Das Schwitzen reduzieren

Ganz einfach mit Salbei

Das Wetter ist fixer Bestandteil von Alltagsgesprächen. Egal, ob wir darüber klagen oder uns einfach nur freuen: wir müssen es nehmen, wie es ist. Niemand wird wohl mehr leugnen können, dass sich die Zahl der warmen und heißen Tage in den letzten Jahren erhöht hat. Im Reich der Kräuter gibt es dabei auch gleich einen Nutznießer. Der Salbei (Salvia officinalis), dem der Sommer lieb und teuer ist, kann uns sicher helfen, wenn es gilt, als mitteleuropäischer Erdbewohner mit vermehrter Hitze zurechtzukommen. Dafür hat er eine gute Bewährungsprobe hinter sich. Denn immerhin stammt er von einer klimatischen Zone, die rund um das Mittelmeer eben nicht gerade zu den kühlen Bereichen Europas zählt. Was zur Wärme in dieser Gegend noch hinzukommt, ist die geringe Menge an Niederschlägen. Kalkhaltige und steinige Böden sind die Bedingungen, auf denen der Salbei gerne wurzelt. Hohe Temperaturen bedeuten für den menschlichen Körper einen Mehraufwand an Energie und Flüssigkeit. Das sind nun einmal die Folgen, die unser Schwitzen nach sich zieht. Wer fleißig mit seinen Händen und dem Einsatz seiner Muskeln arbeitet, wird damit rechnen, dass sich auf der Stirn, unter den Achseln, auf der Brust oder am Rücken Feuchtigkeit einstellt, die unsere Haut mittels ihrer Schweißdrüsen freisetzt. Es gibt aber ebenso Umstände, durch die man ins Schwitzen kommt, ohne sich viel zu bewegen. In lauen und warmen Sommernächten kann es leicht passieren, dass man im Bett klatschnass daliegt und anscheinend dagegen wehrlos ist. Hände und Füße sind zudem Gliedmaßen, die ebenfalls leicht schwitzen. Dann darf der Salbei zur Stelle sein.

Salbei frisch verwenden

Ein paar Salbeiblätter werden im Garten abgezupft und mit einem Messer fein zerkleinert. 1 Esslöffel nimmt man davon und übergießt dies mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Morgens und abends je eine Tasse davon getrunken, eventuell mit etwas Honig gesüßt, kann effizient mithelfen, um den Nachtschweiß und das häufige Schwitzen an Händen und Füßen einzudämmen.

Salbei ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Tapete für den Darm

Mit Käsepappel einbringen

Wer sich mit Kräutern eingehender auseinandersetzt, schwenkt dabei ganz leicht in eine durchaus legitime Nostalgie. Im Zuge der Erinnerung an frühere Zeiten taucht nämlich das eine oder andere Gewächs auf, das die Großeltern oder Eltern selbst verwendet haben und es zudem zum Einsatz brachten, wenn es galt, die Wehwehchen und Krankheiten der Kinder zu kurieren. Mir selbst fällt da spontan einiges ein. Doch möchte ich gezielt die Kleine Käsepappel (Malva neglecta) herausgreifen, die eher niedrig am Boden wächst. Ihre nächste Verwandte ist die Große Käsepappel (Malva sylvestris), die einfach auch Wilde Malve genannt wird. Die grünen Früchte dieser beiden Malvengewächse stellen auf manchen Expeditionen in die Natur eine kleine Delikatesse für mich dar. Aufgrund ihrer Form hat mir meine Mutter die alte Bezeichnung „Brotlaib“ für diese kleine Mahlzeit am Wegrand mitgegeben. Die Käsepappel beinhaltet Schleimstoffe, Vitamin B und C sowie Gerbstoffe. Wie alle Malven so ist auch die Käsepappel wertvoll, wenn die Atemwege unter einer Entzündung leiden. Zudem kann man die Käsepappel verwenden, wenn der Magen oder der Darm nicht so recht funktionieren. Das Sammelgut der Käsepappel sind die Blüten und die Blätter des frischen Krautes. Sie werden an ganz sonnigen und trockenen Tagen geerntet und dabei auf eine saubere Unterlage aus Papier oder Leinen aufgebreitet. Der gegenwärtige Sommer ist die beste Zeit dafür. Wenn der Verdauungstrakt eine kritische Zeit wie z. B. nach einem Katarrh hinter sich hat, ist es sicher gut, mithilfe der Käsepappel die Schutzschicht im Inneren von Magen und Darm erneut zu festigen. Mit einem Tee kann dies durchaus gelingen.

Käsepappeltee als Hilfe

Will man die schleimlösende Wirkung des Käsepappelkrautes für den Verdauungstrakt nützen, so darf die getrocknete Droge niemals mit heißem Wasser übergossen werden. Man nimmt besser 2 gehäufte Teelöffel von Blättern und Blüten der Käsepappel, gibt sie in 1/4 Liter kaltes Wasser und lässt es 2 bis 10 Stunden lang stehen. Hin und wieder umrühren. Danach seiht man den Ansatz ab und erwärmt ihn auf höchstens 35° C. Um Magen und Darm zu unterstützen, trinkt man davon bis zu 3 Tassen pro Tag, am besten vor den Mahlzeiten.

Käsepappel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Frischer Kräuterkick

Mit Thymian und Rosmarin baden

Es ist einfach herrlich, sich aus dem eigenen Garten zu bedienen, sobald etwas herangewachsen ist bzw. das Stadium der Reife erreicht hat. Davon können all jene ein Lied singen, die so manches Obst oder Gemüse gegenwärtig als sommerliche Freuden verkosten dürfen. Und vergessen wir dabei nicht die Gewürze, die ebenfalls den Gaumen und das Herz erfreuen. Es genügt ja alleine schon, die Blätter und Triebe in die Hand zu nehmen, um die Aromen mit der Nase empfangen zu können. Zwei Kräuter, die mir spontan einfallen, sind z. B. der Gartenthymian (Thymus vulgaris) und der Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Dabei spielt es keine Rolle, ob man sie am Beet vorfindet oder wie es beim Rosmarin meist der Fall ist, in einem Blumentopf im Freien stehen hat, den man zum Überwintern in geschützte Räume stellen kann. Vom Gebrauch dieser beiden Gewürzpflanzen möchte ich die Überlegungen auf die Festigung unserer Gesundheit und gleichzeitig auf eine Steigerung des Wohlbefindens hinlenken. Sowohl vom Thymian als auch vom Rosmarin wissen wir, dass sie unseren Körper sehr wirksam unterstützen und beleben können. Dazu liefert uns der Thymian seine zusammenziehenden und entzündungshemmenden Kräfte. Der Rosmarin hilft mit, dass uns nicht nur um das Herz, sondern unter der ganzen Haut warm wird, indem die Durchblutung der einzelnen Gliedmaßen positiv animiert wird. Trotz der sommerlichen Hitze dürfen wir uns einen Tee aufgießen, der diesmal aber nicht getrunken werden soll, sondern vielmehr als Badezusatz zum Einsatz kommt.

Thymian-Rosmarin-Bad

Vom frisch geschnittenen und zerkleinerten Kraut des Thymians und des Rosmarins nimmt man jeweils eine Menge von 75 g, vermischt beides und übergießt die Pflanzenteile mit 2 Liter kochendem Wasser. 20 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen. Die Flüssigkeit gießt man in die bereits mit warmem Wasser gefüllte Wanne und badet ca. 15 Minuten darin. Diese erfrischende Anwendung kann man vor allem in Zeiten des Stresses oder bei Niedergeschlagenheit und Müdigkeit anwenden. Dies erweist sich am Tag zwischendurch als angenehm und erfrischend. Nicht am Abend durchführen, weil dadurch der Schlaf beeinträchtigt werden könnte.

Thymianzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Rosmarinzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Lockerung für Leib und Seele

Die Königskerze als Hilfe

Entspannungsübungen gibt es viele. Manche Techniken dürfen aber dahingehend befragt werden, ob sie nicht auch gleichzeitig eine religiöse oder zumindest weltanschauliche Draufgabe mitliefern, die kaum etwas mit unseren europäischen Wurzeln zu tun haben. Bei Kräutern können wir auf Nummer sicher gehen, dass sie uns nicht etwas weismachen und uns schon gar nicht bekehren wollen. Aber sie geben uns eindeutig etwas vor, wie z. B. die Königskerze (Verbascum densiflorum). In erster Linie weist ihr aufwärtsstrebender Wuchs augenfällig die Richtung zum Himmel. Von dorther bezieht die Pflanze auch ihre Kraft, denn ohne Wärme und Licht, die seitens der Sonne auf die Erde treffen, würde sie kümmern und kaum zur Entfaltung kommen. Mittels ihrer Wirkkräfte transformiert die Königskerze dann gleichsam die vorhandene sommerliche Energie und speichert diese, damit wir sie von Zeit zu Zeit dort abrufen können. Sosehr die Wollblume, wie dieses Kraut auch gerne bezeichnet wird, für das Ausheilen entzündeter oder verschleimter Atemwege herangezogen wird, sollte man dennoch die Bandbreite ihrer anderen förderlichen heilsamen Wirkungen nicht unterschätzen. Die Überlieferung unserer Altvorderen beschreibt, dass die Königskerzenblüten blutreinigend, harntreibend, auswurffördernd und beruhigend sind. Darüber hinaus erweisen sie sich als erweichend auf die Haut, die Muskeln und das Gemüt. Und genau Letzteres dürfen wir gerade in den freien Zeiten des Sommers unterstützen. Da stehen die Blüten der Königskerze ohnehin griffbereit im Garten sowie am Wegrand da und warten förmlich darauf, verwendet zu werden.

Entspannender Tee

Getrocknete Königskerzenblüten werden im herkömmlichen Heißaufguss aufgebrüht und nach 15 Minuten nicht nur abgeseiht, sondern vorsichtshalber noch filtriert, da sie mit kleinsten Flimmerhärchen bestückt sind, die unsere Atemwege reizen könnten. Um sich körperlich und seelisch zu entkrampfen bzw. nach Anstrengungen lockerer zu werden, kann man eine Zeitlang den Tee morgens und abends nicht nur trinken, sondern ihn ebenfalls für Körperwaschungen verwenden, um ihre Heilkraft auch über die Haut wirken zu lassen.

Königskerze ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gerbstoffe von Brombeeren

Entzündungen vermindern

Wer aufmerksam die Vorgänge in der Natur beobachtet, wird feststellen, dass es heuer in der Vegetation zu einer Zeitverschiebung kam. Denn aufgrund der oft warmen und trockenen Wetterverhältnisse begann alles früher zu blühen und somit auch zu reifen. Das können wir ebenso bei der nun einsetzenden Ernte auf den Feldern beobachten. Und dennoch braucht manches seine Zeit. Die Brombeerhecken (Rubus fruticosus) stehen so gesehen erst später im Kalender, da doch ihre schmackhaften Früchte im Herbst an der Reihe sind. Des Öfteren verweise ich gerne darauf, dass auch die Blätter von beerenliefernden Pflanzen von hohem Wert sind. Diese lassen sich ganz konkret verwerten und anwenden. Durch einen gewissen Anteil an Gerbstoff erweist sich die Pflanzendroge als adstringierend und somit entzündungshemmend. So lange also das Angebot in der freien Natur aktuell ist, sollte man die Zeit nutzen, um von den Brombeertrieben sowohl Knospen, junge Blätter und auch die Blüten zu sammeln und sie sorgfältig an einem zugigen Ort zu trocknen. Die geerntete Ware darf sich dabei keineswegs zu lange in einem welken Zustand befinden, da sich eine dadurch entstehende Fehlgärung nicht unbedingt förderlich für unseren Körper erweisen würde, wenn man Derartiges dann auch für Anwendungen heranziehen möchte. Das gut getrocknete Kraut jedoch kann bedenkenlos verwendet werden. Gelegenheit gibt es wohl genug, um sich der positiven Auswirkungen der Brombeertriebe zu bedienen. Vor allem in sensiblen Bereichen wie etwa dem Mund können diese zum Tragen kommen.

Mundspülung herstellen

Getrocknete und zerkleinerte Blätter, Knospen und Blüten der Brombeeren eignen sich sehr gut, um sie aufzubrühen. 1 gehäufter Esslöffel davon wird dabei mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Nach dem Abseihen ziemlich warm den Mund damit gut ausspülen bzw. gurgeln. So lassen sich allfällige Zahnfleischentzündungen vermindern. Der Aufguss ist aber auch als vorbeugende Prophylaxe geeignet.

Brombeeren ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Eine gute Atmosphäre schaffen

Der Beifuß für die Magen- und Darmflora

Vieles an uns ist doch oft nur Fassade. Es wird permanent erwartet, dass es uns gut geht. Tritt das Gegenteil ein, so hat man denen gegenüber, die nach unserem Gemütszustand fragen, einen erhöhten Erklärungsbedarf, für den aber auf der anderen Seite oft die nötige Energie fehlt. Physisch betrachtet spielt sich vieles in unserem Inneren ab, ohne dass dies von außen erkennbar wäre. Zum speziellen Thema Verdauung will ich das an einem Heilkraut verdeutlichen. Der Gewöhnliche Beifuß (Artemisia vulgaris), auch manchmal als Wilder Wermut bezeichnet, der nun zu seiner vollen Größe herangewachsen ist und ganz leicht an seinen Blättern und an seinen charakteristischen Blüten erkannt werden kann, ist generell ein Gewächs, das wir hoch schätzen dürfen. Und was steckt alles in ihm drinnen? Aromatische Bitterstoffe, ätherisches Öl mit Cineol, Kampfer und Thujon, Gerbstoffe, Inulin und in den Blättern sogar Vitamine. All das hilft mit, dass der Körper vorankommt. Der Beifuß kann meinen Appetit anregen und mir vor allem dienlich sein, um gut und gründlich zu verdauen. Es soll eben zwischen Magen und Mastdarm bildlich ausgedrückt nichts liegen bleiben. Denn dann gärt und fault es in mir und ein unangenehmer Geruch entströmt meinem Rachen. In gleicher Weise gilt dies für die Absonderung des Kotes. Und insgesamt breitet sich dadurch ein Unwohlsein aus, das negative Auswirkungen auf die Psyche haben kann. Deswegen ist es gut, mit Bitterkräutern wie eben dem Beifuß für ein aufgeräumtes Inneres zu sorgen. Dafür darf man sich durchaus überwinden und ein paar Schluck den Gaumen überqueren lassen, die diesem nicht unbedingt zu schmeicheln vermögen.

Verdauung ins Lot bringen

Bei einer verlangsamten Verdauung, die verschiedene Ursachen haben kann, kommt es zu Gär- bzw. Fäulnisprozessen, die sich negativ auswirken können. Um diese Vorgänge wieder umzukehren, kann es ratsam sein, auf den Beifuß zurückzugreifen. Mit 2 Teelöffeln des getrockneten und zerkleinerten Krautes bereitet man einen Heißaufguss, den man aber nur 5 Minuten ziehen lässt. Früh und abends nimmt man vor den Mahlzeiten je eine Tasse zu sich und das über mehrere Tage hindurch.

Beifuß mit Wurzel und Blütendetails ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn der Hals kratzt

Das Basilikum zum Gurgeln

Es ist immer von Vorteil, wenn man weiß, wo etwas griffbereit zur Verfügung steht, um es im Handumdrehen einsetzen zu können. Da könnten wir vieles aufzählen von Brille und Taschentuch beginnend bis hin zum Wundpflaster oder einem Schraubenzieher als einfaches Werkzeug. Und ich füge hinzu: bei Kräutern verhält es sich so ähnlich. Um dies zu verdeutlichen, sei hier ein konkretes Beispiel angeführt. Das Basilikum (Ocimum basilicum) steht bei vielen auf der Fensterbank oder im Inneren der Küche in einem eigenen Blumentopf, damit man es nicht lange suchen muss. Immerhin zählt es zu den feinen Gewürzkräutern, die es verstehen, beim Essen die geschmackliche Langeweile vom Gaumen zu vertreiben. Doch gibt es noch mehr Aspekte rund um das Basilikum zu bedenken, als bloß ein schmackhaft angerichtetes Mahl. Wenn z. B. jemand Schmerzen im Halsbereich hat, die eindeutig auf eine Entzündung desselben hindeuten, dann ist es mit dem übermäßigen Appetit ohnehin vorbei. In leichteren Fällen sollte man diese Beeinträchtigung aber nicht gleich zum Anlass nehmen, um mit stark wirkenden Medikamenten darauf loszugehen. Manchmal tut auch ein altbewährtes Hausmittel ebenso seinen Dienst, ohne den Organismus übermäßig zu belasten. Dabei darf man sich ruhig auf das Basilikum besinnen, obwohl kein Grund zum Würzen besteht. Der Hals verträgt das Heilkraut ebenfalls sehr gut und hinzu kommt noch, dass es in Reichweite dasteht und womöglich übersehen wird. Gerade in der Sommerszeit kann es leicht passieren, mit einer Beeinträchtigung durch einen schmerzenden Rachen nicht zu rechnen. Dann ist es gut, einen pflanzlichen Freund in seiner Nähe zu wissen.

Gurgelmittel aus Basilikum

Frisches Basilikum-Kraut wird feingeschnitten. Davon nimmt man eine Menge von 2 Teelöffeln. Diese wird mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Der so gewonnene Tee gilt als wertvolles Gurgelmittel gegen Halsentzündungen. Sobald der Aufguss eine annehmbare Temperatur erreicht hat, kann man damit gurgeln und zusätzlich den gesamten Mundbereich ausspülen. Am besten führt man dies gleich in der Früh und ein zweites Mal am Abend durch.

Basilikum oder Basilienkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Sodbrennen als Anfrage

Der Heilziest als Empfehlung

Angebot und Nachfrage bestimmen den Markt. Dabei gibt es naturgemäß immer Gewinner und Verlierer. Es kommt meist auf das ökonomische Geschick und ein dementsprechendes Bewerben an, wie weit der Absatz in die Höhe getrieben werden kann. Nun, bei Kräutern sollten andere Maßstäbe zählen. Aber im Laufe der Jahrzehnte ist, zumindest im Bewusstsein der angewandten pflanzlichen Heilkunde, das eine oder andere Kraut ins Hintertreffen geraten. Das sollte jedoch nicht so bleiben. Der Heilziest (Stachys officinalis) etwa, der auch Echter Ziest oder Zahnkraut genannt wird, ist innerhalb der Familie der Lippenblütler ein Vertreter der Gattung der Zieste. Es handelt sich um eine mehrjährige Pflanze, die eine Wuchshöhe bis zu 70 Zentimeter erreicht. Der Ziest gibt sich dem Kundigen an den Blättern zu erkennen, die schmaloval und lanzettförmig ausgebildet, am Rand eingekerbt und unterseits leicht behaart sind. Die Blüten, die ab Juli auf Scheinähren erscheinen, sind purpurrosa gefärbt. Der Heilziest liebt einen feuchten Standort auf kalkarmen Böden. Man kann ihn aber ebenfalls in Laubwäldern an helleren Plätzen finden. In seiner Heilwirkung wendet sich dieses Gewächs vor allem den Atemwegen zu und hat überdies eine lösende und erweichende Wirkung bei Geschwüren, die von Krampfadern herrühren. Und beim Thema Sodbrennen kann ich zudem heute eine Empfehlung weitergeben, die vielleicht mithilft, diesen unangenehmen Zustand zu lindern. Schätzen wir wieder mehr alle Pflanzen und Kräuter, die in der freien Natur bei uns gedeihen, und hüten wir uns vor einem allzu schnellen Werten der einzelnen Individuen. Denn dabei könnten wir uns sehr leicht irren.

Heilziest-Tee

Die Blätter des Heilziests kann man vor allem in den Monaten Juni und Juli ernten. Entweder trocknet man diese oder man bereitet sie frisch auf. Für einen Tee übergießt man 2 Teelöffel des frischen oder getrockneten zerkleinerten Krautes mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Bei Sodbrennen sollte man über den Tag verteilt immer wieder ein paar Schlucke dieses Tees zu sich nehmen.

Echter Heilziest oder Betonie ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Kräuter für die Augen

Augentrost und Fenchel

Es ist und bleibt ein Geschenk, wenn man gut sehen kann. Man schätzt dies meist erst, sobald es notwendig wird, eine Brille zu tragen oder gar einen Eingriff chirurgischer Art vornehmen zu lassen, um die Tüchtigkeit der Augen zu erhalten. Gerade jetzt zur Reisezeit, wo viele über ihren vier Rädern am Steuer sitzen, werden die Sehorgane ziemlich beansprucht. Der Augentrost ist ein Heilkraut, das keinen fahrbaren Untersatz benötigt, um vorwärts zu kommen. Er wartet eher darauf, dass wir auf ihn zukommen, wenn unsere Augen auf eine intensive Beanspruchung mit einem unangenehmen Brennen reagieren. Wie viele andere Heilpflanzen kann man auch den Augentrost durchaus mit in ihrer Wirkung ähnlichen Gewächsen kombinieren, die mithelfen, so manchen Missstand leichter ertragbar zu machen. Das kann mit dem Fenchel passieren, der ohnehin als heilsamer Begleiter den meisten bekannt ist. Dort, wo der Mensch nach einer Unterstützung sucht, die dem Körper die verschiedensten Leiden mindert oder zumindest Wege aufzeigt, diese zu ertragen, ist er gut beraten, auf die Zusammenarbeit der Heilkräuter zu setzen. Wenn nun also die Augen brennen, weil sie ziemlich überanstrengt sind, darf ruhig das Gespann von Augentrost und Fenchel zum Einsatz kommen. Gleichzeitig möchte ich darauf verweisen, in diesem Fall unbedingt Pausen einzulegen, die den gesamten Körper zur Ruhe kommen lassen. Das dient nicht zuletzt einem ausgeglichenen Gemüt und einer erhöhten Konzentration im Straßenverkehr, die dann so manchen Unfall gar nicht erst zustande kommen lässt.

Pflanzenkombination für die Sehkraft

1 Esslöffel voll getrocknetes Augentrostkraut und ebenso 1 Esslöffel zerstoßener Fenchelsamen werden abgemischt und mit 1/2 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen und den Tee noch filtrieren. 1/4 Liter des fertigen und abgekühlten Tees trinkt man gleich in der Früh nach dem Aufstehen. In den Rest taucht man einfach einen Wattebauschen und legt diesen 10 Minuten auf die geschlossenen Augen auf. Diese Prozedur kann auch zu anderen Zeiten durchgeführt werden. Für überanstrengte Augen wirkt das beruhigend und schmerzmindernd.

Augentrost ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Fenchel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Pflanzliche Nagelpflege

Den Dost nutzen

Die beginnende Urlaubssaison bringt es mit sich, dass wiederum viele Gäste in unserem schönen Land zu erwarten sind. Dabei stellt sich die Frage, was wir als die Quartiergeber zu bieten haben. Aufgrund der landschaftlichen Schönheiten und der kulinarischen Köstlichkeiten dürfen wir dabei wohl aus dem Vollen schöpfen. Überdies heißt ein Kraut die Angereisten und die Daheimgebliebenen herzlich willkommen. Der Dost (Origanum vulgare) blüht und gedeiht derzeit gerade unter Gottes freiem Himmel. Es wäre zu schade, ihn nur als Gewürz heranzuziehen. Schauen wir doch einmal mit ihm auf die tägliche Morgentoilette und im Speziellen auf unsere Nägel. Eine Schönheitspflege nach dem Erwachen hat dieses Kraut selbst nicht nötig. Das erledigen der Tau, der Regen und der Sonnenschein. Der Schöpfer hat diesem Kraut nun einmal eine schöne Blüte und vor allem ein herrliches Aroma zugedacht, an dem sich auch alle erfreuen dürfen. Wer sich den Wilden Majoran oder den Oregano, wie der Dost ebenfalls oft bezeichnet wird, in den Garten holt und ihm einen fixen Platz zuweist, der darf dieses Kraut auch für die Pflege des eigenen Äußeren heranziehen. Mit etwas Mühe und Geduld kann man damit ein probates Hausmittel herstellen, das vor allem für die Gesunderhaltung der Nägel an Händen und Füßen dienlich ist. Denn oft braucht es ja sehr viel Zeit, um diese Partien speziell bei den Damen mit Lack oder ähnlichem zu überdecken. Das soll aber für die Herren keine Ausrede sein, überhaupt nicht auf die Nägel zu schauen und diese in der Sorge um sein Aussehen quasi zu ignorieren. Mit dem Dost haben sowohl die Frauen als auch die Männer etwas davon.

Dosttinktur ansetzen und verwenden

100 g eines Gemischs aus Blättern und Blüten des Dosts werden 14 Tage lang bei Zimmertemperatur in 1/2 Liter hochprozentigem Obstbrand angesetzt. Danach abseihen und den Rückstand des Krautes mit 1/4 Liter abgekochtem und ausgekühltem Wasser auswaschen, beim Abseihen noch filtrieren und der alkoholischen Flüssigkeit beifügen. Erneut 14 Tage stehen lassen und abschließend in kleine Flaschen füllen. Täglich die Nägel an den Fingern und Zehen mit der Dosttinktur einreiben, um dieselben fit zu halten.

Dost oder Oregano ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya