schatzkiste der Natur ist reichlich gefüllt! Um an sie heranzukommen, ist es zu allererst notwendig, Interesse für die einzelnen Lebewesen zu zeigen. Beschäftigt man sich nämlich näher mit den Tieren und Pflanzen in unserer Heimat oder auf fernen Kontinenten, so kommt man bald darauf, dass alles in einem wunderbaren Zusammenhang steht, den wir für gewöhnlich als Gleichgewicht der Natur bezeichnen. Aus dem Austausch von Nehmen und Geben fällt auch für uns Menschen ein Nutzen ab. Machen wir momentan einen Blick in den Kräutergarten, werden wir merken, dass u. a. die Melisse (Melissa officinalis) sich schon mit ihren frischen und jungen Trieben aus dem Erdreich erhoben hat, um bis zum Sommer zu ihrer vollen Größe heranzuwachsen, die fast 1 Meter Höhe betragen kann. Sie ist eine ausdauernde Pflanze und zählt zur botanischen Familie der Lippenblütler. Viele kennen den charakteristischen Duft, der von den Blättern dieses Heilkrautes ausgeht. Das ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich darin ein leicht verdampfendes ätherisches Öl befindet, das für sich selbst wiederum verschiedene Bestandteile birgt, die sich auf den Gesamtorganismus beruhigend auswirken. Dies hat schon die große heilige Hildegard von Bingen beobachtet, die über die Melisse sagte, dass sie dem Herzen Freude zuführen würde. Wir können heute nach wie vor einen entspannenden Effekt feststellen, der mit der Verwendung der Melisse in direktem Zusammenhang steht. Dieser Vorteil ist sowohl für die Nerven als auch für den Verdauungstrakt günstig und wohltuend. Um das allseits bekannte Heilgewächs für den Gebrauch aufzubereiten, gibt es mehrere Möglichkeiten. Heute möchte ich die Herstellung einer Tinktur beschreiben. Diese lässt sich auch äußerlich zum Einsatz bringen.

Melissen-Auszug

100 g getrocknete Melissenblätter werden 14 Tage lang in 1 Liter Obstbrand oder einem guten hochprozentigen Alkohol angesetzt. Das geschieht in einem verschlossenen Glasgefäß. Danach seiht man das Ganze ab und verdünnt es zusätzlich mit destilliertem Wasser auf einen Alkoholgehalt von ca. 20 %. Nochmals 14 Tage stehen lassen, dann endgültig abfüllen, kühl und dunkel lagern. Bei Einschlafschwierigkeiten, aber auch bei nervlicher Angespanntheit nimmt ein Likörgläschen voll davon ein und reibt mit dem Melissen-Auszug zusätzlich den Körper vor dem Schlafengehen ein, um besser zur Ruhe zu kommen. Das fertige Produkt erhalten Sie in unserem Kräuterpfarrer-Zentrum (Tel. 02844/7070, E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at oder im Webshop: www.shop.kraeuterpfarrer.at.

Melisse oder Zitronenmelisse (Melissa officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Adern zuliebe

Birkenblätter sammeln

Bei verschiedensten Sammlern, die sich mit Leidenschaft auf unterschiedlichste Interessen konzentrieren, sind häufig liebevoll zusammengestellte Raritäten und manchmal sogar Einzelstücke zu entdecken, die oft mehr einen ideellen als einen materiellen Wert darstellen. In der grünen Natur draußen hat man es meist mit einer Fülle an variierenden Kostbarkeiten zu tun, die gottlob jedes Jahr wiederkehren, sofern die menschliche Umsicht dazu beiträgt, dass Pflanzen und Tiere den ihnen zustehenden Lebensraum behalten dürfen. Die Birke (Betula pendula) ist ein Baum, der an und für sich gut mit den zivilisatorischen Umbrüchen, die der Mensch heutzutage vollzieht, umgehen kann. Als Pionierbaum versteht es die Birke, sich an trockenen und feuchten Standorten gleichermaßen auszubreiten und mit ihren unzähligen Samen, die auch durch den Wind verbreitet werden, für Nachkommenschaft zu sorgen. Nun ist die beste Zeit, sich ihre Blätter näher anzusehen. Diese präsentieren sich jetzt in einem satten Grün und tragen somit etwas zur Zierde der Landschaften bei. Die Inhaltsstoffe dieser Pflanzenteile sind seit jeher dafür bekannt, dass sie bei entsprechender Verwendung mithelfen können, die Harnproduktion zu steigern und somit das Blut beim Entsorgen der Giftstoffe aus unserem Körper zu unterstützen. Darüber hinaus sind Birkenblätter von Nutzen, die Arterien vor einer vorzeitigen Verkalkung derselben zu bewahren. Zudem profitiert die Konsistenz der Aderngewebestruktur von dem Grün der weißrindigen Bäume. So sehr auch von den Blättern derzeit genügend vorhanden sein mag, zahlt es sich dennoch aus, eine Sammlung derselben für später anzulegen. Das sollte am besten bis Ende Juni geschehen.

Birkenblätter trocknen

Von den Zweigen der Birkenbäume sammelt man bei schönem Wetter die Blätter, um sie sorgfältig an einer schattigen und womöglich zugigen Stelle aufzulegen und gründlich zu trocknen. Um einen Tee damit zuzubereiten, nimmt man die zerkleinerte getrocknete Ware in der Menge von 2 Esslöffeln, übergießt sie mit 1/2 Liter kaltem Wasser und lässt es auf einer Herdplatte kurz aufkochen. Noch 15 Minuten ziehen lassen, dann abseihen, gegebenenfalls mit etwas Honig süßen und tagsüber trinken. Das tut man dem Blut und den Blutgefäßen zuliebe.

Birkenzweige mit Blättern und Blüten (Betula pendula) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mehr Schwung mit Kräutern

Pfefferminze und Majoran

Unlängst durfte ich ein berühmtes Gemälde von Hieronymus Bosch im Museo del Prado in Madrid bewundern. Es handelt sich dabei um die Darstellung der sieben Todsünden. Unter ihnen ist auch die so genannte „acedia“ abgebildet, die mit Gleichgültigkeit oder eher noch Trägheit übersetzt werden kann. Nun, dazu könnte man viel sagen. Es mag etliche Gründe geben, warum man nicht den Schwung aufbringen kann, der einen voll Tatendrang und Frische durch den Lauf der Tage trägt. Kräuter sind vom Herrgott dazu angelegt, zumindest physisch etwas zu einer Aufmunterung beitragen zu können. Der Majoran (Origanum majorana) und die Pfefferminze (Mentha piperita) sind uns aus der Küche wohlbekannt. Sie helfen mit, dass wir uns beim Genuss von Speisen nicht langweilen müssen, da sie auf vielfältige Weise als Würzzusatz dienen und so durch ihr Aroma das Essen bereichern. Oft reichen schon kleine Mengen der Kräuter, um den geschmacklichen Charakter der Speisen positiv zu verändern. Beide Gewächse zählen zu den Lippenblütlern und enthalten neben Flavonoiden auch eine Menge an ätherischen Ölen, an Bitterstoffen und Pflanzensäuren. Diese können nicht nur mitwirken, um so manches Gericht aufzupeppen, sondern sie bewirken darüber hinaus noch eine Stärkung unseres Kreislaufes. Gerade im Frühling kann es passieren, dass wir uns müde und abgespannt fühlen. Ein Grund hierfür liegt meiner Meinung nach auch im wechselnden Wetter und in der Umstellung der Jahreszeit auf wärmere Temperaturen vor. Dem kann man mit der Inanspruchnahme der positiven Effekte begegnen, die gerade vom Majoran und von der Pfefferminze ausgehen – und zwar nicht nur innerlich, sondern auch äußerlich in Form eines Bades!

Erfrischendes Kräuterbad

Von den getrockneten und zerkleinerten Blättern bzw. Triebspitzen des Majorans und der Pfefferminze, die man zu gleichen Teilen mischt, nimmt man 50 g und übergießt sie mit 2 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Die bereits mit warmem Wasser gefüllte Wanne wird mit dem Absud ergänzt, bevor man ins Wasser steigt und ca. 15 Minuten lang darin badet. Diese Anwendung kann 2-mal pro Woche wiederholt werden, um den Kreislauf zu stärken.

Pfefferminze, Blütenzweiglein (Mentha piperita) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Majoran-Zweiglein (Origanum majorana) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ausgleich und Beruhigung

Vom frischen Grün des Eisenkrautes

Wir Menschen gehen quasi automatisch mit der Zeit. Es ist uns unmöglich, die Uhr aufzuhalten und somit die damit verbundene Vergänglichkeit für eine Weile zu stoppen. Sollte bei jemandem der Terminkalender mit Eintragungen gefüllt sein, dann weiß diejenige Person, wie es sich anfühlt, da Tage, Wochen und Monate wie im Flug vergehen. Und das kann zudem die Nerven belasten. Der Druck, der mit einer Anzahl an Herausforderungen in Verbindung steht, hinterlässt letztendlich auch gesundheitliche Spuren. Das Echte Eisenkraut (Verbena officinalis) geht ebenfalls mit der Zeit. Es ruht im Winter und hat nun den Drang, erneut zu seiner vollen Größe heranzuwachsen und schlussendlich zu blühen und zu fruchten. Wir kennen bereits Berichte aus der Antike über das Eisenkraut und seine Verwendung als Reinigungsmittel in heiligen Stätten. Im Laufe der Zeit hat man desgleichen viele gute Erfahrungen gemacht, die mit der Heilung und Begleitung von physischen Beschwerden in Verbindung stehen. Dabei hat man z. B. beobachtet, dass die Atemwege davon profitieren, wenn man zum Eisenkraut greift. Aus längst vergangenen Zeiten weiß man zudem, dass von diesem Heilgewächs eine beruhigende Wirkung ausgeht. Diesen Effekt kann man sehr gut von der frisch geernteten Kräuterware abrufen. Wenn also bei jemandem eine angespannte Nervenkonstitution ein Thema ist oder etwa die Schwierigkeit, einen tiefen und erholsamen Schlaf zu erzielen, dann sollte man es auf jeden Fall einmal probieren, in den Schatz der wachsenden und blühenden Natur zu greifen, um sich dort das Eisenkraut abzuholen und es gezielt zu nutzen.

Tee aus Blättern

Vom grünen Eisenkraut pflückt man die Blätter bzw. die Spitzen der einzelnen Triebe und zerkleinert sie, nachdem sie unter kaltem fließendem Wasser gereinigt wurden. 3 Teelöffel voll dieser frischen Droge übergießt man mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Morgens und abends je 1 Tasse davon trinken, um so besser zur Ruhe zu kommen und in der Folge wieder tiefer schlafen zu können. Durchaus etliche Tage hintereinander durchführen. Eine Teekur lässt sich natürlich auch mit dem getrockneten Eisenkraut durchführen, in diesem Fall nimmt man 2 Teelöffel für 1/4 l Wasser.

Eisenkraut (Verbena officinalis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Blütengruß zum Muttertag

Veilchen als Salbenbestandteil

Unseren Müttern gebührt ein aufrichtiger Dank! Der Anfang unseres Lebens ist untrennbar mit den Frauen verbunden, die zu uns ja gesagt und uns ein behütetes Heranwachsen im Mutterleib ermöglicht haben! Aber oft fällt es schwer, die richtigen Worte zu finden, um die Dankbarkeit auch angemessen zum Ausdruck zu bringen. Ein Strauß voller Blumen springt daher sinnvoller Weise für eventuell stammelnde Lippen ein. Diesen möchte ich heute im geistigen Sinne dezidiert mit den Blüten des Wohlriechenden Veilchens (Viola odorata) bestücken. Gewiss weiß ich, dass diese nur auf kurze Zeit begrenzt in der Vase halten würden. Das Veilchen lässt sich aber gottlob für die Verwendung in der Naturheilkunde aufbereiten und so über längere Zeit haltbar machen. Zu den Inhaltsstoffen des duftenden Frühlingboten zählen unter anderem Saponine, ätherisches Öl, organische Säuren, Schleim- und Bittersubstanzen. Aufgrund dieses Wissens wurde das Veilchen zur Begleitung verschiedenster physischer Bereiche und Organe und deren vorliegenden Leiden herangezogen. Die Blüten lassen sich auch dazu verwenden, um eine Salbe zuzubereiten. Dafür pflückt man die duftenden Blüten und zieht sie in einem Oliven- oder Mandelöl aus. Hat man dies getan, so braucht man noch andere Zutaten wie etwa hochwertige Produkte in Form von Gelbem Wachs, Talg und auch etwas Lanolin. Von Vorteil ist es zudem, wenn man zusätzlich ein wenig reines ätherisches Veilchenöl einarbeitet. Die Erfahrung der Kräuterpfarrer hat gezeigt, dass sich die Salbe sehr gut eignet, wenn man damit aufgesprungene Lippen einschmiert. Ebenso lässt sich die Salbe in die Nasenlöcher einreiben, um auf diese Weise eindringende Pollen abzufangen und in der Folge allergische Reaktionen und Symptome zu verringern. Die Kosmetik kommt mithilfe der Veilchensalbe aber ebenfalls nicht zu kurz.

Augenfältchen und Nagelpflege

Veilchensalbe nach Kräuterpfarrer-Art kann dazu herangezogen werden, um die Fingernägel damit zu pflegen. Es gibt zudem noch eine weitere Anwendungsweise: trägt man die Salbe regelmäßig am Abend seitlich der geschlossenen Augen sanft auf, so kann dies eine Reduktion der Augenfältchen bewirken. Generell profitiert die gesamte Haut im Gesicht und auf den Händen von der Verwendung dieses duftenden und wohltuenden Naturproduktes. Die Veilchensalbe erhalten Sie im Kräuterpfarrer-Zentrum unter Tel. 02844/7070 bzw. E-Mail: bestellung@kraeuterpfarrer.at oder bequem im Onlineshop: www.shop.kraeuterpfarrer.at

Veilchenstock blühend und mit Wurzel (Viola odorata) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya