Adventliches Flair für den Körper

Mit Fichtennadeln neue Kraft schöpfen

Heute ist der erste Adventsonntag. Damit beginnt im römisch-katholischen Ritus die Vorbereitungszeit auf das Hochfest der Geburt Christi. Die Dekorationen hierfür wurden schon längst auf den Plätzen und in den Supermärkten vorweggenommen, ohne Rücksicht auf die Zeiten des liturgischen Jahreskreises. Die Fichte gehört auf jeden Fall dazu, wenn auch die Tanne im Blick auf Weihnachten ganz vorne steht. Die Fichtenwipferl sind vielen bekannt, da sie zu einem Sirup verarbeitet sehr wohltuend für die Atemwege sind. Wer auch jetzt im beginnenden Winter durch einen dichten Bestand an Fichtenbäumen in den heimischen Wäldern geht, der stellt bei guten wettermäßigen Bedingungen über die Nase das spezielle Aroma fest, das den Nadelbäumen entströmt. Abgesehen davon, dass ein Spaziergang dem Leib einfach gut tut, darf hier ebenfalls der weitere Nutzen für unseren Organismus bedacht werden, den man sich im Hinblick auf die Fichten zu Eigen machen kann. Trotz der vielgepriesenen stillen Zeit des Advents ist oft keine Spur von Stille und Muße zu finden. Hingegen scheint die Geschäftigkeit der weihnachtlichen Vorbereitungen und zu absolvierenden Feiern alles andere zu überdecken. Ein Gang durch die winterlich ruhende Natur kann einem wieder einen Moment der Besinnung schenken. Adventliches Flair tut aber noch auf eine andere Weise dem Körper gut. Die Fichtennadeln stellen nicht nur ein Material zum Dekorieren der Innen- und Außenbereiche unserer Lebenswelt dar. Sie können ruhig auch an die Haut herangeführt werden, ohne dass man Stiche fürchten muss. In der eigenen Badewanne ist das möglich.

Fichtennadelbad bei Übermüdung und Erschöpfung:

Von Fichtenzweigen kann man jetzt die Nadeln frisch abpflücken. Davon nimmt man eine Menge von ca. 150 g und gibt sie in 2 Liter kaltes Wasser. Beides zusammen kocht man kurz auf und mischt es nach dem Abseihen dem Badewasser bei. Etwa 20 Minuten verweilt man dann im gut warmen Nass, um den Stoffwechsel durch die ätherischen Öle der Fichtennadeln positiv zu stimulieren. Dieses Bad erweist sich zudem bei Wechselbeschwerden als hilfreich.

Fichtenwipferl und Zapfen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Hand aufs Herz

Und ein paar Tropfen Kampferöl auf die Haut

Deine und meine, unsere Sorgen sind meist nach außen hin gerichtet. Die Sorge um Kinder, Angehörige, Geld, Haus, Beruf und Arbeitsplatz verzehren nicht nur eine Menge an Lebenszeit, sondern auch an Nerven. Nach innen hingegen schauen nur wenige. Das muss ja ohnehin funktionieren, oder? Der Kampferbaum (Cinnamomum camphora) lenkt unser Sinnen in eine Region unserer Welt, die wir im Hinterkopf meist mit Ruhe, Meditation und innerer Ausgeglichenheit in Verbindung bringen. Ganz konkret meine ich damit die Länder Ostasiens und die dort dominierenden Religionen bzw. Lebensphilosophien. Botanisch betrachtet zählt der Kampferbaum zu den Lorbeergewächsen (Lauraceae). Sowohl die grünen Pflanzenteile wie auch das Holz riechen ganz charakteristisch nach Kampher, einem farblosen Feststoff, der ebenfalls chemisch hergestellt werden kann. Über die Nase haben wir wohl alle schon in irgendeiner Weise Bekanntschaft damit geschlossen. Seit der ausgehenden Antike gibt es auch in Europa schriftliche Quellen, die von der Verwendung von Kampher berichten. Unter anderem wurde Kampheröl zum Einbalsamieren von Verstorbenen herangezogen. Die Lebenden wiederum benutzen es bis zum heutigen Tag für heilkundliche Zwecke. Was dem Geruchsinn womöglich unangenehm vorkommt, das kann sehr wohl auch etwas Positives für unser Wohlbefinden beitragen. So sei hier wieder einmal dazu animiert, sich um das zu kümmern, was wie selbstverständlich und wie geschmiert zu laufen scheint: unser Herz. Ohne seine Muskelkontraktion würden wir binnen kurzem unumkehrbar mit unserer Physis zum Stillstand kommen. Daher kann mit unserem Herzen ebenso unser Wesen zur Ruhe gelangen, wenn wir uns bewusst Zeit dafür nehmen. Samt ein paar Tropfen Kampferöl.

Ätherisches Kampferöl wirkt von außen nach innen:

Generell ist mit dem Gebrauch von Kampferöl ganz sorgsam umzugehen. Manche Haut reagiert heftig auf den Kontakt damit. Wer aber eine kräftige Schutzschicht besitzt, kann ab und zu ein paar Tropfen dieses Öls auf die Haut auftragen und mit einem natürlichen Olivenöl nachreiben. Über die Haut kann man so den Herzmuskel stärken und in seiner pausenlosen Tätigkeit unterstützen. Während einer Schwangerschaft ist diese Anwendung generell zu meiden. Kampfer soll man auch keinesfalls bei Säuglingen, Kleinkindern und bei Epilepsie zum Einsatz bringen!

Kampferbaum ⓒ Foto: Flickr, 潘立傑 LiChieh Pan

Ein exotischer Baum?

Die Mispel ist einfach nur in Vergessenheit geraten

Mit den Zeiten ändern sich nicht nur die Sitten, sondern auch die Gärten. Da braucht man bloß die älteren Generationen unter uns zu befragen, um authentische Beschreibungen der Gartenflora zu erhalten, wie sie vielerorts noch Mitte des 20. Jahrhunderts vorzufinden war. Mit dem Namen Mispel können zwar in diesem Zusammenhang viele vom Wortlaut her etwas anfangen, aber wie dieses Rosengewächs wirklich aussieht, wissen nur mehr wenige. Der Mispelbaum (Mespilus germanica) ist kein riesiges Gewächs. Er erreicht gerade einmal 5 Meter an Wuchshöhe. Und seine Früchte zählen bestimmt nicht zu den Wonnen des Sommers. Denn es braucht bis zum Spätherbst, dass das charakteristisch geformte Obst heranreift. Zudem muss der Frost das Seine tun, um dem Fruchtfleisch die nötige Weiche zu verleihen. In seinem Buch „Sprich mit Deiner Haut“, das vor fast 30 Jahren das erste Mal in Druck ging, formulierte Hermann-Josef Weidinger folgenden Appell: „Aufruf an Gartenbesitzer: Pflanzt Mispelbäume wieder in eurem Garten! Baum und Frucht verdienen es.“ Nun, bis zum Bäume-Pflanzen im neuen Kalenderjahr bleibt noch Etliches an Zeit. Da kann man sich durch geeignete Literatur in den Büchern oder im Internet ausführlich mit diesem wenig bekannten Gehölz auseinandersetzen oder ihm sogar schon einen künftigen Standort aussuchen. Sollte aber jemand das Glück besitzen, gegenwärtig die Mispeln als frische Früchte zur Verfügung zu haben, dann ist es auch möglich, sie zu nutzen.

Mispeln entsaften:

Den eigentlichen guten Geschmack bekommen Mispeln erst, wenn sie nach dem ersten Reif gepflückt und im Keller auf Stroh gelagert werden. Dann eignen sie sich sogar zum Entsaften. Wer unter chronischen Durchfällen oder Dyspepsien (Verdauungsstörungen) leidet, ist gut beraten, das zusammenziehend wirkende und gleichzeitig stärkende Tonikum zu sich zu nehmen, das im frischen Saft aus Mispeln zu finden ist.

Mispeln ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Hopfen und Apfelschalen

Der Hopfen hat einen besseren Ruf verdient

Ist der Ruf einmal ruiniert, lebt sich’s leichter ungeniert! – Ich weiß nicht, ob das die ideale Lebenseinstellung ist. Beispiele gäbe es an und für sich genug: Aber wollte jemand mit dem Finger auf andere zeigen, so könnte er bald selbst zum Objekt des Spottes werden. Manche kommen noch dazu ganz unschuldig in diesen „Genuss“, wie z. B. der Hopfen. Natürlich will auch ich kein Spaßverderber sein. Dennoch soll heute die Gesundheit im Vordergrund stehen, die das kletternde Hanfgewächs durchaus unterstützen kann. Hopfen führt im rechten Gebrauch eine allgemeine Entspannung herbei. Dabei wird jedoch nicht das Schlafzentrum im Gehirn beeinflusst. Vielmehr werden durch die beruhigenden Inhaltsstoffe, die in den Blütenzapfen des Hopfens enthalten sind, überreizte Triebe besänftigt und unser Wille in richtige und ausgewogene Bahnen gelenkt. Zudem lässt sich Hopfen in der Naturheilkunde mit sehr viel anderen Kräutern kombinieren. Dazu fällt mir ein sehr schöner Vergleich mit einem Musikinstrument ein. In der barocken Orgelbautradition des süddeutschen bzw. österreichischen, böhmischen und mährischen Bereichs hat man früher in die Kirchenorgeln gerne das Register „Copula“ eingebaut. Dabei handelt es sich in der Regel um ein gedecktes Holzregister, das eine gute Klanggrundlage bietet und zu dem man viele andere Register mischen kann. Als ein Fan von alten historischen Instrumenten und der Musik, die daraus erklingen kann, liegt mir eben dieses Bild sehr nahe. Sowohl der Hopfen als auch die Orgel haben etwas mit Freude, Besinnung und Zuversicht zu tun. Ersterer lenkt ganz konkret unsere Physis in diese Richtung.

Hopfen und Apfelschalen:

Um einen Tee aus beiden Zutaten anrichten zu können, benötigt man getrocknete und zerkleinerte Hopfenblüten und Apfelschalen von ungespritztem Obst. Zu gleichen Teilen gemischt, nimmt man 2 Teelöffel davon und übergießt sie mit 1/4 l kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und abseihen. Dieser Tee hilft vor allem jenen, die über einen nervösen Magen klagen und immer wieder so genanntes Magendrücken verspüren. Bei Bedarf ein paar Tage hintereinander je 3 Tassen davon trinken.

Hopfen ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Höhere Lebenserwartung

Der Weißdorn unterstützt die Arbeit des Herzens

Mit Statistiken ist das so eine Sache. Ohne Zögern dürfen wir aber feststellen, dass die Lebenszeit der Menschen im Durchschnitt höher ist als noch vor 50 Jahren. Wir wissen alle, woran das liegt und mit welchen Folgen wir dadurch zu rechnen haben. Die geburtsschwachen Jahrgänge bereiten uns jetzt schon viel Kopfzerbrechen. Am Wegrand unserer gegenwärtigen Zeitenwirklichkeit steht aber auch der Weißdorn (Crataegus). Für mich persönlich ist es nicht nur ausschlaggebend, dass er unseren Kreislauf ganz positiv beeinflussen kann. Habe ich die Gelegenheit, mit Interessierten eine Kräuterwanderung durchzuführen, so bleibe ich gern beim Hagedorn, wie er früher ebenfalls bezeichnet wurde, stehen. Ich nehme ein Zweiglein in die Hand und halte es in die Nähe meines Herzens. Die Blätter sind sehr schön anzusehen, denn sie besitzen eine Ästhetik, die bestechend ist. Trotzdem üben sie mit ihrem grünen Laubkleid Zurückhaltung. Der Weißdorn ist kein marktschreierischer Typ, der schon von weitem alle Augen auf sich ziehen würde. Im Winter jedoch treten die Früchte des Feldgehölzes gleichsam hervor, weil ihre rote Farbe uns sagen möchte: jetzt bin ich da und ich bin immer noch da für dich! Wenn der Mensch in seine reife Phase des Lebens eintritt, so hat sein Herz oft schon vieles erlebt und durchhalten müssen. Wenn sich viele von uns ein hohes Alter wünschen, dann sollen wir auch bedenken, dass nicht nur die reelle Arbeitszeit bis zu Pension eine längere sein wird, sondern dass auch unser Herz dementsprechend mehr zu tun haben wird. Gottlob gibt es den Weißdorn, der sich unseres „Kreislauf-Motors“ annimmt. Verachten wir ihn daher nicht!

Tee aus Weißdorn-Früchten:

Die Erntezeit der Weißdorn-Beeren dauert bis in den Monat Dezember hinein. Vom Strauch gepflückt, werden sie anschließend in einem warmen Raum getrocknet und zerstoßen. 2 Teelöffel davon gibt man in 1/4 Liter kochendes Wasser. Noch kurz weiterkochen, dann erst 15 Minuten lang ziehen lassen und abseihen. Vor allem ältere Menschen profitieren davon, wenn sie 3-mal am Tag eine Schale voll des Tees dieser Art zu sich nehmen. Generell dürfen ihn aber alle trinken, deren Herz durch eine erhöhte Erregbarkeit gefordert wird. Die Anwendung ist auch hilfreich bei erhöhtem Blutdruck.

Weißdornfruchtzweig ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Herbstputz für das Blut

Mit einem aufbereiteten Strauß Stockrosen

Loslassen können ist nicht immer leicht. Viele von uns neigen eher zum Gegenteil. Wir sammeln gerne, blicken zufrieden auf einen hohen Kontostand und denken nur allzu oft an Dinge, die wir besitzen und haben sollten, um glücklich zu sein. Liebgewordene Menschen wollen wir so lange wie möglich in greifbarer Nähe haben. Die Stockrose (Alcea rosea), die zur Familie der Malvengewächse gehört, bringt mit ihren herrlichen Blüten ebenfalls eine Fülle an Leben zum Ausdruck, nach der wir uns insgeheim oder ganz offen sehnen. Die Pflanze hat auch eine Reihe an Wirk- und Inhaltsstoffen, zu denen Schleim- und Gerbstoffe, Pektin, Althein und wertvolle Mineralien zählen. Da ihr Angebot so breit gefächert ist, kann sie eben bildlich gesprochen sehr freigiebig sein. Sie geizt nicht mit dem, was sie hat. Indem sie vor manchen Fenstern in den Gärten und an den Gehsteigen des Sommers in voller Kraft blüht, zeigt sie das auch nach außenhin. Sie hilft uns aber ebenso, das Überschüssige abzugeben und einen physischen Kehraus zu halten. In den jahreszeitlichen Übergängen ist das besonders wichtig. Bevor der Winter einkehrt, sollte man nicht nur die Dachböden oder die Lagerschuppen entrümpeln und ausräumen. Der Körper braucht ebenso Platz für neue Kräfte und frische Lebensenergien. Das Immunsystem möchte sich doch auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren können, um nicht ständig mit den „hausgemachten Problemen“ des Organismus beschäftigt sein zu müssen. Immerhin bringt der kommende Winter genug Herausforderungen für die Gesundheit mit sich, die von außen an den Körper in Form von Krankheitserregern und kalten Temperaturen anklopfen. Das Blut sollte daher gut in Schuss sein.

Blutreinigung mit Stockrosen:

Wie schon im Frühjahr an dieser Stelle beschrieben, darf auch im Spätherbst eine erneute Kur angewendet werden. Dazu übergießt man 2 Teelöffel voll getrockneter und zerkleinerter Stockrosenblüten mit 1/4 Liter kochendem Wasser. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und dann abseihen. Ein wenig mit Honig süßen. 3 Wochen lang früh und abends je eine Schale davon trinken.

Stockrose ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Mit Bitterkeit in Berührung kommen

Im Tausendguldenkraut reichlich vorhanden

Der Begriff „Wellness“ hat meiner Meinung nach zwei Seiten. Es steht außer Diskussion, dass es uns allen gut gehen soll. Dafür dürfen wir unsere Physis wie auch unsere Psyche pflegen und manchmal auch verhätscheln. Hilfsmittel und Angebote gibt es dafür en masse. Im Leben gibt es aber auch bittere Phasen, die einfach unumgänglich sind. Wenn von Bitterstoffen die Rede ist, so findet man im Tausendguldenkraut (Centaurium umbellatum) einen pflanzlichen Vertreter, der reich damit bestückt ist. Die Naturheilkunde wusste diesen Umstand von jeher zu nutzen. Die Verdauung und das Gedächtnis sind nach wie vor Adressaten der Wirkkräfte des schmucken Enziangewächses. Aber kehren wir zurück zum homo sapiens. Dieser korrespondiert mit seiner Umwelt auf verschiedene Weise. Wir können sie der Reihe nach aufzählen: die Stimme und die Sprache gehören dazu, die Mimik des Gesichtes, die Gestik der Hände, der Arme und der Beine. Haben wir etwas dabei vergessen? Ja, die Ausdünstung. Tiere z. B. merken viel früher als wir Intelligenzbegabten, ob wir Angst haben oder ob wir furchtlos dem animalischen Mitbewohner gegenübertreten. Aber auch uns geht es oft so, dass wir jemanden, der nicht unbedingt unserer Sympathie würdig ist, sprichwörtlich und manchmal auch reell nicht riechen können. Bei manchen Krankheiten lässt sich ein übler Körpergeruch zudem kaum vermeiden. Und nicht zuletzt ist es der jeweils gepflegte Lebensstil, der für unsere atmosphärische Aura verantwortlich zeichnet. Das Tausendguldenkraut will uns lehren, die Bitternis in unserem Leben ganz bewusst anzunehmen und es kann mithelfen, durch bewusste Pflege der Haut wiederum gesellschaftsfähig und für die anderen zugänglich zu werden.

Einreibung bei Körpergeruch:

Über Nacht setzt man 1 Teelöffel voll des getrockneten und zerkleinerten Tausendguldenkrautes in 1/2 Liter kaltem Wasser an. Am Morgen abseihen und bei Zimmertemperatur verwenden. Den Körper an seinen transpirierenden Stellen damit abreiben und den Ansatz von alleine in die Haut einziehen lassen. Wenn man diesem Tee ein paar Löffel hochprozentigen Alkohol beifügt, hat man eine haltbare Einreibung zur Hand, die für eine längere Zeit ausreicht.

Tausendguldenkraut ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Ein Tee anstatt Wasser und Seife

Die Ringelblume macht’s möglich

Auszeichnungen und Ehrenbekundungen sind in unserem Land von hoher Bedeutung. Mag sein, dass jemand in diesem Zusammenhang die Eitelkeit bekrittelt, die – ganz selten zwar – bei Menschen dieser Klasse anzutreffen ist. Heute geht es mir aber nicht um Titel und glitzernde Ordensabzeichen. Vielmehr wende ich meinen Blick auf die Ringelblume (Calendula officinalis) und auf die Hände (lat: manus) unseres Körpers. Von Ersterer wissen wir, wie heilsam sie auf das Innere und Äußere unseres Organismus wirken kann. Von unseren Händen ernten wir mehr oder weniger den Erfolg unserer Arbeit. Gewiss hat sich da in Zeiten der durchtechnisierten Lebenskultur einiges geändert. Zudem haben wir bewundernswerte Beispiele von Zeitgenossen, die trotz des schmerzlichen Verlustes ihrer Greiforgane Erstaunliches leisten. Dennoch ist die Hand die eigentliche Kontaktstelle zur Welt. Ihr gebühren auf jeden Fall viele Verdienstabzeichen für den unermüdlichen Einsatz zwischen dem ersten und dem letzten Atemzug unserer irdischen Existenz. Nun, mit einem Blatt Pergament oder einem ausgestanzten Stück Metall werden unsere Hände vermutlich keine rechte Freude haben. Da ist es schon besser, wenn wir ihnen unsere Zuneigung in Form einer beherzten Pflege zuteil werden lassen. In Gemeinschaft mit der Ringelblume fühlt sie sich auf jeden Fall wohl. Daher sollten wir die heilende Sonnentochter aus dem Gartenbeet öfter einladen, mit unseren Händen zusammenzutreffen. Das bedeutet für sie dann Wohltat und Auszeichnung zugleich.

Händewaschen mit Ringelblumen-Tee:

2 Esslöffel voll getrockneter Ringelblumenblüten werden mit 1/4 Liter kochendem Wasser übergossen. Danach so lange zugedeckt ziehen lassen, bis der Aufguss Körpertemperatur erreicht hat. Abseihen und 1 Esslöffel voll Blütenhonig einrühren. Und die Hände eine Zeitlang darin baden. Das schafft nicht nur saubere und gepflegte Hände, sondern wirkt sich wohltuend auf den ganzen Organismus aus.

Ringelblume ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Manches braucht seine Zeit

Das Warten zahlt sich beim Sanddorn aus

Wie war das früher alles möglich? – Zur Kommunikation standen lediglich die Post und das Festnetztelefon zur Verfügung. Für mich nicht auszumalen ist der Umstand, dass man sogar nur ein oder zwei Telefone im Dorf hatte, die man benutzen konnte. Oder denken wir nur an die so genannten Viertelanschlüsse! – Der Sanddornstrauch an der Böschung bzw. im eigenen Garten kommuniziert momentan über seine orange-leuchtenden Beeren an den Ästen, sofern es eine weibliche Pflanze ist. Er braucht weder e-Mail noch ein Handy, um auf sich aufmerksam zu machen. Er nimmt sich Zeit, um zu wachsen, zu blühen und seine Früchte heranreifen zu lassen. Damit schenkt er uns eine gute Portion Gesundheit, die in den auch von den Vögeln begehrten Beeren steckt. Es geht mir aber in all meinen Kräuterpräsentationen nicht nur darum, die vielfältigen Möglichkeiten der physischen Hilfestellung einer Pflanze aufzuzeigen. Mit der Frage „Wozu ist das gut?“ erfasst man jeweils nur einen Bruchteil des breitgefächerten Wesensspektrums eines wie auch immer gearteten Gewächses. Immerhin sprechen wir ja ebenso beim Sanddorn von einem gottgeschenkten Lebewesen, das allein schon in seiner Präsenz hier auf Erden wunderbar und bereichernd ist. Vorhin habe ich noch den Rhythmus der Jahreszeiten angesprochen , als ich die einzelnen Erscheinungsphasen des Sanddorns schilderte. Es tut auch uns Erdenbürgern ganz einfach gut, wenn wir diesen Wechsel der Sonnenbahn und des Wetters bewusst in unsere Lebensgestaltung integrieren. Wer einmal erkrankt ist, der muss sich ohnehin Zeit und Muße gönnen, um wieder ins rechte Lot zu kommen. Dasselbe gilt für die Bemühungen, um die Gesundheit nach den jeweils gegebenen Möglichkeiten zu erhalten.

Sanddorn-Schnaps ansetzen:

Die Beeren des Sanddornstrauches erntet man am besten nach dem ersten Frost. Dann nimmt man einen guten Obstbrand und setzt diese in einem Verhältnis 1 : 4 (Beeren – Obstbrand) an. 3 Wochen lang lässt man das Gefäß mit dem Ansatz im Fenster stehen und anschließend stellt man es 3 Wochen lang an einen kühlen und dunklen Standort, um das Ganze abschließend zu filtrieren und im Keller ein Jahr lang zu lagern. Erst im Folgejahr gebrauchen. Ab und zu ein Schluck davon genommen, dient der allgemeinen Stärkung unseres Organismus.

Snaddorn ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya

Auf verschiedenen Wegen Leiden bekämpfen

Hirtentäschel und Kamille zu Partnern machen

Bei politischen Wahlen entscheidet man sich aus verschiedensten Gründen für eine Person oder eine Partei. Wenn dann die Stimmen ausgezählt und die Gewinner festgelegt sind, gilt es einen gangbaren Weg in die Zukunft zu suchen. Dazu braucht man Partner, mit denen man sich eine Zusammenarbeit vorstellen kann. Die beiden Kräuter Hirtentäschel und Kamille haben aufs Erste gesehen nichts mit einer politischen Reform oder Weise des Regierens zu tun. Als von Gott geschaffene Pflanzen sind sie von vornherein über all dem erhaben. Dennoch verstehen es kluge Menschen im Hinblick auf die körperlichen Leiden, die Kräuter zu einer effizienten und gezielten Mitarbeit zu engagieren. Das gilt sowohl für innerliche als auch äußerliche Anwendungen. Der Kreuzblütler Hirtentäschel kann uns z. B. bei einem niedrigen Blutdruck unterstützen oder in frischem Zustand für Krampfadern verwendet werden. Die Kamille wiederum ist ob ihren heilenden Kräften bei vielen gesundheitsbewussten Zeitgenossen sehr beliebt. Wenn es im Sommer möglich war, das frische Grün bzw. die kürzlich im Freien abgezupften Blüten zu nutzen, so bleibt uns in der kalten Jahreszeit immer noch die getrocknete Kräuterdroge als Reserve übrig. Mit dieser Möglichkeit kann man erneut Koalitionen schmieden, die zumindest so lange halten dürfen, bis eben eine belastende Situation, die durch negative Veränderungen an und in unserem Körper zu Tage treten, wiederum der Vergangenheit angehören. Als Beispiel seien hier Hämorrhoiden genannt, die im Handumdrehen auftreten können. In diesem Falle ist es angezeigt, beide Kräuter in einem Tee zu vereinen.

Tee bei Hämorrhoidalleiden:

Getrocknetes Hirtentäschelkraut und ebenso beschaffene Kamillenblüten werden zu gleichen Teilen zusammengemischt. Davon kann man 2 Teelöffel nehmen, um sie mit ¼ Liter kochendem Wasser zu übergießen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen. Über eine Zeit von drei Wochen täglich 3 Schalen davon schluckweise trinken.

Hirtentäschel ⓒ Aquarell von Adolf Blaim, Kräuterpfarrer-Zentrum Karlstein/Thaya