Heilendes vom Acker

Wilde Stiefmütterchen für die Küche

Aufmerksamkeit zahlt sich aus. Wer offenen Auges durch die Natur geht, wird wie von selbst daran erinnert, was alles zur Verfügung gestellt wird, um dem Leib und der Seele wieder ein wenig Beistand zu leisten. Dabei kommt es meist nicht darauf an, dass alles in Reih und Glied steht. Oft lugt zwischen fein säuberlich gesäten Kulturpflanzen etwas heraus, das sich von selbst ein Mitspracherecht auf dem Ackerboden einzuräumen scheint. So gesellt sich etwa das Wilde Stiefmütterchen (Viola tricolor) gerne zu mancher Feldfrucht dazu. Natürlich entlockt mir diese durchaus hübsche Blumendame ein Lächeln. Unmöglich könnte ich sie ausreißen und auf den Kompost schmeißen. Ja, diese kleine und aus freien Stücken empor gesprossene Pflanze lässt meine Gedanken an das Ursprüngliche in der Natur zurückwandern. Denn es muss nicht immer das von Menschenhand Hochgezüchtete sein, das uns eine Wohltat liefert. In der Schöpfung hat so vieles bereits seinen Platz, ohne dass wir das erdacht oder gar erfunden hätten. In den Heilwirkungen erweist sich das Wilde Stiefmütterchen vor allem als blutreinigend und somit auch als harntreibend, als stoffwechselanregend und auswurffördernd, als kräftigend und unterstützend bei der Bildung von Narben. Den ersteren Effekt sollten wir durchaus öfter abrufen. Dazu ist es klug, die Stiefmütterchen gleich frisch zu verwenden. Nicht wenige machen sich darüber Gedanken, wie man etwas Gesundheitsförderndes in die täglichen Mahlzeiten integrieren kann. Hierzu habe ich einen konkreten Vorschlag.

Blätter für die Suppe

Um die blutreinigende Wirkung der Wilden Stiefmütterchen zum Tragen zu bringen, kann man die frisch abgezupften und gereinigten Blätter desselben diversen Suppen beifügen. Den Feinschnitt der grünen Ware gibt man aber erst in die Suppe, wenn diese vom Herd genommen wurde. Ruhig noch einige Minuten vor dem Servieren stehen lassen. Man kann die Stiefmütterchen-Blätter jedoch ebenso in einen frühlingshaften Topfenkäse hineinrühren, wobei auch andere geeignete Kräuter (Brennnessel, Schafgarbe und Löwenzahn) dazu gemischt werden können.

Wildes Stiefmütterchen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die frischen Blätter winken

Von den Birken ernten

Wenn man einen Spaziergang in der freien Natur unternimmt, wird man des tatsächlichen Wetters und der damit verbundenen Vorgänge viel besser gewahr, als würde man bloß beim Fenster hinausschauen. So kann z.B. der eigene Hund, mit dem man eine Runde geht, sehr viel dazu beitragen, nicht in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Man wird unter anderem feststellen, dass sich an den Bäumen bereits vieles entwickelt hat. Die Birken (Betula pendula) sind nun schon für die warme Zeit gerüstet, da sie ihr Laub ausgetrieben haben und somit ihr Blattwerk zur Verfügung stellen. Der Wind weiß damit durchaus etwas anzufangen, da es in den Birkenzweigen unüberhörbar rauscht, wenn er darüber bläst. Nun sollte dies nicht lediglich eine Schaustellung bleiben, sondern die Betrachter dessen vielmehr dazu animieren, das aktuelle Angebot im Hinblick auf die persönliche Gesundheit zu überprüfen und eine konkrete Anwendung in Betracht zu ziehen. Wenn wir das Wesen der Birke erschauen, bringt uns das auf die richtige Spur. Dieser Baum ist im Inneren sehr wasserreich und beginnt sehr zeitig im Frühling mit seinem Saftfluss. Dies ist somit ein Verweis, auch im Körper etwas in Gang bzw. ins Fließen zu bringen. Unter diesem Aspekt fallen mir die Beschwerden ein, die man für gewöhnlich als gichtische Erscheinungen bezeichnet. Überdies profitiert ebenso eine erkrankte Blase von den Birkenblättern. Wenn Herz und Kreislauf intakt sind, spricht kaum etwas dagegen, sich der Heilwirkung von den Birken zu bedienen.

Birkenblätter-Tee

Frische und saubere Blätter der Birkenbäume können fein geschnitten werden. Davon nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten ziehen lassen und dann abseihen. Zwischen den Mahlzeiten ist es ratsam, je 1 Tasse voll zu trinken. Damit erzielt man eine vermehrte Harnabgabe und unterstützt somit einen verstärkten Reinigungsprozess, der sich positiv auf die Gelenke und Blase auswirkt.

Birkenblätter ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vielseitig verwendbar

Die Käsepappel für Hals und Magen

Spezialisten sind sehr gefragt. Vor allem dann, wenn es um eine diffizil zu behandelnde Materie geht. Doch finden wir immer weniger Zeitgenossen, die so genannte Allroundkünstler sind. Viele von den Kräuterinteressierten erwarten sich auch von den Pflanzen, dass sie für möglichst viel zur Verfügung stehen. So möchte ich einmal mehr die Käsepappel (Malva neglecta) herausgreifen, die mit einem anderen Namen als Wegmalve bezeichnet wird. Sie hat schon in der Antike ein hohes Ansehen genossen. Es wäre aber allen anderen wertvollen Heilkräutern gegenüber ungerecht, nun die Käsepappel zu hoch in den Himmel zu heben. Begnügen wir uns vorerst mit dem Aufzählen ihrer Heilwirkungspalette. So zeigt sich dieses Malvengewächs durchaus als beruhigend und reizmildernd, sodann als erweichend, entzündungswidrig und einhüllend. In der Naturapotheke meines Elternhauses war das getrocknete Käsepappelkraut immer ein fixer Bestandteil. In Zeiten von Erkältungen und Grippeanfälligkeit erweist sich ein Käsepappel-Tee, den man ruhig mit etwas Honig süßen darf, als hilfreicher Beistand, und zwar bei Halsentzündungen, Bronchialkatarrh und bei Verschleimung der Atemwege. Darüber hinaus soll man den Tee bei Geschwüren im Magen- und Darmbereich zum Einsatz kommen lassen. Wie gesagt, eine Reserve an getrocknetem Kraut der bodennah wachsenden Pflanze sollte auf jeden Fall griffbereit zur Verfügung stehen. Die Droge kann man sich auch ganz leicht im einschlägigen Handel besorgen.

Käsepappel-Tee im Kaltansatz

Aufgrund des hohen Schleimstoffgehalts der Käsepappel soll der Tee nicht gekocht oder heiß überbrüht werden. Am besten ist es, die getrockneten und zerkleinerten Pflanzenteile im kalten Wasser (Verhältnis 2 Teelöffel voll zu 1/4 Liter Wasser) 8 Stunden lang anzusetzen und danach abzuseihen. Vor dem Trinken erwärmt man den fertigen Ansatz maßvoll und nimmt den Tee schluckweise zu sich.

Käsepappel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Für Magen, Darm und Haut

Das Gelbe Labkraut heranziehen

Vorbauen heißt gleichzeitig vorausdenken. Angesichts der warmen Temperaturen der letzten Wochen bin ich verblüfft, wie schnell sich die Vegetation entwickelt hat. Es erweckte den Eindruck, dass alle Bäume und Sträucher mit dem Blühen nicht nachkamen, weil alle auf einmal in einer weißen Pracht dastanden. Nun will ich demgemäß schon einen Blick in die naheliegenden Monate hineinwerfen, um daran zu erinnern, was uns dort erneut an heilsamen Gewächsen erwarten wird. Das Echte oder Gelbe Labkraut (Galium verum) ist es, das uns im kommenden Sommer förmlich wieder von den Straßenböschungen und Feldrainen zuwinken und zusätzlich noch durch seinen angenehmen honigartigen Duft auf sich aufmerksam machen wird. Dieses Kraut zählt zur Familie der Rötegewächse. Als man in früheren Zeiten mangels chemischer Mittel die Milch schneller zum Gerinnen bringen wollte, hat man auf das Labkraut zurückgegriffen, um diesen Prozess zu beschleunigen. In seinen Blüten steckt unübersehbar ein gelber Farbstoff und in den Wurzeln ein roter, die man beide bis auf den heutigen Tag als natürliche Pflanzenfarbe verwenden kann. Um die körperliche Konstitution jedoch zu festigen, die Immunkraft zu stärken und auch dem größten Organ, der Haut eine natürliche Unterstützung zukommen zu lassen, ist es ratsam, sich des Echten Labkrauts zu bedienen. Auch das hat etwas mit Vorbauen zu tun. Man nennt es aber in diesem Falle eher Vorbeugen. Also, nun kann man schon beginnen, weil man die trockenen Pflanzenteile bereits jetzt zubereiten kann.

Stärkender Tee

Vom getrockneten und zerkleinerten Kraut des Gelben Labkrautes nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt diese mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Anschließend 15 Minuten lang ziehen lassen und dann abseihen. Am besten trinkt man täglich abends nur eine Tasse davon. Übrigens ist es auch möglich, einen Waschlappen mit dem Aufguss zu tränken, um damit die Haut am ganzen Körper abzureiben und so die Wirkstoffe des Labkrautes der äußeren Schutzschicht direkt zugänglich zu machen.

Gelbes Labkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ärger schadet dem Leib

Ringelblume und Odermennig verwenden

Man kann sich zwar jeden Tag ärgern, aber man ist dazu nicht verpflichtet! Ja, diesem launigen und weisen Spruch kann man wohl nur zustimmen. Aber ehrlich gesagt, stehen wir kaum über den Dingen. Die je eigenen Emotionen haben uns fest im Griff, so dass es einer großen Disziplin bedarf, diesen nicht gänzlich zu verfallen. Dazu sollte uns klar werden, dass Leib und Seele eine untrennbare Einheit darstellen und daher negative Regungen über kurz oder lang ihre schlechten Auswirkungen auf unsere Physis zeitigen. Wenn wir daher unseren Blick auf die Ringelblume und den Odermennig richten, gehen wir sicher nicht fehl auf der Suche nach einer wohltuenden pflanzlichen Unterstützung bei Kränkungen, die wir nur schwer umgehen können. Mir scheint es sehr wichtig zu sein, dass wir uns durch Aufregungen, die andere willentlich oder gedankenlos verursachen, nicht missmutig machen lassen. Wer grantig ist, der begünstigt auch eine Übersäuerung des Körpers, weil sich damit der Reinigungsprozess verlangsamt. Leber und Galle, Nieren und Milz sind für diese Aufgabe programmiert und leiden ebenfalls unter dem Ärger ihres Besitzers. Ringelblume und Odermennig unterstützen diese Organe auf eine milde Weise. Daher ist es nur sinnvoll, genau diese beiden Kräuter zu kombinieren und in regelmäßigen Abständen zu verwenden. Wer sich einen Gram zuzieht, der braucht ohnehin auch Phasen der Ruhe und der Besinnung. Schließlich sollen wir durch einen bedächtigen Umgang mit unseren Emotionen immer noch Herr bzw. Frau der Lage bleiben. Und da schafft ein Tee die nötige Atmosphäre dazu.

Mischtee für Leber und Nieren

Zuerst mischt man getrocknete Ringelblumen-Blütenblätter mit getrocknetem Odermennigkraut zu gleichen Teilen. Davon nimmt man dann 2 Teelöffel voll und übergießt diese mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen. Danach abseihen und den Tee am besten ungesüßt schluckweise trinken. Ein paar Tage hintereinander jeweils in der Früh und am Abend je 1 Tasse davon trinken. Das fördert den Reinigungsprozess des Leibes.

Odermennigkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Zwischendurch Tee trinken

Unter anderem mit Ehrenpreis

Es tut uns allen gut, wenn wir einem geregelten Tagesablauf folgen dürfen. Dabei wechseln die Stunden der Arbeit in regelmäßigen Abständen mit den Phasen der Pausen und der Mahlzeiten. Die leibliche und geistige Gesundheit sollte dabei ebenfalls nicht zu kurz kommen. Daher ist es meiner Meinung nach wichtig, sehr gut auf das jeweilige Tagesprogramm zu schauen und vorzubauen, um auch für zwischendurch etwas parat zu haben. Der Echte Ehrenpreis (Veronica officinalis) kommt uns wahrscheinlich nicht gleich in den Sinn, wenn wir über häufig verwendete Heilpflanzen nachdenken. Doch das muss nicht so bleiben. Denn in den einzelnen Pflanzenteilen des Gewächses sind Stoffe enthalten, die einerseits die gesamte Physis stärken und andererseits wiederum die einzelnen Organe in einer sanften Weise anregen und stimulieren. Weil es eben heißt, tagsüber durchzuhalten und sowohl die Freuden und vielmehr noch die Sorgen und Bürden eines jeden einzelnen Tages in Angriff zu nehmen, ist es sicherlich von Vorteil, eine Unterstützung in Anspruch nehmen zu können. In der grünen Gabe des Ehrenpreis-Krautes steht uns ein Gewächs zur Verfügung, dessen Vorteile sich zwischendurch ganz gut abrufen lassen. Der Appell, ein ausreichendes Pensum an einem Tag zu trinken, darf hierbei gleich aufgegriffen und in die Tat umgesetzt werden. Ich hoffe, ich habe damit die Phantasie angeregt, um sich einmal mehr mit den pflanzlichen Hilfen auseinanderzusetzen, die der Herrgott uns am Wegrand oft ohne unser Zutun wachsen lässt. Wir brauchen sie einfach nur entdecken und wieder neu schätzen.

Durstlöscher und Magenfreund

Um ein gesundes Getränk für einen ganzen Tag zuzubereiten, nimmt man 6 Teelöffel voll getrockneter Triebe und Blätter des Ehrenpreiskrautes und übergießt diese mit 3/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Den Tee in eine Thermosflasche füllen und zwischen den Mahlzeiten schluckweise trinken. Das bewährt sich nicht nur im Alltag, sondern ebenso in Zeiten, da man nach einer Krankheit erneut zu Kräften kommen sucht.

Echter Ehrenpreis ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Die Heilkraft der Weide

Das Ohr kann davon profitieren

Wenn man den Frühling in all seinen Details und Schattierungen erkunden möchte, stellt einem der eigene Körper all die vorhandenen Sinne zur Verfügung. Auf der Haut tut ein warmer Lufthauch ganz gut, die Augen sind von den prächtigen Blüten beeindruckt und die Nase saugt so manch lieblichen Duft auf, der den zahlreichen Blumen entströmt. Wer bei all dem nicht zu kurz kommt, ist das Ohr. Immerhin melden sich die einzelnen Vogelstimmen aus der Winterpause wohl hörbar zurück. Die Weiden (Salix), die uns bereits am Palmsonntag zur Seite standen, um dort in Form von kätzchenbedeckten Zweigen den Schmuck abzugeben, haben auch weiterhin viel Gutes für uns übrig. Denn nun sind die Blätter an der Reihe, die nach und nach für die grüne Belaubung der Äste an den Ufern der Gewässer sorgen. Die Pflanzenteile der Weiden sind bekannt dafür, dass sie Salizylsäureverbindungen in sich bergen. Somit dürfen wir dem heilsamen Gewächs durchaus eine entzündungshemmende Wirkung zuschreiben. Da nun die Ohren als sensibler Teil des Kopfbereiches auch anfällig für Entzündungen und Schmerzen sein können, stellt sich für viele die Frage nach einer wirksamen natürlichen Hilfe bei eben diesen Beschwerden. So kann eine Maßnahme eine probate Begleitung darstellen, bei der die Weiden gleichsam zu Lieferanten einer Wohltat werden können. In diesem Falle sind es die Blätter, die wirkungsvoll zum Tragen kommen dürfen. Gerade dann, wenn sie sich noch in einem jugendlichen und frischen Stadium befinden, sind sie besonders wertvoll.

Saft aus Weidenblättern

Hat man genügend frische und junge Blätter von einem Weidenzweig abgezupft, kann man nach dem Reinigen derselben unter kaltem Wasser darangehen, diese auszupressen. Den gewonnenen Saft träufelt man am besten am Abend sogleich auf einen Wattebausch, den man bei Ohrenschmerzen zur Linderung der Beschwerden in das Ohr einführen kann. Nach dem Erwachen am nächsten Morgen nimmt man den Pfropfen einfach wiederum heraus.

Weide ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Haarboden stärken

Die Wurzeln der Brennnessel nutzen

Kaum hat man sich daran gewöhnt, die flauschige und schützende Kopfbedeckung der Winterszeit einzumotten, kommen erneut die Tage, wo es ratsam ist, zum Hut oder zur Kappe zu greifen, ehe man das Haus verlässt. Schuld daran sind gewiss nicht mehr die tiefen Temperaturen, sondern vielmehr die Bestrahlung, die man samt Wärme von der Sonne geliefert bekommt. Die milden Temperaturen locken gleichzeitig die Brennnesseln aus ihrer unterirdischen Geborgenheit, die sie seit dem letzten Spätherbst ausgekostet haben. Durch ihre tiefgrünen jungen Triebe leiten sie uns an, für unseren Körper so manch reinigende Kur durchzuführen, die uns ab und zu sehr gut tut. Doch auch abseits von Tee und jungem Spinat, die man aus den Brennnesseln ganz einfach zubereiten kann, gibt es darüber hinaus eine Unterstützung, die auf unser Äußeres abzielt. Hierfür dürfen wir auf die Wurzeln des oft unter seinem Wert geschlagenen Krautes zurückgreifen, die sich ja nun ohnehin aufgrund des frischen Blattwerks leicht eruieren lassen. Genauer gesagt will ich diesmal einen Tipp für die Kopfhaut verraten. Dort lagern die Haarwurzeln, die durchaus dankbar sind, wenn sie von einem Heilkraut eine Unterstützung erlangen. Immerhin wissen wir, was passiert, wenn der Untergrund der einzelnen Haare an Kraft verliert. Die schützende Pracht kann sich dann leicht auf Nimmerwiedersehen verabschieden. Mit der Brennnesselwurzel darf man gleichsam eine praktisch durchgeführte Einladung zum Verbleib der Haare auf dem Kopf zum Ausdruck bringen.

Haarwasser mit Brennnessel

Jetzt ist es immer noch möglich, Wurzeln der Brennnesseln auszugraben. Diese reinigt man gründlich unter fließendem kalten Wasser. 5 Esslöffel von kleingeschnittenen Wurzeln werden in 3/4 Liter Apfelessig gekocht und noch 1 Stunde ziehen gelassen. Dann zusammen mit 1/4 Liter Obstbrand 1 Monat lang in einer Flasche kühl ruhen lassen. Nach dieser Zeit gleich verwenden. Abends den Kopf damit einreiben und den Haarboden kräftig durchmassieren.

Brennessel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wertvolles haltbar machen

Die Schlüsselblumen unterstützen die Atmung

Der heutige Sonntag macht seinem Namen alle Ehre. Die vergangenen Tage schon durften wir in reichem Maß den ungetrübten Schein der Sonne in Empfang nehmen. Kein Wunder, wenn die Blüten auf den Wiesen, Sträuchern und Bäumen nun wetteifern, um ebenfalls reichlich die Strahlen vom Himmel zu tanken. Es macht den Eindruck, als habe die Schlüsselblume dazu beigetragen, das Firmament für alle zu öffnen. Nun, die Zeit, da dieses liebenswerte Primelgewächs uns in voller Pracht zur Verfügung steht, wird bald vorüber sein. Drum ist es nur recht, daran zu denken, auf welche Weise die Schlüsselblume dem Organismus etwas Gutes weiterschenken kann. Der Inhalt an Schleimstoffen, der sich in allen Pflanzenteilen wiederfindet, trägt dazu bei, dass nach der kalten Jahreszeit vor allem die Atemwege wieder freier ihren steten Dienst tun können, die womöglich nach einer Erkältung selbst verschleimt und dadurch verlegt sind. Generell ist es gut, sich in den gegenwärtigen Monaten der reichen Fülle an natürlichen Hilfen in Pflanzenform zu bedienen, damit der Körper mit dem korrespondiert, was eben gerade vor Ort seine Saison hat. Doch die Klugen bauen vor und heben sich auch für später noch etwas auf. Bei der Schlüsselblume kann man dahingehend auf verschiedene Weise vorgehen. Gewiss ist es empfehlenswert, die kostbaren Blüten zu trocknen und sorgfältig zu lagern. Es gibt darüber hinaus noch die Möglichkeit, dieses Heilkraut mit Alkohol zu kombinieren und so für die Zukunft haltbar zu machen.

Schlüsselblumen-Schnaps

Die Generationen unserer Groß- bzw. Urgroßeltern bedienten sich häufig der Destillation, um die Gaben aus dem Garten zu verwerten. Und so steht uns auch ein altes Hausmittel mit Schlüsselblumen überliefert zur Verfügung. 100 g frischgepflückte Blütenköpfe werden demnach 14 Tage in 1 Liter Obstbrand (vulgo Obstler) bei Zimmertemperatur angesetzt. Dann abseihen und 1 Esslöffel voll kleingeschnittener Zitronenschale dazugeben. Nochmals 14 Tage ziehen lassen und zuletzt filtrieren. Vor Gebrauch 3 Monate lagern.

Schlüsselblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Gerbstoffträger nutzen

Einen Tee mit Haselnussblättern

Im Reichtum der Schatzkiste, die uns Mutter Natur gerade jetzt im Frühling so freizügig öffnet, finden sich nicht nur schön anzusehende Gewächse, die sich mit Blüten schmücken und in Form von Bäumen und Sträuchern das ganze Land zieren. Es steckt auch wortwörtlich etwas dahinter oder besser gesagt drinnen. Ich meine damit die Inhaltsstoffe, die von uns ganz gezielt abgerufen werden dürfen. Als Beispiel sollen heute dafür die Haselnusssträucher dienen. Sie hüllen sich nun mehr und mehr nach vollbrachtem Blühen in ihr grünes Blattkleid. Für die tierischen Genießer der Haselnüsse wie etwa Eichelhäher, Eichkätzchen, Spechte & Co ist das wohl kaum von Interesse. Wir hingegen können darin sehr wohl eine Hilfe entdecken, die in den Haselnussblättern gespeichert ist. Wenn manchen von uns z. B. das Sitzen schwer fällt, so liegt das weniger an den schwachen Nerven, die eine Unruhe mit sich brächten. Vielmehr sind es lästige Hämorrhoiden, die im Bereich des Afters für ein unangenehmes Gefühl sorgen und sogar zu Schmerzen führen können. Da ist guter Rat teuer. Neben den medizinischen Therapien, die in diesem Fall angeraten sind, kann man zusätzlich auch eine naturheilkundliche begleitende Maßnahme ergreifen. Die Gerbstoffe, die in den Blättern der Haselnuss enthalten sind, tragen dazu bei, dass sich die blutgefüllten Ausstülpungen wiederum verkleinern und zurückbilden. In diesem Fall sollte man sich das Sitzen leisten, auch mindestens einmal am Tag.

Sitzbad und Kräuteröl

Von geernteten und getrockneten Haselnussblättern nimmt man ca. 3 Handvoll und schneidet sie fein. Dann stellt man sie mit 2 Liter Wasser zu und kocht sie gut auf. Danach abseihen und in eine Sitzwanne gießen. Das Sitzbad sollte ungefähr 15 Minuten dauern. Anschließend trocknet man das Gesäß mit einem Frottiertuch ab. Zudem ist es sinnvoll, den After noch mit etwas Johanniskrautöl abzutupfen.

Haselnuss ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya