Durch die Presse schicken

Den Löwenzahn entsaften

Der Frühling lockt all jene, die dem Weidwerk frönen, wieder erneut in die Natur. Rehe sind dabei, ihre Einstände festzulegen und auch alles andere Wild bietet vor allem dem Auge einen guten Anblick. Ein guter Jäger hat jedoch nicht nur alles Vierbeinige oder Geflügelte im Visier, sondern er selbst weiß sich als Bestandteil der gottgeschenkten Schöpfung, die ohne die Pflanzenwelt nicht komplett wäre. So lade ich ein, in diesem Sinne auf die Pirsch zu gehen, um Wertvolles zu entdecken. Da drängt sich ein Korbblütler förmlich auf. Es ist
der Löwenzahn (Taraxacum officinale), der durchaus unser Interesse wecken darf. Jetzt ist es ja leicht, ihn in seiner Üppigkeit zu erspähen. Auf vielfältigste Weise kann man dem häufig wachsenden Kraut etwas abgewinnen. Nicht nur als Tee bringt er seine Wirkkraft zur Entfaltung. Die noch geschlossenen Blütenknospen können ebenso auf dem Teller landen wie etwa die Wurzel, die zusammen mit Gemüse gekocht eine großartige Hilfe für die Leber darstellt. Apropos Leber: da gibt es sicherlich noch andere Methoden, um an den Löwenzahn mitsamt seinen unterstützenden Effekten heranzukommen. Und in der Tat werden wir dabei fündig. Es kann hierbei sogar die ganze Pflanze von Kopf bis Fuß – oder besser von Blüte bis Wurzel – verarbeitet werden. Auch wenn es einiger Handarbeit bedarf, so sollte man sich dennoch nicht scheuen, bei Vorhandensein der nötigen Kräfte samt Zeit, sich an die Arbeit zu machen, um den Löwenzahn im wahrsten Sinne des Wortes durch die Presse zu schicken. Und so geht’s:

Löwenzahn-Presssaft

Die gesamte Pflanze des Löwenzahns versucht man am besten mittels eines Distelstechers aus dem Erdboden zu heben. Wichtig ist nur, dass dabei auch ein beträchtlicher Teil der Wurzel mitgeht. Alles unter fließendem kalten Wasser gründlich reinigen und danach den bewurzelten Buschen zerkleinern. Mit einem Mixer oder einem Fleischwolf zu Brei verarbeiten, den man dann umso leichter auspressen kann. Den immer frisch erhaltenen Saft stellt man höchstens bis zum Abend in den Kühlschrank. 3-mal pro Tag 1 Esslöffel davon einnehmen. Das unterstützt Leber und Gallenblase auf hervorragende Weise. Ebenso zu empfehlen bei Arthritis oder Fettsucht.


Löwenzahn mit Wurzel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Solange sie noch blühen

Die Schlehensträucher ins Auge fassen

Verteidigungsbefestigungen, die im Mittelalter den städtischen Siedlungen halfen, den belagernden Feind über Tage und Wochen hinweg aufzuhalten oder ihn gar unverrichteter Dinge abziehen zu lassen, haben längst ausgedient. Sie sind vielmehr eine Attraktion für Touristen und eine Sparkasse für die Kommunen, die für deren Erhalt sorgen und aufkommen müssen. In der Natur bewährt sich jedoch Vergleichbares nach wie vor. Das zeigt uns der Schlehdorn (Prunus spinosa), der sich an Waldrändern und Böschungen ansiedelt. Dort sorgt er schon allein durch sein Wurzelwerk für eine Festigung des Geländes. Darüber hinaus ist dieser dornenbesetzte Strauch eine Zufluchtsstätte für viele Vögel und Kleintiere, die im Schutzdickicht des Schwarzdorns, wie die Schlehe auch bezeichnet wird, gerne ihre Kinderstuben errichten und sich darunter vor Greifvögeln sicher wähnen. Momentan zieht der Schlehdorn aber alle Register und ist in der Landschaft durch seine unzähligen weißen Blüten gar nicht zu übersehen. Gewiss gibt es in milden Regionen einen Vorsprung der Vegetation, aber vielerorts ist die gleißende Pracht gerade auf dem Höhepunkt. Von den Schlehen kann man bis in den Mai hinein diese feinen Gewächsteile ernten und zu Hause behutsam trocknen. In ihnen steckt viel Förderndes für Haut, Magen und Darm sowie für die Nieren. Obwohl sie ebenso eine abführende Wirkung zeitigen, stärken sie dennoch den Verdauungsmuskel. Dort, wo die Feldgehölze dicht stehen und niemandes Eigentum beeinträchtigt wird, ist es durchaus möglich, sich der Schlehenblüten zu bedienen.

Schlehenblüten-Honig-Tee

2 Teelöffel voller getrockneter Schlehenblüten werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser überbrüht. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen, dann abseihen und mit etwas Honig süßen. Wenn man davon 3 Wochen lang morgens und abends je 1 Tasse trinkt, hilft dies vorzüglich mit, um Hautunreinheiten oder Ausschläge besser in den Griff zu bekommen. Zudem lockert diese Anwendung Magenkrämpfe und begleitet auch das Behandeln von Wassersucht und Steinleiden auf eine natürliche Weise.


Schlehenblüten ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





An die Haut denken

Sellerie darf auf dem Speiseplan stehen

Was lasse ich an mich ran und was nicht? Die schützende und notwendige Abgrenzung gegenüber vielen Personen, Dingen, Eindrücken und Substanzen ist etwas Lebenswichtiges. So gesehen hat es unsere Haut, die von vielen zugleich als das flächenmäßig größte Organ unseres Körpers angesehen wird, nicht immer leicht. Nehmen wir Beispiele aus dem Pflanzenreich her, dann gibt es dort ebenfalls Individuen, deren Teile auch eine große Oberfläche besitzen, die eine dementsprechende Schale aufweisen. Dazu zählt unter anderem die Knollensellerie (Apium graveolens var. rapaceum), die als Gemüse ohnehin einen hohen Bekanntheitsgrad genießt. Wenn es um unsere Haut nicht gut bestellt ist, können wir uns in der Suche nach einer heilsamen Lösung durchaus an den Doldenblütler Sellerie wenden und die Frage stellen: „Warum und auf welche Weise kannst du mir helfen?“ Die menschlich-physische Schutz- und Grenzschicht ist oft nur ein Spiegelbild der inneren physischen als auch psychischen Vorgänge unserer selbst. Daher ist der Ansatz ein guter, über die veränderte Ernährung an das Problem einer Hauterkrankung heranzugehen. Gerade in der Früh ist unser Leib sehr aufnahmebereit für jede Wohltat, die wir ihm zukommen lassen. Wir können das bekannte Sprichwort: „Der frühe Vogel fängt den Wurm!“ durchaus ein wenig umformulieren und behaupten: Beginne den Tag gut und nutze die Gelegenheit der Morgenstunde, um deinem Leib etwas Gutes zukommen zu lassen.

Rohkost als wertvolle Unterstützung

Bei einer wie auch immer gearteten Beeinträchtigung unserer Haut ist die Ernährung in Form einer Diät sehr sinnvoll. Die kann unter anderem so gestaltet werden, dass man gleich am Morgen gesunde Rohkost genießt. Dazu wird 1 größeres Stück einer Selleriewurzel mitsamt 1 Apfel fein geraspelt. Hinzu kommen noch 1 Esslöffel voll geriebener Nüsse und ebenso viel Honig. Alles gut miteinander durchmischen und als Frühstück einnehmen. Eine Zeit lang durchführen.


Sellerie ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Sich mit Freude beschenken lassen

Haselblätter zu Ostern ernten

Christus ist auferstanden! – Er ist wahrhaft auferstanden! Ich kann nicht umhin, meine Freude in diesem frommen Gruß und dessen adäquater Antwort zu formulieren. „Mit Ostern aber wird alles Tun und Denken ewigkeitsbezogen. Ich lebe zwischen zwei Ufern, dem Diesseits und dem Jenseits. Nicht hin- und hergerissen, nein, sondern inmitten einer wandelbaren Wirklichkeit.“ So schreib es einst Hermann-Josef Weidinger. Jeder Mensch, der sich freut, geht aus sich heraus. Das symbolisieren jetzt auch die Pflanzen, die sich trotz mancher Wolken ihre Freude nicht nehmen lassen. Dazu gehören ebenso die Haselsträucher, die zwar längst ihr Blühen hinter sich haben, was natürlich für unzählige unter Allergien Leidende von großem Vorteil ist. Gerne werden jedoch die Zweige der Haselsträucher samt ihren länglichen Blütenkätzchen in so manchen Darstellungen für das Osterfest verwendet. Ein frohes Aufbrechen steckt aber auch in ihren Blättern drinnen, die sich bereits zu entfalten beginnen und sich daranmachen, mit der Photosynthese beizutragen, dass es auf der Welt wiederum mehr frischen Sauerstoff gibt. Nichts desto trotz bergen sich zusätzlich wertvolle Inhaltsstoffe in den schattenbildenden Gewächsteilen, die bereits unsere Vorfahren zu schätzen wussten. Aus deren Erfahrungsreichtum stammt heute auch mein konkreter Tipp. Ein Mensch, der sich freut, ist meist frei und unbelastet. Im Inneren unseres Organismus sammelt sich aber permanent durch den Stoffwechsel manch giftige und unreine Substanz an, die über das Blut aus dem Körper ausgeleitet wird. Schauen wir mit den Haselblättern darauf, dass auch der rote Lebenssaft etwas von der Osterfreude mitbekommt.

Frühjahrsreinigung

Von den Zweigen des Haselstrauches kann man die Blätter bereits im Jugendstadium sammeln und trocknen. 4 Esslöffel davon werden mit 1 Liter kochendem Wasser überbrüht und dann 15 Minuten zugedeckt ziehen gelassen. Danach abseihen und ein wenig mit Hong süßen. Zum Aufbewahren leert man den fertigen Tee am besten in eine Thermosflasche, um ihn über den Tag verteilt zu trinken. Die ist eine gute Weise, um die Blutreinigung zu unterstützen.


Haselnussblüten und Frucht ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Ausgleich suchen

Das Heidekraut als Unterstützung

Das Nichts-Tun ist offenbar ein ganz wichtiger Teil des Lebens. Sonst würde es den Schlaf nicht geben. Ruhephasen sind unumgänglich. Eltern, die ihre Kinder nicht rechtzeitig – also weit vor Mitternacht – ins Bett schicken, betreiben eindeutig Raubbau an den Heranwachsenden. Vielleicht kommen ja manche von uns auf die Idee, mit dem Ausschlafen schon in den frühen Abendstunden zu beginnen, damit der neue Tag wirklich mit dem Aufgehen der Sonne begrüßt werden kann. Wenn heute am Karsamstag der Grabesruhe Christi gedacht wird, werden wir auf etwas ganz Wesentliches hingewiesen: das bewusste Passiv-Werden. Und dazu möge sich noch ein Kraut gesellen, dessen verwandte Zuchtformen sehr oft die Gräber unserer lieben Verstorbenen zieren: das Heidekraut (Calluna vulgaris). Neben seiner blutreinigenden Wirkung stärkt es zudem das Selbstvertrauen, das wiederum die Voraussetzung einer richtig verstandenen Gelassenheit ist. Ehrlich gesagt, treibt es uns immer wieder herum. Wir meinen doch alle miteinander, das Leben selbst in die Hand nehmen zu müssen, damit es sich auch wirklich lohnt. Im Handumdrehen schleicht sich dann das Leistungsdenken ein, das den Menschen immer mehr beherrscht. Ein In-sich-Ruhen ist letztendlich ein willentlicher und daher aktiver Entscheid, der dem nervösen Herumdoktern am eigenen Leben Grenzen setzt. Erst wenn dies gelingt, kann man auch Ruhe entgegennehmen. Der Tod Christi und auch der eigene Tod sagen uns eindeutig, dass erst durch das Sterben der Glaube und das Vertrauen endgültig Gott das Wort und das Handeln überlassen.

Heidekraut-Tee als Tagesrahmen

Um besser abschalten zu können und einfach nur Ruhe zu geben, ist es sicher sinnvoll, das Heidekraut als Unterstützung zu verwenden. Von einem Gemisch aus getrockneten Triebspitzen und Blüten des Heidekrautes nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Gleich am Morgen 1 Tasse davon schluckweise trinken, ohne den Tee zu süßen. Ebenso am Abend anwenden.


Heidekraut oder Besenheide ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Symbol und Heilpflanze

Die Passionsblume lässt zur Ruhe finden

In Notsituationen greift man schnell nach dem Handy, um dringend geforderte Hilfe herbeizuholen. Denn jemand muss ja da sein, der die richtigen Schritte setzt, um in erster Linie Leben zu retten. Wenn dann die ärztlichen oder technisch geschulten Kräfte eintreffen, kann dies ein erster Moment des Aufatmens und der Hoffnung sein. Im Leiden Christi, das über dem heutigen Karfreitag steht, entdecken wir ebenfalls einen persönlichen Beistand, der alles riskiert. In der Passionsblume (Passiflora incarnata) finden wir einen Verweis darauf. Blicken wir auf ihre schöne Blüte, so lässt sich folgende Symbolik ablesen: über ihren Kelch- und Kronblättern erscheint eine Nebenkrone in Form eines Strahlenkranzes, der mit der Dornenkrone Christi in Verbindung gebracht wird. Die fünf Staubbeutel der Passionsblume weisen auf die fünf Wundmale Christi hin. Die drei Griffel wiederum erinnern an die Kreuzesnägel, die durch die Hände und Füße des Herrn drangen. Und der Fruchtknoten steht für den essiggetränkten Schwamm, der Jesus gereicht wurde, als er am Kreuz hing. Die Inhaltsstoffe dieser ursprünglich von der nordamerikanischen Kontinenthälfte stammenden Blume, die schon seit langem auch bei uns sozusagen in häuslicher Pflege kultiviert wird, sind vor allem dazu geeignet, die nervliche Konstitution unserer leiblich-seelischen Verfasstheit zu festigen bzw. zu unterstützen. Für die naturheilkundliche Verwendung werden nur die Blüten und die Blätter herangezogen, die geerntet und getrocknet aufbewahrt werden können. In der Regel bedient man sich hierzulande über den Fachhandel, der diese Droge z.B. in Apotheken samt guter Beratung anzubieten weiß. Die Heilkräuter sind ja generell ein Indiz dafür, dass der Schöpfer die Seinen nicht alleine lässt, sondern uns seine Hilfe in Form seiner Geschöpfe zur Verfügung stellt.

Passionsblumen-Tee

Bei nervöser Unruhe oder Erregungszuständen verschiedener Art kann man auf den Tee aus Passionsblumenkraut zurückgreifen. Die Zubereitung ist sehr einfach: 2 Teelöffel der Passionsblumendroge werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Schluckwiese trinken. Das erweist sich auch bei nervlich bedingten Magenkrämpfen als wirkungsvoll. Die Tagesmenge soll jedoch 3 Tassen nicht überschreiten.


Passionsblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Drei Kräuter am Gründonnerstag

Bärlauch, Brennnessel und Gänseblümchen

Brot und Wein sind die eindeutigen Zeichen, die heute in der Liturgie des Letzten Abendmahles dominieren. Sie werden zur Wohnstatt der tatsächlichen Präsenz Christi in der Gemeinschaft der Feiernden. Das ist nicht nur heute der Fall, sondern bei jeder Feier der Eucharistie. Mit dem Gründonnerstag ist gleichzeitig eine Erinnerung an das jüdische Pessachmahl verbunden, bei dem wiederum die Kräuter eine Rolle spielen. In Anlehnung an diese jüdische Feier möchte ich ebenfalls heute die Frühlingspflanzen ins Spiel bringen. Brennnessel, Bärlauch und Gänseblümchen sind ja durchaus vor Ort zu finden und können auf eine ideale Weise unseren Übergang von der Fastenzeit zum Osterfest und den darauffolgenden Wochen begleiten. Es sind sozusagen die Favoriten unter dem Wildgemüse, das wir mit Maß und Ziel ohne Bedenken verwenden können. Im Bärlauch steckt, wie viele wissen, die Tugend, dem Organismus vor allem im Bereich der Gefäße, des Blutdrucks und der Leber unter die Arme zu greifen und vieles dort auszutarieren. Die Brennnesseln wiederum bringen Eisen in den Stoffwechselkreislauf ein und reinigen gleichzeitig das Blut. Zum Schluss sollte man vor allem die Gänseblümchen nicht verachten, die einen geregelten Stuhlgang unterstützen und ebenfalls bei deren Verzehr der Leber zugute kommen. Wenn man heute am Gründonnerstag danach trachtet, das heilige Triduum bis zur Osternacht ganz bewusst zu gestalten, dann dürfen die Frühlingskräuter in den Speiseplan des Tages miteinfließen. Dort muss eben nicht nur der Spinat dominieren, dessen Genuss allerdings auch zu empfehlen ist. Übrigens: Nicht vergessen, von den drei Kräutern einzeln oder gemischt einen Tee aufzubrühen und zu trinken!

Verwendungsvorschläge für die Küche

Von den Blättern des Bärlauchs lässt sich roh ein würziger Salat anrichten oder man verwendet sie fein geschnitten als Suppenbeigabe. Die frischen Brennnessel-Blätter sollte man kurz vor dem Rohgenuss abbrühen, dann fein hacken und auf ein Topfenbrot streuen oder ebenfalls in die Suppe geben. Die Blätter und Blüten des Gänseblümchens kann man zum Garnieren der Gerichte heranziehen. Ein gewöhnlicher grüner Salat kann ebenso damit aufgebessert werden wie ein selbst gemachter Streichkäse für die Jause zwischendurch oder die Abendmahlzeit.


Bärlauchknospe und Blatt ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Brennnesselzweiglein ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya


Gänseblümchen Blüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Wenn Krämpfe quälen

Die Käsepappel an die Haut lassen

Die Vielfalt von Gottes pflanzlicher Natur ist sehr groß. Oft begegne ich Zeitgenossen, die sehr wohl ein Interesse für die Kräuterkunde aufbringen. Die Fülle und die Menge an Arten und Gattungen lässt sie jedoch davor zurückschrecken, sich eingehender mit einer liebevollen Botanik auseinanderzusetzen. Man muss ja nicht unbedingt alles wissen. Ein sehr bescheidenes Gewächs, das wortwörtlich am Boden bleibt, ist die Käsepappel (Malva neglecta). Sie hat bereits in der Antike ein hohes Ansehen genossen. Daher dürfen wir auch heute ihre Heilwirkungen unter die Lupe nehmen. Dieses Malvengewächs erweist sich als beruhigend, reizmildernd, erweichend und darüber hinaus als entzündungswidrig. Das ganze blühende Kraut kann im Sommer bei gutem Wetter geerntet und im Schatten rasch getrocknet werden, um es für spätere Zeiten griffbereit aufzubewahren. In der Naturapotheke meines Elternhauses wurde dem Käsepappelkraut immer ein Platz freigehalten. Und diesen Tipp darf ich auch all jenen weitergeben, die sich um ihre Gesundheit sorgen und mühen. Oft gibt es im Inneren des Körpers Anzeichen einer Verstimmung oder gar einer Kolik. Das sollte man gewiss nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern den Ursachen hinterhergehen, die z. B. einen krampfhaften Zustand auslösen. Weiß man selbst darüber Bescheid, ohne den Arzt für eine sichere Diagnose konsultieren zu müssen, so kann man sich zumindest für eine kurze Zeitlang mit der Käsepappel behelfen. Denn immerhin sind so genannte Hausmittel nicht zu verachten, auf die schon unsere Altvorderen große Stücke gehalten haben. Und ein Tee, den man aus dem Käsepappelkraut zubereitet, kann nicht nur über den Magen und den Darm seine Wirkung weitergeben.

Käsepappel-Bad

Ein Tee aus Käsepappelkraut wird im Kaltansatz zubereitet. Dazu nimmt man 2 Teelöffel der zerkleinerten Droge und setzt sie 8 Stunden lang mit 1/4 Liter Wasser an. Öfters umrühren. Zuletzt nur auf Trinktemperatur erwärmen, nachdem man den Ansatz abgeseiht hat. Für ein Bad, das ich bei inneren krampfhaften Zuständen als Linderungsmaßnahme empfehle, benötigt man jedoch 2 Liter eines stärkeren Tees, den man mit 100 bis 150 g Käsepappelkraut zubereitet und dann dem warmem Badewasser hinzufügt, um darin ca. 20 Minuten zu baden.


Käsepappel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Bewegung im Bauch

Orangen gegen Darmträgheit

Es ist das Bestreben vieler, etwas vorwärts zu bringen. In allen gesellschaftlichen Vorgängen zählt es zum Erfolg, wenn man möglichst viele mobilisieren oder von einer Sache begeistern kann. Das schlägt sich dann in Wählerstatistiken genauso nieder wie oft auch im wirtschaftlichen Gewinn, der beim Verkauf eines trendigen Produkts übrig bleibt. Wenn nun im Körper ebenfalls so manches in Bewegung gerät, weil sich der Organismus auf die angebrochene Jahreszeit mit milderen Temperaturen und längerem Tageslicht einstellt, dann darf man durchaus ein Obst namens Orange (Citrus sinensis) schätzen, das immer noch auf den Obsttellern zu finden ist. Die frische Frucht sowie der gepresste Saft haben neben ihrem Wohlgeschmack eine erfrischende, stärkende, kreislauf- und stoffwechselanregende Wirkung. Die Orangen stellen nicht nur für Kranke sondern ebenso für Gesunde eine wirkliche Wohltat dar. Heute gilt unser Augenmerk der Verdauung. Orangen sind nämlich Spender so genannter Faserstoffe. Daher begünstigen sie die Tätigkeit des Darmes und wirken einer Trägheit desselben entgegen. Und dort ist unbedingt eine geregelte Bewegung vonnöten, um den Leib nicht zu belasten. Jeder von uns spürt doch ohnehin ein Unbehagen, wenn es im Bauch sozusagen zu einer Stauung kommt oder man das Gefühl hat, dass einem im Magen oder eben im anschließenden Darm etwas liegen bleibt. So darf die Orange durchaus etwas dazu beitragen, um der Bewegung im Bauch auf die Sprünge zu helfen.

Beigabe oder frisch genossen

Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Entweder schält man sich eine Orange und konsumiert die Spalten genüsslich, indem man sie gut durchkaut, bevor man sie hinunterschluckt. Oder man schneidet sie auf und verwendet ihr Fruchtfleisch, um damit einen grünen Salat oder einen herzhaft gemischten Frühlingssalat aufzubessern. Die südländischen Früchte sorgen dann auch für eine harmonisierende Geschmacksvariante, die überdies der Gesundheit einen Nutzen bringt.


Orangenfrucht ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Den Boden bereiten

Die Brennnessel unterstützt den Haarwuchs

Einer nicht zu leugnenden Gegebenheit kann man sich auf zwei Arten aussetzen: entweder sieht man diese nur negativ und versucht vor ihr zu flüchten oder man nimmt sie an und macht sogar bestenfalls etwas daraus. Beginnt die Vegetation nun wieder ihr Grün im wahrsten Sinne des Wortes voranzutreiben, dann stehen vor unseren Augen nicht nur die Pflanzen unserer Wahl am Boden. Die Brennnessel (Urtica dioica) z. B. fragt nicht lange, ob sie dort, wo sie eben wurzelt, wachsen darf oder nicht. Deswegen muss man sie noch nicht als Unkraut bezeichnen. So kann etwa die Heilwirkung der Brennnessel in verschiedener Hinsicht der Haut und den darin verborgenen Haarwurzeln dienstbar sein. Innerlich verwendet, trägt das mit feinen Nesselhärchen bewaffnete Gewächs zu einer Reinigung des Blutes bei, die sich dann indirekt auf eine bessere Konsistenz unserer Körperoberfläche auswirkt. Treffen die gesundheitsfördernden Effekte jedoch von außen auf die Haut, sind sie nicht minder an der richtigen Stelle, um den Haarwuchs zu unterstützen. So sollte man den Ärger, den manche vordergründig ob der Anwesenheit der Brennnesseln entwickeln, in eine Dankbarkeit verwandeln und aus der anscheinenden Not eine Tugend machen. Dazu sind übrigens alle Pflanzenteile des selbstbewussten Krautes verwendbar. Die Pflege des Haarbodens ist ja ohnehin eine oft vernachlässigte Angelegenheit, die man durchaus wiederum mehr ins Bewusstsein der täglichen Körperpflege rücken darf.

Brennnessel-Wasser für den Kopf

In diesem Falle kann man alle Teile des Krautes inklusive der Wurzel verwerten. Alles nach dem Ausgraben gut reinigen und zerkleinern. Hat man eine Menge von 250 g beisammen, so setzt man diese 14 Tage lang in 1 Liter Ansatzalkohol an. Danach abseihen und den Rückstand mit 1/2 Liter abgekochtem und temperierten Wasser 3 Stunden lang stehen lassen. Abschließend filtrieren und dem ersten Ansatz beimengen. Mit diesem Pflegewasser kann man täglich die Kopfhaut massieren und so den Haarwuchs unterstützen.


Brennnessel Marienkäfer ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya