Ein gesunder Abendtrunk

Mit Heidekraut aufgießen

Welche Stunden am Tag sind die wichtigsten? Es ist sicher nicht einfach, eine allgemein gültige Antwort darauf zu finden. Denn immerhin gibt es ganz verschiedene Typen von Zeitgenossen. Die einen schwingen sich wie die Lerchen schon in aller Frühe zu ihren persönlichen Leistungs- und Gemütshöhen auf, andere können wie die Eulen erst zu später Stunde so richtig effizient arbeiten. Abgesehen davon ist es sicher von Bedeutung, den Abend gut zu gestalten. Im Heidekraut (Calluna vulgaris) dürfen wir einen pflanzlichen Partner finden, den wir vor allem in den Stunden des auslaufenden Tages zu uns in die Wohnung einladen sollten. Die Besenheide zählt zu den bescheidenen und gleichzeitig ausdauernden Gewächsen unserer Heimat. Sie trotzt Wind, Wetter bzw. auch der Trockenheit und bildet gerade im Herbst ihre charakteristischen Blüten aus, also dann, wenn andere sich bereits auf ihre Wurzeln zurückziehen und auf die winterliche Ruhe vorbereiten. Im Heidekraut finden sich Inhaltsstoffe, die einerseits einen geregelten Stoffwechsel unterstützen und andererseits für einen nervlichen Ausgleich sorgen. Genau diese beiden Aspekte sind es, die wir an den einzelnen Abenden vermehrt in den Blickwinkel nehmen dürfen. Denn immerhin gilt es vor allem in der Nacht Kräfte zu sammeln und mit Zuversicht sowie einem gesunden Selbstvertrauen in die Zukunft eines neuen Tages zu blicken. Das ist schwer möglich, wenn es im Körper zu Stauungen verschiedenster Natur bzw. zu Verkrampfungen oder gar zu seelischen Verstimmungen kommt. Im Heidekraut steht uns zwar kein Wunderwuzzi zur Seite, der uns von einem Moment auf den anderen in einen selbstsicheren Optimisten verwandeln könnte. Aber trotzdem ist diese Pflanze imstande, unseren Organismus von innen heraus förmlich zu streicheln und mit ihren Wirkkräften Leib und Seele zu ermutigen. Probieren Sie es doch einfach einmal aus!

Tee am Abend

Von einem Gemisch aus getrockneten und zerkleinerten Triebspitzen und Blüten des Heidekrautes nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. 1 bis 2 Stunden vor dem Schlafengehen genüsslich und ruhig trinken. Das fördert ein gutes Einschlafen, hilft mit, depressive Stimmungen zu verringern und gleichzeitig das Selbstvertrauen zu stärken.

Heidekrautzweig (Calluna vulgaris) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bei Erschöpfungszuständen

Ein Badezusatz mit Kalmus

In diesem Jahr höre ich nicht wenige darüber klagen, dass sich eine Erkältung in Form einer Bronchitis und anderen widrigen Begleitsymptomen so richtig festgesetzt hat. Das heißt dann konkret: der Weg zur Heilung ist ein langer. Wochenlang kommt man nicht los von Husten, Halsweh und einer angeschlagenen Verdauung. Kein Wunder, wenn das dem ganzen Körper die vorhandenen Kräfte aufzehrt. So ist es mir diesmal ein Anliegen, die Aufmerksamkeit auf den Kalmus (Acorus calamus) zu lenken. Dieses ursprünglich aus dem asiatischen Osten stammende Gewächs ist auch bei uns an stehenden und langsam fließenden Gewässern zu finden und hat sich seit Jahrhunderten in Europa eingebürgert. Im Schlamm entwickelt sich ein langer fleischiger Wurzelstock, aus dem im Sommer die aufrecht linearen Blätter wachsen. Hat jemand im eigenen Garten ein Feuchtbiotop, kann man den Kalmus ohnehin auch hier ziehen und hüten. Am besten wird Im Herbst und eben jetzt im Frühjahr der Wurzelstock ausgegraben. Nachdem er gut gereinigt ist, halbiert man ihn. Die Wurzelteile werden dann zum Trocknen in einem warmen Zimmer ausgelegt. Danach noch fein schneiden und in gut verschließbaren Gefäßen lichtgeschützt aufbewahren. Es sind vor allem Bitterstoffe und ätherische Öle, die bei der Verwendung des Kalmus zum Tragen kommen. Diese Wurzel zählt somit zu den aromatischen Bitterdrogen. Auf verschiedene Weise können die positiven Effekte, die davon ausgehen, für das Wohl des Leibes aufbereitet werden. Wenn jemand sich nach langwieriger Krankheit verständlicher Weise schlaff und ausgepowert fühlt, so kann es angebracht sein, genau dann den Kalmus zum Einsatz zu bringen. Über die Haut wird z. B. bei einem warmen Bad die gute Wirkung an den Gesamtorganismus weitergegeben.

Wurzel ansetzen und aufkochen

Nach einem langen Krankenlager oder um Diabetes und Rheumatismus zu begleiten, kann man ein wohltuendes Bad nehmen. Den Zusatz hierfür bereitet man folgendermaßen auf: 80 g ungeschälter zerkleinerter Kalmuswurzel (frisch oder getrocknet) setzt man in 3 Liter Wasser 1 Stunde lang an. Danach gut aufkochen und abseihen. Ins Badewasser leeren und 20 Minuten darin verweilen. Diese Maßnahme kann dafür sorgen, dass man wieder besser zu Kräften kommt und Beschwerden wie etwa Schmerzen gelindert werden.

Kalmuswurzel und Blütenstand (Acorus calamus) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Mit Knospen und Blättern

Ausschau auf den Ahorn halten

Es ist prinzipiell gut, seiner Zeit nicht hinterherzuhinken. Das beweisen uns spitzfindige Geister, die den richtigen Riecher zu besitzen scheinen und mit einem innovativen Produkt in Windeseile den Markt erobern. Das gilt auch für all jene, die auf verschiedene Weise dazu beitragen, den Menschen gegenwärtig ein naturgemäßes und schöpfungsbewusstes Leben zu ermöglichen. Ernährung und sportliche Betätigung gehören da sicherlich dazu. Doch schauen wir heute einmal in die nächste Zukunft. Für die verschiedenen Ahornarten (Acer) steht die Phase unmittelbar bevor, sich gänzlich in ein Laubkleid zu hüllen und im satten Grün der kommenden Hitze samt direktem Sonnenschein zu trotzen. Nebenbei gilt es, den lebensnotwendigen Sauerstoff mittels Photosynthese zu produzieren und der Umwelt zur Verfügung zu stellen. Daher ist es auch für kommende Generationen wichtig, dass der Baum – welcher Art auch immer – weltweit seine Lebensmöglichkeiten als gesichert weiß. Betrachten wir die heimischen Ahornarten, also den Spitzahorn, den Bergahorn und den Feldahorn etwas näher, so wissen wir in erster Linie um die Güte des Holzes, das wir von diesen Pflanzen als hohes Gut entgegennehmen und verarbeiten dürfen. Übrigens profitieren ja auch im Besonderen die Bienen von deren nektarreichen Blüten. Wir als Menschen dürfen auf die Knospen und die Blätter schauen. Denn schon bevor sich ein Ahornblatt entfaltet, bergen sich in seiner abgekapselten Form direkt am Zweig Mineralstoffe, Vitamine und pflanzliche Wuchssubstanzen, die ebenso für unsere Physis von großem Vorteil sind. Daher heißt es also jetzt schon und in nächster Zukunft gut aufpassen, um das Angebot der frühjährlichen Bäume recht zu nutzen. Übrigens ein Tipp für die häusliche Speisekammer: zarte Ahornblätter, die sich ganz neu und frisch entwickelt haben, können wie Sauerkraut eingelegt und milchsauer vergoren werden, um sie als wertvolle Zuspeise in kargen Zeiten zu verwenden.

Beruhigend und lindernd

Blätter und Knospen von den heimischen Ahornbäumen können als Rohkost schnabuliert werden. Sie schmecken zuerst säuerlich und im Laufe des Kauens immer mehr süßlich. Man erzielt damit einen beruhigenden Effekt. Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass frische Ahornblätter ein kühlendes Auflagemittel darstellen können. Möglichkeit dazu besteht bei Entzündungen, müden und geschwollenen Füßen, bei Insektenstichen oder bei übermüdeten Augen. Vor dem Auflegen jedoch ein bisschen anquetschen.

Ahorn (Acer) aus Mensch und Baum ⓒ Grafik von Prof. Emil Jaksch, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bei Sodbrennen

Wacholder als Direkthilfe

Mit dem Essen ist das so eine Sache. Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig machen uns letztendlich nicht glücklich. Gewiss sind wir jetzt in der christlichen Fastenzeit eher dazu geneigt, auf Überflüssiges oder allzu Genüssliches zu verzichten, doch machen wir dabei nur allzu schnell eine Ausnahme, um dann doch wieder den inneren Schweinehund von der Leine zu lassen. Nun gut, es ist nie zu spät, wieder von neuem die Vernunft walten zu lassen. Mit dem Wacholder (Juniperus communis) verbinden wir für gewöhnlich auch durchaus Delikates. Denn immerhin findet sich das gute Gewürz in Form der sogenannten Beeren in manch herrlich veredelter Soße eines Wildgerichts oder im gekochten Sauerkraut, das als Zuspeise einen deftigen Schweinsbraten abrundet. Doch jeder kennt auch die Folgen eines ausgiebigen Mahls, die sich nicht nur in einem vollen Bauch und einer damit manchmal einhergehenden Müdigkeit zeigen. Es ist das wohlbekannte Sodbrennen, welches sich auch bei anderen Gelegenheiten einstellen kann. Als angenehm wird es wohl keiner und keine empfinden, wenn es jemandem in der Speiseröhre im wahrsten Sinne des Wortes sauer aufsteigt. Kaum jemand denkt dann an eine langwierige Therapie, um diesen widrigen Umstand wieder zu lindern. In den getrockneten Früchten des Wacholders, die uns ja bestens bekannt sind, befinden sich Inhaltsstoffe wie etwa ätherische Öle, die sich gut auf die Verdauung auswirken können. Deswegen haben wir deren Verwendung als Zugabe und Gewürz bereits besprochen. Im Schatz der alten Hausmittel findet sich auch eine Überlieferung, die den Wacholder bzw. seine mit Fruchtfleisch behafteten Zapfen – was nämlich die stahlblauen Beeren des spitznadeligen Gewächses eigentlich sind –, als schnelle Hilfe bei Sodbrennen beschreiben. Die Durchführung des Ganzen ist recht simpel.

Wacholderbeeren kauen

Um lästiges Sodbrennen zu vertreiben, kann Folgendes durchgeführt werden: von gut getrockneten reifen Zapfenbeeren des Gemeinen Wacholders nimmt man bloß 3 Exemplare und kaut sie im Mund langsam und sorgfältig durch. So nimmt der Speichel die ätherischen Öle der Früchte auf und transportiert sie Richtung Speiseröhre. Zum Schluss kann man den Wacholderbeeren-Brei dann ganz schlucken. Wer jedoch gereizte Nieren hat, sollte keine Wacholderbeeren verwenden!

Wacholderzweig mit Beeren (Juniperus communis) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für kräftige Gesichtshaut

Ein Tee als Kosmetikum

Bei einem Einkauf, den man in regelmäßigen Abständen tätigt, hat man meist eine Liste dabei, die das Nötigste im Korb oder in der Tragtasche landen lassen, um es auf jeden Fall nach Hause zu bringen. Ab und zu führt einem der Gang aber auch in einen Drogeriemarkt, um sich dort mit allem, was man gerne im Badezimmer auf Reserve haben möchte, einzudecken. Neben Duschgels und Shampoos sind es auch Kosmetika, die der Verfeinerung des Äußeren dienen sollen. Wenn wir nun auf das Frühjahr zugehen, dann möchte ich vielmehr mit meinen Lesern die naturgegebenen pflanzlichen Hilfsmittel anvisieren, die uns ebenso zur Verfügung stehen. Mit der Schafgarbe (Achillea millefolium) präsentiere ich heute zwar keinen ausgesprochenen Frühlingsboten, wie dies etwa das Schneeglöckchen, die Schlüsselblumen oder Veilchen sind. Und dennoch gehört dieser Korbblütler von den Sommerwiesen meiner Meinung auch mit dazu. Denn immerhin dürfen wir das ganze Jahr über auf die Vorzüge zurückgreifen, die in der Schafgarbe stecken. Zu den Inhaltsstoffen zählen neben einem Anteil an Gerb- und Bitterstoffen auch Flavone und sogar Substanzen mit einem gewissen antibiotischen Effekt. Die Schafgarbe eignet sich daher als begleitendes Kraut für viele Beschwerden und Anliegen. Sei es der Magen oder der Darm, die Leber oder die Nieren: alle profitieren letztendlich von einer verantwortungsvoll bemessenen Verwendung des Heilgewächses. Wir wollen aber in diesem Zusammenhang auch auf die Haut nicht vergessen, die sich gerade im Gesicht bei Wind und Wetter, bei Frost, Regen oder intensiver Sonneneinstrahlung zu bewähren hat. So möchte ich heute einmal mehr dazu einladen, die Schafgarbe auch zu den kosmetischen Hilfsmitteln dazuzurechnen. In regelmäßigen Abständen tut es einfach gut, ebenso für die schützende Haut im eigenen Antlitz etwas zu tun. Und bei der heutigen Empfehlung kann man auf Nummer sicher gehen: da steckt nur Natur pur drinnen!

Waschungen mit Schafgarbe

Von getrockneten und zerkleinerten Blüten und Blättern der Schafgarbe nimmt man 2 Esslöffel voll. Diese übergießt man mit 1/2 Liter siedendem Wasser und lässt beides zusammen 15 Minuten lang ziehen. Danach abseihen und auf eine für die Haut verträgliche Temperatur auskühlen lassen. Dann einfach das ganze Gesicht damit abwaschen und noch genügend Zeit einräumen, damit der Schafgarbentee mitsamt seinen Wirkkräften an der Luft in die Haut einziehen kann. Das stärkt und strafft die Haut.

Schafgarbenzweig (Achillea millefolium) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für die Massage

Efeu in Öl ansetzen

Das Leben besteht aus einer permanenten Entwicklung seiner selbst. Obwohl das für die Physis nur in begrenztem Maß gilt, weil es dort genauso einen Abbau bzw. ein Stagnieren gibt, so gilt doch für den Geist und den Charakter, sich einem ständigen Reifungsprozess zu unterziehen, der erst mit dem letzten Atemzug eines jeden und einer jeden von uns endet. Insofern ist ein Streben nach oben angesagt, das uns zu einer gewissen Fülle bringt. Ein Sinnbild für all das von mir Beschriebene stellt der Efeu (Hedera helix) dar. Es ist erstaunlich, was er alles erobern kann. All diejenigen, die vielleicht schon einmal ein brach liegendes Gelände wieder freischneiden und begehbar machen mussten, wissen um die Kraft des Efeus, der weder vor Mauern noch vor Baumstämmen zurückschreckt, um diese ganz und gar unter sich zu verbergen. Der Efeu zählt zu den immergrünen Pflanzen, die sich dadurch auszeichnen, auch im Winter die Blätter bzw. die Nadeln zu behalten und somit zu einem Zeichen des unverwüstlichen Lebens zu werden. Wir finden in den einzelnen Teilen des Efeus, vor allem aber in den Blättern verschiedenste Inhaltsstoffe vor. Generell ist gleich zu sagen, dass diese Kletterpflanze in ihrem rohen und frischen Zustand als giftig gilt. Somit ist wohl allen klar, den Efeu nicht innerlich zur Anwendung zu bringen. Hierbei gibt es die Regel, nur für diesen Gebrauch extra entwickelte Präparate von Apotheken in Anspruch zu nehmen, wie das vielleicht bei einer Erkältung der Fall sein kann. Es besteht aber noch die Möglichkeit, den Efeu äußerlich als Hausmittel heranzuziehen. Denn in Öl angesetzt, bringt er den Vorteil mit sich, die Haut positiv zu stimulieren und deren Bindegewebe zu stärken. Efeublätter lassen sich das ganze Jahr über ernten und weiterverarbeiten. Wer also eine Ergänzung zur Massage braucht, kann sich u. a. auch mit dem Efeu weiterhelfen.

Massageöl:

Von frisch abgezupften Efeublättern nimmt man die Menge von ca. 100 g. Die Blätter zerkleinert man mithilfe einer Fleischmaschine. Die so entstandene Masse übergießt man mit 1/2 Liter kaltgepresstem Olivenöl. Beides zusammen in einem Glasgefäß 14 Tage an ein Fenster stellen. Täglich durchschütteln. Letztlich abseihen, abfüllen und im Dunkeln lagern. Bei Bedarf verwendet man den Ansatz, um im Zuge einer Massage den Körper damit einzureiben und so die Struktur der Haut zu stärken und zu straffen.

Efeu (Hedera helix) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Blüten stärken Immunkraft

Vor allem vom Schwarzen Holunder

Fristen und Zeiten sind etwas, mit dem man gut umzugehen lernen muss. So ist es ganz wichtig, im tagtäglichen Miteinander die Pünktlichkeit zu pflegen, um nicht andere zu brüskieren oder warten zu lassen. Und alles hat schließlich bestimmte Phasen der Entfaltung. Das trifft auch für die Blüten des Schwarzen Holunders (Sambucus nigra) zu. Gehen wir nun hinaus, werden wir vergeblich nach den cremeweißen Schirmen Ausschau halten, die sich zuhauf im späten Frühling bzw. im beginnenden Sommer auf den Zweigen der Holundersträucher bilden. Dafür ist es nun noch viel zu früh. Was jetzt zur Verfügung steht, ist bloß die getrocknete Droge, die von der letzten Ernte vorhanden ist und eben bisher nicht aufgebraucht wurde. Ich rate vielen, sich gerade im Herbst eine längere Zeit hindurch konsequent Tag für Tag einen Aufguss mit den Holunderblüten zu gönnen. Denn in ihnen steckt die Kraft, vor allem das Immunsystem des Körpers zu stärken. Darüber hinaus sind sie als schweißtreibendes Hausmittel bekannt. So gesehen stellen diese Pflanzenteile des ehrwürdigen Strauches, vor dem man nicht nur sprichwörtlich den Hut ziehen sollte, eine Alternative zu den ebenso bekannten und bewährten Lindenblüten dar. Hat sich jemand einen grippalen Infekt zugezogen, vor dem wir momentan alle leider noch nicht gefeit sind, dann besteht ja die Möglichkeit, sich z. B. einen halben Liter Tee mit den getrockneten Holunderblüten aufzubrühen und dann rasch zu trinken, um danach alsbald unter die Bettdecke zu kriechen und dem intensiven und heilungsfördernden Transpirieren nichts mehr in den Weg zu stellen. Gewiss ist es auch nachfolgend wichtig, weiterhin das warme Zimmer und am besten das Bett zu hüten. Zusätzlich sollte man den Pyjama oder das Nachthemd gegen ein trockenes und sauberes wechseln, um sich nicht noch mehr zu erkälten. Wer es gar nicht erst so weit kommen lassen will, hat nun immer noch die Möglichkeit, die Abwehrkräfte mit Holunderblüten zu unterstützen.

Vorbeugende Kur

Gerade der auslaufende Frühling birgt die Tücke in sich, jemandem ganz schnell eine Erkältung oder gar eine Grippe „umzuhängen“. Um dem vorzubeugen, ist es sinnvoll, sich jeden frühen Abend eine Tasse Tee mit Holunderblüten anzurichten. Dazu nimmt man 2 Teelöffel der getrockneten und zerkleinerten Blüten der Ernte vom letzten Jahr, übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. 3 Wochen lang durchführen, um so die eigenen Immunkräfte für den winterlichen Endspurt zu trimmen.

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Erdbeeren im Winter?

Bloß die Blätter verwenden

Schön langsam greift ein neues Bewusstsein um sich, das immer mehr dazu anhält, sich ganz gezielt durch ausgewählte Produkte zu ernähren. Dabei spielt das Biologische und das Regionale eine große Rolle. Vegetarier und Veganer finden darüber hinaus das vermeintlich Richtige für ihre Bedürfnisse. Und noch eins: es muss nicht zu jeder Jahreszeit das ganze Angebot an frischem Obst und Gemüse am Teller geben. Dies merkt man dann spätestens, wenn man blasse und harte Früchte zwischen den Zähnen hat. Mit Erdbeeren (Fragaria) ist das auch so eine Sache. Hierbei stellt sich ebenso oft die Frage, wo sie denn herangereift und gewachsen sind, während sich vor den Fenstern noch Frost und Graupelschauer ein Stelldichein geben. So fein die roten Delikatessen auch munden mögen, die übrigens in hervorragender Qualität im Sommer von österreichischen Erzeugern zu haben sind: in der kalten Jahreszeit haben sie einen langen und ökologisch fragwürdigen Transport hinter sich. Daher möchte ich mich heute nur auf die Blätter der Walderdbeeren (Fragaria vesca) konzentrieren, die jetzt in getrockneter Form zur Verfügung stehen. Normalerweise erntet man diese natürlichen Gaben im Frühsommer bis hin zur Sonnenwende. Die Inhaltsstoffe der Erdbeerblätter werden vor allem von Gerbstoffen, etwas ätherischem Öl und so genannten Flavonen oder Gelbstoff bestimmt. Hauptsächlich in den jungen Blättern sind diese Wirkstoffe in einem Maß vorhanden, so dass sie auch gut über den Gaumen gehen. Jetzt im auslaufenden Winter und im langsam aufdämmernden Frühling wird unsere ganze Physis auf eine Bewährungsprobe gestellt. Denn jeder Wechsel in eine andere Jahreszeit bedeutet, sich umzustellen und sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. Das findet nicht selten seinen Niederschlag im Verdauungstrakt, der einen Seismographen für den ganzen Körper darstellen kann. Zur Beruhigung desselben können Erdbeerblätter durchaus etwas beitragen.

Erdbeerblätter-Tee

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern der Walderdbeere nimmt man 2 Teelöffel voll. Mit 1/4 Liter siedendem Wasser übergießen und 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Leidet man unter einer schlechten Verdauung oder gar unter einem Magen-Darm-Katarrh, so kann man bis zu 3 Wochen lang jeweils in der Früh und am Abend eine Schale davon trinken. Diese Anwendung hat sich auch schon bei der Linderung von Beschwerden im Zusammenhang mit Hämorrhoiden bewährt.

Walderdbeere mit Blüten und Früchten (Fragaria vesca) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für die Harnwege

Odermennig unterstützt Heilung

Ich weiß nicht, wie es Ihnen in Ihrer frühen Schulzeit ging. Da gab es immer wieder Appelle, sich in Reih und Glied aufzustellen, in braver Zweierreihe bei einem Ausgang den Lehrpersonen zu folgen und schließlich gut aufzupassen. Hat man sich nicht unbedingt den Benimmregeln konform erwiesen, wurde man umso öfter um das mehr oder weniger vorhandene Stoffwissen befragt. In der ersten Reihe zu stehen oder zu sitzen, war wohl nur für die Bravsten erstrebenswert. Der Odermennig (Agrimonia eupatoria) liebt im Sommer die Gesellschaft anderer Pflanzen in seiner Nähe und lässt ihnen gerne den Vortritt, so dass man meint, er würde sich verstecken. Doch wachen Auges kann man ihn öfter als man annimmt auch entdecken. Der Odermennig liebt nämlich Hecken, Zäune und Waldränder. Botanisch gesehen zählt er zu den Rosengewächsen und wird seit jeher in den Bestand der heimischen pflanzlichen Hausapotheken aufgenommen und geschätzt. Das liegt wohl an seinen Wirkstoffen, die sich aus Gerb- und Bitterstoffen, aus ätherischem Öl und Pflanzenschleim sowie aus Kieselsäure zusammensetzen. Durch seine zusammenziehende Wirkung, die man dem Körper über das Aufgießen und Genießen eines Tees vermitteln kann, erweist sich der Odermennig als sanftes Heilmittel z. B. bei Durchfall oder einer schlechten Verdauung sowie bei der Förderung verschiedenster Wundheilungen. Im Schatz der Überlieferungen findet sich aber auch eine Tinktur, die man mit dem beliebten Heilkraut herstellen und verwenden kann. Vor allem dann, wenn der Blasenbereich eine Erkrankung aufweist, kann es zielführend sein, in dieser sensiblen Phase den Odermennig als Begleitung herzunehmen. Wie gesagt, es kommt dann nur darauf an, dass man alles mit den übrigen Therapien abstimmt und auf die Verträglichkeit einer derartigen Maßnahme achtet.

Odermennig-Tinktur

Von getrocknetem blühenden Odermennigkraut nimmt man 50 g und übergießt diese Menge in einem verschließbaren Glasgefäß mit 1/2 Liter Obstbrand. 14 Tage lang im warmen Raum stehen lassen und täglich einmal durchschütteln. Danach abseihen und in dunkle Fläschchen abfüllen. Bei Blasenkatarrh oder Harnweginfekten kann man bis zu 3-mal täglich je 1 Esslöffel voll der Tinktur zu sich nehmen, um die Beschwerden zu mindern. Sinnvoll ist es dann auch, vielleicht die Einnahme derselben mit dem Trinken von ein paar Schluck Wasser zu kombinieren.

Odermennig (Agrimonia eupatoria) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Schleimlösend und harntreibend

Meisterwurz für Lunge und Magen

Anlässlich verschiedener Jubiläen bereiten die Medien oft exzellent erarbeitete Dokumentationen auf, die uns über geschichtliche Zusammenhänge und Entwicklungen informieren. Wir erhalten so einen guten Einblick in vergangene Zeiten. Die beiden Kategorien „Adel“ und „Würde“ kommen dabei oft zum Tragen. Sieht man in den Kräutergärten auf bestimmten Beeten die Meisterwurz (Peucedanum ostruthium) stehen, dann kann man beide Größen auch auf diese Pflanze anwenden. Sie begnügt sich nicht mit dem Niedrigen. Als natürlicher Standort sind ihr bergige Höhen in den alpinen Regionen Europas das Liebste. Anmutig ist ihr Kleid anzusehen, das von den aufgefächerten Blättern bestimmt und von schirmartigen Doldenblüten bekrönt wird. Wie schon ihr Name aussagt, ist vor allem die Wurzel des Gewächses von naturheilkundlichem Interesse. Die Heilwirkung, die darin steckt, beruht auf ihrem hohen Gehalt an ätherischen Ölen, Harz, Gerb- und Bitterstoffen. Somit können wir davon ausgehen, dass die Verwendung der Meisterwurz in erster Linie die Verdauung in unserem Körper nicht nur anregt, sondern zudem noch unterstützt. Funktioniert diese nur mäßig und langsam, so können u. a. lästige Blähungen die Folge sein. Zusätzlich tut die Wurzel aus luftigen Höhen der Lunge gut. Allzu viele kämpfen heuer ganz besonders mit langwierigen Folgen eines Infekts der Atemwege, worunter ich persönlich momentan ebenfalls zu subsumieren bin. Wie dem auch immer sei: es ist sinnvoll, mit den Vorzügen der Kräuter lieber früher als später oder schlimmstenfalls gar nicht zu operieren. Mit der Meisterwurz liegt eine Möglichkeit vor, um der Besserung eines angeschlagenen Gesundheitszustandes Vorschub zu leisten. Wer mit diesem Kraut noch keine Erfahrung gemacht hat, dem sollen diese Zeilen besonders als Einladung dienen, es doch einmal auszuprobieren.

Tee-Zubereitung

Die frische oder getrocknete Wurzel der Meisterwurz wird vorerst fein zerkleinert. Danach nimmt man etwas mehr als 1 Teelöffel voll und übergießt diese Menge mit 1/4 Liter kaltem Wasser. 1 bis 2 Stunden stehen lassen und dann kurz aufkochen. Noch 5 Minuten ziehen lassen und hernach abseihen. Langsam schluckweise trinken. Vom Süßen des Tees Abstand nehmen. Hilft mit, hartnäckigen Schleim in den Lungen zu lösen und einen unpässlichen Magen zu beruhigen.

Meisterwurz (Imperatoria ostruthium) ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya