Duftende und wirksame Schönheit

Das Bohnenkraut im Garten

Wer etwas auf sich hält, der legt großen Wert auf ein edles Design seiner Wohnung, auf ein gepflegtes Äußeres, das zusätzlich durch das Tragen der jeweils im Trend liegenden Stoffmode zum Ausdruck kommt. Nicht selten werden auch Gartenanlagen einem eigens entworfenen Architekturplan gemäß angelegt. Mir selbst kommt es eher darauf an, nicht nur visuell einen Eindruck zu erwecken, sondern auch Gewächse voller Wirkung ins häusliche Umfeld zu setzen. Für das Verwenden in der Küche kann man daher ein aromatisches Kraut an die Wegränder pflanzen. Nun, als Würze werden z. B. vor allem die Blätter des Garten-Bohnenkrautes (Satureja hortensis) verwendet, die man zu diesem Zweck vorher trocknet. In dieser Pflanze begegnen wir einmal mehr einer Art aus der Familie der Lippenblütler. Das Bohnenkraut besitzt einen krautigen und äußerst verzweigten Wuchs. Die kleinen Blüten sind rosa bis weiß gefärbt und wachsen auf einer Scheinähre. Die Blütezeit beginnt bereits im Juli und kann bis in den Oktober hinein andauern. Ursprünglich dürfte diese Heilpflanze in den Landstrichen zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzem Meer wild vorgekommen sein. Durch seine Inhaltsstoffe stärkt das Bohnenkraut nicht nur die Verdauung, sondern ebenso das Atmungssystem und die Nerven. Dadurch ist diese natürliche Hilfe vielseitig verwendbar. Gerade nach so manchem Sommerfest, bei dem man in gemütlicher Runde die Abende durchaus auch kulinarisch genießt, stellt sich hernach die Frage, welch ein Gewächs dem Magen und dem Darm einen guten Dienst erweisen könnte. Mit dem Bohnenkraut ist man in diesem Anliegen sicher an der richtigen Adresse.

Bohnenkraut für den Magen

Von den blühenden Triebspitzen des Bohnenkrautes schneidet man eine kleine Menge ab und zerkleinert sie. Davon nimmt man 2 Teelöffel voll und übergießt diese mit 1/4 Liter kochendem Wasser. Anschließend 15 Minuten lang zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Jenen Tee trinkt man schluckweise, solange er noch warm ist. Gerade bei Verstimmungen von Magen und Darm kann einem dieser Aufguss wiederum auf die Sprünge helfen.


Bohnenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Tierliebe in pflanzlicher Form

Der Erdrauch für die häusliche Fauna

Wenn man eine Reise plant, die länger andauert, weil man z. B. den Urlaub auswärts verbringt, ist einiges zu bedenken. Während der Zeit der Abwesenheit soll sich jemand ums Haus kümmern, den Rasen mähen, die Post aus dem Briefkasten nehmen und vieles andere mehr. Ein großes Thema sind natürlich ebenso die anwesenden Haustiere, die zu ihrer Zufriedenheit versorgt werden müssen. Aber das gilt ohnehin das ganze Jahr über, also auch dann, wenn man mit ihnen den Ablauf der Tage teilt. Eine Pflanze, die sich rund ums Haus alleine fortbringt, ist der Erdrauch (Fumaria officinalis). Es handelt sich hierbei um ein Heilkraut, das eine eigene Gattung innerhalb der Familie der Mohngewächse bildet. Der Gewöhnliche Erdrauch ist in Europa und dem angrenzenden Asien weit verbreitet. Er wächst gerne auf mageren Böden entlang von Wegen und Halden und in der Nähe von altem Gemäuer. Das Heilkraut hat seinem wichtigsten Inhaltsstoff, dem Fumarin, den Namen verliehen, der dafür sorgt, dass vor allem bei uns Zweibeinern die Gallenblase ihre Tätigkeit besser aufnehmen kann. Zusätzlich wirkt sich die Heildroge positiv auf die Haut aus. Grundsätzlich ist jedoch der Erdrauch für Anwendungen rezeptpflichtig und erfordert ärztliche Begleitung. Für äußerliche Anwendungen kann man ihn aber durchaus heranziehen, wie etwa für Waschungen bei Hautbeschwerden, wofür man das Erdrauchkraut im Heißaufguss überbrüht. Und was für den Menschen von Nutzen ist, kann auch dem Tier weiterhelfen. Sehr leicht kann es vorkommen, dass sich unter so manchem Fell eine Hauterkrankung einschleicht, die für den Schützling sehr unangenehme Folgen haben kann. Die erste Adresse sind in diesem Fall natürlich die Veterinärmediziner, die ein kompetentes Diagnostizieren durchzuführen imstande sind. Als begleitende Maßnahme kann darüber hinaus auch die pflanzliche Hausapotheke ihren Beitrag leisten.

Waschung mit Erdrauch-Tee:

Mit 1 Liter kochendem Wasser überbrüht man ca. 25 bis 30 g frisches oder getrocknetes, zerkleinertes Erdrauchkraut und lässt es noch 15 Minuten zugedeckt ziehen. Danach abseihen und auskühlen lassen, ehe man bei Hauterkrankungen der Tiere mit dem Vorgang des Waschens beginnt. Leidet ein Haustier unter Verstopfung, so kann man kleine Mengen des Tees auch dem Tier als Getränk verabreichen.


Erdrauch ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Sonnenschutz aus der Küche

Ein Dressing für die Haut

Vielleicht kommt mein Appell „Ab in den Süden!“ schon zu spät, haben sich doch bereits etliche unserer Landsleute auf den Urlaubstrip dorthin aufgemacht. Oder es sitzen womöglich welche gerade im Flugzeug und haben dort die Möglichkeit, diese Kolumne zu lesen, dann komme ich ja doch noch rechtzeitig zu Wort! ;-) Wie auch immer, eine Erinnerung an mediterrane Eindrücke liefern ja ohnehin die Früchte dieser beliebten Reisedestination, die in den heimischen Küchen das ganze Jahr über gang und gäbe sind. Zu ihnen zählen vor allem die Oliven, die Früchte der oft knorrig gewachsenen Ölbäume. Deren Fruchtfleisch mitsamt den Kernen liefern das wertvolle Olivenöl, das nicht nur der Verdauung sehr zuträglich ist, sondern darüber hinaus heilfördernd verwendet werden kann. Das kaltgepresste Olivenöl, das auch „Jungfernöl“ genannt wird, entsteht durch das leichte Pressen der Früchte ohne Wärmeentwicklung und hat eine gelbe bis grünliche Farbe. In verschiedenen Darstellungen aus der Zeit der Antike sind uns Bilder von derartigen Prozeduren bis heute überliefert. Die Früchte dienten schon damals nicht nur der Küche, sondern bereits der Pflege des Körpers. An dessen Außengrenze, der Haut, spielt sich so manch wertvoller Prozess ab, der unsere Gesundheit stabilisiert. So ist es wichtig, sich dem Tageslicht auszusetzen und auch die Sonnenstrahlen zu tanken. Jedoch sind gerade hier ein besonderes Maß und ein bedächtiger Umgang mit der Aufnahme des direkten Lichtes von Nöten. Es gibt, wie wir alle wissen, verschiedene Hauttypen. Je heller die Haut, desto empfindlicher erweist sie sich gerade in der Sonne. Aber auch die mehr Pigmentanteile aufweisen und schnell bräunen, sollten diese anscheinende Tugend nicht auf die Spitze treiben. Gerade jene sollten mithilfe der Früchte vom Mittelmeer ebenfalls etwas Vorbeugendes und Stärkendes ihrer Haut angedeihen lassen. Und Olivenöl hat man genauso wie Zitronen schnell einmal zur Hand.

Natürliches Sonnenschutzmittel

Etwas Zeit sollte vorhanden sein. Denn dann kann man darangehen, um sich die ganze Körperhaut mit einem qualitätsvollen kaltgepressten Olivenöl einzureiben, das man zuvor mit etwas frisch gepresstem Zitronensaft abgemischt hat. Diese Einreibung zieht eher langsam ein, erweist sich aber als durchaus schützend und stärkend für die Haut, die vermehrt in der Arbeit oder in der Freizeit der Sonne ausgesetzt wird. Helle Hauttypen sollten darüber hinaus auf die pharmazeutisch geprüften Schutzlotionen nicht verzichten.


Olivenzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Altes Wissen neu aufgefrischt

Der Heilziest und seine Wirkweisen

Vor einigen Jahrzehnten der praktischen Heilkräuterkunde stand eine Pflanze noch hoch im Kurs, die heute eher an Bedeutung verloren hat. Das kann man vergleichen mit Markenprodukten, die einst an Attraktivität etwas eingebüßt haben, die man sich jedoch aus durchaus einsichtigen Gründen in der Gegenwart wiederum wünschen würde. Daher möchte ich heute nach längerer Zeit wieder einmal den Heilziest ins Blickfeld rücken, an dem viele bei Wanderungen durch die Natur achtlos vorübergehen. Der Heilziest (Stachys officinalis), auch Echter Ziest oder Zahnkraut genannt, ist innerhalb der Familie der Lippenblütler der prominenteste Vertreter der Gattung der Zieste. Er ist eine mehrjährige Pflanze und erreicht eine Wuchshöhe bis zu 70 Zentimeter. Der Ziest gibt sich dem Kundigen an den Blättern zu erkennen, die schmaloval und lanzettähnlich geformt sowie leicht behaart sind. Die Blüten, die auf Scheinähren ab Juli erscheinen, sind purpurrosa gefärbt. Auf den zahlreichen Kräuterwanderungen, die in meiner unmittelbaren Heimat, dem Thayatal, angeboten werden, kann man dieses wertvolle Kraut auf den Wiesen entlang des Flusses kennenlernen. Der Heilziest liebt nämlich einen mäßig feuchten Standort auf kalkarmen Böden. Man kann ihn aber ebenfalls in Laubwäldern an helleren Plätzen finden. Einst hat ihm die heilige Hildegard von Bingen die Ehre gegeben und ihn als Hilfe beschrieben, die gegen schlechte Träume ankämpft. Manchmal kann es aber auch Sodbrennen sein, das einem das Einschlafen schwer macht. Auch hier ist der Heilziest zur Stelle, wenn man ihn als Tee aufgießt. Meist sind es Frauen, die unter Problemen mit Krampfadern leiden. Ebenso hier vermag der schmucke Wiesenfreund einen helfenden Beitrag zu leisten.

Heilziest in Teeform

Die Blätter des Heilziests kann man vor allem in den Monaten Juni und Juli ernten. Entweder trocknet man sie für eine spätere Verwendung oder man bereitet sie frisch auf. Für einen Tee übergießt man 2 Teelöffel des frischen oder getrockneten zerkleinerten Krautes mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Frauen, die unter Geschwüren im Zusammenhang mit Krampfadern leiden, können durchaus 3 Tassen dieses Tees pro Tag trinken, um eine Linderung der Beschwerden zu erfahren.


Heilziest ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Ein Blätterdach über dem Kopf

Und ein Hausmittel vom Nussbaum dazu

Die Natur hat sich schon seit Jahrtausenden darauf eingestellt, mit dem zurechtzukommen, was der Mensch mitsamt seiner Zivilisation an ihr verändert. Mehr noch, verschiedene Arten ziehen bis heute ihren Vorteil daraus und folgen der humanen Siedlungstätigkeit. Seitens der Vögel sei in diesem Zusammenhang lediglich auf den Storch und die Mehl- bzw. die Rauchschwalben verwiesen. Oder was wäre ein Dorf, würde nicht der Haussperling von den Dachrinnen heruntertschilpen. Im Walnussbaum (Juglans regia) begegnen wir einer Baumart, die höchstwahrscheinlich nicht in unseren Breiten anzutreffen wäre, hätte man nicht an seiner Verbreitung Richtung Mitteleuropa durch die antike und mittelalterliche Gartenkultur mitgeholfen. Die Vorzüge der Präsenz des Nussbaumes liegen auf der Hand. Mit seinen Wurzeln unterstützt er das Befestigen von Hängen und Böschungen seitlich der Keller und der Presshäuser in Weingegenden. Seine herbstlichen Früchte wiederum sind gesunde Köstlichkeiten, auf die wir nur ungern verzichten würden. Dieser Umstand lockt zudem die freilebende Tierwelt in die Nähe unserer Häuser, deren Arten ja auch keine Kostverächter sind. Wenn jedoch die Sonne vom Himmel herunterbrennt, dann kommt der Vorzug einer blattbestückten Baumkrone zum Tragen, die dem Nussbaum ebenfalls zu Eigen ist. Dort kann man auch ohne entsprechende Kopfbedeckung sitzen und wird keinen Schaden seitens einer zu intensiven Einstrahlung davontragen. Andernfalls kann ich nur das Tragen eines Hutes anempfehlen, weil auf so mancher Stirn die schützende Haarpracht fehlt. Die in Nussblättern enthaltenen Gerbstoffe erweisen sich des Weiteren als gute Stärkung der Kopfhaut. Die sollte man, egal ob behaart oder größtenteils freistehend, gerade im Sommer vermehrt pflegen. Mithilfe des Blätterdaches des Walnussbaumes kann man sich in Eigenproduktion diesbezüglich weiterhelfen.

Einreibemittel für das Haupt

Olivenöl und Weißwein mischt man zu gleichen Teilen ab, so dass man eine Menge von 500 g erhält. Nun fügt man 125 g kleingeschnittene Nussblätter hinzu und stellt alles zusammen in einem verschlossenen Glasgefäß 14 Tage lang ans Fenster. Danach einfach abseihen, den Rückstand auspressen, gebrauchsfertig abfüllen, kühl und dunkel lagern. Vor dem Verwenden jeweils durchschütteln. Somit besitzt man ein gut geeignetes Einreibemittel für die Kopfhaut, die angesichts der vermehrten sommerlichen Sonnenbestrahlung einer erhöhten Strapaz ausgesetzt ist.


Walnuss ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Felder voll strahlender Pracht

Sonnenblumen sind nicht nur schön anzusehen

Welche Landschaften mögen Sie besonders? Sind es gebirgige Höhenrücken, ist es ein Strand am Meer, sind es die Dünen der Wüsten oder ist es das hügelige Land rund um die Weinberge? Da hat wohl jeder seine Vorlieben. An den sonnigen Sommertagen können selbst großflächig angelegte Agrarflächen eine gewisse Pracht entfalten, streift das milde Licht der untergehenden Sonne darüber. Ganz erhebend ist dies anzusehen, wenn sich vor den Augen womöglich ein Feld mit Sonnenblumen (Helianthus annuus) ausbreitet. Diese Alternativfrucht findet sich ja oft zwischen den goldgelben Getreidebreiten und sorgt für eine willkommene visuelle Abwechslung. Wenn auch die Landwirte, die diese Sonderkultur ziehen und ernten, den Ertrag aus den schalentragenden Körnern des Korbblütlers abschöpfen, so sind doch ebenso die Schönheit und die Erhabenheit dieses zierenden Gewächses von hohem Wert. Das wissen auch jene, die mit den Sonnenblumen lediglich kleine Flächen zwischen den Gemüsebeeten oder im Vorgarten bestücken. Natürlich kann man sich genauso dran freuen, wenn sich ab dem Reifen der Samen die naschenden Meisen einstellen, um sich ihren Speisezettel schon vor dem Eintreffen des Winters aufzubessern. Futterneid ist hier sicher nicht angesagt. Wir dürfen uns abgesehen davon schon früher eines Nutzens bedienen, der oft ganz übersehen wird. Denn solange die Sonnenblumen am Blühen sind, stehen uns die kranzförmig angeordneten Blütenblätter zur Verfügung. Ihre schmückende Eigenschaft habe ich bereits erwähnt. Darüber hinaus tun sie zudem unserem Organismus gut, wenn man sie dementsprechend aufbereitet und einsetzt. Jetzt noch kann die frische Ware zu diesem Behufe herhalten. Für später sollte man sich aber eine Reserve anlegen. Dies geschieht recht einfach, indem man die goldgelbe Pracht behutsam abzupft und gründlich im Schatten trocknet. Danach bewahrt man am besten die getrocknete Ware vor Licht und Feuchtigkeit geschützt auf.

Hausmittel Sonnenblumen-Blütenblätter

Die voll entfalteten Blütenblätter kann man frisch von den Sonnenblumen ernten und damit im Heißaufguss einen Tee zubereiten. Dieser erweist sich für die oberen Atemwege als entzündungsmindernd. Darüber hinaus darf man den Tee auch als Harntreiber einsetzen bzw. ihn bei Blähungen oder bei Durchfall trinken. Die getrockneten Blütenblätter der Sonnenblume wiederum kann man zu einem Pulver zerreiben und ebenfalls bei den letztgenannten Beschwerden in kleinen Mengen einnehmen.


Sonnenblumenblüte ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Seltene und heilsame Schönheit

Den Diptam aus dem Garten nutzen

Angesichts der Tatsache, dass wir rund um das Ende der Amtszeit unseres verehrten Herrn Bundespräsidenten Fischer in der vergangenen Woche – dem ich an dieser Stelle einen herzlichen Dank für seine souveräne Amtsführung aussprechen möchte – und im Hinblick auf die Wahl eines neuen Staatsoberhauptes unser schönes Österreich besonders in den Fokus nehmen, soll hier einmal mehr auf die floralen Schätze unserer Heimat verwiesen werden. Zu den seltenen und geschützten Pflanzen zählt ganz gewiss der Weiße Diptam (Dictamnus albus). Wie so viele andere Kräuter besitzt auch der Diptam seine ursprüngliche Wuchsheimat rund um das Mittelmeer und breitete sich im Laufe der Zeit zusätzlich in klimatisch milden Gegenden nördlich der Alpen aus. Wieweit dabei die Hand des Menschen im Spiel war, bleibt dahingestellt. Immerhin finden wir ihn heute immer noch auf sonnigen und halbschattigen Standorten mit kalkhaltigem Boden. Er ist eine der wenigen Pflanzen, die aufgrund ihres hohen Gehaltes an ätherischen Ölen an heißen Tagen durch Selbstentflammung zu brennen beginnen kann, was wiederum zur Bezeichnung Brennender Busch geführt hat. In alten Aufzeichnungen wird die Heilwirkung der Diptamdroge als krampflösend, beruhigend, blähungswidrig und wassertreibend bezeichnet. Bei Befall von Würmern hat man ebenfalls zu diesem Kraut gegriffen wie auch bei Unterleibserkrankungen der Frauen. Auf eine innerliche Anwendung sollte man jedoch nach den Erkenntnissen der neueren Forschung verzichten. Noch einmal sei betont, dass der Diptam unter strengem Naturschutz steht. Hat der Diptam durch gezogene Ware vor der Haustür Fuß gefasst, dann ist er mit seinen ästhetisch geformten Blüten eine wahre Augenweide. Die Gartenform lässt sich durchaus aufbereiten. Bei Rheuma-, Glieder- und Gelenksschmerzen kann man z. B. von einer Tinktur profitieren, die rein äußerlich zum Einsatz kommt.

Einreibung mit Diptamtinktur

Zur privaten Herstellung einer Tinktur aus Diptamkraut für den Hausgebrauch nimmt man eine Mischung aus frischen Blättern und Blüten der Pflanze, wobei auch ältere Blätter sowie Stängelteile mit verwendet werden können. 150 g davon werden zerkleinert und mit 1 Liter 75%igem Obstbrand angesetzt. In einem verschlossenen Glasgefäß 14 Tage lang ans Fenster stellen und täglich einmal durchschütteln. Danach abseihen und den Rückstand mit 1/2 l abgekochtem und ausgekühlten Wasser übergießen, 3 Stunden stehen lassen und dann abseihen. Den Rückstand auspressen, zur ersten Flüssigkeit geben und in Flaschen füllen. Noch 1 Monat stehen lassen. Zum Einreiben verwenden.


Diptam ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Nerven brauchen eine Unterstützung

Im Andorn besteht eine Möglichkeit dafür

Überall dort, wo Bauten errichtet oder Straßen neu trassiert werden, verändert sich die vorhandene Flora, sofern sie nicht ganz entfernt wird. Was übrig bleibt, sind Schutthalden und Schotterhaufen, eben Flächen von bracher Beschaffenheit. Irgendwie kommt es mir vor, dass ein derart verändertes Erdreich wiederum Zeit zum Heilen und zum Beruhigen braucht. In der Schar der Pionierpflanzen, die einen erneuten Bewuchs derartiger Areale zu Wege bringen, befindet sich neben vielen Arten oft der Andorn (Marrubium vulgare). Er zählt zu den Lippenblütlern und wird in der Verwendungstradition der Naturheilkunde seit langem geschätzt. Studiert man die alten Schriften seit der Antike, stößt man immer wieder auf die Verwendung von Andornkraut als potentes Mittel bei Vergiftungen. Trotzdem man heutzutage andere Methoden verwendet, um solche akuten Notfälle zu behandeln, tut es der Tatsache keinen Abbruch, dass der Andorn auch anderweitig eingesetzt werden kann. So kommt es immer wieder vor, dass durch Veränderungen in unserer Umwelt, durch den Arbeitsdruck im Berufsleben oder durch konfliktreiche Milieus unsere Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden. Wie schon oben angesprochen, ist der Andorn unter freiem Himmel fähig, sich auf ein durch Menschenhand verändertes Erdreich zu setzen, um dies gleichsam zu beruhigen und zu festigen. Gemäß den Ansichten der Signaturenlehre, einer traditionell europäischen Sichtweise der Phytotherapie, ist es sicher nicht das Schlechteste, diese scheinbare Kompetenz des Andorns ebenfalls für unsere menschlichen Belange der Physis und der Psyche zu nutzen. In einer sehr angenehmen Weise lässt sich jener bescheidene Lippenblütler im wahrsten Sinne des Wortes zu Gemüte führen.

Andorn-Wein als Aperitif

In einer Flasche mit 1 Liter qualitätsvollen Weißweines setzt man 40 g des getrockneten und zerkleinerten Krautes von blühendem Andorn 8 Tage lang an. Danach gießt man den Ansatz ab, presst den Pflanzenrückstand zusätzlich aus und filtriert die gesamte Flüssigkeit noch einmal. In eine eigene Flasche abfüllen. Kühl und lichtgeschützt lagern. Um die Nerven zu stärken, kann es sich bewähren, eine Zeitlang täglich vor der Hauptmahlzeit in Form eines Aperitifs den Andornwein zu sich zu nehmen.


Weißer Andorn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Drei in eins

Der Echte Eibisch in all seinen Pflanzenteilen

Der Garten ist wie ein Supermarkt. Gewiss finden wir dort keine schreierische Werbung für die verschiedenen Produkte in Form von Schildern und Reklamen. Dennoch gibt es ein wechselndes und in der Vegetationszeit zugleich frisches Angebot, das man zeitgerecht nutzen kann. Für die Bestückung des kleinen grünen Reiches vor der Haustür ist jedoch der Besitzer selbst zuständig. Da konnte man bereits im Frühjahr oder im vergangenen Jahr das hineinholen, was einem zu Gesicht steht und sympathisch ist. Der Echte Eibisch (Althaea officinalis) kann unter anderem auch darunter sein. Dieses ausdauernde Malvengewächs stellt sich z. B. als reizmilderndes und entzündungshemmendes Hausmittel zur Verfügung. Der Eibisch bevorzugt einen humosen und zugleich feuchten Boden. Die Wurzeln, die einen hohen Gehalt an Schleimstoff haben, gräbt man am besten zeitig im Frühjahr oder im Herbst aus, die Blüten kann man den Sommer über von der Pflanze zupfen. Die Blätter hingegen erntet man am besten nach der Blütezeit, da sie dann mehr Gehalt an Pflanzenschleim besitzen als in der Wachstumsperiode davor. Bei der Aufbereitung der Wurzel zur Weiterverwendung ist darauf zu achten, dass man sie nach gründlicher Reinigung unter fließendem Wasser rasch trocknet. Am besten geschieht dies durch Zuhilfenahme künstlicher Wärme (ca. 40 °C). Wenn der Trocknungsvorgang zu lange dauert, kann es passieren, dass Pilze die Droge unbrauchbar machen. Aus der Wurzel lässt sich unter anderem ein Tee zubereiten, der bei Magengeschwüren und entzündeten Atemwegen gute Dienste leistet. Aber damit nicht genug. Denn die oben angeführten nutzbaren Pflanzenteile des Eibischkrautes lassen sich auch zusammenmischen und miteinander aufbereiten. Bei Beschwerden mit einer entzündeten Lunge oder einem infizierten Verdauungstrakt kann es also durchaus angebracht sein, diese Mischung dem Körper zuzuführen, um wiederum eine Besserung einzuleiten.

Eibisch-Tee in Kombination

Hermann-Josef Weidinger empfahl einen Eibisch-Tee, der aus einer Mischung von getrockneten und zerkleinerten Blüten, Blättern und Wurzeln (ca. zu gleichen Teilen) aufgegossen wird, als besonders wirkungsvoll. Man nimmt davon 2 Teelöffel voll und übergießt sie mit 1/4 Liter kaltem Wasser. 8 Stunden lang zugedeckt stehen lassen, dann leicht anwärmen und schließlich abseihen. Schluckweise und bedächtig trinken.


Eibisch ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya





Vom Gesicht bis zu den Schenkeln

Die Goldmelisse tut einfach gut

Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst! – Dieser untrennbar mit der Gottesliebe verbundene Satz, der uns als bedeutendste Wegweisung aus der Bibel zur Verfügung steht, wird zwar sehr oft in den Mund genommen, seine Verwirklichung hinkt dem aber deutlich hinterher. Es ist wahrlich nicht einfach, die Mitmenschen so anzunehmen, wie sie sind und dann kommt noch das Gfrett hinzu, dass man mit dem, was in der eigenen Haut steckt, seine liebe Not hat. In der Goldmelisse (Monarda didyma) begegnet uns jedoch eine Heilpflanze, die uns genau dabei ihre imaginäre Hand zu reichen weiß. Nicht umsonst haben ja schon die indigenen Ureinwohner ihres Herkunftskontinents Amerika diesen Lippenblütler seit jeher geschätzt und in ihren Alltag integriert. Gottlob findet sich die Monarde, wie die Goldmelisse gerne bezeichnet wird, seit einigen Jahrhunderten auch auf dem europäischen Festland in den Gärten, wo sie jedoch vorerst zu Schauzwecken als exotische Rarität ihr Dasein fristen musste. Im Laufe der Zeit erkannte man hingegen, dass sich ihre Verwendung als Heildroge anregend auf den Organismus und seine physischen Vollzüge auswirkt. Gleichzeitig gilt die Goldmelisse als ausgleichend und vor allem erwärmend. Und würde man abstreiten wollen, dass unsere Herzen es sehr nötig haben, eine Ausstrahlung zu entwickeln, die sich menschenfreundlich und verständnisvoll zeigt? Aber was man nicht selbst besitzt, kann man schlussendlich auch nicht weitergeben. Daher ist es gut, sich mithilfe eines Krautes in der Wertschätzung seiner selbst zu üben und dafür auch die nötige Zeit aufzuwenden. Das, was in der eigenen Haut steckt, ist es durchaus wert. Also wird es das Beste sein, sich infolge auch der Schutzschicht des Körpers pflegend zuzuwenden.

Monarden-Öl selber zubereiten

So einfach geht’s! Von der Goldmelisse sammelt man die oberen blühenden Triebe und zerkleinert sie. Davon gibt man 75 g in 1/2 Liter kaltgepresstes Olivenöl und stellt es in einem verschlossenen Glasgefäß 14 Tage lang ans Fenster. Alle Pflanzenteile müssen gut mit dem Öl bedeckt sein. Täglich einmal durchschütteln. Danach abseihen, den Rückstand zusätzlich auspressen und das so gewonnene Öl in Fläschchen füllen. Kühl und dunkel lagern. Durch das Einreiben, etwa nach dem Duschen, wirkt das Monarden-Öl auf das Gesicht und die übrige Körperoberfläche reinigend, erfrischend und stärkend.


Goldmelisse ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya